Kurz & Knapp … Januar 2018

„Nachtlichter“ von Amy Liptrot

In diesem Buch erzählt Amy Liptrot ihre eigene Geschichte. Nach Jahren voller Alkohol- und Drogenkonsum, und einem Entzug, kehrt Amy an den Ort zurück, an dem ihr Leben begann … auf  die Orkney Inseln. Hier lebte sie mit ihrem manisch depressiven Vater und ihrer sehr religiösen Mutter. Als Teenager flieht sie von dieser Insel und will „freies“ Leben in der Stadt beginnen. In Rückblicken nimmt sie den Leser mit in ihr Leben.

Mir hat Amys Geschichte gefallen, sofern man bei Alkohol- und Drogenmissbrauch von gefallen sprechen kann. Aber ich meine damit ihre Geschichte. Wie alles begann und auch endete. Das was mir nicht gefallen hat, waren die ellenlangen Beschreibungen der Insel, den Tieren die dort leben und ähnlichem. Das hat mir zu wenig mit der eigentlichen Geschichte zu tun, die dadurch nämlich meiner Meinung nach zu kurz kommt. Wenn ich etwas über die Inseln hätte erfahren wollen, hätte ich mir einen Reiseführer gekauft.

Fazit: Eine reine Konzentration auf Amys Leben hätte mir besser gefallen. So kann ich dieses Buch leider nur bedingt weiter empfehlen.

(btb, ISBN: 9783442757336, Preis: 18,00 Euro)

 

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„Fit und Fröhlich“ von Annika Zimmermann

Wer kennt es nicht … Anfang des Jahres habe ich mir so gedacht … Angelika, du musst mal ein bisschen was für dich tun. Und dann fiel mir das neue Buch von Annika Zimmermann in die Hände. Der Anfang hörte sich ja noch vielversprechend an, doch irgendwann stellte ich fest … hier steht auch nix Neues drin. Die gängigen Ernährungsmethoden, Entspannungsmethoden usw. Bei dem sportlichen Teil hab ich dann komplett abgeschaltet. Die Übungen, die man im Fitnessprogramm machen soll, sind definitiv nichts für Menschen, die wie ich „unfit“ sind. Da sind Übungen drin, von denen ich noch nie in meinem Leben gehört habe. Gut, es gibt zwar Bildchen dazu und auch verschiedene „Level“, aber ehrlich gesagt war/ bin ich zu unfit dafür. Auch viele andere Übungen sind so „groß“ angelegt, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass man die bei wenig Platz in der Wohnung ausführen kann.

Fazit: Nix Neues, wie gedacht/ erhofft und eher ein Buch für die jüngere Zielgrupp bzw. sehr sportliche Menschen.

(Knaur Balance, ISBN: 9783426675588, Preis: 18,00 Euro)

 

 

 

 

Arne

btb
Flexibler Einband
384 Seiten
Erscheinungsdatum: 09.11.2015
Preis: 10,00 €
ISBN: 9783442715237

Klappentext
Einen Nobelpreis wird er wohl nicht bekommen. Arne Murberg ist von schlichtem Gemüt. Nach einem Badeunfall in der Kindheit hat er Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und komplexe Zusammenhänge zu erfassen. Aber Arne ist ein warmherziger, liebenswerter Mensch, der sich eine kindlich naive, offene Art bewahrt hat und voll Vertrauen auf das Leben blickt. Als sein Vater ihm auf dem Totenbett offenbart, dass seine Mutter nicht tot ist, wie Arne geglaubt hat, sondern in Berlin lebt, und ihm gleichzeitig den Auftrag gibt, sie dort aufzusuchen und ihr ein verschlossenes Kästchen zu übergeben, beginnt für ihn ein wundersames Abenteuer. Mit äußerst rudimentären Deutschkenntnissen und einem Paar strapazierfähiger gelber Schuhe macht Arne sich auf die Reise – und gerät schon bald in Schwierigkeiten. Doch ihm zur Seite stehen zwei Menschen, die der Himmel höchstpersönlich geschickt zu haben scheint: ein etwas wirrer Professor und eine kluge junge Frau im Rollstuhl. Wird Arne seiner Mutter begegnen? Wird er sein Glück finden in Berlin?

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„Ich bin nicht verrückt, dachte Litvinas und griff zu Rasierhobel und Rasierschaum. Ich bin meiner Zeit nur hundert Jahre voraus, das ist das Problem.“ (Seite 56)

Arne ist ein junger Mann, der seit seinem Unfall gehandicapt ist. Komplexe Zusammenhänge und Konzentration fallen ihm schwer. Dennoch reist er nach Berlin, um den letzten Wunsch seines verstorbenen Vaters zu erfüllen.

Beate, eine junge Frau sitz wegen einer Erkrankung der Beinmuskulatur im Rollstuhl. Sie lebt ohne Perspektive in den Tag.

Litvinas, ein älterer Herr sitzt in der Psychiatrie, weil er mit verschiedenen gefährlichen Experimenten versucht hat seine tote Frau wiederzuholen. Er steht kurz vor der Entlassung, muss nur noch die Herren der Kommission überzeugen. Die ahnen nicht, dass Litvinas nur darauf wartet der Anstalt zu entkommen, um seinen letzten großen Coup zu landen.

Diese drei etwas „merkwürdigen“ Gestalten treffen in Berlin aufeinander. Irgendwie hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass jeder einzelne von ihnen in seiner eigenen Welt lebt und dennoch Teil der Welt des jeweils anderen ist. Arne ist dabei für mich die „intensivste“ Figur. Seine unbändige Neugier auf das Leben und das ihm Unbekannte ist einfach so wunderschön. Nesser beschreibt seinen Protagonisten sehr liebevoll und auch seine Erkundungen in der Welt stellt er als zaghafte Schritte dar. An vielen Stellen habe ich gedacht ich befinde mich in einem modernen Märchen. Aber es ist kein Märchen. Ich denke Nessers Anliegen war/ ist ein ganz anderes.

In meinen Augen möchte er Aufzeigen, dass Menschen mit Defiziten, egal welcher Art, genauso am Leben teilhaben können wie Menschen ohne Defizite. Im Gegenteil, er zeugt auf, dass gerade solche Menschen unsere Welt wesentlich bewusster wahrnehmen. Das sie offener für die Freude, die Schönheit und Einfache in dieser Welt sind, dass sie all dies auf ihre besondere Art und Weise wertschätzen. Wir in unserem täglichen Tun nehmen die Welt mit ihren einfachen und schönen Dingen gar nicht mehr wahr.

Auch wenn der Roman gegen Ende etwas skurril wird, habe ich diese elf Tage sehr gerne mit Arne in Berlin verbracht.

„Eine Botschaft habe ich nicht. Aber ich möchte für mehr Toleranz gegenüber dem menschlichen Wahnsinn werben.“ Astrid Lindgren

 

4 von 5 Sternen

Drehen, drehen, drehen …

btb Fester Einband  304 Seiten  Erscheinungsdatum: 26.04.2016  Preis: 19,99 € ISBN: 9783442756803

btb
Fester Einband
304 Seiten
Erscheinungsdatum:
26.04.2016
Preis: 19,99 €
ISBN: 9783442756803

Klappentext
Im Norden Italiens, inmitten der malerischen Dolomiten, liegt das Tal der Eismacher, in dem sich die Einwohner auf die Herstellung von Speiseeis spezialisiert haben. Giuseppe Talamini behauptet gar, die Eiscreme wurde hier erfunden. Und er muss es wissen, schließlich haben sich die Talaminis seit fünf Generationen dieser Handwerkskunst verschrieben. Jedes Jahr im Frühling siedeln sie nach Rotterdam über, wo sie während der Sommermonate ein kleines Eiscafé betreiben. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: zartschmelzendes Grappasorbet, sanftgrünes Pistazieneis, zimtfarbene Schokolade. Dennoch beschließt der ältere Sohn Giovanni, mit der Familientradititon zu brechen, um sein Leben der Literatur zu widmen. Denn er liebt das Lesen so sehr wie das Eis. Bis ihn eines Tages sein Bruder aufsucht: Luca, der das Eiscafé übernommen hat, ist inzwischen mit Sophia verheiratet, in die beide Brüder einst unsterblich verliebt waren. Und er hat eine ungewöhnliche Bitte …

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„“Drehen, drehen, drehen“, sagte Luca. Es war, was unser Vater uns erklärt hatte. Wir mussten lernen; das Eis musste sich drehen.“ (Seite 111)

Ja, das Eis muss sich drehen … immer und immer wieder, aber nicht zu lange, weil sonst wird es zu körnig.

Mein Kopf stand auch kurz davor durchzudrehen. Ach Menno, was bin ich enttäuscht. Nach dem wundervollen Debüt „Fünf Viertelstunden bis zum Meer“ von van der Kwast hatte ich mich so sehr auf das neue Buch gefreut. Doch als ich schon den „dicken“ Wälzer sah, war ich skeptisch, ob van der Kwast bei dem Umfang an den alten Erfolg anknüpfen kann. Und was soll ich sagen … er kann nicht.

Sicherlich, es war sehr interessant etwas über die Entstehung des Eis zu erfahren und wie es in die Welt kam oder auch über das Leben der Eismacher. Das diese im Sommer immer arbeiten müssen, ihr Leben lang. Wir machen uns darüber gar keine Gedanken. Kaufen ein Eis beim Italiener unseres Vertrauens, doch das der nur im Winter Urlaub machen kann ist vielen gar nicht klar. Oder auch die Tatsache, wie sehr die Eismacher von gutem Wetter im Sommer abhängig sind … Das alles war Mega spannend und las sich auch sehr gut. Doch irgendwann wiederholte sich alles permanent.

Ich lese eigentlich nicht quer, aber spätestens nach dem gefühlten 100 Literaturfestival, dem Giovanni beiwohnt habe ich angefangen quer zu lesen. Und was soll ich sagen … erst auf Seite 230 kam der Satz, auf den ich die ganze Zeit schon gewartet hatte. Denn was in etwas wirklich passiert in dem Buch, kann man aus dem Klappentext erahnen. Tja, und dann blieben noch 150 Seiten für die „eigentliche“ Geschichte.

Für mich hätte dieser Roman ruhig 200 Seiten weniger haben können. Aber auch dann wäre er leider nicht so wunderschön gewesen, wie das Debüt von van der Kwast. Mir fehlten bis zum Schluss die wundervolle Sprache und das Gefühl/ die Magie, die das erste Buch hatte.

Schade, schade … aber wie immer an dieser Stelle … das ist meine Meinung. Macht euch bitte eure eigene Meinung.

„Mehr als ein halbes Jahrhundert kein langer, sonniger Sommer, kein früher Sommer, kein leerer Sommer, kein schwüler Sommer, kein kühler Sommer, kein wehmütig süßer Sommer, kein Sommer am Meer.“ (Seite 60)

2 von 5 Sternen

… aus „Verrückt und frei“ von Beate Grimsrud

btb Fester Einband  480 Seiten Erscheinungsdatum: 06.10.2014  Preis: 22,99 € ISBN: 9783442753369

btb
Fester Einband
480 Seiten
Erscheinungsdatum:
06.10.2014
Preis: 22,99 €
ISBN: 9783442753369

 

„Ich bin Eli. Auf Hebräisch bedeutet das >mein Gott<. (…) Ich bin neununddreißig. In den letzten achtzehn Jahren ging es ständig rein in die Psychiatrie und wieder raus. Fast genau so lange lebe ich schon als Schriftstellerin, Dramatikerin und Filmemacherin. Schriftsteller ist kein Beruf. Es ist ein Leben. Ich habe gestern geschrieben. Ich schreibe heute und ich werde es morgen tun. Mich in den Worten bewegen. Sätze und Situationen erspüren und genießen. Sie aus mir rausholen und wieder abgeben. Sie weitergeben und dennoch behalten. Ein Geschenk, mit dem man verwachsen kann. An dem ich festhalten kann, wenn ich krank bin. An dem ich festhalten kann, wenn ich gesund bin.“ (Seite 7)

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Aber dass das Erlebte wahr ist, stimmt nicht. Die Erinnerungen bleiben nicht liegen, wo man sie zurückgelassen hat. Man hat sie über all die Umwege des Lebens mitgeschleppt. Wie einen Schlitten, den man zieht, vieles ist heruntergefallen, und vieles ist dazugekommen.“ (Seite 48)

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Ich schreibe nicht so, wie ich denke, dass ich schreiben sollte. Ich schreibe so, wie ich denke, während ich schreibe. Ich werde vom vorherigen Satz inspiriert.“ (Seite 188)

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„>Die Wirklichkeit der Welt wird von uns erschaffen. Wer Wirklichkeit werden will, muss ungebunden sein<, sagt Prinz Eugen. Emil und Espen verstehen nicht, was das heißt. Erik tut so, als würde er es verstehen. Ich weiß nicht, was ich anderes tun kann, als es aufzuschreiben. Das ist meine Freiheit.
Liebe ist die Leidenschaft für Wörter. Eine Liebe, die nicht bedroht, gebunden oder ungebunden ist. Ich bin niemals allein, man muss aus der Situation bloß das Beste machen. Die Jungenseelen auf der Zunge, sind eine Erweiterung der Sprache. Desgleichen die Worte auf dem Papier, Sätze, die Sinn stiften. Leere ist unfrei. Freiheit ist Schmerz und  Freude. Graben und leben. Der gespannte Bogen der Krankheit. Ich bin der Pfeil, kein Narr. Der einzige Unterschied zwischen mir und einem Verrückten ist, dass ich nicht verrückt bin.“ (Seite 382/ 383)

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„Zwei Kreise. Ein kranker und ein gesunder. Eine Acht. Eine Ewigkeit aus Zeit und Leben. Ich male sie immer wieder und lande in dem gesunden Kreis. Sie wiegen nicht gleich viel. Hoffnung und Dunkelheit. Ich finde wieder in das Zuhause in mir wie ein Vogel im Frühling.“ (Seite 462)

Willkommen im Wahnsinn

btb Fester Einband  480 Seiten Erscheinungsdatum: 06.10.2014  Preis: 22,99 € ISBN: 9783442753369

btb
Fester Einband
480 Seiten
Erscheinungsdatum:
06.10.2014
Preis: 22,99 €
ISBN: 9783442753369

Klappentext
Eli ist eine erfolgreiche Schriftstellerin und Drehbuchautorin, wohnt alleine in Stockholm. Doch ihr Leben teilt sie sich seit ihrer Kindheit mit drei Jungen: Espen, Erik und Emil. Sie sind Stimmen in ihrem Kopf, die sie begleiten, unterstützen, aber auch nach Aufmerksamkeit verlangen und manchmal sogar die Kontrolle über sie übernehmen.

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„Ich bin Eli. Auf Hebräisch bedeutet das >mein Gott<. (…) Ich bin neununddreißig. In den letzten achtzehn Jahren ging es ständig rein in die Psychiatrie und wieder raus. Fast genau so lange lebe ich schon als Schriftstellerin, Dramatikerin und Filmemacherin. Schriftsteller ist kein Beruf. Es ist ein Leben. Ich habe gestern geschrieben. Ich schreibe heute und ich werde es morgen tun. Mich in den Worten bewegen. Sätze und Situationen erspüren und genießen. Sie aus mir rausholen und wieder abgeben. Sie weitergeben und dennoch behalten. Ein Geschenk, mit dem man verwachsen kann. An dem ich festhalten kann, wenn ich krank bin. An dem ich festhalten kann, wenn ich gesund bin.“ (Seite 7)

Eli ist neununddreißig als die Geschichte einsetzt. Eli ist Schriftstellerin, Dramatikerin, Filmemacherin und … krank. Sie leidet unter Schizophrenie, hört Stimmen. Die erste Stimme hört sie im Alter von fünf Jahren. Es ist Espen. Ein Junge der für sie weint und den Schmerz auffängt, den man ihr zufügt. In späteren Jahren folgen Emil und Erik. Die drei Jungen machen ihr das Leben zur Hölle. Sie zwingen sie Dinge zu tun, denen sich Eli nur schwer entziehen kann. Sie resigniert immer mehr und antwortet den Stimmen immer mit einem: „Ja, ja, ja!“

Aber dass das Erlebte wahr ist, stimmt nicht. Die Erinnerungen bleiben nicht liegen, wo man sie zurückgelassen hat. Man hat sie über all die Umwege des Lebens mitgeschleppt. Wie einen Schlitten, den man zieht, vieles ist heruntergefallen, und vieles ist dazugekommen.“ (Seite 48)

Sie nimmt Drogen, trinkt ohne Ende, wird zwangseingewiesen und in der Klinik während den akuten Psychosen schreibt sie ihre Geschichten. Die sind so gut, dass sich die Radiosender darum reißen. Immer und immer wieder wird sie eingeliefert, fixiert und ruhig gestellt. Und immer und immer wieder schreibt sie in dieser Zeit. Ihre Bücher gewinnen Preise und sie wird gefeiert.

Ihre Eltern wissen nichts von der Krankheit. Das Verhältnis zu ihrer Mutter ist mehr als angespannt. Diese duldet keinen Schmerz, keine Trauer oder gar Gefühle. Der Vater scheint ein Träumer zu sein, der nicht in der Lage ist sein Leben in den Griff zu bekommen.

Ich schreibe nicht so, wie ich denke, dass ich schreiben sollte. Ich schreibe so, wie ich denke, während ich schreibe. Ich werde vom vorherigen Satz inspiriert.“ (Seite 188)

Die Autorin war mir bis dato völlig unbekannt. Ich habe dieses Buch in einer Vorschau gesehenen und war sofort von Cover und Titel angetan. Der Klappentext sprach mich ebenfalls an.
Beate Grimsrud wurde 1963 in Norwegen geboren. Sie ist Fußballerin, Boxerin, Übersetzerin und Autorin von Romanen, Kinderbüchern, Bühnenstücken und Drehbüchern. Für ihren autobiografisch geprägten Roman „Verrückt und frei“ erhielt sie den Norwegischen Kritikerpreis. Sie war unter anderem auch sowohl von schwedischer wie auch von norwegischer Seite für den Nordischen Literaturpreis nominiert.

Ihr Stil ist so wie ihr Wesen. Kurze und prägnante Sätze. Nichts ist geschönt. Manches trifft mich als Leserin wie ein Blitz und erschüttert mich. Anderes zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht. Und dann gibt es die Stellen, an denen die Tränen sich ihren Weg suchen.

„>Die Wirklichkeit der Welt wird von uns erschaffen. Wer Wirklichkeit werden will, muss ungebunden sein<, sagt Prinz Eugen. Emil und Espen verstehen nicht, was das heißt. Erik tut so, als würde er es verstehen. Ich weiß nicht, was ich anderes tun kann, als es aufzuschreiben. Das ist meine Freiheit.
Liebe ist die Leidenschaft für Wörter. Eine Liebe, die nicht bedroht, gebunden oder ungebunden ist. Ich bin niemals allein, man muss aus der Situation bloß das Beste machen. Die Jungenseelen auf der Zunge, sind eine Erweiterung der Sprache. Desgleichen die Worte auf dem Papier, Sätze, die Sinn stiften. Leere ist unfrei. Freiheit ist Schmerz und  Freude. Graben und leben. Der gespannte Bogen der Krankheit. Ich bin der Pfeil, kein Narr. Der einzige Unterschied zwischen mir und einem Verrückten ist, dass ich nicht verrückt bin.“ (Seite 382/ 383)

Ich muss gestehen, dass mir dieses Buch unter die Haut und voll ins Herz ging. Zuerst habe ich mich gefragt, was an diesem Buch wohl autobiografisch ist. Schnell wurde mir klar, so ziemlich alles. Im Vordergrund steht jedoch die Krankheit. Schizophrenie. Beim Lesen bin ich das ein oder andere Mal echt an meine Grenzen gekommen. Das waren dann meist die Passagen, in denen Eli mal wieder zwangseingewiesen wurde. Situationen in denen man sie überwältigen musste, fixieren und beruhigen. Das zu lesen ist einfach grausam.

Doch Eli lebt mit dieser Krankheit. Als Leserin habe ich oft den Eindruck, dass Eli und ihre Krankheit mit der Zeit Freunde geworden sind. Sie haben eine Basis gefunden und arrangieren sich. Eli macht die Krankheit zu ihrer Verbündeten und schafft es in den akuten Psychosen ihre Geschichten zu schreiben. Geschichten die so erfolgreich sind, dass sie mit Preisgeldern und Preisen bedacht werden.

„Zwei Kreise. Ein kranker und ein gesunder. Eine Acht. Eine Ewigkeit aus Zeit und Leben. Ich male sie immer wieder und lande in dem gesunden Kreis. Sie wiegen nicht gleich viel. Hoffnung und Dunkelheit. Ich finde wieder in das Zuhause in mir wie ein Vogel im Frühling.“ (Seite 462)

Elis Geschichte ist eine Geschichte, die uns einen tiefen Einblick in eine kranke Seele gibt. Für mich ist es nach wie vor unfassbar, wie oft Eli in der Psychiatrie sitzt und doch immer und immer wieder für ihre „Freiheit“ kämpft.

Ich wünsche diesem Buch viele Leser und ein Begreifen für diese Krankheit. Eli/ Beate wünsche ich, dass sie weiter macht und Bücher schreibt, die das Herz des Lesers berühren. Ich wünsche ihr, dass sie in ihrer Acht immer öfter im gesunden Kreis verweilen kann.

Danke liebe Beate, für diese bewegenden Einblicke in Dein Innerstes ♥♥♥
Takk kjære Beate, for dette bevegelige innsikt i ditt innerste ♥♥♥

5 von 5 Sternen

Ich danke dem btb Verlag für das Leseexemplar.