Orchis von Verena Stauffer

Kremayr & Scheriau
Fester Einband
256 Seiten
Erscheinungsdatum:
12.03.2018
ISBN: 9783218011044
Preis: 22,90 Euro

Klappentext
Anselm ist Botaniker und leidenschaftlicher Orchideenforscher. Mitte des 19. Jahrhunderts begibt er sich auf eine Expedition nach Madagaskar. Dort findet er nicht nur die schönste Orchidee der Welt, sondern Erfüllung, die aber nur von kurzer Dauer ist. Auf dem Schiff zurück in die Heimat verrückt sich etwas in Anselm: Aus seiner Schulter wächst eine Orchidee. Zu Hause angekommen, bringen ihn seine Eltern in eine Nervenheilanstalt, wo er sich bald wieder erholt. Seiner wissenschaftlichen Laufbahn scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Doch die Zeit arbeitet gegen ihn: Die politischen Umbrüche verändern sein Umfeld. Die wissenschaftlichen Neuerungen durch Darwin stellen seine Theorien auf den Kopf. Und die überstürzte Reise nach China bringt Ungeahntes zutage.

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„Regen. Gleichmäßig und flächendeckend rieselten Millionen gläserner Fallschirme vom Himmel zur Erde, Wolkentröpfchen, welche den Taupunkt erreicht hatten und in hoher Fallgeschwindigkeit hervorbrachen, um das Land zu tränken.“(Seite 45)

Anselm ist leidenschaftlicher Botaniker und Orchideensammler. Er befindet sich gerade in Madagaskar, um dort eine neue Orchidee zu finden. Er ist überwältig von Land und Leute. Kurz bevor das Schiff Richtung Heimat ablegt, findet er seine einzigartige Orchidee. Anselm ist beseelt von ihrer Schönheit. Auf der Heimfahrt erkrankt der junge Botaniker so schwer, dass er sich immer mehr in Halluzinationen verirrt. Schließlich glaubt er, dass ihm eine Orchidee auf der Schulter wäschst. In der Heimat angekommen, lassen seine Eltern ihn in eine Nervenheilanstalt einweisen. Dort kann Anselm auch wieder genesen. Er nimmt seine Arbeit als Botaniker wieder auf. Nicht nur die politische Lage hat sich während seiner Krankheit verändert, nein, er muss jetzt auch noch gegen Darwins Theorien kämpfen, um selbst gefeiert und gepriesen zu werden. Doch dann bricht er übereilt nach China auf …

„Und dann wieder die Geiger, die ihre Bögen an den Saiten schwangen, diese Säbel, von Papier diktierten Maschinen! Die Übersetzer waren, Übersetzer der Noten in Töne. Höchste Genauigkeit lag in jeder ihrer Bewegungen, in mathematischen Winkeln verliefen ihre Armsensen, ihre Hebel von Nähmaschinen und draußen schien der Mond weiß, während in der Oper übersetzt wurde, versucht wurde zu spielen, was einer sich lange ausdachte.
Die Bläser gegen die Streicher. Fleisch gegen Geist, Zärtlichkeit gegen Wildheit, Vertrauen gegen Lust.“ (Seite 129)

Die Geschichte um Anselm und seine Orchideen ist jetzt keine mega Story, in der es auf und ab geht. Sie liest sich dennoch spannend. Vor allem die vielen Details über die Orchideen fand ich interessant und spannend.

Was an diesem Buch fasziniert und mich echt umgehauen hat ist die Sprache. Oh mein Gott … was für eine Sprache! Ich habe selten ein so sprachgewaltiges Buch erlebt. Stauffers Beschreibungen ließen mir manches Mal mein Herz schneller schlagen. Oft hatte ich das Gefühl, ich stehe mit Anselm in diesen Orchideenfelder und rieche sie ebenso intensiv wie er.

Ich bin verzaubert und hätte noch stundenlang weiter lesen können. Bitte mehr davon.
Chapeau Verena Stauffer.

Unbedingt lesen!!!

„Oh, schaukelnde Blätter! Als suchten sie neue Äste und fänden nur den erdigen Boden, der sie mit dem nächsten Regen mürbe werden ließ und zurücknahm. Oh, letzte Ameisen! Als hätten sie es eilig, aber kein Ziel, als würden sie sich umdrehen, um zu sehen, woher sie gekommen waren, damit sie sich erinnern, wohin sie wollten. Auf den Feldern stand noch das Getreide, Roggen wogte, zeichnete weiche Pölster auf die Gründe, auch der Hafer warf flauschige Bauschen über das Land und in der Ferne leuchtete ein Lavendelfeld. Ein Teppich war die Landschaft, an dem die Jahreszeiten woben und stickten, ein Gobelin.“ (Seite 168)

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Neulich in der Buchhandlung … #15

 

Hallo Ihr Lieben,

lange ist es her, dass hier ein neuer Beitrag entstanden ist. Jetzt ist es soweit, doch bevor ich die Geschichte erzähle, muss ich folgendes anmerken: Wenn ich Bücher verpacke, dann klebe ich immer ein „Siegel“ (so einen kleinen Aufkleber mit Logo und Adresse) auf die Verpackung. Gutscheine kommen in einen tollen Umschlag und werden auch dementsprechend „versiegelt“.

Gestern kam eine Stammkundin in die Buchhandlung und erzählte mir folgende Geschichte: Der Mann ihrer Nichte nebst Sohn, ich nenne den Kurzen hier mal Max, waren kurz vor Weihnachten in der Buchhandlung um der Mama (Nichte) ein Buch zu kaufen, welches sie zu Weihnachten bekommen sollte. Ich habe dieses Buch verpackt und „versiegelt“. Nun muss ich noch dazu sage, dass Max die Buchhandlung kennt, da er schon zur Märchenlesung hier war. Am zweiten Weihnachtstag war Max mit seinen Eltern bei meiner Stammkundin eingeladen. Unter ihrem Weihnachtsbaum lagen die Geschenke, die die Kundin zu Weihnachten bekommen hatte. Unter anderem lag dort auch ein Gutschein aus dem Büchergarten. Der Kurze, aka Max, steht also vor dem Weihnachtsbau und schaut sich so die Geschenke an. Plötzlich sagt er zu seinen Eltern und dem Rest der Anwesenden, und zeigt dabei auf den Gutschein: „Das Christkind kauft in der gleichen Buchhandlung Weihnachtsgeschenke, in der wir für die Mama  eingekauft haben.“ ♥♥♥

Ich hab so gelacht, das ist so süß. ♥

Und Ihr wisst jetzt Bescheid. Das Christkind kauft hier ein. Jedes Jahr. Merkt Euch das ♥♥♥

Eure Angelika ♥♥♥

 

Kurz & Knapp … Das Debüt 2018

Zuerst …

werde ich hier alle Bücher in der Reihenfolge kurz vorstellen, in der ich sie gelesen habe inklusive einem kurzen Fazit. Danach gibt es meine Entscheidung mit meiner ganz persönlichen Meinung. Diese Meinung ist meine und spiegelt einzig mein Empfinden beim Lesen des Buches. Alle Titel waren dieses Jahr sehr stark.

 

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Bevor wir verschwinden von David Fuchs

Ben ist Medizinstudent und soll als nächstes ein Praktikum auf der Onkologie absolvieren. Dort trifft er unerwarteter Weise seine erste große Liebe Ambros. Ambros ist Patient und hat metastasierenden Krebs. In Rückblicken erzählt David Fuchs von der ersten Liebe und von der Vergänglichkeit und dies in Mitten eines Krankenhausalltags, in denen die Patienten auf der Onkologie nur so wegsterben.

Fazit: Mein erstes Buch der Shortlist und ich fühlte mich etwas mit dem Thema überfordert. Die vielen Szenen mit den Nadeln (Infusionen, Punktionen etc.) sowie den ausführlich beschriebenen Tierversuchen waren eindeutig nichts für mich.

(Haymon Verlag, ISBN: 9783709934333, Preis: 19,90 Euro)

 

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Alles was glänzt von Marie Gamillscheg

Im Mittelpunkt des Romans steht ein Berg und ein kleines Dorf welches im Schatten des Berges liegt. Als eines Tages der Berg „zittert“ ahnen die Menschen, die dort leben, das etwas passiert. Marie Gamillscheg lässt die Bewohner des Dorfes zu Wort kommen. Sie erzählen von Menschen die schon beim ersten „zittern“ in die große Stadt geflohen sind und von denen, die ausharren bis zum Schluss. Von denen, die ihrer Heimat nicht verlassen wollen.

Fazit: Ich fand die Geschichte wirklich spannend geschrieben. Bis zum Schluss habe ich darauf gewartet, das etwas passiert. Doch außer einem Unfall ganz zu Anfang ist nicht wirklich etwas passiert. Und dennoch hat es die Autorin mit ihrem ganz eigenen Schreibstil geschafft, das ich bis zum Schluss Neugier blieb, in der Hoffnung, dass da noch etwas Großes passiert.

(Luchterhand, ISBN: 9783630875613, Preis: 18,00 Euro)

 

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Der letzte Huelsenbeck von Christian Y. Schmidt

Daniel hat einige Jahre in Ostasien gelebt. Nun ist er zurück. Auf der Beerdigung seines Jugendfreunds kommt es zu einer Schlägerei. Von da an scheint alles aus dem Ruder zu laufen. Daniel erinnert sich an seine Zeit mit Victor, den Verstorben, und der Clique den sogenannten Huelsenbecks, Anhänger des Dadaismus. Immer öfter taucht in Daniels Erinnerung eine geheimnisvolle Frau auf, die er nicht greifen kann. Er befragt seine ehemaligen Freunde, doch je mehr er erfährt desto verstrickter und komplizierter wird das Ganze. Jeder hat seine ganz eigene Erinnerung an die damalige Zeit.

Fazit: Zuerst hat mich dieser ständig bekiffte bzw. unter Drogen und Alkohol stehende Daniel genervt. Ich hab mich echt gefragt, muss das sein? muss ich ein Buch lesen, in dem der Protagonist ständig zugedröhnt ist und seine Umwelt nicht klar mitbekommt. Doch je mehr ich gelesen habe, desto interessanter und spannender fand ich die Geschichte. Das Ende hat mich dann echt überrascht.

(Rowohlt Berlin; ISBN: 9783737100243, Preis: 22,00 Euro)

 

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Orchis von Verena Stauffer

Anselm ist leidenschaftlicher Botaniker und Orchideensammler. Er befindet sich gerade in Madagaskar, um dort eine neue Orchidee zu finden. Er ist überwältig von Land und Leute. Kurz bevor das Schiff Richtung Heimat ablegt, findet er seine einzigartige Orchidee. Anselm ist beseelt von ihrer Schönheit. Auf der Heimfahrt erkrankt Anselm so schwer, das er sich immer mehr in Halluzinationen verirrt. Schließlich glaubt er, dass ihm eine Orchidee auf der Schulter wäschst. In der Heimat angekommen, lassen seine Eltern ihn in eine Nervenheilanstalt einweisen. Dort kann Anselm auch wieder genesen. Er nimmt seine Arbeit als Botaniker wieder auf.

Fazit: Was für eine Sprache! Die hat mich echt umgehauen. Ich habe selten ein so sprachgewaltiges Buch erlebt. Stauffers Beschreibungen ließen mir manches Mal mein Herz schneller schlagen. Ich hatte das Gefühl, ich stehe mit Anselm in diesen Orchideenfelder und rieche sie ebenso intensiv wie er. Die Autorin schafft mit ihrer Sprache ein sehr intensives Leseereignis.

(Kremayr & Scheriau, ISBN: 9783218011044, Preis: 22,90 Euro)

 

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Nichts, was uns passiert von Bettina Wilpert

Anna und Jonas kennen sich. Flüchtig. Nun ja, sie hatten einmal Sex miteinander, aber das war nicht der Rede wert. Dann war da diese Geburtstagsfeier von Hannes. Anna und Jonas sind auch eingeladen. Beide trinken viel Alkohol, knutschen rum. Anna hat einen Filmriss. Am nächsten Tag hat Anna das Gefühl, dass irgendetwas schief gelaufen ist. Sie glaubt Jonas hat sie vergewaltigt. Doch hat er das wirklich. Sie kann sich nicht wirklich erinnern. Nach Monaten, auf Zureden ihrer Schwester zeigt sie Jonas dann doch wegen Vergewaltigung an. Jonas sagt, er habe sie nicht vergewaltigt. es steht Aussage gegen Aussage. Freunde, Familie, Bekannte werden befragt. Und am Ende ist nichts mehr so wie es war ….

Fazit: Ein sehr intensiver Roman, der mich als Leserin hin und her gerissen hat. Wem glaubt man? Wer sagt die Wahrheit? Keine leichte Aufgabe dies heraus zu finden. Wer ist Opfer, wer Täter? Oder sind nicht Beide beides? Achtung, einige Szenen in diesem Buch könnten Triggern!!!

(Verbrecher Verlag, ISBN: 9783957323071, Preis: 19,00 Euro)

 

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Meine Entscheidung …

Platz 3 und somit 1 Punkt:

Alles was glänzt von Marie Gamillscheg

Marie Gamillscheg schafft es mit ihrer fabulierenden Sprache mich bis zur letzten Seite neugierig zu halten. Immer in der Hoffnung das etwas Großes passiert lese und lese ich die unterschiedlichsten Geschichten der Dorfbewohnen über ihr Leben am und mit dem Berg.

 

Platz 2 und somit 3 Punkte:

Der letzte Huelsenbeck von Christian Y. Schmidt

Auch wenn mir der Protagonist zuerst mächtig auf den Keks ging, so gewann die Geschichte doch immer mehr an Sog. Auch hier war es so, dass ich als Leserin einfach wissen wollte was steckt hinter dieser ganzen Geschichte um die Huelsenbecks. Vor allem hat mich fasziniert wie verschwommen die Grenzen zwischen Wahrheit, Erinnerung und Halluzination waren. Diese Buch ist abgedreht und anders, und deshalb lesenswert!

 

Platz 1 und somit 5 Punkte:

Orchis von Verena Stauffer

Verena Stauffer hat mich mit ihrer Geschichte an einen magischen Ort entführt. Einen Ort voller Fantasie, Gerüchen und Geräusche, die mich einfach nur begeistert haben, und mein Herz höher und schneller schlagen ließen. Es gibt so viele schöne Sätze in diesem Buch, wenn ich diese alle raus schneiden würde, dann bliebe nicht mehr viel Buch übrig. In einer Zeit, in der wir täglich so viele schlechte und schlimme Nachrichten lesen und hören, ist Stauffers Roman Balsam für die Seele. Chapeau ♥♥♥

 

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Und zuletzt …

vielen Dank an das Team von „Das Debüt“ für die tolle Vorauswahl der Bücher. Ebenfalls ein dickes Danke an die Verlage für die Bereitstellung der Leseexemplare.

DANKE!!! ♥♥♥

Und nun bin ich gespannt wer das Rennen macht ….

Kurz & Knapp … Oktober 2018

Vox von Christina Dalcher

Von heute auf morgen dürfen Frauen in Amerika nicht mehr als 100 Worte sprechen. Ein Armband am Handgelenk zählt diese und bei überschreiten der 100 werden elektrische Impulse ähnlich einem Elektroschocker freigesetzt. Jean kann dies erst einmal gar nicht fassen. Sie ist Wissenschaftlerin und Mutter. Wie soll sie mit 100 Worten am Tag auskommen? Und ihrer Tochter erst. Sie ist noch ein Kind und entdeckt gerade die Welt und die Sprache … Ziel der neuen Machthaber der USA ist es, dass die Frauen zurück an den Herd sollen und die Männer ihre Macht zurückbekommen …

Wir haben das Buch innerhalb des Lesekreis gelesen. Und wir allen waren ähnlicher Meinung. Spannend bis zur letzten Seite geschrieben, doch leider an vielen Stellen nicht zu Ende gedacht. Die Thematik ist schon sehr spannend. Eine Welt, in der Frauen mur noch 100 Wörter pro Tag nutzen dürfen.  Wie würde eine solche Welt aussehen?

Viele Fragen bleiben offen … ein Ehepaar, das sich liebt hat keine Geheimnisse voreinander. Warum verschweigt Jeans Mann ihr, dass er versucht sie zu retten? Stattdessen hat man als Leserin den Eindruck, dass er sie verrät und alles dafür tut, damit es ihr so richtig schlecht geht. Woher kommt diese Untergrundbewegung? Wer hat sie gegründet und warum? Was will diese Bewegung erreichen? Und noch viele andere Punkte sind bis zum Ende nicht durchgedacht. Leider … und sehr schade …

Fazit: Toll geschrieben, von der ersten bis zur letzten Seite durchaus spannend. Doch leider nicht bis zum Ende durchdacht und somit bleiben für mich viele wichtige Fragen offen. Schade!

(S. Fischer Verlag, ISBN: 9783103974072, Preis: 20,00 Euro)

 

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Das reife Mädchen von Anna Giurickovic Dato

Als Maria noch ein Kind war, und Anna noch mit ihrem Mann zusammenlebte, schien die Welt in Ordnung. Doch sie war es nicht, denn Maria wurde von ihrem Vater missbraucht. Jetzt ist Maria 13 und flirtet wie eine kleine Lolita mit dem neuen Freund der Mutter. Das ist Anna zu viel und sie schmeißt den neuen Freund raus.

Die Geschichte wird in zwei Erzählsträngen erzählt. Einmal die Zeit in der Maria noch das Kind ist, und vom Vater missbraucht wird und dann die Zeit, in der Anna ihren neuen Freund zu Besuch hat und Maria mit diesem sehr eindeutig flirtet. Anna erlebt das Ganze wie in einem Traum. Sie merkt zum ersten Mal, dass es eigentlich ihre Schuld ist, das Maria jetzt so ist, wie sie ist. Doch ist dem wirklich so?

Ein sehr intensives Buch über das Wegsehen und nicht Wahrhabenwollen einer Mutter, dem Missbrauch und die Entwicklung eines Kindes, das sich nicht wehren konnte und auch niemanden hatte, dem es sich anvertrauen konnte. Bis zu dem Tag, an dem es sein Schicksal selbst in die Hand nimmt.

Fazit: Ein in meinen Augen sehr gelungenes Debüt, das aber keine einfache Lektüre ist. Die Autorin schafft es mit sehr viel Gefühl über das Thema Missbrauch zu erzählen.

(Piper, ISBN: 9783492059053, Preis: 20,00 Euro)

 

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Farben der Nacht von Davit Gabunia

Surab, Anfang 30 lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Tiflis. Die Familie führt ein unaufgeregtes Leben. Surab ist gerne Vater. Weniger gerne ist er Hausmann. Doch er hat seinen Job verloren und so bleibt er zu Hause und seine Frau verdient das Geld für die Familie. Schnell kommt nach erledigter Hausarbeit Langeweile auf und Surab beginnt die Menschen in seiner Nachbarschaft zu beobachten. Schnell interssiert ihn aber das Leben des jungen Manns im Nachbarhaus. Dieser scheint homosexuelle zu sein und ein Verhältnis mit einem hohen Beamten vom Staatsschutz zu haben. Surab ist von dem Paar fasziniert und aus der anfänglichen Neugier wird eine Obsession. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse …

Dieses Buch ist sehr spannend geschrieben und ich kam mir beim Lesen selbst wie eine Voyeurin vor. Ich konnte das Buch nicht beiseite legen, weil ich unbedingt wissen musste, wie es weiter geht. Das Ende hat mich dann sehr überrascht, aber auch ein wenig ratlos zurück gelassen.

Fazit: Wer Hitchcocks „Fenster zum Hof“ spannend fand, findet hier ein ähnliches Werk mit modernen Elementen.

(Rowohlt Berlin, ISBN: 9783737100410, Preis: 20,00 Euro)

 

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Der Tag, an dem ich feststellte, dass Fische nicht klettern können von Christian Jaschinski

Max ist Mitte vierzig. Als er am diesjährigen Hochzeitstag nach Hause kommt, teilt ihm seine Frau knapp mit, dass sie ihn verlassen wird. Max fällt aus allen Wolken, dachte er doch seine Ehe wäre Vorbildlich. Auch seine Tochter wendet sich von ihm ab. Einzig sein Freund Bolle ist für ihn da und versucht ihm in dieser schweren Zeit beizustehen. Die beiden fahren für ein Wochenende nach Berlin. Ein Wochenende, dass alles verändert …

Ich habe diesen Roman gelesen, weil wir eine Lesung mit dem Autor in der Buchhandlung gemacht haben. Die Geschichte ist kurzweilig und amüsant. Der Abend mit dem Autor war es ebenfalls.

Fazit: Wer mal schnell etwas Lustiges zwischendurch lesen möchte ist mit diesem Buch gut bedient. Hier ist mal nicht die Frau die Verlassene, sondern der Mann, und zu sehen wie Mann damit umgeht ist ganz nett.

(Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN: 9783862655458, Preis: 9,99 Euro)

 

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Liebe ist die beste Therapie von John Jay

Steve und Charlotte sind schon einige Jahre verheiratet, haben Kinder und ein Eigenheim. Eigentlich könnten sie glücklich sein. Doch sie sind es nicht. Beide betrügen sich gegenseitig mit anderen Partnern, lügen und verheimlichen. Und doch scheint da noch etwas von Liebe zwischen ihnen zu sein. Daher beschließen sie eine Paartherapie zu machen, um zu sehen, ob ihre Ehe noch eine Zukunft hat.

Dieser Roman spielt überwiegend in den Räumen der Therapeutin. Und es geht auch nur um diese drei Menschen und ihr Leben, ihre Gedanken und ihre Gefühle. Steve und Charlotte schildern was ihnen in der Beziehung fehlt, was sie sich wünschen … Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, der Autor hält mir einen Spiegel vor. Wer lange verheiratet oder in einer langen Beziehung lebt, hat mit Sicherheit die ein oder andere Situation aus dem Buch so oder ähnlich erlebt. Wie z.B. das nicht richtige Zuhören des Partners und die damit verbundenen Streitigkeiten. Jays Therapeutin zeigt Wege auf, wie ein Miteinander wieder klappen kann.

Fazit: Ein tolles Buch, und obwohl Roman, hat dieses Buch auch etwas von einem Ratgeber …

(Diogenes, ISBN: 9783257070439, Preis: 22,00 Euro)

 

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Ein Winter in Paris von Jean-Philippe Blondel

Als Außenseiter hat es Victor es am elitären Lycee D. in Paris nicht einfach. Obwohl alle wissen das er die Prüfung nicht schaffen wird, unterwirft er sich dem strengen Schulsystem. Er ist jedoch nicht der einzige. Mathieu ist ebenfalls Außenseiter. Einige Tage vor seinem 19zehnten Geburtstag beschließt Victor, dass er Mathieu zu einem gemeinsamen Essen einladen möchte. Doch ehe es dazu kommen kann, springt Mathieu in den Tod. Schüler wie auch Lehrer sind entsetzt über die Tat. Doch plötzlich steht Victor im Mittelpunkt, da alle denken das er mit Mathieu befreundet war. Auch Mathieus Vater ist sehr an Victor und seiner Beziehung zu seinem Sohn interessiert.

Die Geschichte plätschert irgendwie nur vor sich hin. Ich habe nicht wirklich verstanden, was der Autor mir mit diesem Buch sagen möchte. Alle Protagonisten sind so … so nichtssagend, blass und uninteressant. Sie haben mich gelangweilt. Trotzdem habe ich dieses Buch zu Ende gelesen. Warum? Weil ich vor zig Jahren ein Buch von Blondel gelesen habe, welches mich fasziniert hat. Es hieß „Zweiundzwanzig“ und hatte mich von der ersten Seite an gepackt. Es war eine Hommage ans Leben. Doch die Bücher die ich danach vom Autor las, konnten mich alle nicht mehr berühren. Leider.

Fazit: Ich fand dieses Buch langweilig und für mich wird es wohl das letzte Buch von Blondel gewesen sein, welches ich gelesen habe. Schade!

(Paul Zsolnay, ISBN: 9783552063778, Preis: 19,00 Euro)

 

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Kurz & Knapp … September 2018

Ich komme mit von Angelika Waldis

Vita und Lazy kennen sich eigentlich schon ein Leben lang. Vita zog vor 42 Jahren als junge Mutter in das Haus in der Torstraße 6. Der Sohn ist mittlerweile aus dem Haus und ihr Mann verstorben. Lazy ist 21, Student und nennt Vita wie alle anderen Bewohner, die Alte von oben. Lazy ist jung und frei, leibt seine Freundin und das Leben. Als seiner Freundin ihn verlässt und er zudem noch schwer erkrankt, wird Vita plötzlich zu einer Art von Freundin. Sie kümmert sich und weicht Lazy nicht mehr von der Seite.

Eine Freundschaft zwischen Lazy und Vita bahnt sich an. Ungewöhnlich? Eher nicht. Beide haben niemanden, der sich um sie kümmert oder sich für sie interessiert. Lazy wurde von seiner Freundin verlassen und zum Vater gibt es keinen Kontakt. Vitas Mann lebt nicht mehr und der Sohn lebt im fernen Amerika und kommt nur alle Jubeljahre die Mutter besuchen. Somit ist es dann nicht ungewöhnlich, dass Lazy und Vita zueinander finden.

Fazit: Eine nette Geschichte, die zeigt, dass Familie nicht immer Blutsverwandte sein müssen. Nachhinten raus, wird die Geschichte dann aber doch ein wenig konstruiert.

(Wunderraum, ISBN: 9783336547975, Preis: 20,00 Euro)

 

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Putzfrau bei den Beatles von Birgit Rabisch

Vier Freunde, alle in die Jahre gekommen leben in ihrer persönlichen „Yellow Submarine“. Da wundert es nicht, dass sie sich John, George, Paul und Ringo nennen. Jana, eine junge Frau, ist auf der Suche nach einem Job, um etwas Geld zu verdienen, da sie an ihrem ersten großen Buch schreibt. Sie landet bei den vieren als Putzfrau und erfährt vieles aus deren Leben. Eines Tages taucht ein kleiner Junge auf und behauptet der Enkel von Paul sei. Die Beatles sind schwer geschockt, vor allem Paul, der keine Ahnung von einer Tochter hatte.

Natürlich geht es in diesem Buch nicht um die wirklichen Beatles, sondern um eine Gruppe Männer, die in dieser Zeit aufgewachsen sind. Sie lieben die Musik der Beatles und hatten als Jugendliche auch eine eigne Band. Neben der Musik der Beatles und dem Leben der vier Männer nimmt sich Rabisch vielen aktuellen Themen unserer Zeit an … Generationenkonflikte, Politik in Amerika … um nur zwei von vielen zu nennen. Leider waren mir das dann zu viele, da alles irgendwie nur angedeutet und nicht richtig ausgearbeitet wurde. Sehr schade!

Fazit: Ein weiteres Buch von Birgit Rabisch, dass ich gerne gelesen habe, mich aber nicht wirklich überzeugen konnte. Die anderen beiden Vorgängerbücher fand ich wesentlich stärker!

(duotincta, ISBN: 9783946086307, Preis: 15,00 Euro)

 

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Zehntelbrüder von Ruth Cera

Mich hat ein auf den ersten Blick sehr verworrenes Familienkonstrukt. Da ist erst einmal sein Halbbruder, und dann noch seine beiden Stiefbrüder. Aber da sind auch noch die beiden Töchter seines Vaters und dessen zweiten Ehefrau. Seine Mutter ist irgendwann abgetaucht und keiner weiß wo sie steckt. Da ist Micha elf. Er wächst zunächst bei seinem Stiefvater auf, und dann später bei einer weiteren Exfrau seines Stiefvaters. Und so wird sein Familienkonstrukt immer verworrener.

Cera erzählt hier eine sehr spannende Familienkonstellation. Die zeigt, dass man nicht Blutsverwand sein muss, um Familie zu sein. Am Anfang hatte ich leichte Schwierigkeiten alle Protagonisten auseinander zu halten bzw. einzugliedern wer wohin gehört. Doch irgendwann hatte ich den Dreh raus. Obwohl Micha sehr „verwaist“ aufwächst, meist auf sich allein gestellt ist, ist er scheinbar der einzige in dieser Familienkonstellation, der seinen Weg findet und geht. Micha ist derjenige, der sich immer wieder um seine vielen Geschwister und deren Belange kümmert.

Fazit: Mir hat dieses Buch sehr gefallen. Was mir nicht gefiel war die kleine Schrift und die minimalen Zeilenabstände in der Taschenbuchausgabe. Das hat das Lesevergnügen ein wenig gemildert.

(Frankfurter Verlagsanstalt, ISBN: 9783627002510, Preis: 14,00 Euro)

 

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„Das Weiße Schloss“ von Christian Dittloff

Berlin Verlag
Fester Einband
304 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.08.2018
ISBN: 9783827013859
Preis: 22,00 Euro

Klappentext
Sie sind ein glückliches Paar. Ada und Yves haben sich für ein Kind entschieden, doch fürchten sie die Unvereinbarkeit von Liebe, Karriere und Erziehung. Deshalb nehmen sie am Prestigeprojekt des Weißen Schlosses teil, wo Leihmütter die Kinder zur Welt bringen und großziehen. Elternschaft ist hier Beruf und folgt einem alles bedenkendem Konzept unter den Vorzeichen Bio und Fare Trade. Über neun Monate zeigt der Roman die beiden auf ihrem Weg zum Elternwerden, folgt den Veränderungen ihres Selbstbilds und ihrer Beziehung.

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„Die Großmutter hatte für das Jenseits gelebt. Die Mutter für ein Leben nach der Rente. Und Ada wollte in der Gegenwart leben.“ (Seite 29)

Ada und Yves sind ein Paar. Sie führen eine offene Beziehung, und möchten ein gemeinsames Kind. Sie möchten jedoch nicht auf ein ungezwungenes Leben verzichten. Sie möchten Karriere machen, Partys, zu jeder Zeit spontane Reisen oder dergleichen. Deshalb haben sie sich entscheiden am Prestigeobjekt des Weißen Schlosses teilzunehmen. Ein Projekt, an dem nur die wohlhalbende Bevölkerung dran teilnehmen kann. Eine sogenannte Tragemutter empfängt das Kind, natürlich oder assistiert, trägt es aus und im besten Fall kümmer sie sich in den ersten sechs Lebensjahren um das Kind. Die „Eltern“ kommen nur hin und wieder zu Besuch. Somit haben Ada und Yves Zeit für ihr Leben.

„Die assistierte Empfängnis und die Tatsache, dass das Kind der intendierten Eltern durch die Tragemutter zur Welt gebracht wird, die es sogar im Alltag erzieht, löst traditionelle Familiengrenzen auf. Für mich ist dies eine Chance, die wir vorsichtig ergreifen wollen. Es ist eine Balanceakt zwischen sozialer Fremdheit und biologischer Nähe.“ (Seite 61)

Soweit, so gut oder auch nicht … Im weiteren Verlauf der Geschichte erfahre ich wie Ada und Yves sich kennen gelernt haben. Er war „privilegierter“ Flüchtling und Ada bearbeitete seine Einreise. Sie verliebte sich in diesen Künstler und beide wurden ein Paar in einer offenen Beziehung. Nachdem sie beschlossen haben ein Kind zu bekommen begleite ich als Leserin die beiden zu ihrer Tragemuttter, erlebe die Empfängnis und in Briefen von der Tragemutter an Ada und Yves die Schwangerschaft.

Ada bleibt immer in einer distanzierten Rolle. Yves dagegen setzt sich mit der Schwangerschaft und dem werdenden Leben mehr auseinander, könnte sich sogar eine „nahe“ Vaterolle vorstellen. Doch dann kommt es zu einer Tragödie, die alles in Frage stellt …

„Nach ausführlichen Überlegungen hatten sich Ada und Yves sogar für eine Zusatzoption entschieden: Für die nächste Befruchtungsperiode würde ihre Tragemutter Marie nicht zur Verfügung stehen, damit ihr Kind die ersten sechs Jahre ganz im Mittelpunkt ihrer Zuwendung stehen konnte. Diese Freiheit ließen die Richtlinien des Weißen Schlosses zu. Sie beide würden das Kind monatlich besuchen kommen, nicht öfter. Sie wollten sich schließlich auch selbst leben.“ (Seite 64)

Auf den ersten ca. hundert Seiten habe ich mich über dieses Buch nur aufgeregt. Der „egoistische“ Wunsch Adas und Yves nach einem Kind, ohne sich letztendlich darum kümmer zu müssen fand ich unerträglich. Das ungeborene Kind wurde wie eine Ware dargestellt, die man mal eben so einkaufen kann. Gefühle gleich null. Auch die vielen negativen und abfälligen Passagen über Kinder und über Mütter, die ihrer Kinder wegen zu Hause bleiben, die „in Familie“ machen, fand ich unerträglich und haben mich auf die Palme gebracht.

„Kleinkinder konnte ich schon nicht leiden, als ich selbst noch ein Kind war. Sie sind egozentrisch und manipulativ und unlogisch!“ (Seite 125)

Nachdem ich das Buch beendet hatte, habe ich mich gefragt was Dittloff mit diesem Buch bezwecken wollte bzw., was will er mir, dem Leser damit sagen. Er will provozieren. Das ist mir klar. Doch womit genau?

Ist es unser gesellschaftliches Bild? Unsere Wertevorstellung in einer Gesellschaft voller Konsum? Wird ein Kind zu einem „Konsumgut“, Bio und Fare Trade, frei nach dem Motto „Ich will das aber jetzt haben“?

Ada und Yves leben in einem großen Haus, reisen, sind erfolgreich im Job, machen was immer sie wollen, wann immer sie wollen. Da scheint ein Kind gar keinen Platz zu haben. Und dennoch wollen sie eines. Da frage ich mich als Leserin doch warum? Weil das dazu gehört? Vater-Mutter-Kind.

Dittloff versucht aufzuzeigen wo Elternschaft anfängt und wo sie wohlmöglich aufhört. Dürfen Menschen sich Eltern nennen, die nur einmal im Monat ihr Kind besuchen kommen, oder ist nicht eher die Frau, die das befruchtete Ei über neun Monate ausgetragen hat, die „wahre“ Mutter?

„Waren diese Momente, in denen man allein war und die Hände über den Halbmond aus Fleisch und Blut gleiten ließ, nicht genau die Art von Reflexion, die eine Mutter sich in ihre Rolle fügen ließ? So eine Einkehr hatte er an Ada nicht erlebt in den letzten Monaten und an sich natürlich auch nicht. Über neun Monate hinweg erzählen der wachsende Bauch und dessen Innenwelt von diesem Wunder, das ja im Grunde gar kein Wunder ist, sondern ein einfacher biologischer Vorgang. Aber als schwangere Person erlebt man über zweihundertfünfzig Tage nichts anderes als eine mit jeder Zelle in sich hineinwachsende Liebe zu sich selbst.“ (Seite 242)

Ein Buch, das viel Diskussionsstoff bietet und mich auch jetzt noch nicht zur Ruhe kommen lässt. Zu gerne würde ich mit dem Autor darüber diskutieren.

Ungewöhnlich, provokant und somit absolut lesenswert!

„Das innere Ausland“ von Thommie Bayer

Piper
Fester Einband
176 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.08.2018
ISBN: 9783492057271
Preis: 20,00 Euro

Klappentext
Andreas Vollmann glaubt, endlich in seinem Leben angekommen zu sein. Nach mehr oder weniger allein verbrachten Jahren als Bahnschaffner auf internationalen Zügen lebt er mit seiner Schwester Nina in einem idyllischen Haus im Süden Frankreichs, wo er die Tage in bukolischer Abgeschiedenheit verbringt. Bis Nina sehr plötzlich stirbt – und Andreas sich seiner inneren Einsamkeit bewusste wird. Es ist kein Zufall, dass wenig später eine fremde Frau vor seinem Haus steht – sie heißt Malin und ist Ninas Tochter, von der Andreas noch nie etwas gehört hat. Während die beiden sich einander annähern und Malin ihm von der unbekannten Seite seiner Schwester erzählt, erkennt Andreas, dass das Leben ihm eine zweite Chance bietet. Doch er muss sie auch ergreifen.

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„Nachdem sie ins Bett gegangen war, saß ich noch eine Zeit lang und sah dem Feuer beim Herunterbrennen zu. Ich ertappte mich dabei, dass ich dachte, so soll es bleiben, aber ich erschrak zugleich, weil ich wusste, dass es nie so bleibt und man keine Wahl hat, als die guten Momente zu würdigen und die unausweichlich folgenden schlechten zu überstehen.“ (Seite 94)

Andreas lebt allein in einem Haus in Südfrankreich. Er hat keine Partnerin und keine Kinder. Bis vor kurzem hat er mit seiner Schwester in diesem Haus gemeinsam gelebt. Die beiden haben früh ihrer Eltern verloren und hatten deshalb eine sehr enge und innige Beziehung. Doch nun ist Nina plötzlich verstorben und Andreas vollkommen allein.

Eines Tages, kurz nach Ninas Tod, steht plötzlich eine junge Frau vor der Tür. Es ist Malin und sie ist Ninas Tochter. Eine Überraschung für Andreas, der nichts davon wusste, aber auch eine Überraschung für Nina, die erst vor kurzem erfahren hat, das Nina ihre Mutter ist und sie bisher bei Pflegeeltern aufgewachsen ist.

Die beiden versuchen gegenseitig das Puzzel über Nina und ihr Leben zusammen zu setzen, von dem sie beide nichts wussten. Und dabei nähern sich Andreas und Nina an, spüren, dass sie ihre innere Einsamkeit überwinden müssen, um gemeinsam den weiteren Weg zu gehen …

„Ich habe zum ersten Mal eine Vorstellung davon, wie weh es tun muss, einsam zu sein. Ich kannte das nicht. Ich war nie einsam. Ich war immer verbunden mit der Familie, den Freunden, Markus, den Kollegen, und jetzt sind die alle auf einmal wie aus Glas.“ (Seite 110)

Ich habe mich sehr auf diese neue Buch von Thommie Bayer gefreut und wurde nicht enttäuscht. In seiner bekannten ruhigen und unaufgeregten Art erzählt Bayer melancholisch eine Geschichte, in der es um die selbstgewählte „Einsamkeit“ geht. Um einen Menschen, der sich bewusst vom Trubel der Zeit und den Menschen zurück zieht. Die Gründe scheinen vielfältig, doch ich glaube es liegt am Verlust der Eltern und der damit eingehenden Angst wieder einen geliebten Menschen zu verlieren. Doch dann steht da plötzlich Malin vor der Tür, eine junge Frau, die einen ähnlichen Verlust erlitten hat, nämlich den, dass sie ihre leibliche Mutter, Nina, nie wirkliche kennen lernen durfte. Und diese beiden Menschen haben nun die Möglichkeit sich anzunähern, aus ihrer selbstgewählten Einsamkeit eine Zweisamkeit zu machen. Sicherlich nicht einfach, aber Thommie Bayer schafft eine Basis für beide in dieser Geschichte, die einfach wundervoll geschrieben ist.

Einfach grandios. Danke!
Unbedingt lesen!