Rückblick & Einblick … Mai und Juni 2020

Hallo Ihr Lieben,

es ist mal wieder Zeit für einen Rückblich & Einblick. Die Zeit rennt wie irre, und ehe ich mich versehe sind schon wieder zwei Monate rum. Durch die vielen Feiertage und den damit verbundenen verlängerten Wochenende, habe ich viel gelesen. Überdurchschnittlich viele gute Bücher. Im Juni war es dann mit sechs Büchern auch noch ein guter Monat. Allerdings waren da ein paar Bücher dabei, die nicht wirklich etwas für mich waren.

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Rückblick

Was habe ich mich auf dieses Buch gefreut. „Kostbare Tage“ von Kent Haruf erschien gerade im Mai. Ich hab es an Pfingsten gelesen. Was für eine wunderbare und einfühlsame Geschichte. Es geht um Dad Lewis, der sterben wird. Sicherlich ein trauriges Thema, aber Haruf schafft es wieder einmal mit einer poetischen, leisen und einfühlsamen Stimme zu erzählen. Vom Leben, Lieben und Abschied nehmen. Mich hat diese Geschichte sehr berührt und am Ende hatte ich Tränen in den Augen. Bisher war „Unsere Seelen bei Nacht“ mein Favorit unter Harufs Büchern, aber „Kostbar Tage“ setzt sich jetz an die Spitze. Unbedingt lesen!!!

Jetzt zu zwei Büchern, die mir beim Lesen echt den Atem geraubt haben. „Scham“ von Inès Bayard und „Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné. Zwei Bücher in denen die Autorinnen ohne Schnörkel und Beschönigungen erzählen. Die Geschichten zu lesen tun weh, machen sprach- und fassungslos. Beide haben einen Sog, der einfach unfassbar ist. Die Rezension zu „Scham“ ist bereits online, die zu „Das wirkliche Leben“ folgt.

Wild Game“ von Adrienne Brodeur ist eine biografische Geschichte zwischen Mutter und Tochter. Malabar, die Mutter der 14 jährigen Adrienne macht ihre Tochter zur Komplizin ihrer Affäre mit dem besten Freund des Ehemanns/ Stiefvaters. Eine Komplizenschaft, die die 14 jährige für ihr Leben prägt. In „Ein Wochenende“ von Charlotte Wood blicken drei Freundinnen, alle um die siebzig, nach dem Tod einer vierten Freundin, auf ihr Leben zurück. Auf ihre Freundschaft, das was sie im Leben erreicht haben, was sie geprägt hat und wie ihr weiteres Leben aussehen soll. Richard Russos „Jenseits der Erwartungen“ erzählt ebenfalls von einer Freundschaft. Hier geht es um drei Männer in zu Collegezeiten in ein und dieselbe Frau verliebt waren. An einem Wochenende im Sommer verschwindet diese auf mysteriöse Weise. Keiner der Männer scheint eine Ahnung zu haben was damals passiert ist. Nach vierzig Jahren treffen sie sich am Ort des Verschwindens wieder und erinnern sich. Und es kommen bisher ungesagte Dinge ans Licht.

„Das Ensemble“ von Aja Gabel -> Vier junge Menschen finden sich zu einem musikalischem Ensemble zusammen und Gabel erzählt wie schwierige es ist, Privates und Berufliches miteinander über zig Jahre zu verbinden, und wie sehr sich Disharmonie auf die Musik eines Ensembles auswirken kann. Ich möchte es gerne lesen, allerdings denke ich, dass es doch ein wenig speziell ist.

„flüchtig“ von Hubert Achleitner -> Älterer Mann und junge Frau heiraten. Er hat eine Affäre. Ihr alles zu eng und sie flieht in ein anderes Leben. Durch Zufall erfährt er wo sie ist und möchte sie zurück gewinnen. Das ist natürlich jetzt sehr einfach zusammen gefasst. Auch dieses Buch habe ich gerne gelesen, doch auch hier weiß ich nicht, wem ich dieses Buch als Buchhändlerin empfehlen soll. Daher auch hier keine ausführliche Besprechung.

Zwei Bücher, die aus zwei verschiedenen Zeiten erzählen sind „Zwei fremde Leben“ von Frank Goldammer und „Schatten der Welt“ von Andreas Izquierdo. In dem ersten geht es um die Zwangsadoptionen und Kindesentzug in der ehemaligen DDR. Ein Thema das bis heute noch viele beschäftig, weil viele Fälle noch gar nicht aufgeklärt sind. Wahnsinnig spannend. Im zweiten Buch geht es um drei Freunde und eine Zeit um 1910-1918. Es geht um Freundschaft, den ersten Weltkrieg, Standesdünkel und Emporkömmlinge. Auch das war sehr spannend.

„Cloris“ von Rye Curtis -> Ein Flugzeug mit drei Personen stürzt über den Wäldern ab. Nur die 78jährige Cloris überlebt. Sie versucht einen Weg in die Zivilisation zu finden. Kurz bevor sie gerettet wird, entscheidet sie sich um und flieht vor ihren Rettern. Eine etwas irre Geschichte, zumal einige der Protagonisten etwas arg schräg drauf sind. Dennoch hat dieses Buch einen gewissen Sog und ich musste es zu Ende lesen.

„Ein Sonntag mit Elena“ von Fabio Geda -> Ein kleines wunderbares Buch über Neuanfänge. Die Sprache ist der Hammer. Jedes Wort, jede Zeile berühren das Herz.

Und nun komme ich zu den Büchern, die ich nicht in meinem Leben brauche und deshalb auch teilweise abgebrochen habe. „Das Seidenraupenzimmer“ von Sayaka Murata habe ich zwar zu Ende gelesen, aber das Buch ist einfach nur Gaga. Ehrlich gesagt habe ich nicht so wirklich verstanden was das Ganze soll. Am Anfang kann ich ja noch einigermaßen folgen, aber dann dreht es irgendwann völlig ab. Nein danke! „Die Topeka Schule“ von Ben Lerner habe ich abgebrochen. Für dieses Buch bin ich zu dumm! Ich mag ja anspruchsvolle Literatur, aber wenn ich ständig Wörter nachschlagen muss, weil ich sie nicht kenne und mir der Autor beim Lesen das Gefühl gibt, dass dieses Buch nur etwas für die ganz Schlaue ist, dann bin ich irgendwann raus. Sorry!

Bei einigen Büchern folgt demnächst noch eine Rezension!

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Einblick

Im Mai ist nicht so viel passiert. Ich habe lediglich den Eindruck, dass seit Ausbruch der Pandemie, die Menschen in unserer Umgebung das Lesen für sich entdeckt haben. In der Buchhandlung ist wirklich viel los, und die Menschen kaufen auch viel hochwertige Bücher. Das freut mich natürlich sehr. es macht immer wieder enorm viel Spaß Büchersüchtige zu beraten.

Leider dürfen wir nach wie vor keine Lesungen oder ähnliches anbieten, da wir Einzelhandel sind und kein Veranstaltungsort. Das heißt, in die Buchhandlung darf nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern (zur Zeit 8). Bei einer Lesung sind wir meistens um die 25-30 Personen. Schade! Was ich allerdings darf, ist „Buchgenuss nach Ladenschluss“. Hier lässt sich eine Gruppe von max. 6 Personen „einschließen“ und verbringt zwei Stunden in der Buchhandlung ohne Buchhändlerin. 🙂

Ganz unerwartet war ich dann Ende Juni noch in zwei Grundschulklassen. Normalerweise kommen am „Welttag des Buches“ (23. April) die Kids zu mir in die Buchhandlung. Das ging ja dieses Jahr auf Grund der Pandemie ja nicht. Da aber seit Mitte Juni in den Grundschulen wieder ein etwas „normaler“ Schulbetrieb herrscht, haben mich zwei Lehrerinnen gefragt, ob ich nicht in die Klassen kommen möchte um die Bücher vom Welttag zu übergeben und etwas erzählen möchte. Ich habe mich sehr darüber gefreut und die Zeit mit den Kids war wieder einmal unbeschreiblich. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie wissbegierig die Kinder sind. Die haben mir echt Löcher in den Bauch gefragt. 🙂 Ich hoffe, dass im nächsten Jahr die Kids wieder zu mir in die Buchhandlung kommen können.

So, dass war es fürs Erste mal wieder von hier. Ich hoffe Ihr seid alle putzmunter und bleibt es auch.

Bis bald …. Eure Angelika ♥

 

 

 

Rückblick & Einblick … März und April 2020

Hallo Ihr Lieben,

die letzten zwei Monate waren echt chaotisch und anstrengend. Langsam kehrt eine gewisse „Normalität“ wieder ein, aber es wird noch dauern bis alles wieder rund läuft. Viel gelesen habe ich wenig, bzw. viel angefangen und viel auch wieder abgebrochen, weil mein Kopf einfach nicht aufnahmefähig war. Einige Bücher werde zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal lesen.

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Rückblick

Angefangen und abgebrochen habe ich „Elijas Lied“ von Amanda Lasker Berlin  und „PAUL“ von Juliane Baldy, beide aus der Frankfurter Verlagsanstalt. In dem ersten Buch geht es um drei Schwestern, die sich auf einer Wanderung durchs Moor befinden. Dabei erfahre ich einiges aus dem Leben der drei, die sehr unterschiedlich sind. Während dieser Wanderung tun sich Abgründe auf, die keine von der anderen erahnt hätte. Mir war das im März zu anstrengend, deshalb habe ich abgebrochen. In „PAUL“ kam ich mit der Sprache nicht zurecht, denn in diesem Buch geht es um einen Jungen und seine erste große Liebe, Das Buch ist in der Sprache der heutigen Jugend geschrieben, Das war mir too much. Deshalb der Abbruch, Die Thematik hat mir allerdings gefallen. Deshalb werde ich beide Bücher noch einmal lesen.

Ebenfalls abgebrochen, und das hat mir wirklich furchtbar leid getan, da ich die Bücher der Autorin sehr mag, ist „Die Königin von Berlin“ von Charlotte Roth aus dem Droemer Knaur Verlag. Erzählt wird die Geschichte der jungen Schauspielerin Carola Neher, die die Muse von Brecht war und die Ehefrau von Klabund. Was mir gut gefallen hat, war der Aufbau als Theaterstück. Die Gedichte und Zitate zu jedem neuen Akt. Doch leider wurde ich mit der Protagonistin nicht warm und auch die anderen (Brecht, Klabund) blieben farblos. An vielen Stellen war mir das alles zu langatmig. Nach der Hälfte hab ich dann quer gelesen und dann schließlich abgebrochen. SORRY liebe Charlotte. Deine anderen Bücher habe ich sehr geliebt. ♥

„Zwei und Zwei“ von Tessa Headly aus dem Kampa Verlag habe ich zu ende gelesen, doch auch dieses Buch konnte mich nicht wirklich überzeugen. Die Geschichte zweier Familien, die seit der Studentenzeit befreundet sind. Erst waren beide Frauen mit dem Partner der anderen liiert. Doch dann haben sie bemerkt, dass es nicht passt und sie haben die Partner getauscht. Natürlich nicht so wie ich es jetzt schreibe, sondern es lagen ein paar Jahre zwischen diesen Wandlungen. Nun ist der Mann der einen gestorben. Alle trauern, nur die Witwe nicht wirklich. Die hat gemerkt, das sie hätte doch besser den Mann ihrer Freundin heiraten sollen, so wie es in der Studentenzeit war. Der Mann der Freundin lässt sich auf eine  Affäre mit der Witwe ein, die Ehefrau bekommt das raus und schon ist das Drama da. So ungefähr. Das war mir irgendwie auch alles ein bisschen viel und kreuz und quer und überhaupt. Ich habe es zu ende gelesen, weil ich wissen wollte wie es ausgehen mag, mit den dreien. Und  das Ende hat mich dann ein klitzekleinwenig versöhnlich gestimmt.

Die nächsten drei Bücher habe ich wirklich sehr gerne gelesen und auch mit Freude. Das erste ist „Dankbarkeiten“ von Delphine de Vigan aus dem Dumont Verlag. Ein etwas melancholisches Buch, doch ein Buch, aus dem man ganz viel mitnimmt … nämlich Dankbarkeit für das was man hat … erleben durfte und darf.

Die Optimisten“ von Rebecca Makkai aus dem Eisele Verlag haben mich echt umgehauen. Ihr wisst, ich mag nicht wirklich dicke Bücher, aber hier ist jede Seite einfach´ch großartig. Es geht um das Thema Aids in den 80zigern, dem Ausbruch des Virus und was es in der Homosexuellen Szene auslöste, sowie um die Kunst, die in dieser Zeit entstanden ist. Die Kunstszene in den 80zigern war etwas außergewöhnliches. Ich habe dieses Buch über Ostern verschlungen und war echt traurig, als es zu Ende war.

Das letzte gelesene Buch im April war „Der Sommer in dem Einstein verschwand“ von Marie Hermanson aus dem Insel Verlag. Es beschreibt den Sommer 1923 in Göteborg. Zum 300. Gründungsjubiläum findet eine Ausstellung statt, auf der Einstein seine Nobelpreisrede halten soll. Doch er verschwindet. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die biografischen Elemente gepaart mit den fiktiven Elementen. Ich habe einiges über Einstein erfahren, was ich so gar nicht wusste. Und das Verschwinden gibt dem Roman einen kleinen Krimitouch.

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Einblick

Seit dem 16. März 2020 befinden wir uns im sogenannten Lockdown. In den ersten Tagen war noch gar nicht wirklich klar, was darf ich und was nicht. Bis Mittwoch 18.03.2020 habe ich die Buchhandlung noch ganz normal geöffnet, da mir auch das Ordnungsamt nicht sagen konnte wie es weiter geht. Am besagten Mittwoch standen dann die Herren vom Ordnungsamt im Laden und teilten mir mit, dass ich sofort die Buchhandlung schließen müsse. Es durfte sich kein Kunde mehr im Laden aufhalten. Wir haben dann gemeinsam geschaut wie ich weiterhin tätig sein könnte. Wir einigten uns dann darauf, dass ich per Telefon und Mail Bestellungen entgegen nehmen darf, und die bestellte Ware dann soweit es geht kontaktlos an der Seite raus geben darf. An diesem Mittwoch ist für mich erst einmal die Welt zusammen gebrochen. Ich hatte keine Ahnung wie ich das alles managen sollte. Wie mache ich die Kunden darauf Aufmerksam. Was muss ich alles beachten. Ich bin dann an diesem Tag noch bis 18 Uhr in der Buchhandlung geblieben, weil ich wusste, dass einige noch ihre Bücher abholen wollten.

Am nächsten Tag bin ich um 10.00 Uhr wieder in der Buchhandlung gewesen. Hab Kisten ausgepackt und überlegt, wie es weiter gehen kann. Ich war immer noch ein wenig planlos. Nach Rücksprache mit meiner Mitarbeiterin haben wir dann beschlossen am Freitag den 20.03.2020 die Schaufenster zu dekorieren und alle Tische ans Fenster zu stellen und mit Büchern zu bestücken. Zeitgleich haben wir Zettel geschrieben und ins Fenster gestellt wie und wann wir erreichbar sind. Das alles haben wir dann auch auf Instagram und Facebook geteilt. Und dann hieß es abwarten. Werden die Kunden sehen, dass wir immer noch für sie da sind? Werden sie anrufen und bestellen?

Und dann passierte das Unglaubliche … es riefen so viele Menschen an, ich bekam Unmengen von eMails, in denen ich gefragt wurde, wie man mir und dem Büchergarten helfen könne. Ich bekam mutmachende und tröstende Mails, und ich bekam Bestellungen. Täglich war ich von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr im Büchergarten um Bücher raus zu geben. Wenn ich ging stellte ich das Telefon um, um Bestellungen zu Hause anzunehmen und zu bearbeiten. Ich habe teilweise bis Abends um 21.00 Uhr noch Bestellungen bearbeitet und morgen um 7.00 Uhr saß ich schon wieder am Rechner um die eingegangenen Mails zu bearbeiten. Es war eine sehr anstrengende und intensive Zeit, aber die Solidarität in unserem „kleinen“ Ruppichteroth war/ ist einfach unglaublich!

Nun hat der Büchergarten seit dem 20.04.2020 wieder geöffnet und es bleibt weiterhin einfach unglaublich. An den ersten beiden Tagen habe die Menschen Nachmittags Schlange vor dem Büchergarten gestanden. Zwei Kunden dürfen zeitgleich in die Buchhandlung. Mittlerweile hat es sich etwas „normalisiert“, aber was ist in dieser Zeit schon normal. Viele Kunden freuen sich mit mir, dass wir wieder geöffnet haben, dass der Büchergarten noch da ist und hoffentlich auch bleibt. Das wünsche ich mir auch. Sehr!

Wenn alles gut geht, werden wir im September den 5. Geburtstag des Büchergarten feiern. Und glaubt mir, es wird (wenn wir dürfen) eine mega Sause geben.

Bis dahin passt auf Euch auf und bleibt gesund

Eure Angelika ♥

 

Rückblick & Einblick … Februar 2020

 

Hallo Ihr Lieben,

ich bin Euch noch einen Rückblick & Einblick für Februar schuldig. Bisher bin ich nicht dazu gekommen. Mein Kopf ist momentan voll mit 1000 anderen Dingen. Da ich nicht schlafen kann, hab ich mir mal den Laptop ins Bett geholt und möchte Euch zumindest einen kleinen Rückblick & Einblick für Februar 2020 geben.

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Rückblick

Im Februar habe ich erstaunlicherweise auch viele Bücher gelesen, was auch an dem verlängertem Wochenende wegen Karneval lag. Auch im Februar gab es wirklich gute Bücher, aber auch echt mega Flops. Richtig gut gefallen haben mir „Das Haus der Frauen“ von Laetitita Colombani aus dem S. Fischer Verlag, „Hör mir zu, auch wenn ich schweige“ Abbie Greaves ebenfalls S. Fischer Verlag und „Die blaue Stunde“ von William Boyd aus dem Kampa Verlag. (Rezensionen folgen)

Das erste Buch von Colombani „Der Zopf“ habe ich nicht gelesen. Das Thema sprach mich seinerzeit nicht an. Doch bei dem neuen Buch sprach mich der Inhalt sehr an. Da gibt es einmal den realen Teil über eine Frau die 1926 gelebt hat und sich mit all ihrer Kraft für bedürftige Menschen eingesetzt hat, bis sie schließlich dann das erste Frauenhaus, den „Palais de la Femme“ in Frankreich schuf. Mir hat diese Geschichte sehr gefallen, vor allem weil diese Frau, die niemand wirklich kennt etwas großartiges geschaffen hat. Parallel dazu erzählt Colombani Geschichten von Frauen, die in diesem Hause leben. Einzelschicksale die für viele Schicksale stellvertreten stehen. Mich haben sie sehr berührt.

„Hör mir zu, auch wenn ich schweige“ habe ich in einer Nacht gelesen. Wow, die Autorin hat es drauf einen Spannungsbogen aufzubauen, so dass man bis zum Schluss dran bleibt. Erzählt wird die Geschichte eines Paares, welches seit 40 Jahren verheiratet ist. Sie liegt nach einem Selbstmordversuch im Koma und er erzählt ihr am Bett ihre gemeinsame Lebensgeschichte. Doch dies macht er, um ihr etwa zu gestehen … seit sechs Monaten hat er nicht mit ihr gesprochen, sich einfach verweigert, weil er in seinen Augen eine große Schuld auf sich geladen hat. Doch bevor er ihr gestehen kann was es ist, spitzt sich die Lage im Krankenhaus zu und er wird nach Hause geschickt. Dort findet er eine Art Tagebuch und nun erzählt sie aus ihrem gemeinsamen Leben und auch sie denkt, dass sie eine große Schuld auf sich geladen hat und will sich deshalb umbringen. Ich sag euch, das ist so toll geschrieben, und da ich unbedingt wissen wollte was für eine Schuld beide auf sich geladen haben, musste ich immer weiter lesen. Ich will nicht zu viel vorweg nehmen, aber nur so viel … ich denke beide hätten es nicht ändern können.

Boyds „Die blaue Stunde“ ist das zweite Buch, welches ich von diesem Autor gelesen habe. Boyd hat eine tolle Art zu erzählen. Völlig unspektakulär erzählt er von einem Mann der sehr lange im Gefängnis saß, wegen eines Mordes den er nicht begangen hat, und nun seine angebliche Tochter aufsucht. Mit ihr gemeinsam möchte er diesen Mord von damals aufklären. Die vermeintliche Tochter sträubt sich zuerst, willigt aber dann doch ein, wenn er ihr seine Lebensgeschichte erzählt. Und dass macht Boyds Protagonist dann auch. Mir hat an dieser Geschichte die ruhige leise teilweise melancholische Erzählweise gefallen.

Auch durchaus lesenswert war „Nach Mattias“ von Peter Zantingh aus dem Diogenes Verlag. Zantingh erzählt von Menschen, die in irgendeiner Weise Mattias gekannt haben. Flüchtige wie innige Beziehungen oder Bekanntschaften. Doch nun ist Mattias tot und ich als Leserin erfahre wie sich dieser Tod auf diese Menschen auswirkt, wie er ihr weiteres Leben beeinflusst.

Ein wenig enttäuscht hat mich das neue Buch von Sabine Roger. Wie sehr habe ich „Das Labyrinth der Wörter“ geliebt. In „Wenn das Schicksal anklopft, mach auf“ geht es um eine junge Frau die das Touret Syndrom hat, eine alte Frau die Angst vor Menschen und dem Leben hat, und noch ein paar anderen „verrückten“ Gestalten. Eigentlich ein Thema, was mich interessiert. Was aber mega anstrengend war, war das Roger die Ticks mit einbaut. Heißt man liest ständig ein Wuaaaaahhhhhh oder liest ein und dasselbe Wort 3-5 hintereinander. Das hat mich in meinem Lesefluss sehr beinträchtig und ich konnte mich auf die eigentliche Story gar nicht konzentrieren. Ab Mitte des Buches wird es weniger, doch da hatte ich das Interesse bereits verloren und hab nur noch quer gelesen. Tolle Story, aber mich hat die Umsetzung ein wenig genervt. Versucht es und schaut selbst, wie Ihr es empfindet.

So, nun noch zu meinem absoluten Flop. Das ist leider „Power“ von Verena Güntner aus dem Dumont Verlag. Oh man, ich habe keine Ahnung was mir diese Geschichte sagen möchte. Das ist wieder so ein Buch, das spaltet. Entweder man liebt es, oder man findet es ganz schrecklich. Ich gehöre leider zu denen, die es ganz schrecklich finden. Es fängt schon einmal damit an, dass die Protagonistin Kerze heißt. Bitte wer heißt im realen Leben Kerze? Dann geht e schon gleich weiter … ein Hund wird vermisst. Kerze macht es sich zur Aufgabe diesen zu finden. Als ihr das auf Anhieb nicht gelingt, versetzt sie sich in den Hund , kriecht auf allen vieren, schnüffelt rum etc. Nun möchten ihr andere Kinder beim Suchen helfen. Das dürfen sie, müssen allerdings wie Kerze auf allen vieren kriechen, wie Hunde fressen und schnüffeln. Letztendlich leben alle Kinder im Wald, die Eltern kommen nicht mehr an ihre Kinder heran, werden von ihnen gebissen und angebellt. Mal ganz ehrlich … ich hab den Sinn nicht verstanden. Sorry!

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Einblick

Im Februar war ja Karneval und Valentinstag. Aus Karneval mach ich mir nicht wirklich etwas. Das liegt wohl daran, dass ich als Kind auf jede Veranstaltung geschleppt wurde die es gab, da mein Vater als Kölner in vielen Karnevalsvereinen war. Deshalb habe ich wohl so etwas wie ein Karnevaltrauma. 🙂 Für mich ist Karneval immer ein verlängertes Wochenende, da wir Rosenmontag den Büchergarten zu lassen, an dem ich viel lesen kann.

Dann war auch noch Valentinstag. Auch einer dieser Tage, der aus Amerika eingeschleppt wurde. Ich bin dann immer hin und her gerissen. Mache ich einen Bücher- und SchnickschnackTisch oder lass ich es bleiben. Meist mache ich dann doch einen, weil einige KundenInnen doch nach Büchern oder Schnickschnack nachfragen. Persönlich machen wir es uns immer schön an diesem Tag. Kochen etwas zusammen und trinken ein Gläschen Wein … Aber mein Mann hat absolutes Blumenkaufverbot. Ich finde die Preise für Blumen an diesem Tag echt unverschämt.

Ansonsten waren wir im Februar das erste Mal bei Trend & Trade in Holland. Da ist ein riesiges Einkaufszentrum für Widerverkäufer. Dort bekommt man alles mögliche rund um NonBooks. Wir kleinen Inhaber geführte Läden haben leider immer wieder das Problem bei den NonBooks, das entweder die VEs (Verkaufseinheiten) so groß sind, dass man ewig an einem Artikel verkauft oder die Mindestbestellmengen so hoch sind. Hier kann ich von dem Artikel der mir gefällt nur 1 oder 2 oder 3 oder wie auch immer nehmen. Ich fand es spannend und hab auch ein paar schöne Sachen für den Büchergarten erstanden.

Apropo Mindestbestellmengen etc. Gerade vor ein paar Wochen habe ich mich wieder sehr über eine Firma, deren Name ich nicht nennen werde, geärgert. Durch Zufall sah ich, dass dieser Verlag wunderschönes Porzellan auf den Markt gebracht hat. Tassen, Eierbecher, Müslischalen etc. Also hab ich da angerufen und einen Katalog bestellt. Die VEs waren okay, und die Dame am Telefon sagte mir, dass ich auf jeden Fall immer die VEs nehmen muss. Nun denn … ich habe mir dann ein paar Sachen ausgesucht und bestellt. Ein paar Tage später bekomme ich einen Anruf vom Verlag, mit dem Hinweis, das ich von diesem Porzellan von allen Motiven eine VE nehmen muss. Ich hatte mir zum Beispiel von den Tassen nur 3 Motive ausgesucht. Es gibt aber 8. Da war ich echt sauer, denn das war mega viel. Das wäre ein dreifaches fast vierfaches Einkaufsvolumen gewesen von dem was ich bestellen wollte. Das kann ich als kleine Buchhandlung nicht wuppen. Liebe Verlage, liebe NonBook Vertriebler … warum acht ihr das? Warum muss man immer solche Mengen abnehmen, die ich niemals verkauft bekomme? Das führt letztendlich dazu, dass nur große Buchhandlungen diese tollen Sachen führen können und die kleinen Buchhandlungen bleiben mal wieder auf der Strecke. Schade … Schade …

So, das war es erst einmal von mir.

Passt auf Euch auf …. Eure Angelika ♥

 

Rückblick & Einblick … Januar 2020

 

Hallo Ihr Lieben,

in diesem Jahr wird es ein paar kleine Änderungen geben. Wie bei vielen von euch, ist auch meine Lese- und Lebenszeit sehr begrenzt. Deshalb werde ich mich nicht mehr mit Büchern aufhalten, die mich nach ca. 100 Seiten nicht packen. Sie werden rigoros abgebrochen, nicht besprochen, weder kurz noch lang, vielleicht gibt es eine kurze Erwähnung. Somit fällt die Kategorie „Kurz & Knapp“ weg. Unter der neuen Rubrik „Rückblick & Einblick“ erzähle ich euch von meinen gelesenen Büchern und dem was ich ansonsten so gemacht habe.

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Rückblick

Der Januar ist ein ruhiger Monat im Buchhandel. Nachdem das Weihnachtssortiment eingelagert wurde, die Silvesterdeko ebenfalls, ist Anfang Januar das große Räumen und putzen angesagt. Aber damit ist man in so einer „kleinen“ Buchhandlung schnell durch. Somit bleibt viel Zeit für Bücher. Ich habe im Januar 8 Bücher gelesen. Zwei davon waren schon echte Highlights in diesem Monat, zwei totale Flops und der Rest war unterhaltsam.

Highlight waren das neue Buch von Isabelle Autissier „Klara vergessen“  aus dem Mare Verlag (erscheint am 04.02.2020) und das Debüt von Katya Apekina „Je tiefer das Wasser“ aus dem Suhrkamp Verlag (erscheint am 17.02.2020). Zu beiden Büchern wird es eine ausführliche Rezension geben. Hier nur kurz warum die beiden ein Highlight waren.

Auf den neuen Autissier habe ich mich sehr gefreut, hatte jedoch Angst, dass meine Erwartungen viel zu hoch sind, nachdem mich „Herz auf Eis“ so begeistert hatte. In „Klara vergessen“ geht es um eine Familiengeschichte die in der Zeit der ehemaligen UdSSR beginnt und in der Jetztzeit endet. Das Ganze ist so spannend, emotional, realistisch und brutal beschrieben. Sie schildert die Geschichte einer Frau, die zu KGB Zeiten inhaftiert wird, wie ihre Familien damit umgeht und welche Auswirkungen dies alles auf die weitere Generationen hat. Hier hat Autissier wieder einmal ihr ganzes Können gezeigt. Chapeau!

Das Debüt von Apekina hat mich echt umgehauen. Auch sie erzählt eine Familiengeschichte. Doch eine ganz andere. Die Mutter versucht sich umzubringen, landet in einer Klinik, die Kinder kommen zum Vater, den sie nie wirklich kennen gelernt haben, da er die Familie kurz nach der Geburt des zweiten Kindes verließ. Apekina erzählt eine Geschichte über die Suche nach Liebe und Anmerkung, und zeigt dabei ein Szenario auf, das mich erschüttert hat. Auch hier kann ich nur Chapeau sagen!

Zu den Flops gehören „Der Freund“ von Sigrid Nunez aus dem Aufbau Verlag und „Nix passiert“ von Kathrin Weißling aus dem Ullstein Verlag. Die beiden habe ich abgebrochen. Leute …. beide Bücher waren so zäh und langweilig, dass ich irgendwann einfach nicht mehr weiter lesen wollte. In „Nix passiert“ jammert ein junger Mann rum. Kann nicht verstehen warum seine Freundin ihn verlassen hat. Kehrt zu Mama zurück und jammert da weiter. Das war mir dann irgendwann zu viel. In „Der Freund“ verarbeitet eine Frau den Verlust ihres besten Freundes. Ich frage mich nur wo das auf all den Seiten statt gefunden hat. Auch hier passiert alles mögliche, nur nicht das was im Klappentext beschreiben steht. Nein danke …

Zu den restlichen Büchern gibt es Rezensionen, bis auf Alex Oetkers Buch. Hier habe ich keine geschrieben. Ich mag seine Krimis sehr, da sie nicht so blutig sind, und dennoch sehr spannend. Auch der neuste Fall um Luke Verlain war wieder mega spannend, begleitet von guten Weinen und ebenso gutem Essen. Am Ende gab es dann eine große Überraschung! Hier die Rezensionslinks zu „Die Kakerlake“ von Ian McEwan aud dem Diogenes Verlag, „Geteilt durch zwei“ von Barbara Kunrath erschienen bei Ullstein und „Goldkind“ von Claire Adam aus dem Hoffmann & Campe Verlag.

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Einblick

Die letzten Monate in 2019 waren ja nicht so wirklich meine. Ihr habt es ja gelesen. Im neuen Jahr möchte ich versuchen die Zeit intensiver zu nutzen, zu genießen, zu leben … Das ist erst einmal gar nicht so einfach, und ich werde sicherlich sehr oft in alte Muster zurück fallen, dennoch möchte ich es versuchen. Natürlich sind das nicht weltbewegende Dinge und für euch vielleicht völlig normal und alltäglich, und nicht alles was ich mach habe ich sonst nicht auch schon gemacht. Doch es ist mir bei all dem wichtig, das Ganze wirklich bewusst zu erleben und nicht mal eben zwischendurch oder weil man es halt so macht.

Ende des Monats haben wir uns eine kleine Auszeit gegönnt und waren in Bütgenbach. Das leigt kurz hinter der deutschen Grenze in Belgien. Von dort ist es nicht weit in das Hohe Venn. (Ja, es heißt das Hohe Venn). Auf der FB Seite von Angelika liest gibt es Bilder. Leute, da ist es soooo schön. Wenn ihr die Möglichkeit habt, dann fahrt einmal dort hin. Obwohl wir Winter haben, ist die Landschaft im Hochmoor einfach unglaublich schön. Ich hänge euch noch ein paar Bilder unten dran.

Eure Angelika ♥♥♥

 

 

 

Zwischen den Jahren …

 

Ihr Lieben,

hier war es in der letzten Zeit sehr ruhig und ich nutze meine freien Tage zwischen den Jahren, um mich heute einmal bei euch zu melden.

2019 war/ ist ein turbulentes Jahr gewesen. Vor allem das letzte Quartal hatte es in sich. Im ersten Halbjahr 2019 hatten wir im Büchergarten viele tolle Begegnungen mit Lesenden und Schreibenden, alten Bekannten und neuen Gesichtern. Was mir immer wieder viel Freude bereitet ist der Welttag des Buches. Auch in diesem Jahr waren wieder Kids der vierten und fünften Klasse im Büchergarten. Insgesamt 125 Kinder aus 5 Klassen und vier Schulen. Ich sag nur WOW. Das Pendant dazu ist dann immer die Sache mit der Lesetüte, die die Schulanfänger jedes Jahr zur Einschulung bekommen. In diesem Jahr wurden in der Gemeinde Ruppichteroth wieder knapp 100 Kinder eingeschult. Ich finde für unsere „kleine“ Gemeinde (ca. 11.000 Einwohner, Stand 2010) ist das viel. Seit 2016 gibt es diese kleine Tradition in Rupp, dass die Kids zur Einschulung die Lesetüten bekommen, und seit 2016 sind es jedes Jahr fast 100 Kinder. Auch hier kann ich nur WOW und DANKE sagen!

In der ersten Jahreshälfte haben wir eine neue Veranstaltung probeweise eingeführt, die sogenannte „Spätschicht“. Einmal im Monat haben wir den Büchergarten bis 22.00 Uhr aufgelassen. Nicht um zu verkaufen, sondern um sich zu treffen und bei einem Getränk zu quatschen und sich auszutauschen. Über Literatur oder Tagesthemen oder oder … An manchen Abenden war die Hütte voll, an anderen kam kaum jemand oder niemand, so dass wir diese Veranstaltung dann für die zweite Jahreshälfte wieder  raus genommen haben.

Tja, die zweite Jahreshälfte … im August begann mein persönliches „Drama“. Erst bin ich schwer gestürzt, hatte beide Arme stark geprellt und gestaucht. Durch den physischen Stress habe ich dann eine Woche später eine Gürtelrose bekommen. 5 Wochen nach dem Sturz stellte dann ein Radiologe fest, das an beiden Armen die Ellenbogenköpfchen gebrochen sind/ waren. Ein Chirurg hat sich dann die Brüche angeschaut und entschieden, dass nicht mehr operiert wird. Ende September, in unserem ersten Urlaub in diesem Jahr, habe ich dann eine Bronchitis bekommen. Damit bin ich arbeiten gegangen und arbeiten und arbeiten … bis im Oktober es dann keine Bronchitis mehr war, sondern eine schwere Lungenentzündung, mit der ich dann sechs Wochen zu Hause gelegen habe. Glaubt mir, so krank war ich in meinem ganzen Leben noch nicht und so krank möchte ich nie wieder sein. Durch die Erkrankung mussten in der zweiten Jahreshälfte einige Veranstaltungen abgesagt werden.

Und schon sind wir auch bei dem Ausblick für 2020 … leider bin ich immer noch nicht 100% gesund. Das Ganze wird auch noch eine Weile dauern. Ich muss einfach in nächster Zeit etwas kürzer treten und meinem Körper die Möglichkeit der Regeneration geben. Darum haben wir leider bis auf weiteres alle Veranstaltungen für 2020 abgesagt. Es ist ja nicht nur der Veranstaltungstag selbst, sondern auch die Vorbereitungen und Nachbereitungen einer Veranstaltung, die viel Kraft kosten. SORRY, aber es geht nicht anders… aber ein Ereignis wird 2020 groß gefeiert … der 5. Geburtstag des Büchergartens im September. SAVE the DATE 12. September 2020!!!

Bis dahin möchte ich gesund werden und meinen Blog wieder mit mehr Leben füllen, denn den habe ich in diesem Jahr sehr vernachlässigt. Meist habe ich nur einen freien Tag in der Woche und dann musste immer alles an diesem einen Tag passieren. Das hat dazu geführt, dass ich viele Dinge nur noch mit Widerwillen gemacht habe. Für 2020 wünsche ich mir für mich mehr Achtsamkeit mit mir und meinem Körper, schließlich möchte ich 120 Jahre alt werden. 🙂

In diesem Sinne … passt auf Euch auf, hört auf Eure innere Stimme und Euren Körper. Ich wünsche Euch für 2020 alles Liebe, Gesundheit und Glück dieser Welt. ♥

Eure Angelika ♥♥♥

Kurz & Knapp … April 2019

 

Das wilde Herz von Andrea de Carlo

Mara liebt das Leben in Ligurien und erst recht ihr wunderschönes altes Haus. Von Beruf ist sie Bildhauerin und kann sich dort, in diesem kleinen Ort, in dem sie lebt entfalten. Ihr Mann dagegen, ein Anthropologe, ist eher nüchtern und von allem angenervt.  Als nun eines Tages urplötzlich das Dach des geliebten Hauses einstürzt, beauftragt Mara einen mysteriösen Mann mit der Reparatur des Daches. Das führt zu einer echten Ehekrise und Mara flüchtet sich in die Arme des mysteriösen Mannes.

Was sich im Klappentext als eine wunderschöne Liebesgeschichte liest entpuppt sich in Wahrheit als nervtötende Geschichte, die auch noch mega langweilig ist. Ich habe mich echt dadruch gequält und letztendlich sogar abgebrochen. Vor allem die Beschreibung von Geräuschen mit Worten wie wraaaaaaammmmm oder woosh woosh haben echt genervt. Wozu muss ich lesen wie Geräusche klingen könnten? Traut der Autor mir das nicht zu?

Fazit: Das war ein griff ins Klo. Ich habe noch andere Bücher von de Carlo hier liegen und hoffe die sind besser.

(Diogenes, ISBN: 9783257300741, Preis: 16,00 Euro)

 

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Die Angehörigen von Katharine Dion

Gene und Maida waren 40 Jahre verheiratet. Nun ist Maida verstorben und Gene kommt in seiner Trauer um. Die besten Freunde der beiden, Ed und Gayle, kümmern sich rührend um Gene. Seine Tochter Dary reist mit seiner Enkeltochter an, um die Beerdigung zu organisieren. Alle blicken zurück auf das Leben von Gene und Maida und das vermeintlich perfekte Glück der beiden bekommt Risse … war das Leben mit Maida wirklich so rosig? Seine Tochter Dary bezweifelt das sehr und stellt alles, was für Gene das perfekte Glück erschien in Frage …

Gene blickt in seine Vergangenheit und reflektiert sein Leben mit Maida, angeregt von den Vorwürfen seiner Tochter, dass er sich etwas vormache, und die Ehe gar nicht so toll gewesen sei. Und Gene muss einsehen, dass er manche Dinge anders wahr genommen hat als sein Umfeld. Plötzlich stellt er sich die Frage, ob Maida glücklich gewesen ist, und wie sie wohl das Leben mit ihm wahr genommen hat …  Es scheint, als bricht eine Welt für Gene zusammen …

Mir hat das Buch ganz gut gefallen. Wir alle erleben es immer mal wieder, das wir Situationen anders wahr nehmen als unser Umfeld. Mir hat gefallen wie die Autorin das Leben von Gene und Maida „zerpfückt“ hat und wie sehr Gene das erschüttert, aber gleichzeitig zeigt sie Gene in dieser Geschichte einen Weg, einen Neuanfang für sich zu finden …

Fazit: Eine berührende Geschichte, nach der ich meine Sicht auf verschiedene Bereiche im Leben reflektiert habe …

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198947, Preis: 22,00 Euro)

 

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Zara & Zoë von Alexander Oetker

Zara arbeitet als Profilerin für Europol und ist immer grundehrlich. Eines Tage wird eine junges Mädchen gefunden, das auf grausame Art und Weise getötet wurde. Alles deutet auf eine drohende Katastrophe hin.

Zoë arbeitet für die Korsische Mafia und ist Zaras Zwillingsschwester.

Die beiden haben sich seit Jahren weder gesprochen noch gesehen. Doch nun braucht Zara Zoës Hilfe. Können sich die  beiden wieder annähern oder wird es zwischen den verfeindeten Schwestern zu einer Katastrophe kommen …

Viele von euch wissen, dass ich mit „Retour“ von Alexander Oetker meinen ersten Krimi gelesen habe. 🙂 Ich bin nach wie vor keine Krimileserin, doch ich bin natürlich offen für alles … naja fast alles. Umso überraschter war ich, als dieser neue Krimi oder vielmehr Thriller auf meinem Tisch landete. Neugierig habe ich mich gleich ans lesen gemacht du nach den ersten 10 Seiten war ich etwas genervt, weil so viel F* Worte fielen. Das ist so gar nicht meins. Aber dieses „Merkmal“ gehörte zu einer Person in der Geschichte. Nach diesen 10 Seiten war aber auch dann Schluss damit. In den einzelnen Kapitel erzählen verschieden Akteure die Geschichte, welche ich mega spannend fand. Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen und war überrascht über die vielen Wendungen bis zur Lösung  des Falls.

Fazit: Ein kurzweiliges Buch, welches ich sehr spannend fand. Vor allem die Schwestern Komponente fand ich sehr gut, da sie viele Möglichkeiten bietet.

(Droemer, ISBN: 9783426307151, Preis: 14,99 Euro)

 

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Das wilde Leben der Cheri Matzer von Tracy Barone

Eine junge Frau in der Notaufnahme, an einem Tag, an dem gerade ein schwerer Unfall geschehen ist, und alle Ärzte und Schwestern voll beschäftigt sind. Die junge Frau ist schwanger, erwartet ihr erstes Kind und liegt in den Wehen. Zwischen all den Opfern des Unfalls bekommt sie ihr Kind und verschwindet dann unbemerkt.

Cici und Solomon erwarten ihr erstes Kind voller Vorfreude, als Cici eine Fehlgeburt mit Folgen erleidet. Cici stürzt in eine tiefe Depression und Solomon beschließt ein Kind zu adoptieren, ohne Cici darüber zu informieren. Eines Tages steht er mit dem Baby vor ihrem Bett und Cici nimmt dieses Baby sofort in ihren „Besitz“ und überschüttet es mit ihrer Liebe.

Im weiteren Verlauf der Geschichte erlebe ich Cheri, so heißt das Kind der Matzners, in ihrer weiteren Entwicklung und in ihrem Leben. Sie ist ein rebellisches Mädchen, fühlt sich von der Liebe der Adoptivmutter erdrückt und ihren Adoptivvater hasst sie zeitweise sehr. Die Geschichte ist gut geschrieben, ich mochte sie auch gerne lesen, aber irgendwie ist nicht viel zurück geblieben. Ich kann gar nicht festmachen was mich gestört oder gefehlt hat …. es geht ums Leben, Trauer, Tod, Verlust, Betrug … aber in meinen Augen wird vieles nur angeschnitten und nicht tiefer besprochen. Vielleicht wäre es besser/ schöner gewesen nicht alles auf einmal in dieses Buch zu pressen.

Fazit: Interessantes Buch, welches sicherlich lesenswert ist, wenn man sich nicht zu viel davon erhofft, da vieles unausgesprochen an der Oberfläche plätschert.

(Diogenes, ISBN: 9783257070552, Preis: 24,00 Euro)

 

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Neulich in der Buchhandlung … #19

Hallo Ihr Lieben,

gerade diese Woche erlebt …

Vater und Sohn betreten die Buchhandlung. Der Sohn ist ca. 2-3 Jahre alt. Die beiden waren vor ein paar Tagen schon einmal da und haben Bilderbücher gekauft. Heute möchten die beiden ein Wörterbuch Deutsch-Italienisch abholen, welches der Vater bestellt hat. Ich gebe also das Buch raus und der Kurze sagt:“ Papa, möchte Buch gucken.“ Der Vater gibt es dem Sohn. Wir Erwachsenen quatschen noch ne Runde und der Sohn sitz auf dem Boden und schaut sich das Buch an. Dann gehen die beiden. An der Tür bemerkt der Vater, dass der Sohn das Buch nicht mehr in der Hand hält. Es liegt im Kassenbereich auf dem Boden. Der Vater zu seinem Sohn:“ Das Buch müssen wir aber mitnehmen, das ist bezahlt. Holst du es bitte.“ Der Sohn: „Nein.“ Der Vater:“ Warum nicht?“ Der Sohn:“ Keine Bilder drin.“ Tja, damit war die Sache dann geklärt. Was ist die Essenz dieser Geschichte … Bücher ohne Bilder kommen dem Kurzen nicht ins Haus. 🙂

In diesem Sinne …. schöne Feiertage

Eure Angelika ♥

Kurz & Knapp … März 2019

Ich bleibe hier von Cathrine Ryan Hyde

Grace ist neun Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einem sozialen Brennpunkt. Die Mutter ist Drogenabhängig und so sitzt Grace oft vor der Haustür, weil ihre Mutter „schläft“. Eines Tages lernt sie Billy kennen, ein Nachbar, der schon seit Jahren das Haus nicht mehr verlassen hat, weil er an einer Zwangsstörung leidet. Durch ihre offene Art, hat Grace schnell Kontakt zu weiteren Hausbewohnern. Als sich das Jugendamt einschaltet und Grace in Obhut nehmen will, bis die Mutter clean ist, schließt sich die Gruppe zusammen, um Grace vor dem Heim zu bewahren. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt und jeder Bewohner kommt an seine persönlichen Grenze …

Wir haben dieses Buch innerhalb des Lesekreis gelesen. In der Besprechung hinterher haben wir für uns beschlossen, dass man diese Geschichte als modernes Märchen sehen muss, da viele unschöne Dinge und Abläufe einfach zu sehr geschönt wurden. Allein die Tatsache, dass eine Gruppe von Menschen, die alle ihre eigenen sozialen wie auch krankhaften Probleme haben, es schaffen Grace vor dem Heim zu bewahren. Die Story hat ziemlich viele gute Ansätze und Themen, aber in der Umsetzung fehlt es an Substanz.

Fazit: Gut geschrieben, aber inhaltlich hätte man mehr machen können.

(Ullstein, ISBN: 9783548288932, Preis: 9,99 Euro)

 

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Die einzige Geschichte von Julian Barnes

Ein junger Mann, der Ich-Erzähler erzählt die Geschichte seiner ersten großen Liebe zu einer älteren Frau. Aufgeteilt in der Kapitel erzählt das erste die Zeit des Kennenlernen, das zweite die Zeit in der das Paar zusammen in eine andere Stadt zieht und im dritten Kapitel wirft der Ich-Erzähler im reifen Alter ein Rückblick auf sein Leben.

Ehrlich gesagt, kann ich überhaupt nicht verstehen, warum dieses Buch so gehypt wird. Mich hat die Geschichte dermaßen angeödet, dass ich immer wieder kurz davor stand sie abzubrechen. Hey, da erzählt einer die Geschichte seiner ersten großen Liebe, aber leider so emotionslos wie ein Stück Brot. Ich hätte mir so manches Mal mehr Leidenschaft bei der Erzählung gewünscht. Ich hab mir so sehr eine wahnsinnig tolle Liebesgeschichte gewünscht. Nö, gibt es nicht. Leider. Seufz.

Fazit: Von mir gibt es an dieser Stelle keine Empfehlung. Es sei denn, ihr möchtet euch zu Tode langweilen. Ja dann solltet ihr dieses Buch unbedingt lesen.

(Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 9783462051544, Preis: 22,00 Euro)

 

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Lubotschka von Luba Goldberg-Kuznetsova

Eine junge Frau lebt in Russland zur Jahrtausendwende. Sie hat gerade ihr Abitur gemacht und träumt von einem glamourösen Leben. Doch sie lebt in ärmlichen Verhältnissen. Doch auf ihrem Abschlussball möchte sie glänzen … strahlen … denn danach wird sie mit der Mutter nach Deutschland gehen.

Die Geschichte um die Wünsche und Sehnsüchte dieser jungen Frau ziehen sich wie Kaugummi durchs Buch. Mich hat es irgendwann nur noch angenervt. Es geht um die richtige Klamotte für den Abschlussball, um Jungs und was man sich alles kaufen könnte. Materielle Dinge stehen sehr im Fokus der jungen Dame. Ihre Weltanschauung spiegelt das Russland der Nullerjahre.

Fazit: Auch hier leider keine Leseempfehlung von mir. Leider.

(Aufbau Verlag, ISBN: 9783351037635, Preis: 22,00 Euro)

 

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hell/ dunkel von Julia Rothenburg

Zwei Geschwister so unterschiedlich wie Tag und Nacht, wie hell und dunkel, erfahren, dass die Mutter sterben wird. Bald. Die beiden Kinder müssen sich nun um alles kümmern.

Eine tolle Geschichte, die mich beim Lesen fesselt. Da sind Valerie und Robert, zwei Geschwister, die eine gemeinsame Mutter haben aber verschiedene Väter. Ihr Verhältnis zueinander ist nicht innig, genauso wenig wie das zur Mutter. Valerie lebt bei der Mutter, Robert in einer anderen Stadt. Nun ist die Mutter krank, und die Kinder müssen Abschied nehmen, stehen kurz davor einen Verlust zu erleiden. All dies erzählt die Autorin sehr gefühlvoll bis zu einem bestimmten Punkt und an dem war ich dann raus. Die beiden sind in ihrer Trauer, Wut, Hoffnungslosigkeit immer näher gerückt, was dann soweit ging, dass sie Sex miteinander hatten. Und das nicht nur 1x. Nennt mich spießig oder sonst was, aber da bin ich raus. Blutverwandt und Sex geht gar nicht. Vor allem fehlt mir an dieser Stelle eine Triggerwarnung. Während der Erzählung deutete nichts darauf hin, dass dies passieren würde.  Um so überraschter war ich. Im zweiten Teil steht diese Beziehung dann auch etwas mehr im Fokus der Geschichte.

Fazit: Es hätte eine tolle Geschichte werden können, eine Geschichte über den Umgang mit Trauer, Verlust und den daraus entstehenden Ängsten. Aber die sexuelle Komponente zwischen den Geschwistern haben dem Buch einen unangenehmen Beigeschmack gegeben. Schade.

(Frankfurter Verlagsanstalt, ISBN: 9783627002596, Preis: 20,00 Euro)

 

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Neulich in der Buchhandlung … #18

Hallo Ihr Lieben,

heute habe ich einmal ein persönliches Anliegen, bzw. möchte Euch unsere neue Veranstaltung „Spätschicht“ vorstellen.

Vor einiger Zeit habe ich im Radio einen Beitrag aus Schweden gehört. Dort ist es Gang und Gebe, dass sich die Menschen nach Feierabend in den Büchereien des Ortes treffen. Die sind täglich bis 24.00 Uhr geöffnet. Dort treffen sich die Menschen um in Ruhe am PC zu arbeiten, mit Freuden zu plaudern, zu stöbern etc. Der Letzte, der geht, macht das Licht aus. Nun gut, die Skandinavier sind da auch etwas anders gestrickt als wir hier in Deutschland … sie vertrauen einfach darauf, dass niemand etwas mitgehen lässt.

Tolle Sache dachte ich mir, und habe überlegt warum geht das bei uns in Deutschland nicht? Oder so etwas ähnliches zumindest. Gut, ich führe keine öffentliche Bücherei, und PCs an denen man arbeiten könnte habe ich auch nicht. Aber ich führe eine Buchhandlung und somit einen Ort, an dem man sich begegnet und im besten Fall sich auch wohlfühlt. Hinzu kommt, dass auf dem Land die Geschäfte meist um 18.00 Uhr – 18.30 Uhr schließen, bis auf die großen Discounter.

Und so reifte der Gedanke immer weiter und weiter … und schließlich entschied ich mich es zu versuchen …

Ab dem 22. März 2019 wird es einmal im Monat die sogenannte „Spätschicht“ geben. An diesem Tag/ Abend haben wir bis 22.00 Uhr geöffnet. Aber nicht, um Bücher oder sonstiges zu verkaufen, sondern als Treffpunkt … zum plaudern, inne halten, schmökern, stöbern,  austauschen … mit Freunden oder auch alleine.  Natürlich kann man auch Bücher erwerben, aber darauf liegt für mich an diesen Abenden nicht der Fokus. Ich möchte die Buchhandlung an diesen Abenden zu einem Ort der Begegnungen machen.

Na, was haltet Ihr davon? Werden wir uns sehen? Ich würde mich sehr freuen!

Eure Angelika ♥

Neulich in der Buchhandlung … #17

 

Hallo Ihr Lieben,

 

es gibt Tage, da möchte ich laut loslachen, weil das Erlebte so … ja wie soll ich es nennen … kurios, witzig, surreal …. ist. 🙂 Aber lest selbst …

 

Ein junger Mann betritt die Buchhandlung mit einem großen Karton unter dem Arm. Es ist kurz vor Ladenschluss. Er wirkt gestresst … gehetzt. Der junge Mann schmeißt (!) das Paket auf die Ladentheke.

„Können Sie mir das bitte einpacken?“

Ich bin etwas irritiert und antworte:

„Das ist aber kein Buch und auch kein NonBook Artikel den wir führen.“

„Stimmt. Das habe ich nebenan gekauft.“

Ich jetzt noch irritierter:

„Und warum lassen Sie es sich nicht dort verpacken?“

„Sie haben einfach schöneres Geschenkpapier als die von nebenan.“

Tja, was soll man da noch sagen. 🙂 Ich hab das Paket dann verpackt, und währenddessen kam heraus, dass es ein Geschenk für s Freundin ist. Der junge Mann wollte mir dann fürs verpacken 5 Euro geben, doch ich habe abgelehnt und ihm und seiner Freundin, unbekannter Weise, einen schönen Abend gewünscht. Er verließ die Buchhandlung mit einem strahlenden Lächeln.

 

Eure Angelika ♥♥♥