Neulich in der Buchhandlung … #10

 

Liebe Leser,

hier kommt aber jetzt der Bericht vom 9. Bröltaler Familiensonntag. Dieser findet alle 2 Jahre statt und war dieses Jahr am 18. Juni. Dieser Tag steht ganz im Zeichen der Familie. Es werden von allen Ausstellern kleine Events für Klein und Große angeboten. Ferner fand in diesem Jahr auch die Sportlerehrung in diesem Rahmen statt. Dieser Bröltaler Familiensonntag ist ein riesen Event und wird schon ewige Zeit im Voraus vom Schaufenster Ruppichteroth e.V. erarbeitet und vorbereitet.

Dieses Jahr war ich das erste Mal dabei. Am Samstag, dem Tag vor dem großen Event wird ab 14.00 Uhr die Brölstraße auch zugleich Bundesstraße gesperrt. Sobald kein Auto mehr durch fährt bauen die Auststeller (die Gewerbetreibende des Ortes) ihre Pagodenzelte auf. Dies musste ich nicht, da ich meinen Laden direkt an der Straße habe.

Ich habe lange überlegt was ich für ein Event anbieten kann. Für die Kleinen habe ich schnell etwas gefunden. Malen. Und zwar Bilder aus dem Buch „Liebe Prinzessin, ich bin’s, dein Prinz“ des ortsansässigen Autors Simak Büchel. Der Verlag Bohem Press stellte uns 4 Kopiervorlagen zur Verfügung. Und es sollte noch besser kommen. Der Verlag stellte uns auch 3 Preise in Form einer Krone und zwei Schwerter zur Verfügung. Also hieß es malen und gewinnen. An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank an den Verlag Bohem Press .

Doch was konnte ich für die Erwachsenen anbieten. Eine Lesung … zu viele Geräusche Drumherum durch das Treiben auf der Straße …. nach langem hin und her, hatte ich mich entschieden Kuchen anzubieten. 15 Stück wollte ich backen. Fronleichnam bin ich dann um 8.00 Uhr aufgestanden und habe angefangen zu backen. Es war schön Mörder warm. Nachdem die ersten Teige fertig waren und auf den Ofen warteten, dachte ich so bei mir … irgendwie sehen die komisch aus. Ach back sie mal, wird schon … Doch auch nach dem backen sahen die Kuchen merkwürdig aus. Ich habe dann einen Kuchen angeschnitten und probiert. BÄÄH … was war das denn, die schmeckten wie eine Mischung aus Altreifen und Mörtel. Was war passiert. Ich weiß es ich genau, vermute aber mal, dass es einfach zu warm war und die Zutaten irgendwie „umgekippt“ sind. Nun stand ich da und hatte nix. 6 Kuchen lagen in der Tonne. Wieder haben wir hin und her überlegt und uns dann dazu entschlossen eine ChillLoungue anzubieten. Wir haben dann unsere Gartenmöbel mitgenommen und diese aufgebaut. Die Leute haben sich gefreut bei der Hitze im Schatten unter unserer Markise sitzen zu können.

Alles in allem war der Tag ein voller Erfolg. Die Kids haben fleißig gemalt und sich über die Gewinne gefreut, und wie bereits erwähnt haben es die Erwachsenen genossen bei uns chillen zu können. Es waren viele „fremde“ Menschen in der Buchhandlung um zu schauen und zu stöbern.

Der nächste Bröltaler Familiensonntag ist in 2 Jahren und ich habe jetzt schon ein paar Ideen was ich machen möchte. Lasst Euch überraschen. Und jetzt ein paar Impressionen vom Tag …

 

 

Bis dann Eure Angelika ♥

 

 

Muslimus modernus

Kein & Aber, ISBN: 9783036957524, Preis: 25,00 €

Klappentext
Während des Studiums in Oxford trifft Peri, die in Glaubensfragen schon immer zwischen den Stühlen saß, auf die weltoffene Shirin und die Kopftuch tragende Mona. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen drei  sehr unterschiedlichen Frauen mit muslimischem Hintergrund – Shirin, die Sünderin, Mona, die Gläubige und Peri, die Verwirrte.
Jahre später lebt Peri wieder in Istanbul, hat eine eigene Familie und bewegt sich in den besseren Kreisen. Doch eines Tages wird sie unvermittelt von der Vergangenheit eingeholt. Was ist in Oxford geschehen, dass sie sich mit den Freundinnen entzweit hat? Und was hat der charismatische Professor Azur und sein umstrittenes Seminar über „Gott“ damit zu tun?

∗∗∗∗∗

„Wachsam und gefügig verfolgte sie die Kämpfe und sah zu, wie sich ihre geliebten Eltern gegenseitig zerfleischten. Sie lernte früh, dass kein Krieg schlimmer war als ein Familienkrieg und kein Familienkrieg schlimmer als der, bei dem es um Gott ging.“ (Seite 37)

Peri wächst in Istanbul auf. Die Familie ist irgendwie zerrissen. Die Mutter eine fanatische Gläubige, der Vater ein trinkender Ungläubiger, der ältere Bruder sitzt im Gefängnis wegen kommunistischer Ambitionen … und dazwischen Peri. Sie weiß nicht an wen sie sich mit ihren Fragen über Gott und die Welt wenden soll.  An die fanatische  Mutter oder den saufenden Vater … Glaube oder Nichtglaube …

Dann hat sie die Möglichkeit nach Oxford zu gehen. Sie hofft dort Antworten zu finden. In Oxford angekommen trifft sie auf Mona und Shirin an. Mona ist eine junge Frau, die Frömmigkeit, Feminismus und Kopftuch vereint. Shirin dagegen setzt sich über alle religiösen Gesetze und Moralvorstellungen hinweg. Und wieder sitz Peri zwischen den Stühlen. Erst ein Seminar über Gott scheint Antworten zu bieten oder doch nicht …

„Weder der Glaube war mir fremd noch der Zweifel. Immer unentschlossen, immer schwankend, nie selbstbewusst. Vielleicht hat mich gerade diese Ungewissheit zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Aber sie wurde auch mein größter Feind.“ (Seite 549)

Die Geschichte beginnt im Jahr 2016. Peri lebt in Istanbuls besseren Kreisen, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Auf dem Weg zu einer Dinnerparty wird sie überfallen. Dabei fällt ein Bild aus ihrer Zeit in Oxford aus der Tasche. Und Peri erinnert sich an die Zeit von damals.

In Rückblicken wird die Geschichte von Peri erzählt. Mir hat dieses Switchen  in den Zeiten sehr gut gefallen. Da sind die junge suchende Peri und die erwachsene, die scheinbar ihren Platz gefunden hat. Doch hat sie das wirklich?

Dies ist das zweite Buch von Elif Shafak, das ich gelesen habe. Schon bei dem ersten „Ehre“ war ich begeistert. Shafak schafft es mich mit ihren Themen und den Einblick in eine „andere Welt“ zu faszinieren und zu fesseln.

Im Buch gibt es z. Beispiel eine Szene die einen Jungfräulichkeitsbeweis fordert. Ich habe nur den Kopf geschüttelt und mich gefragt in welchem Jahrhundert wir leben und ob es so etwa wirklich noch geben kann … Es sieht ganz danach aus.

„>Kann mir mal jemand erklären, warum junge Muslime immer so schnell beleidigt sind?< >Vielleicht weil wir ständig angegriffen werden? Tagtäglich muss ich mich rechtfertigen, obwohl ich nichts Böses getan habe. Ich soll beweisen, dass ich keine potentielle Selbstmordattentäterin bin! Ich fühle mich immerzu kontrolliert. Weißt du, wie verlassen man sich da vorkommt?<“ (Seite 468/ 469)

Glaube und Fanatismus, zwei Wörter die im Moment unseren Alltag mehr denn je begleiten.

Beim Lesen des Buches konnte ich Mona an vielen Stellen so sehr verstehen.  Eine junge Muslima, die ihren Glauben leben möchte, dies mit den Tragen des Kopftuches verdeutlicht aber auch zugleich eine Feministin ist, die sich für die Rechte der Frauen in einem Männer geprägten Land einsetzt. Und dann die ständigen Anfeindungen von außen, dass alle „Kopftuchträgerinnen“ potentielle Attentäter sind.

Auch Peri s Gedanken konnte ich sehr gut nachvollziehen. Da sind die fanatische Mutter und der trinkende ungläubige Vater … beides ist nicht das was Peri sich unter „ihrem“ Gott vorstellt. Doch was ist Gott?

Peri ist ein Symbol für viele von uns … sie ist Suchende, Fragende und Zweifelnde.

Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Vor allem die Aspekte des Glaubens, die Denkanstöße in verschiedene Richtungen und die philosophische Betrachtungsweise  haben dieses Buch lange nachwirken lassen und in unserem Lesekreis zu einer sehr langen Diskussion  über Glaube Religion geführt.

„Ich glaube, dass Gott aus vielen Teilen besteht und ganz bunt ist. Ich kann mir einen friedlichen Gott zusammenbauen, der alle leibt. Oder einen wütenden, der alle bestraft. Oder gar keinen. Gott ist wie Lego.“ (Seite 64)

Unbedingt lesen!!!

 

5 von 5 Sternen

Neulich in der Buchhandlung … #9

Hallo Ihr Lieben,

eigentlich wollte ich heute etwas über den 9. Bröltaler Familiensonntag schreiben. Doch soeben habe ich eine ganz liebe Nachricht über Facebook bekommen. Die hat mich so berührt, dass ich diese Nachricht mit Euch teilen möchte.


 

 

Liebe Angelika,

wir schicken Ihnen viele Grüße aus dem Krankenhaus. Gestern wurde unsere kleine Hope geboren, mit 3470gr und 49 cm verzaubert sie uns nun täglich. Wir freuen uns schon auf unseren ersten Spaziergang…..mit Zwischenstopp in Büchergarten.

Viele liebe Grüße von C. B. (Name habe ich gekürzt) und Hope Aurélie

 

 

 

Ich bin gerade total verliebt in diese kleine Maus. Ist die nicht süß? ♥♥♥  Und der Name … Hope Aurélie …. ♥♥♥ Ich bin so gerührt und muss jetzt erst mal das Pippi aus den Augen wischen …

Eure Angelika ♥

aus … „Freedom Bar“ von David Bielmann

Riverfield Verlag
Fester Einband
304 Seiten
Erscheinungsdatum:
27.02.2016
Preis: 24,90 €
ISBN: 9783952452349

 

„Dabei war es doch gerade der Rückblick, der den Dingen Tiefe verlieh, der einem erlaubte, Ereignisse zu verstehen und einzuordnen. Erst der Rückblick machte eine bestimmte Zeit richtig interessant, machte aus dem Alltag Kultur, und erst die Fähigkeit zurückzublicken machte aus dem Menschen ein  intelligentes Wesen.“ (Seite 85)

∗∗∗

„Buchhändlerin? >Ist das nicht etwas … na ja, langweilig?<, fragte Bert vorsichtig. >Nicht, wenn man Buchhandlungen als Paradies betrachtet.< Ihre Augen begannen zu leuchten. > Hast du dir schon einmal überlegt, was sich so alles in einer kleinen Buchhandlung drin befindet? Wie viele Menschen da zusammen kommen, wie viel gedacht und gesagt und gefühlt wird, wie viele Reisen und Küsse und Morde stattfinden, wie viele Welten da erschaffen worden sind? Eine Buchhandlung ist ein Universum, in dem man sich frei durch Raum und Zeit bewegen kann. Gibt es etwas Schöneres?<“ (Seite 137)

∗∗∗

„Unter den sieben Milliarden Menschen, die derzeit auf der Welt lebten, gab es zu jeder Sekunde Tausende, die gerade enttäuscht worden waren, sich eine Träne von der Wange wischten und Trost beim Mond suchten. (.. .) Was immer man auch tat, was immer auch geschah, man war nicht allein, und vielleicht, dachte er weiter, während er in den Sternenhimmel sah, war die Sehnsucht sogar das einzige Gefühl, das man auf sämtlichen Planeten kannte.“ (S. 147)

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„Jeder braucht doch ein bisschen Hoffnung, ein paar Träume. Auch wenn sie dann nicht in Erfüllung gehen, es reicht doch schon, wenn man sie nur im Kopf hat. Wenn man sie nicht vergisst. Sonst geht man ja kaputt, verstehst du?'“ (S. 184)

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In eigener Sache …

Hallo Ihr Lieben,

irgendwie bin ich ein wenig Blog müde. Ich lese viele Bücher im Moment, doch ich schaffe es nicht die Rezensionen dazu zu schreiben. Hier liegen 6 Bücher, die darauf warten besprochen zu werden. Mir fehlen einfach die Worte dafür. Ich habe das Gefühl, dass sich jede Rezension gleich liest. Wenn ich andere Blogs anschaue, so finde ich die wesentlich professioneller als meinen. Das fängt beim Layout an bis hin zu den Bildern und Beiträgen.

Heute zum Beispiel wollte ich, weil es fehlt, ein Impressum unten anfügen, doch ich raffe das nicht, weil ich keine Ahnung davon habe. Ich muss mich erst durch zig Anleitungen lesen und verstehe immer noch nichts. Dann kommt noch dazu, dass manche Anleitungen nur in Englisch sind, und das verstehe ich gar nicht. Damit habe ich heute ungelogen 4 Stunden verbracht und nichts ist dabei rausgekommen. Verschwendete Zeit, Zeit die ich zum lesen hätte nutzen können. Das frustet mich total. Ständig habe ich das Gefühl ich muss dies, ich muss das … Vielleicht sind meine persönlichen Ansprüche an mich auch viel zu hoch … ich weiß es nicht.

Den Blog ruhen lassen kann ich nicht, da er ja Teil meines Büchergarten ist. Das möchte ich auch nicht. Irgendwie drehe ich mich im Kreis. Falls jemand von Euch Tipps hat, immer her damit …

Eure Angelika ♥♥♥

 

 

Kochen mit Stephan Staats

 

 

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Hallo Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch von zwei mega tollen Events erzählen, die wir diese Woche im Büchergarten/ Maro Kochschule Marcus Zimmermann hatten. Alles fing jedoch vor Weihnachten an.

img_2297Anfang Dezember kam eine Kunde in die Buchhandlung und fragte nach einem bestimmten Kochbuch. „Staats Geheimnisse“ von Stephan Staats aus dem Becker Joest Volk Verlag. Ich bestellte das Buch und war natürlich neugierig, was da für ein Kochbuch kommt. Als ich es dann in meinen Händen hielt war ich begeistert. Es war eines dieser Bücher, dass sich aus der Masse der vielen Kochbücher hervorhob. Es waren nicht nur Rezepte drin, sondern auch Geschichten, denn Stephan Staats war unter anderem Schiffskoch auf den Yachten der Reichen und Schönen.

Als Kind einer französischen Mutter und eines deutschen Vater wurden viele Familienfeste im In- und Ausland gefeiert, bei denen die Leidenschaft für das Kochen im Vordergrund stand. Darum war es für ihn bereits mit 11 Jahren klar, dass er Koch werden und um die Welt reisen möchte. Nach seiner Lehre als Koch reist er durch Zentraleuropa, über den Pazifik nach Australien und lebt dann einige Jahre in Neuseeland. 2004 taucht er in die Welt der Reichen und Schönen ein mit all seinem Glamour und Verrücktheiten.

Aus all diesem Erfahrungen und er Leidenschaft zum Kochen entstand dieses Kochbuch. Wie bereits geschrieben war ich begeistert. So begeistert, dass ganz schnell eine Idee entstand. Nämlich die, mit der Kochschule Marcus Zimmermann ein gemeinsames Kochevent zu organisieren. Ich schrieb Stephan Staats von dieser Idee. Kurz vor Weihnachten trafen wir uns zu einem ersten Gespräch und schnell war klar, das machen wir. Schnell war ein Termin gefunden. Doch womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte war, dass dieser Termin innerhalb von 24 Stunden ausverkauft war. Also schnell nachgefragt, ob wir einen Zusatztermin dran hängen können … wir konnten. Somit stand fest, am 15. und 16 Februar 2017 werden wir mit Stephan Staats kochen.

Dann war es endlich soweit. Am 15. Februar um 19.00 legten wir ab und reisten mit Stephan Staats über die Weltmeere. Kulinarische Stationen waren Italien, Malta, Albanien, Griechenland, Ägypten und Tunesien. Auf dieser Reise haben wir kleine Köstlichkeiten nach Stephan Staats Anweisungen zubereitet. Währenddessen hat er uns von seinem Leben als Schiffkoch der Reichen und Schönen erzählt. Es war ein wunderschöner Abend. Es wurde viel gelacht, gefragt und erzählt.

Auch am zweiten Tag, dem 16. Februar hieß es wieder Leinen los. Die Ziele waren ebenso wie die Gäste anders, aber genauso spannend und schön wie der Abend zuvor.

Ich danke an dieser Stelle …

… Stephan Staats, der Typ ist echt der Hammer … ich freue mich schon auf unser nächstes Event … fühl Dich gedrückt ♥♥♥

… Rainer Höffgen, dass wir in der Maro Kochenschule kochen durften .. auch Dich drück ich ♥♥♥

… Marcus Zimmermann für seinen unermüdlichen Einsatz beim Event … knuddels ♥♥♥

… meinen beiden Mädels Alexandra und Barbara … die beiden haben jetzt Spülhände und brauchen Tillys Pril 🙂

… und meinem Mann, der mich immer in allem unterstützt … Schatz, ich liebe Dich ♥♥♥

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Mehr Impressionen von diesen tollen Events findet Ihr hier.

Eure Angelika ♥♥♥

Habenichts und Taugenichts

Hoffmann und Campe Fester Einband  112 Seiten Erscheinungsdatum: 17.09.2016  Preis: 18,00 € ISBN: 9783455405774

Hoffmann und Campe
Fester Einband
112 Seiten
Erscheinungsdatum:
17.09.2016
Preis: 18,00 €
ISBN: 9783455405774

Klappentext
Tom Smith und Jerry Wesson haben mit der Waffenfabrik mur den Nachnamen gemein. Echte Abenteurer brauchen keine Waffen. Die Habenichts lernen sich am Rande der Niagarafälle kennen, wo sich der eine als Erfinder und Meteorologe, der andere als „Leichenfischer“ verdingt. Zusammen mit der Journalistin Rachel planen sie den ganz großen Coup. Sie wollen der Welt eine unvergessliche Geschichte liefern und zu Helden werden.

∗∗∗∗∗

„Und jetzt fasse ich zusammen: Wir hatten große Erwartungen an das Leben, und wir haben nichts zustande gebracht, wir sind dabei, ins Nichts abzurutschen, und das tun wir am Arsch der Welt, in einem miesen Loch, wo ein herrlicher Wasserfall uns jeden Tag daran erinnert, dass die Erbärmlichkeit eine Erfindung des Menschen ist und die Großartigkeit der normale Lauf der Welt.“ (Seite 37)

Nachdem ich „Mr Gwyn“ in einer Nacht verschlungen habe, war ich auf das neue Buch von Baricco sehr gespannt. Als ich es dann in der Hand hielt war ich erst einmal sehr verwundert, denn dieses Buch war dann doch eher ein Büchlein mit 111 Seiten. Dann schlage ich das Büchlein auf und es erwartet mich eine zweite Überraschung. Die Geschichte ist wie ein Theaterstück aufgebaut. Es gibt zwei Akte und diese sind in mehrere Sätze eingeteilt. Zu Anfang eines jeden Satzes erfahre ich in kurzen Sätzen wo ich mich als Leserin befinde, wie die Stimmung  und die „Geschwindigkeit“ des Satzes sind.  Dann wird mir noch angezeigt wer was sagt.

Bevor ich angefangen habe zu lesen, war ich mir nicht ganz sicher, ob dieses Buch etwas für mich ist. Doch ehrlich gesagt, war ich schneller in der Geschichte drin, als ich erwartet habe. Schnell sind die voran stehenden Namen nicht mehr nötig. Ich weiß automatisch wer was sagt. Komischerweise habe ich die Texte automatisch in der vorgegebenen „Geschwindigkeit“ gelesen. 🙂

„Ich hätte ihr sagen können, dass viele auf die gleiche Weise vor ihrem Leben davonspringen, über sich selbst hinaus, indem sie alles riskieren, um sich wirklich lebendig zu fühlen.“ (Seite 100)

Der Inhalt der Geschichte ist schnell erzählt … zwei Männer Tom und Jerry (ob Baricco dabei beim Schreiben an die Katze und die Maus gedacht hat?) treffen an den Niagarafällen aufeinander. Keiner von den beiden ist wirklich erfolgreich. Dann gesellt sich Rachel eine erfolglose Journalistin zu ihnen und alle drei planen zusammen etwas Spektakuläres. Ein Ritt auf den Niagarafällen .. ein Ritt auf dem Wasser, der zu einem Ritt des Lebens wird.

„Dieses Mal hatten wir sorgfältig gesät; wir alle hatten Phantasie, Verrücktheit und Talent gesät. Und geerntet haben wir eine zweideutige Frucht: das schöne Licht einer Erinnerung und das Privileg einer Erschütterung, die uns für immer stolz und geheimnisvoll machen wird.“ (Seite 101)

Ich habe dieses Büchlein in einer schlaflosen Nacht gelesen und mich hervorragend unterhalten gefühlt. An vielen Stellen habe ich mir die Nase zugehalten um nicht laut loszulachen und meinen Mann damit geweckt hätte.

Die Dialoge sind der Knaller … kurz und pointiert, kein großes Tamtam. Es gibt zwischendrin aber auch leise und nachdenkliche Töne. Eine Geschichte über Taugenichts und Habenichts, die einmal im Leben den großen Coup landen wollen, um sich damit ein Denkmal zu setzen.

Ich hätte noch ewig weiter lesen können … unbedingt lesen!

 

5 von 5 Sternen