„Dankbarkeiten“ von Delphine de Vigan

DuMont Buchverlag
Fester Einband
176 Seiten
Erscheinungsdatum:
17.04.2020
ISBN: 9783832181123
Preis: 20,00 Euro

Klappentext

Michka, die stets ein unabhängiges Leben geführt hat, muss feststellen, dass sie nicht mehr allein leben kann. Geplagt von Albträumen glaubt sie ständig, wichtige Dinge zu verlieren. Tatsächlich verliert sie nach und nach Wörter, findet die richtigen nicht mehr und ersetzt sie durch ähnlich klingende. Die junge Marie, die Michka früher versorgt hat, bringt sie in einem Seniorenheim unter. Der alten Frau fällt es schwer, sich in der neuen Ordnung einzufinden. In hellen Momenten leidet sie unter dem Verlust ihrer Selbstständigkeit. Die Enge und Monotonie ihres neuen Lebens stehen im kompletten Gegensatz zu ihrem früheren Dasein, das von Offenheit und regem Austausch bestimmt war. Ihr einziger Lichtblick sind Marie und der junge Logopäde Jérôme, der sie regelmäßig aufsucht. Beide kümmern sich liebevoll um sie. Michka wiederum zeigt beiden immer wieder, wie wichtig der Kontakt zu Menschen ist, wie sehr man Zuneigung und tiefes Verständnis braucht, ganz egal wie alt man ist. Doch was sie am meisten beschäftigt, ist die bisher vergebliche Suche nach einem Ehepaar, dem sie ihr Leben zu verdanken hat. Daher gibt Marie eine Suchanzeige auf, und Michka hofft, ihre tiefe Dankbarkeit endlich übermitteln zu können, bevor es zu spät ist.

∗∗∗∗∗

„Und statt mir zu sagen, lass mich in Frieden, geh irgendwo was auf mein Wohl trinken und tanz auf den Tischen, antwortet sie sehr entgegenkommend auf jede meiner Fragen. Sie gibt sich Mühe, sucht nach den Wörtern. Wenn ich auflege, ist es meine eigene Hilflosigkeit, die mich überfällt und mir die Sprache raubt.“ (Seite 32)

Michka hat keine Familie und dennoch ist sie nicht allein. Da ist Marie, die kümmert sich um die alte Dame, auch als diese nicht mehr weiterhin allein in ihrer Wohnung verbleiben kann. Michka ist alt und viele Dinge fallen ihr immer schwerer. Vor allem das Behalten von Dingen und Wörtern. Sie zieht in eine Seniorenheim, was Michka so gar nicht gefällt, da sie ihre Unabhängigkeit nicht verlieren möchte. In dem Heim kümmert sich eine weitere Person, Jérôme, um sie. Doch Michka verzweifelt, denn sie macht sich mehr und mehr Gedanken darüber, ob sie den Menschen in ihrem Leben genügend gedankt hat. Vor allem einem Ehepaar möchte sie auf jeden Fall noch einmal in ihrem Leben besonders bedanken.

„Man glaubt immer, man hätte noch genug Zeit, die Dinge zu sagen, und dann ist es plötzlich zu spät. Man glaubt, es würde reichen, wenn man es zeigt, herumgestikuliert, aber das stimmt nicht, man muss es sagen. Sagen, dieses Wort, das Sie so sehr lieben. Wörter sind wichtig, aber Ihnen brauche ich das ja nicht zu sagen.“ (Seite 152)

Dieses Buch von Daphne de Vigan beschäftigt sich mit drei Hauptthemen. Dem Älter werden und dem damit verbundenen Verfall, geistig wie auch körperlich, Dankbarkeit und einer Erkrankung, die sich Aphasie nennt.

Auf den ersten Seiten habe ich gedacht, oh man, ist das Buch schlecht lektoriert. Bis ich mal auf die Idee kam, dass dies so gewollt ist, denn die Protagonistin Michka leidet an Aphasie. Das ist eine Erkrankung bei der man Wörter vergisst und diese durch gleichlautende während eines Gespräches ersetzt. Beim Lesen ergibt dass manches Mal einen ganz schönen Kuddelmuddel. Aber man gewöhnt sich daran, je weiter die Geschichte voran geht. Ich persönlich kann diese Erkrankung nicht und fand es sehr informativ, was ich darüber erfahren habe.

Es geht in der Geschichte um Michka aber auch um das Älter werden und was es für Michka bedeutet immer mehr ihrer Selbständigkeit zu verlieren. De Vigan hat diese Szenen sehr einfühlsam ja fast liebevoll beschrieben.

Und dann geht es natürlich, wie schon der Titel sagt, um Dankbarkeit. Es stellt sich die Frage sind wir eigentlich dankbar genug in unserem Leben? Sagen wir den Menschen die für uns da sind, die wir lieben oft genug DANKE? Aber es ist nicht nur diese Art der Dankbarkeit, die wir schätzen und unserem Gegenüber mitteilen sollten. Es geht auch um das Dankbarsein von Dingen, für den schönen Tag, die Sonne, die Blumen, das schöne und gute Leben … für all das tolle das wir jeden Tag erleben dürfen. Denn was kann uns glücklicher machen, als DANKBAR zu sein für dieses Leben, das wir haben!

DANKE liebe Daphne de Vigan für dieses kleine wundervolle Buch♥♥♥

 

 

 

2 Gedanken zu “„Dankbarkeiten“ von Delphine de Vigan

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s