Bald …

DuMont Buchverlag Fester Einband 224 Seiten Erscheinungsdatum: 09.10.2014  Preis: 16,99 € ISBN: 9783832197636

DuMont Buchverlag
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum: 09.10.2014
Preis: 16,99 €
ISBN: 9783832197636

Klappentext
Als die fünfjährige Augusta mit ihrer Mutter Barbara ihr Zuhause verlässt, ahnt sie nicht, dass dies ein Abschied von ihrem bisherigen Leben ist. Den Ort, an dem sie bald darauf wohnen, mag sie nicht. Genauso wenig wie Eduard, den Freund der Mutter. Doch Barbara verschweigt ihrer Tochter die Wahrheit. Auf Augustas Frage, wann sie endlich wieder nach Hause fahren, antwortet sie stets nur mit einem unbestimmten „Bald“. Dieses Wort gibt Augusta Zuversicht, doch an ihrem sechsten Geburtstag muss sie erkennen, dass sie nie mehr zu ihrem Vater zurückkehren werden. Augusta läuft davon.
Während die Polizei nach dem Kind sucht, wird die Mutter in ihrer Angst auf sich selbst zurück geworfen. Es zeigt sich, dass ihr Leben schon immer von Flucht und der verzweifelten Suche nach Halt geprägt war. Auf fatale Weise hat Barbara die Fehler ihrer Familie wiederholt – und wird damit das Leben ihrer Tochter auf immer verändern.

∗∗∗∗∗

Es ist der Tag von Augustas sechstem Geburtstag, an dem die Geschichte einsetzt. Ein Tag, der ihr Leben einschneidende verändern wird. Augusta und ihre Mutter leben schon eine Weile bei Eduard, dem Freund der Mutter. Augusta mag ihn nicht, wie auch Eduards Wohnung. Bis zu diesem Tag hatte die Mutter sie immer wieder vertröstet, dass sie „Bald“ den Vater wieder sieht. Doch an ihrem Geburtstag wird Augusta bewusst, dass dies nie geschehen wird. Sie packt ihren kleinen grünen Rucksack und geht.

„Die Mama hat gelogen, flüstern die Steinplatten, die Mama darf nicht lügen. Die Mama hat gelogen, die Mama darf nicht lügen … Weil, wenn die Mama lügt, was stimmt dann noch?“ (Seite 37)

Nachdem Barbara das Verschwinden ihrer Tochter bemerkt hat, die Polizei alarmiert wurde, erinnert sie sich in Rückblicken an ihre eigene Kindheit. Auch sie wollte ausreißen, weil sie vom Vater „gezüchtigt“ wurde, die Mutter auch immer die Wahrheit verschwieg und weil sie es anders machen wollte. Barbara muss sich alles hart erarbeiten und erkämpfen. Es gibt Parallelen in der Geschichte von Barbara und Augusta.

Bald gehen wir zurück, sagt Augustas Mutter … bald kommt er zurück, sagt Barbaras Mutter … bald …

In Rückblicken erfährt der Leser aber auch von Andreas, Augustas Vater. Ebenfalls ein Kind dessen Eltern den Krieg erlebt haben. Auch er wurde „gezüchtigt“ und ist in bestimmten „Verhaltensmustern“ gefangen. Außerdem erscheint er in meinen Augen ein „Muttersöhnchen“ zu sein. Als Barbara schwanger wird, kümmert er sich mehr um seine Fische und deren „Nestbau“ als um Babara und das ungeborene Kind. Wieder einmal würde Barbara am liebsten ausbrechen … fliehen, doch sie bleibt … und wie schon in Kindertagen beschwört sie sich mit ihrer Formel in der Hoffnung, dass wenn sie bleibt alles besser wird.

„Barbara spricht leise vor sich hin, ihren Schwur aus Kindertagen, bis er das ganze stille Zimmer füllt: „Alles wird besser. Alles wird besser. Alles wird besser!““ (Seite 88)

Und auch Eduard hat eine Vergangenheit. Als Kind stotterte er und sein Vater hielt ihn darauf hin für nicht gut genug. In den Augen des Vaters würde Eduard es zu nichts bringen. Er wurde Lehrer an einer katholischen Schule. Dort lernt er Barbara kennen, die dort ebenfalls unterrichtet.

Diese ganzen Rückblenden und auch die Flucht Augustas spielen an einem einzigen Tag. Als Augusta endlich gefunden wird kommt es zu einer Tragödie. Einer Tragödie, die Augustas Leben für immer verändert. Arme Augusta, die Ereignisse haben aus dem fröhlichen Mädchen ein verunsichertes und misstrauisches Kind werden lassen … ihr einziger Rückzugsort ist ihr imaginärer Garten … ein Garten, in dem sie glücklich ist.

„Dabei ist das gar nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist: Sie weiß nicht was sie sagen kann und was nicht. Die Wahrheit ist außerdem, dass Erwachsene lügen. Allerdings nur manchmal. Man muss also sehr aufpassen, wann >manchmal< ist. Wenn man nämlich nicht aufpasst, dann passiert plötzlich was.“ (Seite 215)

Dies ist das Debüt der Autorin Andrea Heuser. Ein Debüt, dass sprachlich sehr leise und zärtlich daher kommt, dessen Inhalt mich aber an manchen Stellen erschüttert und sprachlos gemacht hat. Andrea Heuser hat mit Augusta eine Figur geschaffen, die so real ist, dass man Augustas emotionale Verletzungen  und ihre Unsicherheiten förmlich spüren kann. So sehr, dass ich als Leser wütend wurde … auf Barbara, weil sie es einfach nicht schafft Augusta die Wahrheit zu sagen … auf Andreas, dem seine Fische wichtiger sind als seine Frau und sein Kind … auf Eduard, der einfach nicht in der Lage ist auf Augusta einzugehen. Alle drei haben ähnliche Verletzungen erlitten und machen die gleichen Fehler wieder. Da frage ich mich warum? Und die Antwort ist eigentlich so einfach, schaue ich in mein eigenes Leben.

Wir übernehmen ungewollt bestimmte „Verhaltensmuster“ unserer Eltern. Muster, die unsere Kindheit geprägt haben. In der Kindheit und im Teenageralter nehmen wir uns vor, nie so wie die Eltern zu werden. Mit dreißig oder vierzig stellt man dann hin und wieder fest … oh man… wie meine Mutter/ wie mein Vater. Und wenn man diese Muster erkennt, hat man schon einen Anfang gemacht und kann sie durchbrechen …

Diese Debüt, welches autobiografische Züge hat, ist ein Roman, der einen Einblick in eine Kinderseele wirft und was das Verschweigen für eine Auswirkung darauf haben kann. Ein Roman, dessen Protagonistin einem ans Herz wächst und den man unbedingt gelesen haben sollte.

DANKE liebe Andrea für die Zeit mit Augusta ♥♥♥

5 von 5 Sternen

 

 

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