… aus „Noch so eine Tatsache über die Welt“ von Brooke Davis

Verlag Antje Kunstmann Fester Einband  280 Seiten Erscheinungsdatum: 01.07.2015  Preis: 19,95 € ISBN: 9783956140532

Verlag Antje Kunstmann
Fester Einband
280 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.07.2015
Preis: 19,95 €
ISBN: 9783956140532

 

Dann führt sie ihre Gummistiefel spazieren. Hoch und runter auf der Rolltreppe, zuerst gehend, dann springend, hüpfend und winkend wie die Queen. Sie setzt sich oben an die Treppe und schaut zu, wie die Stufen sich selbst verschlucken. Was passiert, wenn die Stufen sich nicht rechtzeitig flach machen? Fragt sie ihre Gummistiefel. Sie stellt sich vor, wie die Stufen sich am Ende der Treppe stapeln und in die Gänge purzeln. Sie versucht mit jedem, der an ihr vorbeigeht, Blickkontakt herzustellen, und immer wenn es klappt, hüpft die Luft vor ihr auf und ab, wie bei den alten Filmen, die sich ihre Mum anschaut. Sie spielt Verstecken mit einem Jungen, der gar nicht merkt, dass er mitspielt. Als Millie ihm mitteilt, das sie ihn gefunden hat, fragt er sie als Antwort, warum ihr Haar so aussieht, und beschreibt mit dem Zeigefinger eine Spirale. Das sind Balletttänzerinnen, sagt sie. Abends springen sie von meinem Kopf und tanzen mir etwas vor.“ (Seite 14/ 15)

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„Wie wird man alt, ohne zuzulassen, dass es nur noch Traurigkeit gibt?“ (Seite 64)

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„Karl besaß weder einen Computer noch eine Schreibmaschine oder wenigstens eine Tastatur. Er tippte blind auf Mülltonnendeckel, in die Luft, auf die Köpfe kleiner Kinder, auf seine Beine. Fragen tippte er, bevor er sie stellte, nur um sicherzugehen, dass er sie tatsächlich stellen wollte. In der Verschwiegenheit seines eigenen Zuhauses, ehe er zu seinem Sohn gezogen war, hatte Karl Tastaturen auf Couchtische, Wände und Duschvorhänge gemalt. Er liebte die Bewegungen der Hände beim Tippen, den Tanz der Finger, die wie beim Square-Dance umeinander herumhüpften. Er hatte beobachtet, wie die Finger seiner Mutter, und später dann Evies, über die Tasten sprangen wie Wassertropfen auf heißem Asphalt, du er fand die gekrümmten Finger einer Frau beim Tippen ebenso elegant und erregend wie ihr Fußgewölbe oder ihren Nacken.“ (Seite 80)

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„Er war leer geworden, aber ohne die Erwartung, die etwas Leeres, zum Beispiel ein Blatt Papier oder eine Leinwand hervorruft; ohne das Staunen, die Hoffnung und die Angst, die Leere manchmal erzeugen kann. Er war einfach nur nichts. In der Welt der Satzzeichen hätte er ein Bindestrich sein können – frei schwebend, dazwischen, nicht unbedingt nötig.“ (Seite 95/ 96)

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„Sie hasst sich selbst, ihren Körper, und jetzt weint sie, Tränen rinnen über ihr Gesicht, und es ist erbärmlich, und sie ist eine alte alte alte traurige traurige traurige Frau, und sie hasst sich so sehr; mehr als alles andere ist es dieses Gefühl, das sie am deutlichsten spürt.“ (Seite 234)

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„Unter einigen Schwierigkeiten setzt sie sich auf den Boden und streckt die Beine vor sich aus. Karl macht unter ungefähr genauso großen Schwierigkeiten das Gleiche. Sie beugen sich einander entgegen, ihre Gesichter schweben aufeinander zu, bis sie ganz nah sind. Beide entdecken noch mehr Falten im Gesicht des anderen. Agatha bemerkt mehr Haare in seinen Ohren als angenommen. Karl bemerkt ein Haar an Agathas Kinn. Sie schließen die Augen und küssen sich.“ (Seite 264)

 

 

Ich bin hier

Verlag Antje Kunstmann Fester Einband  280 Seiten Erscheinungsdatum: 01.07.2015  Preis: 19,95 € ISBN: 9783956140532

Verlag Antje Kunstmann
Fester Einband
280 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.07.2015
Preis: 19,95 €
ISBN: 9783956140532

Klappentext
Millie Bird ist sieben, als sie ihr erstes totes Ding findet, Rambo, ihren Hund. Von da an führt sie Buch über alles, was auf der Welt verloren geht. Darauf, dass sie auch  ihren Dad in ihr Buch der toten Dinge eintragen muss, war sie überhaupt nicht vorbereitet, und auch nicht darauf, dass ihre Mom im Kaufhaus nur kurz weggeht und nicht wiederkommt.
Karl ist siebenundachtzig, als sein Sohn ihn ins Altersheim bringt. Hier wird er nicht bleiben, denkt Karl, und kurz darauf haut er ab. Erst einmal ins Kaufhaus, bis sich etwas Besseres findet. Dort trifft er Millie.
Agatha Pantha ist zweiundachtzig und geht nicht mehr aus dem Haus, seit ihr Mann gestorben ist. Halb versteckt hinter Gardine und Efeu sitz sie am Küchenfenster und beschimpft Passanten. Bis das kleine Mädchen von gegenüber zurückkommt, allein …

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Dann führt sie ihre Gummistiefel spazieren. Hoch und runter auf der Rolltreppe, zuerst gehend, dann springend, hüpfend und winkend wie die Queen. Sie setzt sich oben an die Treppe und schaut zu, wie die Stufen sich selbst verschlucken. Was passiert, wenn die Stufen sich nicht rechtzeitig flach machen? Fragt sie ihre Gummistiefel. Sie stellt sich vor, wie die Stufen sich am Ende der Treppe stapeln und in die Gänge purzeln. Sie versucht mit jedem, der an ihr vorbeigeht, Blickkontakt herzustellen, und immer wenn es klappt, hüpft die Luft vor ihr auf und ab, wie bei den alten Filmen, die sich ihre Mum anschaut. Sie spielt Verstecken mit einem Jungen, der gar nicht merkt, dass er mitspielt. Als Millie ihm mitteilt, das sie ihn gefunden hat, fragt er sie als Antwort, warum ihr Haar so aussieht, und beschreibt mit dem Zeigefinger eine Spirale. Das sind Balletttänzerinnen, sagt sie. Abends springen sie von meinem Kopf und tanzen mir etwas vor.“ (Seite 14/ 15)

Als Millie Bird zum ersten Mal in ihrem Leben dem Tod begegnet ist sie sieben Jahre alt. Fortan führt sie eine Liste der toten Dinge. Eines Tages steht auch ihr Vater auf dieser Liste, aber Millie mag nicht daran denken, und blendet dies aus. Eines Tages geht sie mit ihrer Mutter in ein Kaufhaus. Millies Mum setzt sie in der Abteilung für Damenoberbekleidung ab und befiehlt Millie hier zu warten, bis sie wieder zurück kommt. Doch Millies Mum kommt nicht zurück. So verbringt Millie drei Tage und drei Nächte im Kaufhaus, bis sie entdeckt wird. Doch Millies einzige Sorge ist es, dass ihre Mutter sie nicht finden könnte. Sie flüchtet nach Hause, doch auch dort ist ihre Mutter nicht. Millie findet einen Hinweis darauf, wo ihre Mutter sein könnte und beschließt sie zu finden.

„Karl besaß weder einen Computer noch eine Schreibmaschine oder wenigstens eine Tastatur. Er tippte blind auf Mülltonnendeckel, in die Luft, auf die Köpfe kleiner Kinder, auf seine Beine. Fragen tippte er, bevor er sie stellte, nur um sicherzugehen, dass er sie tatsächlich stellen wollte. In der Verschwiegenheit seines eigenen Zuhauses, ehe er zu seinem Sohn gezogen war, hatte Karl Tastaturen auf Couchtische, Wände und Duschvorhänge gemalt. Er liebte die Bewegungen der Hände beim Tippen, den Tanz der Finger, die wie beim Square-Dance umeinander herumhüpften. Er hatte beobachtet, wie die Finger seiner Mutter, und später dann Evies, über die Tasten sprangen wie Wassertropfen auf heißem Asphalt, du er fand die gekrümmten Finger einer Frau beim Tippen ebenso elegant und erregend wie ihr Fußgewölbe oder ihren Nacken.“ (Seite 80)

Karl der Tastentipper trifft das erste Mal auf Millie im Kaufhaus. Er sitzt in der Cafeteria und trinkt seinen Kaffee, als Millie ihn anspricht. Millie ist fasziniert von dem immer zu tippenden Karl. Was keiner ahnt, Karl lebt zurzeit im Kaufhaus. Nach dem Tod seiner Frau hat Karl bei seinem Sohn gelebt. Doch dessen Ehefrau wollte Karl nicht in ihrem Haus haben. Also beschließt Karls Sohn, seinen Vater in einem Altersheim unterzubringen. Doch dort ist Karl so unglücklich, dass er nach ein paar Tagen abhaut. Er findet Zuflucht im Kaufhaus, wo er Millie kennen lernt.

„Sie hasst sich selbst, ihren Körper, und jetzt weint sie, Tränen rinnen über ihr Gesicht, und es ist erbärmlich, und sie ist eine alte alte alte traurige traurige traurige Frau, und sie hasst sich so sehr; mehr als alles andere ist es dieses Gefühl, das sie am deutlichsten spürt.“ (Seite 234)

Agatha Pantha hat seit dem Tod ihres Mannes vor sieben Jahren das Haus nicht mehr verlassen. Sie hat keinerlei Kontakt zur Außenwelt. Lebensmittel bekommt sie einmal in der Woche geliefert. Dafür legt sie das Geld unter die Fußmatte. Ihren Alltag lebt sie nach der Uhrzeit. Jeder Tag hat den gleichen Ablauf zur gleichen Zeit. Sie sitzt unter anderem am Fenster und beschimpft die Passanten, die daran vorüber gehen. Eines Tages bemerkt sie, wie Millie, die gegenüber wohnt, ohne ihre Mum nach Hause kommt. Als Millie dann auch noch bei an der Tür klopft, gerät Agathas Leben aus den Fugen. Zuerst will sie nicht so recht etwas mit Millie und ihren Problemen zu tun haben, aber schließlich erklärt sie sich bereit Millie bei der Suche nach der Mutter zu unterstützen.

„Er war leer geworden, aber ohne die Erwartung, die etwas Leeres, zum Beispiel ein Blatt Papier oder eine Leinwand hervorruft; ohne das Staunen, die Hoffnung und die Angst, die Leere manchmal erzeugen kann. Er war einfach nur nichts. In der Welt der Satzzeichen hätte er ein Bindestrich sein können – frei schwebend, dazwischen, nicht unbedingt nötig.“ (Seite 95/ 96)

Wahnsinn, was für ein wunderschönes Buch!!! Diese Geschichte um Millie hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Die einzelnen Charaktere sind zum Teil schon sehr schrullig. Aber genau das macht sie so liebenswert.

Da ist Millie, die mit ihren Gummistiefeln redet, und überall Schilder und Notizen für ihre Mutter mit der Aufschrift „Ich bin hier“ hinterlässt.

Da ist Karl, der immerzu tippen muss. Er liebt das Tippen und es beruhigt ihn. Für ihn ist das Tippen eine Konstante in seinem Leben, vor allem nach Evies Tod.
Dann ist da noch Agatha, die wohl schrägste Figur im Buch. Sie lebt nach der Uhr und wehe einer verstellt diese oder bringt sie aus ihren Rhythmus. Täglich vermisst sie ihren Körper, schreibt alles auf. Sie beschimpft Leute auf übelste ohne, dass diese ihr etwas getan haben.

„Wie wird man alt, ohne zuzulassen, dass es nur noch Traurigkeit gibt?“ (Seite 64)

In dieser eigentlich schönen Geschichte um Millie Bird geht es um ernste Themen. Dem Verlassen werde, dem Älter werden und dem Tod.

Es ist traurig zu lesen, wie Millie ihren Vater verliert, und dann die Mutter Millie zurück lässt, weil diese den Tod ihres Mannes nicht verkraften kann und vollkommen überfordert ist.

Es ist traurig zu lesen, wie Karl in ein Altenheim abgeschoben wird, nur weil er alt und unbequem ist.

Es ist traurig zu lesen, wie sehr Agatha unter dem Verlust ihres Mannes leidet und nicht mehr am Leben teilnehmen möchte und einfach nicht mehr das Haus verlässt.

Aber trotz all dieser traurigen Dinge gibt es auch die schönen Dinge in dem Buch. Millie findet Karl. Karl findet Millie. Millie findet Agatha. Agatha findet Millie. Karl findet Agatha und Agatha findet Karl. Und nicht nur das, Karl und Agatha finden noch einmal die Liebe und den Mut ein neues Leben zu beginnen. Und Millie? Ob Millie ihre Mutter findet, müsst ihr schon selber lesen ….

„Unter einigen Schwierigkeiten setzt sie sich auf den Boden und streckt die Beine vor sich aus. Karl macht unter ungefähr genauso großen Schwierigkeiten das Gleiche. Sie beugen sich einander entgegen, ihre Gesichter schweben aufeinander zu, bis sie ganz nah sind. Beide entdecken noch mehr Falten im Gesicht des anderen. Agatha bemerkt mehr Haare in seinen Ohren als angenommen. Karl bemerkt ein Haar an Agathas Kinn. Sie schließen die Augen und küssen sich.“ (Seite 264)

Unbedingt lesen ♥♥♥

5 von 5 Sternen

„Alles kommt raus. Immer.“

Antje Kunstmann Fester Einband 224 Seiten Erscheinungsdatum: 01.09.2012  Preis: 17,95 € ISBN: 9783888977756

Antje Kunstmann
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.09.2012
Preis: 17,95 €
ISBN: 9783888977756

Klappentext
Es ist dieser Moment, den Anna wahrnimmt, um Ludwig, mit dem sie seit acht Monaten zusammen ist, ohne dass jemand davon weiß, zu sagen, was sie ihm nie gesagt hat. Von den Brüchen in ihrem Leben hat sie nie gesprochen, nicht von dem Selbstmord des Vaters, nicht vorn der depressiven Mutter im Altenheim, nicht von Südafrika, wo sie lange gelebt hat, den Drogen, den Partys, der Gewalt, dem Schmerz. Das alles passte nicht in Ludwigs Welt, die sich um Macht und Erfolg, um den richtigen Style und die angesagte Musik drehte und aus der alles ausgeblendet wurde, was den schönen Schein der Oberfläche störte. Aber jetzt ist auch in Ludwigs System etwas aus dem Ruder gelaufen und er, der Überflieger, Redakteur für besondere Aufgaben bei einem Hamburger Gesellschaftsmagazin, der immer eine Antwort hat, der einsam, verschroben, fleißig und elitär ist, hat Schlaftabletten genommen, vielleicht eine Überdosis, Anna weiß es nicht. Sie sitzt wie Scheherazade an seinem Bett und erzählt. Hört er es?

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„Am Ende geht es um den Moment. Wie das Mondlicht durch die Ritze der Jalousie auf den Parkettfußboden fällt. Wie das Auto unten vorbei fährt. Wie es wieder still wird. Du atmest. Ich sitze an deinem Bett.“

Das Buch ist in zwei Kapitel gegliedert. Im ersten Kapitel sitzt Anna am Bett von Ludwig und erzählt ihm aus ihrem Leben. Von dem wilden Leben, das sie in Südafrika geführt hat. Drogen und Partys ohne Ende. Sie erzählt im von ihrem Vater, der sich umbrachte und von depressiven Mutter. Endlich hat sie mal die Gelegenheit Ludwig dies alles aus ihrem Leben zu erzählen. Weil er sie mal nicht zum Schweigen bringen kann. Weil er ihr mal nicht vorhalten kann, dass sie immer nur Opfergeschichten erzählt. Er mag das nicht. Er mag gar nicht an ihrem Leben teilhaben. Nur sein Leben ist lebenswert und erwähnenswert. Nur das was er geschaffen hat ist wichtig. Es zählen für ihn nur Äußerlichkeiten, Macht und Einfluss.

Im zweiten Teil des Buches, geht es um die Zeit vorher. Die Zeit in der sich die Beiden kennen lernen. Die Zeit in der es den einen Moment gab, in dem Anna sich in Ludwig verliebte und sich ihm bis zur Selbstaufgabe ihm anpasste. Sie hat all das getan was er wollte nur um ihm zu gefallen. Sich selber und ihr Prinzipien fast aufgegeben hat.

Dieses Buch hat mich sehr zwiespältig zurück gelassen. Auf der einen Seite finde ich Ludwig einfach nur kalt. Seine Wohnung ist absolut puristisch eingerichtet. Ich möchte fast sagen so wie sein Herz. Andererseits spüre ich oft diese wahnsinnige Traurigkeit und Einsamkeit in seinen Worten. Er hat um sich herum eine „Scheinwelt“ aufgebaut, nur um im Leben mithalten zu können. Er macht alles, nur um „Oben“ dabei sein zu können. Das verlangt er letztendlich auch von Anna.

Mir scheint die Autorin hat hier ganz bewusst ein Thema aufgegriffen, dem wir uns im heutigen Jahrhundert nicht mehr entziehen können. Wir Menschen sind ständig bestrebt das bestmögliche zu erreichen. Egal wie rücksichtlos das ist, oder wie verletzend. Alles muss immer schneller, höher, besser oder gar teurer sein. Dafür nehmen wir es in Kauf ein Lügengebäude um uns rum zu errichten. Eine Scheinwelt, in der es irgendwann kein Entkommen mehr gibt.

„Alles kommt raus. Immer“, sagte Anna. „Ich war mal bei einem Kongress, und ein Trendforscher hat gesagt, dass es in diesem Jahrtausend nur einen einzigen Trend geben würde: Alles kommt raus.“ (S.222)

5 von 5 Sternen

… aus „Alles wird hell“ von Julia Jessen

Antje Kunstmann Fester Einband 304 Seiten Erscheinungsdatum: 11.02.2015  Preis: 19,95 € ISBN: 9783956140242

Antje Kunstmann
Fester Einband
304 Seiten
Erscheinungsdatum:
11.02.2015
Preis: 19,95 €
ISBN: 9783956140242

 

„Ich sehe den ruhigen Flug des Staubs und denke plötzlich: Das würde ich gern tanzen.
Einfach weil ich dieses sanfte Gleiten und Wirbeln spüren kann. Und irgendwie hat das mit mir zu tun. Der Staub. Und wie er wirbelt. Sollten wir eine Seele haben, dann stelle ich sie mir so vor.“ (Seite 28)

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„Das dunkle, kalte Wasser nimmt mir kurz die Luft zum Atmen. Und dann denke ich, wie dünn die Linien sind. Zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte. Und dass man die Vorzeichen alle ändern kann. Die für sich. Die für die anderen.“ (Seite 57)

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„Und ich atme einfach nur ein. Und aus. Und ein. Und aus. Und denke, dass so das Leben ist. Ein und aus. Und das alles, was falsch ist, gleichzeitig richtig ist. Und andersherum. Und dass einen niemand sehen kann. Bis man raushat, wie man sich zeigt.“ (Seite 92)

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„Mein Leben ist ein bunter Teppich, der sich vor mir ausbreitet. Bis jetzt habe ich nur die Rückseite des Teppichs gesehen. Diese vielen bunten Fäden, lauter lose Enden, Knoten und Verknüpfungen, die keinen Sinn ergeben haben. Nichts passte. Aber jetzt breitet sich dieser Teppich vor mir aus. Alle Farben. Sie rauschen durch diese graue Halle wie Flutwellen. Und da ist es. Das Muster. Auf der anderen Seite von all diesen Knoten und Verknüpfungen ergibt sich ein Muster.“ (Seite 99)

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„Es muss die Müdigkeit sein. Meine Gedanken. Sie tragen mich fort. Ich blinzle gegen die Sonne. Es ist nur Müdigkeit. Sein kranker Körper, den ich stützen und halten muss. Baden. Trösten. Lieben. An all den Tagen. Und die Liebe ist wie ein See geworden. Tief. Ruhig. Fast unbeweglich. In vielen Schichten. Warm, kühl. Klar. Immer. Eine Ewigkeit an Wasser. Jahre voller Wasser. Ein See, der fließen kann wie ein Fluss.“ (Seite 243)

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„Meine Liebe ist ein See, in den ich springe. Ich sinke durch alle Schichten. Warme und kalte. Bis zum Grund. Dort unten lege ich mich zur Ruhe.“ (Seite 250)