Das Debüt 2017- Meine Entscheidung

Hallo Ihr Lieben,

vor einigen Monaten habe ich mich als Jurymitglied bei Das Debüt beworben, da ich gerne Debütromane lese. Allerdings habe ich nicht geahnt, was wirklich auf mich zukommt. Dazu aber später etwas mehr.

Zuerst können Verlage, Autoreninnen, Jurymitglieder Debütautoreninnen vorschlagen. Diese kommen dann auf die sogenannte Longlist. Die Macher von Das Debüt entscheiden dann, welche Titel auf die sogenannte Shortlist kommen. Dann ist es an er Jury zu entscheiden, welches Buch den Debütpreis erhalten soll. Soweit so gut.

Auf der Longlist waren viele tolle Bücher und ich war sehr auf die Shortlist gespannt. Als diese dann Anfang Dezember kam, war ich erst einmal überrascht … erstaunt … verwundert, denn von den 5 Büchern hatte ich eines gelesen, von einem weiteren gehört und die restlichen drei waren mir völlig unbekannt. Aber auch das fand ich bis dahin noch sehr spannend. Was ich allerdings gar nicht auf dem Schirm bei meiner Bewerbung zum Jurymitglied hatte, war die Tatsache, das die Lesezeit für die Bücher der Shortlist ins Weihnachtsgeschäft fällt. Trotzdem wollte ich versuchen alle Bücher zu lesen.

Doch bereits nach dem ersten Buch bekam ich eine Krise. Nach dem zweiten wurde es nicht besser und ich musste feststellen, dass mich etwas enorm störte. Etwas, dass ich bereits in den letzten zwei Jahren auch bei der Shortlist des Deutschen Buchpreises bemängelt hatte … die Titel waren zwar lesbar, aber waren sie auch verkäuflich? Ja, auch dies ist ein Aspekt, den ich betrachte. Ich bin ja nicht nur Bloggerin, sondern auch Inhaberin einer Buchhandlung. Und somit hinterfrage ich auch, ob bestimmte Titel/ Bücher verkäuflich sind. Denn seien wir mal ehrlich, was nutzt es einem/ einer Autor*innen einen Preis zu bekommen, doch das Buch liegt anschließend nur im Regal und lässt sich nicht verkaufen. Natürlich spreche ich nicht von Mainstream. Solche Bücher sind auch nicht mein Fall. Doch es sollten im besten Fall Bücher sein, die besonders sind und sich gerade weil sie so besonders sind auch verkaufen lassen.

Nun zurück zur Shortlist und meiner Entscheidung. Eigentlich kann ich nur ein Buch von dieser Liste zu 100% empfehlen, sowohl als Bloggerin wie auch als Buchhändlerin. Bei den restlichen vier Büchern habe ich mich dann sehr schwer getan, da mich keines von denen vom Hocker gehauen hat. Letztendlich habe ich mich gefragt, würde ich jemandem dieses Buch empfehlen und wenn ja, wem.

Hier nun meine Entscheidung:

Platz 3 und somit 1 Punkt … „Oder Florida“ von Christian Bangel

Ein Buch dessen Story ich echt flach fand, und mich die Nicks der Protagonisten auf eine harte Probe gestellt haben. Bitte wer nennt sich freiwillig „Mike Mischjemüse“? Auch der vielgepriesene Humor war nicht meiner. Dieses Buch bekommt trotzdem 1 Punkt von mir, weil ich denke, dass es einige Menschen gibt, die dieses Buch und die Geschichte von Freier in seiner „Ossiwelt“ ganz unterhaltsam finden, und ich mich bei der Empfehlung nicht allzu sehr verbiegen muss.

Platz 2 und somit 3 Punkte … „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“ von Juliana Kálnay

Die Geschichte von Bewohnern eines Hauses, die Dinge tun oder erleben, die man als Leser*in nicht erwartet … oder vielleicht doch? Ein Buch, dass ganz nett geschrieben ist, teilweise sehr feinsinnig und poetisch, dann wiederum surreal und mystisch, doch letztendlich eine Geschichte über Menschen wie Du und ich, die Dinge erleben. Auch wenn die manchmal ganz schön abgedreht sind. Doch wie heißt es so schön … es gibt nichts, was es nicht gibt.

Platz 1 und somit 5 Punkte … „Das Genie“ von Klaus Cesär Zehrer

Dieses Buch habe ich verschlungen. Was für eine phantastische Geschichte über Boris und William James Sidis. Eine Geschichte über Bildung, dem Gedächtnis und seinen Möglichkeiten, der Manipulation des selbigen und Weigerung eines Kindes ein „Wunderkind“ zu sein. Mich hat selten eine biografische Geschichte so fasziniert wie Zehreres Geschichte von der Familie Sidis. Zehrer vermag es zu erzählen, zu erklären und neugierig zu machen, ohne jedoch zu belehren. https://dasdebuet.com/bloggerpreis/teilnehmende-literaturblogger/

 

Nun bin ich sehr gespannt, wie meine Jurymitglieder sich entscheiden und wer letztendlich Das Debüt 2017 gewinnt.

 

Eure Angelika ♥

 

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11 Gedanken zu “Das Debüt 2017- Meine Entscheidung

  1. Es ist meiner Meinung nach immer eine subjekte Entscheidung, die sich nach dem eigentlichen Lesegeschmack des Einzelnen richtet. Ich erlebe es oft, dass es gute Debütromane gibt, die aber unterschiedlich aufgenommen werden. Hochgelobt, dann wieder zerrissen werden, Bücher schon vorab eine Ausgrenzung erfahren.
    Wer hat eigentlich zu entscheiden, ob das Buch gut ist oder nicht?

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    • Ob ein Buch gut ist oder nicht, liegt wohl immer in der Einschätzung der Person, die es gerade liest, sowohl bei der „normalen“ Leserschaft, als auch bei professionellen Kritikern. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Buch nur gelobt oder nur zerrissen wurde, auch wenn es oft eindeutige Tendenzen gibt.
      Ob ein Buch verkäuflich sein wird oder nicht, kann der Verlag raten und hoffen und auch da gibt es ja analysierbare Trends. Am Ende aber kann alles eine Bruchlandung oder Überraschungserfolg werden.
      Es gibt einige objektiv anlegbare Kriterien, die zwischen „gehobener Literatur“ und „Unterhaltungsliteratur“ unterscheiden, und es gibt ein paar Fehler, die in keinem Genre passieren dürfen (z.B. hab ich mal ein Buch gelesen, bei dem der Name der Hauptfigur gewechselt hat). Aber ob man ein Buch nun gut findet oder nicht, wir man am Ende selbst entscheiden müssen und dürfen.

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  2. Hallo Angelika,

    ich bin im Moment ja in der BloggerInnen-Jury des Blogbuster-Preis und kämpfe als Ex-Buchhändlerin auch schwer damit, die Verkäuflichkeit mal auszublenden. Der Gewinner soll ja bein kein & aber verlegt werden und gleich beim ersten Manuskript dachte ich „das ist doch kein kein & aber-Titel!“ Darum geht es natürlich überhaupt nicht bei diesem Preis, und ich schaffe es mit ein wenig Übung jetzt auch, diesen Aspekt außen vor zu lassen (glaube ich zumindest). Aber es ist nicht immer so leicht, diesen Blickwinkel abzustellen.

    Viele Grüße,
    Marion

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  3. Finde ich interessant, wichtig und richtig, dass Du die Verkäuflichkeit mit bedenkst und ansprichst.

    Ich bin überrascht, aber vertraue auf Dein Urteil, dass Du die Kurze Chronik des allmählichen Verschwindens offenbar für recht verkäuflich hältst. Ich fand das unverständlich.Vielleicht liegts ja an mir.

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    • Wie ich schon in meiner Begründung schrieb … Menschen interessieren sich für die „Heimlichkeiten“ ihrer Mitmenschen, insbesondere ihrer Nachbarn. Und da es in diesem Buch um Einblicke hinter die verschlossenen Türen der Bewohner eines Hauses geht, egal wie absurd diese sind, so schüren sie doch die Neugier. 🙂

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  4. Aber eigentlich waren die Bücher so, wie die Verlage, die Kritiker, ertcetera sie haben wollen und erwarten, daß „gute“ Literatur so sein muß!
    Drei sehr Poetische waren dabei, wovon mir eines ein bißchen sehr an Thomas Bernhard orientiert erschien, dannn eine journalistisch aufbereitete Biografie und ein politisches Buch, beide, glaube ich, eher leicht zu lesen.
    Die Poetischen sind halt so, wie es der Literaturbetrieb erwartet und man es beim “ Bachmann preis“ vortragen kann, etcetera, außerdem glaube ich, daß alle drei der jungen Frauen damit schon andere und besser dotiertere Debutpreise gewonnen haben.
    Daß der Durchschnittsmensch etwas anderes oder vielleicht sogar gar nichts liest, ist eine andere Sache und, daß die Leute in den Buchhandlungen nach Krimis und Chitklits greifen, die auf solchen Listen verpönt sind, auch!
    So ist, glaube ich, der Literaturbetrieb, an dem ich, weil ich auch Buchpreislese schon so gewohnt bin, daß es mir gar nicht mehr auffällt!
    Deshalb ist der realistische Blick von außen und die mahnenden Stimmen von den Buchhändlern, die sagen, passt auf, das wollen die Leute nicht lesen, gut undf wichtig, ob sie gehört werden, ist eine andere Frage, denn die jungen Autoren werden, glaube ich, zu der anspruchsvollen Sprache gedrillt, um eben in Klagenfurt lesen zu können oder auf den Buchpreislisten zu stehen, liebe Grüße aus Wien!

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    • In meiner Buchhandlung wirst Du keine Bestsellerlisten finden. Dafür gibt es eine Wand mit meinen Empfehlungen (Angelika liest) vom Blog. Und da ich versuche die Perlen der Literatur zu finden, finden sich dort auch sehr wenig Mainstream. Dennoch muss ich auf die Verkäuflichkeit eines Buches achten. Poesie allein reicht heute nicht mehr. Das mag für diverse Preise ein Kriterium sein, doch der Leser*in erwartet, ich nenn es mal vorsichtig „gehobene Unterhaltung“. Es soll auf der einen Seite unterhalten, aber dennoch nicht flach sein. 🙂

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  5. Die Geschmäcker sind oft seeeehr verschieden. Mich wundert oft, für was für Bücher sich manche Menschen begeistern können. Umgekehrt können die mit meinen Favoriten nicht viel anfangen.

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