„Gute Nachbarn“ von Therese Anne Fowler

Droemer, Fester Einband, 352 Seiten, Preis: 20,00 Euro, ISBN: 9783426282519, Hier kaufen

Klappentext

In Oak Knoll, einem Vorort in North Carolina, ist das Leben noch in Ordnung. Die Nachbarschaft ist grün und der Zusammenhalt eng. Hier zieht die Forstwirtschafterin Valerie Alston-Holt ihren Sohn Xavier groß. Er ist ein Musiktalent und das Collegestipendium ist ihm so gut wie sicher. Dennoch hat er zu kämpfen, denn Valerie ist schwarz. Xaviers Vater war weiß, und er selbst passt nirgends so richtig hin.

Als auf dem Grundstück nebenan die Whitmans einziehen, verändert sich langsam, aber stetig die Gemengelage in dem kleinen Vorort. Brad Whitman ist mit einer Firma für Kühltechnik zu Geld gekommen und baut ein recht protziges Haus. Gemeinsam mit seiner Frau Julia und den Töchtern Juniper und Lily bildet er die scheinbar perfekte weiße Familie, die den amerikanischen Traum lebt. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn hinter der Fassade verbirgt sich manches Geheimnis.

Manchmal braucht es nur noch eine sterbende Eiche und eine Teenagerliebe, um eine hübsche Nachbarschaft von einer Katastrophe erschüttern zu lassen.

∗∗∗∗∗

„Ein hochpreisiges neues Haus in einem einfachen, alten Viertel. Auf einer Liege neben dem Swimmingpool ein Mädchen, das in Ruhe gelassen werden will. Wir beginnen unsere Geschichte hier, in den Minuten vor dem kleinen Ereignis, das alles verändern wird. Ein Sonntagnachmittag im Mai, an dem unser Viertel noch seinen prekären Frieden wahrt, das ungefähre Gleichgewicht von alt und neu, uns und denen. Später in diesem Sommer, bei der Beerdigung, werden die Medien vollmundig spekulieren, wer Schuld hat. Sie werden die Anwesenden auffordern, vor der Kamera zu sagen, auf wessen Seite sie stehen. Fürs Protokoll: Partei zu ergreifen war nichts, was wir wollten.“ (Seite 11)

 Oak Knoll ist eigentlich ein verschlafenes Örtchen, in dem die sogenannte Mittelschicht lebt. Doch immer mehr Reiche stellen fest, dass man dort günstig Häuser kaufen kann, diese dann abreißt, um ganz groß neu zu bauen. So macht es auch der zu Geld gekommene Brad Whitman. Für sein schickes Haus müssen auch Bäume fallen, was der Forstwirtschafterin Valerie so gar nicht gefällt. Doch erst einmal macht sie gute Miene zum bösen Spiel, da man ja in der Nachbarschaft lebt und ein gutes Verhältnis haben möchte.

Doch eines Tages fängt Valeries Lieblingsbaum an zu sterben. Eine sehr alte Eiche. Der Bau von Whitmans Haus und Pool hat die Wurzeln zerstört und als sich dann auch noch ihr Sohn in die Nachbarstochter verliebt, ist das Drama irgendwie vorprogrammiert. Denn Xaviers Vater war weiß und seine Mutter ist schwarz. Die Whitmans sind weiß.

 „Julia hörte zu, wie die Frauen planten, dem Paar, Esther und Hank, zu helfen und Besuche abzustatten. So ist es, dachte sie, wenn man Teil einer Gemeinschaft ist. Diese Frauen kannten sich alle und kümmerten sich umeinander – es machte sie schon glücklich, nur mit ihnen in einem Raum zu sein.“ (Seite 61)

Die Geschichte wird aus Sicht eines Nachbarn erzählt und er bindet mich als Leserin mit ein. Stellt mir Fragen, lässt mich reflektieren und hinterfragt auch die Entscheidungen der Nachbarn. Ich finde diese Art des Erzählens immer spannend, da sie  mir viele Möglichkeiten bietet.

Was erst einmal Harmlos und nett anfängt endet letztendlich in einer Tragödie. Nach ca. 100 Seiten habe ich einen Hass, ja wirklich Hass, auf Brad  Whitman bekommen. Er bedient das Bild eines Weißen in Amerika. Einer der Rassist ist, und seine Macht ausspielt wo und wie er nur kann. Ich musste fassungslos mit ansehen (lesen) wie er nicht nur das Leben von Xavier und Valerie zerstört, sondern auch des Leben seiner Tochter.

„Menschen sind, wie wir alle wissen, komplizierte Wesen. Nicht mal der simpelste von uns ist simpel. Wir alle sind geformt durch die, die uns aufgezogen haben, dadurch, wie und wo wir aufgewachsen. Haben wir zwei Elternteile? Nur einen? Gar keinen? Leben wir im Überfluss oder in äußerster Armut, oder führen wir ein solides Mittelklasseleben? Die Unterschiede spielen eine Rolle. Wechselnde Umstände vom Guten zum Schlechten oder vom Schlechten zum Guten ebenfalls.“ (Seite 159)

Ehrlich gesagt hätte ich bei diesem Titel nicht eine solche Geschichte erwartet. Aber das finde ich wiederum auch gut, denn somit hat mich das Buch positiv überrascht, auch wenn die Story echt harter Tobak ist. Dieses Buch ist ein Gesellschaftsroman über den Rassismus und Machtmissbrauch in Amerika.

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