Sind wir nicht alle irgendwie die Hoffnungsträger dieser Welt?

Arche Verlag
Fester Einband
192 Seiten
Erscheinungsdatum:
04.08.2017
Preis: 18,00 €
ISBN: 9783716027646

Klappentext
Philipp hat gerade eine Lehre zum Mechatroniker abgebrochen und ist aus seiner WG rausgeflogen, weil die Mitbewohner seinen Putzfimmel nicht mehr tolerieren wollten. Als er sich an einer Tramhaltestelle die Zeit mit dem Auflesen von Stanniolpapieren vertreibt, wird Uwe auf ihn aufmerksam. Uwe ist Leiter des städtischen Recyclinghofs und sieht in Philipp sofort einen neuen Hoffnungsträger. Auf dem Hof arbeiten auch Arturo und João, zwei Portugiesen, die aus dem Kreislauf der Waren ihren eigenen, nicht ganz legalen Nutzen ziehen, für den sie bald Philipp gewinnen wollen – bis ihnen ein Großprojekt aus dem Ruder läuft und die aufgeräumte Welt des Recyclinghofs gehörig ins Wanken gerät.

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„Doch wann, frage ich mich, sind die Dinge nicht mehr die Dinge, die sie mal waren? Irgendwann sind sie etwas anderes geworden, aber an welchem Punkt haben sie angefangen, dieses Andere zu werden?“ (Seite 31)

Philipp hat seine lehr geschmissen und wurde aus seiner WG rausgeworfen … weil Philipp anders ist als andere. Er ist nicht einer dieser Jugendlichen oder Menschen, bei denen es um höher, schneller, besser oder wie auch immer geht. Philipp ist eigen manchmal auch seltsam. Das sieht auch Uwe, der Chef vom Recyclinghof sofort, als er Philipp beim Sammeln von Stanniolpapier beobachtet. Uwe weiß sofort das ist sein Mann, sein Hoffnungsträger für den Recyclinghof. Er bietet Philipp einen Job dort an. Dieser ist skeptisch, geht aber dennoch hin. Hier sieht er schnell, dass dieser Recyclinghof einen eigenen Kosmos hat. Seine eigenen Spielregen und Spieler. Doch was meint Uwe, als er von Hoffnungsträger spricht? Und kann Philipp seine Hoffnung erfüllen?

„Ein Ding sei also nur auf Zeit dieses Ding. Und auch in dieser Zeit sei es immer nur zum Teil dieses Ding. >Das Schräubchen ist zwar Teil der Lampe, nur mal als Beispiel, lieber Philipp, das Schräubchen ist zwar Teil der Lampe, aber es bleibt dennoch ein Schräubchen, da sind wir uns doch einig. Denn wenn es als Teil der Lampe kein Schräubchen mehr wäre, würde die Lampe augenblicklich in Stücke gehen und wäre keine Lampe mehr. Anders ausgedrückt: Die Lampe ist nur deshalb eine Lampe, weil sein Schräubchen ein Schräubchen bleibt, verstehst du? <“ (Seite 32)

Philipp der Hoffnungsträger … für welche Hoffnung? Für welchen Träger? Für eine Generation „Null Bock“?

Das waren die Fragen, die mir als erstes in den Sinn kamen, als ich anfing zu lesen. Doch je weiter man in dieses Buch eintaucht und sich von den vielen kleinen und feinen Sätzen zum nachdenken anregen lässt, war für mich irgendwann klar, es geht um uns.

Wir stecken immer Hoffnungen in irgendetwas oder irgendwen, z.B. wenn ich das und das mache, dann wird alles gut oder wenn ich das und das mache, dann werde ich oder wenn ich mir das kaufe dann … Unser tägliches Leben ist mit Hoffnungen auf etwas gespickt, somit stellen Menschen und Dinge „Hoffnungsträger“ dar. Erfüllen sie unsere Hoffnungen nicht, ob sofort oder später, dann werden sie aussortiert. Ab auf den Müll damit …

Aber Müll ist nicht gleich Müll und so landet eben vieles auf dem Recyclinghof, wo Dinge recycelt werden. So wird aus meinem „Müll“ vielleicht der Hoffnungsträger für jemanden anderen.

Es geht aber nicht nur um Konsumgüter, sondern auch um die Randgruppen unserer Gesellschaft. Menschen die sich bewusst aus unserer Gesellschaft verabschiedet haben um ihr eigenes hoffnungsvolles Leben zu leben. Ein Leben als Lebenskünstler, Aussteiger … Hoffnungsträger für eine bessere Welt.

„All die Sofas, Bücherregale und Lampen waren auch einmal Hoffnungsträger, waren Teil eines Teams, des Team Eigenheim, des Teams Jungfirma, des Teams Wohngemeinschaft. Jetzt sind sie hier gelandet, vergessen von der Welt und den Menschen, die sie los werden wollten.“ (Seite 93)

Jens Steiner hat mit diesem Buch etwas ganz besonderes geschaffen. Dieses Buch hat einen ganz eigenen Kosmos. Ich mag die Sprache, die obwohl sie einfach ist, doch fantastisch die Situationen und Gedanken wieder gibt. Hat irgendwie etwas von einem „Märchenerzähler“. Ich hätte ewig weiterlesen können. ♥

Es gibt so viele wunderbare philosophische Stellen in diesem Buch, die mich inne halten lassen, über die ich nachdenke …

Vielen lieben Dank Jens Steiner für dieses besondere Buch und den mir bescherten Lesegenuss. ♥♥♥

„Das Schicksal hobelt und hobelt an jedem von uns und am Schluss sind wir alle gleich. Sagt zumindest unser João. Am Anfang tut jeder, als sei er ein Unikum, am Ende sind wir ein einziger Brei. Und weil wir sowieso nichts dagegen tun können, sollten wir uns davon die Laune nicht verderben lassen.“ (Seite 188/ 189)

Unbedingt lesen!!!

 

5 von 5 Sternen und Favoritenstatus

2 Gedanken zu “Sind wir nicht alle irgendwie die Hoffnungsträger dieser Welt?

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