Über die Wirkung von Briefen

C. H. Beck Fester Einband  224 Seiten Erscheinungsdatum: 10.03.2015  Preis: 18,95 € ISBN: 9783406675676

C. H. Beck
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
10.03.2015
Preis: 18,95 €
ISBN: 9783406675676

Klappentext
Eine Frau schreibt Briefe an einen Mann, der sie verlassen hat, aber der Mann, der sie erhält und liest, der von ihnen gepackt und ergriffen wird, so sehr, dass er nicht mehr zur Arbeit geht, ist gar nicht der richtige Adressat. Er selbst lebt in Trennung von seiner Frau und seinem Kind und so wechselt sich seine eigene Geschichte ab mit den Briefen. Die offenbar irrtümlich bei ihm landen und auf die er zu warten beginnt. Welche Wirkung werden diese Briefe über Liebe und Lust, Abhängigkeit und Verrat, über Nähe und Gewalt am Ende haben? Und wer ist ihr wahrer Adressat?

∗∗∗∗∗

„Gibt es denn wirklich etwas Wichtiges zu sagen?, wirst du dich fragen. Eine Enthüllung, ein Geheimnis? Ich antworte dir, ja, es gibt Dinge, die du nicht weißt; es gibt immer Dinge, die wir nicht wissen, ganz egal wie durchschaubar der andere auch sein mag. Ganz  egal, wie ergeben er auch ist, es gibt immer etwas Unerwartetes, etwas, das einen vielleicht überrascht, einem ein Lächeln entlockt oder Leid zufügt.“ (Seite 31)

Eine Unbekannte (sie nennt sich A.), schreibt täglich Briefe an ihren Geliebten, der sie verlassen hat. Sie erzählt ihm in diesen Briefen von ihrer Liebe, ihrer Sehnsucht und ihrer Verletzlichkeit. A. erinnert sich an die Zeit mit dem Geliebten … das Kennenlernen, das Lieben, den Sex, die Streitigkeiten und den Hass bis hin zur Trennung … in der Hoffnung, dass ihr Geliebter zu ihr zurück kehrt.

„Ich schreibe dir, damit du mich liest. Ganz einfach. Damit du mich liest und zurückblickst, damit du mich liest und denkst, dass es etwas verblüffendes Schönes in mir gibt, etwas, das du nicht gesehen hast, etwas, das unbemerkt an uns vorbeigegangen ist. Also, um es noch klarer auszudrücken, vorausgesetzt, das ist überhaupt möglich: Ich schreibe dir, damit du mich liest und liebst.“ (Seite 51)

Marco lebt getrennt von seiner Frau und von seiner Tochter. Er findet sein Leben trostlos und hat Affären, doch nichts bedeutet ihm etwas. Dann liegt eines Tages ein blauer Brief in seinem Kasten. Obwohl er ahnt, dass dieser Brief nicht für ihn bestimmt ist, liest er ihn. Marco ist fasziniert von dem Inhalt und fragt sich wer diese Frau ist, die sich so voller Liebe nach ihrem geliebten sehnt, der sie verlassen hat. Als am nächsten Tag wieder ein Brief im Kasten liegt, liest er ihn wieder, da seine Neugier zu groß ist. Skrupel hat er ein klein wenig, doch seine Faszination überwiegt. Mit jedem Tag mehr, an dem ein Brief in seinem Kasten liegt, verfällt Marco der Briefschreiberin. Er verliebt sich in die Frau, ohne dass er sie kennt. Und erst, als sie ihren letzten Brief ankündigt, macht er sich auf den Weg und versucht heraus zu bekommen wer die Schreiberin ist. Doch nichts ist so wie es scheint …

„Gestern habe ich lange darüber nachgedacht, über die Liebe, über diese Beharrlichkeit in der Liebe, als könne die Liebe uns vor allem bewahren oder zumindest vor irgendetwas, als könne die Liebe uns vor Hass bewahren, vor dem Wahnsinn und sogar vor dem Verlangen.“ (Seite 52)

Das Buch fängt mit einem Brief an und wechselt sich dann immer mit der Geschichte des Empfängers ab. Die Briefe sind in einer wundervollen poetischen Sprache geschrieben und haben mich einfach umgehauen. Auch wenn die Briefe immer exzentrischer und gewagter werden. Sie enthüllen eine Liebesbeziehung die von Liebe, Hass und Gewalt geprägt ist. Ich möchte sogar behaupten, dass hier eine gewisse Hörigkeit seitens der Briefeschreiberin vorliegt. Sie kann nicht ohne ihren Geliebten, selbst nach der Trennung bittet und bettelt sie, dass er zurückkommt.

Die Kapitel mit Marco zeigen auf, dass er ein trostloses Leben führt. Nichts scheint ihm zu gelingen und alles ist ihm gleichgültig. Alle stellen in seinen Augen immer nur Forderungen. Vor allem die Frauen. Sie wollen immer nur, dass er sich kümmert, Geld verdient usw. Erst als er die Briefe liest, spürt er was ihm fehlt … eine Frau, die ihn bedingungslos liebt. Eine, der er sich anvertrauen kann, eine die ihn nimmt wie er ist. Marco macht in der Geschichte eine Wandlung durch. Aufgerüttelt von den Briefen, weiß er plötzlich was er im Leben will.

„Ich erinnere mich an alles, vom ersten Blick an. Irgendjemand hat mir mal gesagt, in diesem ersten Blick wäre schon alles enthalten, die Liebe, die erste Begegnung, die Wiederbegegnung, die Trennung, der Genuss, der Schmerz, das Leben und der Hass, alles, was folgt, existiert schon in diesem ersten Blick und wird dann nur noch abgespult.“ (Seite 77)

Wer eine Liebesgeschichte erwartet wird enttäuscht werden. Dieses Buch ist eher ein poetisches Verwirrspiel mit der Frage im Hinterkopf ist es die Wahrheit oder ist es Phantasie. Die verschachtelten Sätze erschweren das Lesen an manchen Stellen, doch die poetische Sprache der Briefe macht das wieder wett. Alles in allem ein lesenswertes Buch, das ungewöhnlich anders ist,  aber mich nicht vom Hocker gerissen hat.

3 von 5 Sternen

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