Die verborgenen Stimmen der Bücher von Bridget Collins

Rütten & Loening Berlin
Fester Einband
467 Seiten
Erscheinungsdatum:
15.02.2019
ISBN: 9783352009211
Preis: 22,00 Euro

Klappentext
Emmett Farmer arbeitet auf dem Hof seiner Eltern, als ihn ein Brief erreicht. Er soll bei einer Buchbinderin in die Lehre gehen. Seine Eltern, die wie alle anderen Menschen Bücher aus ihrer Welt verbannt haben, lassen ihn ziehen – auch weil sie glauben, dass er nach einer schweren Krankheit die Arbeit auf dem Hof nicht mehr leisten kann.
Die Begegnung mit der alten Buchbinderin beeindruckt den jungen Mann, obwohl Seredith ihn nicht in das Gewölbe mit den kostbaren Büchern lässt. Menschen von nah und fern suchen sie heimlich auf. Emmett kommt ein dunkler Verdacht: Liegt ihre Gabe darin, den Menschen ihre Seele zu nehmen? Dann stirbt die alte Buchbinderin, und er erkennt, welch Wohltäterin sie – und in welche Gefahr er selbst geraten ist. Denn er hat seine eigene Geschichte, die ihn in den Abgrund reißen könnte, sollte sie je ans Licht gelangen.

∗∗∗∗∗

„“Du bindest … Menschen“, sagte ich. Mein Hals war so trocken, dass das Sprechen schmerzte; aber das Schweigen schmerzte mehr. „Du machst aus den Leuten Bücher.“
(…)
Seredith wandte sich ab und ließ das Messer in die offene Schublade neben mir fallen. „Erinnerungen“, sagte sie schließlich. „Nicht Leute, Emmett. Wir nehmen Erinnerungen und binden sie. Was die Leute an Erinnerungen nicht ertragen können. Womit sie nicht leben können. Wir nehmen diese Erinnerungen und verwahren sie an einem Ort, wo sie keinen Schaden mehr anrichten können. Das ist alles, mehr sind Bücher nicht.““ (Seite 77-79)

Als Leserin befinde ich mich in einer Zeit, in der Bücher etwas gefährliches sind. Man fürchtet sich davor. und auch Emmet macht keine guten Erfahrungen mit ihnen. Als er schwer erkrankt, und den Hof seiner Eltern nicht übernehmen kann, beschließen die Eltern ihn in eine Buchbinderlehre zu stecken, da er scheinbar die Fähigkeiten dazu hat. In der Lehre erfährt er dann in Teilen was es mit dem geheimnisvollen Buchbinden auf sich hat. Als Seredith dann plötzlich stirbt, muss Emmet sich all den Gefahren stellen, denen er jetzt als Buchbinder ausgesetzt ist. Und dabei muss er feststellen, dass auch er ein ganz besonderes Buch ist …

Dieses Buch habe ich an einem Tag gelesen. Es hat einen wahnsinnigen Sog. Je tiefer man in die Geschichte eintaucht, desto spannender wird sie und immer wenn ich dachte jetzt ist das Geheimnis gelöst, ploppte eine neue Überraschung auf.

Dieses Buch hat einfach alles …. Fantasy, Magie und Liebe in einer wilden und wundervollen Landschaft die düster und geheimnisvoll ist … mit Charakteren die leidenschaftlich und absolut authentisch beschrieben sind. Obwohl sich das Buch sehr gut lesen lässt, ist die Sprache auch etwas besonders … sie ist sehr intensiv. Ich hatte an vielen Stellen das Gefühl, dass ich Teil der Geschichte bin.

Was für ein tolles Buch. Die Autorin hat es geschafft mich zu fesseln, mich an einem regnerischen Tag in eine wundervolle Welt der Bücher zu entführen, aus der ich nur langsam wieder auftauchen wollte.

Unbedingt lesen!!!

„“Warte mal, du meinst, du hast noch nie etwas von Romanen gehört?“, fügte er mit einem Aufblitzen von Spott hinzu. „Das sind keine echten Bücher. Die werden geschrieben wie Zeitschriften. In ihnen sind keine echten Menschen oder echte Erinnerungen gebunden. Die sind erfunden.““ (Seite 281)

Neulich in der Buchhandlung … #19

Hallo Ihr Lieben,

gerade diese Woche erlebt …

Vater und Sohn betreten die Buchhandlung. Der Sohn ist ca. 2-3 Jahre alt. Die beiden waren vor ein paar Tagen schon einmal da und haben Bilderbücher gekauft. Heute möchten die beiden ein Wörterbuch Deutsch-Italienisch abholen, welches der Vater bestellt hat. Ich gebe also das Buch raus und der Kurze sagt:“ Papa, möchte Buch gucken.“ Der Vater gibt es dem Sohn. Wir Erwachsenen quatschen noch ne Runde und der Sohn sitz auf dem Boden und schaut sich das Buch an. Dann gehen die beiden. An der Tür bemerkt der Vater, dass der Sohn das Buch nicht mehr in der Hand hält. Es liegt im Kassenbereich auf dem Boden. Der Vater zu seinem Sohn:“ Das Buch müssen wir aber mitnehmen, das ist bezahlt. Holst du es bitte.“ Der Sohn: „Nein.“ Der Vater:“ Warum nicht?“ Der Sohn:“ Keine Bilder drin.“ Tja, damit war die Sache dann geklärt. Was ist die Essenz dieser Geschichte … Bücher ohne Bilder kommen dem Kurzen nicht ins Haus. 🙂

In diesem Sinne …. schöne Feiertage

Eure Angelika ♥

Auszeit … eine klitzekleine

 

Hallo Ihr Lieben,

ich melde mich heute aus meinem Urlaub. Nach zwei Jahren und drei Monaten seit der Eröffnung des Büchergartens mache ich diese Woche Urlaub. Na ja, ich versuche es. 🙂 In den letzten Wochen und Monaten ist vieles liegen geblieben, vor allen vieles rund um den Blog. Ich habe festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, den Blog regelmäßig zu füttern und eine Buchhandlung zu führen und einen Haushalt und … und … Vieles bleibt irgendwann unweigerlich auf der Strecke. Ständig denke ich … du musst dies, du musst das … Diesen „Stress“ werde ich mir 2018 nicht mehr antun.

Darum hab ich gestern erst einmal alle Bücher aussortiert die ich definitiv nicht mehr lesen werde. Was ich damit mache weiß ich noch nicht. Es sind ca. 40 Bücher. Im Moment sieht es so als, dass sie als Spende an @buchundbrimborium für die Hamburger Diakonie gehen. Wer eine Idee im Köln/ Bonner Raum hat, kann sie mir gerne per Mail oder PN mitteilen.

Die zweite „Befreiung“ wird die sein, dass ich für einige Bücher, die hier noch liegen keine Rezensionen mehr schreiben werde. Auch in Zukunft werde ich nur noch Rezensionen zu den Büchern schreiben, die mich begeistern und die es auf meine „Wand“ im Büchergarten schaffen. Allerdings wird es jetzt jeden Monat einen Rückblick geben in dem ich die nicht rezensierten Bücher nenne.  In diesem Rückblick finden auch die abgebrochenen Bücher ihren Platz, denn dass ist die dritte „Befreiung“. Bücher die mich nicht packen werden gnadenlos abgebrochen. Es gibt jedes Jahr einfach zu viele Neuerscheinungen, um die Zeit mit „schlechter“ Literatur zu vergeuden.

Mein persönlicher Anspruch war es in 2017 pro Woche ein Buch zu lesen. Dies habe ich geschafft. Es waren 53 Bücher. Auch in diesem Jahr möchte ich dies wieder schaffen. Abgebrochenen Bücher gelten allerdings nicht als gelesen. 🙂

Des weiteren möchte ich wieder Zitate veröffentlichen und Schätze. Ich muss mal sehen wie das mit dem planen von Beitragsveröffentlichungen geht. Mir ist das Medium Computer und WordPress suspekt, und vieles muss ich mir erst in stundenlangen Versuchen aneignen. Nun denn… schauen wir, wie weit ich komme. 🙂

So, dass war es erst einmal von hier. Ich werde jetzt die restliche Woche meines Urlaubs genießen und das ein oder andere Buch noch lesen. Ich wünsche und hoffe Ihr bleibt mir und dem Blog trotz der kleinen Änderungen wohlgesonnen.

Eure Angelika ♥♥♥

Wenn Worte fehlen …

Hallo Ihr Lieben,

seit einiger Zeit beschäftigt mich ein Thema immer und immer wieder … Rezensionsstau. Wie einige von Euch wissen versuche ich ein Buch pro Woche zu lesen. Manchmal schaffe ich auch zwei. Aber mir fehlt dann oft einfach neben all den anderen Dingen, die ich täglich/ wöchentlich mache/ machen muss einfach die Zeit für eine Rezension. So stapeln sich die gelesenen Bücher neben den ungelesenen Büchern.

Ich habe mir heute frei genommen und  so mit Brückentag fünf Tage frei. Hurra! Eigentlich wollte ich für alle zehn Bücher Rezensionen schreiben. Doch als ich mich heute morgen an den Computer gesetzt habe, war mein Kopf plötzlich leer, und ich wusste nicht wie ich das gelesene und empfundene in Worte packen sollte. Das macht mich echt fertig und ich suche schon den ganzen Tag nach einer Lösung.

Vor einiger Zeit habe ich die Kategorie „Kurz und knapp“ eingeführt. Für mich eine durchaus tolle Sache. Schnell mal über ein Buch ein paar Worte. Das sollte aber eigentlich nur für Bücher sein, die schon oft auf anderen Blogs besprochen wurden und/ oder mir nicht wirklich gefallen haben. Doch was mache ich mit all den tollen Büchern, die, die mir besonders viel gegeben haben und denen ich viele Leser*innen wünsche?

Im Büchergarten fällt es mir nicht schwer über die gelesenen Bücher zu erzählen, doch zu Hause fehlen mir die Worte, um meine Gefühle nieder zu schreiben. Falls Ihr jetzt meint, ich sollte es einmal mit YouTube versuchen … nein, dass ist definitiv nicht meine Welt.

Manchmal frage ich mich auch, muss ich zu jedem gelesenen Buch eine Rezension schreiben? Nicht alle Bücher die ich lese sind Rezensionsexemplare der Verlage.

Wie macht Ihr das? Schreibt Ihr immer nach dem Lesen sofort eine Rezension? Besprecht Ihr alle gelesenen Bücher? Ich würde mich sehr über Tipps freuen, denn im Moment weiß ich echt nicht weiter.

Mein Kopf ist leer …

 

Eure Angelika ♥♥♥

Aufgeben oder Durchbeißen

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Hallo Ihr Lieben,

 

heute melde ich mich mal, weil ich in einem Dilemma stecke und Eure Meinung dazu wissen möchte.

Seit Wochen fange ich dieses und/ oder jenes Buch an. Aber irgendwie sind die alle „doof“. Ich komme einfach nicht in die Geschichten rein und nun überlege ich ernsthaft die Bücher abzubrechen und nicht weiter zu lesen.

Ehrlich gesagt habe ich erst zwei Bücher in meinem Leseleben abgebrochen. Das eine war von einer Dame, die mal einen Literaturnobelpreis gewonnen hat. Das Buch war so irre geschrieben, dass ich abgebrochen habe. Doch das Buch hat mir keine Ruhe gelassen und ich habe es nach einem halben Jahr noch einmal zur Hand genommen und es in einem Rutsch gelesen. Das andere Buch war von einem Herrn. Bis heute weiß ich nicht was er dem Leser mit diesem Buch sagen wollte oder auch nicht. Dieses Buch habe ich nicht noch einmal gelesen.

Auf der einen Seite tut es mir so leid, wenn ich ein Buch abbreche/ abbrechen möchte, denn schließlich ist es mit viel Liebe, Hingabe und Zeit von einem Menschen geschrieben worden. Das allein verdient schon meinen höchsten Respekt. Doch was mache ich, wenn ich überhaupt nicht in die Geschichte rein komme? Und was, wenn das Buch doch noch interessant wird, und ich zu früh abgebrochen habe?

Auf der anderen Seite denke ich, es gibt so viele tolle Bücher, warum soll ich meine kostbare Lebens- und Lesezeit mit schlechten Büchern verbringen? Daraus ergibt sich gleich die Frage … gibt es überhaupt schlechte Büche bzw. ist ein Buch „schlecht“ nur weil es mir nicht gefällt? Und darf man das einem Autor*in sagen?

Wie macht Ihr das? Abbrechen oder Durchbeißen? Ich bin sehr auf Eure Antworten gespannt.

 

Eure Angelika ♥

 

„Familie. Ein Puzzel aus Menschen“

Tropen bei Klett-Cotta Fester Einband 314 Seiten Erscheinungsdatum: 21.02.2015  Preis: 19,95 € ISBN: 9783608501483

Tropen bei Klett-Cotta
Fester Einband
314 Seiten
Erscheinungsdatum: 21.02.2015
Preis: 19,95 €
ISBN: 9783608501483

Klappentext
Bobby Nusku fristet seine Tage damit, Haare, Kleidungsstücke und weitere Spuren seiner verschwundenen Mutter zu sammeln und zu archivieren. Er fühlt sich im Haus seines grobschlächtigen Vaters und dessen wasserstoffblonder Freundin ziemlich einsam, besonders nachdem sein einziger Freund Sunny eines Tages wie vom Erdboden verschluckt ist. Die Freundschaft zwischen Nachbarsmädchen Rosa und ihrer Mutter Val, die Putzfrau in einem Bücherbus ist, gibt ihm Hoffnung und macht ihm Mut, sich gegen sein Schicksal aufzulehnen. Als alles drunter und drüber geht, machen sich Val, Rosa und Bobby gemeinsam mit dem sympathischen Outlaw Joe auf eine verrückte Reise mit Vals Bücherbus quer durch England. Im Gepäck haben sie nur das nötigste: ihre Freundschaft und eine Menge guter Bücher.

∗∗∗∗∗

„Das waren der Moment, in dem Bobby die schwindelerregende Übelkeit kennenlernte, die auf einen eben erst begangenen Fehler folgt. Fehler sind jene Momente, während derer wir die Zukunft so fest umklammern, dass sie uns zwischen den Fingern zerbirst, und wir erkennen, dass wir aus den verbleibenden Bruchstücken eine vollkommen andere Zukunft bauen müssen, eine, die nie wieder so gut sein wird wie vorher. Bobby fragt sich, wie viele Bruchstücke es  wohl geben würde und ob einige von ihnen so klein sein würden, dass er sie nicht mehr aufheben konnte.“ (Seite 35)

Bobby Nusku ist ein einsames und trauriges Kerlchen. Seine Mutter hat die Familie verlassen und er lebt bei seinem Vater und dessen neuer Freundin. Beide leben so, als wäre Bobby überhaupt nicht da. Auch in der Schule wird er gemobbt und sein einziger Freund ist Sunny. Der will sich unbedingt in einen Cyborg verwandeln, damit er Bobby vor den großen und bösen Jungs beschützen kann. Doch eines Tages ist Sunny fort und Bobby vollkommen alleine. Dann trifft er auf Rosa und deren Mutter Val.

„Die Wärme, die seine Gegenwart ihr schenkte, klang noch lange fort, verweilte wie der Abdruck eines Kissen auf der Haut nach einer wohlig durchschlafenden Nacht.“ (Seite 63)

Rosa trifft Bobby durch Zufall hinter der Schule und schleppt ihn mit nach Hause. Ihre Mutter ist zunächst etwas skeptisch was die Freundschaft zwischen den beiden betrifft. Doch auch sie hat Bobby schnell in ihr Herz geschlossen. Gemeinsam verbringen die drei viel Zeit miteinander. Eines Tages beschließen die drei eine Tour mit dem Bücherbus zu machen, in dem Val als Putzfrau arbeitet.

„>In jedem Buch gibt es irgendeinen Hinweis auf dein eigenes Leben<, sagt sie. >Auf diese Weise sind die Geschichten alle miteinander verbunden. Du erweckst sie zum Leben, wenn du sie liest, und dann wirst du das, was darin passiert, auch selbst erleben. <“ (Seite 73)

Auf ihrer Reise treffen sie auf den Joe. Ein Mann in Vals Alter. Er wuchs ohne Familie auf. Schnell wird allen klar, Joe muss mit auf die Reise. Und so beschließen sie nach Schottland zu fahren, um Joes geheimnisvolles Schloss zu finden. Mit dabei sind die vielen Geschichten aus den Büchern im Bücherbus. Ist eine Geschichte gelesen, so wirft Bobby das Buch aus dem Bus, um eine Spur der gelesenen Bücher zu hinterlassen. Doch der Schein trügt, denn das Unheil ist näher als alle denken …

„Immer wenn er hörte, wie Leute – meistens Lehrer – von Hoffnung sprachen, dann klang es so, als sei das etwas, was man nur in Zeiten der Verzweiflung haben konnte. Bobby glaubte nicht, dass das stimmte. Er wusste zum Beispiel ganz genau, dass seine Mutter zurückkommen würde. Das war Hoffnung. Hoffnung ist eine Konstante, ein Seelenlotsenlicht. Es flackert nie. Es geht nie aus. Und auch wenn sie es vielleicht nicht wissen, so wärmen sich die Menschen doch jeden Tag ihre Hände daran. Es hilft ihnen dabei, morgens aufzustehen. Es bringt sie dazu, das Haus zu verlassen. Es gibt ihnen Kraft, ihr Leben zu meistern.“ (Seite 101)

Was für eine wundervolle Geschichte. Alle Protagonisten sind auf ihre Art und Weise besonders. Bobby hat seit dem Tod seiner Mutter autistische Züge. Rosa rastet auf Grund ihres Down-Syndrom oft aus, aber Val liebt ihre Tochter über alle Maßen. Ihr Mann ging, als nach der Geburt diese Diagnose gestellt wurde. Und auch Joe ist ein Einzelgänger und –kämpfer. Aber alle haben eines gemeinsam … sie suchen Liebe und Geborgenheit. Die Liebe und Geborgenheit, die ihnen ihre Familien nicht bieten oder geben konnten, finden die vier in ihrer kleinen Gemeinschaft. Und das ist das phantastische an diesem Buch … obwohl es so viel Traurigkeit in dieser Geschichte gibt, wird mir beim Lesen ganz warm ums Herz. Ich spüre, wie die vier sich gegenseitig Mut, Hoffnung und Liebe geben. Sie brauchen ihre „Familien“ nicht. Sie brauchen sich, denn …

„Familie ist dort, wo man sie findet.
Eine Familie muss nicht aus einem Vater, einer Mutter, einem Sohn und einer Tochter bestehen. Familie ist dort, wo es genug Liebe gibt. Und für diese vier war es eben jene ungleiche und außergewöhnliche Gruppe von Menschen … Der Junge, die Königin, die Prinzessin und der Höhlenmensch.“ (Seite 282)

Unbedingt lesen, aber Vorsicht … Suchtgefahr!!!

5 von 5 Sternen

La pharmacie littéraire – Die Literarische Apotheke

Droemer/Knaur Fester Einband 384 Seiten Erscheinungsdatum: 02.05.2013 Preis: 14,99 € ISBN: 9783426652688

Droemer/Knaur
Fester Einband
384 Seiten
Erscheinungsdatum:
02.05.2013
Preis: 14,99 €
ISBN: 9783426652688

Rückentext
Er weiß genau, welches Buch welche Krankheit der Seele lindert: der Buchhändler Jean Perdu verkauft auf seinem Bücherschiff „pharmacie littéraire“ Romane wie Medizin fürs Leben. Nur sich selbst weiß er nicht zu heilen, seit jener Nacht vor einundzwanzig Jahren, als die schöne Provenzalin Manon ging, während er schlief. Sie ließ nichts zurück außer einem Brief – den Perdu nie zu lesen wagte. Bis zu diesem Sommer. Dem Sommer, der alle verändert und Monsieur Perdu aus der kleinen Rue Montagnard auf eine Reise der Erinnerung führt, in das Herz der Provence und zurück ins Leben.

∗∗∗∗∗

„Erinnerungen sind wie Wölfe. Du kannst sie nicht wegsperren und hoffen, dass sie dich ignorieren.“ (Seite 15)

Perdu lebt seit einundzwanzig Jahren in seinen Erinnerungen. Nie wird er den Tag vergessen an dem Manon ihn verließ und für ihn eine Welt zusammen bricht. Fortan lebt er nur noch für seine Bücher auf dem Bücherschiff „La pharmacie littéraire“ – die Literarische Apotheke. Er kann jedem Kunden für sein „Leiden“ das passende Buch empfehlen. Eines Tages jedoch zieht eine Frau in die Nachbarwohnung. Perdu ist von ihr fasziniert, hat sie doch Augen wie Manon. Anna hat sich gerade von ihrem Mann getrennt und ist völlig verzweifelt ähnlich wie Perdu nach Manons Verschwinden.

„Ich musste sanft mit ihr sprechen. Sie hat so viel geweint, dass sie wahrscheinlich ausgetrocknet ist und zerfällt, wenn ich zu laut bin.“ (Seite 19)

Alte Wunden brechen bei Perdu wieder auf und jetzt endlich schafft er es den Brief zu lesen, den Manon ihm vor einundzwanzig Jahren hinterlassen hat. Sofort macht er sich auf den Weg in die Provence um Manon zu suchen. Es beginnt eine abenteuerliche Reise mit dem Bücherschiff, auf der Perdu allerdings nicht alleine ist.

„Nächte und Tage und Länder und Meere. Tausende von Leben kamen und gingen, und du wartest auf mich.
In einem Zimmer, irgendwo, nebenan.
Wissend bist du und liebend.
In meinen Gedanken liebst du mich immer noch.
Du bist die Angst, die in mir Stein schneidet.
Du bist das Leben, das in mir auf mich hofft.
Du bist der Tod, den ich fürchte.
Du bist mir geschehen, und ich habe dir meine Worte vorenthalten.
Meine Trauer. Meine Erinnerung.
Deinen Platz in mir und all unserer Zeit.
Ich habe unseren Stern verloren.
Verzeihst Du mir?
Manon?“ (Seite 205)

Dieses wundervolle Buch beginnt mit einer Widmung der Autorin an ihren verstorbenen Vater. Wenn man diese Widmung liest, ahnt man schon mit wieviel Liebe und Gefühl Nina George diesen Roman geschrieben hat. Mir haben diese wundervollen Beschreibungen der Landschaft so sehr gefallen. Perdus Zerrissenheit und Sehnsucht nach der verlorenen Liebe, seine Hoffnung auf Wiedersehen und Verstehen … einfach wundervoll und berührend.

„Lesen: eine Reise ohne Ende. Eine lange, ja ewige Reise, auf der man milder und liebender und menschenfreundlicher wurde.“ (Seite 145)

Es gibt so viele berührende Stellen im Buch, dass ich Angst hatte eine zu überlesen. Ich habe viele mit Bleistift markiert. Was mir auch besonders gut gefallen hat, war im Anhang befindliche Literarische Apotheke, in der es Buchempfehlungen für diverse Erkrankungen gibt. Manche der Bücher werde ich bestimmt bei Bedarf gut dosiert lesen.

„Perdu wollte, dass sich Anna wie in einem Nest fühlte. Dass sie sich der Unendlichkeit bewusst wurde, die Bücher boten. Es würden immer genug da sein. Sie würden nie aufhören, einen Leser, eine Leserin zu lieben. Sie waren das Verlässliche in allem, was unberechenbar war. Im Leben. In der Liebe. Nach dem Tod.“ (Seite 47)

Mehr muss man doch dazu nicht sagen … oder?

4 von 5 Sternen

♥ Eine Hommage an alle bibliophile Menschen ♥

Insel Verlag Fester Einband 89 Seiten Erscheinungsdatum: 20.10.2014 Preis: 12,00 € ISBN: 9783458176152

Insel Verlag
Fester Einband
89 Seiten
Erscheinungsdatum: 20.10.2014
Preis: 12,00 €
ISBN: 9783458176152

Klappentext
Beim überqueren der Straße wird die junge Literaturdozentin Bluma Lennon, in einen Gedichtband Emily Dickinsons vertieft, von einem Auto erfasst und ist auf der Stelle tot. Ihren Lehrstuhl in Cambridge übernimmt darauf ein junger Kollege, den mit Bluma nicht nur die Liebe zur Literatur verband, sondern auch eine turbulente Liaison. Eines Tages erhält er ein ramponiertes Buch mit einer Widmung seiner ehemaligen Geliebten. Vertsört bricht er auf, einer Spur zu folgen, die ihn  in seine ferne Heimat führt. Und dort wird er unversehens in eine faszinierende Welt geheimer Bibliotheken und mysteriöser Leser hineingezogen.

∗∗∗∗∗

Was für ein wundervolles Stück Prosa. Von der ersten bis zur letzten Seite hat es mich verzaubert. Alleine die Aufmachung ist schon wunderschön. Wenn ich über das Cover fühle spüre ich jedes einzelne Buch, das darauf abgebildet ist. Schlage ich es auf und blättere durch, finde ich auf manchen Seiten wunderschöne Zeichnungen. Und dann beginne ich zu lesen und finde mich wieder. Als Leser, als Liebhaber von Büchern und nicke mit dem Kopf, weil das was ich lese mir bekannt vorkommt.

„(…) und schaffe es trotzdem nicht, ein neues Bücherregal oder die nächste Doppelreihe zu vermeiden; schweigsam und unschuldig breiten sich die Bücher im ganzen Haus aus, und es gelingt mir nicht, sie aufzuhalten. (…)“ (Seite 17)

Dieses kleine und feine Buch ist ein Hommage an alles Leser und Liebhaber von Büchern. Es lässt das eigene Herz höher schlagen und verzaubert den Leser. ♥♥♥

5 von 5 Sternen