Neulich in der Buchhandlung … #18

Hallo Ihr Lieben,

heute habe ich einmal ein persönliches Anliegen, bzw. möchte Euch unsere neue Veranstaltung „Spätschicht“ vorstellen.

Vor einiger Zeit habe ich im Radio einen Beitrag aus Schweden gehört. Dort ist es Gang und Gebe, dass sich die Menschen nach Feierabend in den Büchereien des Ortes treffen. Die sind täglich bis 24.00 Uhr geöffnet. Dort treffen sich die Menschen um in Ruhe am PC zu arbeiten, mit Freuden zu plaudern, zu stöbern etc. Der Letzte, der geht, macht das Licht aus. Nun gut, die Skandinavier sind da auch etwas anders gestrickt als wir hier in Deutschland … sie vertrauen einfach darauf, dass niemand etwas mitgehen lässt.

Tolle Sache dachte ich mir, und habe überlegt warum geht das bei uns in Deutschland nicht? Oder so etwas ähnliches zumindest. Gut, ich führe keine öffentliche Bücherei, und PCs an denen man arbeiten könnte habe ich auch nicht. Aber ich führe eine Buchhandlung und somit einen Ort, an dem man sich begegnet und im besten Fall sich auch wohlfühlt. Hinzu kommt, dass auf dem Land die Geschäfte meist um 18.00 Uhr – 18.30 Uhr schließen, bis auf die großen Discounter.

Und so reifte der Gedanke immer weiter und weiter … und schließlich entschied ich mich es zu versuchen …

Ab dem 22. März 2019 wird es einmal im Monat die sogenannte „Spätschicht“ geben. An diesem Tag/ Abend haben wir bis 22.00 Uhr geöffnet. Aber nicht, um Bücher oder sonstiges zu verkaufen, sondern als Treffpunkt … zum plaudern, inne halten, schmökern, stöbern,  austauschen … mit Freunden oder auch alleine.  Natürlich kann man auch Bücher erwerben, aber darauf liegt für mich an diesen Abenden nicht der Fokus. Ich möchte die Buchhandlung an diesen Abenden zu einem Ort der Begegnungen machen.

Na, was haltet Ihr davon? Werden wir uns sehen? Ich würde mich sehr freuen!

Eure Angelika ♥

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Neulich in der Buchhandlung … #17

 

Hallo Ihr Lieben,

 

es gibt Tage, da möchte ich laut loslachen, weil das Erlebte so … ja wie soll ich es nennen … kurios, witzig, surreal …. ist. 🙂 Aber lest selbst …

 

Ein junger Mann betritt die Buchhandlung mit einem großen Karton unter dem Arm. Es ist kurz vor Ladenschluss. Er wirkt gestresst … gehetzt. Der junge Mann schmeißt (!) das Paket auf die Ladentheke.

„Können Sie mir das bitte einpacken?“

Ich bin etwas irritiert und antworte:

„Das ist aber kein Buch und auch kein NonBook Artikel den wir führen.“

„Stimmt. Das habe ich nebenan gekauft.“

Ich jetzt noch irritierter:

„Und warum lassen Sie es sich nicht dort verpacken?“

„Sie haben einfach schöneres Geschenkpapier als die von nebenan.“

Tja, was soll man da noch sagen. 🙂 Ich hab das Paket dann verpackt, und währenddessen kam heraus, dass es ein Geschenk für s Freundin ist. Der junge Mann wollte mir dann fürs verpacken 5 Euro geben, doch ich habe abgelehnt und ihm und seiner Freundin, unbekannter Weise, einen schönen Abend gewünscht. Er verließ die Buchhandlung mit einem strahlenden Lächeln.

 

Eure Angelika ♥♥♥

 

Der Junge, der zu viel fühlte von Lorenz Wagner

Europa Verlag
Fester Einband
216 Seiten
Erscheinungsdatum:
21.09.2018
ISBN: 9783958902299
Preis: 18,90 Euro

Klappentext
Als Henry Markram ein autistisches Kind bekam, zählte er bereits zu den berühmtesten Hirnforschern der Welt. Seine Methode, die misst, wie Zellen sich vernetzen, wurde internationaler Standard. Doch dann kam Kai. Und Fragen und Sorgen lagen auf einmal im Kinderzimmer, zwischen Teddybär und Mondlampe. Als Vater fühlte er sich ebenso hilflos wie als Forscher: Viel zu wenig wusste die Menschheit über Autismus und andere Störungen des Gehirns. Und so nahm Henry die Forschung selbst in die Hand, um das Rätsel Autismus zu ergründen. Nach Jahren gelang ihm der Durchbruch. Und seine Antworten stellten alles auf den Kopf, was man über Autismus zu wissen glaubte.

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„Autisten, so die gängige Meinung, haben ein Defizit. Es fehle ihnen an Empathie, sie hätten kaum Gefühle, hieß es in Expertenkreisen. Henrys Forschung zeigt das Gegenteil. Kai fühlt nicht zu wenig, er fühlt zu viel. Seine Sinne, sein Hören, Fühlen und Sehen, sind zu fein für diese Welt. Er muss sich zurückziehen, um sich vor dem Übermaß an Eindrücken zu schützen.“ (Klappentext)

Als Kai geboren wird, ahnt die Familie noch nicht was auf sie zukommt. Zuerst bemerken sie, dass Kai anders ist. Verschiedene Ärzte diagnostizieren ADHS. Doch Kais Vater Henry glaubt nicht so recht an diese Diagnose. Als dann eine befreundete Ärztin Autismus feststellt, ist die Bestürzung bei den Eltern groß. Henry Markram, ein erfolgreicher Hirnforscher, informiert sich auf allen Ebenen um herauszubekommen was für Kai am besten ist. Doch alles was sie „ausprobieren“ wirkt sich negativ auf Kai aus. Und so beschließt das Ehepaar Markram diese Form der Gehirnerkrankung zu erforschen. Doch es dauert Jahre, bis sie einen Ansatz finden um Kais Leben zu verstehen und ein wenig zu erleichtern …

Der Journalist Lorenz Wagner hat die Familie Markram über Monate hinweg begleitet und erzählt hier Kais Geschichte. Parallel dazu taucht er ein die Forschung des Vaters und dessen erstaunliche Erkenntnisse über Autismus.

Dieses Buch haben wir auf Wunsch einer Leserin im Lesekreis gelesen. Ich habe mich schon früher mal mit Autismus befasst. Aber dieses Buch ist anders. Obwohl kein reiner Roman, sonder eine Mischung aus Biografie und Sachbuch, habe ich dieses Buch verschlungen.

Das Leben dieser Familie dreht sich ausschließlich um Kai und dessen Autismus. Auf der einen Seite sicherlich belastend für die Familie, auf der anderen Seite aber auch sehr bereichernd. Mich hat es fasziniert, wie die Familie mit Kais Autismus umgeht, aber auch wie Kai sein Leben und die Familie reflektiert. Es gibt ein Kapitel, in dem Kai beschreibt was er fühlte, als seine Mutter ihn als Baby streichelte und wickelte. Ich war entsetzt darüber wie „stark“ und „überempfindliche“ er diese liebevollen Gesten wahrnahm. Diese Beschreibung hat mich wirklich tief getroffen und bewegt. Interessant war auch die Entwicklung von Kai. Man konnte förmlich spüren, wie auch er an sich arbeitete.

Neben dem Leben der Familie Markram mit Kai und seinem Autismus berichtet Lorenz auch über die Forschung des Vaters. Für mich auch wieder mega interessant. So zum Beispiel das Thema von Menschen mit Behinderung und Integration/ Inklusion. Hier ein kleiner Auszug zu diesem Thema:

„Israel ist ein Einwanderungsland. In den vielen Schulen vereinen sich Kinder aus aller Welt, viele Flüchtlinge, viele erst einmal benachteiligt – und bald Teil der Gesellschaft. Inklusion ist gewachsene Kultur. Und so ist in Israel vieles anders mit Menschen, die anders sind. Touristen in Rollstühlen wundern sich, wie leicht sie sich bewegen können, Firmen mit mehr als 25 Mitarbeitern müssen Behinderte einstellen, in der Digitalwirtschaft ist ein ganzer Zweig entstanden mit Firmen, die Anwendungen für Blinde, Taubstumme oder Autisten entwickeln. (…) Die Gesellschaft ist fürsorglich, ohne die „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ zu Empfängern von Fürsorge herabzuwürdigen. Diese Menschen dürfen der Gesellschaft etwas zurück geben. Selbst die Armee beschäftigt Autisten. In der Einheit 9900 – bekannt als „Die Augen Israels“ – haben sie eine wichtige Aufgabe. Sie werten Karten und Luftaufnahmen aus. Dank ihres fotografischen Gedächtnisses erkennen sie Truppen, Waffenlager und Raketenrampen, die andere nicht erkennen. (…) (Seite 109)

Die Professorin Joanne Ruthsatz hat festgesellt, dass Wunderkinder und Autisten sich eine Gen-Mutation auf Chromosom 1 teilen. Wer diesen Gendefekt in sich trägt kann entweder Wunderkind oder Autist werden. Eine weitere Studie aus 2012 stellt fest, dass es in der Hälfte von Familien mit Wunderkindern auch immer einen Autisten in der nahen Verwandtschaft gibt (Cousins, Großeltern, Geschwister)

Leider ist Autismus für viele immer noch ein Tabuthema, was ich sehr schade finde. Die Geschichte von Kai und seiner Familie macht Mut und ich hoffe das wir in der Zukunft damit offener umgehen können.

Kai und seiner Familie wünsche ich alles erdenkliche Liebe und Gute. Möge Kai seinen Weg in der Gesellschaft finden.

Danke an Lorenz Wagner für dieses offene und berührende Buch.

Unbedingt lesen ♥♥♥

„Lasst die Autisten sein, wie sie sind. Ihre Gehirne sind anders, und wir wollen doch nicht, dass das Gehirn von allen Menschen gleich ist. Wir wollen nur, dass sie gesund, glücklich und unabhängig sein können.“ (Seite 187)

Abendrot von Kent Haruf

Diogenes
Fester Einband
480 Seiten
Erscheinungsdatum:
23.01.2019
ISBN: 9783257070453
Preis: 24,00 Euro

Klappentext
Das Leben ist rau in Holt, Colorado. Es gehorcht den Rhythmen der Natur und den ungeschriebenen Gesetzen einen Kleinstadt. Hier kann man sich nicht aus dem Weg gehen, hier gibt es aber auch eine Gemeinschaft, die einen nicht im Stich lässt, wenn man einsam oder verzweifelt ist. Und jederzeit ist die Begegnung möglich, die alles verändert.
Betty und Luther versuchen am Existenzminimum, ihre Familie zusammenzuhalten. DJ und Dena, elf Jahre alt, schaffen sich in einem verlassenen Haus ein Ersatzzuhause. Und die großartigen McPheron-Brüder samt ihrer Ziehtochter Victoria treten wieder auf. Ein paar einsame Seelen, die trotz aller Unterschiede zueinanderfinden. Das ist der Zauber von Holt, Colorado.

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Vor ca. zwei Jahren habe ich mein erstes Buch von Kent Haruf gelesen. Es war „Unsere Seelen bei Nacht“ Was für ein wunderschönes Buch. Ich war sofort schockverliebt in die Sprache, die Atmosphäre und die Geschichte. Dieses Buch ist ein Buch für alle Fälle … wenn man traurig ist … um Mut zu machen … eine Liebesgeschichte …. eine Familiengeschichte … einfach etwas fürs Herz. Ich verkaufe dieses Buch sehr oft im Büchergarten und die Rückmeldungen waren bisher immer (!!!) nur positiv.

Danach kam, ein Jahr später Harufs zweites Buch „Lied der Weite“ heraus. Auf den ersten Blick ein ganz anderes Buch. Einzige Ausnahme … es spielt ebenfalls in Holt. Und das ist eine Art „Markenzeichen“ von Haruf … seine Bücher spielen alle in Holt, einer Kleinstadt in Colorado. Er hat in seinen Büchern einen kleinen Kosmos innerhalb seiner fiktiven Stadt Hold erschaffen. In Lied der Weite lerne ich ganz viele Menschen kennen. Die Brüder McPhereon und deren spätere Ziehtochter Victoria, die Lehrerin Maggie und ihren Kollegen Guthrie mit seinen beiden Kindern, und noch einigen mehr. Es geht in diesem Buch um den Zusammenhalt, den Sinn der Gemeinschaft und das Familie nicht immer Blutsverwandte sein müssen.

Und jetzt erschien „Abendrot“ … oh wie sehr habe ich mich darauf gefreut. Und was soll ich sagen …. es war wie bei einem Wiedersehen mit alten Freunden. Denn genau das passiert in diesem Buch. Ich treffe in Holt auf die Brüder McPherson … auf Victoria und ihre kleine Tochter … auf Maggie und Gutherie. Ich treffe aber auch auf ein paar neue Figuren, wie zum Beispiel Luther und seine Familie. Eine Familie, die am Existenzminimum lebt und versucht mit dem Leben und seinen Herausforderungen klar zu kommen. Da ist DJ, der sich rührend um seinen Gro0vater kümmert und ohne den er längst in einem Waisenhaus wäre. Und da ist Rose, die Sozialarbeiterin, die sich um eben diese Menschen kümmert. Auch in diesem Buch geht es um Menschlichkeit, die Fähigkeit sich für andere einzusetzen, auch wenn man dabei an seine eigenen Grenzen stößt.

In Harufs Büchern zu lesen ist wie nach Hause kommen. Man schlägt das Buch auf und taucht sofort ein, in diesen kleinen besonderen Kosmos von Holt. Ich habe beim Lesen immer das Gefühl, dass ich Teil davon bin. Und das bin ich … irgendwie, denn die Schicksale eines jeden einzelnen gehen mir ans Herz. Gerade in „Abendrot“ habe ich sehr geweint, als ein mir Vertrauter stirbt.

In meiner Recherche habe ich gesehen, das diese drei Bücher aus einer Reihe sind. Das „Unsere Seelen bei Nacht“ der fünfte und letzte Band ist. „Lied der Weite“ der erste und „Abendrot“ der zweite. Jetzt wünsche ich mir natürlich sehr, dass die anderen beiden Bände auch noch übersetzt und veröffentlicht werden. Es wäre so schön wieder nach Holt zu reisen, in diesen ganz besonderen Kosmos der Menschlichkeit und der Liebe … oder ganz einfach … nach Haus zu kommen. ♥♥♥

Kurz & Knapp … Januar 2019

Lästige Liebe von Elena Ferrante

Delia kehrt nach dem plötzlichen Tod der Mutter in ihre Heimatstadt zurück. Sie möchte herausfinden, was in den letzten Tagen/ Stunden vor dem Tod der Mutter passiert ist, da sie nicht verstehen kann, warum die Mutter so plötzlich verstarb. Hat vielleicht jemand anderes seine Finger im Spiel?

In Rückblicken erzählt Delia aus ihrem Leben und dem Leben der Eltern. Der Vater war gewalttätig und die Mutter hatte eine Affäre mit einem Geschäftspartner des Vaters. In ihrer Rückschau erkennt Delia, dass sie mehr mit ihrer Mutter gemeinsam hat, als ihr lieb ist. Und dann ist da noch dieser mysteriöse Caserte, ein Freund des Vaters …

Dies war mein erster Ferrante und ich hab mir echt viel davon versprochen, da die Saga so hoch gelobt wurde. Doch leider bin ich mit diesem Buch überhaupt nicht zurecht gekommen. Delia, die Protagonistin war mir so fern, ich konnte mit ihr nichts anfangen und somit war auch die Geschichte für mich sehr eckig. Irgendwie fehlte mir ein roter Faden. Delia springt in ihren Erinnerungen hin und her, was mich beim lesen echt ermüdet hat.

Fazit: Auch wenn die Saga von Ferrante allerorts hochgelobt wurde, und dieses Buch vielleicht eine Ausnahme ist, die nicht gefällt, so bleibt es aber mein einziger Ferrante den ich gelesen habe/ lesen werde.

(Suhrkamp Verlag, ISBN: 9783518428283, Preis: 22,00 Euro)

 

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Die Zeit und was sie heilt von Kit de Waal

Mona ist 60 und lebt in einem kleinen Küstenort in England. Mit Anfang Zwanzig zog sie von der Stadt in dieses malerische Dorf. Sie fertigt Puppen an. Doch nicht irgendwelche, sondern Puppen für Frauen, die ihre Kinder verloren haben. Mit diesen Puppen leistet Mona ein Stück Trauerarbeit. Doch sie verarbeitet auch ein Stück ihrer Trauer und ihrer Vergangenheit.

Auch hier erfahre ich in Rückblicken und Geschehnissen in der Gegenwart viel aus Monas Leben. Warum sie die Stadt verließ und was sie bei den Frauen im Dorf bewirkt. Mir hat die Geschichte rund um Mona und ihrem Leben sehr gut gefallen. Es ist kein trauriges Buch, sondern eher ein MutmachBuch.  Vor allem die Sache mit den Puppen und der damit verbundenen Trauerarbeit haben mich fasziniert. Sie nehmen jedoch nur einen geringen Anteil in der Geschichte ein. Ich mochte Mona sehr, und das was sie in ihrem Leben erlebt hat, hat sie geprägt, und das merkt man auch in der Geschichte. Im Laufe der Geschichte reift Mona von einer Jugendlichen zu einer Frau, die weiß was sie im Leben will.

Fazit: Ein sehr schöne Geschichte, kurzweilig und mit der Intension, dass es immer weiter geht im Leben. Das nach jedem Tief auch wieder ein Hoch kommt, und dass alles im Leben seinen Sinn hat.

(Rowohlt Verlag, ISBN: 9783498074050, Preis: 22,00 Euro)

 

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Agathe von Anne Cathrine Bomann

Es ist das Jahr 1948 in Paris. Der 71-jährige Psychiater zählt die Tage bis zu seinem Ruhestand. Er ist es leid sich Tag für Tag die „Leiden“ seiner Patienten anzuhören. Und obwohl er es kaum erwarten kann, endlich seinen Lebensabend zu Hause zu verbringen, so weiß er, dass es ein sehr einsamer Lebensabend werden wird. Denn durch seine Arbeit hat er den sozialen Kontakt zu seinen Mitmenschen verloren. Als seine Sprechstundenhilfe dann trotz Patientenaufnahmestopp eine neue Patientin aufnimmt, verändert dieses Aufeinandertreffen sein Leben.

Dieses kleine Büchlein ist in kurze Kapitel eingeteilt. In erster Linie geht es um den Psychiater. Sein Leben und Arbeiten, und seine eigentlich vorausahnende Zukunft. Doch dann kommt Agathe ins Spiel und sie wirbelt das Leben des Psychiaters durcheinander. Die Geschichte ist sehr philosophisch und manches Mal hatte ich so meine Probleme ihr zu folgen. Es geht um zwei Menschen, die mit Menschen und dem Leben so ihre Probleme haben. Doch sie schaffen es aus ihren Mustern auszubrechen und bauen sich langsam ein neues Leben auf.

Fazit: Wer es philosophisch mag ist hier gut aufgehoben. Mir hat es bedingt gefallen, da mir persönlich die Figuren und ihre Geschichte ein wenig zu oberflächlich bleiben. Ich hätte gerne mehr Tiefe gehabt.

(Hanserblau, ISBN: 9783446261914, Preis: 16,00 Euro)

 

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Dein Leben und meins von Majgull Axelsson

An ihrem siebzigsten Geburtstag kehr Märit in ihrer Heimat zurück. Fünfzig Jahre lang hat sie den Ort ihrer Kindheit nicht betreten. Zu viel war geschehen, was sie vergessen wollte. Hier wurde ihr geistig behinderter Bruder in ein Heim gegeben, indem er zu Tode kam. Hier wurde ihr am Tage ihrer Abiturfeier übel mitgespielt … Doch nun stellt sie sich den Dämonen der Vergangenheit und ihrem Zwillingsbruder, der eigentlich ein Drillingsbruder ist.

Der Titel hört sich so toll an, und auch das Cover ist mega schön. Doch die Geschichte ist irgendwie ein bisschen plem-plem. Märit hört nämlich immer die Stimme ihrer Schwester. Die ist bereits im Bauch der Mutter gestorben. Ihr „Geist“ ist dann irgendwie in Märit gelandet und so redet „die Andere“ ständig dazwischen. Das ist beim lesen des Buches so mega anstrengend, dass ich teilweise überlegt habe abzubrechen. Doch meine Neugier siegte, da ich einfach wissen wollte wie das Buch ausgeht. Märit besucht viele Stationen ihrer Kindheit. Auch die ihres geistig behinderten Bruders, der in einem Heim zu Tode kam. Ich erfahre, dass einige grausame Dinge im Leben Märits passiert sind, an denen sie nicht so ganz unschuldig ist.

Fazit: Spannend geschrieben, allerdings nicht leicht zu lesen, wegen der Anderen. War irgendwie nicht mein Buch.

(List Verlag, ISBN: 9783471351727, Preis: 22,00 Euro)

 

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Der Apfelbaum von Christian Berkel

Ullstein Buchverlag
Fester Einband
416 Seiten
Erscheinungsdatum:
12.10.2018
ISBN: 9783550081965
Preis: 22,00 Euro

Klappentext
Berlin 1932: Sala und Otto sind dreizehn und siebzehn Jahre alt, als sie sich ineinander verlieben. Er stammt aus der Arbeiterklasse, sie aus einer intellektuellen jüdischen Familie. 1938 muss Sala ihre deutsche Heimat verlassen, kommt bei ihrer jüdischen Tante in Paris unter, bis die Deutschen in Frankreich einmarschieren. Während Otto als Sanitätsarzt mit der Wehrmacht in den Krieg zieht, wird Sala bei einem Fluchtversuch verraten und in einem Lager in den Pyrenäen interniert. Dort stirbt man schnell an Hunger oder Seuchen, wer bis 1943 überlebt, wird nach Auschwitz deportiert. Sala hat Glück, sie wird in einen Zug nach Leipzig gesetzt und taucht unter.
Kurz vor Kriegsende gerät Otto in russische Gefangenschaft, aus der er 1950 in das zerstörte Berlin zurückkehrt. Auch für Sala beginnt nach dem Frieden eine Odyssee, die sie bis nach Buenos Aires führt. Dort versucht sie, sich ein neues Leben aufzubauen, scheitert und kehrt zurück. Zehn Jahre lang haben sie einander nicht gesehen. Aber als Sala Ottos Namen im Telefonbuch sieht, weiß sie, dass sie ihn nie vergessen hat.

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Dieses Buch erzählt die biografische Geschichte von Berkels Eltern. Sala und Otto lernen sich 1932 kennen und lieben. Doch der Zweite Weltkrieg steht vor der Tür und die Beiden müssen sich trennen. Otto geht zur Wehrmacht und Sala flieht von einem Ort zu anderen, da sie als Halbjüdin nirgendwo sicher ist. Als der Krieg dann zu Ende ist, ist Otto in russischer Gefangenschaft und Sala landet mit ihrer Tochter in Buenos Aires. Jahre später kehrt sie nach Deutschland zurück und sucht Otto auf, der mittlerweile auch wieder in Deutschland lebt und verheiratet ist.

Berkel erzählt die Geschichten seiner Eltern aus zwei Perspektiven. Einmal ist die Gegenwart, in der er seine Mutter besucht, die dabei ist die Erinnerung zu verlieren. Doch in dieser Phase erinnert sie sich an ihre Jugend und die Zeit während des Krieges, die Zeit, über die in Berkels Familie immer geschwiegen wurde. Und dann wiederum erzählt er, an Hand von Aufnahmen und Recherchen, das Leben seiner Eltern im Krieg.

„Diese Aufnahmen, die mir so teuer wurden, enthielten die Essenz ihres Lebens, eine Münze, die in einem dunklen Brunnen ins Bodenlose zu fallen schien. Konnte ihr Vergessen wahrhaftig eine Form der Erinnerung finden? In welches vage Kellerglass würde sie mich entführen? Und was verbarg sich auf der Kehrseite dieser Medaille? Konnte es sein, dass prägende Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit auf noch tiefer liegende Schichten prallten, um sich zu einer neuen Wirklichkeit zu verdichten? Wurden die Lücken unserer Familiengeschichte im Vergessen freigelegt? “ (Seite 17/18)

Zuerst, als ich in der Vorschau sah, dass der Schauspieler Berkel ein Buch veröffentlicht, dachte ich … nicht schon wieder ein Buch von einem „Promi“. Doch da mich das Thema interessierte, habe ich mir das Buch dann besorgt und fing an zu lesen.

Schon nach den ersten Seite hatte mich die Geschichte gepackt. Die leise, feine, gefühlvolle und melancholische Erzählweise hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn es viele Stellen im Buch gibt, die einfach nur grausam sind, schafft es Berkel diese mit viel Gefühl zu schildern.

Mich hat das Schicksal/ das Leben von Sala und Otto sehr berührt. Ihr Leben steht stellvertretend für viele ähnlich gelagerte Familiengeschichten. Einer Geschichte, die nie vergessen werden darf. Vor allem nicht in einer Zeit, in der die letzten Zeitzeugen sterben.

Als junger Mensch habe ich immer gedacht, solch eine Zeit wird es nie wieder geben. Doch wenn ich heute die Zeitung aufschlage erschrecke ich mich über die ganzen Schlagzeilen … Antisemitismus, Hass gegenüber Migranten … manchmal denke ich, wir sind näher dran als wir es uns wünschen.

Danke Christian Berkel , dass wir an der Geschichte Ihrer Familie teilhaben durften!

Unbedingt lesen!

Neulich in der Buchhandlung … #16

 

Hallo Ihr Lieben,

gestern ist mir etwas passiert, was mich erst einmal sehr verletzt hat. Später hab ich mich geärgert und jetzt kann ich nur noch den Kopf schütteln. Es ist mal keine nette Geschichte aus der Buchhandlung, sondern diese gehört in die Kategorie weniger Schönes aus der Buchhandlung. Aber die muss es ja auch geben.

Am Montag rief ein Kunde an und bestellte ein italienisches Buch, um diese Sprache zu lernen. Laut Bibliografie war das Buch lieferbar und ich sagte dem Kunden, dass er es am Dienstag ab 10 Uhr abholen kann. Dienstagmorgen packe ich meine Kisten aus und das Buch ist nicht dabei. Auf dem Lieferschein stand „Teillieferung, Rest kommt mit der nächsten Lieferung“. Das komische war, dass nur dieses eine Buch fehlte und in der Wanne war auch noch Platz für weiter Bücher. Also habe ich bei Libri angerufen, und die erklärten mir, dass der Titel wohl außerhalb der Reichweite des „normalen Sortiments“ liege, und somit vor Abfahrzeit des LKWs nicht herbei geschafft werden konnte. Für mich erst einmal eine ziemlich lahme Entschuldigung. Ich war so sauer, dass ich dann meine Kundenbetreuerin von Libri an gerufen habe. Die erklärte mir dies ähnlich. Das es Bücher gebe, die in dem riesigen Lager in Bad Hersfeld „ausgelagert“ werden, Wenn die nun bestellt werden, kann es sein, dass man diese nicht am Bestelltag erreicht. Somit kommt Meldeschlüssel 13 zustande. Okay. Wird dann wohl so sein. Ich war sauer, so richtig sauer.

Mittags kam dann der Kunde, um sein Buch zu holen. Als ich ihm mitteilte, dass sein Buch leider nicht mitgeliefert wurde ist er ausgeflippt. Er schrie rum, was das denn für eine Scheiße sei. Er hätte extra bei mir bestellt und nun wäre das Buch nicht da. Das wäre ja das aller letzte. Er könnte verstehen warum die Leute nicht mehr stationär einkaufen würden. Woher er dann verdammt noch einmal das Buch jetzt bekommen sollte. Er bräuchte das heute Abend. Sonst wäre er der Einzige, der kein Buch hätte. Und so tobte er weiter im Laden rum. Meine Versuche ihn zu besänftigen und zu erklären, warum und wieso sein Buch nicht mitgekommen ist, wurden mit Worten wie … blöde Ausreden müsste er sich jetzt auch nicht anhören … abgeschmettert. Dann verschwand er.

Ich stand in der Buchhandlung wie ein kleines Häufchen Elend, mit Tränen in den Augen. So etwas hab ich auch noch nicht erlebt. Und wer mich kennt, weiß, dass ich wirklich alles versuche und mache, um Kundenwünsche zu erfüllen. Aber jetzt mal ehrlich, der Kunde wusste doch nicht erst seit Montagmorgen, dass er Abends ein Buch für seinen Kurs braucht. Konnte er es dann nicht früher bestellen? Und ja, theoretisch ist ein Buch innerhalb von 24 Stunden da, sofern es lieferbar ist. Doch wir sind alle nur Menschen, und manchmal steckt der Teufel im Detail, aber muss man dann so rumbrüllen und ausfallend werden?

Gott sei Dank war/ ist dieser Kund eine Ausnahme, aber mich haben seine Worte wirklich getroffen und ich war im ersten Augenblick sehr verletzt. Wie hättet Ihr in dieser Situation reagiert/ agiert?

 

Drück Euch da draußen Eure Angelika ♥♥♥