Sophie und Alex

 

Heyne Verlag, ISBN 9783453271036, Preis: 14,99 €

Rückentext
Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht. Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der  Geburt im Stich gelassen hat, und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich. Bis auf Sophie.
Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt. Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem. Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend. Bis ein Kuss alles verändert …

∗∗∗∗∗

„Weil es beschissen ist, jemandem so ähnlich zu sehen, den man hasst. Oder hassen sollte. Jemandem, den man eigentlich nicht kennt und trotzdem vermisst. Jemandem, der etwas ganz tief in einem drin kaputt gemacht hat und von dem man sich dennoch wünscht, dass er eines Tages zurückkommt und einem sagt, dass er einen lieb hat. Menschen gehen. Manchmal körperlich – Lukas -, manchmal emotional – Papa – und manchmal beides – meine Mutter.“ (Seite 21)

Sophie wächst bei ihrem Vater auf, denn ihre Mutter hat die Familie kurz nach Sophies Geburt verlassen. Vater und Tochter verstehen sich gut. Sophie hat einen besten Freund, Lukas. Alles scheint in bester Ordnung zu sein. Doch dann verliebt sich Sophies Vater in eine Kollegin und will zu ihr und ihren Kindern nach München ziehen. Sophie ist entsetzt. Ihr Leben ist schon kompliziert genug, und nun soll sie ihren besten Freund verlassen um in eine Stadt zu einer Familie zu ziehen, die sie gar nicht will. Doch leider hat Sophie keine andere Option.

In der neuen Stadt fühlt sich Sophie vollkommen allein. Die neue „Mutter“ und „Brüder“ geben sich alle Mühe, damit Sophie sich einlebt. Doch die sperrt sich dagegen. Dann trifft sie das Mädchen aus dem Nachbarshaus und fühlt sich von Alex angezogen. Vorsichtig nähren sich die beiden an …

„Ich hatte noch nie eine beste Freundin, und ich habe auch keine vermisst, aber nach diesem Abend mit Alex – zwanzig Meter Luftlinie voneinander entfernt, lachend jede in ihrem Bett – weiß ich, dass ich in ihr jemanden gefunden habe, den ich behalten will.“ (Seite 159)

„Den Mund voll ungesagter Dinge“ ist der zweite Jugendroman von Anne Freytag, den ich gelesen habe. Den ersten „Mein bester letzter Sommer“ habe ich verschlungen. Darum war ich auf das neue Buch sehr gespannt.

Was soll ich sagen, auch den habe ich verschlungen. Sophie ist eine Protagonistin, die mir von der ersten Seite an ans Herz gewachsen ist. Ihre Verletzlichkeit, durch den Weggang der Mutter ausgelöst, versteckt unter einer Coolness, die bei den kleinsten Verletzungen zusammenbricht, macht sie so real. Jede Seite habe ich das Gefühlschaos in ihr spüren können.

In dem neuen Roman von Anne Freytag geht es um das Suchen und Finden der eigenen Sexualität. Mit Sophie schafft sie eine Protagonistin, die am Anfang nicht in der Lage ist Gefühle zu zulassen. Der Verlust/ Weggang der Mutter hat in ihr eine Grundangst vor Verlusten aufgebaut. Also schütz sie sich, in dem sie keine Gefühle aufkommen lässt. Doch als Sophie auf Alex trifft ist plötzlich alles anders. Bei Alex kann Sophie sich geben wie sie ist. Doch ein Mädchen kann/ darf doch kein Mädchen lieben. Das stürzt Sophie und auch Alex, die einen Freund hat, in ein Gefühlschaos.

Anne Freytag schafft es mit einfühlsamen und sensiblen Worten dieses Gefühlschaos zu beschreiben. Als Leserin kann ich es förmlich spüren. Mit jeder Seite fiebere ich mit Sophie, wie es weiter geht. Schafft sie es? Kann sie endlich ihren Platz im Leben finden? Und Alex … wird sie an Sophies Seite sein?

„Ich wollte mich immer verlieben. Ich wollte das alles fühlen. Ich wollte überschwemmt werden von Emotionen, die ich nicht verstehe. Die ich nicht erklären kann. Ich wollte mich in jemandem verlieren und gleichzeitig in ihm wiederfinden. Ich wollte jemanden, der über mein Gesicht hinaussieht und mich auch dann noch liebt. wenn ich es am wenigsten verdient habe, weil ich es nämlich genau dann am meisten bräuchte. Ich wollte, dass jemand sich Schicht für Schicht bis zu meinem panischen Herzen vorarbeitet, weil ich es ihm nur dann schenken kann. Und ich wollte, dass es jemand ist, der es verdient hat. Jemand, der bleibt. Jemand, der mich so küsst, dass ich aufhöre zu denken. Dass ich nur noch aus Lippen und Hände bestehe. Jemand, mit dem der Film in meinem Kopf und die Realität endlich übereinstimmen. Mit dem ich ausnahmsweise mal wirklich komme und dem ich es nicht nur vorspiele. Jemand, mit dem ich reden kann. Und lachen. Und nackt sein. Einfach jemand, mit dem ich gerne ich bin. Wer auch immer das sein mag.“ (Seite 217)

Dieses Buch ist ein Coming-out Roman, der sehr gefühlvoll, sensibel und in meinen Augen real geschrieben ist. Ich wünsche mir viele Leser*innen für diese tolle Geschichte und kann nur sagen … unbedingt lesen!

Liebe Anne, vielen Dank für dieses wundervolle Buch und die tolle Zeit mit Sophie und Alex. Ich habe Sophie in mein Herz geschlossen und am Ende mit ihr geweint ♥♥♥

Von ewiger Jugend und Schönheit

dtv-Klassiker, ISBN: 9783423142076, Preis: 8,90 €

Rückentext
Dorian Gray ist jung, schön und unverdorben. Beim Anblick seines Porträts äußert er den „wahnsinnigen Wunsch“, das Bildnis möge an seiner Stelle altern, er selbst ewig makellos jung bleiben. Er ahnt nicht, was das für Folgen hat.

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„Ich bin auf alles eifersüchtig, dessen Schönheit nicht stirbt. Ich bin eifersüchtig auf das Porträt, das du von mir gemalt hast. Warum soll es behalten, was ich verlieren muss? Jeder Augenblick, der vergeht, macht mich ärmer und das Bild reicher. Ach, wenn es doch umgekehrt wäre! Wenn sich das Bild verändern würde und ich könnte so sein, wie ich jetzt bin! Warum hast du es bloß gemalt? Eines Tages wird es mich verspotten – schrecklich verspotten!“ (Seite 42/42)

Die Geschichte ist schnell zusammen gefasst. Der Maler Basil Hallward malt ein wunderschönes und zugleich sein bestes Porträt aller Zeiten. Zu sehen ist der junge Dorian Gray. Beim Anblick seines Porträts hat Dorian nur einen einzigen Wunsch … er möchte zeit seines Lebens immer so wunderschön und jung aussehen wie auf diesem Bild. Im weiteren Verlauf der Geschichte trifft  Dorian auf den Lebemann Lord Henry. Dieser zeigt Dorian ein Leben im Überfluss. Diese Leben prägt Dorian. Er geht sogar letzteendlich über Leichen.

„Das Geheimnis des Jungbleibens besteht darin, nie eine Empfindung zu haben, die einem nicht gut zu Gesicht steht.“ (Seite 120)

Ehrlich gesagt habe ich noch nie etwas von Oscar Wilde gelesen. Doch die Damen aus dem Lesekreis wollten dieses Buch unbedingt lesen. Also musste ich den „sauren Apfel“ beißen. Vier Wochen hatte ich Zeit und es lag auf meinem Nachttisch und lag dort und lag dort … Vier Tage vor dem nächsten Lesekreis Abend habe ich dann angefangen das Buch zu lesen. Alles in mir sträubte sich … doch dann habe ich es fast verschlungen, denn es war gar nicht so „staubig“ und „trocken“ wie ich vermutet hatte. Es war mega spannend, hatte zwar ein paar Längen, doch das Ende hat mich dann echt fasziniert.

„Er spürte, dass die Zeit gekommen war, sich zu entscheiden. Oder war die Entscheidung bereits gefallen? Ja, das Leben hatte für ihn entschieden – das Leben und seine unendliche Neugier auf dieses Leben. Ewige Jugend, unendliche Leidenschaft, geheime subtile Genüsse, wilde Freuden und noch wildere Sünden – all diese Dinge würde er haben. Die Last seiner Schande würde das Bild tragen.“ (Seite 148/ 149)

„Das Bildnis des Dorian Gray“ ist Wildes einziger Roman. Von der ersten Seite an, hat mich die Sprache die Wilde benutzt in ihren Bann gezogen. Der Wunsch nach ewiger Jugend und Schönheit … auch heute noch ein Thema in unserer Gesellschaft. Heute kann man mit Hilfe von Spritzen und Operationen nachhelfen. In der Zeit von Wildes Roman war das noch Wunschdenken. Doch was passiert, wenn der Wunsch Wirklichkeit wird? Was, wenn ein Bild anstatt ich selbst altere? Und was, wenn man ein Leben am Abgrund führt. Ein Leben voller Dekadenz und Gier? Wie passt das zu einem Bildnis, voller Schönheit und Unverdorbenheit?

Diesen „Konflikt“ beschreibt Wilde einfach phantastisch und unterhaltsam, bis hin zu einem Ende, das ich so gar nicht erwartet hätte.

Dann ergriff ihn jäher Hass auf die eigene Schönheit, die ihn ruiniert hatte, seine Schönheit und Jugend, um die er gebeten hatte. Ohne diese beiden Dinge hätte sein Leben unbefleckt bleiben können. Seine Schönheit war nur eine Maske für ihn gewesen, seine Jugend nur blanker Hohn. Was war denn Jugend im besten Falle? Eine grüne und unreife Zeit, eine Zeit der oberflächlichen Launen und blassen Gedanken. Warum hatte er ihre Livree angezogen? Die Jugend hatte ihn verdorben.“ (Seite 304)

 

4 von 5 Sternen

Ende und Anfang

Atlantik Verlag, ISBN: 9783455600568, Preis: 20,00 €

Klappentext
„Wer auf meiner Beerdigung weint, mit dem rede ich kein Wort mehr“, hat Lou oft gewitzelt. Auf der kleinen bretonischen Insel mochte sie jeder: Lou war eine verständnisvolle Mutter, eine lustige Großmutter, eine verlässliche Freundin und Nachbarin. Sie kochte miserabel, aber voller Liebe, hatte das lauteste Lachen und trank am liebsten Champagner.
Doch nun ist Lou tot – und die Familie droht auseinanderzubrechen. Jo war zwar ein liebevoller Ehemann, doch seine erwachsenen Kinder Sarah und Cyrian kennt er kaum. In ihrem Testament bittet ihn Lou, ihr einen letzten Wunsch zu erfüllen: Er soll das zerrüttete Verhältnis zu Sarah und Cyrian kitten und die beiden glücklich machen. Erst dann darf er ihren letzten Brief lesen – der versiegelt, natürlich in einer Champagnerflasche, auf ihn wartet.
Eine folgenschwere Flaschenpost und eine schwierige Mission. Doch zum Glück steht Jo seine patente Enkeltochter Pomme zur Seite, die Schicksal spielt. Und bald ist in Lous und Jos Familie nichts mehr, wie es war …

∗∗∗∗∗

„Der Notar geht unsere Kinder holen. Das wird ein Gemetzel. Du hast mir gerade die nächsten zwei Monate versaut meine Liebe. was bleibt mir noch, ohne dich? Die zweistellige Zahl unserer gemeinsamen Jahre und die hundertstellige unserer gemeinsamen Lachanfälle?“ (Seite 45)

Lou ist tot und hinterlässt viele traurige Menschen, die Jo auf den richtigen Weg bringen soll.

Sarah die Tochter der  beiden. Sie wurde nach einer schweren Erkrankung von ihrem Freund und zukünftigen Mann verlassen. Seither versucht sie der Liebe aus dem Weg zu gehen.

Cyrian der Sohn von Lou und Jo. Lou wusste Bescheid. Wusste von Dany, seiner Freundin, mit der er seine Frau Albane betrügt. Die beiden haben eine Tochter … Charlotte. Außerdem hat Cyrian noch eine Tochter, Pomme. Doch der Kontakt zu ihr ist sehr sporadisch. Lous Sohn hat kurz vor Pommes Geburt die Insel Groix verlassen und lebt seitdem in Paris.

Albane ist eine strenge Mutter, die Charlotte ständig unter Kontrolle hält.

Pomme liebt ihre Mutter und die Großeltern. Denn obwohl sie kaum Kontakt zu ihrem Vater hat, hat sie einen sehr engen Kontakt zur ihren Großeltern.

Und dann ist da noch Jo. Die Beiden haben sich unendlich geliebt. Seinetwegen ist Lou mit auf die Insel Groix gezogen und hatte dort ein schönes Leben.

„Wir sind eine sonderbare Familie. Du warst der Mörtel, Lou. Ohne dich bröckelt das Gebäude, wankt, um mit großem Getöse einzustürzen.“ (Seite 64)
„Du warst die Schönste. Du hast mir beigebracht, glücklich zu sein und mich überall wohlzufühlen. Ohne dich bin ich ein Trottel.“ (Seite 87)

Auf den ersten Blick sind die vielen Namen und Protagonisten verwirrend. Doch innerhalb der Geschichte haben alle ihren eigenen Platz. Abwechselnd erzählen sie aus ihrem Leben und dem Leben mit Lou. Sie lassen mich an ihrem Schmerz über den Verlust von Lou teilhaben. Dabei erfahre ich viele Details, die zuerst einen Blick in jedes einzelne Leben zulassen und später alle zu einem großen Geflecht innerhalb der Familie werden.

Mir hat das sehr gut gefallen. Diese kleinen Einblicke, die mich an manchen Stellen zuerst einmal verwundert, manchmal auch wütend gemacht haben. Doch dann, im Großen Ganzen konnte ich jeden einzelnen Protagonisten in seinem Handeln und Leben verstehen.

Fouchet gelingt es mit leisen und warmen Worten die Trauer und den Verlust  jedes einzelnen herauszuarbeiten, Ich fühlte mich allen sehr nah, doch Jo und Pomme waren die, die mein Herz am meisten berührt haben. Das mag sicherlich auch daran liegen, dass sie den größten Part in der Geschichte haben.

„Nicht die Kinder oder Enkel machen uns glücklich, sondern die Liebe, die sie hervorrufen, mit der man sie umgibt, die uns durchdringt.“
(…)
„Man kann nicht wissen, woran man einmal sterben wird, aber man kann entscheiden, wie man leben will.“ (Seite 358)

Ein zauberhafter Familienroman mit Charakteren, die von Fouchet liebevoll dargestellt werden, mit all ihren Ecken und Kanten, in einer Kulisse mit französischem Charme.

Unbedingt lesen ♥♥♥

 

4 von 5 Sternen

Zehn Tage im Februar … die kein Mensch braucht!

Blumenbar
Fester Einband
208 Seiten
Erscheinungsdatum:
19.01.2017
Preis: 18,00 €
ISBN: 9783351050375

Klappentext
Ein Mann hinterlässt seiner Frau einen Zettel: Er wird sie verlassen. Für zehn Tage. Danach werde man sehen. Die Frau schmeißt den zettel in den Müll, drapiert sich die Haare zum Dutt und zieht eine nachtblaue Robe an, denn es ist der Eröffnungsabend der Berlinale. Der Mann ist weg, aber die Filme kommen und mit ihnen die große Regisseurin Jane Campion, der einzige Mensch, dem sich die die Frau je wirklich verbunden gefühlt hat. Jane soll ihr helfen, sich zu entscheiden. Zwischen der Frau, die sie einmal war, die sich vom Scheich nach Cannes einladen ließ und die sich an nichts und niemanden band – außer an das Kino. Und der Frau, die sie geworden ist, die bittere Tränen in ihrem geschmackvoll eingerichteten Eigenheim vergießt, in deren Leben scheinbar alles an seinem Platz ist, aber rein gar nichts in Ordnung. Nach zehn Tagen kommt der Mann zurück. Die frau aber hat von Jane einen schwierigen Auftrag bekommen.

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Kennt ihr das? Da freut man sich auf ein Buch, weil der Klappentext interessant erscheint, dann liest man es und die Geschichte hinterlässt ein großes Fragezeichen. So erging es mir mit diesem Buch und ich habe lange gezögert und mich gewunden dazu etwas zu schreiben. Nun hier meine Meinung zu diesem Buch, und dem Hinweis bitte macht euch eure eigene Meinung.

Die beiden „Hauptprotagonisten“ bleiben ohne Namen. Das gibt es hin und wieder in Büchern, und doch kann man eine „Beziehung“ aufbauen. Anders hier. Die Frau bleibt für mich eine Person, die ich nicht greifen und auch nicht begreifen kann. Sie hat eigentlich ein tolles Leben. Einen Mann, einen tollen Job, ein Eigenheim usw. Dennoch ist sie unzufrieden. Als ihr Mann sie für zehn Tage (die Zeit der Berlinale) verlässt, hat die Dame nichts Besseres zu tun, als den Zettel (in meinen Augen ein Synonym für den Mann/ die Beziehung) in den Müll zu schmeißen, sich schick zu kleiden und sich ins Abenteuer zu stürzen. Kein Gedanken an den Mann oder die Beziehung. Egal. Fort damit. Es folgt ein Einblick in den Ablauf einer solchen Berlinale mit all seinen vielen Filmen (für Cineasten durchaus interessant). Zwischendurch ständiges Gejammer, das sie ihr altes ungezwungenes und ungebundenes Leben wieder haben möchte. Wobei sich hier die Frage stellt, war es wirklich so ungezwungen und ungebunden? Sie ließ sich von einigen Dame und Herren „aushalten“.  Nun denn … nach zehn Tagen war die Geschichte zu Ende, und ich mit meinen Nerven.

Ich habe immer und immer wieder gehofft, dass mich die Geschichte noch anspricht, doch leider hat es das nicht. Schade … sehr schade um die Lesezeit, die ich vergeudet habe.

 

2 von 5 Sternen

Die erste und die letzte Liebe

Diana
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
06.03.2017
Preis: 17,99 €
ISBN: 9783453291911

Klappentext
Beinahe wären sie einander nie begegnet: Marcel, der den Sternenhimmel liebt, und Marguerite, die nur dem Tag Schönheit abgewinnen kann. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Doch dann verlieren beide ihre langjährigen Partner. An diesem Wendepunkt in ihrem Leben treffen sie aufeinander und stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?

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„Der Vormund war ihr entrissen worden, fortan würde sie lernen müssen, ohne ihn auszukommen. Schritt für Schritt. Nur ein Teller auf dem Tisch, ein Löffel, eine Gabel, ein Messer, ein Glas, nur eine Serviette im silbernen Serviettenring und ganz alleine im großen Esszimmer.“ (Seite 26)

Marguerite ist 78 Jahre alt, als ihr Mann Henri stirbt. Das Paar war 55 Jahre verheiratet. Doch die Ehe war eine sehr distanzierte. Das Paar hat sich nach wie vor gesiezt und körperliche Nähe gab es selten. Dennoch haben sie einen Sohn. Frédéric. Henri ein angesehener Anwalt hat sich immer um alles gekümmert, Marguerite war das schmückende Beiwerk. Nun ist Henri tot und Marguerite was nicht wie sie das Leben ohne ihn meistern soll, da sie sich nie um die alltäglichen Dinge kümmern durfte. Doch dann tritt Marcel in ihr Leben …

Dabei sehnt sie sich nach Leichtigkeit und ein wenig Verrücktheit, wollte drei Schokoladen-Éclairs hintereinander verputzen, ohne Schirm durch den Regen spazieren. Sie sinniert über all das, was sie nie getan hat. Nun ist sie frei. Aber es ist zu spät.“ (Seite 48)

Anders bei Marcel. Er hat seine große Jugendliebe geheiratet. Nora. Beide sind glücklich und genießen ihre  Zweisamkeit. Dann passiert dieser dumme Badeunfall und Nora kommt ums Leben. Für Marcel bricht eine Welt zusammen und er droht an diesem Verlust zu zerbrechen. Doch dann tritt Marguerite in sein Leben …

„Er weigert sich Schlafmittel zu nehmen. Er möchte nicht betäubt werden. Solange es wehtut, ist sie da. Wenn er im Morgengrauen endlich einschläft, träumt er von ihren Küssen. Beim Aufwachen bricht die unerträgliche Wirklichkeit mit voller Wucht über ihn herein. Sie und er: miteinander verschlungene Fäden eines wertvollen Stoffs, der früher Tag für Tag weitergewoben wurde. Mit einem einzigen Hieb durchtrennt. Nicht mehr zu flicken.“ (Seite 57/58)

Marguerite und Marcel treffen in einem Thermalbad aufeinander. Die beiden nähern sich an, was den Kindern der Beiden gar nicht gefällt. Frédéric, Marguerites Sohn und eine Kopie seines Vaters kann nicht verstehen woher diese plötzliche Lebenslust seiner Mutter kommt. Er verlangt von ihr sich so zu benehmen, wie in der gemeinsamen Zeit mit dem Vater. Doch Marguerites Sehnsucht nach Leben und Leidenschaft ist geweckt und so ignoriert sie die Vorschriften und Vorwürfe des Sohnes. Und auch Marcel ignoriert die Bedenken der Familie um mit Marguerite ein neues Leben zu beginnen.

Sie lacht noch mehr, und ihn überrascht dieses Lachen eines kleinen Mädchens im Körper einer alten Dame.“ (Seite 86)
„Das Leben kann bisweilen zauberhaft und zart sein, auch das hatte sie zuvor nicht gewusst.“ (Seite 120)

Ich habe es geliebt, dieses Buch zu lesen. Am Anfang habe ich Marguerite nicht verstanden wie sie einen wie Henri heiraten und lieben konnte. Im Verlauf der Geschichte ist mir klar geworden, dass sie am Anfang geglaubt hat, dass es Liebe sei. Als Henri dann tot war, war es so berührend zu lesen wie Marguerite ihr verkrustetes Leben aufbricht. Wie ein Raupe, die aus ihrem Kokon schlüpft.

Die Autorin hat mit sehr viel Gefühl geschrieben. Das merkt man ganz besonders an der Stelle, als Marcel seien große Liebe Nora verliert. Das ist so intensiv, dass ich Marcels Schmerz spüren konnte.

Überhaupt ist diese ganze Geschichte einfach hervorragend. In einer Zeit in der wir immer älter werden, ist es ein Thema darüber nachzudenken wie man weiter leben möchte wenn der Partner stirbt. Darf man sich mit über 70 noch einmal verlieben? Oder gibt es nur einmal die große Liebe? Und ist es „schicklich“ im hohen Alter noch an Sexualität zu denken und diese auch zu haben? Lambert greift unter anderem dieses Thema auf und setzt es wundervoll um.

Die Geschichte von Marguerite und Marcel ist eine Geschichte die das Herz wärmt … ist wie heiße Milch mit Honig … wie Sonnenstrahlen, die die Haut kitzeln … einfach nur bezaubernd und sollte unbedingt gelesen werden. ♥♥♥

„Dieser Mann versetzt sie in Aufruhr. Wird sie seine Erwartungen erfüllen können? Wie lautet die Gebrauchsanweisung für die Liebe, wenn man nicht einmal mehr auf einen Stuhl steigen und eine Glühbirne wechseln kann? Männer werden reifer, Frauen älter.“ (Seite 203)

 

5 von 5 Sternen

Tolles Debüt!!!

Hoffmann und Campe
Flexibler Einband
288 Seiten
Erscheinungsdatum:
17.03.2017
Preis: 16,00 €
ISBN: 9783455000092

 

Klappentext
Luc Verlain liebt gutes Essen, Frauen und sein sorgenfreies Leben in Paris. Doch als sein Vater schwer erkrankt und niemand weiß, wie lange der Austernfischer noch zu leben hat, lässt Luc sich versetzen. Ausgerechnet nach Bordeaux in die Regien Aquitaine, von wo er als junger Polizist geflohen war. Und schon kurz nach seiner Ankunft erschüttert ein Mord die Gegend: Ein Mädchen liegt erschlagen am Strand. Schnell wird ein Tatverdächtiger festgenommen, doch die Bewohner des Heimatdorfs der Toten vertrauen der Polizei nicht und nehmen die Sache selbst in die Hand. Lucs Ermittlungen führen an die Strände und in die Weinberge der Region und zurück nach Paris, immer an seiner Seite: seine Kollegin Anouk, deren Charme er nur schwer widerstehen kann …

                                                                                                                 ∗∗∗∗∗

                                                                                                                                                    Ruppichteroth, 17.03.2017

Lieber Alexander,

vor ein paar Wochen zog ein Päckchen bei mir ein. Als ich es öffnete war ich erst einmal ein wenig sprachlos, dachte nur … och nö … ich lese doch keine Krimis. Als ich dann die beigelegte Karte aus der Aquitaine las war ich wirklich vollkommen sprachlos … was nicht so oft passiert 🙂

An dieser Stelle muss ich jetzt mal kurz die Mädels von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit  bei Hoffmann und Campe erwähnen. Ich bin immer wieder überrascht was ihr euch alles so einfallen lasst. Chapeau und merci  ♥♥♥

Zurück zur Postkarte. Sie war von keinem geringeren als Dir lieber Alexander. Mit ein paar lieben Grüßen in den Rhein-Sieg-Kreis und ein paar persönlichen Sätzen zur Erfüllung meines Traumes (wer hat Dir das denn geflüstert 🙂 )wünscht Du mir viel Spaß mit Comissaiere Luc.

Huch, jetzt war ich schon ein wenig „gebauchpinselt“. DER Alexander Oetker schreibt mir (!!!)  … und mindestens noch 100 anderen Leser*innen/ Blogger*innen  … eine Postkarte . Ich hab dann angefangen in Deinem Buch zu blättern. Als ich auf der letzten Seite Dein „Merci“ gelesen habe, war ich gerührt. Ich liebe Nachwörter in Büchern. Sie geben dem ganzen eine sehr persönliche Note. Natürlich bin ich dann sofort auf www.lucverlain.de gegangen. Die Seite von Luc und seinem Aquitaine  ist sehr schön und hat mich dann wirklich neugierig gemacht.

Tja, was soll ich sagen, ich habe angefangen, den ersten (!!!) Krimi meines Lebens (im zarten Alter von 53 Jahren) zu lesen.

Schon nach den ersten 50 Seiten war ich verliebt in die Aquitaine. Deine Beschreibungen von der Landschaft und dem Flair lässt mich glauben ich sei vor Ort. Luc mag ich von Anfang und ich kann ihn mir sehr gut vorstellen. Froh war ich, als Du sein kleines Geheimnis um Hélène am Ende auch lüftest. Ich hatte befürchtet, dass ich die Aufklärung erst im nächsten Buch bekomme.

Die Such nach dem Mörder war von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannend. Ich hatte natürlich auch zwei „Hauptverdächtige“, doch leider war der Mörder ein anderer. Erst kurz vor Schluss ahnte ich wer es ist. Super gemacht. An manchen Stellen habe ich auch gelacht. Zum Beispiel als Luc das erste Mal auf Etexberria (wird x geschrieben aber sch gesprochen) *ggg* Ich muss dazu anmerken, ich habe das Buch abends im Bett gelesen und dann eben versucht den Namen laut auszusprechen. Mein Mann fragte mich nach dem zehnten Versuch was ich denn da mache …
Aus Deinem Lebenslauf und der Bemerkung auf der vorletzten Seite Deines Buches weiß ich, dass Frankreich Dein Herzensland ist, und Du sehr viel Anteil an den Dingen die dort geschehen nimmst. Die lässt Du auch ein wenig in die Geschichte um Luc einfließen, ohne dass es „aufdringlich“ wird. Dinge wie die Anschläge auf Charlie Hebdo und dem Rassismus in diesem Land.

So, nun werde ich diesen Brief langsam schließen … Ich bin keine Krimiexpertin, doch ich kann sagen, ich habe Dein Buch, die Geschichte um Luc sehr gerne gelesen. Mich hat das Land und das „Savoir-vivre“ sehr angesprochen und dank Deiner wundervollen Beschreibung konnte ich für eine kurze Zeit an diesem wunderbaren Ort verweilen.

Ein wirklich tolles Debüt!!!

Ich weiß, Du arbeitest bereist an einer Fortsetzung und darauf freue ich mich jetzt schon. Vielleicht verschlägt es Dich einmal in den Rhein-Sieg-Kreis zu einer Lesung im Büchergarten … wer weiß …

Nun ist es Zeit Abschied zu nehmen …
Merci pour tout …
Drück Dich …
Angelika

P.S.: Ich wünsche Deinem Buch gaaaaaanz viele Leser!!!

5 von 5 Sternen

Psychothriller der Emotionen

Mare Verlag
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
07.03.2017
Preis: 22,00
ISBN: 9783866482562

Klappentext
Sie sind jung und verliebt und haben alles, was sie brauchen. Aber ihr Pariser Leben langweilt sie. Also nehmen Louise und Ludovic ein Sabbatjahr und umsegeln die Welt. Bei einem Ausflug auf eine unbewohnte Insel vor Kap Hoorn reißt ein Sturm ihre Jacht und damit jegliche Verbindung zur Außenwelt mit sich fort. Was als kleiner Ausbruch aus dem Alltag moderner Großstädter gedacht war, wird zum existenziellen Kampf gegen Hunger und Kälte. Nicht weniger aufreibend ist das psychologische Drama, das sich zwischen den Partnern entspinnt. Wer trägt die Schuld an der Misere? Wer behält die Nerven und trifft die richtigen Entscheidungen? Und was wird aus der Liebe, wenn es ums nackte Überleben geht?

∗∗∗∗∗

„Ludovic versucht, nicht ungeduldig zu klingen, aber sie geht ihm auf die Nerven mit ihren ständigen Sorgen. Hätte er auf sie gehört, wären sie jetzt nicht hier, majestätisch, vollkommen allein am Ende der Welt. Sie hätten das Schiff nicht gekauft und diese grandiose Reise gar nicht angetreten.“ (Seite 8)

Ludovic ist ein hipper Typ mit einem betuchten Elternhaus. Er liebt Partys, Frauen und das Leben.

Louise ist das genaue Gegenteil. Unscheinbar, die Tochter eines einfachen Kaufmannes und interessiert sich nur fürs Bergsteigen.

Eines Tages treffen die Beiden aufeinander und verlieben sich ineinander. Nach einem halben Jahr ziehen sie zusammen. Aber Ludovic ist ein unruhiger Typ, der das Leben spüren muss. Er hat das Leben in der Stadt satt, will die Welt umsegeln, will etwas erleben. Nach viele Gesprächen und unterschiedlichsten Argumenten schafft Ludovic es, dass Louise zustimmt und mit ihm ein Sabbatjahr einlegt, um die Welt zu umsegeln.

„Keiner kommentiert die Situation. Sie bewegen sich, das wissen beide, auf vermintem Gebiet, wo sie leicht in Streit geraten können: sie, die Vorsichtige, er, der Impulsive.“ (Seite 16)

Ein Freund hatte ihnen von dieser Insel und den tollen Gletschern erzählt. Obwohl diese unter Naturschutz steht und nicht betreten werden darf, machen sie auf ihrer Reise einen Abstecher dort hin. Während sie auf einem Berg rumkraxeln verschlechtert sich das Wetter und Louise mahnt zur Rückkehr. Doch wieder einmal gelingt es Ludovic Louises Bedenken zu zerstreuen. Plötzlich kippt das Wetter und ihnen bleibt nur eine Höhle, um sich vor dem Unwetter zu schützen. Als das Unwetter vorbei ist, bemerken sie, dass ihr Boot nicht mehr da ist. Sie sind auf der Insel gestrandet. Was jetzt? Der pure Überlebenskampf beginnt …

„Die Stille ist ein Nicht-Geräusch, wie Nicht-Existenz, die sie leben. Wie ein Albtraum, in dem alles verschwunden ist.“ (Seite 111)

Was für ein Hammer Buch!!! Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.

Schon nach den ersten Seiten hat die Geschichte mich gepackt, denn man ist von Anfang an mitten im Geschehen. Louise und Ludovic sind auf diese Insel gestrandet. Es geht ums Überleben. Und dieses Überleben schildert Autissier in einer Art und Weise, die mich zeitweise an meine emotionale Grenze gebracht hat. Ich bin schockiert, betroffen, angeekelt  und kann dennoch nicht aufhören zu lesen. Autissiers Stil ist klar, ohne Schnörkel. Sie verschont mich nicht, beschönigt nichts und dramatisiert nichts … und damit zieht sich mich in den Bann des Buches. Mit jeder Seite hoffe ich auf Rettung und denke schlimmer kann es nicht mehr kommen, doch es kommt noch schlimmer. Denn es geht um zwei Menschen, die um ihr Überleben kämpfen. Es geht um die Frage, wie weit geht der einzelne, um zu überleben?

„Die Angst hat das Allerwichtigste zerstört: ihre Gefühle, ihre Menschlichkeit.“ (Seite 113)

Dieses Buch ist definitiv eines der intensivsten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Ich bin immer noch voller Emotionen, wenn ich an die Geschichte denke.

„Herz auf Eis“ ein ganz außergewöhnliches und intensives Buch.

Chapeau Isabelle Autissier!

 

5 von 5 Sternen und Favoritenstatus