Der Duft des Waldes von Hélène Gestern

S. Fischer
Fester Einband
704 Seiten
Erscheinungsdatum:
25,07.2018
ISBN: 9783103973433
Preis: 26,00 Euro

Klappentext
Elisabeths Leben ändert sich schlagartig, als ihr die 89-jährige Alix ihr die Briefe ihres Bruders Alban anvertraut, geschrieben von der Front des ersten Weltkriegs an seinen Freund Anatole. Als Elisabeth außerdem Alix‘ verwunschenes Landhaus südlich von Paris erbt, weiß die junge Historikerin, dass eine große Aufgabe auf sie wartet, eine, die ihrem Leben wieder Sinn verleiht. Die Briefe geben Rätsel auf, und Elisabeth stürzt sich in die Recherche: Welches Geheimnis verband die Freunde, warum ging Alban zurück an die Front, wo ihm der Tod sicher war, und wer war die eigenwillige 17-jährige Diane?
Auf der Suche nach Antworten, reist Elisabeth nach Lissabon, Bern und Brüssel und sucht all die Menschen auf, die mit ihren Erinnerungen Elisabeth helfen, Lebensgeschichten eines Jahrhunderts zu einem Ganzen zusammenzufügen.

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„Mir lag das Album eines poilu vor, eines Frontsoldaten, der während des Ersten Weltkriegs zweieinhalb Jahre lang Postkarten und selbstaufgenommene Fotos vom Alltag in den Schützengräben verschickt hatte. Außerdem hatte er fast jede Woche seiner Schwester geschrieben und dem berühmten postsymbolischen Dichter Anatole Massis, der offenbar sein bester Freund gewesen war. Der Fundus war von unschätzbarem historischem Wert, ein solcher Schatz war mir im Lauf meines Berufslebens nur zwei- oder dreimal untergekommen.“ (Seite 11)

Elisabeth ist Historikerin und immer wieder auf der Such nach neuem Material. Als einen Tages die 89-jährige Alix de Chandelar an sie herantritt, um ihr Briefe, Fotos und Postkarten ihres im Ersten Weltkrieg verstorbenen Onkels Alban de Willecot anzubieten. Bei der Durchsicht des Materials stellt sich heraus, das Alban Briefkontakt zu dem berühmten Dichter Anatole Massis hatte. Elisabeth ahnt, welchen unvorstellbaren Schatz sie in den Händen hält.

Kurz nach der Übergabe der Briefe stirbt Alix und hinterlässt Elisabeth ihr Haus in Südfrankreich. Und hier kommt die Historikerin endlich das erste Mal nach zwei Jahren zur Ruhe. Denn vor zwei Jahren starb ihre große Liebe. Sein Tod hat sie in eine depressive Phase gestürzt und das Leben schien ihr ohne ihn sinnlos.

„Je länger ich die Zeilen dieses jungen Mannes entzifferte, der mit neunundzwanzig Jahren seinem Tod entgegenging und dessen elegante Schrift den entsetzlichen Bedingungen zu trotzen schien, in denen er sich beim Schreiben befand, desto mehr Zuneigung empfand ich für ihn, der sich weiterhin an Gedichtversen festhielt, weiterhin seine Kameraden fotografierte, während die Welt Tag und Nacht Feuer und Stahl über ihn ergoss. Mich bewegte vor allem, wie unermüdlich er nach dem Wohlergehen seiner Lieben fragte und wie beharrlich er sich nach einer gewissen Diane erkundigte (seine Verlobte?). Vielleicht, weil ich, genau wie Alban de Willecot, wenn auch in einem ganz anderen Kontext, dieses quälende Schweigen erlebt hatte, das alles Mögliche bedeuten konnte, Vergessen, Verschwinden oder Tod.“ (Seite 56/ 57)

Doch durch die Briefe von Alban und dem damit verbundenen Geheimnis um den Dichter Massis, macht sich Elisabeth an die Recherche. Parallel dazu bekommt sie eine Anfrage aus Lissabon. Sie soll einer Frau dabei helfen ihre jüdischen Vorfahren zu finden. Elisabeth lernt den Bruder ihrer Klientin kennen und verliebt sich in ihn. Doch ihrer beider etwas komplizierte Vergangenheit macht es ihnen schwer sich aufeinander einzulassen.

Zeitgleich fallen ihr in Lissabon verschlüsselte Tagebucheinträge einer Diane in die Hände, die scheinbar auch Kontakt zu Alban und Anatole hatte.

Je weiter Elisabeth in die Geschichte von Alban und Anatole eintaucht desto verschlungener wird sie. Ähnlich wie ihre Beziehung zu Samuel. Immer wieder muss sie neu ansetzen, neue Wege und Spuren verfolgen, umdenken und neuzusammensetzen. Wird sie hinter das Geheimnis kommen? Und wird sie sich ganz auf Samuel einlassen können?

„Der Soldat führt die Zeile zu Ende, hebt kurz den Kopf, als er in der Ferne einen Schrei hört, schreibt weiter. Es ist kalt, daran denkt er aber nicht mehr, er denk auch nicht mehr an die Boches, an das Geschützgewitter, an die Ratte, die in seiner Nähe hastig einen verschimmelten Brotkanten frisst. Im Schutz seiner Nische sucht der Leutnant nach den richtigen Worten, um das Herz einer Siebzehnjährigen zu ergreifen, sie zu unterhalten, sie an sich zu binden, wenigstens ein bisschen, nur, um weiterhin auf ihre Briefe hoffen zu dürfen, nur um des Vergnügens willen, sich ihr Lächeln oder ihr Stirnrunzeln auszumalen angesichts der besonders kniffligen Mathematikaufgabe, die er ihr gestellt hat.
In diesem Augenblick besteht Alban de Willecot, der tief in der Erde, tief im Krieg steckt, nur noch aus dieser einen Handlung, bescheiden, aber zwingend: schreiben. Eine Handlung des Überlebens, so methodisch, so wild entschlossen ausgeführt, dass sie den Tod aufhebt, der ihn einkreist, den Tod umkehrt wie ein Negativ die Bereiche von Licht und Schatten, eine Handlung, die dieses eiskalte, dreckige, unbequeme Loch in das Königreich eines Liebenden verwandelt.“ (Seite 200)

Was für ein Buch, was für eine Geschichte!!!

Wer mich kennt, weiß, dass ich kaum Bücher mit mehr als 450 max. 500 Seiten lese. Frei nach dem Motto, was ein Autor nicht auf 500 Seiten schafft zu erzählen, schafft er auf 700 erst Recht nicht. Aaaaaaber … es gibt Ausnahmen. Und dieses Buch ist definitiv eine. Von der ersten bis zur letzten Seite bin ich durch dieses Buch geflogen und ja, es braucht dieses „Masse“ an Seiten, weil es einfach unmöglich ist diese Geschichte auf weniger Seiten zu erzählen.

Was mir besonders gefallen hat, ist die abwechselnde Erzählweise. Da ist einmal Elisabeths Leben und Vergangenheit, die hier Raum findet. Parallel dazu wird die Geschichte von Alban, Anatole, Diane und vielen anderen Menschen aus dem Ersten Weltkrieg erzählt. Im Buch kursiv dargestellt. Mich haben die Briefe und Postkarten sehr berührt. Sie erzählen das Leben der Soldaten an der Front während des Ersten Weltkriegs. Von den Hoffnungen, der Wut, der Sehnsucht und der Trauer.

Spannend war auch die Suche nach den Verbindungen zwischen den einzelnen Protagonisten. Die Autorin schafft es, ihre Protagonisten sehr real zu zeichnen. Zeitweise habe ich wirklich gedacht, Alban de Willecot und Anatole Massis haben wirklich gelebt. Doch ein Blick ins Web und ich musste feststellen, dass es doch nur fiktive Personen waren. Ich war so gefesselt von der Geschichte, das ich sogar mit gerätselt habe wer wen wie kennt und mit wem wer wie verbandelt/ verwandt ist oder nicht. Das macht dieses Buch unendlich spannend … bis zur letzten Seite.

„Auch wenn noch viele Einzelheiten fehlten, zeichneten sich bereits die einzelnen Stränge ihrer Geschichte ab, eines komplexen Gebildes, in dem sich alles Mögliche verwob, Liebe, Krieg, Erwachsenwerden, Zuversicht und Enttäuschung. Im Laufe der Zeit wuchs mein Gefühl von Vertrautheit mit den beiden. Sie führten mich mit ihrer Perspektive in diese bewegte Epoche ein und erschienen mir bald wie Verwandte, wie liebe Freunde, wie Bruder und Schwester, die mit mir ihre alltäglichen Sorgen und ihre Liebeswirren teilten.“ (Seite 230)

„Der Duft des Waldes“ ist ein grandioses Buch und eines meiner Lesehighlights in diesem Jahr, welches auf 700 Seiten eine monumentale Geschichte über ein ganzes Jahrhundert erzählt. Angefangen beim Elend des Ersten Weltkriegs, bis hin zur Judenverfolgung während des Zweiten Weltkriegs. Doch es wurde mir nie zu viel. Im Gegenteil, ich habe alles aufgesogen und war dankbar für all die Einblicke die Hélène Gestern mir mit diesem Buch gegeben hat.

In ihrem Nachwort sagt sie an einer Stelle (unten), warum sie dieses Buch geschrieben hat. Ich persönlich finde, dass ihr mit diesem Buch eine Hommage an all eben diese Menschen gelungen ist. Danke dafür!!!

Unbedingt lesen!!!

Dieses Buch ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, die Geschichte der Verschwundenen nachzuzeichnen, die vom Krieg, der Zeit, dem Schweigen verschluckt worden sind. Aus dem Wunsch zu erzählen, was ihren Spuren wurde, die die Lebenden bereichern, aber auch verzehren können.“ (Seite 703)

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Lempi, das heißt ja Liebe

Carl Hanser
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
23.07.2018
ISBN: 9783446260047
Preis: 21,00 Euro

Klappentext
Der junge Bauernsohn Viljami hat sich in Lempi, die Tochter des Ladenbesitzers aus der kleinen Stadt Rovaniemi, verliebt. Hals über Kopf heiraten sie, und Lempi, der das Landleben fremd ist, zieht zu Viljami auf den Hof. Um sie zu entlasten und über die Trennung von ihrer Zwillingsschwester hinwegzutrösten, stellt ihr Mann die Magd Elli ein, die insgeheim glühend eifersüchtig ist und selbst gern an seiner Seite wäre. Nach einem einzigen glücklichen Sommer wird Viljami zum Kriegsdienst eingezogen. Als er zurückkehrt, ist die Stadt zerstört und Lempi verschwunden. Dass sie wie ihre Schwester Sisko mit einem Wehrmachtsoffizier nach Deutschland gegangen sein soll, kann er sich nicht vorstellen. Viljami, die Magd Elli und Sisko erinnern sich an Lempi – aus ihrer jeweils eigenen, sehr individuellen Perspektive.

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„Im Spiegel sah ich zu, wie mein Finger über deine Wange wanderte und über den Rand Deiner Lippen, wie dein Blick ernst wurde und Deine Augen glühten. So war das damals in diesem Sommer und Herbst, ich bekam dieses Glück geschenkt, an das ich heute nicht mehr zurück denken mag. Die Erinnerung an diese Zeit reibt mich auf und reißt mich in Stücke. Jetzt zittern meine Hände. In meiner Faust steckt grünes Moos, aber in meiner Seele nur Leere, die nie verschwinden wird und schmerzt und hallt.“ (Seite 22)

Viljami ist ein einfacher Bauernsohn. Hin und wieder fährt er in den Ort, um einzukaufen. Er geht auch immer in den Laden, der Lempis Vater gehört. Viljami ist in Lempi verliebt, doch er traut sich nicht sie anzusprechen. Eines Tages spricht Lempi ihn an und fortan sind die beiden ein Paar. Schon nach kurzer Zeit heiraten die beiden. Da Lempi das Leben auf dem Land nicht gewohnt ist, stellt Viljami eine Magd ein, die Lempi bei der täglichen Arbeit helfen soll. Viljami und Lempi sind glücklich. Doch dann kommt der Krieg und Viljami wird eingezogen. Lempi ist schwanger. Kurz vor Ende des Krieges erfährt er, das Lempi angeblich mit einem Deutschen nach Deutschland geflohen ist, und sein Kind bei der Magd gelassen hat. Viljami möchte nicht nach Hause zurück. Ein Heim ohne Lempi, aber mit einem Kind das er nicht kennt …

„Mit jedem meiner Atemzüge wirst du ein wenig mehr Geschichte, entweichst in die Vergangenheit und entfernst dich von mir, und das ist falsch, nach all dem. Wir hatten dieses Glück, und weil wir die Zukunft nicht kannten, nahmen wir an, es würde dauern.“ (Seite 51)

In diesem ersten Kapitel erzählt Viljami aus seiner Sicht das Geschehene. In jedem Satz spürt man die Sehnsucht nach Lempi und Viljamis Verzweiflung über den Fortgang von Lempi. Ich erlebe seine innere Zerrissenheit … eigentlich will er kein Leben ohne Lempi, aber er hat die Verantwortung für das Kind. Was soll er machen …

„Wie du mir erzählt hast, was du aus Büchern weißt und was man alles tun kann, damit die Liebe lebendig bleibt, ganz selbstverständlich hast du darüber gesprochen. Immer wieder fällt mir das ein, dabei ertrage ich die Erinnerung keine Sekunde, denn all das ist vergangen und kommt nicht wieder.“ (Seite 59)

Elli war schon immer ein wenig verliebt in Viljami. Umso mehr freut sie sich, als er sie bitte auf seinem Hof als Magd zu arbeiten. Allerdings stört es sie, dass ausgerechnet für/ mit Lempi arbeiten soll, der verzogenen Kaufmannstochter. Doch Elli macht das Beste daraus, Hauptsache sie kann in Viljamis Nähe sein. Sie hilft Lempi bei der Entbindung und bleibt mit dem Kind allein auf dem Hof nachdem Lempi fort ist. Sie hofft und wartet darauf dass der Krieg zu Ende geht und Viljami zurück kommt.

„Die Tür ging auf, ein Paar trat ein, und erst habe ich Viljami gar nicht erkannt, nicht einmal gesehen, du hast allen Raum eingenommen. Manche Leute sind so, verbrauchen sämtlichen Sauerstoff. Umgeben sich mit einem seltsamen Licht, und sobald sie in die Stube treten, werden alle anderen unsichtbar, und unsereins bleibt im Dunkeln. Ihr Licht strahlt nicht auf andere ab, nicht in die dunklen Ecken und Winkeln, und aus ihrem Licht heraus sehen sie nicht, dass auch wir Menschen sind, mit Wünschen, Angst und Trauer, oder mit verborgener Trauer. Wenn wir fehlen, merkt das keiner.“ (Seite 98)

Im Zweiten Kapitel erzählt Elli über ihr Zusammenleben mit Lempi und Viljami. Dabei lässt sie kein gutes Haar an Lempi. Als Leserin spüre ich den Hass geradezu, den Elli gegen Lempi hegt. Hier passieren einige Dinge, die dem Buch/ der Geschichte eine vollkommen neue Wendung geben.

„So warst du, völlig anders als ich. Natürlich hat man über uns geredet. Überhaupt, wo gab’s denn sowas: Zwillinge. Gleich bei der Geburt bekam ich die brave Rolle zugeteilt und auch den unbedeutenderen Namen, Sisko, Schwester. Mein ganzes Leben wuchs ich nicht über mich hinaus. Ich hatte nicht das Zeug, so frei zu sein wie du.“ (Seite 136)

Sisko ist die Zwillingsschwester von Lempi. Die Zweitgeborene. Die beiden verstehen sich gut, obwohl Sisko immer ein wenig im Schatten der Schwester steht. Nachdem Lempi geheiratet hat, wollte Sisko eigentlich studieren. Doch nachdem der Krieg ausgebrochen ist kommt alles anders. Sie verliebt sich in einen Deutschen und geht mit ihm nach Deutschland. Doch in Deutschland angekommen misshandelt dieser Sisko und lässt sie links liegen. Allein in Deutschland versucht Sisko sich durchzuschlagen. Doch letztendlich geht sie nach Finnland zurück. Dort wird sie interniert und ohne Ende verhört. Irgendwann kommt sie frei …

„Ich beneidete dich um deine Eheschließung, um die verzauberten Blicke deines Mannes, um das Versprechen, das ihr euch gabt. (…) Ich blieb zurück. Alles hatte sich so entwickelt, wie es vorher gewesen war: Ich war die Vernünftige, und du die zu Abenteuern Angestiftete.“ (Seite 159)

Im dritten und letzten Teil erfahre ich etwas über die beiden Schwestern. Ihr Leben und ihr Miteinander bis zu dem Tag an dem Lempi und Viljami heiraten. Dann wird Siskos Leben weiter erzählt. Ein Leben voller Hoffnung und Sehnsucht … nach Liebe und der Schwester. Auch hier passieren unerwartete Dinge, die dem Buch noch einmal eine vollkommen andere Wendung geben.

„An vielen Stellen kann man überlegen und nochmal zurück. Man hat die Möglichkeit, an die letzte Kreuzung zu gehen und sich anders zu entscheiden. Wenn man aber so abscheulich behandelt und grundverlassen erlebt hat und erfährt, dass von nirgends eine Antwort kommt, so sehr man auch sucht, dann hilft nichts mehr. Man mag sich noch umdrehen, aber die Kreuzung ist verschwunden. Es bleibt einem nur, den bisherigen Weg fortzusetzen und zu vergessen, dass alles einmal ganz anders war, dass wir zu zweit lebten und die Welt gut war.“ (Seite 189)

Eine unglaubliche Geschichte, die während des Zweiten Weltkriegs in Finnisch Lappland spielt. Im Nachwort der Übersetzerin finde ich Hinweise auf die Rolle von Finnisch Lappland während des Zweiten Weltkriegs mit Deutschland. Die Beziehung zwischen den Ländern war sehr wechselhaft. Zuerst Freunde, später dann eher Feinde.

Dieses Buch ist unglaublich intensiv und mitreißend. Die Autorin schafft es in den einzelnen Kapiteln die Gefühle ihrer Protagonisten lesbar zu machen. Ich konnte so sehr Viljamis Liebe und Verlust spüren, wie auch Ellis Hass und Siskos Sehnsucht. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass mich von der ersten Seite an so begeistern konnte. Auch die Wendungen haben mich immer unerwartet getroffen und begeistert.

Einfach nur grandios und ein weiteres Highlight in diesem Lesejahr!!! Unbedingt lesen!!!

Geschwister

mareverlag
Fester Einband
144 Seiten
Erscheinungsdatum:
13.02.2018
ISBN: 9783866482609
Preis: 18,00 Euro

Klappentext
Zeitlebens hat Olof im Schatten seines Selbstbewussten Bruders Carl gestanden. Carl war der Liebling der Mutter, fiel allerdings in Ungnade, als er mit seiner Frau Karla (mit der Olof seine eigene Geschichte hat) und den beiden Söhnen aus Karrieregründen in die USA auswanderte.
Viele Jahre später nun treffen die ungleichen Brüder am Sterbebett der Mutter wieder aufeinander, in ihrem Landhaus in den südfinnischen Schären – und mit ihnen ihre Familien, alte Rivalitäten und Träume, Fehler und Versäumnisse. Es dauert nicht lang, bis der Frieden des Spätsommers, der über der Insel liegt, brüchig wird. Gerade noch rechtzeitig erkennt Olof, dass der Moment gekommen ist, um aus dem Schatten seines Bruders herauszutreten.

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Weiß man eigentlich jemals, was vor sich geht? Es ist wie bei einem Vierhundertmeterlauf: Einige Augenblicke lang befindet man sich im Zentrum der Ereignisse, der Wind saust einem um die Ohren, die Lungen wollen platzen, die Gegner keuchen, das Einzige, was existiert, ist das Zielband irgendwo vor einem.
Aber ist es das, was wirklich passiert?
Nachher erinnert man sich an den Lauf, und das Gedächtnis fängt sofort an, die Fakten zu sortieren; es redigiert, unterteilt, sortiert. Ich hätte die erste Kurve nicht so langsam angehen sollen. Auf der Gegengeraden hätte ich kürzere Schritte machen müssen. Im Endspurt bin ich gestolpert, das war alles entscheidend.
Nachher sieht alles gleich anders aus.“ (Seite 7)

Olof und Karl treffen nach Jahren am Sterbebett der Mutter wieder aufeinander. Sofort entbrennt der alte „Bruderkampf“ wieder. Wieder muss Olof mit ansehen, wie die sterbende Mutter Carl bevorzugt. Alte Konflikte brechen auf und der Ich-Erzähler Olof erinnert sich an seine Kindheit und Jugend, und dem schwierigen Verhältnis zu seinem Bruder und seiner Mutter. Nach und nach erfahre ich als Leserin wie es zu der zunehmenden Feindlichkeit zwischen den Brüder kommt und das es eigentlich keine Chance auf Frieden/ Vergebung geben kann.

„Ich gehe von einem Zimmer ins andere. Es fühlt sich an, als würde ich mich schon in einer vergangenen Zeit bewegen. In einem Jahr wird es all das nicht mehr geben.
Ich werde mich daran erinnern. Ich werde es nicht vermissen. Ich habe es bereits hinter mir gelassen, wie man die Kindheit hinter sich lässt, ein bisschen über ihre Unschuld staunend, aber ohne Trauer, weil man weiß, dass es kein Zurück gibt.“ (Seite 72)

Dieses kleine feine Büchlein hat mich vollkommen verzaubert. Auf den ersten Blick scheint es eine typische Bruder/ Geschwister Geschichte zu sein. Das Buhlen unter Geschwistern um die Gunst und Liebe der Eltern. Doch dieses Büchlein ist viel mehr. Es erzählt auch die Geschichte von Hoffnung und Verlust, von verpassten Chancen und Neuanfängen.

Bargum erzählt schnörkellos, doch mit einem enormen Sog, eine Geschichte die mich inne halten lässt … In vielen Familien gibt es ähnliche Konflikte, so auch in unserer Familie. Die Schwester wurde bevorzugt, war immer die, die alles besser in den Augen der Eltern machte. Und ich, ich war die, die immer und immer wieder um die Liebe der Eltern buhlte, alles macht und dennoch immer die war, die nicht gesehen wurde. Was hat das mit mir gemacht? Ganz viel und ich habe lange gebraucht, um die zu sein, die ich heute bin.

Unsere Eltern leben leider nicht mehr, doch ich habe meinen inneren Frieden gefunden, und meine Schwester … sie hat den Kontakt nach dem Tod unserer Mutter abgebrochen …

Sorry, aber dieses Büchlein hat mich ein wenig aufgewühlt … unbedingt lesen!!!

… aus „Dinge, die vom Himmel fallen“ von Selja Ahava

Mare Verlag
Fester Einband
208 Seiten
Erscheinungsdatum:
14.02.2017
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783866482425

„Ich denke viel über die Zeit nach. Ich habe graue Zellen im Gehirn, wie Hercule Poirot. Mit denen denke ich darüber nach, wie die Zeit vergeht und Wunden heilen. Die Erwachsenen sagen, die Zeit heilt alle Wunden, und damit ist gemeint, dass die Zeit vergeht und sich deswegen alles, was passiert in Gedanken verwandelt und man sich immer schlechter daran erinnern kann. Wenn man sich dann nur noch ganz schlecht erinnert, ist die Wunde verheilt.
(…)
Also sitze ich auf der Rückbank und sage „Nichts“ und denke an die heilende Kraft der Zeit und beschließe, mich sicherheitshalber jeden Tag an meine Mutter zu erinnern, bevor die Zeit zu viel heilt.“ (Seite 10/ 11)

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„Mal kommt der Weltuntergang, mal bricht schlagartig das Paradies aus. Mal stirbt jemand so unbemerkt, dass man es gar nicht kapiert. Vielleicht versucht so eine Person dann, als Gespenst wiederzukehren und seine unfertigen Geschichten weiterzuerzählen. Obwohl sie eigentlich einfach nur fortgehen sollte. Am Straßenrand und das Auto davonfahren lassen. Sich in Schwarz-Weiß verwandeln. Kleiner werden und die Zeitform ändern.“ (Seite 202)

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„Die Welt geht weiter. Nichts ist klar, aber die Zeit heilt alle Wunden, und der Mensch vergisst. (…) Dinge passieren. Gleichzeitig, zur falschen Zeit, zu verschiedenen Zeiten, an den falschen Orten.“ (Seite 203)

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Zur Rezension geht es hier!

Kurz & Knapp … Juli 2018

Unter der Drachenwand von Arno Geiger

Veit Kolbe wurde im Krieg verletzt. Er wird zu Rehabilitation nach Hause geschickt. Er reist jedoch weiter zu seinem Onkel an den Mondsee. Dort versucht Veit seine Zeit an der Front zu verarbeiten. Doch immer wieder ereilen ihn Panikattacken und er hat das Gefühl, dass er nie wieder an einem „normalen Leben“ teilhaben kann. Er trifft auf verschiedene Menschen, die es mehr oder weniger geschafft innerhalb der Kriegsjahre zu leben bzw. zu überleben.

Ich habe dieses Buch im Rahmen unseres Lesekreis im Büchergarten gelesen. Zuvor hatte ich so viel positives über das Buch gehört und war nun sehr gespannt. Doch schon nach den ersten 50 Seiten war ich enttäuscht. Mir war die Geschichte einfach zu langweilig, was wohl daran lag, das die einzelnen Personen der Geschichte, diese ihrerseits mega langweilig erzählt haben. Mir war das alles so monoton. Sie zeigten keinerlei Gefühle oder Emotionen. Ich konnte mit keiner Person wirklich mitfühlen, geschweige sie wirklich verstehen. Auch fand ich manche Passagen sehr verwirren. Vor allem die Briefe. Oft wusste ich nicht wer erzählt, ist es ein Brief oder sind es mehrere. Erst durch die Diskussion im Lesekreis konnten sich ein paar Fragen klären.

Fazit: Auch wenn ich mich jetzt mal wieder unbeliebt mache, weil ich ein „grandioses Werk“ schrecklich finde, so ist es wie immer meine Meinung und ihr solltet euch eure eigene machen. Es gibt bessere Literatur zu diesem Thema.

(Carl Hanser, ISBN: 9783446258129, Preis: 26,00 Euro)

 

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Das weibliche Prinzip von Meg Wolitzer

Greer Kadetsky ist eine schüchterne junge Frau, die intelligent und sehr ehrgeizig ist. Eigentlich sollte sie in Yale studieren, doch durch ein Versäumnis ihrer Hippie Eltern landet sie auf einem zweitklassigen College. Doch sie versucht das beste daraus zu machen. Eines Abends schleppt ihre Freundin sie zu einem Vortrag der Feministin Faith Frank. Greer ist fasziniert von dieser Frau. So möchte sie auch sein. Und schließlich versucht sie ihrem Vorbild nachzueifern, was jedoch nicht so einfach ist, wie es scheint.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es für mich eine „Entwicklungsgeschichte“ der Greer Kadetsky gewesen, denn ich begleite das Leben von Greer. Angefangen bei der schüchternen Studentin bis hin zur reifen und selbstständigen Frau, die weiß was sie im Leben will. Ist eine solche Entwicklung mit Feminismus zu vergleichen? Eher nicht. Natürlich nimmt dieses Thema Raum in diesem Buch ein. Es sind jedoch eher die Aktivitäten rund um Faith Frank, und weniger die der Greer Kadetsky. Und machen zwei Menschen den Feminismus aus? Eher nicht …

Fazit: Tolle Ansätze zu einem wirklich aktuellen Thema, aber dann doch eher „nur“ eine Geschichte über ein junges Mädchen, das sich zur Frau entwickelt.

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198985, Preis: 24,00 Euro)

 

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Als wir unbesiegbar waren von Alice Adams

Es sind die letzten Tage an der Uni. Eva, Sylvie, Benedict und Lucien sind seit dem ersten Tag an der Uni unzertrennliche Freunde. Doch nun werden sich ihre Wege trennen. Eva wird geht in die Finanzwelt, Benedict träumt von einem Job als Physiker am CERN und die Geschwister Sylvie/ Lucien werden erst einmal um die Welt reisen. Eva macht Karriere, Bendict heiratet und auch beruflich läuft es toll, nur bei den Geschwistern läuft es nicht ganz so rund. Beide rutschen in die Drogenszene ab und drohen den Halt zu verlieren. Doch die Freundschaft der vier hat auch nach der Uni bestand, und so helfen sie einander so gut es geht …

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist letztes Jahr bereits als Hardcover erschienen und ich habe es aber jetzt erst für mich entdeckt. Ich mochte alle vier Protagonisten. Auch die Erzählweise hat mir gefallen, denn es kommt pro Kapitel immer einer der vier zu Wort. Und dabei geht es in der Zeit aber immer weiter. So bekomme ich die Entwicklung der einzelnen Protagonisten mit. Vom Verlassen der Uni bis in die heutige Zeit. Alle haben so ihre Probleme, von denen die Freunde nichts ahnen. Und obwohl sie auf der Welt verstreut leben, versuchen sie sich gegenseitig zu helfen und zu motivieren.

Fazit: Eine schöne Geschichte, die zeigt, das Freundschaft auch trotz Distanz bestehen kann!

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198411, Preis: 20,00 Euro)

 

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Am Hügel von Capodimonte von Wanda Marasco

Klappentext

Neapel, Italien: Rosa spricht zu ihrer eben verstorbenen Mutter Vincenzina. Und sie erzählt: Wie Vincenzina, eine Analphabetin vom Land, in die Großstadt flieht und Rafele trifft, den Sprössling einer großbürgerlichen Familie. Mitten in den Kriegstrümmern blüht eine verbotene Liebe auf. Rafeles Mutter bietet ihr Geld an, um sie für den zurückgenommenen Heiratsantrag zu entschädigen – und sie loszuwerden. Doch Vincenzina bleibt an Rafeles Seite, der sie mit seinen Affären zur Verzweiflung treibt. Ist das Liebe? Oder ein Fluch, der über Generationen hinweg bestehen bleibt? Wanda Marascos Familiensaga ist eine literarische Sensation, selten hat man die Seele einer Stadt, in der Schönheit und Hölle nebeneinanderstehen, so zauberhaft erzählt.

Ich habe mich an dieser Stelle ganz bewusst für den Klappentext entschieden, da ich dieses Buch nach 100 Seiten abgebrochen habe. Ich habe dieses Buch einfach nicht verstanden. Es war mir zu viel mystisches, zu viel angedeutetes und unausgesprochenes. Keine Ahnung was mir die Autorin erzählen möchte. Dennoch möchte ich diesem Buch eine Chance geben, deshalb hier der Link zu einer wirklich tollen Besprechung zum Buch von Litblogkoeb https://litblogkoeb.de/am-huegel-von-capodimonte-wanda-marasco/

Fazit: Leider kann ich abschließend nichts zu dem Buch sagen. Vielleicht lese ich es irgendwann noch einmal.

(Paul Zsolnay, ISBN: 9783552059023, Preis: 22,00 Euro)

 

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Dem Tod so nahe

Piper
Fester Einband
256 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.06.2018
ISBN: 9783492058896
Preis: 22,00 Euro

Klappentext
Von Anfang an bestimmt der Tod ihr Leben: als Maggie O’Farrell im Alter von acht Jahren beinah an einer unbekannten Virusinfektion stirbt, als sie mit 15 aus Übermut und Freiheitsdrang einen törichten Fehler begeht; als sie in der Idylle des Lake District eine zutiefst verstörende Begegnung hat. Oder als sie in einer unterbesetzten Klinik mit inkompetenten Personal bei der Geburt ihrer ersten Tochter fast stirbt. An den unterschiedlichsten Orten, zu unterschiedlichsten Zeiten lenkt der Tod das Leben der Schriftstellerin Maggie O’Farrell. Ihre tiefgründige, außergewöhnliche Geschichte stellt existenzielle Fragen: Wie handle ich, wenn ich in tödliche Gefahr gerate? Was steht für mich auf dem Spiel? Und, nicht zuletzt, wer werde ich danach sein?

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In siebzehn kurzen Geschichten, die in der Zeit hin und her springen, aber immer einem Körperteil gewidmet sind, erzählt O’Farrell von ihren Begegnungen mit dem Tod. Manche Geschichten sind sehr intim, wie zum Beispiel die fast Vergewaltigung und der Ermordung durch den Täter. Andere Geschichten wirken eher distanziert. Zu Anfang fand ich die Geschichten so lala. Eine Anreihung von Ereignissen, in denen die Autorin von Situationen schreibt, in denen sie dem Tod knapp entgangen ist. Für mich waren das jedoch zuerst einmal „normale“ Alltagssituationen. Doch mit jeder Seite mehr, verfiel ich dem Sog der Geschichte und plötzlich war da nichts banales mehr. Fast jede sogenannte Begegnung mit dem Tod haben O’Farrell weiteres Leben geprägt. Mal mehr, mal weniger.

„Fast gestorben zu sein ist nichts Einmaliges oder Besonderes. Der Tod begegnet uns ständig; wohl jeder, wage ich zu vermuten, war ihm schon einmal nahe, vielleicht ohne es zu merken. Der Luftzug des Lasters, der zu dicht an einem Fahrrad vorbei fegt, der übermüdete Arzt, der die Dosis in letzter Sekunde noch einmal überprüft (…)Wir gehen, alle miteinander, mehr oder weniger blind durchs Leben, entkommen, ohne es zu ahnen, immer wieder durch die Hintertür, entrinnen unserem Schicksal von einem unserer gezählten Tage auf den anderen und sehen die Axt nicht, die über uns schwebt. (…) Wenn wir diese Momente in unser Bewusstsein einlassen, dann verändern sie uns. Wir können versuchen, sie zu vergessen, sie abzutun, sie auf die leichte Schulter zu nehmen, aber sie sind schon Teil von uns, ob wir wollen oder nicht.“ (Seite 35/36)

Ich habe diese eine Passage aus dem Buch ausgewählt, weil sie alles sagt. Nachdem ich das Buch weggelegt habe, habe ich mein Leben reflektiert, und ja …. auch ich hab die ein oder andere „Todesnahe Erfahrung“ gemacht, und ja … die ein oder andere hat mich geprägt. Ich denke wenn man jung ist, dann ist es so, wie oben beschrieben … es ist nichts Besonderes, wir nehmen es auf die leichte Schulter, bemerken es nicht einmal. Doch ich glaube, je älter man wird, desto mehr realisiert man solche Begebenheiten und lässt sie mehr in sein Bewusstsein ein. Und wenn dann, wie bei O’Farrell ein Kind betroffen ist, dann ist man sensibilisiert und achtet auf solche Vorfälle.

Als ich das erste Mal von einer Wespe gestochen wurde, war ich zwanzig. Ich reagierte mit einem anaphylaktischem Schock (was ich nicht wusste, da ich die Symptome nicht kannte) und ich hatte das große Glück, dass gleich nebenan eine Ärztin wohnte. Sie gab mir mehrere Spritzen und sagte fünf Minuten später und ich wäre tot gewesen. Damals habe ich darüber gelacht, mich schnell erholt und das Ganze vergessen. Im weiteren Verlauf meines Lebens bin ich noch zwei Mal wegen einem anaphylaktischem Schock durch Wespenstiche im Krankenhaus gelandet. Beide Male hatte ich Glück. Und jede Erfahrung hat mich ein Stück nachdenklicher gemacht. Hat mir gezeigt wie schnell ein Leben enden kann.

O’Farrells Geschichte ist eine Geschichte, die mich daran erinnert wie kostbar unser Leben ist, und das wir jeden Tag so leben und genießen sollten, als wäre er der letzte.

Unbedingt lesen!!!

… aus „Und jetzt lass uns tanzen“ von Karine Lambert

Diana
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
06.03.2017
Preis: 17,99 €
ISBN: 9783453291911

 

Der Vormund war ihr entrissen worden, fortan würde sie lernen müssen, ohne ihn auszukommen. Schritt für Schritt. Nur ein Teller auf dem Tisch, ein Löffel, eine Gabel, ein Messer, ein Glas, nur eine Serviette im silbernen Serviettenring und ganz alleine im großen Esszimmer.“ (Seite 26)

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Dabei sehnt sie sich nach Leichtigkeit und ein wenig Verrücktheit, wollte drei Schokoladen-Éclairs hintereinander verputzen, ohne Schirm durch den Regen spazieren. Sie sinniert über all das, was sie nie getan hat. Nun ist sie frei. Aber es ist zu spät.“ (Seite 48)

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„Er weigert sich Schlafmittel zu nehmen. Er möchte nicht betäubt werden. Solange es wehtut, ist sie da. Wenn er im Morgengrauen endlich einschläft, träumt er von ihren Küssen. Beim Aufwachen bricht die unerträgliche Wirklichkeit mit voller Wucht über ihn herein. Sie und er: miteinander verschlungene Fäden eines wertvollen Stoffs, der früher Tag für Tag weitergewoben wurde. Mit einem einzigen Hieb durchtrennt. Nicht mehr zu flicken.“ (Seite 57/58)

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Sie lacht noch mehr, und ihn überrascht dieses Lachen eines kleinen Mädchens im Körper einer alten Dame.“ (Seite 86)
„Das Leben kann bisweilen zauberhaft und zart sein, auch das hatte sie zuvor nicht gewusst.“ (Seite 120)

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„Dieser Mann versetzt sie in Aufruhr. Wird sie seine Erwartungen erfüllen können? Wie lautet die Gebrauchsanweisung für die Liebe, wenn man nicht einmal mehr auf einen Stuhl steigen und eine Glühbirne wechseln kann? Männer werden reifer, Frauen älter.“ (Seite 203)

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