Einer, der Dinge liebte

Atlantik Verlag Fester Einband 192 Seiten Erscheinungsdatum : 14.10.2016 Preis: 20,00 € ISBN: 9783455650457

Atlantik Verlag
Fester Einband
192 Seiten
Erscheinungsdatum : 14.10.2016
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783455650457

Klappentext
Ob Briefbeschwerer, Vasen, Silberbecher oder Porzellanfiguren – Pierre-François Chaumonts größte Leidenschaft gilt dem Sammeln. Als er eines Tages wie so oft das Pariser Auktionshaus Drouot durchstöbert, entdeckt er ein Porträt aus dem 18. Jahrhundert und traut seinen Augen nicht: Das Gemälde zeigt ihn selbst. Für Pierre-François ist klar, dass er dieses Bild ersteigern und der Ähnlichkeit auf den Grund gehen muss. Seine Recherche führt den Anwalt in ein Dorf in Burgund, wo er zunächst mit ungläubigen Staunen, dann mit großer Freude begrüßt wird: Die Menschen halten ihn für den vor Jahren verschwundenen Grafen von Mandragore und schicken ihn sogleich zum Schloss, wo die Gräfin seit seinem Verschwinden auf seine Rückkehr hofft.

∗∗∗∗∗

„>Wenn du ein echter Sammler werden willst, musst du eines verstehen: Die Dinge, die echten Dinge<, hatte er mit gehobenem Zeigefinger betont, >bewahren die Erinnerung derjenigen, die sie besessen haben.<“ (Seite 27)

Pierre-François sammelt seit seiner Kindheit Dinge. Angefangen hat alles mit grünen Radiergummis. Doch eines Tages stellt er fest, dass es nicht allein um das Sammeln von Dingen geht, sondern um deren Besonderheiten. Fortan sammelt er hochwertige Dinge, solche mit Vergangenheit und solche mit Wert.

Eines Tages steht er wieder einmal in seinem Lieblings Auktionshaus, als er ein Porträt sieht, das ihn einfach umhaut. Für Pierre-François ist klar, er muss dieses Bild haben. Ihm gelingt es dieses Bild für eine Unsumme zu ersteigern. Zu Hause verschweigt er erst einmal das Bild. Doch lange kann er es nicht für sich behalten und zeigt es seiner Frau. Doch ihre Reaktion erschüttert ihn. Sie sieht einfach nicht die frappierende Ähnlichkeit zwischen dem Mann auf dem Bild und Pierre-François. Auch Freunde und Bekannt sehen keine Ähnlichkeit.

Pierre-François, fassungslos, traurig und enttäuscht , macht sich daran heraus zu bekommen wo dieses Bild entstanden ist und fährt an den Ort, wo es entstand. Dort angekommen erwartet ihn eine Überraschung, die sein bisheriges Leben auf den Kopf stellt …

„Dieses Porträt von mir, das zweieinhalb Jahrhunderte zuvor angefertigt worden war und nun in meinem sechsundvierzigsten Lebensjahr auftauchte, war der Wendepunkt eines vor langer Zeit begonnenen Anhäufens von Dingen. Jahr um Jahr, Gegenstand um Gegenstand, Rechnung um Rechnung, bis zu diesem späten Vormittag im Saal 8 des Auktionshauses Drouot.“ (Seite 19)

Antoine Laurains dritter Roman zieht mich wieder in den Bann. Schon die ersten Seiten ziehen mich in eine Geschichte, die wie ein Gemälde daher kommt. Mit feinen Pinselstrichen kreiert Laurrain das Leben von Pierre-François, einem Mann, der eigentlich in seinem Leben mehr oder weniger unglücklich ist. Dem nur noch seine Sammelleidenschaft Freude bringt. Und ausgerechnet diese Leidenschaft bringt ihm auch ein neues Leben.

Auch wenn es manchmal den Anschein hat, dass die Geschichte doch etwas abgedreht ist, so bietet sie mir als Leserin die Möglichkeit zu sehen wie es wäre wenn man sein bisheriges Leben einfach so hinter sich lassen könnte, um ein neues zu beginnen. Sicherlich gestaltet es sich nicht so einfach wie in Laurains Roman, doch warum soll man an etwas festhalten, dass einen unglücklich macht? Warum nicht ein neues Leben beginnen, wenn das alte eingefahren ist oder nur noch unglücklich macht oder bevor das Ich verschwindet …

„Ohne es zu wissen, verschwand ich bereits.“ (Seite 94)

Unbedingt lesen!!!

5 von 5 Sternen

… aus „Der Hut des Präsidenten“ von Antoine Laurain

Atlantik Verlag Fester Einband  240 Seiten Erscheinungsdatum: 18.01.2016  Preis: 20,00 € ISBN: 9783455650228

Atlantik Verlag
Fester Einband
240 Seiten
Erscheinungsdatum:
18.01.2016
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783455650228

 

„Die wichtigsten Ereignisse unseres Lebens sind immer die Folge einer Verkettung winziger Details“ (Seite 28)

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„Seit er ihn trug, machte der Hut ihn durch seine bloße Gegenwart gegen die Unbilden des Alltags immun. Besser noch, er schärfte seinen Geist und ermunterte ihn, gewichtige Entscheidungen zu treffen.“  (Seite 43/ 44)

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„Der Filzhut war binnen weniger Sekunden zu einer Krücke geworden, auf die sie schon lange wartete. Die Feigheit, die sie daran gehindert hatte, mit Édouard Schluss zu machen, war soeben verflogen.“ (Seite 63)

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Er hatte den Hut auf die Oberschenkel gelegt und streichelte ihn langsam, um sich die Zeit zu vertreiben. Dieses Streichen seiner Finger über den Filz ließ ein Bild aus seiner Kindheit aufsteigen: Aladin, der seine Wunderlampe reibt, um den guten Geist zu rufen, der ihm alle seine Wünsche erfüllen wird.“ (Seite 86)

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„Nun war die nächste Stufe erreicht, es war eine Feststellung. Die Leute aus seiner Welt erkannten ihn nicht mehr als ihresgleichen an. Manchmal führt uns das Leben auf neue Wege, man hat eine Abzweigung genommen, ohne es zu merken, der große Navigator des Schicksals ist nicht der vorgeschriebenen Route gefolgt, und kein Schild hat uns vor dem Punkt gewarnt, an dem es kein Zurück mehr gibt.“ (Seite 182)

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Ich glaube an die Kräfte des Geistes und werde euch nicht verlassen.“ (Seite 239)

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Von Träumen und Hoffnungen …

Atlantik Verlag Fester Einband 240 Seiten Erscheinungsdatum: 18.01.2016 Preis: 20,00 € ISBN: 9783455650228

Atlantik Verlag
Fester Einband
240 Seiten
Erscheinungsdatum:
18.01.2016
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783455650228

Klappentext
Daniel, der unscheinbare Buchhalter, möchte endlich zeigen, dass er mehr drauf hat, als sein Chef. Die junge Fanny muss den Mut aufbringen, ihren verheirateten Liebhaber zu verlassen, damit sie die Liebe ihres Lebens finden kann. Und Pierre, der weltbekannte Parfümeur, träumt davon, nach viel zu langer Zeit wieder einen einzigartigen Duft zu kreieren. Sich seine Lebensträume zu erfüllen, ist doch nur Kopfsache, oder?
Als François Mitterand eines Abends in einer Brasserie seinen Hut vergisst, landet er auf Daniels Kopf. Von da an ändert sich in Daniels Leben alles – der Hut scheint über geheimnisvolle Kräfte zu verfügen! Doch er bleibt nicht bei Daniel, sondern wandert weiter zu Fanny, der unglücklich verliebten Hobbyschriftstellerin – und plötzlich steht einer neuen Liebe nichts mehr im Weg. Was braucht es also, um das Leben vieler Menschen zu ändern? Nichts weiter als einen Hut, den Hut des Präsidenten …

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„Seit er ihn trug, machte der Hut ihn durch seine bloße Gegenwart gegen die Unbilden des Alltags immun. Besser noch, er schärfte seinen Geist und ermunterte ihn, gewichtige Entscheidungen zu treffen.“  (Seite 43/ 44)

Daniel Mercier lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Paris. Eigentlich ist er glücklich, wäre da nicht sein neuer Chef, der nicht viel von ihm hält. Einen Tag, bevor seine Frau und sein Sohn wieder aus dem Urlaub zurück kommen, genehmigt sich Daniel ein Essen in einer Brasserie. Im Laufe des Abends nimmt Mitterand am Nebentisch Platz. Daniel kann es kaum glauben, dass der Präsident höchstpersönlich am Nachbartisch sitzt. Nach einem ausgiebigen Essen mit seinem Sekretar verlässt der Präsident die Brasserie wieder. Er vergisst jedoch seinen Hut, den er neben Daniel auf die Bank gelegt hat. Daniel kann es gar nicht glauben, setzt sich den Hut auf und geht mit ihm hinaus, ohne dass es jemandem auffällt. Aber das ist noch nicht das Grösste was Daniel widerfährt, denn plötzlich hat er das Gefühl, dass der Hut ihn mutiger und selbstbewusster macht. So gestärkt wagt Daniel einen entscheidenden Schritt  …

„Der Filzhut war binnen weniger Sekunden zu einer Krücke geworden, auf die sie schon lange wartete. Die Feigheit, die sie daran gehindert hatte, mit Édouard Schluss zu machen, war soeben verflogen.“ (Seite 63)

F.M. … das sind ihre Initialen denkt Fanny Marquant, als sie den Filzhut in der Gepäckablage des Zuges findet. Sie beschließt den Hut einfach an sich zu nehmen und verschwindet mit ihm aus dem Zug. Fanny hat das Gefühl, dass der Fund des Hutes mit ihren Initialen etwas zu bedeuten hat. Sie wünscht sich, dass das bevorstehende Treffen mit ihrem Liebhaber endlich eine Wende in ihrem Leben bringt. Sie wünscht sich so sehr, dass sie Édouard von seiner Frau trennt um mit ihr ein glückliches Leben zu leben. Fanny nimmt sich vor, ihn auf eine Trennung anzusprechen. Voller Mut und Zuversicht macht sie sich auf den Weg zum Treffen, doch dies wird anders verlaufen als sie ahnt …

Er hatte den Hut auf die Oberschenkel gelegt und streichelte ihn langsam, um sich die Zeit zu vertreiben. Dieses Streichen seiner Finger über den Filz ließ ein Bild aus seiner Kindheit aufsteigen: Aladin, der seine Wunderlampe reibt, um den guten Geist zu rufen, der ihm alle seine Wünsche erfüllen wird.“ (Seite 86)

Pierre Aslan ist fasziniert, als er den Hut das erste Mal an die Nase hält. Die vielen verschiedenen Düfte schärfen seine Sinne. Zwei Düfte sind ihm besonders bekannt … es sind seine eigenen Kompositionen. Doch es haften noch andere Düfte an diesem Hut, und schnell wird ihm klar, dass mehrere verschiedene Menschen diesen Hut getragen haben müssen. Er erinnert sich an seine Zeit … der Zeit in der er ein gefeierter Parfümeur war. Lange ist es her und in all den vergangenen Jahren  ist es ihm nicht gelungen einen neuen Duft zu kreieren. Doch nun faszinieren ihn die Düfte des Hutes und er schließt nach Jahren die Tür zu seinem Labor auf, um zu experimentieren …

„Nun war die nächste Stufe erreicht, es war eine Feststellung. Die Leute aus seiner Welt erkannten ihn nicht mehr als ihresgleichen an. Manchmal führt uns das Leben auf neue Wege, man hat eine Abzweigung genommen, ohne es zu merken, der große Navigator des Schicksals ist nicht der vorgeschriebenen Route gefolgt, und kein Schild hat uns vor dem Punkt gewarnt, an dem es kein Zurück mehr gibt.“ (Seite 182)

Bernard Lavallière ist ein reicher Mann.  Er hat sein Vermögen geerbt … und seine Freunde irgendwie auch. Er führt ein Leben wie es seine Familie schon immer geführt hat. Er hat sich diesem Leben angepasst und führt es fort, so wie viele Generationen vor ihm. Ob er damit glücklich vermag er nicht wirklich zu sagen. Er macht Dinge, weil es sich so gehört und es schon immer so war. Eines Tages nimmt er versehentlich den falschen Hut, als er ein Restaurant verlässt. Und schnell wird klar, dass der Hut etwas mit ihm macht. Er beginnt eine persönliche Rebellion …

„Die wichtigsten Ereignisse unseres Lebens sind immer die Folge einer Verkettung winziger Details“ (Seite 28)

„Der Hut des Präsidenten“ ist das zweite Buch des französischen Autors Antoine Laurain  und ich war mega gespannt darauf, da er mit seinem Debütroman „Liebe mit zwei Unbekannten“ ein fantastisches Buch geschrieben hatte. Und wieder schafft es Antoine Lauraine mich in den Bann zu ziehen. „Der Hut des Präsidenten“ beschreibt die Geschichte von vier Menschen, deren Leben sich durch einen Hut verändert. Aber es ist nicht irgendein Hut, nein, es ist der Hut des französischen Ministerpräsidenten François Mitterand. Und alle glauben, dass von ihm etwas Besonderes ausgeht.

Wieder schafft es Antoine Laurian mit leisen  Tönen in einer wundervollen Sprache mich zu verzaubern. Mir haben die einzelnen Geschichten sehr gut gefallen. Sie alle sind miteinander verbunden und doch nicht. Es sind Menschen wie du und ich, Menschen die sich nicht kennen und doch etwas gemeinsam haben … Träume und Hoffnungen. Sie alle glauben, dass sie mit Hilfe des Hutes etwas in ihrem Leben bewegen können. Natürlich ist es im wahren Leben nicht ganz so einfach, doch ehrlich  gesagt bedarf es manchmal einer solchen „Krücke“ … „Symbol“ um endlich seine Träume zu verwirklichen.

Meine „Krücke“ war ein langes intensives Gespräch mit einem Menschen, der mir vollkommen fremd war. Heute lebe ich meinen Traum …  in „Angelikas Büchergarten“

„Ich glaube an die Kräfte des Geistes und werde euch nicht verlassen.“ (Seite 239)

Unbedingt lesen!!!

5 von 5 Sternen

Eine Handtasche und die Liebe

Atlantik Verlag Fester Einband 240 Seiten Erscheinungsdatum: 14.02.2015  Preis: 20,00 € ISBN: 9783455600179

Atlantik Verlag
Fester Einband
240 Seiten
Erscheinungsdatum:
14.02.2015
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783455600179

Klappentext
Laurent ist Buchhändler in Paris. Auf dem Weg zur Arbeit findet er eine elegante Damenhandtasche – augenscheinlich gestohlen und achtlos weggeworfen. Die Tasche verrät ihm zwar nicht den Namen der Besitzerin, doch ihr Inhalt gibt einiges über sie preis. Laurent findet Fotos, einen altmodischen Spiegel, einen Roman mit Widmung des Autors und ein rotes Notizbuch, in dem die Unbekannte ihre Gedanken festgehalten hat, ihre Träume, was sie mag (den Geruch von Minze und Basilikum) und was nicht (langweilige Männer, Ameisen). Laurent ist fasziniert von dieser Frau, immer mehr verliebt er sich in ihre Gedanken. Also beschließt er, sich auf die Suche nach ihr zu machen …

∗∗∗∗∗

„Genau das war es, was Tabucchi mit seinem Titel besagte: Man ist an etwas Wichtigem vorbeigegangen. An einer Liebe, einem Beruf, einem Umzug in eine andere Stadt, ein anderes Land. An einem anderen Leben. Man ist daran vorbei-gegangen, aber doch so nah, dass man manchmal, in melancholischen, fast hypnotischen Momenten, trotzdem Teile dieses Möglichen erfassen kann. (…) Man hört das Lachen und die Liebesworte einer Frau, mit der nie etwas passiert ist. Vielleicht hat uns die Idee einer Liebschaft mit ihr gestreift. Vielleicht wäre sie einverstanden gewesen – wahrscheinlich sogar -, aber es ist nichts passiert. Aus irgendeinem unbekannten Grund haben wir dem köstlichen Schwindel der paar Zentimeter, die zu überbrücken sind, wenn man sich zum ersten Kuss einem anderen Gesicht zuneigt, nicht ergeben. Wir sind daran vorbei gegangen, so nah, dass etwas davon bleibt.“ (Seite 187)

Laure steht vor ihrer Haustür und sucht in ihrer Handtasche nach ihrem Haustürschlüssel. Plötzlich wird sie von hinten niedergeschlagen. Ein vermummter Mann entreißt ihr ihre Handtasche und flieht. Laure ist völlig schockiert und weiß nicht was sie machen soll. Die Polizei mag sie nicht rufen und ihre Freunde möchte sie auch nicht mitten in der Nacht behelligen. Da sie nicht in ihre Wohnung kann, beschließt sie im Hotel gegenüber nach einem Zimmer zu fragen, obwohl sie kein Bargeld hat. Der Portier hat Mitleid mit ihr und weißt ihr ein Zimmer zu. Als Laure zu Bett gehen will bemerkt sie, dass sie am Hinterkopf blutet. Sie legt sich ein Handtuch aufs Kissen, um dieses nicht zu beschmutzen.

Am nächsten Morgen, Laure hätte schon längst das Zimmer räumen müssen, schaut der Portier nach und findet Laure bewusstlos vor. Sofort wird sie in ein Krankenhaus gebracht. Doch stellt man fest, dass sie in einem leichten Koma liegt und eigentlich schnell wieder aufwachen müsste. Ihr Arbeitskollege und guter Freund kümmert sich um sie und ihre Katze.

„Ein Zitat von Sacha Guitry fiel ihm ein:>Jemandem beim Schlafen zuschauen ist wie einen Brief lesen, der nicht für einen bestimmt ist<. (Seite 41)

Laurent ist Buchhändler aus Leidenschaft und hat vor einigen Jahren seine Buchhandlung eröffnet. Er hatte Glück, und konnte ein Ladenlokal mit Wohnung dafür finden. An diesem Morgen ist er auf dem Weg sein Lieblingscafé, als er eine sehr teure Damenhandtasche auf dem Sperrmüll einer Seitenstraße findet. Er ist sich sofort sicher, dass diese Tasche gestohlen und danach achtlos weggeworfen wurde. Laurent bringt die Tasche zur Polizei. Doch dort hat man keine Zeit für ihn. Also nimmt er die Handtasche kurzerhand mit zu sich. Erst am Abend kommt er dazu sich die Tasche und deren Inhalt anzuschauen. Er ist fasziniert von den Dingen, die er in ihr findet. So sehr, dass er sich vorstellt, wem sie gehören könnte. Er fragt sich, wie diese Frau wohl aussehen mag, die ein solches Notizbuch führt. Nach einigen Tagen beschließt er die Eigentümerin zu suchen. Doch so leicht wie Laurent sich das vorgestellt hat, wird es nicht. es kommt zu Verwicklungen und Missverständnissen. Doch wird er die Besitzerin letztendlich finden?

„Er zog den goldenen Reißverschluss sachte bis ans andere Ende auf. Aus der Tasche stieg ein Duft von warmem Leder und Frauenparfum auf.“ (Seite 38)

Dieses kleine und feine Buch zieht mich von der ersten Seite an in seinen Bann. Ich habe in letzter Zeit nichts vergleichbares gelesen, dass so romantisch war und dabei gar nicht kitschig.

Kann es etwas Romantischeres geben, als einen Mann, der sich auf Grund eines Handtascheninhalts auf die Suche nach seiner Traumfrau macht? Denn Laurent hat sich mit jedem Gegenstand, den er in Laures Handtasche gefunden hat, ein bisschen mehr in Laure verliebt. Es sind die Kleinigkeiten, die sich darin befinden, die Sätze die sie in ihr Tagebuch geschrieben hat und die Widmung die Modiano in ihr Buch geschrieben hat.

„Ein Zufall, ein paar Worte, und schon hatte eine Beziehung begonnen. Ein Zufall, ein paar Worte, und schon ist die gleiche Beziehung zu Ende.“ (Seite 108)

Die Sache mit Modiano hat mir sehr gefallen. Ich mag seine Bücher, und dass er in diesem Buch eine kleine Rolle hat, hat mir sehr gefallen. Vor allem seine Interpunktionsprobleme am Ende des Buches und wie er sie umgesetzte hat … einfach phantastisch.

„Zu wie vielen Dingen fühlt man sich nicht gezwungen, aus Prinzip, aus Höflichkeit, aus Wohlerzogenheit – Dinge, die einem schwerfallen und doch nichts am Lauf der Dinge ändern?“ (Seite 109)

Ein wundervolles Buch, das mich mit einem warmen Gefühl von Glückseligkeit und Liebe zurück gelassen hat. Leider war es viel zu schnell ausgelesen. Diese Buch muss man lesen, wenn man mal wieder etwas absolut romantisches lesen möchte, wenn man an die Liebe und das Glück glaubt.

Und Mädels … überlegt euch gut, was ihr so in eurer Handtasche mitschleppt. Wer weiß, vielleicht findet euer Traummann sie eines Tages …

„Ich mag die Art, wie dieser Mann verschwindet,
ohne eine Adresse zu hinterlassen.
Ich mag seinen Brief.
Ich mag, dass er Buchhändler ist.
Ich habe Angst, dass er ein bisschen spinnt.
Ich habe Angst, ihm nie zu begegnen.“ (Seite 201)

 

5 von 5 Sternen

Ich danke dem Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar.