Kurz & Knapp … März 2019

Ich bleibe hier von Cathrine Ryan Hyde

Grace ist neun Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einem sozialen Brennpunkt. Die Mutter ist Drogenabhängig und so sitzt Grace oft vor der Haustür, weil ihre Mutter „schläft“. Eines Tages lernt sie Billy kennen, ein Nachbar, der schon seit Jahren das Haus nicht mehr verlassen hat, weil er an einer Zwangsstörung leidet. Durch ihre offene Art, hat Grace schnell Kontakt zu weiteren Hausbewohnern. Als sich das Jugendamt einschaltet und Grace in Obhut nehmen will, bis die Mutter clean ist, schließt sich die Gruppe zusammen, um Grace vor dem Heim zu bewahren. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt und jeder Bewohner kommt an seine persönlichen Grenze …

Wir haben dieses Buch innerhalb des Lesekreis gelesen. In der Besprechung hinterher haben wir für uns beschlossen, dass man diese Geschichte als modernes Märchen sehen muss, da viele unschöne Dinge und Abläufe einfach zu sehr geschönt wurden. Allein die Tatsache, dass eine Gruppe von Menschen, die alle ihre eigenen sozialen wie auch krankhaften Probleme haben, es schaffen Grace vor dem Heim zu bewahren. Die Story hat ziemlich viele gute Ansätze und Themen, aber in der Umsetzung fehlt es an Substanz.

Fazit: Gut geschrieben, aber inhaltlich hätte man mehr machen können.

(Ullstein, ISBN: 9783548288932, Preis: 9,99 Euro)

 

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Die einzige Geschichte von Julian Barnes

Ein junger Mann, der Ich-Erzähler erzählt die Geschichte seiner ersten großen Liebe zu einer älteren Frau. Aufgeteilt in der Kapitel erzählt das erste die Zeit des Kennenlernen, das zweite die Zeit in der das Paar zusammen in eine andere Stadt zieht und im dritten Kapitel wirft der Ich-Erzähler im reifen Alter ein Rückblick auf sein Leben.

Ehrlich gesagt, kann ich überhaupt nicht verstehen, warum dieses Buch so gehypt wird. Mich hat die Geschichte dermaßen angeödet, dass ich immer wieder kurz davor stand sie abzubrechen. Hey, da erzählt einer die Geschichte seiner ersten großen Liebe, aber leider so emotionslos wie ein Stück Brot. Ich hätte mir so manches Mal mehr Leidenschaft bei der Erzählung gewünscht. Ich hab mir so sehr eine wahnsinnig tolle Liebesgeschichte gewünscht. Nö, gibt es nicht. Leider. Seufz.

Fazit: Von mir gibt es an dieser Stelle keine Empfehlung. Es sei denn, ihr möchtet euch zu Tode langweilen. Ja dann solltet ihr dieses Buch unbedingt lesen.

(Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 9783462051544, Preis: 22,00 Euro)

 

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Lubotschka von Luba Goldberg-Kuznetsova

Eine junge Frau lebt in Russland zur Jahrtausendwende. Sie hat gerade ihr Abitur gemacht und träumt von einem glamourösen Leben. Doch sie lebt in ärmlichen Verhältnissen. Doch auf ihrem Abschlussball möchte sie glänzen … strahlen … denn danach wird sie mit der Mutter nach Deutschland gehen.

Die Geschichte um die Wünsche und Sehnsüchte dieser jungen Frau ziehen sich wie Kaugummi durchs Buch. Mich hat es irgendwann nur noch angenervt. Es geht um die richtige Klamotte für den Abschlussball, um Jungs und was man sich alles kaufen könnte. Materielle Dinge stehen sehr im Fokus der jungen Dame. Ihre Weltanschauung spiegelt das Russland der Nullerjahre.

Fazit: Auch hier leider keine Leseempfehlung von mir. Leider.

(Aufbau Verlag, ISBN: 9783351037635, Preis: 22,00 Euro)

 

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hell/ dunkel von Julia Rothenburg

Zwei Geschwister so unterschiedlich wie Tag und Nacht, wie hell und dunkel, erfahren, dass die Mutter sterben wird. Bald. Die beiden Kinder müssen sich nun um alles kümmern.

Eine tolle Geschichte, die mich beim Lesen fesselt. Da sind Valerie und Robert, zwei Geschwister, die eine gemeinsame Mutter haben aber verschiedene Väter. Ihr Verhältnis zueinander ist nicht innig, genauso wenig wie das zur Mutter. Valerie lebt bei der Mutter, Robert in einer anderen Stadt. Nun ist die Mutter krank, und die Kinder müssen Abschied nehmen, stehen kurz davor einen Verlust zu erleiden. All dies erzählt die Autorin sehr gefühlvoll bis zu einem bestimmten Punkt und an dem war ich dann raus. Die beiden sind in ihrer Trauer, Wut, Hoffnungslosigkeit immer näher gerückt, was dann soweit ging, dass sie Sex miteinander hatten. Und das nicht nur 1x. Nennt mich spießig oder sonst was, aber da bin ich raus. Blutverwandt und Sex geht gar nicht. Vor allem fehlt mir an dieser Stelle eine Triggerwarnung. Während der Erzählung deutete nichts darauf hin, dass dies passieren würde.  Um so überraschter war ich. Im zweiten Teil steht diese Beziehung dann auch etwas mehr im Fokus der Geschichte.

Fazit: Es hätte eine tolle Geschichte werden können, eine Geschichte über den Umgang mit Trauer, Verlust und den daraus entstehenden Ängsten. Aber die sexuelle Komponente zwischen den Geschwistern haben dem Buch einen unangenehmen Beigeschmack gegeben. Schade.

(Frankfurter Verlagsanstalt, ISBN: 9783627002596, Preis: 20,00 Euro)

 

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As soon as possible

Paul Zsolnay Verlag
Fester Einband
144 Seiten
Erscheinungsdatum:
14.05.2018
ISBN: 9783552063631
Preis: 16,00 Euro

Klappentext
Es ist ein ziemlich übler Tag im Leben von Anton, der jahraus, jahrein Schulkinder und andere Passagiere aus den Dörfern in die Stadt und wieder zurück bringt. Vor kurzem hat er sich verliebt: in Doris, seine Nachbarin. Doch letzte Nacht hat er auf ihrem Balkon einen Mann husten gehört. Dann steigt auch noch die krebskranke Carla in den Bus, die ein letztes Mal das Meer sehen möchte, und zwar: jetzt sofort. Es ist heiß, und die Gedanken rasen in Antons Kopf. Mut gehört nicht zu seinen Stärken, aber hatte Doris nicht gesagt, dass sie Männer mag, die sich etwas trauen? Wenig später hören die Fahrgäste im Linienbus eine Durchsage: „Wir fahren ans Meer.“

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“ (…), hatte Anton gerne alles unter Kontrolle. Beim Versuch, Schlaf zu finden, wirkte sich das allerdings nicht wahnsinnig positiv aus, denn das Wesen des Einschlafens ist Kontrollverlust. Man muss sich „Gehenlassen“ und „müssen“, das passt nicht zusammen.“ (Seite 17)

Busfahrer zu werden war Antons Kindheitstraum. Doch die Realität hat ihn eingeholt und er muss feststellen, dass ihn dieser Job nicht erfüllt. Er ist sich seiner Verantwortung bewusst und so fährt er tagaus und tagein die Menschen vom Dorf in die Stadt. Er kennt seine „Pappenheimer“. Als nun eines Tages Carla, eine „Stammkundin“ die schwer krebskrank ist, ihn bittet sie ein letztes Mal ans Meer zu fahren, kommt Anton in eine Zwickmühle. Er kann doch nicht mit dem Bus von seiner täglichen Route abschweifen. Was wird sein Chef sagen? Und die anderen Fahrgäste? Anton beschließt einmal im Leben etwas Verrücktest zu machen, koste es was es wolle und wenn’s auch der Job ist. Eine abenteuerliche Fahrt ans Meer beginnt …

„“Zeitnah“, über das Wort hatte Anton schon öfter nachgedacht. Ist denn Zeit nicht immer nah? Ist sie nicht sogar so nah, dass sie schon wieder vorbei ist, wenn man gerade bei ihr ankommt?“ (Seite 23)

Ich hab schon einige Bücher von René Freund gelesen. Und auch dieses Buch hat mich wieder begeistert. Freund zeichnet seine Protagonisten mit so viel Wärme und Herzensgüte, dass man ihnen fast alles durchgehen lässt. Beim Lesen konnte ich Antons Zerrissenheit förmlich spüren. Als überrkorrekter Mensch soll er plötzlich „Regeln“ brechen, und dass ihm das nicht leicht fällt ist irgendwie nachvollziehbar. Doch Carla ihren letzten Wunsch zu erfüllen ist ihm letztendlich wichtiger als alles andere.

Mut zu zeigen, sich für andere einzusetzen wenn es nötig ist, auch über die eigenen Bedürfnisse hinaus, seinen Weg zu gehen und sich nicht immer alles gefallen lassen … das sind die Parameter in diesem Buch.

Auch wenn es jetzt auf den ersten Blick so aussieht …. dieses Buch ist keines von den „kitschigen alles ist schön Bücher“. Allein durch die zum Teil philosophischen Ansätze ist es ein MutMachBuch, eine TrostBuch, ein GuteLauneBuch … ein Buch für alle, die einmal etwas in ihrem Leben wagen möchten …

Unbedingt lesen!!!

Michele und Frederico. Frederico und Michele.

Diogenes  Flexibler Einband  288 Seiten Erscheinungsdatum: 01.09.2009  Preis: 9,90 € ISBN: 9783257240818

Diogenes
Flexibler Einband
288 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.09.2009
Preis: 9,90 €
ISBN: 9783257240818

Rückentext
Micheles Leben ist perfekt: Job, Freunde, Frauen – alles bestens. Bis sein engster Freund Frederico aus heiterem Himmel beschließt, den Alltag hinter sich zu lassen und einfach loszufahren. Allein zurückgeblieben, stürzt er sich in die Eroberung von Francesca und hat Erfolg: Michele und Francesca sind für ein paar Monate im siebten Himmel. Doch bald lassen ihn Alltag und Routine zweifeln. Eine Nachricht von Frederico rüttelt ihn wach, und nun beschließt auch er, einfach loszufahren.

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Michele und Frederico. Frederico und Michele. Eine Freundschaft zwischen zwei Jungen, die zu Männern werden und dabei einige Herausforderungen zu durchleben haben. Irgendwann bricht Frederico aus, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Nach Jahren treffen sich die Freunde wieder und Frederico ist nicht mehr der, der er war. Er ist verändert, doch er hat seinen Frieden mit sich und der Welt gefunden. Michele freut sich seinen Freund so zu sehen. Doch dann passiert ein Unglück, dass auch Michele ausbrechen lässt … und auch er kommt als reifer Mann zurück.

Ein wundervoller Roman über Männerfreundschaft, das Erwachsenwerden und das Lieben lernen. Es zeigt wie Menschen an den Herausforderungen des Lebens reifen und ist das Unglück auch noch so groß, es keinen Grund gibt dieses Leben das wir haben wegzuwerfen.

Auch sprachlich einfach phantastisch!!!

Fabio Volo ist eindeutig einer meiner Lieblingsautoren ♥

„Ich freue mich darauf, mit ihr alt zu werden, ich bin neugierig, wie es sein wird – und wie wir sein werden. Ich denke an Francesca, ich denke an Alice, und ich fühle mich wie ein Stück Land zwischen zwei Meeren.
In Wirklichkeit hat Francesca wie alle Frauen verschiedene Alter. Manchmal ist sie älter als ich, manchmal jünger. Wie sollte man einer Frau ein Datum im Melderegister oder im Personalausweis zuordnen? Das wäre, als würde man die Schönheit einer Blume anhand ihrer Höhe oder Größe bemessen.“ (S. 249)

5 von 5 Sternen

Die Partitur des Lebens

duotincta Flexibler Einband  250 Seiten Erscheinungsdatum: 13.10.2015  Preis: 14,95 € ISBN: 9783946086048

duotincta
Flexibler Einband
250 Seiten
Erscheinungsdatum: 13.10.2015
Preis: 14,95 €
ISBN: 9783946086048

Rückentext
Was bleibt zu tun, wenn der Tod unmittelbar bevorsteht? Die Wohnung ist ausgeräumt, alle Vorkehrungen sind bereits getroffen.
Lászlò, der in jungen Jahren aus Ungarn in die Schweiz geflohen ist, sitzt in seiner leeren Wohnung und wartet auf einen jungen Mann. Auf einem Tisch stehen ein paar Flaschen Portwein und Brandy, daneben liegt ein Stapel Manuskripte von Dominik: Das Vermächtnis von Lászlòs altem Freund, das er vor der Vernichtung bewahren möchte und deshalb ausgerechnet einem Unbekannten überlassen muss. Aus der Begegnung wird ein Gespräch, das eine Verbundenheit offenbart, die alles in ein anderes Licht taucht:
Vor dem Antritt seiner letzten Fahrt reist Lászlò in die eigene Vergangenheit und beginnt an die letzten Geheimnisse seines Lebens zu rühren, ein Leben, das sich aus Scheitern, Liebe, Schuld und Ideologie formte.

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Das Leben verlieren ist keine große Sache;
aber zuzuschauen,
wie der Sinn des Lebens aufgelöst wird,
das ist unerträglich.
Albert Camus ( Seite 9)

Lászlò ist am Ende seines Lebens angekommen. Er weiß, dass er an seiner Erkrankung irgendwann sterben wird. Doch das nimmt er so nicht hin und somit hat er beschlossen, seinem Leben ein Ende setzen wird. Für den nächsten Tag ist alles in einer schweizerischen Sterbeklinik vorbereitet. Doch vorher ordnet er noch die letzten Dinge in seinem Leben. Er räumt seine Wohnung leer und bestellt sich einen jungen Mann in die leere Wohnung. Lediglich ein paar Flaschen Portwein und Brandy stehen auf einem vereinsamten Tisch herum. Lászlò möchte diesem ihm unbekannten Mann das Manuskript seines alten Freundes Dominik geben. Nichts ist ihm wichtig, doch dieses Manuskript darf nicht mit ihm sterben. So wird aus einem einfachen Treffen ein Gespräch über das Leben und den Tod.

„Wer sagt der Nacht, das sie enden muss? Wer zeigt den Straßen, wo sie hinführen sollen? Und wer sagt dem Lebendigen, dass er allmählich zu zerfallen hat? Schwächer werden, gebrechlicher, langsamer. Es passiert, ohne das ich es verstehe. (Seite 11)

Eigentlich denkt man bei diesem Plot, das ist eine Geschichte, die schnell erzählt und gelesen ist. Zumal das Buch „nur“ 145 Seiten hat. Doch ehrlich gesagt haben es diese 145 Seiten in sich. Schon direkt zu Anfang habe ich Probleme der Geschichte zu folgen. Ich habe das Gefühl alle Infos springen hin und her … Zeit, Orte, Menschen … Allein die ersten drei Seiten haben nur ein großes Fragezeichen in meinem Kopf hinterlassen. Also habe ich das Buch zugeklappt, und es ein paar Tage auf Seite gelegt.

„Der menschliche Geist existiert in einer seltsamen Welt. Niemand vermag genau zu sagen, wann er beginnt, wo er entspringt. Die ersten Erinnerungen des Kindes sind lediglich die ersten fassbaren Zeichen. Denkt man darüber nach, ist das Denken immer da gewesen. Ein infiniter Regress, denn bevor ich über das Denken nachdenken kann, muss ich bereits gedacht haben. So dreht sich das Bewusstsein in einer Endlosschleife rückwärts in die vergangene Unendlichkeit . Als wäre jemand vor mir da gewesen, der mein Leben gelebt hat, das ich erst nachträglich verstehen kann.“ (Seite 12)

Nach ein paar Tagen habe ich es dann noch einmal zur Hand genommen, habe mich langsam der Geschichte angenähert und dann passierte es … ich tauchte ein in eine Geschichte voller philosophischen Ansätze. Einer Geschichte, die ein Leben Revue passieren lässt. Ein Leben voller Schuldgefühle, Unzulänglichkeiten, Liebe, Freundschaft und der Liebe zum Leben.

„So real kann die Realität sein, befürchte ich. Zum ersten Mal in meinem langen Leben wird mir die Zeit physisch bewusst. Als wäre ich eine Sanddüne, die jeden Windhauch im eigenen Vergehen spürt.“ (Seite 32)

„Letzte Runde“ ist sicherlich kein einfacher Roman. Einmal, weil es um ein Thema geht, dem die meisten Menschen so lange wie möglich ausweichen … dem Tod. Und wenn es dann noch um den eigenen Tod geht, dann blockiert man ganz. Dann ist da noch die Sprache. Manche Stellen musste ich mehrfach lesen, um zu begreifen, was sie zu bedeuten haben, was sie mir sagen wollen. Doch bei all den kleinen Schwierigkeiten haben mich  gerade die poetische Sprache, so wie die philosophischen Ansätze begeistert.

Ich habe mich oft gefragt woher eine so junge Autorin (Stefanie Schleemilch wurde 1986 geboren) diese tiefgründigen Ansätze hernimmt.

Letztendlich denke ich, wenn man ein erfülltes Leben hatte, mit  seinen Höhen und Tiefen, dann kann von dieser großen Bühne gehen … ohne Traurigkeit und Wehmut!

„Ich bin kein Mensch mit Gerechtigkeitssinn, kein Mensch des großen Ganzen, kein Philosoph. Ich versuche nicht, meinen Tod durch Gründe zu rechtfertigen; es geht beim Sterben schlicht und pragmatisch darum, den begrenzten, engen Raum auf dieser Welt für Neues frei zu geben. Es geht nicht darum, dass ich meinen Zweck erfüllt habe, es geht darum, dass ich überflüssig geworden bin.“ (Seite 102)

4 von 5 Sternen

Das zu ausführliche Leben des Luke Kanowski

DVA Fester Einband 416 Seiten Erscheinungsdatum: 16.03.2015 Preis: 19,99 €  ISBN: 9783421046291

DVA
Fester Einband
416 Seiten
Erscheinungsdatum: 16.03.2015
Preis: 19,99 €
ISBN: 9783421046291

Klappentext
Luke Kanowski beschließt Provinz und Elternhaus den Rücken zu kehren, um in London seine Lorbeeren als Dramatiker zu verdienen. Mit Paul, einem angehenden Produzenten, und Leigh, Pauls Freundin, gründet er eine Theaterkompagnie, die bald erste Erfolge feiert. Die drei sind unzertrennlich – bis Luke auf Nina trifft, eine temperamentvolle, aber labile Schauspielerin, die ihn nicht mehr loslässt. Alles, worum er gekämpft hat – Loyalität, Freundschaft, Karriere -, droht dem Versuch zum Opfer zu fallen, Ninas versehrte Seele zu retten. Wie viel ist er bereit, für sie zu riskieren?

∗∗∗∗∗

„In ihren Augen sah er den Abgrund. Die Leute mieden Verrückte, angeblich weil sie so unberechenbar waren, aber Luke wusste, dass sie in Wahrheit die Leere in ihren Blicken fürchteten. Luke hatte keine Angst vor dieser Leere; schließlich war sie es, die dort leben musste. Er hätte alles getan, um sie zu retten (…)“ (Seite 9)

Luke lebt in einer Kleinstadt. Seine Mutter lebt schon seit er ein kleiner Junge war, in einer Irrenanstalt. Täglich geht er sie besuchen. Sein Vater findet seit dieser Zeit nur noch Trost im Alkohol und weigert sich konsequent die Mutter zu besuchen. Lukes große Liebe gehört dem Theater. Da er es aber kaum schafft eine Aufführung zu sehen, liest er alle bedeutsamen Theaterstücke. Sein großer Traum ist es, einmal ein Theaterstück zu schreiben und aufzuführen.

Eines Tages verirren sich Paul und Leigh in dem kleinen Ort. Beide wollen sich dort mit einem Theateragenten treffen. Doch sie haben sich verfahren und treffen auf Luke, der ihnen den Weg zeigt. Doch der Agent taucht nicht auf und die drei verbringen den Abend miteinander.

„Mit geschlossenen Augen erspürte Luke das Leben der Kunstwerke um sich herum. Es veränderte die Atmosphäre. Er dachte an Genialität, verdichtet durch die Zeit, und an das unmessbare Charisma des Ruhms. Er wusste nicht, wie er das alles in Worte fassen sollte, wusste nur, dass diese Gemälde zu atmen schienen.“ (Seite 12)

Monate nach dem zufälligen Treffen beschließt Luke seine Heimat zu verlassen. Er macht sich zwar Sorgen um seine Mutter, doch diese redet ihm zu, sein Leben zu leben. Also macht sich Luke auf den Weg nach London. Dort sucht er Paul auf. Durch Zufall treffen beide auch wieder auf Leigh. Aus einer Laune heraus beschließen die drein eine Theaterkompagnie zu gründen. Alles läuft hervorragend an.

„Die Zukunft war eine unausgefüllte Präsenz im Zimmer, wie Angst.“ (Seite 84)

Luke, Paul und Leigh leben auch zusammen. Eigentlich fühlt sich Luke sehr stark von Leigh angezogen. Doch er ist nicht in der Lage, ihr seine wahren Gefühle zu zeigen. Er stößt sie von sich weg. Leigh wendet sich Paul zu und die beiden werden ein Paar. Luke fühlt sich wohl in dieser Dreierbeziehung. Leigh nennt es einmal „Vater-Mutter-Kind“ WG.

„Luke sah sie zusammen und empfand gegen seinen Willen, trotz all seiner Gewissheit, nur Verlust. Spürte, wie etwas Kostbares in seinem Herzen zerbrach, weil er nicht gewusst hatte, wie er es sicher aufbewahren sollte.“ (Seite 107)

Alles scheint harmonisch zu verlaufen, doch dann taucht eines Tages Nina auf. Eine Frau, die Luke sehr an die Zerbrechlichkeit seiner Mutter erinnert. Nina ist gefangen in einer Ehe, die sie nicht will. So hat es zumindest den Anschein. Und auch wie bei seiner Mutter, versucht Luke sie zu retten. Doch kann er es diesmal schaffen?

„Luke sah das Stück, wie er das Leben sah-eine Tragödie zum Lachen. Zum Schluss wurde das so sorgfältig errichtete Gebäude des Sohnes, sein falsches Zuhause, durch das Chaos seiner Erziehung zerstört. So erbittert er auch dagegen ankämpfte, die Vergangenheit hatte einen Weg für ihn bereitet, den er nicht verlassen konnte. Das Stück war Lukes engster Gefährte und erbittertster Feind. Es war das Beste, was er zustande brachte. Es musste besser werden, als er selbst war.“ (Seite 312)

Ich war sehr auf diesen Roman von Sadie Jones gespannt. Letztes Jahr habe ich „Der ungeladene Gast“ von ihr gelesen und war einfach nur begeistert. Dementsprechend waren meine Erwartungen sehr hoch … und sie sind tief gefallen. „Jahre wie diese“ ist ein vollkommen anderes Buch. Ihre Art zu schreiben, die Geschichte aufzubauen. Wobei, es gibt keinen wirklichen Spannungsaufbau. Die Geschichte plätschert von Anfang bis Ende nur so dahin. Sicherlich ist die Thematik nicht uninteressant.

Ein junger Mann, geprägt durch sein Elternhaus (Vater Alkoholiker, Mutter in der Irrenanstalt) versucht diesem Milieu zu entkommen. Bis zu einem gewissen Punkt schafft er dies auch mit Hilfe seiner Freunde Paul und Leigh. Obwohl er bei den Beiden eigentlich nur eine Art Elternersatz findet. Das geht so lange gut, bis er auf Nina trifft. Eine junge Frau, von der er denkt, dass sie „errettet“ werden muss, wie seine Mutter. Dass dies nur schief gehen kann, erklärt sich irgendwie von selbst.

Erst nach dem Tod seiner Mutter schafft Luke es sich seinem Leben wirklich zu stellen, schafft er endlich Nähe zuzulassen.

Allerdings hat mich die Länge des Romans, es sind zwar „nur“ 413 Seiten, geschafft. Diese 413 Seiten kamen mir wie die Unendlichkeit vor. Meiner Meinung nach, hätte man das Ganze auch in weniger Buchseiten verpacken können. Dann wären es auch 4 Sterne geworden. So kann ich nur 3 vergeben, da mich diese Langatmigkeit echt „genervt“ hat.

Aber macht euch bitte euer eigenes Urteil.

„Es fühlte sich wunderschön an. Da war die Klippe. Da war der Abgrund. Da war die Dunkelheit. Da war der Sturz, genau da, genau vor ihnen. (…) Die Welt kam langsam zurück, und sie traten wieder in sie ein.“ (Seite 411)


3 von 5 Sternen