„Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné

Klappentext

Eine Reihenhaussiedlung, wie es viele gibt. Am Waldrand wohnt eine vierköpfige Familie, im schönsten und hellsten Haus. Ein Stück heile Welt, könnte man meinen. Wären da nicht die Leidenschaften des Vaters: Neben TV und Whisky liebt er den Rausch der Jagd. Da er für eine Großwildsafari aber selten das Geld hat, befriedigt er seine Gier nach Macht meistens in den eignen vier Wänden. In einer solchen Atmosphäre aufzuwachsen ist nicht leicht. Darum tut das Mädchen alles, damit sich ihr kleiner Bruder zumindest sein Lachen bewahrt. Tagsüber geht sie mit ihm zum Autofriedhof spielen und abends zum Eiswagen, der mit Tschaikowskis „Blumenwalzer“ sein Kommen ankündigt. Bis eines Tages vor ihren Augen eine Tragödie passiert …

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„<Zu gewissen Menschen hält man besser Abstand. Das werdet ihr noch lernen>, erklärte sie . <Es gibt Leute, die verdüstern euch den Himmel, stehlen euer Lachen oder setzen sich mit ihrem ganzen Gewicht auf eure Schultern, um euch am fliegen zu hindern.>“ (Seite 19)

 Dieses Buch hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. Erst als es vermehrt in der Buchhandlung nachgefragt wurde und mir Kunden*innen erzählten dass dies ein Wahnsinns Buch sei. Ich hab dann ein paar Exemplare für die Buchhandlung eingekauft und als geliefert wurde mir sofort eins geschnappt und rein gelesen.

Die Protagonisten, hier immer nur das Mädchen genannt, ist sehr beeindruckend. Die Geschichte beginnt als das Mädchen 10 Jahre alt ist. An einem Sommertag geschieht ein Unglück, dass ihrem 6jährigen Bruder das Lachen nimmt. Fortan möchte das Mädchen unbedingt eine Zeitmaschine bauen, um die Zeit vor diesem Unglück zurück zu holen und somit das Lachen ihres Bruders, dass sie so sehr geliebt hat. Da sie schon immer Interesse an Physik hatte informiert sie sich jetzt noch mehr, nimmt sogar zusätzlichen Unterricht bei einem Professor. Doch die Zeit rennt und mit jedem Tag mehr muss sie zusehen wie ihr Bruder sich in seine eigene Welt zurück zieht. In eine Welt in der es um Tierquälerei und Bösartigkeit geht.

Parallel dazu muss sie immer wieder mit ansehen wie der Vater die Mutter schlägt und sogar eines Tages das Leben seiner Kinder aufs Spiel setzt. Doch eines Tages, ein paar Jahre später passiert ein weiteres Unglück …

Dieses Buch macht atemlos. Man fängt an zu lesen und gerät in einen Strudel aus Unglück, Horror, Tierquälerei und körperlicher sowie häuslicher Gewalt. An vielen Stellen konnte ich nicht weiter lesen, weil ich schockiert war, und wollte doch weiter lesen, weil ich wissen musste was mit dem Mädchen und ihrem Bruder geschieht. Dieudonné erzählt mit eine bildhaften Sprachgewalt, die mich als Leserin  ganz nah an das Geschehen heran holt.

Und dann ist da noch dieses Mädchen, ein Kind am Anfang, dass nicht zulassen will, dass ein Ereignis das weitere Leben beherrscht. Ein Mädchen dass alles daran setzt um endlich aus der Opferrolle heraus zu kommen um ein Leben zu leben, in dem sie sich die Dinge bewahren kann die sie sich bewahren möchte.

Absolute Leseempfehlung jedoch mit dem Hinweis, dass es an manchen Stellen echt sehr brutal und blutig sind.

 „Wenn das Gebrüll dazu nicht reichte, nahm mein Vater noch die Hände zu Hilfe. Bis auch das letzte bisschen Wut aus ihm heraus war. Am Ende fand sich meine Mutter immer am Boden wieder, reglos und schlaff wie ein leerer Kissenbezug. Danach wussten wir, hatten wir wieder ein paar Wochen Ruhe.“ (Seite 34/35)


dtv Verlagsgesellschaft * Fester Einband * 240 Seiten * Erscheinungsdatum: 24.04.2020 * ISBN: 9783423282130 * Preis: 18,00 Euro * Hier kaufen *

 

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