Lebenslügen

Zsolnay, Paul Fester Einband  224 Seiten  Erscheinungsdatum: 25.07.2016  Preis: 20,00 € ISBN: 9783552057937

Zsolnay, Paul
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
25.07.2016
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783552057937

Klappentext
Ein Hotelzimmer in Amsterdam: Ben wartet auf die Urne mit der Asche seiner Mutter Marlene. Er ist alleine. In einem Brief an seinen Sohn versucht er zu erklären, wie es dazu kam, dass sich sein Leben plötzlich verändert hat.
Vor vierzig Jahren erfuhr Ben, dass sein eigener Vater entführt und ermordet wurde, im kolumbianischen Rebellengebiet, wo er im Auftrag eines deutschen Nachrichtenmagazins unterwegs war. Marlene und Henk – in Hamburg standen sie im Mittelpunkt, waren Teil der linken Szene. nach der Entführung änderte sich für Bens Mutter alles. Doch erst durch das Auftauchen einer unbekannten Frau erkennt Ben, in welchem Ausmaß sich Marlene in Lebenslügen verstrickt hatte.

∗∗∗∗∗

Eine Regenböe erfasste Ben, als er um die Ecke bog. Er lehnte seinen Körper in den Wind. Er liebte dieses Gefühl, die Nässe auf dem Gesicht, die ihn erfrischte, der Widerstand, gegen den er ankämpfte. Diese Stadt war für ihn immer die Freiheit gewesen.“ (Seite 34)

Ben ist vierundvierzig und sitze in einem Hotelzimmer in Amsterdam fest. Dort wartet er auf die Urne seiner Mutter, die in der Post verloren gegangen ist. Es wird fünf Tage dauern, bis die Beisetzung stattfindet. In dieser Zeit pendelt Ben zwischen Hotel, Wohnung der Mutter und Orten seiner Kindheit hin und her. Er schreibt einen Brief an seinen vierjährigen Sohn, der diesen erst in Bens Alter lesen soll. Es ist ein Rückblick und zugleich auch Ausblick auf Bens Leben und das seiner Familie.

Ben ist so alt wie sein Sohn jetzt (vier Jahre) als sein Vater von Rebellen entführt und umgebracht wird. Dadurch und durch die Geschichten die man ihm erzählt hat, wächst Ben mit einem Heldenvater auf. Doch nach und nach erfährt er in den fünf Tagen, in denen er auf die Urne seiner Mutter wartet, die Wahrheit. Dinge, die ihm sein Leben lang verschwiegen wurden und er fragt sich, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte er die Wahrheit gewusst.

„Ich fühlte, wie die Schwere mich überkam. Ich fühlte: Dies ist der entscheidende Moment, so also fühlt es sich an, einen wichtigen Moment zu erleben, so fühle ich mich in dem Augenblick, bevor ich den Vorhang des Tempels zerreiße, bevor ich Schluss mache mit dieser Geschichte, mit ihrer Geschichte, die auch meine ist. Ich kann diese Lügen nicht mehr ertragen, sie wird in kurzer Zeit daran ertrinken, sie hat nicht mehr viel Zeit, (…)“ (Seite 58/ 59)

Dieses Buch von Philipp Blom muss man mit höchster Aufmerksamkeit lesen, da der Autor in seiner Geschichte sehr springt. Mal ist er der kleine Junge und ein Satz weiter ist er der Mann, der seinem Sohn einen Brief schriebt. Doch durch diese erhöhte Aufmerksamkeit, die man dieser Geschichte entgegenbringen muss, reist sie mich mit, wie Wellen beim Rückzug ins Meer den Sand vom Strand.

Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie die über Generationen versucht den äußeren Schein zu wahren. Die sich immer mehr und mehr in Lebenslügen verstrickt, so dass auch ich am Ende nicht wirklich weiß, was ist die Wahrheit und was ist eine Lebenslüge.

Mit dieser Geschichte hält Blom uns aber auch einen Spiegel vors Gesicht und man muss sich fragen wie viel Schein und/ oder Lebenslügen  gibt es in unserem Leben?

„Geht es dir auch manchmal so, fragte er unvermittelt zurück, dass du dich in einem Leben wiederfindest, das zum Großteil eine Folge deiner Entscheidungen ist, das aber gleichzeitig mit den Konsequenzen, wie du sie dir ausgemalt hattest, nichts zu tun hat?“ (Seite 189)

Ein Buch dessen Geschichte gewaltig ist. Wie Wellen bei Sturm am Meer vor denen man Angst haben muss fortgetragen zu werden…

Unbedingt lesen!!!

 

4 von 5 Sternen

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2 Gedanken zu “Lebenslügen

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