… aus „Wie wir älter werden“ von Ruth Schweikert

S. Fischer Fester Einband  272 Seiten Erscheinungsdatum: 21.05.2015  Preis: 21,99 € ISBN: 9783100022639

S. Fischer
Fester Einband
272 Seiten
Erscheinungsdatum:
21.05.2015
Preis: 21,99 €
ISBN: 9783100022639

 

„Die Zeit verwandelt uns nicht. Sie entfaltet uns nur. Indem man es nicht verschweigt, sondern aufschreibt, bekennt man sich zu seinem Denken, das bestenfalls für den Augenblick und den Standort stimmt, da es sich erzeugt. Man rechnet nicht mit der Hoffnung, daß man übermorgen, wenn man das Gegenteil denkt klüger sei. (…) Wir können nur, indem wir den Zickzack unserer jeweiligen Gedanken bezeugen und sichtbar machen, unser Wesen kennenlernen, seine Wirrnis oder seine heimliche Einheit, sein Unentrinnbares, seine Wahrheit, die wir unmittelbar nicht aussagen können, nicht von einem einzelnen Augenblick aus-
Max Frisch, Tagebuch 1946-1949

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„Es ist nicht möglich, das eigene Leben von seinem Ende her zu denken, solange man mitten drin steht, und es ist nicht möglich, das Leben eines Toten nicht a u c h von seinem Ende her zu denken; sein Tod als Punkt im Koordinatensystem von Raum und Zeit, den die Überlebenden ins Visier nehmen, um auf sein Leben zurückzuschauen, es nachträglich in Besitz zu nehmen, als hätte e ihnen schon immer gehört, von Anfang an.“ (Seite 55)

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„Wenn man jederzeit auf unserer Stirne lesen könnte, wo unsere Gedanken sind – kein Mensch möchte mit uns die Gegenwart teilen. (…) Aber bezog sich dieser Satz nicht viel eher auf die Erleichterung darüber, dass Menschen einander eben nicht auf diese Weise ausgeliefert waren? Die totale Transparenz als Schreckensvision, die sich schon beinahe verwirklicht hatte im Zeitalter der Suchmaschinen, die zwar nicht die Gedanken direkt zu lesen vermochten, aber jedes Wort und jeden Mausklick registrierten und auswerteten, die aus den Gedanken der User erwuchsen, während sie sich allein wähnten und unbeobachtet vor dem Bildschirm, der ihnen blitzschnell den Zugang eröffnet zu allem und jedem, der im World Wide Web verfügbar war.““ (Seite 93)

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„Was immer du da draußen am Himmel siehst, den Mond oder eine Sternschnuppe, ist in Wirklichkeit schon wieder ein bisschen anders; es ist nicht möglich, die Gegenwart zu sehen; wohin du auch schaust, du siehst immer die Vergangenheit, selbst wenn du auf meinem Schoß sitzt und mir in die Augen schaust; und was du auch hörst – es ist schon vorbei.“ (Seite 114)

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