Einfach grandios!!!

Piper
Fester Einband
736 Seiten
Erscheinungsdatum:
02.05.2018
Preis: 26,00 Euro
ISBN: 9783492058537

Klappentext
Wer bin ich? Diese Frage ist es, auf die Cyril seit jeher eine Antwort sucht. Denn er ist kein „echter“ Avery, wie seine verschrobenen Adoptiveltern Maude und Charles immer wieder betonen. Und auch sonst fällt es ihm schwer, seinen Platz in der konservativen Gesellschaft Irlands der 1940er Jahre zu finden. Doch dann lernt er Julian Woodbead kennen. Die innige Freundschaft, die zwischen ihm und dem glamourösen Lebemann entsteht, wird Ausgangspunkt einer abenteuerlichen Reise, die ihn schließlich zu den Dingen führt, nach denen er sich immer gesehnt hat.

∗∗∗∗∗

„So verließ sie Goleen, den Ort ihrer Geburt, den sie mehr als sechzig Jahre nicht wiedersehen sollte, bis sie mit mir über ebenjenen Friedhof ging und unter den Grabsteinen nach den Resten der Familie sucht, die sie verstoßen hatte.“ (Seite 20)

Die Geschichte beginnt 1945 in dem kleinen Ort Goleen in Irland. Die 16jährige Catherine wird vor versammelter Kirchengemeinde an den Pranger gestellt, weil sie schwanger ist und den Namen des Kindsvater nicht nennen will. Schließlich wird sie vom Pfarrer aus der Gemeinde und dem Ort verbannt. Die junge Frau flieht nach Dublin, wo sie bei zwei Männern unterkommt, die befreundet sind. Schnell findet sie eine Anstellung. Nach der Geburt Cyrils gibt sie diesen zur Adoption frei, da sie weiß, dass ein Leben als allein erziehende Mutter im Irland der 1945er nicht möglich ist.

Cyril wächst bei Maude und Charles Avery auf. Einem sehr exzentrischen Ehepaar. Jeder geht seine eigenen Wege und Charles betont Cyril gegenüber immer und immer wieder, dass er kein „echter“ Avery sei. Auch Freunden und Fremden gegenüber betonen die Averys immer wieder, das Cyril nicht ihr leibliches Kind sei, sondern adoptiert. Cyril kommt scheinbar ganz gut mit der Lieblosigkeit seiner Zieheltern klar.

Im Alter von sieben Jahren trifft er das erste Mal auf Julian Woodbeat, dem Sohn von Charles Averys Anwalt. Und von dieser Zeit an ahnt Cyril, dass er anders ist als andere Jungs.

„“Zunächst einmal“, sagt Dr. Dourish, „dürfen Sie nicht denken, dass Sie mit dieser Heimsuchung allein sind. Es gibt viele junge Männer, die über die Jahre von ähnlichen Gefühlen geplagt wurden, von den alten Griechen bis in unsere Tage. Seit allem Anbeginn gibt es Perverse, Degenerierte und Gestörte, also sollten Sie niemals glauben, Sie wären etwas Besonderes. Es gibt sogar Orte, wo man damit durchkommt und sich niemand daran stört. Das Wichtigste für Sie jedoch, Tristan, ist es, niemals zu vergessen, dass Sie diesen ekelhaften Trieben nicht nachgeben dürfen. Sie sind ein guter, anständiger, irischer, katholischer junger Mann und … Sie sind doch katholisch?“
(…)
„Es stimmt schon“, fuhr er fort, „in der ganzen Welt gibt es Homosexuelle. (…) Aber in Irland, Tristan, in Irland gibt es keine Homosexuellen, dass dürfen Sie nie vergessen.““ (Seite 269)

Im weiteren Verlauf des Buches, in Zyklen von jeweils sieben Jahren, erfahre ich, wie Cyrils Leben verläuft. Es ist ein schwieriges Leben … als Homosexueller in einer Zeit aufzuwachsen, in der diese unter Strafe steht auf der einen Seiten und auf der anderen Seite in einem erzkatholischen Land wie Irland aufzuwachsen. Cyril versucht seine Neigung zu vertuschen, in dem er eine Beziehung zu einer Frau beginnt, die letztendlich in einem Desaster endet. Cyril flieht nach Holland, wo er endlich eine Liebe findet, doch auch diese endet desaströs. Kann Cyril jemals glücklich werden …

„“Seht ihr“, sagte ich. „Das Land ändert sich nie. In Irland wird lieber alles vertuscht, als dass man den Wahrheiten des Lebens ins Auge sieht.““ (Seite 470)

Dies war mein erster Boyne. Und dieses Buch ist eines dieser Bücher in die man eintaucht und nie wieder auftauchen möchte. Boyne skizziert seinen Protagonisten und die Lebenssituation so real, dass man das Gefühl hat sie schon ewig zu kennen bzw. mit ihnen durch diese Zeit zu gehen. Über 700 Seiten ist mir Cyril sehr ans Herz gewachsen und irgendwie wollte ich ihn nach der letzten Seite nicht gehen lassen …

Cyrils Geschichte ist eine Geschichte, die mich oft wütend gemacht hat. Wütend auf Menschen und Land, die eine so unglaublich Doppelmoral haben, die so bigott und homophob sind, dass ich das Buch am liebsten gegen die Wand geschmissen hätte. Doch wem hätte es genutzt? Hier wird nur Cyrils Geschichte erzählt, doch sie steht stellvertretend für alle homosexuellen Menschen, die in einigen Teilen der Welt bis heute noch strafrechtlich verfolgt werden. Allein dies Vorstellung macht mich gerade wieder sehr wütend.

Am allerschlimmsten fand ich die Abschnitte, in denen immer wieder betont wurde, dass es keine Homosexuelle in Irland gebe, und dass man diese „Perverslinge“ ausrotten müsste. Und die, die das sagten waren dann oft die, die verheiratet waren und nachts loszogen um ihre homosexuellen Neigungen auslebten. Echt zum kotzen diese Doppelmoral!!!

Natürlich gibt es im Buch und somit auch in Cyrils Leben andere Menschen. Menschen die Cyril lieben und akzeptieren so wie er ist. Die ihn durch diese Zeit und den Kampf nach Akzeptanz begleiten. Und am Ende des Buch kann ich dann folgende Worte von Cyril lesen:

„Und zum Schluss, als alle applaudierten, da begriff ich, dass ich endlich glücklich war.“ (Seite 733)

Cyrils Geschichte hat mein Herz bewegt … ich habe mit ihm gelitten und geliebt.

Unbedingt lesen ♥♥♥

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2 Gedanken zu “Einfach grandios!!!

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