„Bleib bei mir“ von Ayòbámi Adébáyò

Piper Verlag
Fester Einband
352 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.08.2018
ISBN: 9783492058902
Preis: 22,00 Euro

Klappentext
Yejide und Akin wünschen sich ein Kind. Doch selbst nach ein paar Jahren Ehe wird Yejide nicht schwanger. Sie hat alles versucht: medizinische Behandlungen, Pilgerreisen, Stoßgebete – ohne Erfolg. Da greift ihre Schwiegermutter Martha ein. Sie findet, ihr Sohn hat das Recht auf ein Kind. Und obwohl Akin und Yejide sich bewusst gegen die nigerianische Tradition entschieden haben, setzt Martha sich durch. Eines Tages trifft Yejide in ihrem Wohnzimmer auf Funmi, eine junge und schöne Frau. Yejide ist voller Wut und Trauer. Sie weiß: Der einzige Weg, ihre Ehe zu retten, ist schwanger zu werden. Aber um welchen Preis?

∗∗∗∗∗

„Ich war nicht dumm. Ich wusste, es war nur eine Frage der Zeit, bis Moomi auftauchen und dafür sorgen würde, dass Funmi bei uns wohnte. Wenn ich mich mit Funmi anlegte, würde ich alles nur noch schlimmer machen. Moomi könnte mich auffordern zu gehen, obwohl Akin mir auch weiterhin sagte, wie sehr er mich liebe, glaubte ich ihm nicht mehr. Aber ich wollte ihm glauben. Ich hatte keinen Vater, keine Mutter und keine Geschwister. Akin war der einzige Mensch auf der Welt, der tatsächlich merken würde, wenn ich verschwinden sollte.“ (Seite 96/ 97)

Yejide und Akin sind ein modernes Paar in den 1980zigern in Nigeria. Sie leben ihr Leben und lassen sich von den Traditionen der Familien nicht vereinnahmen. Zu ihrem Glück fehlen nur noch Kinder. Doch auch als Yejide nach Jahren immer noch kein Kind bekommen hat, schleppt ihre Schwiegermutter eine Zweitfrau für ihren Sohn an. Denn sie ist der Meinung, dass es dem Ansehen der Familie schadet, wenn der Sohn nicht endlich ein Kind zeugt. Ferner habe ihr Sohn ein Recht auf ein Kind und wenn Yejide das nicht leisten kann, dann muss eben nach nigerianischer Tradition eine Zweitfrau her, die dem Sohn ein Kind schenken kann.

Yejide ist verzweifelt und versucht alles … und schließlich scheint sie schwanger zu sein. Doch es ist nur eine Scheinschwangerschaft. Alle erkennen dies, nur Yejide will dies nicht wahrhaben. Schließlich erkennt sie, dass sie durch ihren großen Wunsch ein Kind zu bekommen, in eine Scheinwelt geflohen ist.

„Die Gründe dafür, dass wir bestimmte Dinge tun, sind nicht immer die Gründe, an die andere sich später erinnern. Manchmal glaube ich, dass wir Kinder bekommen, damit jemand der Welt erklären kann, wer wir waren, wenn wir eines Tages fort sind.“ (Seite 163)

Nach einer Zeit der Aufarbeitung wird Yejide doch endlich schwanger. Beide freuen sich auf ihr erstes Kind. Die Zweitfrau ist kein Thema mehr innerhalb der Familie. Doch kurz nach der Geburt verliert Yejide ihr Kind. Später wird sie wieder schwanger, und auch dieses Kind verliert sie. Nur weiß man jetzt, dass sie beide Kinder auf Grund einer seltenen Krankheit, der Sichelzellenanämie, verloren hat. Als Yejide ein drittes Kind bekommt und dies auch wieder mit dem Tod ringt, verlässt sie die Familie, weil sie einen weiteren Verlust nicht verkraftet.

„Die Wahrheit kann man nicht verbergen. So wie kein Mensch mit bloßen Händen die Sonne verbergen kann, kann man auch die Wahrheit nicht verbergen.“ (Seite 268)

Dieses Buch ist wirklich sehr bewegend, ohne dabei kitschig zu sein. Es zeigt ein modernes Paar in einem sehr traditionellen Nigeria. Doch obwohl im ersten Augenblick eben diese Tradition im Mittelpunkt der Geschichte zu stehen scheint, bietet dieses Buch noch viel mehr.

Es zu einem der starke Kinderwunsch ein Thema. Yejide versucht alles, um schwanger zu werden. Beide lassen sich untersuchen ohne Ergebnis. Sie geht auf Pilgerreisen und lässt sich auf medizinische Experimente ein. Nichts bringt ihnen das ersehnte Kind. Schließlich flüchtet sich Yejide in ihrem Kummer in eine Scheinschwangerschaft, die letztendlich auch nur Kummer bringt. Gerade diesen Aspekt innerhalb der Geschichte fand ich sehr interessant, da ich bisher wenig darüber gelesen oder gehört habe. Ich habe gedacht, dass es dies eher nur bei Tieren gibt.

Und dann ist ein weiterer Themenpunkt die Sichelzellenanämie. Auch das war für mich sehr interessant dargestellt. Ich habe von dieser Krankheit gehört und hatte ein wenig Grundinformation dazu, doch hier bekomme ich noch einmal einen kleinen weiteren Einblick.

„Ich wusste, dass ich genauso in die Lüge verstrickt gewesen war wie er, vielleicht sogar noch mehr – denn wahrscheinlich hatte er zumindest sich selbst die Wahrheit eingestanden. Ich selbst hatte sie mir nicht eingestehen können, bis Donut sie ausgesprochen hatte. Akin war doch die Liebe meines Lebens. Bevor ich Kinder bekommen hatte, war er meine Rettung vor der Einsamkeit in der Welt; er durfte keine Fehler haben. (…) Ich hatte mir gesagt, ich würde meinen Mann respektieren. Hatte mir eingeredet, dass mich mein Schweigen zu einer guten Frau mache. Aber die größten Lügen sind oft die, die wir uns selbst erzählen.“ (Seite 307)

Mich hat dieses Debüt von Ayobami Adebayo sehr berührt. Diese Verzweiflung und Kampf Yejides ein Kind zu bekommen, der Verlust selbiger und der Hoffnung jemals ein gesundes Kind zu bekommen sind einfach unglaublich gut erzählt und nachvollziehbar. Was der Geschichte einen spannenden Touch verliehen hat, waren die Unglaublichen Wendungen, die die Geschichte immer wieder nimmt. Ich habe manches Mal sprachlos dagesessen, weil ich damit nicht gerechnet hatte.

Ich habe dieses Debüt sehr gerne gelesen und freue mich jetzt schon auf weitere Bücher dieser Autorin!

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4 Gedanken zu “„Bleib bei mir“ von Ayòbámi Adébáyò

  1. Hallo Angelika,
    ich habe mir das Buch auch vor einiger Zeit bestellt und bin gespannt darauf. Nach deiner Besprechung hoffe ich auf eine gute Lektüre. Es ist mein erstes Buch aus Nigeria und der Region im Allgemeinen, ich bin gespannt auf den Stil.
    Viele Grüße
    Jana

    Gefällt 1 Person

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