Himmel und Hölle

C. H. Beck Fester Einband 304 Seiten Erscheinungsdatum: 21.01.2015  Preis: 19,95 € ISBN: 9783406675430

C. H. Beck
Fester Einband
304 Seiten
Erscheinungsdatum:
21.01.2015
Preis: 19,95 €
ISBN: 9783406675430

Klappentext
Beinahe harmlos beginnt Bruce Bennett-Jones die Geschichte einer Dreiecksliebe in einem vornehmen Internat 1979 an der Ostküste der USA zu erzählen, eine Geschichte von erster Liebe und Entdeckungen der Sexualität. Bis auf einen anfänglichen Übergriff ist er der ausgeschlossenen Beobachter, der die Liebe zwischen der Jüdin Aviva und dem Koreaner Seung so aufmerksam, neidvoll und beinahe fassungslos verfolgt wie das ganze Internat. Mit ihrer überschäumenden Körperlichkeit bringen sie Schüler und Kollegium fast an den Rand. Aber in Wahrheit sind Aviva und Seung auf tragische Weise gleichsam festgefroren an der Schwelle zur Initiation und Bruce hat gute Gründe, sich im Nachhinein vorzustellen, was wohl genau zwischen ihnen abgelaufen ist. Denn er ist weit mehr als ein neutraler Beobachter.

∗∗∗∗∗

„Aviva, behauptet sie, war es nie vorbestimmt, glücklich zu sein. (…). Sie war immer schon verspannt und ängstlich. Ängstlich? Wovor hatte sie Angst? Vor so vielem. Vor Süßigkeiten und Alkohol, davor, die Kontrolle zu verlieren. Carlyle hatte oft mitbekommen, wie Aviva sich im Spiegel anguckte, ganz dicht herantrat und dann ein Stück zurückwich, immer und immer wieder, als hätte sie irgendwie Schwierigkeiten, sich erscheinen zu lassen.“ (Seite 60)

Aviva ist ein jüdisches Mädchen, welches dabei ist sich selbst zu finden. Einst eine graue Maus beschließt sie eines Tages sich fortan gut zu kleiden und zu stylen. Äußerlichkeiten werden für sie zum Sinnbild von Sexappeal und Sinnlichkeit. Dabei verliert sie sich immer mehr und steht sogar am Rande einer Magersucht.

Zwei Jungen sind in dieses Mädchen verliebt. Bruce trifft als erstes auf Aviva, als diese im Internat eintrifft. Sofort ist er von ihr hin und her gerissen. Doch seine Chancen bei ihr zu landen sind eher gering. Voller Neid beobachtet er wie Seung es gelingt Aviva für sich einzunehmen. Die beiden, Aviva und Seung, zeigen ihre Liebe und sexuelle Anziehung ganz offen. Alle tuscheln und können nicht verstehen, was Aviva an Seung findet. Auch Bruce ist missgünstig und spinnt schließlich eine Intrige, deren Ausgang das Leben aller verändert.

„Mehr und mehr möchte sie diese Sache hinter sich bringen, diese Jungfräulichkeit loswerden, die sie von dem ultimativen Vergnügen fernhält, von dem ultimativen Wissen, der ultimativen Macht.“ (Seite 63)

Dieses Buch ist ungewöhnlich und dann doch wiederum nicht. Die Autorin erzählt mit aller Macht und Ausdrücklichkeit von der ersten Liebe und von der Sexualität in der Jugend. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Sie schildert von jugendlichen Phantasien und Wünschen, von Träumereien und ihren Verwirklichungen. Sie benutzt dazu Bruce als Erzähler, und oftmals erzählt er Dinge, die er eigentlich gar nicht wissen kann. Nicht zu diesem Zeitpunkt der Geschichte, und da ist es fraglich was entspringt aus Bruce Phantasie und was ist die Wirklichkeit. Nichts scheint so wie es ist …

Mich hat das fasziniert, obwohl ich mich sehr auf die Geschichte konzentrieren musste. Aber sie hat mich auch zurück geführt in meine Jugend. Meine erste Liebe und meine ersten Erfahrungen. Und dabei ist mir klar geworden, dass wir alle unserer Phantasien in diesem Stadium der Entwicklung haben. Phantasien, die so schön und perfekt sind, aber der Realität selten nahe kommen. Es macht mir bewusst, wie schwierig es war/ ist den Prozess der Kindheit hinter sich zu lassen und ein junger Mensch zu werden.

„Es klingt lachhaft dramatisch, aber man sollte die metaphysischen Sehnsüchte eines Siebzehnjährigen nicht unterschätzen. Das ist das Geheimnis von Teenagersex, glaube ich. Für keinen von uns ging es wirklich um Ärsche und Genitalien, ums Schwanzlutschen oder Muschilecken. Es sind Erwachsene, die so oft in diesen Begrifflichkeiten denken, mit einem solchen Mangel an Phantasie. Wir Anfänger erleben Sex mehr als Psyche denn als Körper, als Verletzlichkeit und Macht, Ausgesetztheit und Flucht, fühlten uns dadurch gesalbt, gerettet, verklärt. Dabei zu versagen, es falsch zu machen hieß (und grinsen Sie jetzt bitte nicht; versuchen sie sich zu erinnern, wie es einmal war, damals), den Tod der eigenen Idealseele zu erleben.“ (Seite 49)

Pamela Erens schafft mit es mit diesem Debüt die Ängste, Hoffnungen, Sehnsüchte des Erwachsenwerdens aufzuzeichnen. Sie zeigt, welche Macht und Tragik die erste Liebe haben kann.

4 von 5 Sternen

 

 

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