Genuss pur

Aufbau Verlag, ISBN: 9783351036720, Preis: 21,95 €

Klappentext
„Sagen wir es so: Ich wurde geboren, als ich auf der anderen Seite der George Washington Bridge ankam.“
So lernen wir die unvergessliche Tess kennen, die auf der Flucht vor ihrer provinziellen Herkunft nach New York kommt, um endlich jemand zu werden, um endlich ihren Platz auf der Welt zu finden.
Wie so viele beschließt Tess, erst einmal einen Job als Kellnerin anzunehmen, um etwas Geld zu verdienen. Doch das Restaurant, in dem sie anheuert, ist alles andere als gewöhnlich. Es ist der große Tempel des Genusses, in dem nichts der Willkür überlassen wird – ein Paralleluniversum mit ganz eigenen Regeln und Gesetzen, Affären und Allianzen, Intrigen und Freundschaften, Exzessen und Freuden. Tess kann nur überleben, wenn sie schnell lernt. Und die Lektion, die sie hier bekommt, wird ihr Leben verändern.

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Tess ist eine junge Frau, entflieht nach dem College der Provinz in der sie aufgewachsen ist. Sie möchte das Leben spüren, erfahren wo ihr Platz im Leben ist. Sie strandet in New York und muss schnell feststellen, dass das Leben dort teuer ist. Sie nimmt erst einmal einen Job als Kellnerin an.

Das Restaurant in dem sie arbeitet ist ein Edelrestaurant, die Menschen die dorthin kommen Persönlichkeiten. Die Arbeit ist hart, dennoch hat Tess eine gewisse Freude daran und sie lernt sich schnell in die Abläufe ein. Schnell freundet sie sich mit ihren Kollegen an, sofern man dies Freundschaft nennen kann.

„BEI GESCHMACK, sagt der Chef, geht es immer um Ausgewogenheit. Das Saure, das Salzige, das Süße, das Bittere. Deine Zunge verfügt jetzt über die entsprechenden Codes. Ein Zeugnis von Geschmack, ein eindeutiger Hinweis darauf, wie du der Welt begegnest, ist die Fähigkeit, das Bittere zu schätzen, ja, danach ebenso zu gieren wie nach dem Süßen.“ (Seite 25)

Dieses Buch spaltet die Leserschaft. Vielen finden, dass zu leichtfertig über Alkohol, Drogen und Sex gesprochen wird. Ich habe dies als nicht so schlimm empfunden, weil ich versucht habe den Kontext dahinter zu sehen.

Jobs in der Gastronomie sind echte Knochenjobs. Nicht nur, dass die Arbeitszeiten einfach unmenschlich sind, haben es Frauen noch einmal um ein vielfaches schwerer dort zu bestehen. Sie werden oftmals, wie auch im Buch, sexuell genötigt/ belästigt. Um nicht den Job zu verlieren schweigen viele.

Hinzu kommt bei Tess noch, dass sie dazu gehören möchte. Folgedessen macht sie bei diesen Exzessen mit. Das will ich nun wirklich nicht schön reden oder gutheißen, aber sie hat niemanden in New York außer den Menschen die im Lokal arbeiten und sie möchte nicht in eine Außenseiterposition rutschen. Tess sucht noch nach ihrem Platz im Leben und die Liebe.

Auch Danler weißt in Nebensätzen und kleinen Botschaften auf die Folgen des Missbrauchs von Alkohol und Drogen hin.

Aber in diesem Buch geht es nicht nur um Alkohol, Drogen und Sex. Es geht auch um den Genuss, um gutes Essen und Weine. Ich persönliche liebe auch gutes Essen und Weine, dass in einer entsprechend Lokalität …. phantastisch. Für mich ist diese Art des Genusses eine Entschleunigung vom Alltag. Ich setze mich mit einer Speise auseinander, versuche Geschmack und Bestandteile zu differenzieren. Daher war dieses Buch für mich auch ein Erlebnis. Ich konnte mal „hinter“ die Kulissen schauen und erfahren wie die täglichen Abläufe in einem guten Restaurant sind.

Zusammengefasst:
SWEET … die Sehnsüchte, das Leben und die Liebe … BITTER die Abstürze und Exzesse … was für ein Wahnsinnsbuch!!!

 

 

4 von 5 Sternen

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Kurz und knapp #1 … „Das geträumte Land“ von Imbolo Mbue

Kiepenheuer & Witsch GmbH, ISBN: 9783462047967, Preis: 22,00 €

Auf Wunsch einer Leserin haben wir dieses Buch in unserem Lesekreis gelesen. Ich war sehr neugierig auf das Buch, da ich im Vorfeld sehr viel Positives darüber gelesen habe. Umso enttäuschter war ich, als ich mit dem Lesen anfing. Die Geschichte von Jende und Neni, zwei Menschen die nach Amerika kommen um den amerikanischen Traum zu leben, müssen schnell feststellen, dass dies gar nicht so einfach. Obwohl Jende eine gut bezahlte Stellung als Chauffeur hat und Neni studieren kann, schwebt immer das Damoklesschwert der Abschiebung über ihnen. Und dann sind da noch die Edwards, die den amerikanischen Traum leben, doch hinter der Fassade des tollen Lebens sieht es ganz anders aus.
Ich habe mich wirklich durch dieses Buch gequält, weil sich die Geschichte wie Kaugummi zieht,  und mir immer wieder die Frage gestellt, wer braucht dieses Buch … wer braucht diese Geschichte? Ich definitiv nicht. Mich hat die Story gelangweilt, die Protagonisten waren mir unsympathisch und die Sprache an einigen Stellen ziemlich plump und einfach.

Fazit
Ein amerikanischer Traum, der sowohl für die Protagonisten wie auch für mich als Leserin zum Albtraum wurde!

 

2 von 5 Sternen

… aus „Bei Sturm am Meer“ von Philipp Blom

Zsolnay, Paul
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
25.07.2016
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783552057937

 

Eine Regenböe erfasste Ben, als er um die Ecke bog. Er lehnte seinen Körper in den Wind. Er liebte dieses Gefühl, die Nässe auf dem Gesicht, die ihn erfrischte, der Widerstand, gegen den er ankämpfte. Diese Stadt war für ihn immer die Freiheit gewesen.“ (Seite 34)

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„Ich fühlte, wie die Schwere mich überkam. Ich fühlte: Dies ist der entscheidende Moment, so also fühlt es sich an, einen wichtigen Moment zu erleben, so fühle ich mich in dem Augenblick, bevor ich den Vorhang des Tempels zerreiße, bevor ich Schluss mache mit dieser Geschichte, mit ihrer Geschichte, die auch meine ist. Ich kann diese Lügen nicht mehr ertragen, sie wird in kurzer Zeit daran ertrinken, sie hat nicht mehr viel Zeit, (…)“ (Seite 58/ 59)

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Geht es dir auch manchmal so, fragte er unvermittelt zurück, dass du dich in einem Leben wiederfindest, das zum Großteil eine Folge deiner Entscheidungen ist, das aber gleichzeitig mit den Konsequenzen, wie du sie dir ausgemalt hattest, nichts zu tun hat?“ (Seite 189)

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Erinnerungen verändern jedes Leben

Diogenes, ISBN: 9783257300482, Preis: 16,00 €

 

Klappentext
Am heißesten Tag des Jahres glüht Berlin in der Sonne, und im Museum für Naturkunde laufen die Vorbereitungen für die große Gala zum 200. Geburtstag des Hauses.
Cathy, eine junge Britin und Konservatorin im Museum, soll an diesem Abend für ihre Forschung ausgezeichnet werden. Doch Cathy ist mit den Gedanken ganz woanders, nachdem sie am Morgen auf ihrem Schreibtisch ein Paket ohne Absender gefunden hat. Sein Inhalt: eine in Bernstein eingeschlossene Raubwanze.
Vier Jahre ist es her, dass Cathy ein solches Paket bekam. Vier Jahre, in denen sie auf der Flucht vor dem Absender zweimal den Kontinent gewechselt hat. Hier in Berlin, an der Seite von Tom, hatte sie sich sicher gefühlt und ein fast normales Leben geführt. Doch nun katapultiert das kleine braune Päckchen sie zurück in eine Vergangenheit, deren Bruchstücke sie sorgfältig verwahrt hält.
Eine atemlose Jagd durch die verlassenen Korridore des Museums beginnt, bei der Cathy um ihre kindliche Unschuld und um ihre große Liebe kämpft.

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„Die Vergangenheit ist nicht beständig. Der Vorgang des Erinnerns verändert uns, und jedes Leben kann innerhalb eines Tages neu geschrieben werden.“ (Seite 9)

Die Geschichte um Cathy spielt an einem einzigen Tag im Naturkundemuseum in Berlin. Es ist der Tag der 200 Jahrfeier und Cathy soll an diesem Tag geehrt werden. Doch ein kleines Päckchen wirft sie vollkommen aus der Bahn. Der Inhalt eine in Bernstein eingeschlossene Raubwanze. Cathy weiß sofort von wem dieses Paket ist … Daniel. Eine Erinnerung, die sie vergessen für immer möchte . Cathy ist mit Tom nach Berlin gekommen um ein neues Leben zu beginnen. Tom ahnt nichts von ihrer Vergangenheit und das ist gut so. Aber mit dem Päckchen taucht ein ungutes Gefühl in Cathy auf. Hat Daniel sie gefunden?

„Vermeintlich unbelebte Dinge haben mehr Macht, als die meisten Menschen zugeben wollen. Sie können einen verzehren oder einen befreien. Sie können einen für den Rest des Lebens herabziehen oder, wenn man es zulässt, einem die Bürde des Erinnerns abnehmen.“ (Seite 49)

Schon am Anfang der Geschichte habe ich ein ungutes Gefühl. Mir scheint, etwas Bedrohlich kommt auf mich als Leserin zu. Ich kann es nicht in Worte fassen, es ist eine Ahnung … Stothard schafft diese Atmosphäre mit „dahingeworfenen“ Worten und Andeutungen.

Da sind Cathys Verletzungen und Narben die mich Schlimmes vermuten lassen, dann taucht Daniel das erste Mal auf und er ist mir unheimlich, streckenweise habe ich Angst. Es hat den Anschein als wäre Daniel das Böse und Cathy das Liebe. Doch im Verlauf der Geschichte/ Erinnerung müssen sich beide ihrem Dämon der Vergangenheit stellen, um endlich ein freies Leben führen zu können.

Stothard hätte keine passendere Kulisse für ihren Roman wählen können. So wie die fossilen Tiere im Nuturkundemuseum Berlin ihre Geheimnisse in sich tragen, so trägt Cathy ihr Geheimnis in sich. Die Geheimnisse, die Umgebung, der Staub, das Vergessene und Wiederhervorgeholte … ich kann es förmlich riechen und spüren. Stothards Charaktere sind glaubhaft und spürbar … in jeder einzelnen Zeile …

„Daniel glaubte nicht, dass Fehler einfach so passierten: er glaubte, dass sie in einem wuchsen und sich verdichteten, um dann irgendwann zutage zu treten.“ (Seite 103)

Kurz gesagt: Spannendes Buch! Gewalt in einer Beziehung, Stalking, Vergebung und Liebe sind die zentralen Themen. Vorsicht Suchtgefahr!!!

 

5 von 5 Sternen

Was wäre wenn …

Blumenbar, ISBN: 9783351050412, Preis: 16,00 €

Klappentext
Ein junger Mann steht an der Schwelle. Die Prüfung der Jugend hat er gemeistert. Vor dem Erwachsenenlenben fürchtet er sich. Er ist bereit, alles aufzubringen, um sich Gewohnheit und Tristesse zu verwehren, der Ausweglosigkeit des Lebens zu entkommen.
In einer Spätsommernacht besiegelt er einen Pakt mit einem entfernten Bekannten: An sieben Nächten um sieben Uhr wird er losgeschickt in die Nacht, auf dass er eine der sieben Todsünden begegne. Er muss gierig, hochmütig und faul sein, neiden und wüten, Völlerei und Wollust treiben. Er wird sich von einem Hochhaus stürzen, Unmengen Fleisch essen, zum absoluten Nichtstun verdammt und zu Polyamorie verführt.
Und bis zum Morgen muss er schreiben, alles erzählen, ohne Zensur, ohne Beschönigung. Denn die sieben Todsünden sind vielleicht seine letzte Rettung.

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Durch so viel Form geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?

Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage
-ob Sin, ob Sucht, ob Sage_
Dein fernbestimmtes: Du mußt

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.

(Gottfried Benn)

Ihr alle kennt sicherlich dieses Gefühl, wenn man ein Buch in den Händen hält und weiß, dieses Buch ist etwas ganz besonderes. So erging es mir gestern mit diesem kleinen Buch von Simon Strauss. Auf dem Cover ein zerzauster junger Mann, der einen fragenden/ suchenden Ausdruck auf dem Gesicht hat. Beim Lesen des Klappentextes bekomme ich Gänsehaut und weiß … hier erwartet mich etwas ganz Großartiges. Dann auf den ersten beiden Seiten zwei Gedichte. Unter anderem das von Benn. Schon jetzt bin ich dem Buch hoffnungslos verfallen. Und es geht weiter so. Die Sprache ist der Hammer. Nachdem ich in den letzten beiden Wochen echt „schlechte“ Bücher gelesen habe dacht ich nur …. Endlich, es gibt sie noch die Bücher mit toller Sprache und Poesie … und mit voller Leidenschaft geschrieben!

Doch jetzt erst einmal genug geschwärmt …

Das Debüt von Simon Strauss befasst sich mit einem jungen Mann der kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag steht. Er hat Angst diese Schwelle zu übertreten. Angst davor dass das Leben dann monoton und langweilig wird. Der Ich Erzähler schließt mit einem Bekannten einen Packt. In sieben Nächten muss er jeweils eine Todsünde begehen und anschließend darüber schreiben. In einzelnen Kapiteln wird jede Todsünde und die damit verbundenen Erfahrungen und Emotionen beschrieben.

Beim Lesen der einzelnen Kapitel kommt mir das Ganze wie ein Manifest auf die alten Zeiten vor. An Hand der Todsünden spiegelt Strauss  die Zeiten heute und damals. Auf der einen Seite vermisst der Ich Erzähler die Zeit, in der es noch Menschen gab, die Träume hatten, die sich zusammen setzten um Pläne zu schmieden oder Aufstände zu führen. Er beklagt, dass heute jeder nur noch für sich alleine ist und sein Ding macht. Junge Menschen die immer auf der Suche nach neuen Abenteuern sind. Alles muss immer schneller, aufregender, riskanter und moderner sein. In unserer schnelllebigen Zeit hat nichts mehr Bestand. Heute freut man sich auf etwas, morgen macht man es und übermorgen hat man es schon wieder vergessen … ohne Rücksicht auf Verluste. Die Wertigkeit eines Lebens ist scheinbar nur noch davon abhängig ob man mithalten kann oder nicht. Daher ist es gar nicht verwunderlich, dass der Ich Erzähler Angst hat, zum „alten Eisen“ zu gehören. Plötzlich nicht mehr hipp zu sein. Verantwortung übernehmen zu müssen für sich und für eine eventuelle Familie. Angepasstheit ist ihm zuwider. Doch ist dem wirklich so?

Dieses Buch ist so viel mehr als eine banale Geschichte. Es ist ein Suchen und Finden der Identität … nach einer Spur, die man im Sand hinterlassen kann.

„Aber vorher lasst mich noch einmal in den Sand zeichnen. Eine Spur hinterlassen für alle, die noch erschütterbar sind. Für sie ist das hier geschrieben. Ein Text aus Angst. Aus Angst vor dem Übergang. Aber vor allem aus Hoffnung. Aus Hoffnung, dass doch noch etwas kommt.“ (Seite 129)

Ein grandioses Debüt!!! Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich sowohl Sprache als auch Inhalt gefesselt!!! Unbedingt lesen!!!

P.S.: Der Autor fordert an einer Stelle im Buch mehr Ausrufezeichen. Dieser Aufforderung komme ich gerne nach. 🙂

5 von 5 Sterne

Neulich in der Buchhandlung … #10

 

Liebe Leser,

hier kommt aber jetzt der Bericht vom 9. Bröltaler Familiensonntag. Dieser findet alle 2 Jahre statt und war dieses Jahr am 18. Juni. Dieser Tag steht ganz im Zeichen der Familie. Es werden von allen Ausstellern kleine Events für Klein und Große angeboten. Ferner fand in diesem Jahr auch die Sportlerehrung in diesem Rahmen statt. Dieser Bröltaler Familiensonntag ist ein riesen Event und wird schon ewige Zeit im Voraus vom Schaufenster Ruppichteroth e.V. erarbeitet und vorbereitet.

Dieses Jahr war ich das erste Mal dabei. Am Samstag, dem Tag vor dem großen Event wird ab 14.00 Uhr die Brölstraße auch zugleich Bundesstraße gesperrt. Sobald kein Auto mehr durch fährt bauen die Auststeller (die Gewerbetreibende des Ortes) ihre Pagodenzelte auf. Dies musste ich nicht, da ich meinen Laden direkt an der Straße habe.

Ich habe lange überlegt was ich für ein Event anbieten kann. Für die Kleinen habe ich schnell etwas gefunden. Malen. Und zwar Bilder aus dem Buch „Liebe Prinzessin, ich bin’s, dein Prinz“ des ortsansässigen Autors Simak Büchel. Der Verlag Bohem Press stellte uns 4 Kopiervorlagen zur Verfügung. Und es sollte noch besser kommen. Der Verlag stellte uns auch 3 Preise in Form einer Krone und zwei Schwerter zur Verfügung. Also hieß es malen und gewinnen. An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank an den Verlag Bohem Press .

Doch was konnte ich für die Erwachsenen anbieten. Eine Lesung … zu viele Geräusche Drumherum durch das Treiben auf der Straße …. nach langem hin und her, hatte ich mich entschieden Kuchen anzubieten. 15 Stück wollte ich backen. Fronleichnam bin ich dann um 8.00 Uhr aufgestanden und habe angefangen zu backen. Es war schön Mörder warm. Nachdem die ersten Teige fertig waren und auf den Ofen warteten, dachte ich so bei mir … irgendwie sehen die komisch aus. Ach back sie mal, wird schon … Doch auch nach dem backen sahen die Kuchen merkwürdig aus. Ich habe dann einen Kuchen angeschnitten und probiert. BÄÄH … was war das denn, die schmeckten wie eine Mischung aus Altreifen und Mörtel. Was war passiert. Ich weiß es ich genau, vermute aber mal, dass es einfach zu warm war und die Zutaten irgendwie „umgekippt“ sind. Nun stand ich da und hatte nix. 6 Kuchen lagen in der Tonne. Wieder haben wir hin und her überlegt und uns dann dazu entschlossen eine ChillLoungue anzubieten. Wir haben dann unsere Gartenmöbel mitgenommen und diese aufgebaut. Die Leute haben sich gefreut bei der Hitze im Schatten unter unserer Markise sitzen zu können.

Alles in allem war der Tag ein voller Erfolg. Die Kids haben fleißig gemalt und sich über die Gewinne gefreut, und wie bereits erwähnt haben es die Erwachsenen genossen bei uns chillen zu können. Es waren viele „fremde“ Menschen in der Buchhandlung um zu schauen und zu stöbern.

Der nächste Bröltaler Familiensonntag ist in 2 Jahren und ich habe jetzt schon ein paar Ideen was ich machen möchte. Lasst Euch überraschen. Und jetzt ein paar Impressionen vom Tag …

 

 

Bis dann Eure Angelika ♥

 

 

Muslimus modernus

Kein & Aber, ISBN: 9783036957524, Preis: 25,00 €

Klappentext
Während des Studiums in Oxford trifft Peri, die in Glaubensfragen schon immer zwischen den Stühlen saß, auf die weltoffene Shirin und die Kopftuch tragende Mona. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen drei  sehr unterschiedlichen Frauen mit muslimischem Hintergrund – Shirin, die Sünderin, Mona, die Gläubige und Peri, die Verwirrte.
Jahre später lebt Peri wieder in Istanbul, hat eine eigene Familie und bewegt sich in den besseren Kreisen. Doch eines Tages wird sie unvermittelt von der Vergangenheit eingeholt. Was ist in Oxford geschehen, dass sie sich mit den Freundinnen entzweit hat? Und was hat der charismatische Professor Azur und sein umstrittenes Seminar über „Gott“ damit zu tun?

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„Wachsam und gefügig verfolgte sie die Kämpfe und sah zu, wie sich ihre geliebten Eltern gegenseitig zerfleischten. Sie lernte früh, dass kein Krieg schlimmer war als ein Familienkrieg und kein Familienkrieg schlimmer als der, bei dem es um Gott ging.“ (Seite 37)

Peri wächst in Istanbul auf. Die Familie ist irgendwie zerrissen. Die Mutter eine fanatische Gläubige, der Vater ein trinkender Ungläubiger, der ältere Bruder sitzt im Gefängnis wegen kommunistischer Ambitionen … und dazwischen Peri. Sie weiß nicht an wen sie sich mit ihren Fragen über Gott und die Welt wenden soll.  An die fanatische  Mutter oder den saufenden Vater … Glaube oder Nichtglaube …

Dann hat sie die Möglichkeit nach Oxford zu gehen. Sie hofft dort Antworten zu finden. In Oxford angekommen trifft sie auf Mona und Shirin an. Mona ist eine junge Frau, die Frömmigkeit, Feminismus und Kopftuch vereint. Shirin dagegen setzt sich über alle religiösen Gesetze und Moralvorstellungen hinweg. Und wieder sitz Peri zwischen den Stühlen. Erst ein Seminar über Gott scheint Antworten zu bieten oder doch nicht …

„Weder der Glaube war mir fremd noch der Zweifel. Immer unentschlossen, immer schwankend, nie selbstbewusst. Vielleicht hat mich gerade diese Ungewissheit zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Aber sie wurde auch mein größter Feind.“ (Seite 549)

Die Geschichte beginnt im Jahr 2016. Peri lebt in Istanbuls besseren Kreisen, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Auf dem Weg zu einer Dinnerparty wird sie überfallen. Dabei fällt ein Bild aus ihrer Zeit in Oxford aus der Tasche. Und Peri erinnert sich an die Zeit von damals.

In Rückblicken wird die Geschichte von Peri erzählt. Mir hat dieses Switchen  in den Zeiten sehr gut gefallen. Da sind die junge suchende Peri und die erwachsene, die scheinbar ihren Platz gefunden hat. Doch hat sie das wirklich?

Dies ist das zweite Buch von Elif Shafak, das ich gelesen habe. Schon bei dem ersten „Ehre“ war ich begeistert. Shafak schafft es mich mit ihren Themen und den Einblick in eine „andere Welt“ zu faszinieren und zu fesseln.

Im Buch gibt es z. Beispiel eine Szene die einen Jungfräulichkeitsbeweis fordert. Ich habe nur den Kopf geschüttelt und mich gefragt in welchem Jahrhundert wir leben und ob es so etwa wirklich noch geben kann … Es sieht ganz danach aus.

„>Kann mir mal jemand erklären, warum junge Muslime immer so schnell beleidigt sind?< >Vielleicht weil wir ständig angegriffen werden? Tagtäglich muss ich mich rechtfertigen, obwohl ich nichts Böses getan habe. Ich soll beweisen, dass ich keine potentielle Selbstmordattentäterin bin! Ich fühle mich immerzu kontrolliert. Weißt du, wie verlassen man sich da vorkommt?<“ (Seite 468/ 469)

Glaube und Fanatismus, zwei Wörter die im Moment unseren Alltag mehr denn je begleiten.

Beim Lesen des Buches konnte ich Mona an vielen Stellen so sehr verstehen.  Eine junge Muslima, die ihren Glauben leben möchte, dies mit den Tragen des Kopftuches verdeutlicht aber auch zugleich eine Feministin ist, die sich für die Rechte der Frauen in einem Männer geprägten Land einsetzt. Und dann die ständigen Anfeindungen von außen, dass alle „Kopftuchträgerinnen“ potentielle Attentäter sind.

Auch Peri s Gedanken konnte ich sehr gut nachvollziehen. Da sind die fanatische Mutter und der trinkende ungläubige Vater … beides ist nicht das was Peri sich unter „ihrem“ Gott vorstellt. Doch was ist Gott?

Peri ist ein Symbol für viele von uns … sie ist Suchende, Fragende und Zweifelnde.

Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Vor allem die Aspekte des Glaubens, die Denkanstöße in verschiedene Richtungen und die philosophische Betrachtungsweise  haben dieses Buch lange nachwirken lassen und in unserem Lesekreis zu einer sehr langen Diskussion  über Glaube Religion geführt.

„Ich glaube, dass Gott aus vielen Teilen besteht und ganz bunt ist. Ich kann mir einen friedlichen Gott zusammenbauen, der alle leibt. Oder einen wütenden, der alle bestraft. Oder gar keinen. Gott ist wie Lego.“ (Seite 64)

Unbedingt lesen!!!

 

5 von 5 Sternen