„Das Haus der Frauen“ von Laetitia Colombani

S. Fischer
Fester Einband
256 Seiten
Erscheinungsdatum:
26.02.2020
ISBN: 9783103900033
Preis: 20,00 Euro

Klappentext

Solène ist Staranwältin in Paris. Als sich ein Mandant nach verlorenem Prozess vor ihren Augen in den Tod stürzt, bricht sie zusammen. Halt findet sie im Haus der Frauen, in dem Frauen in Not Zuflucht finden. Sie wird zur Briefschreiberin. Mit jedem Brief, den sie im Auftrag der Bewohnerinnen schreibt, wächst nicht nur ihr Mitgefühl für die verschiedenen Schicksale, sondern auch ihr Interesse an der heldenhaften Blanche Peyron, die 1926 allen Widerständen zum Trotz den „Palais de la Femme“ in Paris begründete.

∗∗∗∗∗

„Solène ist genau das: ein kleiner aus dem Nest gefallener Vogel, der versucht, einen Brand zu löschen. Ihr Handeln ist unbedeutend, nicht der Rede wert-lächerlich, wie man sagen würde. Aber sie leistet ihren Beitrag.“ (Seite 158)

Solène arbeitet seit Jahren erfolgreich als Anwältin. Als sich jedoch ein Mandant nach einem verlorenen Prozess vor ihren Augen selbst tötet, stürzt sie das in eine tiefe Krise. Sie hat keine Perspektive mehr, alles erscheint ihr sinnlos und leer. Ihr Therapeut schlägt ihr vor ehrenamtlich zu arbeiten. Menschen zu helfen. Zuerst verweigert Solène sich dieser Idee, ist es doch sie selbst, die Hilfe braucht. Doch sie geht in den „Palais de la Femme“ und schaut sich die Arbeit an …

„Kindheitsträume zu vergessen ist nicht schwer, man hört einfach auf daran zu denken. Man bedeckt sie mit einem Schleier, so wie man Laken über Möbelstücke wirft, wenn man sein Haus für längere Zeit verlässt.“ (Seite 24)

 1925 … Blanche Roussel arbeitet als junge Frau in der Heilsarmee. Ihr Vision ist es allen Menschen, die in Not geraten sind zu helfen. Sie lernt ihren zukünftigen Mann Albin Peyron in der Armee kennen. Fortan setzen die beiden alles in Bewegung um Bedürftigen zu helfen. 1926 gelingt es den beiden mit Hilfe von Spendengeldern und Eigenleistung das „Palais de la Femme“ zu eröffnen.

„Auf diesem wenige Gramm wiegenden Papier liegt das Gewicht eines Lebens. Die Blätter sind leicht und wiegen doch schwer. Es ist keilen Kleinigkeit, Übermittlerin einer solchen Botschaft zu sein. Solène bedenkt, wie viel Vertrauen Binta ihr entgegengebracht hat, indem sie ihr ihre Geschichte erzählt hat. Dessen muss sie sich als würdig erweisen. Sie weiß noch nicht, wie sie es am besten angeht, aber sie nimmt sich vor, ihrer Pflicht mit all der ihr zur Verfügung stehenden Aufrichtigkeit, Intelligenz und Sensibilität nachzukommen. Sie will die richtigen Worte finden (…)“ (Seite 130/131)

Was für ein wunderbares Buch! Erzählt wir in zwei Zeitebenen. Da ist einmal die Geschichte von Solène, einer erfolgreichen jungen Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. Durch den Freitod eines Mandanten stürzt ihre heile Welt ein. Auf den Rat ihres Therapeuten nimmt sie eine ehrenamtliche Tätigkeit auf. Ihre Arbeit im Frauenhaus hilft ihr aus ihrer Krise. Die Geschichten und Schicksale der Frauen dort haben mich sehr berührt. Es sind Schicksale die auch heute noch zig Millionen Frauen erleben müssen und über die niemand ein Wort verliert.

Parallel dazu wird die Geschichte von Blanche Peyron erzählt. Eine Frau, die wirklich gelebt hat, und die so gut wie niemand kennt. Ich habe ihren Namen auf jeden Fall noch nie gehört oder gelesen. Aber diese Frau hat mit ihrem Mann und vielen anderen Helfern etwas großartiges geschaffen. Sie hat das erste Frauenhaus der Welt gegründet und somit einen Zufluchtsort bedürftige Frauen. Hier hat mich die Lebensgeschichte von Blanche sehr berührt. Sie hat bis zu Erschöpfung für die Verwirklichung ihres Traumes gearbeitet. Ihr großer Wunsch war es den Bedürftigen zu helfen.

Laetitia Colombani hat mit ihrem sehr gefühlvollen Roman Blanche Peyron ein kleines Denkmal gesetzt. Aber wie ihr unten lesen könnt, war Blanche das nicht wichtig. Ihr war es wichtig etwas für die Frauen zu tun und das hat sie nachhaltig geschafft!

Danke Blanche Peyron! Danke Laetitia Colombani!

Unbedingt lesen!

„Ihr Körper hat seine letzte Ruhestätte in Saint-Georges gefunden, doch ihre Seele woanders, Albin weiß es. Sie lebt in jedem Winkel des Palastes fort, auf dessen Fluren, in dessen Gemeinschaftssaal, in der Empfangshalle und in den Zimmern. In jeder Frau, die dort lebt, und in allen, die dort in Zukunft leben werden. Ihr Name wird nicht in die Geschichte eingehen. Die Welt wird vergessen, wer Blanche Peyron war. Aber das ist nicht wichtig, sie hat sich nie viel aus Ruhm und Ehre gemacht. Ihr Palast jedoch wird über sie hinaus Bestand haben. Er wird der Zeit und den Jahren trotzen. Er wird der Nachwelt erhalten bleiben. Um nichts anderes ging es ihr.“ (Seite 241/242)

 

 

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