„Das Damengambit“ von Walter Tevis

Diogenes, Fester Einband, 416 Seiten, Preis 24,00 Euro, ISBN: 9783257071610, Hier kaufen

Klappentext

Sie ist jung. Süchtig. Ein Schachgenie.

Beth Harmon lernt schon im Waisenhaus, ihren inneren Aufruhr mit den Pillen zu beruhigen, die die Kinder dort täglich schlucken müssen. Und der Hausmeister des Waisenhauses bringt ihr, achtjährig, das Schachspiel bei.

Nach ihrer Adoption durch die flatterhafte Mrs. Wheatley kann Beth ihre Schachpassion endlich ausleben. Sie spielt neben der Schule Turniere, wird bald Landesmeisterin von Kentucky, spielt um  US-Meisterschaft. Aber Beth überragende Begabung hat ihren Preis. Wird Beth ihren eigenen Weg finden oder ihr Talent mit Pillen und Alkohol zerstören? Und wird es ihr jemals gelingen, den Russen Borgov, den besten Spieler der Welt, zu schlagen?

∗∗∗∗∗

„Im Methuen-Kinderheim in Mount Sterling, Kentucky, bekam Beth, wie alle anderen Kinder auch, zweimal am Tag ein Beruhigungsmittel. Es sollte ihnen zu einem >ausgeglichenen Gemüt< verhelfen. Soweit sich das beurteilen ließ, war mit Beths Gemüt alles in Ordnung, doch schluckte sie die kleinen Pillen. Tief im Magen lockerte sich etwas, und die zermürbenden Stunden im Heim ließen sich leicht verdösen.“ (Seite 13-14)

Beth ist acht, als sie ins Waisenhaus kommt. Für sie ist es von Anfang an die Hölle. Mit kleinen grünen Pillen werden die Kinder dort ruhig gestellt. Doch Beth bekommt schnell raus, wie sie es anstellt, damit die Dinger eine, für sie „gute“ Wirkung haben. Und dann ist da noch der Hausmeister. Er bringt ihr das Schach spielen bei, und erkennt dabei ihr Potenzial. Beth nimmt heimlich an Turnieren in der direkten Umgebung des Waisenhauses teil und gewinnt eins nach dem anderen.

Dann wird Beth adoptiert und somit kommt ihre Leidenschaft erst einmal ein wenig zum erliegen. Doch dann merkt ihre Adoptivmutter wie begabt Beth ist und wie gut sich mit dieser Begabung Geld verdienen lässt. Von nun an unterstützt sie Beth und managt sie … mehr oder weniger.

So ziehen die Jahre ins Land und Beth hat nur einen Wunsch … einmal gegen den Großmeister Borgov spielen und gewinnen. Dann stirbt ihre Adoptivmutter und Beth ist wieder auf sich allein gestellt. Verfällt den grünen Pillen und dem Alkohol. Wird sie ihren Traum jemals verwirklichen können?

„Etwas in ihrem hatte sich gelöst: Sie kannte die Schachfiguren und wusste, wie man sie bewegte und sie schlug, und sie hatte herausgefunden, wie sie mit den Pillen, die das Waisenhaus ihr gab, die Spannung im Magen und in den Gelenken in ein Wohlgefühl verwandeln konnte.“ (Seite 22)

Ich gestehe, wir haben kein Netflix und somit kenne ich diese Serie nicht. Ich kann nur minimal bis gar kein Schach spielen, und doch hat mich dieses Buch gepackt, fasziniert und atemlos gemacht!!!

Es ist wirklich so, auch wenn man keine Ahnung von Schach hat, reist einen die Komplexität dieses Spiels in den Bann. Ich fand es super spannend was Beth alles angestellt hat, um ihre Gegner zu studieren. Wie sie in Gedanken Schachbretter aufgebaut hat, sich Züge überlegt um  ihre Gegner zu schlagen …

Da ist aber auch die traurige und einsame Beth, die sich mit Pillen und Alkohol betäubt …  und doch schafft sie es immer wieder sich aufzuraffen um ihren Traum, Borgov zu besiegen, ein Stück näher zu kommen.

„Sie vergaß wie müde sie war, und machte sich an die Arbeit. Es war kompliziert und mühselig. Und Luchenko hatte mehr Zeit. Sie entschied sich für einen Plan, den sie mitten in der Nacht entwickelt hatte, sie zog den Springer vom Damenflügel ab und schickte ihn auf eine Reise nach e4. Bestimmt war Luchenko darauf vorberietet und hatte das seit dem gestrigen Vormittag selbst analysiert. Vermutlich mit Unterstützung. Aber so gut er sein mochte, war ihm vielleicht doch etwas entgangen. Sie zog ihren Läufer von der Diagonalen weg, auf der sein Turm stand, in der Hoffnung, er würde nicht sehen, was sie damit bezweckte. Es sollte so aussehen, als wolle sie seine Bauernformation angreifen und ihn zwingen, diese durch einen Bauernzug zu schwächen. Seine Bauern kümmerten sie allerdings nicht. Sie wollte unbedingt den Turm vom Brett haben. Dafür hatte sie töten können.“ (Seite 389)

WAHNSINN!!! Was für ein Buch. Ich habe es verschlungen. Habe mit Beth gelitten, gezittert, gespielt, geweint und gefreut. Am Ende des Buches hatte ich das Gefühl, ich habe zig Stunden Schach gespielt. Ich war müde und euphorisch zugleich. Am liebsten hätte ich jede Menge Bücher genommen, um damit auf die Straße zu rennen und jedem ein Buch in die Hand zu drücken und zu sagen lesen! lesen! lesen!

Für mich ein absolutes Highlight in diesem Jahr, weil es so anders ist, so einzigartig, so verdammt gut!!!

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