„Wild Game“ von Adrienne Brodeur

Droemer
Fester Einband
272 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.04.2020
ISBN: 9783426278178
Preis: 18,00 Euro

Klappentext

Adrienne hat eine umwerfende, strahlende Mutter, die der Mittelpunkt einer jeden Gesellschaft ist. Malabar ist eine begnadete Köchin und verzaubert jeden mit ihrem Charme – doch sie auch eine große Egozentrikerin. Als sie sich in den besten Freund ihres Mannes verliebt, macht sie ihre vierzehnjährige Tochter zu ihrer engsten Vertrauten und stellt auf diese Weise das Mutter-Tochter-Verhältnis auf den Kopf. Bald schon lebt Adrienne ganz für die aufregende Liebesgeschichte ihrer Mutter, statt ihre eigene Jugend auszukosten. Ihr erscheint es als einzige Chance, vom Malabar endlich wirklich wahr genommen zu werden. Schließlich verstrickt sie sich so sehr in das Spiel ihrer Mutter, dass sie voll und ganz den Boden unter den Füßen zu verlieren droht. Erst als erwachsene Frau ist sie in der Lage, die Muster zu erkennen, die ihr Leben geprägt haben, und es gelingt ihr, sich mit ihrer Mutter auszusöhnen.

∗∗∗∗∗

„Eine verborgene Wahrheit, mehr ist eine Lüge nicht.“ (Seite 11)

Es ist ein Sommer Ende der 70ziger Jahre, der Adriennes Leben komplett verändern wird. Die Familie macht wie jedes Jahr Urlaub im Ferienhaus auf Cape Code. Freunde der Familie sind immer sehr willkommen und Malabar, Adriennes Mutter liebt es die Gäste zu verwöhnen. Auch in diesem Sommer sind Gäste auf Cape Code. Ben, der beste Freund von Adriennes Stiefvater, ist mit seiner Frau Lily zu Besuch. Die Familien genießen die Ferienzeit. Adrienne ist gerade 14 und erlebt die ersten zarten Bande des Verliebtseins.

Nach einer feuchtfröhlichen Party wird Adrienne mitten in der Nacht von ihrer Mutter geweckt. Sie erzählt aufgeregt ihrer 14jährigen Tochter das Ben, der Freund des Vaters sie geküsst hat. Malabar ist total aus dem Häuschen und schwärmt Adrienne von Ben und diesem Kuss vor. Malabar forder allerdings von Adrienne absolutes Stillschweigen. Sie darf niemandem etwas davon erzählen.

„Blinzle noch einmal, und dir wird klar, dass die Wahrheit, die du für gut verborgen gehalten hattest, ans Licht gekommen ist, dass sich unter veränderten Bedingungen, irgendein unansehnliches Teil davon offenbart hat. Wir alle wissen, dass eine Lüge oft weitere Lügen nach sich zieht. Täuschung erfordert Einsatz, Wachsamkeit und ein sehr gutes Gedächtnis. Man muss sich anstrengen, wenn man will, dass die Wahrheit verborgen bleibt.“ (Seite 11)

Aus diesem Kuss wird eine Affäre, in der Adrienne immer wieder gezwungen ist zu lügen. Sie muss ihr ganzes Umfeld an- und belügen. Zuerst fällt es ihr sehr schwer, ihren Stiefvater und auch Lily zu belügen. Doch andererseits ist das die Chance endlich der unnahbaren Malabar nahe zu sein. Als Komplizin, als Eingeweihte, als Vertraute … denn das ist etwas, was sich Adrienne immer von ihrer Mutter gewünscht hat. Nähe, Liebe, Vertrauen … all das hat sie jetzt, das Malabar sie in ihr Geheimnis eingeweiht hat.

Adrienne hat mit 14 Jahren noch keine Ahnung, welche Auswirkung dieses Geheimnis auf ihr Leben haben wird. Erst als erwachsene Frau schafft sie es, sich aus dieser „Verbindung“ zu lösen und ein eigenes Leben zu leben ….

„Ich wusste immer, was meiner Mutter gefiel, aber einen moralischen Kompass hatte ich nicht. Es sollte Jahre dauern, bis ich verstand, was sie geprägt hatte und was mich, und welchen Schmerz wir verursachten. Damals wusste ich nur, dass ich mich am meisten geliebt fühlte, wenn ich meine Mutter glücklich machte, und zu diesem Zweck war mir jedes Mittel recht.“ (Seite 55)

Was für ein unglaubliches Buch!!! Es ist der biografische Roman der Autorin Adrienne Brodeur, in dem sie über die toxische und zerstörerische Beziehung zu ihrer Mutter berichtet. An vielen Stellen war ich erschrocken und schockiert, wie Malabar ihrer Tochter für ihren Vorteil benutzt und manipuliert. Wie sie die Abhängigkeit eines Kindes von seiner Mutter für ihre Zwecke missbraucht … einfach unglaublich.

Aber erst einmal von vorne. In der Nacht, in der Malabar Adrienne vom Kuss erzählt, macht sie ihrer Tochter zur Mitwisserin und Komplizin. Adrienne findet es toll, das ihre auch so phantastische Mutter sie endlich beachtet und zur Vertrauten macht. Doch mit dem anvertrauen des Geheimnisse ist es nicht getan. Fortan muss Adrienne ihr Umfeld belügen, um Ben und Malabar zu decken, ihnen Freiräume zu schaffen usw. Das geht über zig Jahre so. Adriennes Welt ist die ihrer Mutter und deren Affäre mit Ben. Adriennes Leben bleibt auf der Strecke.

Als Adrienne irgendwann erkennt, dass ihre Mutter sie all die Jahre nur benutzt hat, zerbricht vieles in ihr … sie wird magersüchtig … depressiv …

„Natürlich war ich noch immer Malabars Tochter. Ich wusste, dass ich sie nie im Stich lassen würde – wenn sie anrief, würde ich drangehen, bis zum Ende – , aber ich wusste auch, dass ich mich aus ihrem Griff befreit hatte. Wir waren nicht, wie ich als Heranwachsende geglaubt hatte, zwei Hälften eines Ganzen. Sie war ein eigener Mensch, genau wie ich. Und jedes Mal, wenn ich es schaffte, nicht so zu sein wie sie, wurde ich mehr ich selbst.“ (Seite 263)

Dieses Buch hat mich sehr lange beschäftigt und jetzt, wo ich diese Rezension schreibe kommt vieles wieder hoch. Der Narzissmus dieser Mutter ist einfach unglaublich. Sie zerstört ja nicht nur ihr Leben, sonder das ihres gesamten Umfelds, insbesondere das ihrer Tochter. Ich glaube Adrienne Brodeur hat dieses Buch gebraucht, um sich ein weiteres Stück aus der toxischen Abhängigkeit zu ihrer Mutter zu lösen. Ich wünsche ihr sehr, dass sie ihren Weg und ihren Platz im Leben findet.

Absolute Leseempfehlung!!!

 

 

 

 

Rückblick & Einblick … März und April 2020

Hallo Ihr Lieben,

die letzten zwei Monate waren echt chaotisch und anstrengend. Langsam kehrt eine gewisse „Normalität“ wieder ein, aber es wird noch dauern bis alles wieder rund läuft. Viel gelesen habe ich wenig, bzw. viel angefangen und viel auch wieder abgebrochen, weil mein Kopf einfach nicht aufnahmefähig war. Einige Bücher werde zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal lesen.

∗∗∗

Rückblick

Angefangen und abgebrochen habe ich „Elijas Lied“ von Amanda Lasker Berlin  und „PAUL“ von Juliane Baldy, beide aus der Frankfurter Verlagsanstalt. In dem ersten Buch geht es um drei Schwestern, die sich auf einer Wanderung durchs Moor befinden. Dabei erfahre ich einiges aus dem Leben der drei, die sehr unterschiedlich sind. Während dieser Wanderung tun sich Abgründe auf, die keine von der anderen erahnt hätte. Mir war das im März zu anstrengend, deshalb habe ich abgebrochen. In „PAUL“ kam ich mit der Sprache nicht zurecht, denn in diesem Buch geht es um einen Jungen und seine erste große Liebe, Das Buch ist in der Sprache der heutigen Jugend geschrieben, Das war mir too much. Deshalb der Abbruch, Die Thematik hat mir allerdings gefallen. Deshalb werde ich beide Bücher noch einmal lesen.

Ebenfalls abgebrochen, und das hat mir wirklich furchtbar leid getan, da ich die Bücher der Autorin sehr mag, ist „Die Königin von Berlin“ von Charlotte Roth aus dem Droemer Knaur Verlag. Erzählt wird die Geschichte der jungen Schauspielerin Carola Neher, die die Muse von Brecht war und die Ehefrau von Klabund. Was mir gut gefallen hat, war der Aufbau als Theaterstück. Die Gedichte und Zitate zu jedem neuen Akt. Doch leider wurde ich mit der Protagonistin nicht warm und auch die anderen (Brecht, Klabund) blieben farblos. An vielen Stellen war mir das alles zu langatmig. Nach der Hälfte hab ich dann quer gelesen und dann schließlich abgebrochen. SORRY liebe Charlotte. Deine anderen Bücher habe ich sehr geliebt. ♥

„Zwei und Zwei“ von Tessa Headly aus dem Kampa Verlag habe ich zu ende gelesen, doch auch dieses Buch konnte mich nicht wirklich überzeugen. Die Geschichte zweier Familien, die seit der Studentenzeit befreundet sind. Erst waren beide Frauen mit dem Partner der anderen liiert. Doch dann haben sie bemerkt, dass es nicht passt und sie haben die Partner getauscht. Natürlich nicht so wie ich es jetzt schreibe, sondern es lagen ein paar Jahre zwischen diesen Wandlungen. Nun ist der Mann der einen gestorben. Alle trauern, nur die Witwe nicht wirklich. Die hat gemerkt, das sie hätte doch besser den Mann ihrer Freundin heiraten sollen, so wie es in der Studentenzeit war. Der Mann der Freundin lässt sich auf eine  Affäre mit der Witwe ein, die Ehefrau bekommt das raus und schon ist das Drama da. So ungefähr. Das war mir irgendwie auch alles ein bisschen viel und kreuz und quer und überhaupt. Ich habe es zu ende gelesen, weil ich wissen wollte wie es ausgehen mag, mit den dreien. Und  das Ende hat mich dann ein klitzekleinwenig versöhnlich gestimmt.

Die nächsten drei Bücher habe ich wirklich sehr gerne gelesen und auch mit Freude. Das erste ist „Dankbarkeiten“ von Delphine de Vigan aus dem Dumont Verlag. Ein etwas melancholisches Buch, doch ein Buch, aus dem man ganz viel mitnimmt … nämlich Dankbarkeit für das was man hat … erleben durfte und darf.

Die Optimisten“ von Rebecca Makkai aus dem Eisele Verlag haben mich echt umgehauen. Ihr wisst, ich mag nicht wirklich dicke Bücher, aber hier ist jede Seite einfach´ch großartig. Es geht um das Thema Aids in den 80zigern, dem Ausbruch des Virus und was es in der Homosexuellen Szene auslöste, sowie um die Kunst, die in dieser Zeit entstanden ist. Die Kunstszene in den 80zigern war etwas außergewöhnliches. Ich habe dieses Buch über Ostern verschlungen und war echt traurig, als es zu Ende war.

Das letzte gelesene Buch im April war „Der Sommer in dem Einstein verschwand“ von Marie Hermanson aus dem Insel Verlag. Es beschreibt den Sommer 1923 in Göteborg. Zum 300. Gründungsjubiläum findet eine Ausstellung statt, auf der Einstein seine Nobelpreisrede halten soll. Doch er verschwindet. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die biografischen Elemente gepaart mit den fiktiven Elementen. Ich habe einiges über Einstein erfahren, was ich so gar nicht wusste. Und das Verschwinden gibt dem Roman einen kleinen Krimitouch.

∗∗∗

Einblick

Seit dem 16. März 2020 befinden wir uns im sogenannten Lockdown. In den ersten Tagen war noch gar nicht wirklich klar, was darf ich und was nicht. Bis Mittwoch 18.03.2020 habe ich die Buchhandlung noch ganz normal geöffnet, da mir auch das Ordnungsamt nicht sagen konnte wie es weiter geht. Am besagten Mittwoch standen dann die Herren vom Ordnungsamt im Laden und teilten mir mit, dass ich sofort die Buchhandlung schließen müsse. Es durfte sich kein Kunde mehr im Laden aufhalten. Wir haben dann gemeinsam geschaut wie ich weiterhin tätig sein könnte. Wir einigten uns dann darauf, dass ich per Telefon und Mail Bestellungen entgegen nehmen darf, und die bestellte Ware dann soweit es geht kontaktlos an der Seite raus geben darf. An diesem Mittwoch ist für mich erst einmal die Welt zusammen gebrochen. Ich hatte keine Ahnung wie ich das alles managen sollte. Wie mache ich die Kunden darauf Aufmerksam. Was muss ich alles beachten. Ich bin dann an diesem Tag noch bis 18 Uhr in der Buchhandlung geblieben, weil ich wusste, dass einige noch ihre Bücher abholen wollten.

Am nächsten Tag bin ich um 10.00 Uhr wieder in der Buchhandlung gewesen. Hab Kisten ausgepackt und überlegt, wie es weiter gehen kann. Ich war immer noch ein wenig planlos. Nach Rücksprache mit meiner Mitarbeiterin haben wir dann beschlossen am Freitag den 20.03.2020 die Schaufenster zu dekorieren und alle Tische ans Fenster zu stellen und mit Büchern zu bestücken. Zeitgleich haben wir Zettel geschrieben und ins Fenster gestellt wie und wann wir erreichbar sind. Das alles haben wir dann auch auf Instagram und Facebook geteilt. Und dann hieß es abwarten. Werden die Kunden sehen, dass wir immer noch für sie da sind? Werden sie anrufen und bestellen?

Und dann passierte das Unglaubliche … es riefen so viele Menschen an, ich bekam Unmengen von eMails, in denen ich gefragt wurde, wie man mir und dem Büchergarten helfen könne. Ich bekam mutmachende und tröstende Mails, und ich bekam Bestellungen. Täglich war ich von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr im Büchergarten um Bücher raus zu geben. Wenn ich ging stellte ich das Telefon um, um Bestellungen zu Hause anzunehmen und zu bearbeiten. Ich habe teilweise bis Abends um 21.00 Uhr noch Bestellungen bearbeitet und morgen um 7.00 Uhr saß ich schon wieder am Rechner um die eingegangenen Mails zu bearbeiten. Es war eine sehr anstrengende und intensive Zeit, aber die Solidarität in unserem „kleinen“ Ruppichteroth war/ ist einfach unglaublich!

Nun hat der Büchergarten seit dem 20.04.2020 wieder geöffnet und es bleibt weiterhin einfach unglaublich. An den ersten beiden Tagen habe die Menschen Nachmittags Schlange vor dem Büchergarten gestanden. Zwei Kunden dürfen zeitgleich in die Buchhandlung. Mittlerweile hat es sich etwas „normalisiert“, aber was ist in dieser Zeit schon normal. Viele Kunden freuen sich mit mir, dass wir wieder geöffnet haben, dass der Büchergarten noch da ist und hoffentlich auch bleibt. Das wünsche ich mir auch. Sehr!

Wenn alles gut geht, werden wir im September den 5. Geburtstag des Büchergarten feiern. Und glaubt mir, es wird (wenn wir dürfen) eine mega Sause geben.

Bis dahin passt auf Euch auf und bleibt gesund

Eure Angelika ♥

 

Kurz & Knapp … April 2019

 

Das wilde Herz von Andrea de Carlo

Mara liebt das Leben in Ligurien und erst recht ihr wunderschönes altes Haus. Von Beruf ist sie Bildhauerin und kann sich dort, in diesem kleinen Ort, in dem sie lebt entfalten. Ihr Mann dagegen, ein Anthropologe, ist eher nüchtern und von allem angenervt.  Als nun eines Tages urplötzlich das Dach des geliebten Hauses einstürzt, beauftragt Mara einen mysteriösen Mann mit der Reparatur des Daches. Das führt zu einer echten Ehekrise und Mara flüchtet sich in die Arme des mysteriösen Mannes.

Was sich im Klappentext als eine wunderschöne Liebesgeschichte liest entpuppt sich in Wahrheit als nervtötende Geschichte, die auch noch mega langweilig ist. Ich habe mich echt dadruch gequält und letztendlich sogar abgebrochen. Vor allem die Beschreibung von Geräuschen mit Worten wie wraaaaaaammmmm oder woosh woosh haben echt genervt. Wozu muss ich lesen wie Geräusche klingen könnten? Traut der Autor mir das nicht zu?

Fazit: Das war ein griff ins Klo. Ich habe noch andere Bücher von de Carlo hier liegen und hoffe die sind besser.

(Diogenes, ISBN: 9783257300741, Preis: 16,00 Euro)

 

∗∗∗∗∗

 

Die Angehörigen von Katharine Dion

Gene und Maida waren 40 Jahre verheiratet. Nun ist Maida verstorben und Gene kommt in seiner Trauer um. Die besten Freunde der beiden, Ed und Gayle, kümmern sich rührend um Gene. Seine Tochter Dary reist mit seiner Enkeltochter an, um die Beerdigung zu organisieren. Alle blicken zurück auf das Leben von Gene und Maida und das vermeintlich perfekte Glück der beiden bekommt Risse … war das Leben mit Maida wirklich so rosig? Seine Tochter Dary bezweifelt das sehr und stellt alles, was für Gene das perfekte Glück erschien in Frage …

Gene blickt in seine Vergangenheit und reflektiert sein Leben mit Maida, angeregt von den Vorwürfen seiner Tochter, dass er sich etwas vormache, und die Ehe gar nicht so toll gewesen sei. Und Gene muss einsehen, dass er manche Dinge anders wahr genommen hat als sein Umfeld. Plötzlich stellt er sich die Frage, ob Maida glücklich gewesen ist, und wie sie wohl das Leben mit ihm wahr genommen hat …  Es scheint, als bricht eine Welt für Gene zusammen …

Mir hat das Buch ganz gut gefallen. Wir alle erleben es immer mal wieder, das wir Situationen anders wahr nehmen als unser Umfeld. Mir hat gefallen wie die Autorin das Leben von Gene und Maida „zerpfückt“ hat und wie sehr Gene das erschüttert, aber gleichzeitig zeigt sie Gene in dieser Geschichte einen Weg, einen Neuanfang für sich zu finden …

Fazit: Eine berührende Geschichte, nach der ich meine Sicht auf verschiedene Bereiche im Leben reflektiert habe …

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198947, Preis: 22,00 Euro)

 

∗∗∗∗∗

 

Zara & Zoë von Alexander Oetker

Zara arbeitet als Profilerin für Europol und ist immer grundehrlich. Eines Tage wird eine junges Mädchen gefunden, das auf grausame Art und Weise getötet wurde. Alles deutet auf eine drohende Katastrophe hin.

Zoë arbeitet für die Korsische Mafia und ist Zaras Zwillingsschwester.

Die beiden haben sich seit Jahren weder gesprochen noch gesehen. Doch nun braucht Zara Zoës Hilfe. Können sich die  beiden wieder annähern oder wird es zwischen den verfeindeten Schwestern zu einer Katastrophe kommen …

Viele von euch wissen, dass ich mit „Retour“ von Alexander Oetker meinen ersten Krimi gelesen habe. 🙂 Ich bin nach wie vor keine Krimileserin, doch ich bin natürlich offen für alles … naja fast alles. Umso überraschter war ich, als dieser neue Krimi oder vielmehr Thriller auf meinem Tisch landete. Neugierig habe ich mich gleich ans lesen gemacht du nach den ersten 10 Seiten war ich etwas genervt, weil so viel F* Worte fielen. Das ist so gar nicht meins. Aber dieses „Merkmal“ gehörte zu einer Person in der Geschichte. Nach diesen 10 Seiten war aber auch dann Schluss damit. In den einzelnen Kapitel erzählen verschieden Akteure die Geschichte, welche ich mega spannend fand. Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen und war überrascht über die vielen Wendungen bis zur Lösung  des Falls.

Fazit: Ein kurzweiliges Buch, welches ich sehr spannend fand. Vor allem die Schwestern Komponente fand ich sehr gut, da sie viele Möglichkeiten bietet.

(Droemer, ISBN: 9783426307151, Preis: 14,99 Euro)

 

∗∗∗∗∗

 

Das wilde Leben der Cheri Matzer von Tracy Barone

Eine junge Frau in der Notaufnahme, an einem Tag, an dem gerade ein schwerer Unfall geschehen ist, und alle Ärzte und Schwestern voll beschäftigt sind. Die junge Frau ist schwanger, erwartet ihr erstes Kind und liegt in den Wehen. Zwischen all den Opfern des Unfalls bekommt sie ihr Kind und verschwindet dann unbemerkt.

Cici und Solomon erwarten ihr erstes Kind voller Vorfreude, als Cici eine Fehlgeburt mit Folgen erleidet. Cici stürzt in eine tiefe Depression und Solomon beschließt ein Kind zu adoptieren, ohne Cici darüber zu informieren. Eines Tages steht er mit dem Baby vor ihrem Bett und Cici nimmt dieses Baby sofort in ihren „Besitz“ und überschüttet es mit ihrer Liebe.

Im weiteren Verlauf der Geschichte erlebe ich Cheri, so heißt das Kind der Matzners, in ihrer weiteren Entwicklung und in ihrem Leben. Sie ist ein rebellisches Mädchen, fühlt sich von der Liebe der Adoptivmutter erdrückt und ihren Adoptivvater hasst sie zeitweise sehr. Die Geschichte ist gut geschrieben, ich mochte sie auch gerne lesen, aber irgendwie ist nicht viel zurück geblieben. Ich kann gar nicht festmachen was mich gestört oder gefehlt hat …. es geht ums Leben, Trauer, Tod, Verlust, Betrug … aber in meinen Augen wird vieles nur angeschnitten und nicht tiefer besprochen. Vielleicht wäre es besser/ schöner gewesen nicht alles auf einmal in dieses Buch zu pressen.

Fazit: Interessantes Buch, welches sicherlich lesenswert ist, wenn man sich nicht zu viel davon erhofft, da vieles unausgesprochen an der Oberfläche plätschert.

(Diogenes, ISBN: 9783257070552, Preis: 24,00 Euro)

 

∗∗∗∗∗

 

Wenn das Leben aus dem Takt gerät

Droemer
Fester Einband
176 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.03.2018
Preis: 18,00 Euro
ISBN: 9783426281727

Rückentext
Vierzig Jahre hat er in einem festen Takt gelebt. Jetzt verabschiedet sich Loet Zimmermann aus dem Schuldienst in die Rente, die ihn vor eine schier unlösbare Aufgabe stellt. Von nun an muss er seinen Alltag ohne die tröstliche Sicherheit eines Stundenplans bewältigen. Doch sosehr sich Zimmermann um Struktur bemüht, immer weiter entgleiten ihm die Dinge. Nur ein entschlossener Plan kann ihn noch retten – und den hat Loet Zimmermann.

∗∗∗∗∗

„Zeit ist alles, was ihm jetzt noch bleibt. Beim Einteilen seiner letzten Jahre braucht er nichts einzukalkulieren, außer seinen Tod. Das wird vielleicht die größte Herausforderung für ihn als Koordinator.“ (Seite 23)

Loet Zimmermann koordiniert seit vierzig Jahren die Stundenpläne an einer Schule. Sein ganzes Denken kreist um Fächer und die Aufteilung der Schulstunden in fünfzig Minuten Takte. Dann ist er da, der Tag, an dem er in den Ruhestand geht. Loet kann noch gar nicht glauben, dass sein getaktetes Leben nun so nicht mehr stattfinden soll. Doch er hat Pläne, wie er Struktur in seinen neuen Lebensabschnitt bekommt.

Auf dem Heimweg von seiner Verabschiedung wird Zimmermann überfallen, ausgeraubt und brutal verprügelt. Fortan quälen ihn die Bilder des Überfalls, er fühlt sich verfolgt und die Polizei unternimmt in Lotes Augen nichts, um den Täter zu finden. Sein bisher so durchgeplantes Leben gerät aus den Fugen.

„Den Abend, die Nacht, die nächsten Tage musste er in Stunden zerlegen und sie irgendwie füllen, um die Zeit zu überstehen.“ (Seite 52)

Mir hat dieses Buch der Autorin Karolien Berkvens sehr gut gefallen. Es ist die Geschichte eines Mannes, dem Struktur im Alltag wichtig ist. Das Leben ist durchgetaktet, die täglichen Dinge laufen immer nach dem gleichen Muster ab. Für Loet ist dies Lebenswichtig. Das merke ich als Leserin ganz stark, als nach dem Überfall Loets Tagesablauf verändert wird. Das fängt damit an, dass z.B. das Frühstück im Krankenhaus, anders als in seinem Tagesablauf, um 6 Uhr serviert wird. Und diese anfänglich kleinen Veränderungen im Tagesablauf bringen seine gewohnten Strukturen immer mehr ins Wanken. Das bedeutet für ihn Stress und Panik. Er verstrickt sich immer mehr in Hirngespinste und Vorstellungen, die voll am realen Leben vorbei gehen. Das Ganze spitzt sich im Laufe der Geschichte immer mehr zu.

Diese sehr eindringliche Geschichte über den Verlust von Kontrolle und der damit verbundenen Einsamkeit hat mich sehr berührt, und die Vorstellung, dass es da draußen Menschen gibt, die so tagtäglich leben sehr erschreckt.

Mich beschäftigt nach wie vor die Frage, kann man diesen Menschen helfen? Was braucht es um diese Strukturen zu durchbrechen, um diese Menschen aus ihrer Einsamkeit heraus zu holen?

„Sumpfige Gedanken schwappen wellenartig an seine Schädelwand. Was sind Gedanken wert, wenn der Denkende sie nicht im Griff hat? Kann man dann noch von Gedanken sprechen?“ (Seite 140)

… aus „Nachruf auf den Mond“ von Nathan Filer

Droemer Fester Einband 320 Seiten  Erscheinungsdatum: 02.03.2015 Preis: 19,99 € ISBN: 9783426281246

Droemer
Fester Einband
320 Seiten
Erscheinungsdatum:
02.03.2015
Preis: 19,99 €
ISBN: 9783426281246

 

„Aber welche Worte wir auch wechselten, sie sind aus meiner Erinnerung verschwunden wie Ameisen in einem Loch.“ (Seite 22)

∗∗∗

„Simon sammelte jeden Tag seines Lebens“ (Seite 52)

∗∗∗

„Tag und Nacht zucken wie Stroboskoplicht. Jahreszeiten verschwimmen ineinander, und Wolken explodieren, Kerzenwachs tropft auf Zuckerguss, und Blumenkränze verwelken.“ (Seite 72)

∗∗∗

„Das ist mein Leben. Ich bin neunzehn Jahre alt, und das Einzige, worüber ich in meinem Leben frei bestimmen kann, ist diese Geschichte und wie ich sie erzähle. Allein schon deswegen will ich es nicht vermasseln. Es wäre nett von Ihnen, wenigstens zu versuchen, mir zu trauen.“ (Seite 95)

∗∗∗

„HALLO, mein Name ist dein Potenzial. Du kannst mich auch unmöglich nennen. Ich bestehe aus verpassten Gelegenheiten. Aus den Erwartungen, die du niemals erfüllen wirst. Ich quäle dich immerzu, wie sehr du dich auch bemühst, wie sehr du auch hoffst.“ (Seite 120)

∗∗∗

„Wir sind egoistisch, meine Krankheit und ich. Wir denken nur an uns. Wir biegen uns die Wirklichkeit zurecht, um Botschaften zu empfangen, geflüsterte Geheimnisse, die nur für uns bestimmt sind.“ (Seite 146)

 

 

Wenn die Trauer bleibt …

Droemer Fester Einband 320 Seiten  Erscheinungsdatum: 02.03.2015 Preis: 19,99 € ISBN: 9783426281246

Droemer
Fester Einband
320 Seiten
Erscheinungsdatum:
02.03.2015
Preis: 19,99 €
ISBN: 9783426281246

Klappentext
Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler und Patient der Psychiatrie in Bristol. Um dem trostlosen Klinikalltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines älteren Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Tod seines Bruders.
Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot. Zumindest wenn Matthew seine Medikamente absetzt. Dann sieht er Simons wunderschönes Lachgesicht im Mond und kann seine Stimme hören. Abgeschottet von der Außenwelt und in Gesellschaft seines imaginären Weggefährten beginnt er, an seinem „Spezialprojekt“ zu basteln. Der geliebte Bruder soll endlich die Ameisenfarm erhalten, die er sich immer wünschte. Verliert Matthew am Ende völlig den Blick für die Wirklichkeit?

∗∗∗∗∗

„Das ist mein Leben. Ich bin neunzehn Jahre alt, und das Einzige, worüber ich in meinem Leben frei bestimmen kann, ist diese Geschichte und wie ich sie erzähle. Allein schon deswegen will ich es nicht vermasseln. Es wäre nett von Ihnen, wenigstens zu versuchen, mir zu trauen.“ (Seite 95)

Der neunzehnjähre Matthew Holmes lebt in einer psychiatrischen Klinik. Abends darf er diese verlassen. Seine Zeit verbringt er mit Schreiben und dem Bau einer Ameisenfarm für seinen toten Bruder Simon. Mit Simon fängt alles an. Der Tod des damals elfjährigen an Down Syndrom erkrankten Simon hat Matthew aus der Bahn geworfen. Er selbst war zu diesem Zeitpunkt acht Jahre alt. Seine Mutter wird mit dem Tod des Sohns nicht fertig und verkriecht sich immer mehr. Sie hat letztendlich schwerste Depressionen und der Vater verschließt vor allem die Augen.

„Simon sammelte jeden Tag seines Lebens“ (Seite 52)

Allein gelassen in seiner Trauer gibt sich Matthew die Schuld an Simons Tod. Fortan hat er keine ruhige Nacht mehr. Seine Schuldgefühle, aber auch die Trauer um den Bruder zeigen Auswirkungen. Mit siebzehn zeigt er erste Anzeichen einer schweren psychischen Störung. Sein toter Bruder Simon spricht zu ihm und verfolgt ihn in seinen Träumen. Tags wie Nachts. Letztendlich wird bei Matthew eine Schizophrenie diagnostiziert.

„Wir sind egoistisch, meine Krankheit und ich. Wir denken nur an uns. Wir biegen uns die Wirklichkeit zurecht, um Botschaften zu empfangen, geflüsterte Geheimnisse, die nur für uns bestimmt sind.“ (Seite 146)

Nathan Filer hat jahrelang als Krankenpfleger in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet.  Er beschreibt die ersten Vorboten der Krankheit bis hin zu den schlimmen und wahnhaften Phasen … authentisch und ungeschönt.

„Aber welche Worte wir auch wechselten, sie sind aus meiner Erinnerung verschwunden wie Ameisen in einem Loch.“ (Seite 22)

Was mir besonders gut gefallen hat, ist der Spannungsaufbau, den Nathan Filer hier betrieben hat. Von der ersten Seite an, wird nur angedeutet, wie Simon ums Leben kam. Doch ich erfahre immer nur Bruchstücke, die ich mir nach und nach zusammen setzte. Erst fast am Ende erfahre ich die ganze Wahrheit.

Das hat den Effekt, dass ich immer zu lesen wollte, weil ich endlich wissen wollte was passiert ist. Warum Matthew so in seinem Leben abgestürzt ist.

Des Weiteren haben mich die vielen unterschiedlichen Schriftarten, Skizzen und Satzgestaltungen fasziniert. Nathan Filer hat damit gespielt und sie für Matthews unterschiedlichen Stimmungen entstehen lassen. Am Anfang verwirrt es ein wenig, aber nach ein paar Seiten hat man sich damit arrangiert.

„Tag und Nacht zucken wie Stroboskoplicht. Jahreszeiten verschwimmen ineinander, und Wolken explodieren, Kerzenwachs tropft auf Zuckerguss, und Blumenkränze verwelken.“ (Seite 72)

Dieses Buch ist mir echt unter die Haut gegangen. Auf der einen Seite bin ich unendlich traurig über diese ganze Tragödie, auf der anderen Seite muss ich über Matthew und seinen Sinn für Humor und Selbstreflektion lachen.

Das Thema Trauer und Trauerbewältigung nimmt einen großen Teil in diesem Buch ein. Es zeigt, welche Auswirklungen es haben kann, wenn man als Familie nicht gemeinsam trauert, wenn man gerade ein kleines Kind sich und seiner Trauer alleine überlässt. Matthews Selbstvorwürfe, Schuld am Tod des Bruders zu haben lassen ihn nicht mehr in Ruhe und er steigert sich immer mehr in etwas hinein, was nicht der Wahrheit entspricht.

Die Eltern sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie gar nicht realisieren, was mit Matthew geschieht. Ich finde das ganz schlimm und es macht mich traurig und wütend. Denn so haben sie nicht ein Kind verloren, sondern zwei.

„HALLO, mein Name ist dein Potenzial. Du kannst mich auch unmöglich nennen. Ich bestehe aus verpassten Gelegenheiten. Aus den Erwartungen, die du niemals erfüllen wirst. Ich quäle dich immerzu, wie sehr du dich auch bemühst, wie sehr du auch hoffst.“ (Seite 120)

Verwirrend und verstörend, doch zugleich auch berührend und verzaubernd … ein einzigartiges wundervolles Buch … unbedingt lesen!!!

5 von 5 Sternen