„Mittwochs am Meer“ von Alexander Oetker

Atlantik Verlag, Fester Einband, 176 Seiten, Preis: 18,00 Euro, ISBN: 9783455010961, Hier kaufen

Rückentext

Jeden Mittwoch fährt Maurice aus Paris in ein verträumtes Hafenstädtchen in der Bretagne, weil er dort einen beruflichen Auftrag hat. Der stille Mann aus der Hauptstadt stößt auf Misstrauen bei den rauen Einheimischen, den Fischern und Arbeitern. Doch dann lässt die geheimnisvolle Rezeptionistin  seines Hotels ihm einen Liebesbrief und einen Gedichtband zukommen. Maurice ist verzaubert von den Worten der Frau. Es ist der Beginn einer leidenschaftlichen Affäre, die jeden Mittwoch neu entflammt, den ganzen Sommer lang. Das Paar fühlt sich wie in einem Traum, der zur Reise wird und schließlich zu einer überraschenden Erkenntnis führt.

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Ein etwas „schrulliger“ Mann fährt jeden Mittwoch ans Meer. Er soll dort für eine Firma die Insolvenz begleiten. Jeden Mittwoch wohnt er in der gleichen Pension, da er immer eine Nacht bleibt. Doch an einem Mittwoch im Sommer trifft er anstatt der älteren Rezeptionistin, eine junge Frau an. Er ist sofort sehr angetan von dieser Frau. Und schon bald beginnen die Beiden eine Affäre mit ungewöhnlichem Ausgang.

„Ich habe diesen Zustand noch nie gefühlt. Bis vor zwei Wochen. Bist du mir passiert bist. Und jetzt laufe ich durch die Welt und fühle mich, wie Rimbaud es beschrieben hat: Alles kommt mir so unendlich intensiv vor, die Welt da draußen, ich betrachte die Menschen mit anderen Augen, viel gütiger, so kommt es mir vor. (…) Besonders aber fühle ich die Natur: Ich spüre, wie der Wind weht und wie heiß es ist, und alles kommt mir so vor, als sei es da, weil ich gerade so glücklich bin. Ich möchte mit nackten Füßen durch das Gras laufen und im Meer spazieren. Etwas, wonach ich mich nie gesehnt habe. Aber nun ist es so, als würde mir die Liebe eine neue Welt eröffnen. Ich verstehe, was er gemeint hat.“ (Seite 91)

Man nehme eine hübsche Frau, einen einsamen Mann, schöne Landschaft, einen Gedichtband von Rimbaud und schon hat man eine wundervolle Liebesgeschichte … oder so.  Na ja nicht so ganz. Diese kleine aber feine Sommerromanze hat etwas mehr zu bieten. Im Laufe der Geschichte verändert sich Maurice, aus den schrulligen Mann, wird ein offener , fröhlicher und glücklicherer Mensch. Die Liebe, ja die Liebe …

Mir hat die Geschichte gut gefallen …  ein schöner Roman für einen lauen Sommertag/ Sommerabend  mit dem man für ein paar Stunden ans Meer fliehen kann.  An manchen Stellen, vor allem am Ende ein bisschen „too much “ für mich, aber der Sommer verträgt das …  🙂

„Mittwochs am Meer“ erinnerte mich an „Das Mittwochszimmer“ von Dagmar Seifert, in der es auch um eine Affäre ging und die beiden sich immer Mittwochs in einem bestimmten Zimmer trafen. Dieses Buch kann ich auch sehr empfehlen.

 

„Ich, Antoine“ von Julie Estève

dtv Verlagsgesellschaft, Fester Einband, 160 Seiten, Preis: 20,00 Euro, ISBN: 9783423282710, Hier kaufen

Klappentext

Ein Dorf in den Bergen Korsikas, Mitte der 1980er-Jahre. Als die 16-jährige Florence tot im Pinienwald gefunden wird, ist ein Schuldiger schnell ausgemacht: Antoine Orsini, der Dorftrottel, dem die Walnussbäume näher sind als die Menschen und der ein Diktiergerät seinen besten Freund nennt. Jahre später hat er seine Haftstrafe abgesessen und kehrt zurück. Noch immer spricht im Dorf niemand mit ihm, und so streift Antoine allein umher und berichtet einem Plastikstuhl davon, was damals wirklich geschehen ist.

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„Irgendwann werde ich kein Spasti mehr sein! Irgendwann werde ich für die anderen Antoine Orsini sein. Ich werd n cooles Image haben, man wird mich beneiden, wie 1983, als ich für alle noch der Glücksbringer war!“ (Seite 27)

Antoine ist mittlerweile in die Jahre gekommen, und er ist immer noch der Dorftrottel. Doch jetzt will er erzählen wie es damals wirklich war, die Sache mit Florence und so … Er erzählt seine Geschichte einem Plastikstuhl und seinem bestem Freund Magic, einem Diktiergerät. Die Menschen im Dorf meiden ihn, machen ihn immer mehr zum Außenseiter und letztendlich hat das seine Folgen …

„Florence war n Mädchen, das einen komplett um den Verstand bringen konnt. Wenn die Jungs sich mit ihr unterhalten haben, waren sie immer wahnsinnig lieb und haben dabei so ausgesehen, als ob sie irgendwie Hunger hätten. Haben dauernd an ihr rumgefingert, haben ihre Schulter angetatscht, sie um die Hüften gefasst, ihre Hand genommen und ihr Küsschen auf die Backe gegeben.“ (Seite 31)

Dies ist wieder eins dieser Bücher, das nicht wirklich schön ist. Die Geschichte/ das Leben von Antoine hat mich traurig zurückgelassen. Von niemandem geliebt, immer nur der Spasti, muss er viel einstecken im Leben. Wenn irgendetwas im Dorf passiert ist, war es Antoine. Immer war alles und jedes Antoine. Er ist ja der Spasti, der ist ja dumm und kann sich nicht wehren. Wie denn auch. Der stinkt, hat Läuse, bepisst sich und noch vieles mehr … eben ein Spasti. Und dabei hätte es nur ein bisschen Liebe und Aufmerksamkeit gebraucht, denn Antoine ist schlau, hat viel mehr auf dem Kasten, als die Leute im Dorf ahnen.

Julie Estève bedient sich einer einfachen teilweisen sehr vulgären Sprache, die mich aber nicht abgeschreckt hat, sondern mir Antoine viel näher gebracht hat. Ich habe diesen kleinen Kerl, später Mann sehr gemocht.  Viele Passagen haben mich erschüttert, was dieser kleine Kerl alles aushalten musste und dennoch immer wieder versucht hat sich nicht unterkriegen zu lassen, aber eine Dorfgemeinschaft, die immer wieder Antoine zum Sündenbock macht, bricht ihn schließlich ganz.

„Im Anschluss wollten sie, das ich die Steine fress, weil Spastis nun mal Steine fressen, haben sie gesagt. Waren ne Zehnerbande, haben mich aufn Boden gedrückt, in den Schlamm, haben sich auf meine Hände und meine Beine gekniet und mir die Nase zugehalten, weil ich n Mund nich aufmachen wollt. Wie ich ihn dann aufgemacht hab, haben sie mir ne Handvoll Kieselsteine reingeschüttet! Haben mich in den Schwitzkasten genommen und mir wieder die Nase zugehalten, damit ich schlucken muss!“ (Seite 87/ 88)

Wie bereits gesagt, kein leichtes und schönes Buch, aber eins, dass uns einen Blick auf uns werfen lässt, um sich zu fragen, wie es mit den eigenen Vorurteilen gegenüber bestimmten Menschengruppen aussieht … und was das mit diesen Menschen macht!

Bitte lesen!

 

 

 

„Der große Sommer“ von Ewald Arenz

DuMont Buchverlag, Fester Einband, 320 Seiten, Preis: 20,00 Euro, ISBN: 9783832181536, Hier kaufen -> Klick aufs Bild

Klappentext

Als erwachsener Mann läuft Frieder über einen Friedhof. Während er nach einem bestimmten Grab sucht, erinnert er den Sommer, der ihn für immer geprägt hat. Die Aussicht, sich bei seinem unnahbaren Großvater auf die Nachprüfungen vorbereiten zu müssen, findet Frieder niederschmetternd. Doch dann kommt alles anders als erwartet: Er verbringt die Wochen nicht eingesperrt in einer Lernstube. Vielmehr erlebt Frieder mit Beate die erste große Liebe, mit all den aufregenden und verunsichernden Momenten, die dazugehören. Er erfährt von der komplizierten und dennoch beglückenden Liebe seine Großeltern. Er genießt unbeschwerte Tage im Schwimmbad, die tiefe Verbundenheit mit seiner Schwester Alma und seinem besten Freund Johann. Zugleich gerät er in Situationen, in denen er lernt, was es heißt, wahrhaftig ein Freund zu sein – und das nicht zuletzt durch den Großvater. Frieder ahnt, dass es ein Sommer ist, wie es vermutlich keinen zweiten mehr für ihn geben wird.

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Kurz vor den Ferien lernt Frieder Beate kennen. Er findet sie auf Anhieb toll. Doch die Ferien stehen vor der Tür und mit ihr die Gewissheit, dass er seine Ferien bei seinen Großeltern verbringen muss, um dort mit seinem Großvater für die Nachprüfung zu lernen. Frieder ist alles andere als begeistert. Doch dann passiert das Unwahrscheinliche … das Lernen mit dem Großvater ist gar nicht so öde und er hat mehr Freiheiten als gedacht … und so erlebt Frieder einen Sommer, den er nie vergessen wird …

„Es war dieser eine Sommer, wie es ihn wahrscheinlich nur einmal im Leben gibt. Dieser eine Sommer, den hoffentlich jeder hatte; dieser eine Sommer, in dem sich alles verändert. Ja. Vielleicht ist es nicht Trauer allein, sondern vor allem eine Sehnsucht nach diesem Sommer – nach diesem unwiederbringlichen, zitternd schönen Zauber der ersten Male.“ (Seite 11)

Zuerst habe ich gedacht, noch so ein „Coming-out-of-Age Roman, doch schnell wurde mir klar, der hier ist anders. Bei Wells habe ich mich ja beim Lesen zu Tode gelangweilt, vielleicht weil ich nicht die sogenannte Zielgruppe war. Anders bei diesem Buch. Vielleicht liegt es daran, dass sich Frieder als „alter Mann“ an diesen Sommer erinnert und es auch ein paar Einschübe aus seinem jetzigen Leben gibt. Ich habe Frieders Geschichte sozusagen inhaliert, so als wäre ich ein Teil der Geschichte.

Ich bin jetzt noch ganz beseelt von diesem Buch. Was für eine schöne Sprache, was für tolle Sätze. Mit jedem Wort merkt man, das es Ewald Arenz Spaß gemacht hat, dieses Buch zu schreiben. Selten habe ich es erlebt, dass ein Autor seine Figuren „liebt“. Jede einzelne ist bis ins kleinste hervorragend definiert, so real. Dieses Buch/ diese Geschichte lässt mich mit ganz viel Wärme und Liebe zurück.

Danke Ewald Arenz für diesen Lesegenuss ♥

„Heute ist so ein Tag. Ein Tag, an dem ich mich frage, ob aus dem Jungen von damals, dieser Mann werden musste, der zu früh aufwacht und überlegt, ob er sein Leben noch richtig lebt.(…) Da kommen sie alle, so jung, wie wir es damals waren: Alma. Johann. Beate. Und Nana. Immer wieder denke ich an den Sommer, aus dem für mich alles hervorgegangen ist: mein Leben, wie es heute ist.“ (Seite 40)

„Das Glück meiner Mutter“ von Thommie Bayer

Piper Verlag, Fester Einband, 224 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783492057264, Hier kaufen -> Klick aufs Bild

Klappentext

Phillip Dorn hat nach Monaten harter Arbeit Ferien verdient. Allein bricht er auf nach Italien, um in der Ruhe eines Ferienhauses seine Gedanken zu ordnen. Phillip genießt die Pasta und den Rotwein, macht Ausflüge in die toskanische Umgebung und lauscht nachts dem Konzert der Zikaden. Während alldem stellt er sich seinen großen Fragen: warum die Beziehung zu Brigitte zerbrochen ist und welchen Anteil er am Unglück seiner Mutter hat. In seiner willkommenen Einsamkeit wird er eines Nachts jäh gestört, als sich eine junge Frau in seinen Garten stiehlt und ihn mit der selbstverständlichen Art, in einem fremden Pool zu baden, in ihren Bann schlägt. Bis sie auf seiner Terrasse steht und sich als seine Nachbarin Livia vorstellt. Auf einen Wein und eine späte Zigarette kommen die beiden von nun an jede Nacht zusammen, und Phillip beginnt sich der faszinierenden Fremden immer näher zu fühlen. Und auch Livia zieht ihn immer mehr ins Vertrauen über ihr eigenes Leben.

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„Meine Altersgenossen, zumindest die Großstadtbewohner unter ihnen, landen über kurz oder lang beim Alleinsein. Ob wir nun bindungsunfähig oder -unwillig sind, ob wir Familien gegründet und später auseinandergerissen oder gar nicht erst haben zustande kommen lassen, ob wir erträgliches oder eher prekäres Auskommen, wirkliche Freunde oder nur Kollegen haben – die meisten von uns müssen damit zurechtkommen, dass ein Leben ohne Kompromisse auch ein Leben ohne Partner ist.“ (Seite 88)

Phillip Dorn, erfolgreicher Drehbuchautor beschließt sich endlich einen langgehegten Wunsch zu erfüllen … mit seinem Traumauto, ein Cabriolet, eine Reise in die Toskana zu machen. Es ist eine Reise, die er gedanklich mit seiner Mutter macht. Einer Frau, die immer für ihn da war, die sogar dem Son zuliebe,  auf ein glückliches Leben mit einem Mann verzichtet hat. Dorn erinnert sich auf der Fahrt in die Toskana und später auch an seinem Urlaubsziel an seine Mutter, an ihre Warmherzigkeit und Güte. Er reflektiert aber auch sein eigenes Leben. Seine zerbrochene Beziehung, seiner Einsamkeit, gewollt oder ungewollt und stellt sich letztendlich auch die Frage, wie wäre beider Leben verlaufen, wenn die Mutter mit dem Sohn das andere Leben gelebt hätte …

„Das muss das Alter sein, dachte ich, wenn dir auf einmal klar wird, dass das Beste, was dir passieren kann, die Aussicht ist, dass alles so bleibt, wie es ist, dass dich keine Krankheit niederwirft, niemand an dir ein Verbrechen verübt, Siechtum und Tod dich möglichst lange nicht erwischen – wird Zeit, zu begreifen, dass du glücklich bist. (…)Die Abwesenheit von Glück merkt jeder, die Anwesenheit nicht unbedingt.“ (Seite 157/158)

 Dieses kleine, aber feine Buch hat mich berührt. Auf zweierlei Weise … da ist diese Mutter, die für ihren Sohn auf ein „besseres“ Leben verzichtet, und die dennoch so voller Liebe, Güte und Warmherzigkeit ist, und diese ihrem Sohn gibt. Und dann ist da Phillip, der Sohn, der sich fragt, ob seine Mutter ein besseres und glücklicheres Leben gehabt hätte, wenn er ihr nicht im Weg „gestanden“ hätte.

Auf dieser Reise ist Phillip seiner Mutter nahe und wird ihr durch eine besondere Begegnung noch näher kommen …

Behutsam erzählt Thommie Bayer diese Geschichte und lässt mir als Leserin den Platz, mir meine eigenen Gedanken zu diesen Themen zu machen. Wie wirkt sich mein Leben, meine Entscheidungen auf das Leben andere in meinem Umfeld aus?

„Als Kind konsumierst du Liebe und Fürsorge wie Atemluft, sie ist einfach da und wird nicht knapp oder giftig, als Erwachsener fällt es dir unter Umständen nicht ein, ebenso oder wenigstens ähnlich fürsorglich und liebevoll mit deinen Eltern umzugehen, wie sie es damals mit dir taten.“ (Seite 199)

 

 

„Das Geheimnis von Zimmer 622“ von Joël Dicker

Piper Verlag, Fester Einband, 624 Seiten, Preis: 25,00 Euro, ISBN: 9783492070904, Hier kaufen

Klappentext

Im Frühsommer des Jahres 2018 packt der bekannte Schriftsteller Joël Dicker seine Koffer. Er reist von Genf in die Schweizer Alpen, um dort im Palace de Verbier die Ferien zu verbringen. Suite 623 ist beriet für ihn vorbereitet. Gleich am ersten Tag seines Aufenthalts macht er die Bekanntschaft einer charmanten Engländerin. Scarlett Leonas. Angeregt unterhält er sich mit ihr über die Kunst des Schreibens und ahnt nicht, dass er wenig später mit ihr tief in ein ungelöstes Verbrechen hineingezogen werden wird. Denn in Zimmer 622 geschah einige Jahre zuvor ein Mord, der  Täter wurde nie gefasst. Merkwürdigerweise existiert das Zimmer gar nicht – Joël Dicker beginnt zu recherchieren und stößt auf die abgründigen Machenschaften einer alten Genfer Bankiersfamilie …

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Nachdem ich im letzten Jahr meinen ersten Dicker gelesen habe (Das Verschwinden der Stephanie Mailer), war ich auf den neuen Roman mehr als gespannt. Und was soll ich sagen? Der Mann kann schreiben. Ich bin ab sofort ein Dicker Fan Girl ♥

Worum geht es … Dicker muss gerade den Verlust seines Agenten verarbeiten, und beschließt eine kleine Auszeit zu nehmen. Er fährt in die Schweizer Alpen. Sein Zimmer ist die Suite 623. Am Abend lernt er die charmante Scarlett kennen, die ihn als den Autor erkennt. Im Laufe des Abends bringt Scarlett das Gespräch auf das fehlende Zimmer 622 und überredet Dicker gemeinsam mit ihr herauszufinden was es damit auf sich hat. Als sie den Portier dazu befragen wollen, rückt dieser nicht so wirklich mit der Sprache raus. Die Beiden beschließen weiter nachzuforschen und stoßen auf eine unglaubliche Geschichte des Bankhauses Ebezner, welches eine 300jährige Geschichte aufweist. Der Präsidentensitz der Bank wird immer an den Nachfolger vererbt. Doch Abel Ebezner entscheidet sich gegen seinen Sohn und somit nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Mehr möchte ich zu diesem sehr komplexen, aber gut zu lesenden Geschichte nicht verraten.

Das was dann auf 624 Seiten passiert ist einfach unglaublich. Dicker schafft es immer wieder eine neue Spannung aufzubauen, in dem er Wendungen(Geheimnisse, Intrigen, Schicksale) einbaut, mit  denen ich nie und nimmer gerechnet habe. Und das Ende ist dann noch einmal mega gemacht, weil dann alles langsam aufgelöst wird und zwar wieder vollkommen anders als ich geglaubt habe.

Ich sag nur … unbedingt lesen!!!

„Heute beissen die Fische nicht“ von Ina Westman

mareverlag, Fester Einband, 256 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783866486454, Hier kaufen:

Klappentext

Eine Familie verbringt ihren Sommer auf einer abgelegenen Insel im finnischen Schärengarten. Vater, Mutter, Kind – Joel, Emma und Fanni: Die Idylle könnte perfekt sein. Doch Emma, die Fotojournalistin ist und häufig in Krisengebieten unterwegs, wird von heftigen Kopfschmerzattacken und Halluzinationen geplagt: Treibt dort aus dem Nebel wirklich ein verlassenes Boot auf sie zu? Und sitzt da vorne auf dem Stein tatsächlich eine dunkelhäutige Frau und blickt aufs Meer? Oder sind es nur Erinnerungsfetzen an ein vergangenes Geschehen, das Emma bis in ihr Sommerrefugium verfolgt und droht, sie von sich selbst und ihren Liebsten zu entfremden?

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Emma und ihre Familie verbringen den Sommer auf einer finnischen Insel. Emma wurde gerade operiert. Am Kopf. Ein schlimme Verletzung. Woher und wie sie entstanden ist? Emma kann sich nicht erinnern. Nicht wirklich, aber Nacht für Nacht und sogar am Tag steigen Erinnerungsfetzen in ihr hoch. Doch die sind so furchteinflößend, dass Emma denkt sie wird verrückt. Sie verschließt sich immer mehr und redet kaum noch mit ihrer Familie, aus Angst vor dem was sie erlebt hat.

Joel weiß nicht, wie er mit der Krise seiner Frau umgehen soll. Er hat keine Ahnung von dem was sie in ihrem Job erlebt hat. Die beiden sprechen/ sprachen nie darüber. Jetzt wünscht er sich, sie hätten öfter darüber gesprochen, dann hätte er vielleicht jetzt einen Zugang zu ihr.

Fanni versteht nicht, was mit ihrer Mutter passiert, und warum diese sie entweder von sich stößt oder sie umklammert und keine Sekunde aus den Augen lässt. Auch ihr Vater kann es ihr nicht erklären. So wendet sie sich immer wieder an ihren Großvater und führt mit ihm ihre Gespräche.

„Später dachte ich, dass damals wohl mein Schweigen begann. Von da an ließ ich auch andere Dinge unerwähnt, zuerst Erlebnisse von meinen Dienstreisen, Dinge, die in meine Träume vordrangen, die wachsenden Beklemmungen, die Hoffnungslosigkeit, die gegenüber der Hoffnung immer mehr Raum gewann. Den Zweifel an unserer Beziehung, den Zweifel, der von Anfang an da gewesen und eigentlich nie weggegangen war. Den Wunsch, ein Kind zu haben, den Wunsch kein Kind zu haben.“ (Seite 107/ 108)

Dieses Buch ist dunkel, melancholisch zuweilen sehr traurig und an vielen Stellen schrecklich. Dunkel und melancholisch, weil die Stimmung der Protagonisten an keiner Stelle fröhlich ist. Alle sind traurig, suchen nach Erklärung und hängen ihren Gefühlen und Gedanken nach. Traurig und schrecklich sind die Erinnerungsfetzen von Emma … Menschen die fliehen, Boote auf dem Wasser, Tote im Meer, Krieg, Rassismus, Verfolgung … Wirklich an vielen Stellen keine leichte Kost, und doch hat mich dieses Buch sehr berührt, da die Autorin mit diesen Themen sehr behutsam in Emmas Erinnerung umgeht, und mir als Leser wieder einmal mehr bewusst wird, was Journalisten bzw. Menschen in Krisengebieten sehen und erleben. Und dieses Geschehnisse auch ihre Spuren bei jedem Einzelnen hinterlassen. Spuren die keiner sieht oder ahnt, einen Menschen aber verändern …

 

 

„Unter Wasser Nacht“ von Kristina Hauff

hanserblau, Fester Einband, 288 Seiten, Preis: 20,00 Euro, ISBN: 9783446269453, Hier kaufen

Klappentext

Inga und Sophie sind beste Freundinnen. Obwohl sie nicht unterschiedlicher aufgewachsen sein könnten: Sophie in einer schneeweißen Villa in Hamburg-Othmarschen und Inga als Tochter eines Fährmanns in Harlingerwedel. Sie wohnten während des Studiums zusammen, saßen auf den Anti-Atomkraft-Demonstrationen bei Gorleben nebeneinander und träumten von einer gerechten Zukunft.

Jetzt wohnen sie in bürgerlicher Idylle im Wendland. Doch während Inga und ihr Mann Bodo ihre vermeintlich perfekten Kinder zum Fußball und zur Chorprobe fahren, kämpft Sophie um ihre Ehe mit Thies. Seit ihr Sohn Aaron in der Elbe ertrank, vergiftet Misstrauen die Beziehung der beiden. Und als eine Fremde in den Ort kommt und die Wunden wieder aufreißt, müssen Sophie und Inga sich fragen, was aus ihrem Leben, ihrer Freundschaft und aus ihren Träumen geworden ist.

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Inga und Sophie sind beste Freundinnen. Kennen sich seit der Schulzeit, ziehen im Studium in eine Wohnung und auch, als die beiden schon verheiratet sind, verbindet die beiden Frauen viel. Sie leben nebeneinander auf einem Hof im Wendland. Doch die Freundschaft hat einen Riss bekommen. Denn Sophies und Thies Sohn ist vor 13 Monaten  auf tragische Weise ums Leben gekommen. Nun sieht Sophie tagein, tagaus die Familienidylle von Inga.

Inga und Bodo möchten die Freunde in ihrer Trauer auffangen, doch die beiden lassen keinen an sich ran, und so wird es für alle Beteiligten immer schwieriger weiterhin zusammen zu leben. Eines Tages tauch eine Unbekannte auf dem Hof auf und wirbelt alles durcheinander. Thies fühlt sich von der Unbekannten angezogen, flirtet mit ihr und fühlt sich seit Aarons Tod auf einmal wieder lebendig. Aber auch Inga und Sophie fühlen sich auf eine besondere Art und Weise von Mara, der Unbekannten, angezogen. Doch welches Geheimnis führt Mara ins Wendland?

„Sie dachte daran, wie alles begonnen hatte, in den Tagen, als Bodo und Inga ihnen ein Teil des Grundstücks abkauften und ihr Haus darauf bauten. Die besten Nachbarn der Welt: ihre Freunde. So viele Hoffnungen und Träume hatten sie geteilt. Für Inga hatten sie sich alle erfüllt, für Sophia nicht.“ (Seite 13)

Die Geschichte um die Familien wird in einzelnen Kapiteln immer aus der Sicht einer Person erzählt. Mal kommt Inga zu Wort, mal Sophie, Mara oder eines der anderen Familienmitglieder. Und dabei kommt so nach und nach ein Geheimnis, ach dem anderen an die Oberfläche, und die scheinbare Idylle ist gar nicht mehr so idyllisch.

Mich hat dieses Buch sehr bewegt. Jede Person in der Geschichte hat so sein Päckchen zu trage, hat seine Geheimnisse, die er für sich behält. Im Laufe der Geschichte sieht man aber, was diese „Geheimniskrämerei“  für Folgen haben kann. Vieles wäre vielleicht anders gelaufen, hätte einer der Protagonisten mal etwas gesagt bzw. gehandelt. Am meisten hat mich später Aaron  nicht mehr losgelassen. Was ich über ihn erfahren habe, hat mich sprachlos zurück gelassen. An dieser Stelle hätte ich gern mehr über ihn erfahren, um sein Handeln verstehen zu können.

„Sie hatte viel zu lange einfach nur still gehalten, hatte gedacht, dass Schuld und Scham sich irgendwann auflösen mussten, aber das war nicht geschehen. Sie hatte sich geschämt für ihre Gefühllosigkeit gegenüber Aaron. Erst jetzt fühlte sie etwas, wenn sie an ihn dachte. Diese brennende Wut.“ (Seite 132/ 133)

Den Roman von Kristina Hauff habe ich sehr gerne gelesen. Es ist ein Buch über Familie, Trauer, Lügen und Geheimnisse, das einen nachhaltig beschäftigt. Die Geschichte berührt, da man deutlich die Trauer und die Verzweiflung bei Thies und Sophie über den Verlust ihres Sohnes spürt.

 

 

„Hard Land“ von Benedict Wells

Diogenes Verlag, Fester Einband, 352,Seiten, Preis: 24,00 Euro, ISBN: 9783257071481, Hier kaufen

Rückentext

Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt erwachsen zu werden.

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„Überhaupt hatte ich das Gefühl, eine paar neue Augen verpasst bekommen zu haben. Weil, ich musste die Jahre davor ja blind gewesen sein. Natürlich hatte ich gewusst, dass Mütter sterben und Freundschaften zerbrechen, aber ich hatte diese Dinge nie richtig gesehen. Nun sah ich die Selbstzweifel meines Dads, wenn er Stellenanzeigen durchging. Und ich sah die Angst meiner Mum, wenn sie mich mit einem Lächeln trösten wollte. Und keine Ahnung, ob das wirklich besser war.“ (Seite 24)

Sam ist ein schüchterner 16jähriger Junge, mit Teenager Probleme wie sie viele in dem Alter haben … Mädchen, Sex, keine Lust auf Schule und Stress mit den Eltern. Die nerven ihn ständig, dass er doch mal raus gehen soll und Freunde treffen soll. Aber auch das ist eins von Sams „Problemen“. Er hat keine Freunde, gehört eher zu den Außenseitern und bleibt daher für sich alleine.  Doch im Sommer `85 wird alles anders. Er bekommt die Möglichkeit im Kino seines Heimatortes zu jobben. Dort trifft er auf Kirstie, deren Vater das Kino gehört. Er ist von ihr hin und weg. Und nach einigen Anfangsschwierigkeiten ist er sogar Teil einer Clique, die aus Arbeitskollegen des Kinos und Kirstie besteht. Doch dann stirbt seine Mutter an Krebs und nichts ist mehr wie es war …

Die Geschichte ist gut geschrieben, lässt sich locker lesen, doch vom Hocker hat sich mich nicht gehauen. Im Gegenteil, irgendwann hat es mich nur noch gelangweilt. Diese Geschichte ist eine von hundert anderen Coming-out-of-Age Geschichten. Gut erzählt, aber mehr auch nicht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich einfach zu alt für diese Art von Geschichten bin. Vielleicht ist es zu lange her … dieses Gefühl vom ersten Mal … verliebt zu sein … mit einer schweren Krankheit konfrontiert zu werden … der Tod eines geliebten Menschen …

In jedem Leben gibt es den einen Sommer oder den einen Tag, in dem sich das Leben verändert. Nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Man ist plötzlich erwachsen und hat es gar nicht richtig mitbekommen.  Für all die, die sich in dieser Phase befinden, mag es ein wundervolles Buch sein, und die werden auch Freude daran haben. Aber all die anderen werden sich eher langweilen.

Sorry, das ist meine Meinung. Macht Euch bitte Eure eigene Meinung.

„Und dann war sie gar nicht da. Es war, als wäre ich mit Anlauf in einen Pool ohne Wasser gesprungen. (…) War Kirstie nicht im Kino, fehlte den Witzen die Pointe, war der Sommer weniger heiß, das Popcorn weniger knusprig und die Cola nicht so prickelnd wie sonst.“ (Seite 61)

 

 

„Die Harpyie“ von Megan Hunter

C.H. Beck, Fester Einband, 229 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783406766633, Hier kaufen

Klappentext

Lucy und Jake Stevenson leben mit ihren beiden Söhnen am Rande einer wohlhabenden Kleinstadt in England. Während Jake täglich zur Universität pendelt, arbeitet Lucy von zu Hause aus und kümmert sich um die Kinder. Doch eines Nachmittags zerstört ein Anruf die Familienidylle: Jemand möchte Lucy wissen lassen, dass Jake eine Affäre mit einer Arbeitskollegin hat. Das Paar beschließt zusammen zu bleiben, trifft aber eine Vereinbarung als Ausgleich für den Verrat: Lucy wird sich drei Mal an Jake rächen – und er weiß nicht, wann und auf welche Weise. Während die beiden sich auf ein subtiles Spiel um Verbrechen und Strafe einlassen, beginnt sich Lucys Körper und Geist allmählich zu verändern, die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen – eine Verwandlung, die sich nicht mehr aufhalten lässt …

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„Ich ziehe das Rasiermesserheraus, unter dem Silber quillt ein Märchen-Blutstropfen hervor. Nie zuvor habe ich so starke Farben gesehen: rein und comicartig, weiße Haut, meerblaues Hemd, dunkles Rot, rollend, suchend. Von ihm kein Laut. (Seite 11)

Die Zeilen von Seite 11 sind aus dem Epilog, und schon nach diesen ersten Sätzen hatte mich die Autorin. WoW , hab ich gedacht, was für eine Beschreibung. Ich konnte die Situation mir sehr deutlich vorstellen und auch hören. Den angehaltenen Atmen, das ziehen des Rasiermesser auf der Haut, das lese Geräusch als sich die Haut öffnet und das Blut heraus quillt ….

Nach dem Epilog habe ich so sehr gehofft, dass die Autorin es schafft mich mit dieser Magie weiter ans Buch zu fesseln. Und ich muss sagen, sie hat! Dieses Buch ist so krass, so irre, so unfassbar anders.

„Sollte jemand das jemals herausfinden, weiß ich, was sie denken werden: Ich bin ein furchtbarer Mensch. ich bin ein furchtbarer Mensch und sie – die Entdecker – sind gute Menschen. Freundliche, großherzige, angenehme Menschen. Attraktiv, wohlriechend. Dieser Mensch – diese Frau, vielleicht – würde niemals tun, was ich getan habe. Sie würde es nicht einmal versuchen.“ (Seite 17)

Wie bereits im Klappentext zu lesen, geht es um ein Ehepaar, dass schon seit Jahren verheiratet ist, zwei Söhne hat. Lucy ist wegen der Kinder zu Hause geblieben, während Jake seine beruflichen Ziele verfolgt. Als nun eines Tages heraus kommt, dass Jake eine Affäre hat, bricht für Lucy eine Welt zusammen. Doch das Paar beschließt zusammen zu bleiben. Lucy darf jedoch den Verrat rächen und drei  Mal Jake bestrafen. Wie und wann entscheidet sie, und Jake wird keine Ahnung haben was ihn erwartet.

Das allein war schon so super gemacht, weil ich als Leserin immer darauf gewartet habe, wann was passiert.

Aber parallel zu dieser Geschichte erzählt die Autorin etwas über Harpyien. Woher sie kamen, wie man sie in früheren Zeiten wahr nahm und was man ihnen heute nachsagt. Das fand ich auch sehr spannend, vor allem weil sich Lucy scheinbar nach und nach in Harpyie verwandelt.  Irgendwann sind die Übergänge zwischen Realität und Wahnsinn nicht mehr erkennbar.

Wer Romane abseits des Mainstreams mag, sollte diesen hier auf jeden Fall lesen!!!

„Aber das Bild, an das ich mich am besten erinnerte, zeigte die Harpyien: dunkle Schatten, Vögel mit Frauengesichtern, die herabstießen, um das Einhorn zu quälen, es leiden zu lassen.“ (Seite 37)

 „Ursprünglich, las ich, war die Harpyie gar kein Ungeheuer. Sie stand für Stürme, Gewitter. Nur schlechtes Wetter, sonst nichts.“ (Seite 74)

 „Die Harpyie ist Expertin im Stehlen.(…) Sie fährt herab wie eine Sturmbö: nimmt alles fort. (Seite 129)

 

 

 

„Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ von Alena Schröder

DTV Verlag, Fester Einband, 368 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783423282734, Hier kaufen

Rückentext

In Berlin tobt das Leben, nur die 27-jährige Hannah spürt, dass ihres noch nicht angefangen hat. Ihre Großmutter Evelyn hingegen kann nach beinahe hundert Jahren das Ende kaum erwarten. Ein Brief aus Israel verändert alles. Darin wird Evelyn als Erbin eines geraubten und verschollenen Kunstvermögens ausgewiesen. Warum weiß Hannah nichts von der jüdischen Familie? Und weshalb weigert Evelyn sich so beharrlich, über die Vergangenheit und besonders über ihre Mutter zu sprechen? Die Spur der Bilder führt zurück in die 20er Jahre, zu einem eigensinnigen Mädchen namens Senta …

∗∗∗∗∗

Eine alte Dame sitzt in ihrer Wohnresidenz und wartet mehr oder weniger auf den Tod. Sie hat ihr Leben gelebt und alles war gut. Jetzt sitzt sie hier tagein, tagaus und das einzig was noch erhellend in ihrer Einsamkeit ist, sind die Besuche ihrer Enkelin. Als Hannah eines Tages sie wieder einmal wie gewohnt besucht, findet diese einen Brief. In diesem Brief geht es um ein Kunstvermögen, auf welches Evelyn wohl Anspruch hat. Doch sie will nichts damit zu tun haben. Neugierig wie Hannah ist, setzt sie sich mit dem Absender in Verbindung und ahnt nicht, was sie erfahren wird … über ihre Großmutter, Mutter und sich selbst …

„Ihre Urgroßmutter Senta Goldmann war verheiratet mit einem Herrn Julius Goldmann. Der Vater von Herrn Goldmann wiederum, also der Schwiegervater ihrer Frau Urgroßmutter, hatte einen Kunsthandel, hier in Berlin, am Lützowerplatz. Der Lützowerplatz war in den Zwanzigerjahren ein wichtiger Ort für die Kunst, dort gab es mehrere Galerien und Kunsthandlungen, sehr spannend das alles, Sie sollten sich ein bisschen einlesen in dieses Thema (…).“ (Seite 85)

Dieses Debüt von Alene Schröder ist zur Zeit in aller Munde. Zu Recht! Diese Geschichte hat einfach alles, um an einem verregnetem Wochenende die Seele baumeln zu lassen.

Durch die zwei Erzählstränge ist die Geschichte um Evelyn in der Vergangenheit und der Jetztzeit sehr spannend aufgebaut. Man möchte immer gerade da weiterlesen, wo man unterbrochen wird.

Im großen Ganzen geht es um zwei Themen … junge Mütter, die zu früh Mutterwurden und es schwer haben ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Und dann geht es um die Beschlagnahmung und Raub von Kunstgegenständen, die Juden gehörten, und um die Rückführung dieser an die heutigen Erben.

„Er hatte es kommen sehen. Menschen, die sein Vater für Freunde hielt, wenigstens für anständige Menschen mit Rückgrat und Manieren, wieselten aus seinem Leben, jetzt, da es nicht mehr opportun schien, mit >Leuten wie ihnen< zu verkehren.“ (Seite 180)

 Ich habe dieses Buch inhaliert, soll heißen an einem Tag am Wochenende weggelesen. Alina Schröder schreibt mit leichter Hand einen fesselnden Roman, den ich nicht eher weg legen konnte, bis ich wusste wie es für alle Protagonisten ausgeht. Dabei sind ihr die einzelnen Charaktere sehr gelungen und es macht einfach Spaß der Geschichte zu folgen.

Also … hopp … hopp, ab in die Buchhandlung und diesen tollen Roman für das nächste verregnete Wochenende auf dem Sofa holen, oder für den nächsten sonnigen Sonntag auf der Terrasse.