Sophie und Alex

 

Heyne Verlag, ISBN 9783453271036, Preis: 14,99 €

Rückentext
Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht. Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der  Geburt im Stich gelassen hat, und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich. Bis auf Sophie.
Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt. Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem. Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend. Bis ein Kuss alles verändert …

∗∗∗∗∗

„Weil es beschissen ist, jemandem so ähnlich zu sehen, den man hasst. Oder hassen sollte. Jemandem, den man eigentlich nicht kennt und trotzdem vermisst. Jemandem, der etwas ganz tief in einem drin kaputt gemacht hat und von dem man sich dennoch wünscht, dass er eines Tages zurückkommt und einem sagt, dass er einen lieb hat. Menschen gehen. Manchmal körperlich – Lukas -, manchmal emotional – Papa – und manchmal beides – meine Mutter.“ (Seite 21)

Sophie wächst bei ihrem Vater auf, denn ihre Mutter hat die Familie kurz nach Sophies Geburt verlassen. Vater und Tochter verstehen sich gut. Sophie hat einen besten Freund, Lukas. Alles scheint in bester Ordnung zu sein. Doch dann verliebt sich Sophies Vater in eine Kollegin und will zu ihr und ihren Kindern nach München ziehen. Sophie ist entsetzt. Ihr Leben ist schon kompliziert genug, und nun soll sie ihren besten Freund verlassen um in eine Stadt zu einer Familie zu ziehen, die sie gar nicht will. Doch leider hat Sophie keine andere Option.

In der neuen Stadt fühlt sich Sophie vollkommen allein. Die neue „Mutter“ und „Brüder“ geben sich alle Mühe, damit Sophie sich einlebt. Doch die sperrt sich dagegen. Dann trifft sie das Mädchen aus dem Nachbarshaus und fühlt sich von Alex angezogen. Vorsichtig nähren sich die beiden an …

„Ich hatte noch nie eine beste Freundin, und ich habe auch keine vermisst, aber nach diesem Abend mit Alex – zwanzig Meter Luftlinie voneinander entfernt, lachend jede in ihrem Bett – weiß ich, dass ich in ihr jemanden gefunden habe, den ich behalten will.“ (Seite 159)

„Den Mund voll ungesagter Dinge“ ist der zweite Jugendroman von Anne Freytag, den ich gelesen habe. Den ersten „Mein bester letzter Sommer“ habe ich verschlungen. Darum war ich auf das neue Buch sehr gespannt.

Was soll ich sagen, auch den habe ich verschlungen. Sophie ist eine Protagonistin, die mir von der ersten Seite an ans Herz gewachsen ist. Ihre Verletzlichkeit, durch den Weggang der Mutter ausgelöst, versteckt unter einer Coolness, die bei den kleinsten Verletzungen zusammenbricht, macht sie so real. Jede Seite habe ich das Gefühlschaos in ihr spüren können.

In dem neuen Roman von Anne Freytag geht es um das Suchen und Finden der eigenen Sexualität. Mit Sophie schafft sie eine Protagonistin, die am Anfang nicht in der Lage ist Gefühle zu zulassen. Der Verlust/ Weggang der Mutter hat in ihr eine Grundangst vor Verlusten aufgebaut. Also schütz sie sich, in dem sie keine Gefühle aufkommen lässt. Doch als Sophie auf Alex trifft ist plötzlich alles anders. Bei Alex kann Sophie sich geben wie sie ist. Doch ein Mädchen kann/ darf doch kein Mädchen lieben. Das stürzt Sophie und auch Alex, die einen Freund hat, in ein Gefühlschaos.

Anne Freytag schafft es mit einfühlsamen und sensiblen Worten dieses Gefühlschaos zu beschreiben. Als Leserin kann ich es förmlich spüren. Mit jeder Seite fiebere ich mit Sophie, wie es weiter geht. Schafft sie es? Kann sie endlich ihren Platz im Leben finden? Und Alex … wird sie an Sophies Seite sein?

„Ich wollte mich immer verlieben. Ich wollte das alles fühlen. Ich wollte überschwemmt werden von Emotionen, die ich nicht verstehe. Die ich nicht erklären kann. Ich wollte mich in jemandem verlieren und gleichzeitig in ihm wiederfinden. Ich wollte jemanden, der über mein Gesicht hinaussieht und mich auch dann noch liebt. wenn ich es am wenigsten verdient habe, weil ich es nämlich genau dann am meisten bräuchte. Ich wollte, dass jemand sich Schicht für Schicht bis zu meinem panischen Herzen vorarbeitet, weil ich es ihm nur dann schenken kann. Und ich wollte, dass es jemand ist, der es verdient hat. Jemand, der bleibt. Jemand, der mich so küsst, dass ich aufhöre zu denken. Dass ich nur noch aus Lippen und Hände bestehe. Jemand, mit dem der Film in meinem Kopf und die Realität endlich übereinstimmen. Mit dem ich ausnahmsweise mal wirklich komme und dem ich es nicht nur vorspiele. Jemand, mit dem ich reden kann. Und lachen. Und nackt sein. Einfach jemand, mit dem ich gerne ich bin. Wer auch immer das sein mag.“ (Seite 217)

Dieses Buch ist ein Coming-out Roman, der sehr gefühlvoll, sensibel und in meinen Augen real geschrieben ist. Ich wünsche mir viele Leser*innen für diese tolle Geschichte und kann nur sagen … unbedingt lesen!

Liebe Anne, vielen Dank für dieses wundervolle Buch und die tolle Zeit mit Sophie und Alex. Ich habe Sophie in mein Herz geschlossen und am Ende mit ihr geweint ♥♥♥

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