„Der große Sommer“ von Ewald Arenz

DuMont Buchverlag, Fester Einband, 320 Seiten, Preis: 20,00 Euro, ISBN: 9783832181536, Hier kaufen -> Klick aufs Bild

Klappentext

Als erwachsener Mann läuft Frieder über einen Friedhof. Während er nach einem bestimmten Grab sucht, erinnert er den Sommer, der ihn für immer geprägt hat. Die Aussicht, sich bei seinem unnahbaren Großvater auf die Nachprüfungen vorbereiten zu müssen, findet Frieder niederschmetternd. Doch dann kommt alles anders als erwartet: Er verbringt die Wochen nicht eingesperrt in einer Lernstube. Vielmehr erlebt Frieder mit Beate die erste große Liebe, mit all den aufregenden und verunsichernden Momenten, die dazugehören. Er erfährt von der komplizierten und dennoch beglückenden Liebe seine Großeltern. Er genießt unbeschwerte Tage im Schwimmbad, die tiefe Verbundenheit mit seiner Schwester Alma und seinem besten Freund Johann. Zugleich gerät er in Situationen, in denen er lernt, was es heißt, wahrhaftig ein Freund zu sein – und das nicht zuletzt durch den Großvater. Frieder ahnt, dass es ein Sommer ist, wie es vermutlich keinen zweiten mehr für ihn geben wird.

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Kurz vor den Ferien lernt Frieder Beate kennen. Er findet sie auf Anhieb toll. Doch die Ferien stehen vor der Tür und mit ihr die Gewissheit, dass er seine Ferien bei seinen Großeltern verbringen muss, um dort mit seinem Großvater für die Nachprüfung zu lernen. Frieder ist alles andere als begeistert. Doch dann passiert das Unwahrscheinliche … das Lernen mit dem Großvater ist gar nicht so öde und er hat mehr Freiheiten als gedacht … und so erlebt Frieder einen Sommer, den er nie vergessen wird …

„Es war dieser eine Sommer, wie es ihn wahrscheinlich nur einmal im Leben gibt. Dieser eine Sommer, den hoffentlich jeder hatte; dieser eine Sommer, in dem sich alles verändert. Ja. Vielleicht ist es nicht Trauer allein, sondern vor allem eine Sehnsucht nach diesem Sommer – nach diesem unwiederbringlichen, zitternd schönen Zauber der ersten Male.“ (Seite 11)

Zuerst habe ich gedacht, noch so ein „Coming-out-of-Age Roman, doch schnell wurde mir klar, der hier ist anders. Bei Wells habe ich mich ja beim Lesen zu Tode gelangweilt, vielleicht weil ich nicht die sogenannte Zielgruppe war. Anders bei diesem Buch. Vielleicht liegt es daran, dass sich Frieder als „alter Mann“ an diesen Sommer erinnert und es auch ein paar Einschübe aus seinem jetzigen Leben gibt. Ich habe Frieders Geschichte sozusagen inhaliert, so als wäre ich ein Teil der Geschichte.

Ich bin jetzt noch ganz beseelt von diesem Buch. Was für eine schöne Sprache, was für tolle Sätze. Mit jedem Wort merkt man, das es Ewald Arenz Spaß gemacht hat, dieses Buch zu schreiben. Selten habe ich es erlebt, dass ein Autor seine Figuren „liebt“. Jede einzelne ist bis ins kleinste hervorragend definiert, so real. Dieses Buch/ diese Geschichte lässt mich mit ganz viel Wärme und Liebe zurück.

Danke Ewald Arenz für diesen Lesegenuss ♥

„Heute ist so ein Tag. Ein Tag, an dem ich mich frage, ob aus dem Jungen von damals, dieser Mann werden musste, der zu früh aufwacht und überlegt, ob er sein Leben noch richtig lebt.(…) Da kommen sie alle, so jung, wie wir es damals waren: Alma. Johann. Beate. Und Nana. Immer wieder denke ich an den Sommer, aus dem für mich alles hervorgegangen ist: mein Leben, wie es heute ist.“ (Seite 40)

„Hard Land“ von Benedict Wells

Diogenes Verlag, Fester Einband, 352,Seiten, Preis: 24,00 Euro, ISBN: 9783257071481, Hier kaufen

Rückentext

Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt erwachsen zu werden.

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„Überhaupt hatte ich das Gefühl, eine paar neue Augen verpasst bekommen zu haben. Weil, ich musste die Jahre davor ja blind gewesen sein. Natürlich hatte ich gewusst, dass Mütter sterben und Freundschaften zerbrechen, aber ich hatte diese Dinge nie richtig gesehen. Nun sah ich die Selbstzweifel meines Dads, wenn er Stellenanzeigen durchging. Und ich sah die Angst meiner Mum, wenn sie mich mit einem Lächeln trösten wollte. Und keine Ahnung, ob das wirklich besser war.“ (Seite 24)

Sam ist ein schüchterner 16jähriger Junge, mit Teenager Probleme wie sie viele in dem Alter haben … Mädchen, Sex, keine Lust auf Schule und Stress mit den Eltern. Die nerven ihn ständig, dass er doch mal raus gehen soll und Freunde treffen soll. Aber auch das ist eins von Sams „Problemen“. Er hat keine Freunde, gehört eher zu den Außenseitern und bleibt daher für sich alleine.  Doch im Sommer `85 wird alles anders. Er bekommt die Möglichkeit im Kino seines Heimatortes zu jobben. Dort trifft er auf Kirstie, deren Vater das Kino gehört. Er ist von ihr hin und weg. Und nach einigen Anfangsschwierigkeiten ist er sogar Teil einer Clique, die aus Arbeitskollegen des Kinos und Kirstie besteht. Doch dann stirbt seine Mutter an Krebs und nichts ist mehr wie es war …

Die Geschichte ist gut geschrieben, lässt sich locker lesen, doch vom Hocker hat sich mich nicht gehauen. Im Gegenteil, irgendwann hat es mich nur noch gelangweilt. Diese Geschichte ist eine von hundert anderen Coming-out-of-Age Geschichten. Gut erzählt, aber mehr auch nicht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich einfach zu alt für diese Art von Geschichten bin. Vielleicht ist es zu lange her … dieses Gefühl vom ersten Mal … verliebt zu sein … mit einer schweren Krankheit konfrontiert zu werden … der Tod eines geliebten Menschen …

In jedem Leben gibt es den einen Sommer oder den einen Tag, in dem sich das Leben verändert. Nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Man ist plötzlich erwachsen und hat es gar nicht richtig mitbekommen.  Für all die, die sich in dieser Phase befinden, mag es ein wundervolles Buch sein, und die werden auch Freude daran haben. Aber all die anderen werden sich eher langweilen.

Sorry, das ist meine Meinung. Macht Euch bitte Eure eigene Meinung.

„Und dann war sie gar nicht da. Es war, als wäre ich mit Anlauf in einen Pool ohne Wasser gesprungen. (…) War Kirstie nicht im Kino, fehlte den Witzen die Pointe, war der Sommer weniger heiß, das Popcorn weniger knusprig und die Cola nicht so prickelnd wie sonst.“ (Seite 61)

 

 

Ein modernes Märchen

Hanser Literaturverlag Fester Einband 368 Seiten Erscheinungsdatum: 02.02.2015 Preis: 16,90 € ISBN: 9783446247406

Hanser Literaturverlag
Fester Einband
368 Seiten
Erscheinungsdatum:
02.02.2015
Preis: 16,90 €
ISBN: 9783446247406

Klappentext
Sie sind beide Außenseiter, aber völlig verschieden: Die pummelige Eleanor mit ihren roten Lockenmähne und den viel zu weiten Herren-T-Shirts, und der gutaussehende, aber zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus notgedrungen den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig bis nichts voneinander. Park liest demonstrativ oder hört Musik, Eleanor ist froh, nur ignoriert statt gemobbt zu werden. Zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater genug Ärger. Doch als sie beginnt, Parks Comics stumm mitzulesen, entwickelt sich ein ganz eigener Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Lieblingsmusik, Meinungen und Vorlieben aus. Dass sie sich ineinander verlieben und eine Chance kriegen, scheint beinahe unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über Liebe lesen kann.

∗∗∗∗∗

Eleanor
„Er hielt immer noch das Ende ihres Schals und rieb die Seide träge zwischen Daumen und Fingern. Sie beobachtete seine Hand.
Wenn er sie jetzt ansehen würde, wüsste er, wie dumm sie war. Sie spürte, wir ihr Gesicht weich und gummiartig wurde. Wenn Park sie jetzt ansehen würde, wüsste er alles.
Aber er sah sie nicht an. Er wickelte den Schal um seine Finger, bis ihre Hand zwischen ihrem und seinem Sitz hing.
Dann schob er die Seide samt seinen Fingern in ihre offene Hand. Und Eleanor löste sich vollkommen auf.“ (Seite 81)

Park
„Eleanors Hand zu halten war, als würde man einen Schmetterling halten. Oder einen Herzschlag. Als würde man etwas Vollkommenes und vollkommen Lebendiges halten.“ (Seite 81)

Eleanor geht auf die gleiche Schule wie Park. An ihren ersten Tag auf dem Weg zur Schule, muss sie gezwungenermaßen im Bus neben Park sitzen, denn es ist verboten im Bus zu stehen. Aus dieser Situation heraus kommen sich die beiden Tag für Tag näher. Es fängt damit an, dass Eleanor heimlich bei Park in dessen Comichefte mitliest. Später legt er ihr jeden Morgen welche auf den Platz.

Als Leser erfahre ich so auch nach und nach, in welchen Verhältnissen Eleanor lebt. Sie lebt mit ihren vier Geschwistern, ihrer Mutter und ihrem Stiefvater auf engsten Raum. Mit ihren Geschwistern teilt sie sich ein Zimmer. Somit bleibt kein Raum für Privatsphäre. Die Familie lebt an der Armutsgrenze. Stiefvater und Mutter haben nur ein geringes Einkommen, welches der Stiefvater versäuft. Somit ist kein Geld für alltägliche Dinge, wie Zahnbürsten, Shampoo etc. da.

Anders bei Park. Seine Familie lebt im Wohlstand. Sie könne sich vieles leisten. Einzig ihre Herkunft ist ein Thema unter Parks Klassenkameraden. Parks Mutter ist Koreanerin und Parks Vater Amerikaner. Trotzdem hat es Park geschafft, seinen Platz innerhalb des „Systems“ zu finden. Daher ist er ganz und gar nicht davon begeistert, als er den Platz neben sich für Eleanor frei macht. Doch nach kurzer Zeit ist es um Park geschehen. Er hat sich in dieses ungewöhnliche Mädchen verliebt, nichts ahnend was noch alles passieren wird …

Eleanor
„Ob sie ihn vermisste?
Sie wollte sich in ihm verlieren. Seien Arme um sich schlingen wie einen Druckverband.
Wenn sie ihm zeigen würde, wie sehr sie ihn brauchte, würde er davon laufen.“ (Seite 180)

Park
„Eleanor hatte recht: Sie sah nie schön aus. Sie sah aus wie Kunstwerk, und Kunst musste nicht schön sein; Kunst sollte etwas in einem auslösen.“ (Seite 189)

Die Aufmachung des Buches hat mir sehr gut gefallen. Es gibt einzelne Kapitel, in denen die Situationen und Gefühle einmal aus Eleanors Sicht und dann aus Parks Sicht geschildert werden. Das ist deshalb so spannend und gut gemacht, weil es die unterschiedliche Gefühlslage zwischen Jungen und Mädchen/ Mann und Frau widerspiegelt. Die Sprache ist einfach, der heutigen Zeit und dem Stil des Buches angepasst.

Mir hat es Spaß gemacht, diese Liebesgeschichte zwischen den beiden Jugendlichen zu verfolgen. Die erste Liebe, eine Liebe voller Hindernisse, Nicht nur, dass es die alltäglichen Hindernisse zu bewältigen gibt, wie die ob der eine den andern noch liebt. Nein, die Autorin setzt noch einen drauf und paart hier zwei Außenseiter. Park, der durch seine Hautfarbe Außenseiter und Eleanor, die durch ihre Herkunft Außenseiterin ist. Aber Rainbow Rowell vermag es sehr schön aufzuzeichnen, wie man trotz aller Unterschiede zueinander finden kann. Sicherlich ist das nicht immer einfach und die Protagonisten müssen wie im wahren Leben dafür kämpfen.

Eleanor
„Es gibt ihn nur einmal, dachte Eleanor, und er ist hier, bei mir.
Er weiß, dass mir ein Song gefällt, bevor ich ihn gehört habe. Er lacht schon, bevor ich überhaupt zur Pointe komme. Auf seiner Brust ist eine Stelle, gleich unter seinem Hals, die in mir den Wunsch weckt, dass er mir Türen öffnet.
Es gibt ihn nur einmal.“ (Seite 337)

Park
„Wie gut stehen die Chancen, dass man einem solchen Menschen begegnet?, fragte er sich. Einem Menschen, den man für immer Lieben konnte, einem Menschen, der dich für immer zurückliebte? Und was tat man, wenn dieser Mensch eine halbe Welt von dir entfernt zur Welt kam?“ (Seite 337)

Rainbow Rowell hat mit ihrem Debüt ein modernes Märchen geschaffen. Ein Märchen vom Prinzen, der seine Prinzessin aus den Klauen der bösen Stiefmutter, in dem Fall dem bösen Stiefvater, rettet.

Wer Märchen mag, auch wenn es ein modernes Märchen ist, der sollte dieses Buch lesen!

4 von 5 Sternen

 

Himmel und Hölle

C. H. Beck Fester Einband 304 Seiten Erscheinungsdatum: 21.01.2015  Preis: 19,95 € ISBN: 9783406675430

C. H. Beck
Fester Einband
304 Seiten
Erscheinungsdatum:
21.01.2015
Preis: 19,95 €
ISBN: 9783406675430

Klappentext
Beinahe harmlos beginnt Bruce Bennett-Jones die Geschichte einer Dreiecksliebe in einem vornehmen Internat 1979 an der Ostküste der USA zu erzählen, eine Geschichte von erster Liebe und Entdeckungen der Sexualität. Bis auf einen anfänglichen Übergriff ist er der ausgeschlossenen Beobachter, der die Liebe zwischen der Jüdin Aviva und dem Koreaner Seung so aufmerksam, neidvoll und beinahe fassungslos verfolgt wie das ganze Internat. Mit ihrer überschäumenden Körperlichkeit bringen sie Schüler und Kollegium fast an den Rand. Aber in Wahrheit sind Aviva und Seung auf tragische Weise gleichsam festgefroren an der Schwelle zur Initiation und Bruce hat gute Gründe, sich im Nachhinein vorzustellen, was wohl genau zwischen ihnen abgelaufen ist. Denn er ist weit mehr als ein neutraler Beobachter.

∗∗∗∗∗

„Aviva, behauptet sie, war es nie vorbestimmt, glücklich zu sein. (…). Sie war immer schon verspannt und ängstlich. Ängstlich? Wovor hatte sie Angst? Vor so vielem. Vor Süßigkeiten und Alkohol, davor, die Kontrolle zu verlieren. Carlyle hatte oft mitbekommen, wie Aviva sich im Spiegel anguckte, ganz dicht herantrat und dann ein Stück zurückwich, immer und immer wieder, als hätte sie irgendwie Schwierigkeiten, sich erscheinen zu lassen.“ (Seite 60)

Aviva ist ein jüdisches Mädchen, welches dabei ist sich selbst zu finden. Einst eine graue Maus beschließt sie eines Tages sich fortan gut zu kleiden und zu stylen. Äußerlichkeiten werden für sie zum Sinnbild von Sexappeal und Sinnlichkeit. Dabei verliert sie sich immer mehr und steht sogar am Rande einer Magersucht.

Zwei Jungen sind in dieses Mädchen verliebt. Bruce trifft als erstes auf Aviva, als diese im Internat eintrifft. Sofort ist er von ihr hin und her gerissen. Doch seine Chancen bei ihr zu landen sind eher gering. Voller Neid beobachtet er wie Seung es gelingt Aviva für sich einzunehmen. Die beiden, Aviva und Seung, zeigen ihre Liebe und sexuelle Anziehung ganz offen. Alle tuscheln und können nicht verstehen, was Aviva an Seung findet. Auch Bruce ist missgünstig und spinnt schließlich eine Intrige, deren Ausgang das Leben aller verändert.

„Mehr und mehr möchte sie diese Sache hinter sich bringen, diese Jungfräulichkeit loswerden, die sie von dem ultimativen Vergnügen fernhält, von dem ultimativen Wissen, der ultimativen Macht.“ (Seite 63)

Dieses Buch ist ungewöhnlich und dann doch wiederum nicht. Die Autorin erzählt mit aller Macht und Ausdrücklichkeit von der ersten Liebe und von der Sexualität in der Jugend. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Sie schildert von jugendlichen Phantasien und Wünschen, von Träumereien und ihren Verwirklichungen. Sie benutzt dazu Bruce als Erzähler, und oftmals erzählt er Dinge, die er eigentlich gar nicht wissen kann. Nicht zu diesem Zeitpunkt der Geschichte, und da ist es fraglich was entspringt aus Bruce Phantasie und was ist die Wirklichkeit. Nichts scheint so wie es ist …

Mich hat das fasziniert, obwohl ich mich sehr auf die Geschichte konzentrieren musste. Aber sie hat mich auch zurück geführt in meine Jugend. Meine erste Liebe und meine ersten Erfahrungen. Und dabei ist mir klar geworden, dass wir alle unserer Phantasien in diesem Stadium der Entwicklung haben. Phantasien, die so schön und perfekt sind, aber der Realität selten nahe kommen. Es macht mir bewusst, wie schwierig es war/ ist den Prozess der Kindheit hinter sich zu lassen und ein junger Mensch zu werden.

„Es klingt lachhaft dramatisch, aber man sollte die metaphysischen Sehnsüchte eines Siebzehnjährigen nicht unterschätzen. Das ist das Geheimnis von Teenagersex, glaube ich. Für keinen von uns ging es wirklich um Ärsche und Genitalien, ums Schwanzlutschen oder Muschilecken. Es sind Erwachsene, die so oft in diesen Begrifflichkeiten denken, mit einem solchen Mangel an Phantasie. Wir Anfänger erleben Sex mehr als Psyche denn als Körper, als Verletzlichkeit und Macht, Ausgesetztheit und Flucht, fühlten uns dadurch gesalbt, gerettet, verklärt. Dabei zu versagen, es falsch zu machen hieß (und grinsen Sie jetzt bitte nicht; versuchen sie sich zu erinnern, wie es einmal war, damals), den Tod der eigenen Idealseele zu erleben.“ (Seite 49)

Pamela Erens schafft mit es mit diesem Debüt die Ängste, Hoffnungen, Sehnsüchte des Erwachsenwerdens aufzuzeichnen. Sie zeigt, welche Macht und Tragik die erste Liebe haben kann.

4 von 5 Sternen