Manchmal …

Mare Verlag Fester Einband  208 Seiten  Erscheinungsdatum: 14.02.2017  Preis: 20,00 € ISBN: 9783866482425

Mare Verlag
Fester Einband
208 Seiten
Erscheinungsdatum:
14.02.2017
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783866482425

Klappentext
Sachen gibt es, die gibt es gar nicht. Einen Eisbrocken etwa, der mitten im Sommer vom Himmel stürzt und der achtjährigen Saara auf tragische Weise die Mutter nimmt. Schweren Herzens muss das Mädchen mit ihrem Vater das geliebte Sägemehlhaus verlassen und zu ihrer Tanta Annu ziehen. Doch auch dieser widerfährt wenig später Unglaubliches, als sie zum zweiten Mal im Lotto gewinnt – und vor Schreck in einen dreiwöchigen Dornröschenschlaf fällt. Und während Saara ihren einzigen Vertrauten Hercule Poirot um Hilfe anfleht, schreibt Annu auf der Suche nach Antworten Briefe an einen Fischer in Schottland, der bereits zum vierten Mal vom Blitz getroffen wurde und sein Schicksal dennoch jeden Tag aufs Neue herausfordert.

∗∗∗∗∗

„Ich denke viel über die Zeit nach. Ich habe graue Zellen im Gehirn, wie Hercule Poirot. Mit denen denke ich darüber nach, wie die Zeit vergeht und Wunden heilen. Die Erwachsenen sagen, die Zeit heilt alle Wunden, und damit ist gemeint, dass die Zeit vergeht und sich deswegen alles, was passiert in Gedanken verwandelt und man sich immer schlechter daran erinnern kann. Wenn man sich dann nur noch ganz schlecht erinnert, ist die Wunde verheilt.
(…)
Also sitze ich auf der Rückbank und sage „Nichts“ und denke an die heilende Kraft der Zeit und beschließe, mich sicherheitshalber jeden Tag an meine Mutter zu erinnern, bevor die Zeit zu viel heilt.“ (Seite 10/ 11)

Die Geschichte ist in vier Kapitel unterteilt. Im ersten lerne ich Saara kennen, die gerade auf tragische Weise ihre Mutter verloren hat. Wie, dass erfahre ich zunächst nicht, sondern ich lerne Saara mit all ihrer Trauer und auch Wut kennen. Sie kann nicht verstehen, was passiert ist, denn sie ist erst acht Jahre alt. Ihr Vater ist keine wirkliche Hilfe, da er in seiner eigenen Trauer gefangen ist.  Saara stellt sich viele Fragen, sucht nach einem Warum, einem Halt, irgendetwas das den Verlust der Mutter erklären kann. Doch sie findet nur die Märchen, die ihre Mutter ihr immer erzählt hat. Die bieten ihr Trost und Halt.

Im zweiten Abschnitt geht es um Annu. Saaras Tante, bei der Saara und ihr Vater nach dem Tod der Mutter vorrübergehend leben. Und auch ihr passieren merkwürdige Dinge. Nachdem sie das zweite Mal im Lotto gewonnen hat, fällt sie in einen mehrwöchigen Schlaf. Aber als anders als Saara ist Annu in der Lage sich mit dem Geschehenen auseinander zu setzen, da  sie die Erfahrung eines Erwachsenen hat. Annu findet im Internet einen Mann, dem auch seltsame Dinge zugestoßen sind und schreibt ihm. Es entsteht ein reger Briefwechsel, in dem ich viele kuriose Dinge und Zufälle erfahre.

Dann erzählt die Geschichte Pekkas Leben. Von seiner Liebe zu Saaras Mutter, dem ersten Kennenlernen bis hin zu Saaras Geburt. Doch anders als bei Saara ist er scheinbar schnell über den Tod der Mutter hinweg und heiratet eine andere Frau, die ein Kind von ihm bekommt. Doch auch diese Ehe steht unter keinem guten Stern …

Im letzten Teil geht es wieder um Saara und die Geburt ihrer kleinen Schwester. Es sind ein paar Jahre seit dem Tod der Mutter vergangen. Die „neue“ Familie lebt wieder im „alten“ Haus. Saara stellt sich dem Tod der Mutter in ihren Träumen und scheint langsam deren Tod zu verarbeiten. Und die kleine Schwester wird geboren. Ein Kind das keine große Lebenserwartung hat.

„Mal kommt der Weltuntergang, mal bricht schlagartig das Paradies aus. Mal stirbt jemand so unbemerkt, dass man es gar nicht kapiert. Vielleicht versucht so eine Person dann, als Gespenst wiederzukehren und seine unfertigen Geschichten weiterzuerzählen. Obwohl sie eigentlich einfach nur fortgehen sollte. Am Straßenrand und das Auto davonfahren lassen. Sich in Schwarz-Weiß verwandeln. Kleiner werden und die Zeitform ändern.“ (Seite 202)

Dies ist mein zweites Buch von Ahava, das ich gelesen habe. Daher wusste ich vom sprachlichen Stil her, was mich erwartet. Ahava hat einen ganz eigenen Stil zu schreiben. Trotz anspruchsvollem Thema (Sterben, Tod, Trauer) fühlt man sich beim Lesen auf einer Wolke. Einer Wolke der Leichtigkeit. Ahava greift  immer wieder zu Bildnissen aus Märchen, um  diese schweren Themen „abzuarbeiten“ und lässt so Saara verstehen, was passiert ist.

Auch mag ich wieder die vielen philosophischen Ansätze über das Leben, den Tod und all die Dinge die wir so selbstverständlich nehmen. Aber nichts sollet in unserem Leben selbstverständlich sein. Wir sollten vielmehr die Augenblicke des Lebens genießen, jeden einzelnen, denn das Leben ist nicht berechenbar, es ist nicht endlos, auch wenn es uns manchmal so vorkommt.

Dieses Buch ist anders, dieses Buch ist skurril, dieses Buch ist irre und lässt den einen oder anderen verwirrt zurück. Doch dieses Buch muss man wie das Leben betrachten … neugierig, offen, ehrlich, schonungslos, sentimental, traurig, märchenhaft … einfach wunderschön!

„Die Welt geht weiter. Nichts ist klar, aber die Zeit heilt alle Wunden, und der Mensch vergisst. (…) Dinge passieren. Gleichzeitig, zur falschen Zeit, zu verschiedenen Zeiten, an den falschen Orten.“ (Seite 203)

 

4 von 5 Sternen 

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2 Gedanken zu “Manchmal …

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