Die Funktionsweise der Erinnerung

mare
Fester Einband
432 Seiten
Erscheinungsdatum: 29.08.2017
Preis: 24,00 Euro
ISBN: 9783866482586

Klappentext
London, 1980: Robert Hendricks, erfolgreich als Psychiater und als Autor, privat ein „Stammgast der Einsamkeit“, steht vor einem Rätsel, als aus heiterem Himmel ein Brief aus Frankreich bei ihm eintrifft: Absender ist Alexander Pereira, ein 93-jähriger Neurologe, der Hendricks zu sich einlädt, weil er einen Nachlassverwalter sucht – und weil er meint, Hendricks Vater zu kennen. Die Reise führt Hendricks auf eine kleine, felsige Insel vor der französischen Mittelmeerküste und zugleich in das bisher unerforschte Terrain seiner Erinnerung: an seine vaterlose Kindheit in England, an Verletzungen aus den Kriegsjahren, vor allem aber an seine einzige große Liebe, die Italienerin „L“. Sie wurden ein Paar, das der Krieg zusammenführte und auseinanderriss. Wird Hendricks nun, ein halbes Leben später, den Mut aufbringen, sie wiederzusehen?


„Die Scheidewand zwischen Liebe und Zorn ist dünn. Ich vermute, es geschieht aus Selbstschutz und Angst vor noch mehr Verletzungen, dass wir diejenigen Menschen anschreien, die wir lieben.“ (Seite 30)

Hendricks ist ein Mann um die sechzig. Irgendwie auf den ersten Blick ein sehr einsamer Mensch, der Bindungsunfähig zu sein scheint. Er hat viele Liebschaften und sexuelle „Treffen“, doch geliebt hat er nur eine Frau in seinem Leben. Eines Tages wird er eingeladen Pereira zu besuchen, da dieser einen Nachlassverwalter sucht. Hendricks reist zu dem alten Mann auf die Insel und die beiden begeben sich auf eine Zeitreise. Pereira erzählt vom ersten Weltkrieg und Hendricks erinnert sich an seinen Einsatz im zweiten Weltkrieg. Dabei stellt sich heraus, dass Pereira Hendricks Vater kannte. Hendricks selbst kann sich nur schwach an seinen Vater erinnern. Und nach und nach vertrauen sich die beiden Männer ihr Leben an …

„Ich mag die Metaphern, mit denen wir Dinge umschreiben. Wie >räumt< man ins einen Gedanken >aufGedanken< zugleich der Schutt wie der Kehrbesen. Ich glaube, wir meinen vielmehr, dass wir aufhören sollten zu grübeln und stattdessen lieber >fühlen> sollten – was voraussetzt, dass das, was wir >fühlen<, wertvoller ist als alles, was wir denken …“ (Seite 98)

Dieses Buch ist kein einfacher Roman und schon gar nicht einfach zu lesen. Es werden Kriegerlebnisse aus dem ersten und zweiten Weltkrieg erzählt. Dabei springen die Protagonisten in ihren Erinnerungen ziemlich hin und her. Das machte es mir als Leserin oft nicht einfach der Geschichte zu folgen. Das Ganze wird dann noch mit Gedanken und Wissen rund um die Gedächtnisforschung/ Gehirnforschung gespickt.

Vieles davon hat mich gefesselt, manches gelangweilt. Vor allem die langen Passagen aus dem ersten und zweiten Weltkrieg fand ich an manchen Stellen ermüdend. Spannend hingegen die Entwicklung der Freundschaft zwischen den beiden alten Menschen und vor allem Hendricks Entwicklung während der Aufarbeitung seines Lebens, die zeigt, dass uns unsere Erinnerungen manchmal einen Streich spielen können …

„Man kann nur glücklich werden, wenn man offen ist für die eigene Vergangenheit. Die Erfahrung, sich durch ein nasses Dickicht den Weg zu bahnen, muss sich an all die früheren Gelegenheiten, wo man das getan hat, tief verankert haben, wenn auch nicht unbedingt bewusst. Darin liegt der Reichtum. Aber wenn der Kopf irgendwie blockiert ist – wenn er den gegenwärtigen Augenblick zu starr festhalten möchte -, dann ist die Seele undurchlässig; die Vergangenheit kann nicht heilend in sie einsickern, und man hat umsonst gelebt.“ (Seite 33)

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