… aus „Als die Liebe endlich war“ von Andrea Maria Schenkel

Hoffmann und Campe Fester Einband  384 Seiten Erscheinungsdatum: 10.03.2016 Preis: 16,99 € ISBN: 9783455403824

Hoffmann und Campe
Fester Einband
384 Seiten
Erscheinungsdatum:
10.03.2016
Preis: 16,99 €
ISBN: 9783455403824

 

 

„Sie ging, wie sie in sein Leben gekommen war. Und so wie der letzte Sommer schon vergessen ist, wenn sich die ersten Blätter an den Bäumen verfärben und die Spinnen sich an langen Fäden durch die Lüfte tragen lassen, hatte auch er sie schon vergessen, als die ersten Stürme die Blätter der Bäume durch die Luft tanzen ließen.“ (Seite 9)

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„Mag sein, Sie haben recht damit, dass wir uns zu häufig im Wind gebogen haben, aber wer sich nicht beigt, bricht.“ (Seite 71)

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So ist das im Leben, manche Menschen lieben die Hand, die sie schlägt, mehr als die, die ihnen Gutes tut.“ (Seite 90)

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„Ihm kam es so vor, als würden die Bücher, die er tagsüber las, die Geschichten der Matrosen und seine eigene Phantasie zu einem großen Ganzen vermengen. Alles war so phantastisch und einzigartig. Eine Welt der Wunder, in der Geschichten Wirklichkeit wurden. Alles war hier möglich, so schien es ihm. Alles.“ (Seite 106)

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„Wie konnte ein gütiges Gotteswesen all das Unglück, Krankheiten, Hunger, kurz die Ungerechtigkeit der Welt dulden? Müsste Gott nicht eingreifen, anstatt zuzusehen, wie sie hier sein Werk langsam, aber sicher zerstörten? Und warum ein Gott? Warum sollte es nur einen wahren Gott geben, die Existenz eines einzigen Gottes war genauso wenig bewiesen wie die Existenz vieler. War es nicht Arroganz und wahnsinnige Überheblichkeit zu glauben, nur monotheistische Religionen lägen richtig und Polytheisten falsch?“ (Seite 240)

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Wie viel Wahrheit verkraftet eine Liebe?

Hoffmann und Campe Fester Einband  384 Seiten Erscheinungsdatum: 10.03.2016 Preis: 16,99 € ISBN: 9783455403824

Hoffmann und Campe
Fester Einband
384 Seiten
Erscheinungsdatum:
10.03.2016
Preis: 22,00 €
ISBN: 9783455403824

Klappentext
Regensburg – Shanghai – Brooklyn: Verfolgung, Existenzangst und Neuanfänge in fremden Ländern, das sind Carls Erfahrungen, als er 1950 in Brooklyn Emmi kennenlernt, die so wie er aus Bayern stammt. Bei ihr findet er Zuflucht, Geborgenheit und eine Liebe, die ein Leben lang tragen soll. Über die Vergangenheit reden beide nicht, zu schmerzhaft sind die Erinnerungen an das, was war. Aber Jahrzehnte später bittet eine Freundin Carl, die Briefe und Dokumente ihres verstorbenen Ehemannes, eines Holocaust-Überlebenden, durchzusehen. Nur widerwillig macht sich Carl an die Arbeit – und findet in den Unterlagen aus dem KZ Dachau auch Hinweise auf Emmis Vergangenheit …

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„Ihm kam es so vor, als würden die Bücher, die er tagsüber las, die Geschichten der Matrosen und seine eigene Phantasie zu einem großen Ganzen vermengen. Alles war so phantastisch und einzigartig. Eine Welt der Wunder, in der Geschichten Wirklichkeit wurden. Alles war hier möglich, so schien es ihm. Alles.“ (Seite 106)

Regensburg-Shanghai (März 1938 – Mai 1938)
Carl ist zu Beginn der Geschichte gerade zwölf Jahre alt. Er lebt mit seinen Eltern und seiner neunjährigen Schwester Ida  in Regensburg. Die neuen Gesetze und die Verdeutschung machen sich schleichend bemerkbar. Viele Juden gehen in den freiwilligen Tod, weil man ihnen ihr Hab und Gut nimmt. Carls Vater hat jüdische Wurzeln, die Mutter und die Kinder sind jedoch katholische. Dennoch legt man der Familie nahe das Land zu verlassen, bevor man sie arisiert. Sie bekommen Tickets für die „Conte Biancamano“ um von Genua aus nach Shanghai überzusetzen, da Shanghai ein Land ist, in dem man kein Visum braucht.

An Bord angekommen, dreht Carls Vater um. Er kann sein Land nicht verlassen/ verraten. Er ist fest davon überzeugt, dass er sicher ist. Doch Greta glaubt nicht daran und will ihre Kinder in Sicherheit bringen. Also fährt die Familie ohne den Vater los.

„Mag sein, Sie haben recht damit, dass wir uns zu häufig im Wind gebogen haben, aber wer sich nicht beigt, bricht.“ (Seite 71)

München (November 1938 – Dezember 1943)
In diesem Abschnitt lerne ich Erna kennen. Ein junges Mädchen, das sich ganz gerne mit Jungs vergnügt. Eines Tages hat die Mutter genug davon und schickt die Tochter zur Tante nach München. Dort soll Erna ihrer Tante Marga helfen. Erna ist zuerst nicht wirklich davon begeistert, doch schon bald findet sie das was ihre Tante macht interessant.

Marga hat in München ein sogenanntes „Institut für Lebensberatung“. Bei ihr treffen sich die reichen Frauen von Hitlers Soldaten um über ihre Wehwechen zu klagen. Und Marga hilft wo immer sie kann … sei es bei einer Abtreibung, bei der Beschaffung von Kindern oder sonstigen, was unbedingtes Stillschweigen erfordert. Dies geht bis zum Dezember 1943 gut. Dann fliegt alles auf und Erna muss fliehen …

So ist das im Leben, manche Menschen lieben die Hand, die sie schlägt, mehr als die, die ihnen Gutes tut.“ (Seite 90)

Shanghai (Juni 1938 – Juli 1947)
Carl, seine Schwester und seine Mutter sind in Shanghai angekommen. In diesem Kapitel werden die nächsten Jahre der Familie erzählt. Von ihrer Eingewöhnung, ihrer Arbeit und der Schule. Sie lernen viele Menschen kennen und freunden sich an. Aber ich erfahre auch etwas über den Vater in Deutschland. Sein Leben läuft nicht so wie er erwartet hat. Er landet in Dachau.

Dann irgendwann ist der Krieg zu Ende und die Familie Schwarz kann nach Deutschland zurück kehren. Doch Karl kehrt nicht nach Deutschland zurück. Er geht mit einem befreundeten Paar nach Amerika.

Jedes Kapitel endet in der Gegenwart, nämlich 2010 in Larchmont. Dort lebt Carl … mit Emmi

„Wie konnte ein gütiges Gotteswesen all das Unglück, Krankheiten, Hunger, kurz die Ungerechtigkeit der Welt dulden? Müsste Gott nicht eingreifen, anstatt zuzusehen, wie sie hier sein Werk langsam, aber sicher zerstörten? Und warum ein Gott? Warum sollte es nur einen wahren Gott geben, die Existenz eines einzigen Gottes war genauso wenig bewiesen wie die Existenz vieler. War es nicht Arroganz und wahnsinnige Überheblichkeit zu glauben, nur monotheistische Religionen lägen richtig und Polytheisten falsch?“ (Seite 240)

Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Der Aufbau des Buches in die unterschiedlichen Zeiten und Leben bis hin zu den dazwischen geschobenen Kapiteln in der Gegenwart haben mich an dieses Buch gefesselt. Ich wusste schon einiges über den Holocaust, aber dennoch habe ich wieder eine Menge dazu erfahren. Ich denke ein Thema, bei dem man immer wieder Neues erfährt und kennen lernt.

Mir persönlich hat das Kapitel „München“ am besten gefallen. Ich mochte Marga als Menschen sehr, obwohl sie sehr schlimme und auch verwerfliche Dinge getan hat. Sie hat Kinder abgetrieben und Kinder von Müttern die sie nicht wollten an andere, die sie wollten abgeben. Sicherlich schlimm, aber seien wir doch mal ehrlich … auch heute werden Kinder abgetrieben, und kein Mensch sagt etwas. Und auch heute werden Kinder weggegeben, und keiner sagt etwas. Sicherlich war es in Zeiten der Kriegswirren nicht alles legitim, aber wo kein Kläger auch kein Richter.

Doch in diesem Buch von Andrea Schenkel geht es nicht ausschließlich darum, was Recht und Unrecht ist, oder den Holocaust. Es geht auch darum, in wie weit man mit einer Lüge leben kann. Einer Lebenslüge … einer Lüge, die der Partner nicht weiß. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie ich reagieren würde, würde mir mein Partner wichtige Dinge aus seinem Leben vorenthalten, und ich bekäme sie eines Tages heraus.

Ist dies dann ein Vertrauensbruch? Man lebt ein Leben zusammen und dann kommt eine Lüge ans Tageslicht, eine Wahrheit die alles verändert und die letztendlich die Liebe in Frage stellt …

Unbedingt lesen!!!

„Sie ging, wie sie in sein Leben gekommen war. Und so wie der letzte Sommer schon vergessen ist, wenn sich die ersten Blätter an den Bäumen verfärben und die Spinnen sich an langen Fäden durch die Lüfte tragen lassen, hatte auch er sie schon vergessen, als die ersten Stürme die Blätter der Bäume durch die Luft tanzen ließen.“ (Seite 9)

 

5 von 5 Sternen

Eine Hommage an das Leben

Hoffmann und Campe Fester Einband 256 Seiten Erscheinungsdatum: 23.09.2015 Preis: 22,00 € ISBN: 9783455405576

Hoffmann und Campe
Fester Einband
256 Seiten
Erscheinungsdatum:
23.09.2015
Preis: 22,00 €
ISBN: 9783455405576

Rückentext
Sommer 1945. Der junge Ungar Miklós hat das Konzentrationslager überlebt und es nach Schweden geschafft, wo die Ärzte ihm nur sechs Monate zu leben geben. Doch Miklós hat andere Pläne: 117 Briefe schreibt er an junge Frauen aus seiner Heimatstadt. Eine dieser Frauen wird er heiraten, das hat er sich fest vorgenommen. Lili liest seinen Brief und beschließt, ihm zu antworten. Sie ist die Richtige, das weiß er. Jetzt müssen sie nur noch einen Weg finden, wie sie heiraten können – und Miklós darf nicht sterben.

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Kleines Kerlchen, noch weißt du nicht, was die Stirn
unseres Erdteils hat so tief zerfurcht,
für dich hier im Norden war’s nur ein Gestirn
das Flugzeug am Himmel, für uns war’s Furcht.

Miklós Gárdos
An einen schwedischen Jungen

Miklós hat das KZ überlebt und wurde wie viele hundert andere Ungaren nach Schweden gebracht. Dort sollen sie in einem sogenannten Erholungslager wieder zu Kräften kommen. Doch Miklós ist krank, so krank, dass er nur noch sechs Monate zu leben hat. Doch das erschüttert Miklós in keinster Weise. Er beschließt die eine Frau fürs Leben zu finden und zu heiraten. Also besorgt er sich eine Liste von 117 Frauen aus seiner Heimatstadt und deren Adresse. Jeder einzelnen schriebt er einen Brief, und hofft auf Antwort.

„>Was ist Ihr Beruf, Miklós?<
>Ich war Journalist. Und Dichter.<
>Ach ein Seeleningenieur. Wie schön.<“ (Seite 13)

Auch Lili hat den Krieg und das KZ überlebt. Sie ist ebenfalls in einem Erholungslager in Schweden untergebracht. In einer Zeit, in der es ihr noch sehr schlecht geht, bekommt sie Miklós Brief und als ihr Freundinnen nicht locker lassen, antwortet sie ihm.

Die Beiden schreiben sich ohne Unterlass Briefe. Mit jedem Brief mehr, lernen sie sich kennen und langsam keimen erste zarte Gefühle auf. Miklós versucht sogar Lili zu besuchen, doch sowohl die Ärzte wie auch die Leiter der Erholungsanstalten sprechen sich dagegen aus. Schließlich gelingt den Beiden doch ein Treffen und sie beschließen sich nie mehr zu trennen. Miklós bereitet alles für eine Hochzeit vor. Doch sie haben nicht mit den Intrigen und dem Neid der anderen gerechnet. Wird ihre Liebe eine Zukunft haben?

„Auf eine gefrorene Pfütze trat ich,
es knackte das dünngraue Eis,
kommst du meinem Herzen nah: Vorsicht! Du weißt,
kaum berührst du es, schon zerreißt
der schützende Mantel aus Raureif,
der es umgab, kühl, grau und steif.
(…)
Komm nun zu mir, leicht wie eine Feder,
lächelnd und beherzt,
such die Stelle, wo der Schmerz
schon gefroren ist, zu Eis hart wie Erz,
streich darüber mit warmer Hand,
und mein Herz wird wieder sehen Land.“ (Seite 65)

Was für eine bewegende Geschichte. Da sind Miklós und Lili, stellvertretend für Millionen anderer Juden und Verfolgte, die den Holocaust überlebt haben. Doch wer denkt, dass nach Kriegsende alles besser oder gar gut ist, irrt hier gewaltig. Die schlimmen körperlichen Wunden heilen, doch die seelischen Wunden bleiben. Und weder Miklós noch Lili reden darüber. Einzig einmal spricht Lili darüber, dass sie eine falsche Identität angenommen hat und konvertieren möchte, da sie keine Jüdin mehr sein will, da sie Angst vor einem solchen Leben hat.

Als Leserin bin ich hin und her gerissen … eben noch liest man die Briefe zweier Liebenden und schon im nächsten Abschnitt werden die Gräueltaten des Holocaust beschrieben. Oft bin ich aber auch verwundert über Miklós und bewundere ihn auch ein wenig … er, der so misshandelt, verwundet wurde und jetzt sterbenskrank ist, hat einen unbändigen Lebenswillen, den ich als Leserin in jeder Zeile spüren kann. Immerzu muss ich denken … Miklós muss es schaffen, er darf nicht sterben … er und Lili müssen heiraten … beide müssen nach diesem Horror eine gemeinsame Zukunft haben. Doch ihnen werden immer wieder neue Stolpersteine in den Weg gelegt und als Leserin könnte man verzweifeln, da Miklós Zeit immer weniger wird.

Ove non sei la luce manca,
Ove tu sei nasce l’amor!

Wo du nicht bist, gibt es kein Licht,
Die Liebe wird geboren, wo du bist! (Seite 127)

Ein wundervoller Roman in einer ebenso wundervollen Sprache, über ein Thema das weniger schön ist. Doch Péter Gárdos hat die Geschichte seiner Eltern mit Hilfe deren Briefe wundervoll erzählt. Eine Geschichte wundervoll, einfühlsam und erschütternd erzählt … über das Leben nach dem Holocaust, eine Geschichte voller Mut und Zuversicht und dem Gedanken, dass es sich immer lohnt zu kämpfen … für das Leben und die Liebe …

5 von 5 Sterne