… aus „Smith & Wesson“ von Alessandro Baricco

Hoffmann und Campe
Fester Einband
112 Seiten
Erscheinungsdatum:
17.09.2016
Preis: 18,00 €
ISBN: 9783455405774

 

„Und jetzt fasse ich zusammen: Wir hatten große Erwartungen an das Leben, und wir haben nichts zustande gebracht, wir sind dabei, ins Nichts abzurutschen, und das tun wir am Arsch der Welt, in einem miesen Loch, wo ein herrlicher Wasserfall uns jeden Tag daran erinnert, dass die Erbärmlichkeit eine Erfindung des Menschen ist und die Großartigkeit der normale Lauf der Welt.“ (Seite 37)

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Ich hätte ihr sagen können, dass viele auf die gleiche Weise vor ihrem Leben davonspringen, über sich selbst hinaus, indem sie alles riskieren, um sich wirklich lebendig zu fühlen.“ (Seite 100)

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Dieses Mal hatten wir sorgfältig gesät; wir alle hatten Phantasie, Verrücktheit und Talent gesät. Und geerntet haben wir eine zweideutige Frucht: das schöne Licht einer Erinnerung und das Privileg einer Erschütterung, die uns für immer stolz und geheimnisvoll machen wird.“ (Seite 101)

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Das Debüt 2017- Meine Entscheidung

Hallo Ihr Lieben,

vor einigen Monaten habe ich mich als Jurymitglied bei Das Debüt beworben, da ich gerne Debütromane lese. Allerdings habe ich nicht geahnt, was wirklich auf mich zukommt. Dazu aber später etwas mehr.

Zuerst können Verlage, Autoreninnen, Jurymitglieder Debütautoreninnen vorschlagen. Diese kommen dann auf die sogenannte Longlist. Die Macher von Das Debüt entscheiden dann, welche Titel auf die sogenannte Shortlist kommen. Dann ist es an er Jury zu entscheiden, welches Buch den Debütpreis erhalten soll. Soweit so gut.

Auf der Longlist waren viele tolle Bücher und ich war sehr auf die Shortlist gespannt. Als diese dann Anfang Dezember kam, war ich erst einmal überrascht … erstaunt … verwundert, denn von den 5 Büchern hatte ich eines gelesen, von einem weiteren gehört und die restlichen drei waren mir völlig unbekannt. Aber auch das fand ich bis dahin noch sehr spannend. Was ich allerdings gar nicht auf dem Schirm bei meiner Bewerbung zum Jurymitglied hatte, war die Tatsache, das die Lesezeit für die Bücher der Shortlist ins Weihnachtsgeschäft fällt. Trotzdem wollte ich versuchen alle Bücher zu lesen.

Doch bereits nach dem ersten Buch bekam ich eine Krise. Nach dem zweiten wurde es nicht besser und ich musste feststellen, dass mich etwas enorm störte. Etwas, dass ich bereits in den letzten zwei Jahren auch bei der Shortlist des Deutschen Buchpreises bemängelt hatte … die Titel waren zwar lesbar, aber waren sie auch verkäuflich? Ja, auch dies ist ein Aspekt, den ich betrachte. Ich bin ja nicht nur Bloggerin, sondern auch Inhaberin einer Buchhandlung. Und somit hinterfrage ich auch, ob bestimmte Titel/ Bücher verkäuflich sind. Denn seien wir mal ehrlich, was nutzt es einem/ einer Autor*innen einen Preis zu bekommen, doch das Buch liegt anschließend nur im Regal und lässt sich nicht verkaufen. Natürlich spreche ich nicht von Mainstream. Solche Bücher sind auch nicht mein Fall. Doch es sollten im besten Fall Bücher sein, die besonders sind und sich gerade weil sie so besonders sind auch verkaufen lassen.

Nun zurück zur Shortlist und meiner Entscheidung. Eigentlich kann ich nur ein Buch von dieser Liste zu 100% empfehlen, sowohl als Bloggerin wie auch als Buchhändlerin. Bei den restlichen vier Büchern habe ich mich dann sehr schwer getan, da mich keines von denen vom Hocker gehauen hat. Letztendlich habe ich mich gefragt, würde ich jemandem dieses Buch empfehlen und wenn ja, wem.

Hier nun meine Entscheidung:

Platz 3 und somit 1 Punkt … „Oder Florida“ von Christian Bangel

Ein Buch dessen Story ich echt flach fand, und mich die Nicks der Protagonisten auf eine harte Probe gestellt haben. Bitte wer nennt sich freiwillig „Mike Mischjemüse“? Auch der vielgepriesene Humor war nicht meiner. Dieses Buch bekommt trotzdem 1 Punkt von mir, weil ich denke, dass es einige Menschen gibt, die dieses Buch und die Geschichte von Freier in seiner „Ossiwelt“ ganz unterhaltsam finden, und ich mich bei der Empfehlung nicht allzu sehr verbiegen muss.

Platz 2 und somit 3 Punkte … „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“ von Juliana Kálnay

Die Geschichte von Bewohnern eines Hauses, die Dinge tun oder erleben, die man als Leser*in nicht erwartet … oder vielleicht doch? Ein Buch, dass ganz nett geschrieben ist, teilweise sehr feinsinnig und poetisch, dann wiederum surreal und mystisch, doch letztendlich eine Geschichte über Menschen wie Du und ich, die Dinge erleben. Auch wenn die manchmal ganz schön abgedreht sind. Doch wie heißt es so schön … es gibt nichts, was es nicht gibt.

Platz 1 und somit 5 Punkte … „Das Genie“ von Klaus Cesär Zehrer

Dieses Buch habe ich verschlungen. Was für eine phantastische Geschichte über Boris und William James Sidis. Eine Geschichte über Bildung, dem Gedächtnis und seinen Möglichkeiten, der Manipulation des selbigen und Weigerung eines Kindes ein „Wunderkind“ zu sein. Mich hat selten eine biografische Geschichte so fasziniert wie Zehreres Geschichte von der Familie Sidis. Zehrer vermag es zu erzählen, zu erklären und neugierig zu machen, ohne jedoch zu belehren. https://dasdebuet.com/bloggerpreis/teilnehmende-literaturblogger/

 

Nun bin ich sehr gespannt, wie meine Jurymitglieder sich entscheiden und wer letztendlich Das Debüt 2017 gewinnt.

 

Eure Angelika ♥

 

Auszeit … eine klitzekleine

 

Hallo Ihr Lieben,

ich melde mich heute aus meinem Urlaub. Nach zwei Jahren und drei Monaten seit der Eröffnung des Büchergartens mache ich diese Woche Urlaub. Na ja, ich versuche es. 🙂 In den letzten Wochen und Monaten ist vieles liegen geblieben, vor allen vieles rund um den Blog. Ich habe festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, den Blog regelmäßig zu füttern und eine Buchhandlung zu führen und einen Haushalt und … und … Vieles bleibt irgendwann unweigerlich auf der Strecke. Ständig denke ich … du musst dies, du musst das … Diesen „Stress“ werde ich mir 2018 nicht mehr antun.

Darum hab ich gestern erst einmal alle Bücher aussortiert die ich definitiv nicht mehr lesen werde. Was ich damit mache weiß ich noch nicht. Es sind ca. 40 Bücher. Im Moment sieht es so als, dass sie als Spende an @buchundbrimborium für die Hamburger Diakonie gehen. Wer eine Idee im Köln/ Bonner Raum hat, kann sie mir gerne per Mail oder PN mitteilen.

Die zweite „Befreiung“ wird die sein, dass ich für einige Bücher, die hier noch liegen keine Rezensionen mehr schreiben werde. Auch in Zukunft werde ich nur noch Rezensionen zu den Büchern schreiben, die mich begeistern und die es auf meine „Wand“ im Büchergarten schaffen. Allerdings wird es jetzt jeden Monat einen Rückblick geben in dem ich die nicht rezensierten Bücher nenne.  In diesem Rückblick finden auch die abgebrochenen Bücher ihren Platz, denn dass ist die dritte „Befreiung“. Bücher die mich nicht packen werden gnadenlos abgebrochen. Es gibt jedes Jahr einfach zu viele Neuerscheinungen, um die Zeit mit „schlechter“ Literatur zu vergeuden.

Mein persönlicher Anspruch war es in 2017 pro Woche ein Buch zu lesen. Dies habe ich geschafft. Es waren 53 Bücher. Auch in diesem Jahr möchte ich dies wieder schaffen. Abgebrochenen Bücher gelten allerdings nicht als gelesen. 🙂

Des weiteren möchte ich wieder Zitate veröffentlichen und Schätze. Ich muss mal sehen wie das mit dem planen von Beitragsveröffentlichungen geht. Mir ist das Medium Computer und WordPress suspekt, und vieles muss ich mir erst in stundenlangen Versuchen aneignen. Nun denn… schauen wir, wie weit ich komme. 🙂

So, dass war es erst einmal von hier. Ich werde jetzt die restliche Woche meines Urlaubs genießen und das ein oder andere Buch noch lesen. Ich wünsche und hoffe Ihr bleibt mir und dem Blog trotz der kleinen Änderungen wohlgesonnen.

Eure Angelika ♥♥♥

Wenn Worte fehlen …

Hallo Ihr Lieben,

seit einiger Zeit beschäftigt mich ein Thema immer und immer wieder … Rezensionsstau. Wie einige von Euch wissen versuche ich ein Buch pro Woche zu lesen. Manchmal schaffe ich auch zwei. Aber mir fehlt dann oft einfach neben all den anderen Dingen, die ich täglich/ wöchentlich mache/ machen muss einfach die Zeit für eine Rezension. So stapeln sich die gelesenen Bücher neben den ungelesenen Büchern.

Ich habe mir heute frei genommen und  so mit Brückentag fünf Tage frei. Hurra! Eigentlich wollte ich für alle zehn Bücher Rezensionen schreiben. Doch als ich mich heute morgen an den Computer gesetzt habe, war mein Kopf plötzlich leer, und ich wusste nicht wie ich das gelesene und empfundene in Worte packen sollte. Das macht mich echt fertig und ich suche schon den ganzen Tag nach einer Lösung.

Vor einiger Zeit habe ich die Kategorie „Kurz und knapp“ eingeführt. Für mich eine durchaus tolle Sache. Schnell mal über ein Buch ein paar Worte. Das sollte aber eigentlich nur für Bücher sein, die schon oft auf anderen Blogs besprochen wurden und/ oder mir nicht wirklich gefallen haben. Doch was mache ich mit all den tollen Büchern, die, die mir besonders viel gegeben haben und denen ich viele Leser*innen wünsche?

Im Büchergarten fällt es mir nicht schwer über die gelesenen Bücher zu erzählen, doch zu Hause fehlen mir die Worte, um meine Gefühle nieder zu schreiben. Falls Ihr jetzt meint, ich sollte es einmal mit YouTube versuchen … nein, dass ist definitiv nicht meine Welt.

Manchmal frage ich mich auch, muss ich zu jedem gelesenen Buch eine Rezension schreiben? Nicht alle Bücher die ich lese sind Rezensionsexemplare der Verlage.

Wie macht Ihr das? Schreibt Ihr immer nach dem Lesen sofort eine Rezension? Besprecht Ihr alle gelesenen Bücher? Ich würde mich sehr über Tipps freuen, denn im Moment weiß ich echt nicht weiter.

Mein Kopf ist leer …

 

Eure Angelika ♥♥♥

Neulich in der Buchhandlung … #11

 

Hallo Ihr Lieben,

die Schule hat letzte Woche wieder begonnen und mit diesem Tag auch die I-Dötzchen-Zeit. In der Gemeinde Ruppichteroth gibt es bei ca. 10.461 Einwohner (Stand 31.12.2015) 3 Grundschulen … Winterscheid, Schönenberg und Ruppichteroth. Das finde ich für unsere kleine Gemeinde schon ganz schön viel. Und jedes Jahr werden so um die 80-90 Kinder eingeschult. Die Grundschule in Ruppichteroth ist sogar zweizügig.

Dieses Jahr durfte ich seit der Eröffnung von Angelikas Büchergarten im September 2015 das zweite Mal Lesetüten in den Schulen an die I-Dötzchen verteilen. In Winterscheid und Schönenberg machen es die Schulleiterinnen am Einschulungstag und in Ruppichteroth darf ich es immer ein paar Tage später selber machen. Für mich ist es immer wieder schön, zu sehen, wie die Kurzen mit strahlenden Augen da sitzen und ich versuche zu erklären welch tolle Welt sich ihnen durch das Lesen von Büchern eröffnet.

An dieser Stelle möchte ich mich bei den Schulleiterinnen Frau Löbach, Frau Schreiber und Frau Schellberg bedanken, dass Sie mir die Möglichkeit geben, den Kids mit der Lesetüte einen Anreiz zu bieten in die Welt der Buchstaben einzutauchen.

Danke ♥

Eure Angelika

I-Dötzchen 2017 Schönenberg

I-Dötzchen Ruppichteroth

Neulich in der Buchhandlung … #10

 

Liebe Leser,

hier kommt aber jetzt der Bericht vom 9. Bröltaler Familiensonntag. Dieser findet alle 2 Jahre statt und war dieses Jahr am 18. Juni. Dieser Tag steht ganz im Zeichen der Familie. Es werden von allen Ausstellern kleine Events für Klein und Große angeboten. Ferner fand in diesem Jahr auch die Sportlerehrung in diesem Rahmen statt. Dieser Bröltaler Familiensonntag ist ein riesen Event und wird schon ewige Zeit im Voraus vom Schaufenster Ruppichteroth e.V. erarbeitet und vorbereitet.

Dieses Jahr war ich das erste Mal dabei. Am Samstag, dem Tag vor dem großen Event wird ab 14.00 Uhr die Brölstraße auch zugleich Bundesstraße gesperrt. Sobald kein Auto mehr durch fährt bauen die Auststeller (die Gewerbetreibende des Ortes) ihre Pagodenzelte auf. Dies musste ich nicht, da ich meinen Laden direkt an der Straße habe.

Ich habe lange überlegt was ich für ein Event anbieten kann. Für die Kleinen habe ich schnell etwas gefunden. Malen. Und zwar Bilder aus dem Buch „Liebe Prinzessin, ich bin’s, dein Prinz“ des ortsansässigen Autors Simak Büchel. Der Verlag Bohem Press stellte uns 4 Kopiervorlagen zur Verfügung. Und es sollte noch besser kommen. Der Verlag stellte uns auch 3 Preise in Form einer Krone und zwei Schwerter zur Verfügung. Also hieß es malen und gewinnen. An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank an den Verlag Bohem Press .

Doch was konnte ich für die Erwachsenen anbieten. Eine Lesung … zu viele Geräusche Drumherum durch das Treiben auf der Straße …. nach langem hin und her, hatte ich mich entschieden Kuchen anzubieten. 15 Stück wollte ich backen. Fronleichnam bin ich dann um 8.00 Uhr aufgestanden und habe angefangen zu backen. Es war schön Mörder warm. Nachdem die ersten Teige fertig waren und auf den Ofen warteten, dachte ich so bei mir … irgendwie sehen die komisch aus. Ach back sie mal, wird schon … Doch auch nach dem backen sahen die Kuchen merkwürdig aus. Ich habe dann einen Kuchen angeschnitten und probiert. BÄÄH … was war das denn, die schmeckten wie eine Mischung aus Altreifen und Mörtel. Was war passiert. Ich weiß es ich genau, vermute aber mal, dass es einfach zu warm war und die Zutaten irgendwie „umgekippt“ sind. Nun stand ich da und hatte nix. 6 Kuchen lagen in der Tonne. Wieder haben wir hin und her überlegt und uns dann dazu entschlossen eine ChillLoungue anzubieten. Wir haben dann unsere Gartenmöbel mitgenommen und diese aufgebaut. Die Leute haben sich gefreut bei der Hitze im Schatten unter unserer Markise sitzen zu können.

Alles in allem war der Tag ein voller Erfolg. Die Kids haben fleißig gemalt und sich über die Gewinne gefreut, und wie bereits erwähnt haben es die Erwachsenen genossen bei uns chillen zu können. Es waren viele „fremde“ Menschen in der Buchhandlung um zu schauen und zu stöbern.

Der nächste Bröltaler Familiensonntag ist in 2 Jahren und ich habe jetzt schon ein paar Ideen was ich machen möchte. Lasst Euch überraschen. Und jetzt ein paar Impressionen vom Tag …

 

 

Bis dann Eure Angelika ♥

 

 

Muslimus modernus

Kein & Aber, ISBN: 9783036957524, Preis: 25,00 €

Klappentext
Während des Studiums in Oxford trifft Peri, die in Glaubensfragen schon immer zwischen den Stühlen saß, auf die weltoffene Shirin und die Kopftuch tragende Mona. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen drei  sehr unterschiedlichen Frauen mit muslimischem Hintergrund – Shirin, die Sünderin, Mona, die Gläubige und Peri, die Verwirrte.
Jahre später lebt Peri wieder in Istanbul, hat eine eigene Familie und bewegt sich in den besseren Kreisen. Doch eines Tages wird sie unvermittelt von der Vergangenheit eingeholt. Was ist in Oxford geschehen, dass sie sich mit den Freundinnen entzweit hat? Und was hat der charismatische Professor Azur und sein umstrittenes Seminar über „Gott“ damit zu tun?

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„Wachsam und gefügig verfolgte sie die Kämpfe und sah zu, wie sich ihre geliebten Eltern gegenseitig zerfleischten. Sie lernte früh, dass kein Krieg schlimmer war als ein Familienkrieg und kein Familienkrieg schlimmer als der, bei dem es um Gott ging.“ (Seite 37)

Peri wächst in Istanbul auf. Die Familie ist irgendwie zerrissen. Die Mutter eine fanatische Gläubige, der Vater ein trinkender Ungläubiger, der ältere Bruder sitzt im Gefängnis wegen kommunistischer Ambitionen … und dazwischen Peri. Sie weiß nicht an wen sie sich mit ihren Fragen über Gott und die Welt wenden soll.  An die fanatische  Mutter oder den saufenden Vater … Glaube oder Nichtglaube …

Dann hat sie die Möglichkeit nach Oxford zu gehen. Sie hofft dort Antworten zu finden. In Oxford angekommen trifft sie auf Mona und Shirin an. Mona ist eine junge Frau, die Frömmigkeit, Feminismus und Kopftuch vereint. Shirin dagegen setzt sich über alle religiösen Gesetze und Moralvorstellungen hinweg. Und wieder sitz Peri zwischen den Stühlen. Erst ein Seminar über Gott scheint Antworten zu bieten oder doch nicht …

„Weder der Glaube war mir fremd noch der Zweifel. Immer unentschlossen, immer schwankend, nie selbstbewusst. Vielleicht hat mich gerade diese Ungewissheit zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Aber sie wurde auch mein größter Feind.“ (Seite 549)

Die Geschichte beginnt im Jahr 2016. Peri lebt in Istanbuls besseren Kreisen, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Auf dem Weg zu einer Dinnerparty wird sie überfallen. Dabei fällt ein Bild aus ihrer Zeit in Oxford aus der Tasche. Und Peri erinnert sich an die Zeit von damals.

In Rückblicken wird die Geschichte von Peri erzählt. Mir hat dieses Switchen  in den Zeiten sehr gut gefallen. Da sind die junge suchende Peri und die erwachsene, die scheinbar ihren Platz gefunden hat. Doch hat sie das wirklich?

Dies ist das zweite Buch von Elif Shafak, das ich gelesen habe. Schon bei dem ersten „Ehre“ war ich begeistert. Shafak schafft es mich mit ihren Themen und den Einblick in eine „andere Welt“ zu faszinieren und zu fesseln.

Im Buch gibt es z. Beispiel eine Szene die einen Jungfräulichkeitsbeweis fordert. Ich habe nur den Kopf geschüttelt und mich gefragt in welchem Jahrhundert wir leben und ob es so etwa wirklich noch geben kann … Es sieht ganz danach aus.

„>Kann mir mal jemand erklären, warum junge Muslime immer so schnell beleidigt sind?< >Vielleicht weil wir ständig angegriffen werden? Tagtäglich muss ich mich rechtfertigen, obwohl ich nichts Böses getan habe. Ich soll beweisen, dass ich keine potentielle Selbstmordattentäterin bin! Ich fühle mich immerzu kontrolliert. Weißt du, wie verlassen man sich da vorkommt?<“ (Seite 468/ 469)

Glaube und Fanatismus, zwei Wörter die im Moment unseren Alltag mehr denn je begleiten.

Beim Lesen des Buches konnte ich Mona an vielen Stellen so sehr verstehen.  Eine junge Muslima, die ihren Glauben leben möchte, dies mit den Tragen des Kopftuches verdeutlicht aber auch zugleich eine Feministin ist, die sich für die Rechte der Frauen in einem Männer geprägten Land einsetzt. Und dann die ständigen Anfeindungen von außen, dass alle „Kopftuchträgerinnen“ potentielle Attentäter sind.

Auch Peri s Gedanken konnte ich sehr gut nachvollziehen. Da sind die fanatische Mutter und der trinkende ungläubige Vater … beides ist nicht das was Peri sich unter „ihrem“ Gott vorstellt. Doch was ist Gott?

Peri ist ein Symbol für viele von uns … sie ist Suchende, Fragende und Zweifelnde.

Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Vor allem die Aspekte des Glaubens, die Denkanstöße in verschiedene Richtungen und die philosophische Betrachtungsweise  haben dieses Buch lange nachwirken lassen und in unserem Lesekreis zu einer sehr langen Diskussion  über Glaube Religion geführt.

„Ich glaube, dass Gott aus vielen Teilen besteht und ganz bunt ist. Ich kann mir einen friedlichen Gott zusammenbauen, der alle leibt. Oder einen wütenden, der alle bestraft. Oder gar keinen. Gott ist wie Lego.“ (Seite 64)

Unbedingt lesen!!!

 

5 von 5 Sternen