… aus „Altes Land“ von Dörte Hansen

Knaus Fester Einband 288 Seiten Erscheinungsdatum: 16.02.2015 Preis: 19,99 € ISBN: 9783813506471

Knaus
Fester Einband
288 Seiten
Erscheinungsdatum: 16.02.2015
Preis: 19,99 €
ISBN: 9783813506471

 

„Dit Huus is mien un doch nich mien …
Die alte Inschrift galt für beide. Sie waren ebenbürtig, sie lieferten sich schwere Schlachten in diesem Haus, das Ida nicht hergeben und Hildegard nicht mehr verlassen wollte.“(Seite 14)

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„Sie traute diesem Haus noch immer nicht, aber sie würde sich nicht von ihm herauswürgen und ausspucken lassen, nicht abstoßen lassen wie ein fremdes Organ, nicht wie die vielen anderen Flüchtlinge, die aus den großen Bauernhäusern möglichst schnell in ihre kleine Siedlungshäuschen gezogen waren, bescheiden, dankbar und den Rest ihres Lebens peinlich bedacht darauf, nur keinem zur Last zu fallen.“ (Seite 41)

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 „Sie war auf Ida Eckhoffs Hof gespült worden wie ein Ertrinkender auf eine Insel. Um sie herum war immer noch das Meer, und Vera hatte Angst vor diesem Wasser. Sie musste bleiben auf ihrer Insel, auf diesem Hof, wo sie zwar keine Wurzel schlagen konnte, aber doch festwachsen an den Steinen, wie eine Flechte oder ein Moos.
Nicht gedeihen, nicht blühen, nur bleiben.“ (Seite 42)

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„Sie waren zwei Leute mit einem Kind, lose verhäkelt, drei Luftmaschen.“ (Seite 70)

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„Leon zog unauffällig den Schnuller aus der Tasche und schob ihn in den Mund. Dann lehnte er sich zurück, sein Kopf lag an ihrer Schulter, sie spürte seine weiche Haut an ihrer Wange und sein Haar. Er fühlte sich an wie ein Küken. Vor Veras Augen verschwammen kurz die Buchstaben, (…).
Wie lang war es her, dass sie etwas gestreichelt hatte, das kein Fell trug?
Ihre Hände kannten Rosshaar und Hundefell, tote Hasen und Rehe, den samtigen Pelz der zerbissenen Maulwürfe, die Heinrichs Kater manchmal anschleppte. Sie hatte Karls knochige Schultern unter den Flanellhemden gekannt, die Stoppeln auf seinen Wangen, die sie manchmal berührt hatte, wenn er schlafend auf seiner Bank hing. Sie erschraken fast vor diesem warmen kleinen Jungen. (…)
(…), aber Leon saß ganz still, er hatte die Knie angezogen, und Vera ließ die Hand auf seinem nackten Fuß, fühlte die runden Zehen unter ihrem Daumen und musste sich zusammenreißen, um nicht das ganze Kind an sich zu drücken und ihr Gesicht in seinen weichen Haaren zu vergraben.“ (Seite 125/ 126)

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„Eine Weile blieb er stumm, während Vera seine Haare Strähne für Strähne durch den feinen Kamm zog. Dann drehte er sich plötzlich um, strich mit seiner Hand einmal über ihre Wange und sagte:> Mein armes kleines Kind.<
Anne machte das immer, wenn er hingefallen war, Knie aufgeschlagen, Hände aufgeschürft, wenn es nicht mehr blutete, nur noch immer sehr wehtat, sie streichelte ihn dann, mein armes kleines Kind.
Vera war so perplex, sie lachte.
Viel später, als es Nacht war, zog sie die Decke über ihren Kopf, als wieder die Vergessenen durch die Diele gingen. Sie legte sich die Hand an die Wange, einmal nur und auch nur kurz, und sagte, < armes kleines Kind<. Einmal nur und auch nur ganz kurz und danach nie wieder, sie schämte sich noch lange Zeit dafür.“ (Seite 242)

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„Zwei Türen blieben angelehnt in ihrem Haus, zwei Menschen schliefen, eine alte Frau, ein kleiner Junge. Ein Mensch blieb wach und hütete die Träume.“ (Seite 287)

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