Geschwister

mareverlag
Fester Einband
144 Seiten
Erscheinungsdatum:
13.02.2018
ISBN: 9783866482609
Preis: 18,00 Euro

Klappentext
Zeitlebens hat Olof im Schatten seines Selbstbewussten Bruders Carl gestanden. Carl war der Liebling der Mutter, fiel allerdings in Ungnade, als er mit seiner Frau Karla (mit der Olof seine eigene Geschichte hat) und den beiden Söhnen aus Karrieregründen in die USA auswanderte.
Viele Jahre später nun treffen die ungleichen Brüder am Sterbebett der Mutter wieder aufeinander, in ihrem Landhaus in den südfinnischen Schären – und mit ihnen ihre Familien, alte Rivalitäten und Träume, Fehler und Versäumnisse. Es dauert nicht lang, bis der Frieden des Spätsommers, der über der Insel liegt, brüchig wird. Gerade noch rechtzeitig erkennt Olof, dass der Moment gekommen ist, um aus dem Schatten seines Bruders herauszutreten.

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Weiß man eigentlich jemals, was vor sich geht? Es ist wie bei einem Vierhundertmeterlauf: Einige Augenblicke lang befindet man sich im Zentrum der Ereignisse, der Wind saust einem um die Ohren, die Lungen wollen platzen, die Gegner keuchen, das Einzige, was existiert, ist das Zielband irgendwo vor einem.
Aber ist es das, was wirklich passiert?
Nachher erinnert man sich an den Lauf, und das Gedächtnis fängt sofort an, die Fakten zu sortieren; es redigiert, unterteilt, sortiert. Ich hätte die erste Kurve nicht so langsam angehen sollen. Auf der Gegengeraden hätte ich kürzere Schritte machen müssen. Im Endspurt bin ich gestolpert, das war alles entscheidend.
Nachher sieht alles gleich anders aus.“ (Seite 7)

Olof und Karl treffen nach Jahren am Sterbebett der Mutter wieder aufeinander. Sofort entbrennt der alte „Bruderkampf“ wieder. Wieder muss Olof mit ansehen, wie die sterbende Mutter Carl bevorzugt. Alte Konflikte brechen auf und der Ich-Erzähler Olof erinnert sich an seine Kindheit und Jugend, und dem schwierigen Verhältnis zu seinem Bruder und seiner Mutter. Nach und nach erfahre ich als Leserin wie es zu der zunehmenden Feindlichkeit zwischen den Brüder kommt und das es eigentlich keine Chance auf Frieden/ Vergebung geben kann.

„Ich gehe von einem Zimmer ins andere. Es fühlt sich an, als würde ich mich schon in einer vergangenen Zeit bewegen. In einem Jahr wird es all das nicht mehr geben.
Ich werde mich daran erinnern. Ich werde es nicht vermissen. Ich habe es bereits hinter mir gelassen, wie man die Kindheit hinter sich lässt, ein bisschen über ihre Unschuld staunend, aber ohne Trauer, weil man weiß, dass es kein Zurück gibt.“ (Seite 72)

Dieses kleine feine Büchlein hat mich vollkommen verzaubert. Auf den ersten Blick scheint es eine typische Bruder/ Geschwister Geschichte zu sein. Das Buhlen unter Geschwistern um die Gunst und Liebe der Eltern. Doch dieses Büchlein ist viel mehr. Es erzählt auch die Geschichte von Hoffnung und Verlust, von verpassten Chancen und Neuanfängen.

Bargum erzählt schnörkellos, doch mit einem enormen Sog, eine Geschichte die mich inne halten lässt … In vielen Familien gibt es ähnliche Konflikte, so auch in unserer Familie. Die Schwester wurde bevorzugt, war immer die, die alles besser in den Augen der Eltern machte. Und ich, ich war die, die immer und immer wieder um die Liebe der Eltern buhlte, alles macht und dennoch immer die war, die nicht gesehen wurde. Was hat das mit mir gemacht? Ganz viel und ich habe lange gebraucht, um die zu sein, die ich heute bin.

Unsere Eltern leben leider nicht mehr, doch ich habe meinen inneren Frieden gefunden, und meine Schwester … sie hat den Kontakt nach dem Tod unserer Mutter abgebrochen …

Sorry, aber dieses Büchlein hat mich ein wenig aufgewühlt … unbedingt lesen!!!

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Kurz & Knapp … Juli 2018

Unter der Drachenwand von Arno Geiger

Veit Kolbe wurde im Krieg verletzt. Er wird zu Rehabilitation nach Hause geschickt. Er reist jedoch weiter zu seinem Onkel an den Mondsee. Dort versucht Veit seine Zeit an der Front zu verarbeiten. Doch immer wieder ereilen ihn Panikattacken und er hat das Gefühl, dass er nie wieder an einem „normalen Leben“ teilhaben kann. Er trifft auf verschiedene Menschen, die es mehr oder weniger geschafft innerhalb der Kriegsjahre zu leben bzw. zu überleben.

Ich habe dieses Buch im Rahmen unseres Lesekreis im Büchergarten gelesen. Zuvor hatte ich so viel positives über das Buch gehört und war nun sehr gespannt. Doch schon nach den ersten 50 Seiten war ich enttäuscht. Mir war die Geschichte einfach zu langweilig, was wohl daran lag, das die einzelnen Personen der Geschichte, diese ihrerseits mega langweilig erzählt haben. Mir war das alles so monoton. Sie zeigten keinerlei Gefühle oder Emotionen. Ich konnte mit keiner Person wirklich mitfühlen, geschweige sie wirklich verstehen. Auch fand ich manche Passagen sehr verwirren. Vor allem die Briefe. Oft wusste ich nicht wer erzählt, ist es ein Brief oder sind es mehrere. Erst durch die Diskussion im Lesekreis konnten sich ein paar Fragen klären.

Fazit: Auch wenn ich mich jetzt mal wieder unbeliebt mache, weil ich ein „grandioses Werk“ schrecklich finde, so ist es wie immer meine Meinung und ihr solltet euch eure eigene machen. Es gibt bessere Literatur zu diesem Thema.

(Carl Hanser, ISBN: 9783446258129, Preis: 26,00 Euro)

 

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Das weibliche Prinzip von Meg Wolitzer

Greer Kadetsky ist eine schüchterne junge Frau, die intelligent und sehr ehrgeizig ist. Eigentlich sollte sie in Yale studieren, doch durch ein Versäumnis ihrer Hippie Eltern landet sie auf einem zweitklassigen College. Doch sie versucht das beste daraus zu machen. Eines Abends schleppt ihre Freundin sie zu einem Vortrag der Feministin Faith Frank. Greer ist fasziniert von dieser Frau. So möchte sie auch sein. Und schließlich versucht sie ihrem Vorbild nachzueifern, was jedoch nicht so einfach ist, wie es scheint.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es für mich eine „Entwicklungsgeschichte“ der Greer Kadetsky gewesen, denn ich begleite das Leben von Greer. Angefangen bei der schüchternen Studentin bis hin zur reifen und selbstständigen Frau, die weiß was sie im Leben will. Ist eine solche Entwicklung mit Feminismus zu vergleichen? Eher nicht. Natürlich nimmt dieses Thema Raum in diesem Buch ein. Es sind jedoch eher die Aktivitäten rund um Faith Frank, und weniger die der Greer Kadetsky. Und machen zwei Menschen den Feminismus aus? Eher nicht …

Fazit: Tolle Ansätze zu einem wirklich aktuellen Thema, aber dann doch eher „nur“ eine Geschichte über ein junges Mädchen, das sich zur Frau entwickelt.

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198985, Preis: 24,00 Euro)

 

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Als wir unbesiegbar waren von Alice Adams

Es sind die letzten Tage an der Uni. Eva, Sylvie, Benedict und Lucien sind seit dem ersten Tag an der Uni unzertrennliche Freunde. Doch nun werden sich ihre Wege trennen. Eva wird geht in die Finanzwelt, Benedict träumt von einem Job als Physiker am CERN und die Geschwister Sylvie/ Lucien werden erst einmal um die Welt reisen. Eva macht Karriere, Bendict heiratet und auch beruflich läuft es toll, nur bei den Geschwistern läuft es nicht ganz so rund. Beide rutschen in die Drogenszene ab und drohen den Halt zu verlieren. Doch die Freundschaft der vier hat auch nach der Uni bestand, und so helfen sie einander so gut es geht …

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist letztes Jahr bereits als Hardcover erschienen und ich habe es aber jetzt erst für mich entdeckt. Ich mochte alle vier Protagonisten. Auch die Erzählweise hat mir gefallen, denn es kommt pro Kapitel immer einer der vier zu Wort. Und dabei geht es in der Zeit aber immer weiter. So bekomme ich die Entwicklung der einzelnen Protagonisten mit. Vom Verlassen der Uni bis in die heutige Zeit. Alle haben so ihre Probleme, von denen die Freunde nichts ahnen. Und obwohl sie auf der Welt verstreut leben, versuchen sie sich gegenseitig zu helfen und zu motivieren.

Fazit: Eine schöne Geschichte, die zeigt, das Freundschaft auch trotz Distanz bestehen kann!

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198411, Preis: 20,00 Euro)

 

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Am Hügel von Capodimonte von Wanda Marasco

Klappentext

Neapel, Italien: Rosa spricht zu ihrer eben verstorbenen Mutter Vincenzina. Und sie erzählt: Wie Vincenzina, eine Analphabetin vom Land, in die Großstadt flieht und Rafele trifft, den Sprössling einer großbürgerlichen Familie. Mitten in den Kriegstrümmern blüht eine verbotene Liebe auf. Rafeles Mutter bietet ihr Geld an, um sie für den zurückgenommenen Heiratsantrag zu entschädigen – und sie loszuwerden. Doch Vincenzina bleibt an Rafeles Seite, der sie mit seinen Affären zur Verzweiflung treibt. Ist das Liebe? Oder ein Fluch, der über Generationen hinweg bestehen bleibt? Wanda Marascos Familiensaga ist eine literarische Sensation, selten hat man die Seele einer Stadt, in der Schönheit und Hölle nebeneinanderstehen, so zauberhaft erzählt.

Ich habe mich an dieser Stelle ganz bewusst für den Klappentext entschieden, da ich dieses Buch nach 100 Seiten abgebrochen habe. Ich habe dieses Buch einfach nicht verstanden. Es war mir zu viel mystisches, zu viel angedeutetes und unausgesprochenes. Keine Ahnung was mir die Autorin erzählen möchte. Dennoch möchte ich diesem Buch eine Chance geben, deshalb hier der Link zu einer wirklich tollen Besprechung zum Buch von Litblogkoeb https://litblogkoeb.de/am-huegel-von-capodimonte-wanda-marasco/

Fazit: Leider kann ich abschließend nichts zu dem Buch sagen. Vielleicht lese ich es irgendwann noch einmal.

(Paul Zsolnay, ISBN: 9783552059023, Preis: 22,00 Euro)

 

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Dem Tod so nahe

Piper
Fester Einband
256 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.06.2018
ISBN: 9783492058896
Preis: 22,00 Euro

Klappentext
Von Anfang an bestimmt der Tod ihr Leben: als Maggie O’Farrell im Alter von acht Jahren beinah an einer unbekannten Virusinfektion stirbt, als sie mit 15 aus Übermut und Freiheitsdrang einen törichten Fehler begeht; als sie in der Idylle des Lake District eine zutiefst verstörende Begegnung hat. Oder als sie in einer unterbesetzten Klinik mit inkompetenten Personal bei der Geburt ihrer ersten Tochter fast stirbt. An den unterschiedlichsten Orten, zu unterschiedlichsten Zeiten lenkt der Tod das Leben der Schriftstellerin Maggie O’Farrell. Ihre tiefgründige, außergewöhnliche Geschichte stellt existenzielle Fragen: Wie handle ich, wenn ich in tödliche Gefahr gerate? Was steht für mich auf dem Spiel? Und, nicht zuletzt, wer werde ich danach sein?

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In siebzehn kurzen Geschichten, die in der Zeit hin und her springen, aber immer einem Körperteil gewidmet sind, erzählt O’Farrell von ihren Begegnungen mit dem Tod. Manche Geschichten sind sehr intim, wie zum Beispiel die fast Vergewaltigung und der Ermordung durch den Täter. Andere Geschichten wirken eher distanziert. Zu Anfang fand ich die Geschichten so lala. Eine Anreihung von Ereignissen, in denen die Autorin von Situationen schreibt, in denen sie dem Tod knapp entgangen ist. Für mich waren das jedoch zuerst einmal „normale“ Alltagssituationen. Doch mit jeder Seite mehr, verfiel ich dem Sog der Geschichte und plötzlich war da nichts banales mehr. Fast jede sogenannte Begegnung mit dem Tod haben O’Farrell weiteres Leben geprägt. Mal mehr, mal weniger.

„Fast gestorben zu sein ist nichts Einmaliges oder Besonderes. Der Tod begegnet uns ständig; wohl jeder, wage ich zu vermuten, war ihm schon einmal nahe, vielleicht ohne es zu merken. Der Luftzug des Lasters, der zu dicht an einem Fahrrad vorbei fegt, der übermüdete Arzt, der die Dosis in letzter Sekunde noch einmal überprüft (…)Wir gehen, alle miteinander, mehr oder weniger blind durchs Leben, entkommen, ohne es zu ahnen, immer wieder durch die Hintertür, entrinnen unserem Schicksal von einem unserer gezählten Tage auf den anderen und sehen die Axt nicht, die über uns schwebt. (…) Wenn wir diese Momente in unser Bewusstsein einlassen, dann verändern sie uns. Wir können versuchen, sie zu vergessen, sie abzutun, sie auf die leichte Schulter zu nehmen, aber sie sind schon Teil von uns, ob wir wollen oder nicht.“ (Seite 35/36)

Ich habe diese eine Passage aus dem Buch ausgewählt, weil sie alles sagt. Nachdem ich das Buch weggelegt habe, habe ich mein Leben reflektiert, und ja …. auch ich hab die ein oder andere „Todesnahe Erfahrung“ gemacht, und ja … die ein oder andere hat mich geprägt. Ich denke wenn man jung ist, dann ist es so, wie oben beschrieben … es ist nichts Besonderes, wir nehmen es auf die leichte Schulter, bemerken es nicht einmal. Doch ich glaube, je älter man wird, desto mehr realisiert man solche Begebenheiten und lässt sie mehr in sein Bewusstsein ein. Und wenn dann, wie bei O’Farrell ein Kind betroffen ist, dann ist man sensibilisiert und achtet auf solche Vorfälle.

Als ich das erste Mal von einer Wespe gestochen wurde, war ich zwanzig. Ich reagierte mit einem anaphylaktischem Schock (was ich nicht wusste, da ich die Symptome nicht kannte) und ich hatte das große Glück, dass gleich nebenan eine Ärztin wohnte. Sie gab mir mehrere Spritzen und sagte fünf Minuten später und ich wäre tot gewesen. Damals habe ich darüber gelacht, mich schnell erholt und das Ganze vergessen. Im weiteren Verlauf meines Lebens bin ich noch zwei Mal wegen einem anaphylaktischem Schock durch Wespenstiche im Krankenhaus gelandet. Beide Male hatte ich Glück. Und jede Erfahrung hat mich ein Stück nachdenklicher gemacht. Hat mir gezeigt wie schnell ein Leben enden kann.

O’Farrells Geschichte ist eine Geschichte, die mich daran erinnert wie kostbar unser Leben ist, und das wir jeden Tag so leben und genießen sollten, als wäre er der letzte.

Unbedingt lesen!!!

Kurz & Knapp … Juni 2018

Miss Gladys und ihr Astronaut von David M. Barnett

Gladys ist um die siebzig und sollte für ihre Enkel, Ellie und James sorgen, da die Mutter verstorben ist und der Vater im Knast sitzt. Doch das Ganze ist nicht so einfach, da Gladys immer öfter erste Anzeichen einer Demenz zeigt. Ellie kümmert sich um alles, und versucht auf biegen und brechen die Stellung zu halten, damit niemand etwas bemerkt da die Kids sonst im Heim landen.

Tom Major hat die Schnauze voll, von allem und jedem. Da trifft es sich gut, dass der Astronaut, der zum Mars fliegen soll, plötzlich umkippt und tot ist. Kurzerhand springt Tom ein und befindet sich plötzlich auf dem Weg zum Mars. Auf dem langen Weg dorthin befällt ihn Langeweile und er versucht seine Exfreundin anzurufen und landet aber bei Gladys. Die beiden unterhalten sich, nichtsahnend, dass Tom bald zum Retter der ganzen Familie wird.

Zuerst einmal muss ich etwas zum Cover loswerden. Das ist das schlimmste Cover ever und schreckt den/ die Leser ab. Ich frage mich was der Verlag sich da gedacht hat. Das Cover entspricht in keinster Weise dem Inhalt des Buches. Es vermittelt den Eindruck von Kitsch und seichtem Inhalt. Das ist es aber nicht.

Es geht in dieser Geschichte um den verzweifelten Kampf einer Familie ums Überleben und den Zusammenhalt. Gladys spürt von Tag zu Tag mehr, dass sie ihr Gedächtnis verliert. Sie muss aber ihre Sinne beieinander halten, damit die Kids nicht ins Heim kommen. Ellie arbeite neben der Schule in verschiedenen Jobs, und das, obwohl sie erst fünfzehn ist. Und James fühlt sich einfach nur verloren ohne Vater und Mutter. Und als plötzlich alles aufzufliegen droht, hilft Major Tom aus dem All.

Fazit: Eine unterhaltsame Geschichte mit unerwarteten Wendungen und am Ende hab ich sogar ein Tranchen im Auge gehabt. Bitte nicht vom Cover und Titel abschrecken lassen!!!

(Ullstein Taschenbuchverlag, ISBN: 9783548289540, Preis: 15,00 Euro)

 

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Lavendelträume von Gabriele Diechler

Nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Mutter findet Julia in einem geheimen Postfach ein sehr kostbares Parfum und einen Liebesbrief. Julia ist im ersten Moment irritiert, da sie die Ehe ihrer Eltern immer als perfekt gesehen hat. Welches Geheimnis hatte ihre Mutter und wer ist Antoine? Ihre Recherche ergibt, dass es sich um einen Parfümeur in Frankreich handelt. Sie nimmt Kontakt auf und reist kurzerhand nach Frankreich. Dort angekommen trifft sie auf Nicolas, dem Sohn von Antoine, und muss von ihm erfahren, dass Antoine verstorben ist. Julia zeigt ihm das Parfum und die Botschaft an ihre Mutter, und sie versuchen gemeinsam hinter das Geheimnis zu kommen.

Was für eine schöne Geschichte. Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Gabriele Diechler schafft es wieder einmal mich mit ihrer Geschichte um Julia und Nicolas in den Bann zu ziehen. Ich konnte den Flair der Provence spüren und den Duft des Lavendels riechen. Ich erfahre einiges über die Herstellung von Parfüm, was ich sehr interessant fand.

Fazit: Ein sehr schöner Sommerroman, der perfekt in die jetzige Lavendelblüte passt. ♥♥♥

(Insel Verlag, ISBN: 9783458363507, Preis: 9,95 Euro)

 

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Wir müssen reden von Sibylle Luithlen

„Wir müssen reden“ ist der Anfang eines Satzes, den kein Paar gerne hört. Doch genau diese Worte spricht Lars zu Feline. Er bittet sie um eine Beziehungspause, da er eine andere Frau kennen gelernt hat. Feline ist schockiert und versucht zunächst wie immer weiter zu machen. Sie bricht ihr Referendariat als Deutschlehrern ab und flüchtet.

In Rückblenden erzählt die Autorin von dem ersten Treffen zwischen Lars und Feline, von ihren Ängsten Gefühle zuzulassen, da beide in ihrer Kindheit erlebt haben, wie es enden kann, wenn man zu viel Gefühle zeigt. Die Geschichte zeigt weiterhin das Beziehungsgeflecht der beiden auf. Feline ist „eifersüchtig“ auf Lars angebliche Unabhängigkeit, da er sich kaum um die Tochter und den Haushalt kümmert. Feline ist dauergestresst, weil sie sich neben ihrem Beruf noch um alles andere kümmern muss. Das allerdings ist Felines Empfinden und sieht in der Wirklichkeit des Buches etwas anders aus.

Fazit: Ich fand das Buch mega anstrengend und Felines Gejammer ging mir echt auf die Nerven. So was von „weinerlich“ und immer sind die anderen schuld … An dieser Stelle wie immer, das ist meine Meinung, macht Euch bitte Eure eigene zu diesem Buch.

(DVA, ISBN: 9783421047953, Preis: 20,00 Euro)

 

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Das Feld von Robert Seethaler

Ein alter Mann sitzt auf einer Bank auf dem Friedhof und lauscht den Geschichten der Menschen in ihren Gräbern. Es sind Geschichten von Menschen, die alle im Ort Paulstadt gelebt haben, und deren Leben sich auf irgendeine Art und Weise mehr oder weniger gekreuzt haben. Mehr möchte ich zum Inhalt nicht sagen, da es ein dünnes Büchlein ist, und sonst zu viel verraten wird.

Dies war mein erster Seethaler und ich hatte mich echt darauf gefreut, da ich immer wieder von anderen gehört und gelesen habe, das Seethaler ein toller Autor sei. Leider wurde ich sehr enttäuscht. Vielleicht liegt es daran, dass ich etwas vollkommen anderes erwartet habe. Ich wusste, es geht um den Tod. Erwartet habe ich eine leicht angehauchte philosophische Geschichte über den Tod und seine Auswirkung auf die Hinterbliebenen. Bekommen habe ich eine „Tratschgeschichte“. Ihr wisst schon, so von wegen der hat dies und jene hat das. Nur hier tratschen nicht die Lebenden sondern die Toten.

Fazit: Sehr schade, aber ich werde es sicherlich noch mit einem anderen Seethaler versuchen. Auch hier gilt, es ist meine Meinung. Bitte macht Euch Eure eigene zu diesem Buch, das es viele gibt, die dieses Buch toll fanden.

(Hanser Berlin, ISBN: 9783446260382, Preis: 22,00 Euro)

 

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Häuser aus Sand von Hala Alyan

Die palästinensisch-amerikanische Autorin erzählt in ihrem Romandebüt die Geschichte einer Familie über vier Generationen während des Nahostkonflikts, beginnend in den Sechzigern bis in die heutige Zeit. Die Geschichte verläuft chronologisch und wird immer aus der Perspektive eines Familienmitglieds erzählt. Ein Stammbaum der Familie zu Beginn des Buches macht es mir als Leserin einfacher, zu sehen wer ist wer.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich ein wenig Probleme mit der Hintergrundgeschichte, dem Nahostkonflikt hatte. Mir ist dieser Krieg und den damit verbundenen Geschehnissen nicht so präsent. Daher war für mich eher die Familiengeschichte im Vordergrund. Die Suche nach Heimat und Wurzeln. Da die Familien immer und immer wieder aus ihren Heimatdörfern vertreiben wurden, war es für dies nicht möglich. Den Titel fand ich daher sehr passend. Die Heimat verrinnt immer und immer wieder wie Sand zwischen den Fingern. Wurzeln zu schlagen ist einfach unmöglich. Trotz der multikulturellen Familie, die sie zum Schluss ist, ist es für die Familie immer noch schwer im Nahen Osten Heimat zu finden.

Fazit: Ein sehr gelungenes Debüt!

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198558, Preis: 24,00 Euro)

 

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Über mir die Sonne von Alessio Torino

Tina, ihre Mutter und ihre Schwester Bea verbringen den Urlaub auf einer kleinen Insel. Es ist der erste Urlaub ohne den Vater. Der hat die Familie verlassen und lebt mit seiner Musikschülerin zusammen. Für Tina ist die Trennung nicht so schmerzvoll, wie für den Rest der Familie. Sie hat genug mit sich und ihrem Erwachsenwerden zu tun, den Tina steckt mitten in der Pubertät und erfährt das erste Mal die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts. Neben den dreien gibt es noch andere Urlauber, die mir mehr als suspekt waren. Irgendwie alle ein bisschen kaputt und somit kein guter Umgang für Tina.

Ehrlich gesagt habe ich die Botschaft des Autors nicht wirklich verstanden. Laut Klappentext geht es um den Verlust des Vaters und dem damit verbundenen Ende einer Familie. Ich habe erwartet, das Torino den Verlust und die Trauer aufarbeitet, doch ich erlebe Tina, Bea und die Mutter als vergnügte Urlauber auf einer Insel unter leicht durchgeknallten Leutchen. Vieles wird angedeutet, aber nicht wirklich ausgesprochen und das Ende hat mir nur eine großes Fragezeichen im Kopf hinterlassen.

Fazit: Das war nix! Wie schon heute zwei Mal erwähnt … meine Meinung usw. …

(Hoffmann und Campe, ISBN: 9783455001471, Preis: 18,00 Euro)

 

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Die Exilantin

Blumenbar
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
18.05.2018
ISBN: 9783351050504
Preis: 18,00 Euro

Klappentext
In diesem autobiografischen Debüt erzählt Maryam Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, vom Kampf der Eltern für den Kommunismus und davon, wie sie ihr Spielzeug an die Kinder im Viertel verschenken muss. Heimlich vergrub sie die Lieblingssachen im Garten und steckte sie später in den Koffer für Frankreich. Hier sollte das neue Leben anfangen – ohne Kampf, ohne Gefängnis. Aber die kleine Maryam fühlt sich fremd, weil alles fehlt: die eigene Sprache, echte Freunde, die geliebte Großmutter. In Paris sind die Hände des Vaters plötzlich nutzlos, die Augen der Mutter müde. Als junge Frau fährt Maryam nach Teheran zurück, verliebt sich und bricht mit allem.

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Da dies nur ein kleines Büchlein ist, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter auf den Inhalt eingehen, da sonst zu viel verraten wird.

„Wir sind farbige Sternschnuppen auf einer grauen Leinwand.“ (Seite 207)

Was für ein ungewöhnliches Debüt. Maryam Madjidi beschreibt auf sehr poetische und im Aufbau des Buches sehr ungewöhnliche Art ihr Geschichte. Eine Geschichte von Flucht mit den Eltern ins Exil nach Frankreich. Von ihrer schwierigen Zeit der Eingewöhnung und der Verweigerung die neue Sprache zu lernen. Dann der Umschwung. Sie will mit ihren Wurzeln brechen. Will nicht mehr das persische, nur noch das französische. Doch in beiden ist sie nicht wirklich zu Hause.

Ich konnte Madjidis innere Zerrissenheit spüren, die Suche nach Heimat und Identität, nicht zu wissen wohin man gehört …

Das ungewöhnliche an diesem Buch ist, dass Maryam Madjidi auch verschiedenen Dingen, wie Sprache oder Gegenständen ein Wort gibt. Es ist eine Mischung aus Phantasie und Realität, gepaart mit einer wundervollen poetischen Sprache, die diese Autobiografie zu etwas besonderem machen.

Wenn ich all die schönen Textstellen rausgeschnitten hätte, wäre vom Buch nichts mehr übrig geblieben. Vor allem die Gedichte, ganz besonders „Es war einmal“ auf den letzten beiden Seiten, sind einfach wundervoll.

Unbedingt lesen!!!

„Eine Girlande aus Wörtern in einem Baum bin ich, auf die ein Kind zeigt.“ (Seite 221)

Die Tragödie von Idaho

Hanser Berlin
Fester Einband
384 Seiten
Erscheinungsdatum:
19.02.2018
ISBN: 9783446258532
Preis: 24,00 Euro

Klappentext
An einem einzigen Tag hat Wade alles verloren, was er liebte. May, die kleine Tochter ist tot, ihre ältere Schwester June verschollen, seine Frau Jenny zu lebenslanger Haft verurteilt im Gefängnis. Und nun raubt eine früh einsetzende Demenz ihm auch die Erinnerung. Bald wird er nicht mehr wissen, welche Tragödie sich an jenem Augusttag im Wald abgespielt hat, wie seine Töchter hießen und seine Frau. Auch Ann, deren Liebe groß und wahrhaftig genug ist, um zu Wade in das schrecklich leere Haus im Bergland von Idaho zu ziehen, wird nie den Hergang der Tat erfahren. Aber mit jedem Tag, den sie mit Wade teilt, begibt sie sich tiefer in die Erkundung dessen, was damals geschehen ist, fügt Bruchstücke und Splitter zusammen, und nimmt schließlich Kontakt zu Jenny auf.

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„Sie lernte, mit seinen Aussetzern umzugehen. Manchmal spürte sie auch ohne ein Wort von ihm, dass es wieder so weit war. An einem sonnigen Herbsttag lag sie neben ihm auf der Wiese, und während er döste, spürte sie förmlich, wie sein altes Leben und seine Erinnerungen von seiner Haut abstrahlten und ihn verließen. Alles außer ihr. Auch sie streifte ihr altes Leben ab, um sein Gegenstück zu werden.“ (Seite 28/ 29)

An einem sonnigen Tag arbeiten Wade, seine Frau Jenny und die beiden Töchter May und June im Wald. Sie machen Holz im Wald und stapeln dieses auf dem PickUp. Doch plötzlich ist nichts mehr wie es war, denn Jenny hat May mit der Axt erschlagen und June ist verschwunden. Was ist passiert?

Ein Jahr später ist Wade mit Ann verheiratet. Sie haben sich im Klavierunterricht kennen und lieben gelernt. Ann stellt bei Wade eine beginnende Demenz fest. Doch bevor er alles vergisst, versucht sie Licht in das Drama zu bringen. Warum brachte Jenny ihre Tochter um? Wo ist June?

„Eine liebende Mutter, praktisch verschmolzen mit ihrem Kind (…). Hass und Liebe, vollkommen vermischt in jenen Augenblicken eines Flüsterns, wenn es auf die Worte nicht mehr ankommt, das Baby schon halb schläft und man es auf dem Klang der eigenen Stimme die letzten Meter ins Traumland tragen kann. Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt. Man kann es singen, so sanft man will, die Worte fletschen trotzdem die Zähne. Gott will nicht immer.“ (Seite 101)

Als ich anfing zu lesen, wusste ich nicht so recht, was mich erwartet. Ich war verwirrt, weil die Autorin ziemlich in der Zeit und der Geschichte springt, da sie nicht chronologisch erzählt. Eine echte Herausforderung. Ich habe mir sogar teilweise am Anfang Zeitabfolgen aufgeschrieben. Doch je weiter ich in die Geschichte eingetaucht bin, desto besser/ interessanter fand ich diese Art der Erzählung. Warum? Weil sie mir immer wieder andere Aspekte/ Blickwinkel zeigte.

Die Tragödie wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Jede*r Protagonist*in erinnert sich an andere Dinge und somit setzt sich nach und nach das Puzzel zusammen.

Ruskovich hat hier einen ganz besonderen Roman geschrieben. Wade verliert nach und nach durch seine Demenz die Erinnerung an die Tragödie, obwohl er sich immer an sie bzw. an seine Kinder erinnern möchte. Und Jenny, seine erste Frau, die die Tochter umbrachte, möchte vergessen und wird tagein tagaus im Gefängnis daran erinnert, welche Tat sie begangen hat.

„Sie denkt an Wade. Er hat seine Töchter verloren, aber auch die Erinnerung daran, sie zu verlieren. Nur seinen Verlust, den hat er nicht verloren. Der Schmerz lebt in seinem Körper weiter wie seine Unterschrift in seiner Hand.“ (Seite 240)

Die Demenz und das Vergessen an sich stehen in diesem Buch im Vordergrund. Ein für mich sehr gelungenes Debüt der Autorin Emily Ruskovich.

Auch wenn man sehr konzentriert lesen muss, lohnt sich dieses Buch auf jeden Fall!!!

As soon as possible

Paul Zsolnay Verlag
Fester Einband
144 Seiten
Erscheinungsdatum:
14.05.2018
ISBN: 9783552063631
Preis: 16,00 Euro

Klappentext
Es ist ein ziemlich übler Tag im Leben von Anton, der jahraus, jahrein Schulkinder und andere Passagiere aus den Dörfern in die Stadt und wieder zurück bringt. Vor kurzem hat er sich verliebt: in Doris, seine Nachbarin. Doch letzte Nacht hat er auf ihrem Balkon einen Mann husten gehört. Dann steigt auch noch die krebskranke Carla in den Bus, die ein letztes Mal das Meer sehen möchte, und zwar: jetzt sofort. Es ist heiß, und die Gedanken rasen in Antons Kopf. Mut gehört nicht zu seinen Stärken, aber hatte Doris nicht gesagt, dass sie Männer mag, die sich etwas trauen? Wenig später hören die Fahrgäste im Linienbus eine Durchsage: „Wir fahren ans Meer.“

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“ (…), hatte Anton gerne alles unter Kontrolle. Beim Versuch, Schlaf zu finden, wirkte sich das allerdings nicht wahnsinnig positiv aus, denn das Wesen des Einschlafens ist Kontrollverlust. Man muss sich „Gehenlassen“ und „müssen“, das passt nicht zusammen.“ (Seite 17)

Busfahrer zu werden war Antons Kindheitstraum. Doch die Realität hat ihn eingeholt und er muss feststellen, dass ihn dieser Job nicht erfüllt. Er ist sich seiner Verantwortung bewusst und so fährt er tagaus und tagein die Menschen vom Dorf in die Stadt. Er kennt seine „Pappenheimer“. Als nun eines Tages Carla, eine „Stammkundin“ die schwer krebskrank ist, ihn bittet sie ein letztes Mal ans Meer zu fahren, kommt Anton in eine Zwickmühle. Er kann doch nicht mit dem Bus von seiner täglichen Route abschweifen. Was wird sein Chef sagen? Und die anderen Fahrgäste? Anton beschließt einmal im Leben etwas Verrücktest zu machen, koste es was es wolle und wenn’s auch der Job ist. Eine abenteuerliche Fahrt ans Meer beginnt …

„“Zeitnah“, über das Wort hatte Anton schon öfter nachgedacht. Ist denn Zeit nicht immer nah? Ist sie nicht sogar so nah, dass sie schon wieder vorbei ist, wenn man gerade bei ihr ankommt?“ (Seite 23)

Ich hab schon einige Bücher von René Freund gelesen. Und auch dieses Buch hat mich wieder begeistert. Freund zeichnet seine Protagonisten mit so viel Wärme und Herzensgüte, dass man ihnen fast alles durchgehen lässt. Beim Lesen konnte ich Antons Zerrissenheit förmlich spüren. Als überrkorrekter Mensch soll er plötzlich „Regeln“ brechen, und dass ihm das nicht leicht fällt ist irgendwie nachvollziehbar. Doch Carla ihren letzten Wunsch zu erfüllen ist ihm letztendlich wichtiger als alles andere.

Mut zu zeigen, sich für andere einzusetzen wenn es nötig ist, auch über die eigenen Bedürfnisse hinaus, seinen Weg zu gehen und sich nicht immer alles gefallen lassen … das sind die Parameter in diesem Buch.

Auch wenn es jetzt auf den ersten Blick so aussieht …. dieses Buch ist keines von den „kitschigen alles ist schön Bücher“. Allein durch die zum Teil philosophischen Ansätze ist es ein MutMachBuch, eine TrostBuch, ein GuteLauneBuch … ein Buch für alle, die einmal etwas in ihrem Leben wagen möchten …

Unbedingt lesen!!!