Eine Tragödie

Luchterhand
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
21.08.2017
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783630875545

Klappentext
Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen – eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Wie mit unsichtbaren Fäden hält Louise die Familie zusammen, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist sie unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.

∗∗∗∗∗

Myriam und Paul sind ein junges Paar, das in Paris lebt. Ihnen geht es finanziell gut. Sie haben eine kleine Tochter und einen kleinen Sohn. Myriam vermisst ihren Job, möchte wieder unter Menschen. Für einen staatlichen Krippenplatz verdienen sie zu viel, also denken sie über eine Nanny nach. Sie finden schließlich die 50jährige Louise. Am Anfang macht sich Myriam Sorgen und fühlt sich schuldig, dass sie ihre Kinder bei der Nanny lässt. Doch der Alltag und ihre eigenen Befindlichkeiten führen dazu, dass Louise sich immer mehr in ihrem Leben ausbreiten kann. Paul und auch Myriam sehen nicht, dass das Unheil auf sie zurast. Und dann passiert es …. Beide Kinder sind tot …

„Und es stimmt. Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr perfektioniert Louise die Kunst, zugleich unsichtbar und unverzichtbar zu sein. (…) Louise ist da und hält diese fragile Konstruktion aufrecht. Myriam lässt sich bereitwillig bemuttern. Jeden Tag überlässt sie einer dankbaren Louise weitere Aufgaben. Die Nanny ist wie diese Schemen, die im Theater im Dunklen das Bühnenbild umbauen. (…) Louise wirkt hinter den Kulissen, unbemerkt und mächtig.“ (Seite 55)

Die Geschichte fängt eigentlich mit dem Ende an. Direkt auf den ersten Seiten erfahre ich, dass die beiden Kinder Mia und Adam tot sind. Adam war sofort tot, hat nicht gelitten und Mia erlag später ihren schweren Verletzungen. Ich weiß auch wer die mutmaßliche Täterin war/ ist … Louise, die Nanny. Nach diesen ersten Seiten bin ich erst einmal geschockt.

In einem Rückblick, bis hin zur Tragödie erzählt Leila Slimani die Geschichte von Paul, Myriam, Mia und Adam. Und die von Louise. Wie sich alle das erste Mal begegnen, und wie begeistert die Familie von der Nanny ist. Wie Louise zu einem unentbehrlichen Familienmitglied wird. Aber nicht alles ist so wie es scheint.

Myriam wollte unbedingt Mutter sein. Bekommt das erste Kind und schnell danach das zweite. Doch das Muttersein füllt sie irgendwann nicht mehr aus, ist nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Sie will wieder zurück in ihren Beruf.

Paul ist rund um die Uhr damit beschäftigt Geld ran zu schaffen. Erst für Myriam und sich, später für Myriam und die Kids und zu guter Letzt, um eine Nanny beschäftigen zu können.

Louise ist eine Frau, die sehr einsam ist und eigentlich nur ein Heim/ Heimat sucht. Menschen mit und bei denen sie sich heimisch fühlt. Sie möchte geliebt werden.

„Sie würde sie gern unter eine Glasglocke bannen, wie zwei lächelnde, erstarrte Tänzer auf dem Sockel einer Spieluhr. Sie sagt sich, dass sie sie stundenlang betrachten könnte, ohne es je leid zu werden. Dass sie sich damit begnügen würde, ihnen beim Leben zuzusehen, im Hintergrund zu wirken, damit alles perfekt ist, damit der Mechanismus nicht in Stocken gerät. Tief in ihrem Inneren ist sie sich jetzt sicher, brennend und schmerzhaft sicher, dass ihr Glück von ihnen abhängt. Dass sie selbst ihnen gehört und die beiden ihr gehören.“ (Seite 77)

Obwohl dieses Buch nicht einfach ist, ist es hervorragend geschrieben. Jede Seite offenbart einen neuen Abgrund. Da ich ja bereits das Ende kannte, habe ich mich beim Lesen oft gefragt wer hat eigentlich Schuld am Tod der Kinder. Mal war es für mich Myriam, mal Paul, mal die Kids selbst und auch Louise gehörte dazu. Leila Slimani lässt mir als Leserin diesen Spielraum und das hat mir sehr gut gefallen.

Ich denke letztendlich haben wir alle, die Gesellschaft, Anteil an dieser Tragödie. Eine Tragödie die tagein und tagaus überall auf dieser Welt geschehen kann. Für mich ist dies ein Buch, das noch lange nachwirkt und mich hoffentlich dazu bringt das ein oder andere Mal genauer hinzuhören und zu sehen.

Unbedingt lesen!

 

5 von 5 Sternen

 

2 Gedanken zu “Eine Tragödie

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