„Die innersten Geheimnisse der Welt“ von Rose Tremain

Insel Verlag, Fester Einband, 493 Seiten, Preis: 23,00 Euro ISBN: 9783458178798, Hier kaufen

Klappentext

Bath, 1865: Die hochgewachsene und eigensinnige Jane Adeane ist eine begnadete Krankenschwester, ihr Vater ein angesehener Lungenarzt, und so sieht der jüngere Kollege ihres Vaters, Valentine Rose, in ihr die perfekte Ehefrau. Er macht ihr einen Antrag – doch Jane findet die Aussicht, ihr Leben als Ehefrau und Mutter zu verbringen, wenig reizvoll. Umso mehr, als sie bei einem Aufenthalt in Londons freizügiger Bohème die schöne Julietta kennenlernt und in einer leidenschaftlichen Begegnung mit ihr entdeckt, dass sie nicht Männer, sondern Frauen liebt und begehrt …

Während Jane mit ihrem inneren Konflikt ringt, zieht es Valentines Bruder Edmund an weit entfernte Orte: Auf der Suche nach exotischen Pflanzen und Tieren reist der Forscher in den tiefen Dschungel Borneos. Doch er hat die Gefahren der gewaltigen Natur und des erdrückenden Klimas unterschätzt – und so muss auch er sich fragen, was er sich von seinem Schicksal eigentlich erhofft …

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In dem neuen Roman von Rose Tremain geht es neben Jane und Valentine noch um zwei weitere Protagonisten nicht die nicht unwichtig für die Geschichte des Buches sind.

Da ist zum einen Clorinda, eine Irin, die aus sehr ärmlichen Verhältnissen kommt. Sie möchte dem Elend der Slums entfliehen und beschließt eines Tages, die wertvolle Rubinhalskette, ein Erbstück der Familie, zu versetzen und mit diesem Geld nach Bath zu gehen. Dort eröffnet sie einen Teesalon, und kommt schon  bald zu Ansehen und Erfolg in der Gesellschaft. Doch im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass der Verkauf der Kette Unheil nach sich zieht.

Dann gibt es noch einen Radscha, den Edmund auf seiner Reise durch Borneo kennen lernt. Dieser Radscha hat eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Er ist ein Mann, der etwas für sein Land erreichen möchte. Zusammen mit seinem Diener, der zugleich auch sein Liebhaber ist, wollen sie eine Fabrik erbauen, die den Menschen in seinem Land ein gesichertes Einkommen ermöglichen soll. Doch als Edmund dort auftaucht, der Radscha pflegt ihn nach einer Malaria Erkrankung, wird der Diener eifersüchtig und es kommt zu einem Drama.

Valentine, ist der junge Kollege von Janes Vater. Er ist total verliebt in Jane und macht ihr eines Tages einen Heiratsantrag. Diesen lehnt Jane ab. Sie macht sich sogar in der Öffentlichkeit lustig darüber. Das verletzt Valentine so sehr, dass er nach Borneo zu seinem Bruder reisen will. Doch dazu kommt es nicht.

Jane flieht nach dem Antrag von Valentine zu ihrer Tante nach England. Dort lernt sie die verwegene Julietta kennen. Julietta ist verheiratet und hat einen Sohn. Das hält sie aber nicht davon ab, Liebschaften und Beziehungen zu Frauen zu pflegen. Ihr Mann weiß Bescheid und duldet dies. Julietta führt Jane in die Liebe ein, und Jane kann sich fortan kein Leben ohne Juliettas Liebe vorstellen. Doch ihre Tante, und auch Julietta raten ihr nach Bath zurück zu gehen und Valentine zu heiraten. Jane kehrt widerwillig nach Bath zurück und nimmt den zweiten Antrag von Valentine an. Doch sie verzehrt sich nach Juliettas Liebe. Als dann Janes Tante plötzlich verstirbt und Jane nach England reist, kommt es zu einem weiteren Drama …

Am Anfang bin ich nicht wirklich in die Geschichte rein gekommen. Doch mit jeder Seite mehr, hat sie mich fasziniert. Die Erzählungen über Borneo, den Dschungel und die Menschen sind einfach wunderschön beschrieben.

Alle Protagonisten sind irgendwie auf der Suche nach dem eigenen Ich. Sie haben alle noch nicht den einen Platz in ihrem Leben gefunden, der sie erfüllt, der sie glücklich macht. Und auf dieser Suche setzen sie sich über alle Konventionen hinweg . Das hat mir sehr gefallen. Ich denke dieses Geschichte geht noch ein bisschen weiter. Die einzelnen Charaktere sind ihrer Zeit schon ein wenig voraus und kämpfen für die Emanzipation der Frauen und sie versuchen ihre Homosexualität zu leben. Sie leben für die Freiheit und Selbstbestimmung.

Mir hat dieser Roman, wie auch der erste (Und damit fing es an) sehr gut gefallen. Das Buch hat alles … Abenteuer, Erotik, Drama …

 

„Der Sommer, in dem Einstein verschwand“ von Marie Hermanson

Insel Verlag
Fester Einband
371 Seiten
Erscheinungsdatum:
08.03.2020
ISBN: 9783458178460
Preis: 22,00 Euro

Klappentext

Göteborg im Sommer 1923:

Die Stadt feiert ihr dreihunderjähriges Gründungsjubiläum mit einer großen Ausstellung, und über der gesamten Stadt hängt eine magische Atmosphäre. Die Journalistin Ellen ergattert ihren ersten Job bei der Zeitung der Ausstellung, sie wird als Reporterin den Trubel und die Aufregung einfangen. Dabei begegnet ihr neben dem liebenswerten Eseljungen Otto auch der Polizist Nils Gunnarsson – den sie um Hilfe bittet, als sie eines Nachts eine alarmierende Entdeckung macht.

Zur gleichen Zeit sitz Albert Einstein in seinem Berliner Arbeitszimmer. Sein Privatleben steht kopf, seine Finanzen sind miserabel und er erhält Morddrohungen aus rechten Kreisen. Und ausgerechnet jetzt muss er nach Göteborg reisen, um seine Nobelpreisrede zu halten. Doch es gibt ungeahnte Kräfte, die diese Rede um jeden Preis verhindern wollen …

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Die Geschichte wird von vier verschiedenen Personen aus ihrer Sicht geschildert. Da ist einmal Otto, ein Junge, der in ärmlichen Verhältnissen lebt, und die Chance erhält mir seinem Esel eine Attraktion auf der großen Jubiläumsfeier zu werden. Ellen ist eine junge Frau, die auf Biegen und Brechen Journalistin werden möchte. Und das aber nicht bei irgendeiner Zeitung, nein, es muss die Zeitung sein, die exklusiv über die Feierlichkeiten und dem Drumherum berichtet. Mit ihrer außergewöhnlichen Berichtserstattung gelingt es ihr, den Job zu bekommen. Nils ist Polizist und trifft in der Geschichte auf Ellen, die seine Hilfe benötigt und später im Buch braucht er ihre Hilfe. Und zu guter Letzt ist da auch noch Einstein, der zu Wort kommt.

Als Leserin erfahre ich viele Dinge und Geschichtliches aus der Zeit 1923 und dem Gründungsjubiläum von Göteborg. Das hat mir sehr gut gefallen, vor allem weil es die Autorin auch schafft, diese ganz besondere Stimmung dieser Jubiläumsfeier in Worten einzufangen. Man spürt so ein bisschen die Magie der Ausstellung, das Gewusel der Menschen und deren Freude daran teilnehmen zu dürfen.

Neben diesem ganzen Jubiläumsgewusel ist dann da noch Einsteins Geschichte und ich muss gestehen, mir waren viele Dinge gar nicht bewusst. Mir ist Einstein natürlich durch seine Relativitätstheorie bekannt und seine Frauengeschichten, aber ich wusste zum Beispiel nicht, dass seine Relativitätstheorie so umstritten war, und er dafür auch gar nicht den Nobelpreis bekam. Und das man ihn verfolgt und ermorden wollte. Dies macht sich die Autorin zu Nutze und spinnt darum eine kleine kriminalistische Story um Einstein und seiner Reise nach Göteborg.

Mir hat die ganze Geschichte um Göteborg und Einstein sehr gut gefallen. Diese Mischung aus Fiktion und Wahrheit machen dieses Buch absolut lesenswert und unterhaltsam!

 

Rückblick & Einblick … März und April 2020

Hallo Ihr Lieben,

die letzten zwei Monate waren echt chaotisch und anstrengend. Langsam kehrt eine gewisse „Normalität“ wieder ein, aber es wird noch dauern bis alles wieder rund läuft. Viel gelesen habe ich wenig, bzw. viel angefangen und viel auch wieder abgebrochen, weil mein Kopf einfach nicht aufnahmefähig war. Einige Bücher werde zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal lesen.

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Rückblick

Angefangen und abgebrochen habe ich „Elijas Lied“ von Amanda Lasker Berlin  und „PAUL“ von Juliane Baldy, beide aus der Frankfurter Verlagsanstalt. In dem ersten Buch geht es um drei Schwestern, die sich auf einer Wanderung durchs Moor befinden. Dabei erfahre ich einiges aus dem Leben der drei, die sehr unterschiedlich sind. Während dieser Wanderung tun sich Abgründe auf, die keine von der anderen erahnt hätte. Mir war das im März zu anstrengend, deshalb habe ich abgebrochen. In „PAUL“ kam ich mit der Sprache nicht zurecht, denn in diesem Buch geht es um einen Jungen und seine erste große Liebe, Das Buch ist in der Sprache der heutigen Jugend geschrieben, Das war mir too much. Deshalb der Abbruch, Die Thematik hat mir allerdings gefallen. Deshalb werde ich beide Bücher noch einmal lesen.

Ebenfalls abgebrochen, und das hat mir wirklich furchtbar leid getan, da ich die Bücher der Autorin sehr mag, ist „Die Königin von Berlin“ von Charlotte Roth aus dem Droemer Knaur Verlag. Erzählt wird die Geschichte der jungen Schauspielerin Carola Neher, die die Muse von Brecht war und die Ehefrau von Klabund. Was mir gut gefallen hat, war der Aufbau als Theaterstück. Die Gedichte und Zitate zu jedem neuen Akt. Doch leider wurde ich mit der Protagonistin nicht warm und auch die anderen (Brecht, Klabund) blieben farblos. An vielen Stellen war mir das alles zu langatmig. Nach der Hälfte hab ich dann quer gelesen und dann schließlich abgebrochen. SORRY liebe Charlotte. Deine anderen Bücher habe ich sehr geliebt. ♥

„Zwei und Zwei“ von Tessa Headly aus dem Kampa Verlag habe ich zu ende gelesen, doch auch dieses Buch konnte mich nicht wirklich überzeugen. Die Geschichte zweier Familien, die seit der Studentenzeit befreundet sind. Erst waren beide Frauen mit dem Partner der anderen liiert. Doch dann haben sie bemerkt, dass es nicht passt und sie haben die Partner getauscht. Natürlich nicht so wie ich es jetzt schreibe, sondern es lagen ein paar Jahre zwischen diesen Wandlungen. Nun ist der Mann der einen gestorben. Alle trauern, nur die Witwe nicht wirklich. Die hat gemerkt, das sie hätte doch besser den Mann ihrer Freundin heiraten sollen, so wie es in der Studentenzeit war. Der Mann der Freundin lässt sich auf eine  Affäre mit der Witwe ein, die Ehefrau bekommt das raus und schon ist das Drama da. So ungefähr. Das war mir irgendwie auch alles ein bisschen viel und kreuz und quer und überhaupt. Ich habe es zu ende gelesen, weil ich wissen wollte wie es ausgehen mag, mit den dreien. Und  das Ende hat mich dann ein klitzekleinwenig versöhnlich gestimmt.

Die nächsten drei Bücher habe ich wirklich sehr gerne gelesen und auch mit Freude. Das erste ist „Dankbarkeiten“ von Delphine de Vigan aus dem Dumont Verlag. Ein etwas melancholisches Buch, doch ein Buch, aus dem man ganz viel mitnimmt … nämlich Dankbarkeit für das was man hat … erleben durfte und darf.

Die Optimisten“ von Rebecca Makkai aus dem Eisele Verlag haben mich echt umgehauen. Ihr wisst, ich mag nicht wirklich dicke Bücher, aber hier ist jede Seite einfach´ch großartig. Es geht um das Thema Aids in den 80zigern, dem Ausbruch des Virus und was es in der Homosexuellen Szene auslöste, sowie um die Kunst, die in dieser Zeit entstanden ist. Die Kunstszene in den 80zigern war etwas außergewöhnliches. Ich habe dieses Buch über Ostern verschlungen und war echt traurig, als es zu Ende war.

Das letzte gelesene Buch im April war „Der Sommer in dem Einstein verschwand“ von Marie Hermanson aus dem Insel Verlag. Es beschreibt den Sommer 1923 in Göteborg. Zum 300. Gründungsjubiläum findet eine Ausstellung statt, auf der Einstein seine Nobelpreisrede halten soll. Doch er verschwindet. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die biografischen Elemente gepaart mit den fiktiven Elementen. Ich habe einiges über Einstein erfahren, was ich so gar nicht wusste. Und das Verschwinden gibt dem Roman einen kleinen Krimitouch.

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Einblick

Seit dem 16. März 2020 befinden wir uns im sogenannten Lockdown. In den ersten Tagen war noch gar nicht wirklich klar, was darf ich und was nicht. Bis Mittwoch 18.03.2020 habe ich die Buchhandlung noch ganz normal geöffnet, da mir auch das Ordnungsamt nicht sagen konnte wie es weiter geht. Am besagten Mittwoch standen dann die Herren vom Ordnungsamt im Laden und teilten mir mit, dass ich sofort die Buchhandlung schließen müsse. Es durfte sich kein Kunde mehr im Laden aufhalten. Wir haben dann gemeinsam geschaut wie ich weiterhin tätig sein könnte. Wir einigten uns dann darauf, dass ich per Telefon und Mail Bestellungen entgegen nehmen darf, und die bestellte Ware dann soweit es geht kontaktlos an der Seite raus geben darf. An diesem Mittwoch ist für mich erst einmal die Welt zusammen gebrochen. Ich hatte keine Ahnung wie ich das alles managen sollte. Wie mache ich die Kunden darauf Aufmerksam. Was muss ich alles beachten. Ich bin dann an diesem Tag noch bis 18 Uhr in der Buchhandlung geblieben, weil ich wusste, dass einige noch ihre Bücher abholen wollten.

Am nächsten Tag bin ich um 10.00 Uhr wieder in der Buchhandlung gewesen. Hab Kisten ausgepackt und überlegt, wie es weiter gehen kann. Ich war immer noch ein wenig planlos. Nach Rücksprache mit meiner Mitarbeiterin haben wir dann beschlossen am Freitag den 20.03.2020 die Schaufenster zu dekorieren und alle Tische ans Fenster zu stellen und mit Büchern zu bestücken. Zeitgleich haben wir Zettel geschrieben und ins Fenster gestellt wie und wann wir erreichbar sind. Das alles haben wir dann auch auf Instagram und Facebook geteilt. Und dann hieß es abwarten. Werden die Kunden sehen, dass wir immer noch für sie da sind? Werden sie anrufen und bestellen?

Und dann passierte das Unglaubliche … es riefen so viele Menschen an, ich bekam Unmengen von eMails, in denen ich gefragt wurde, wie man mir und dem Büchergarten helfen könne. Ich bekam mutmachende und tröstende Mails, und ich bekam Bestellungen. Täglich war ich von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr im Büchergarten um Bücher raus zu geben. Wenn ich ging stellte ich das Telefon um, um Bestellungen zu Hause anzunehmen und zu bearbeiten. Ich habe teilweise bis Abends um 21.00 Uhr noch Bestellungen bearbeitet und morgen um 7.00 Uhr saß ich schon wieder am Rechner um die eingegangenen Mails zu bearbeiten. Es war eine sehr anstrengende und intensive Zeit, aber die Solidarität in unserem „kleinen“ Ruppichteroth war/ ist einfach unglaublich!

Nun hat der Büchergarten seit dem 20.04.2020 wieder geöffnet und es bleibt weiterhin einfach unglaublich. An den ersten beiden Tagen habe die Menschen Nachmittags Schlange vor dem Büchergarten gestanden. Zwei Kunden dürfen zeitgleich in die Buchhandlung. Mittlerweile hat es sich etwas „normalisiert“, aber was ist in dieser Zeit schon normal. Viele Kunden freuen sich mit mir, dass wir wieder geöffnet haben, dass der Büchergarten noch da ist und hoffentlich auch bleibt. Das wünsche ich mir auch. Sehr!

Wenn alles gut geht, werden wir im September den 5. Geburtstag des Büchergarten feiern. Und glaubt mir, es wird (wenn wir dürfen) eine mega Sause geben.

Bis dahin passt auf Euch auf und bleibt gesund

Eure Angelika ♥

 

Kurz & Knapp … Juni 2018

Miss Gladys und ihr Astronaut von David M. Barnett

Gladys ist um die siebzig und sollte für ihre Enkel, Ellie und James sorgen, da die Mutter verstorben ist und der Vater im Knast sitzt. Doch das Ganze ist nicht so einfach, da Gladys immer öfter erste Anzeichen einer Demenz zeigt. Ellie kümmert sich um alles, und versucht auf biegen und brechen die Stellung zu halten, damit niemand etwas bemerkt da die Kids sonst im Heim landen.

Tom Major hat die Schnauze voll, von allem und jedem. Da trifft es sich gut, dass der Astronaut, der zum Mars fliegen soll, plötzlich umkippt und tot ist. Kurzerhand springt Tom ein und befindet sich plötzlich auf dem Weg zum Mars. Auf dem langen Weg dorthin befällt ihn Langeweile und er versucht seine Exfreundin anzurufen und landet aber bei Gladys. Die beiden unterhalten sich, nichtsahnend, dass Tom bald zum Retter der ganzen Familie wird.

Zuerst einmal muss ich etwas zum Cover loswerden. Das ist das schlimmste Cover ever und schreckt den/ die Leser ab. Ich frage mich was der Verlag sich da gedacht hat. Das Cover entspricht in keinster Weise dem Inhalt des Buches. Es vermittelt den Eindruck von Kitsch und seichtem Inhalt. Das ist es aber nicht.

Es geht in dieser Geschichte um den verzweifelten Kampf einer Familie ums Überleben und den Zusammenhalt. Gladys spürt von Tag zu Tag mehr, dass sie ihr Gedächtnis verliert. Sie muss aber ihre Sinne beieinander halten, damit die Kids nicht ins Heim kommen. Ellie arbeite neben der Schule in verschiedenen Jobs, und das, obwohl sie erst fünfzehn ist. Und James fühlt sich einfach nur verloren ohne Vater und Mutter. Und als plötzlich alles aufzufliegen droht, hilft Major Tom aus dem All.

Fazit: Eine unterhaltsame Geschichte mit unerwarteten Wendungen und am Ende hab ich sogar ein Tranchen im Auge gehabt. Bitte nicht vom Cover und Titel abschrecken lassen!!!

(Ullstein Taschenbuchverlag, ISBN: 9783548289540, Preis: 15,00 Euro)

 

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Lavendelträume von Gabriele Diechler

Nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Mutter findet Julia in einem geheimen Postfach ein sehr kostbares Parfum und einen Liebesbrief. Julia ist im ersten Moment irritiert, da sie die Ehe ihrer Eltern immer als perfekt gesehen hat. Welches Geheimnis hatte ihre Mutter und wer ist Antoine? Ihre Recherche ergibt, dass es sich um einen Parfümeur in Frankreich handelt. Sie nimmt Kontakt auf und reist kurzerhand nach Frankreich. Dort angekommen trifft sie auf Nicolas, dem Sohn von Antoine, und muss von ihm erfahren, dass Antoine verstorben ist. Julia zeigt ihm das Parfum und die Botschaft an ihre Mutter, und sie versuchen gemeinsam hinter das Geheimnis zu kommen.

Was für eine schöne Geschichte. Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Gabriele Diechler schafft es wieder einmal mich mit ihrer Geschichte um Julia und Nicolas in den Bann zu ziehen. Ich konnte den Flair der Provence spüren und den Duft des Lavendels riechen. Ich erfahre einiges über die Herstellung von Parfüm, was ich sehr interessant fand.

Fazit: Ein sehr schöner Sommerroman, der perfekt in die jetzige Lavendelblüte passt. ♥♥♥

(Insel Verlag, ISBN: 9783458363507, Preis: 9,95 Euro)

 

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Wir müssen reden von Sibylle Luithlen

„Wir müssen reden“ ist der Anfang eines Satzes, den kein Paar gerne hört. Doch genau diese Worte spricht Lars zu Feline. Er bittet sie um eine Beziehungspause, da er eine andere Frau kennen gelernt hat. Feline ist schockiert und versucht zunächst wie immer weiter zu machen. Sie bricht ihr Referendariat als Deutschlehrern ab und flüchtet.

In Rückblenden erzählt die Autorin von dem ersten Treffen zwischen Lars und Feline, von ihren Ängsten Gefühle zuzulassen, da beide in ihrer Kindheit erlebt haben, wie es enden kann, wenn man zu viel Gefühle zeigt. Die Geschichte zeigt weiterhin das Beziehungsgeflecht der beiden auf. Feline ist „eifersüchtig“ auf Lars angebliche Unabhängigkeit, da er sich kaum um die Tochter und den Haushalt kümmert. Feline ist dauergestresst, weil sie sich neben ihrem Beruf noch um alles andere kümmern muss. Das allerdings ist Felines Empfinden und sieht in der Wirklichkeit des Buches etwas anders aus.

Fazit: Ich fand das Buch mega anstrengend und Felines Gejammer ging mir echt auf die Nerven. So was von „weinerlich“ und immer sind die anderen schuld … An dieser Stelle wie immer, das ist meine Meinung, macht Euch bitte Eure eigene zu diesem Buch.

(DVA, ISBN: 9783421047953, Preis: 20,00 Euro)

 

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Das Feld von Robert Seethaler

Ein alter Mann sitzt auf einer Bank auf dem Friedhof und lauscht den Geschichten der Menschen in ihren Gräbern. Es sind Geschichten von Menschen, die alle im Ort Paulstadt gelebt haben, und deren Leben sich auf irgendeine Art und Weise mehr oder weniger gekreuzt haben. Mehr möchte ich zum Inhalt nicht sagen, da es ein dünnes Büchlein ist, und sonst zu viel verraten wird.

Dies war mein erster Seethaler und ich hatte mich echt darauf gefreut, da ich immer wieder von anderen gehört und gelesen habe, das Seethaler ein toller Autor sei. Leider wurde ich sehr enttäuscht. Vielleicht liegt es daran, dass ich etwas vollkommen anderes erwartet habe. Ich wusste, es geht um den Tod. Erwartet habe ich eine leicht angehauchte philosophische Geschichte über den Tod und seine Auswirkung auf die Hinterbliebenen. Bekommen habe ich eine „Tratschgeschichte“. Ihr wisst schon, so von wegen der hat dies und jene hat das. Nur hier tratschen nicht die Lebenden sondern die Toten.

Fazit: Sehr schade, aber ich werde es sicherlich noch mit einem anderen Seethaler versuchen. Auch hier gilt, es ist meine Meinung. Bitte macht Euch Eure eigene zu diesem Buch, das es viele gibt, die dieses Buch toll fanden.

(Hanser Berlin, ISBN: 9783446260382, Preis: 22,00 Euro)

 

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Häuser aus Sand von Hala Alyan

Die palästinensisch-amerikanische Autorin erzählt in ihrem Romandebüt die Geschichte einer Familie über vier Generationen während des Nahostkonflikts, beginnend in den Sechzigern bis in die heutige Zeit. Die Geschichte verläuft chronologisch und wird immer aus der Perspektive eines Familienmitglieds erzählt. Ein Stammbaum der Familie zu Beginn des Buches macht es mir als Leserin einfacher, zu sehen wer ist wer.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich ein wenig Probleme mit der Hintergrundgeschichte, dem Nahostkonflikt hatte. Mir ist dieser Krieg und den damit verbundenen Geschehnissen nicht so präsent. Daher war für mich eher die Familiengeschichte im Vordergrund. Die Suche nach Heimat und Wurzeln. Da die Familien immer und immer wieder aus ihren Heimatdörfern vertreiben wurden, war es für dies nicht möglich. Den Titel fand ich daher sehr passend. Die Heimat verrinnt immer und immer wieder wie Sand zwischen den Fingern. Wurzeln zu schlagen ist einfach unmöglich. Trotz der multikulturellen Familie, die sie zum Schluss ist, ist es für die Familie immer noch schwer im Nahen Osten Heimat zu finden.

Fazit: Ein sehr gelungenes Debüt!

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198558, Preis: 24,00 Euro)

 

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Über mir die Sonne von Alessio Torino

Tina, ihre Mutter und ihre Schwester Bea verbringen den Urlaub auf einer kleinen Insel. Es ist der erste Urlaub ohne den Vater. Der hat die Familie verlassen und lebt mit seiner Musikschülerin zusammen. Für Tina ist die Trennung nicht so schmerzvoll, wie für den Rest der Familie. Sie hat genug mit sich und ihrem Erwachsenwerden zu tun, den Tina steckt mitten in der Pubertät und erfährt das erste Mal die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts. Neben den dreien gibt es noch andere Urlauber, die mir mehr als suspekt waren. Irgendwie alle ein bisschen kaputt und somit kein guter Umgang für Tina.

Ehrlich gesagt habe ich die Botschaft des Autors nicht wirklich verstanden. Laut Klappentext geht es um den Verlust des Vaters und dem damit verbundenen Ende einer Familie. Ich habe erwartet, das Torino den Verlust und die Trauer aufarbeitet, doch ich erlebe Tina, Bea und die Mutter als vergnügte Urlauber auf einer Insel unter leicht durchgeknallten Leutchen. Vieles wird angedeutet, aber nicht wirklich ausgesprochen und das Ende hat mir nur eine großes Fragezeichen im Kopf hinterlassen.

Fazit: Das war nix! Wie schon heute zwei Mal erwähnt … meine Meinung usw. …

(Hoffmann und Campe, ISBN: 9783455001471, Preis: 18,00 Euro)

 

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… aus „Und damit fing es an“ von Rose Tremain

Insel Verlag
Fester Einband
333 Seiten
Erscheinungsdatum:
08.08.2016
Preis: 22,00 €
ISBN: 9783458176848

 

„Dinge sind immer nur eine Weile weiß.“ (Seite 37)

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„Weil so das Leben ist. Man kann nie zurück, wenn etwas erst einmal vorbei ist.“ (Seite 46)

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„Dennoch dachte er sehr oft an seine Kindheit. Und jedes Mal ergriff ihn eine Traurigkeit, die absolut und umfassend zu sein schien – als könne kein Kummer der Welt ihn noch einmal so heftig treffen. Diese Traurigkeit legte sich wie ein grauer Dämmer um seine alte Kindheitsvorstellung, dass er unsichtbar sei: die quälende Erinnerung daran, dass der Knabe Gustav immerzu versucht hatte, sich ins Licht zu rücken, damit seine Mutti ihn besser sah. Aber sie hatte ihn nie wirklich gesehen. Sie hatte sich für die Person, die er war, im Grunde blind gestellt.“ (S. 214)

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„Gustav fand, dass Anton inmitten all dieser ihn umringenden verzauberten Kinder etwas von einem Rattenfänger hatte. Und er dachte: Ich gehöre auch dazu; ich bin ebenfalls verzaubert. Ich werde Anton folgen, wo immer er mich hinführt – und sei es in eine  dunkle Höhle.“ (Seite 227)

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„Und jetzt, dachte er, befinde ich mich selbst im Mittelland meines Lebens, und alles um mich herum brüllt mich an und will, dass ich mein Verhalten und meine Ansichten ändere, und das bringt mich noch um.“ (Seite 271)

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Rezension zu „Und damit fing es an“ von Rose Tremain

 

… aus „Romeo & Romy“ von Andreas Izquierdo

Insel Verlag Flexibler Einband  491 Seiten Erscheinungsdatum:711.04.2016  Preis: 14,99 € ISBN: 9783458361411

Insel Verlag
Flexibler Einband
491 Seiten
Erscheinungsdatum:711.04.2016
Preis: 14,99 €
ISBN: 9783458361411

 

„Es war nicht nur die klare, frische Luft, die so vertraut die Haut streichelte, es war, als spürte sie neben den Häuschen, Sträßchen und Gärten auch die, die hier schon immer gewohnt hatten. Sie hörte ihre Stimmen, ihr Gelächter, ihr Gemecker und ihr Seufzen wie ein immerwährendes Flüstern alter Geschichten, die das Laub rascheln ließen oder wie Pollen im Sonnenlicht tanzten. Erinnerungen. Wie die Farbe, die auf den Fassaden langsam verblasste.
Heimat war nicht das was man sah, sondern das, was andere niemals sehen würden.“ (Seite 35)

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„Das Leben verbraucht den Geist, das ist wahr, aber es kann ihn auch mit neuer Kraft befeuern.“ (Seite 297)

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„Menschen verändern sich. Manche verlassen ihre Heimat und finden woanders eine neue. Es gibt nicht die eine Liebe, die alles festlegt. Die Welt hat viel zu bieten. Und manchmal muss man länger suchen, bis man findet, was das Herz berührt.“ (Seite 392)

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„Der Konjunktiv jedoch war das Glitzerpapier auf dem Geschenk namens Leben (…)“ (Seite 399)

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Hoffnung auf Leben

Insel Verlag Fester Einband  333 Seiten  Erscheinungsdatum: 08.08.2016  Preis: 22,00 € ISBN: 9783458176848

Insel Verlag
Fester Einband
333 Seiten
Erscheinungsdatum:
08.08.2016
Preis: 22,00 €
ISBN: 9783458176848

Klappentext
Gustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Er wuchs in den 1940er-Jahren allein bei seiner Mutter Emilie in ärmlichen Verhältnissen im schweizerischen Matzlingen auf – und schon damals hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Anton spielt Klavier, und seine Familie nimmt Gustav Sonntags mit zum Eislaufen. Emilie sieht das nicht gerne, lebt sie doch in der Überzeugung, dass die Bereitschaft ihres verstorbenen Mannes, jüdischen Flüchtlingen zu helfen, letztendlich ihr gemeinsames Leben ruiniert hat. Doch Anton ist alles, was Gustav braucht, um glücklich zu sein…

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„Dinge sind immer nur eine Weile weiß.“ (Seite 37)
„Weil so das Leben ist. Man kann nie zurück, wenn etwas erst einmal vorbei ist.“ (Seite 46)

Gustav Perle wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater verstarb früh und dieser Tod hat dazu geführt, dass Gustav Mutter ein verbitterter Mensch wurde. Sie erzählt Gustav tagtäglich was für ein Held der Vater gewesen sei, da er jüdischen Flüchtlingen geholfen hat. Doch diese Hilfe hat ihm letztendlich auch das Leben gekostet. Emilie ist scheinbar seit diesem Tod nicht mehr in der Lage Gefühle zu zeigen. Auch nicht ihrem Sohn gegenüber. Sie ermahnt Gustav ständig „sich zu beherrschen“ Und so wächst Gustav auf, ohne dass er weiß, wie eine liebevolle Mutter sein kann.

„Dennoch dachte er sehr oft an seine Kindheit. Und jedes Mal ergriff ihn eine Traurigkeit, die absolut und umfassend zu sein schien – als könne kein Kummer der Welt ihn noch einmal so heftig treffen. Diese Traurigkeit legte sich wie ein grauer Dämmer um seine alte Kindheitsvorstellung, dass er unsichtbar sei: die quälende Erinnerung daran, dass der Knabe Gustav immerzu versucht hatte, sich ins Licht zu rücken, damit seine Mutti ihn besser sah. Aber sie hatte ihn nie wirklich gesehen. Sie hatte sich für die Person, die er war, im Grunde blind gestellt.“ (S. 214)

Dann tritt Anton in sein Leben. Die beiden Jungen freunden sich trotz unterschiedlicher Herkunft an. Anton kommt aus wohlhabenden Verhältnissen, und mit dieser Freundschaft erlebt Gust eine andere Welt. Eine voller Freuden, Liebe und Geborgenheit. Doch ist dem wirklich so?

„Gustav fand, dass Anton inmitten all dieser ihn umringenden verzauberten Kinder etwas von einem Rattenfänger hatte. Und er dachte: Ich gehöre auch dazu; ich bin ebenfalls verzaubert. Ich werde Anton folgen, wo immer er mich hinführt – und sei es in eine  dunkle Höhle.“ (Seite 227)

Die Geschichte ist in drei Kapitel unterteilt. Im ersten Teil  geht es um die Kinder Gustav und Anton. Wie sie aufwachsen, sich kennen lernen und Zeit miteinander verbringen.  Im zweiten Teil der Geschichte erfährt man wie Emilie Gustavs Vater kennen lernt, und warum er letztendlich zu Tode kam. Für mich ein sehr wichtiges Kapitel in dieser Geschichte, da ich Dinge erfahre die ich so nicht vermutet hätte und die einen vollkommen neuen Aspekt in die Geschichte bringen. Der dritte und letzte Teil erzählt die Geschichte der erwachsenen Kinder. Was aus ihnen und ihrer Freundschaft geworden ist.

Für mich ist Emilie, Gustav Mutter,  eine kaltherzige Frau. Das mag sicherlich daran liegen, dass sie früh ihren Mann verloren hat und sich allein um Gustav kümmern muss. Gustav scheint irgendwie nur zu funktionieren. Er macht das was seine Mutter sagt und scheint zu keinerlei Gefühl fähig zu sein. Was nicht verwunderlich ist, da seine Mutter ihm keine zeigt. Er versuch so sehr seiner Mutter zu „gefallen“, dass er sich fast darüber aufgibt. Sofern man das bei einem Kind sagen kann.
Anton ist für mich ein verzogenes Einzelkind. An vielen Stellen wird klar, so sehe ich es zumindest, dass er Gustav nur benutzt. Immer wenn es für Anton unangenehm wird schiebt er Gustav vor. Beruft sich dann auf ihre Freundschaft.  Dies alles zeigt mir, wie egal Gustav Anton letztendlich ist.

„Und jetzt, dachte er, befinde ich mich selbst im Mittelland meines Lebens, und alles um mich herum brüllt mich an und will, dass ich mein Verhalten und meine Ansichten ändere, und das bringt mich noch um.“ (Seite 271)

Mich hat dieses Buch sehr berührt, obwohl es stellenweise sehr emotionslos geschrieben wurde. Gustav ist ein Protagonist, der mir irgendwie, von Anfang an ans Herz gewachsen ist. Es liegt wohl daran, dass er eine absolut tragische Gestalt in diesem Buch ist.

Gustav möchte einfach nur geliebt werden. Doch die Menschen die er liebt sind der wirklichen Liebe gar nicht fähig … und das macht mich einfach traurig und wütend zugleich. Gustav bemüht sich immer und immer wieder um die Liebe der Mutter und die Liebe von Anton, oftmals bis zur Selbstaufgabe. Und die? Die sehen nur sich…

Eine Geschichte, die noch lange nachwirkt.

Unbedingt lesen!

5 von 5 Sternen

 

Den Traum leben

Insel Verlag Flexibler Einband  491 Seiten Erscheinungsdatum:711.04.2016  Preis: 14,99 € ISBN: 9783458361411

Insel Verlag
Flexibler Einband
491 Seiten
Erscheinungsdatum:711.04.2016
Preis: 14,99 €
ISBN: 9783458361411

Klappentext
Romy könnte eine große Schauspielerin sein, aber niemand sieht sie, denn sie ist nur eine Souffleuse. Aber auch das nicht lange, denn nach einem harmlosen Flirt mit dem Hauptdarsteller Ben, dessen einzige schauspielerische Glanzleistung sein Auftritt als „Frischedoktor“ in einem Waschmittelspot ist, wird sie gefeuert. Und Ben kurz nach ihr.
Romy kehrt zurück in ihr winziges Dorf, um dort ihr Erbe anzutreten. Hier leben nur noch Alte. Und die haben sich in den Kopf gesetzt, rasch das Zeitliche zu segnen, denn auf dem Friedhof sind nur noch zwei Plätze frei. Wer da zu spät kommt, muss auf den Friedhof ins Nachbardorf. Und da gibt es – wie jeder weiß – nur Idioten.
Romy schmiedet einen tollkühnen Plan: Sie will mit den Alten ein elisabethanisches Theater bauen. Aus der gammligen Scheune hinter ihrem Hof. Und mit ihnen Romeo & Julia auf die Bühne bringen. Sie haben kein Geld, keine Erfahrung, aber einen Star: Der „Frischedoktor“ soll Regie führen! Ben ist begeistert: Regisseur! Das könnte unter Umständen der erste Job werden, den er nicht voll gegen die Wand fährt …

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„Es war nicht nur die klare, frische Luft, die so vertraut die Haut streichelte, es war, als spürte sie neben den Häuschen, Sträßchen und Gärten auch die, die hier schon immer gewohnt hatten. Sie hörte ihre Stimmen, ihr Gelächter, ihr Gemecker und ihr Seufzen wie ein immerwährendes Flüstern alter Geschichten, die das Laub rascheln ließen oder wie Pollen im Sonnenlicht tanzten. Erinnerungen. Wie die Farbe, die auf den Fassaden langsam verblasste.
Heimat war nicht das was man sah, sondern das, was andere niemals sehen würden.“ (Seite 35)

Romy möchte nichts anders in ihrem Leben als Theater spielen. Ihr größter Wunsch ist es einmal im Leben die Julia in Romeo & Julia zu spielen. Doch leider hat sie es bisher nicht auf die Bühne geschafft. Sie ist die, die keiner sieht, aber von der so viel abhängt … die Souffleuse. Am Tag der Premiere ereilt sie die Nachricht vom Tod ihrer geliebten Großmutter. Sie versemmelt die Premiere und bekommt die Kündigung.

Sie fährt in ihre Heimat, dem Ort an dem sie aufgewachsen ist, um die Beerdigung ihrer Großmutter zu organisieren. In dem kleinen Ort leben fast nur alte Menschen. Menschen, die einmal Romys Heimat waren. Doch unter ihnen ist ein Wettstreit ausgebrochen. Nach dem Tod von Romys Großmutter sind nur noch drei Plätze auf dem örtlichen Friedhof frei und alle Alten wollen einen dieser begehrten Plätze. Mehrere Bewohner des Dorfes versuchen per zufällige Unfälle eines der Gräber zu bekommen.

Romy beschließt dem ein Ende zu setzten und die Alten zu beschäftigen. Sie entschließt sich auf dem Hof der Großmutter ein elisabethanisches Theater zu bauen. Doch mit ihrer spontanen Idee stößt sie bald an verschiedene Grenzen … die des Geldes, der Baubehörde und der Besetzung für das Stück … Schafft sie es dennoch?

„Menschen verändern sich. Manche verlassen ihre Heimat und finden woanders eine neue. Es gibt nicht die eine Liebe, die alles festlegt. Die Welt hat viel zu bieten. Und manchmal muss man länger suchen, bis man findet, was das Herz berührt.“ (Seite 392)

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Man konnte sich sehr gut in die Geschichte fallen lassen. Die Idylle des Dorfes mit all seinen Bewohnern hätte auch mein Dorf sein können. Wer auf dem Land lebt, weiß, dass man nicht alleine ist. Jeder kümmert sich um jeden bzw. einige würden es auch einmischen nennen. Wie auch immer. Diese Gemeinschaft in Romys Dorf ist die, wie es sie überall auf der Welt geben könnte. Mal ist man sich näher mal weniger.

Doch neben der lustigen Geschichte rund um Ben, Romy und dem Theater gab es aber auch viele nachdenkliche Themen … das Leben auf dem Land mit seinen Vor- und Nachteilen … Alterseinsamkeit … die Todessehnsucht der Alten und wie man es schafft ihnen neuen Lebensmut zu geben … das Aufwachsen ohne Eltern und die Sehnsucht zu erfahren wer der Vater ist … Heimatlosigkeit und das Heimat nicht unbedingt ein Ort sein muss, sondern auch Menschen sein können … Republikflucht …

All diese Themen streift der Autor nur, aber dennoch hat es mir sehr gut gefallen, wie er diese in sein Buch eingebaut hat. Dies ist eines der Bücher, mit dem man seine Emotionen ausleben kann … ich habe gelacht, geweint und vieles reflektiert …  Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen!

„Das Leben verbraucht den Geist, das ist wahr, aber es kann ihn auch mit neuer Kraft befeuern.“ (Seite 297)

„Der Konjunktiv jedoch war das Glitzerpapier auf dem Geschenk namens Leben (…)“ (Seite 399)

4 von 5 Sternen

 

Das Leid einer liebenden Mutter

Insel Verlag Fester Einband  347 Seiten Erscheinungsdatum: 11.03.2013  Preis: 19,95 € ISBN: 9783458175629

Insel Verlag
Fester Einband
347 Seiten
Erscheinungsdatum:
11.03.2013
Preis: 19,95 €
ISBN: 9783458175629

Klappentext
Vancouver Island, ein kühler Morgen im August, früh um fünf: Eine schmale junge Frau im groben Arbeitsoverall legt ein winziges Bündel auf einer Türschwelle ab und eilt davon. Das Bündel ist ein neugeborenes Mädchen, eingewickelt in ein graues Sweatshirt, ein Schweizer Offiziersmesser zu ihren Füßen als einzige Erinnerung an ihre Mutter. In den folgenden Jahren wird Shannon von einer Pflegefamilie zur nächsten weitergereicht, bis sie schließlich bei der warmherzigen Miranda und ihrer Tochter Lydia-Rose ein Zuhause findet. Doch Shannon fühlt sich auch dort stets wie eine Fremde – von wem hat sie den blonden Lockenbusch auf dem Kopf, woher die kleine Statur? Die Frage, warum sie ist, wie sie ist, und die drängende Sehnsucht, ihre Mutter zu finden, lassen sie nicht los, und so macht sie sich mit sechzehn auf die die Suche nach der Frau im Overall, das Schweizer Offiziersmesser in der Tasche. Ihr Weg führt sie tief in uralte Wälder, deren Baumkronen die Pfade wie ein Gewölbe überspannen. Was Shannon dort findet, ist eine ergreifende Geschichte von wilden Herzen, beschädigten Helden und von leisem Schmerz.

∗∗∗

Shannons Odyssee fängt an dem Tag ihrer Geburt an. Sie wurde von ihrer Mutter vor dem YMCA abgelegt. Dann kommt sie in diverse Pflegefamilien, in denen sie aber nie lange bleibt, weil immer irgendetwas vorfällt. Mal trennen sich die Pflegeeltern, mal sind sie Drogenabhängig, andere schlagen Shannon. Im Alter von 5 Jahren kommt sie zu Miranda und ihrer Tochter. Dort wird sie liebevoll aufgenommen. Doch es gibt strenge Regeln, an die es sich zu halten gilt. Shannon hat immer das Gefühl, dass sie eine Fremde ist, die nur geduldet wird. So beginnt sie eines Tages ihre Eltern zu suchen.

Dieser Roman hat es in sich. Direkt am Anfang beschleicht mich eine Wut auf die Mutter, dass sie ihr Kind einfach so ablegt. Dann kommen in Laufe der Geschichte viele Menschen auf den Plan, die Shannon verletzen. Sowohl psychisch wie auch physisch. Das zu lesen tut sehr weh und man fragt sich wie viel Leid kann ein Kind ertragen?

Der Roman ist in zwei Erzählstränge aufgebaut. In dem einen erzählt Shannon immer aus ihrem aktuellen Leben aus der Ich-Perspektive. Im zweiten erzählt sie auch aus ihrer Sicht, doch sie erzählt die Geschichte ihrer Mutter und wie es dazu kann, dass sie vor dem YMCA abgelegt wurde. Nach und nach erfährt der Leser Details, die einem ans Herz gehen und die Verzweiflung von Yula (Shannons Mutter) spüren lässt.

Shannons Geschichte hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen. Mir hat Shannon so leid getan. All das Leid, dass sie erfahren musste. Immer habe ich gehofft, dass sich alles zum Guten wendet. Am Anfang war ich so böse auf Yula, aber je weiter man liest und je mehr man erfährt, fragt man sich irgendwann …. wer von beiden, Shannon oder Yula, musste mehr leiden.

Ein hochemotionaler Roman, den man gelesen haben sollte.

 

5 von 5 Sternen

Eine Hommage an das Älter werden und das Alter

Insel Verlag Fester Einband  192 Seiten Erscheinungsdatum: 08.08.2015  Preis: 19,95 € ISBN: 9783458176527

Insel Verlag
Fester Einband
192 Seiten
Erscheinungsdatum:
08.08.2015
Preis: 19,95 €
ISBN: 9783458176527

Klappentext
Dies ist die Geschichte von drei alten Männern, die sich in die nordkanadischen Wälder zurückgezogen haben. Von drei Männern, die die Freiheit lieben. Eines Tages aber ist es mit ihrer Einsiedelei vorbei. Zuerst stößt eine Fotografin zu ihnen, sie sucht nach einem der letzten Überlebenden der Großen Brände, einem gewissen Boychuck. Kurze Zeit später taucht Marie-Desneige auf, eine eigensinnige, zierliche Dame von zweiundachtzig Jahren. Die Frauen bleiben. Und während sie dem Rätsel um Boychucks Überleben nachgehen, kommen sich diese Menschen näher, und plötzlich ist alles wunderbar kompliziert.

∗∗∗∗∗

„Ted war ein gebrochener Mann, Charlie ein Naturbursche und Tom ein Draufgänger. Die Tage vergingen, und sie wurden gemeinsam alt. Sehr alt. Sie hatten alles hinter sich gelassen. Keiner von ihnen wollte zurück in sein früheres Leben, sie wollten einfach morgens aufstehen, den neuen Tag begrüßen, der nur ihnen selbst gehörte, und sich von niemandem in irgendwas rein reden lassen.“ (Seite 40)

Ted, Charlie und Tom leben in den nordkanadischen Wäldern. Zusammen sind sie fast zweihundert Jahre alt. Sie sind der festen Überzeugung, dass sie noch viele Jahre vor sich haben. Doch eines Morgens ist Ted tot. Und ohne, dass es die beiden anderen ahnen ist mit seinem Tod auch die Einsiedelei vorbei. Denn ein paar Tage nach Teds (auch Ed oder Boychuck genannt) taucht eine Fotografin auf, um über die Großen Brände und Boychuck zu recherchieren, der als einer der wenigen diese Brände überlebt hat. Aber die Fotografin stößt nur auf Charlie und Tom. Von Charlie ist sofort fasziniert.

„Ich war beeindruckt von dieser dicken, knotigen Hand mit den steifen Gelenken, die im Fell des Hundes so geschmeidig war, und noch mehr von Charlies Stimme, die, wenn sie dem Hund galt, leiser wurde, samtweich und zärtlich“ (Seite 18)

Doch damit nicht genug, stößt ein paar Tage später eine alte Dame zu den beiden Alten. Sie wird von Bruno, einem jungen Mann, der ab und an nach den Alten schaut und sie mit Lebensmittel versorgt, ins Lager gebracht. Marie-Desneige, so heißt die alte Dame ist zweiundachtzig Jahre alt und hat davon sechsundsechzig Jahre in einer Psychiatrie verbracht. Nun ist sie mehr oder weniger getürmt. Die Männer errichten ihr eine Hütte und fortan lebt Marie-Desneige bei Tom und Charlie. Die Fotografin schaut immer mal wieder vorbei und bleibt dann für einige Zeit dort. Doch das Leben der beiden Männer wird durch die Anwesenheit von Marie-Desneige durcheinander gebracht. Sie und Charlie nähern sich immer mehr an …

„Ich liebe Geschichten, ich liebe es, wenn man mir ein Leben von Anfang an erzählt, mit allen Umwegen und Schicksalsschlägen, die dazu geführt haben, dass ein Mensch sechzig oder achtzig Jahre später vor mir steht, mit einem ganz bestimmten Blick, ganz bestimmten Händen und einer ganz bestimmten Art zu sagen, dass das Leben gut oder schlecht gewesen ist.“ (Seite 19/ 20)

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, denn dieses Buch hat mich einfach umgehauen.

Ich liebe dieses Cover ♥ Als ich es zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich nur, was für ein charismatischer Mann. Allein das war schon ein Argument, sich den Klappentext näher anzuschauen. Als ich dann angefangen habe dieses Buch zu lesen, bekam dieses Gesicht immer mehr einen Namen und am Ende des Buches habe ich nur gedacht … ja, das muss Charlie sein. Genau so und nicht anders stelle ich mir diesen Mann vor. Ein vom Leben gezeichneter Mann, der dennoch eine Wärme und Zärtlichkeit in sich hat, die man in seinem Gesicht ablesen kann.

„Bei alten Menschen sind die Augen das Wichtigste. Ihre Gesichter sind eingefallen, die Haut ist schlaff und faltig, vor allem rings um den Mund, die Augen, die Nase und die Ohren. Ihre verhärmten Gesichter sind schwer zu entziffern. Von alten Menschen erfährt man nur etwas, wenn man ihnen in die Augen sieht. Die Augen enthalten ihre Lebensgeschichte.“ (Seite 82)

Dann fiel mir die Aufmachung des Buches auf. Zu Anfang eines jeden Kapitels, steht eine „Einleitung“. Sie erzählt, was mich als Leserin erwartet, beschreibt Landschaften, Gefühle oder Situationen, Dinge die sich ereignen werden oder auch nicht. Ich war dann immer ganz gespannt, was dann tatsächlich passierte. Man muss sich das ähnlich wie bei einem Theaterstück vorstellen, bei dem man vor Beginn ein Heftchen bekommt, in dem die einzelnen Akte beschrieben sind. Unter diesen Text findet ihr einen kleinen Auszug aus einem Kapitel …

„Jeden Morgen führen sie dasselbe Gespräch, mit leichten Variationen, ein Gespräch, das sie nicht weiterbringt. Die beiden erleben ihre letzten Momente der Zweisamkeit. Bald werden zwei Neue zu der Gemeinschaft am See dazustoßen, eine kleine alte Dame mit großen schwarzen Augen und eine große, kräftige Frau, die die Legenden von Boychuck zum Vorwand nimmt, um ihnen einen Besuch abzustatten. (…) Und was ist mit der Liebe? Nun, die Liebe muss noch etwas warten, ihre Zeit ist noch nicht gekommen.“ (Seite 68)

Was mich jedoch am allermeisten berührt hat, war die Geschichte um diese alten Menschen. Die Autorin Jocelyne Saucier hat es geschafft eine wundervolle Hommage an das Alter und das Älter werden geschrieben. Mit ihrem eigenwilligen Stil (viele verschachtelte Sätze, was ich jedoch sehr mag) und ihrer poetischen Sprache schafft sie es die Gefühle und Gedanken dieser Menschen zu transportieren.

Wir leben in einer Zeit, in der es immer mehr ältere Menschen gibt. Jocelyne Saucier zeigt mit dieser wundervollen Geschichte, dass es keine Altersgrenze für die Liebe, den ersten Kuss, den Freiheitsdrang, die Hoffnung und dem Leben selbst gibt.

Für mich ist dieses wundervolle Buch eines der Bücher in 2015!
Chapeau Jocelyne Saucier ♥♥♥

„Die alten Leute wurden ihr wichtiger, als sie je gedacht hätte. Sie liebt ihre brüchigen Stimmen, ihre verlebten Gesichter, die langsamen Bewegungen, ihr Zögern, wenn ein Wort nicht einfiel oder eine Erinnerung sich nicht greifen lassen wollte. Die Fotografin liebte es, wie die Alten auf dem Strom ihrer Gedanken dahintrieben und manchmal mitten im Satz einschliefen. Das hohe Alter schien ein Hort der Freiheit zu sein, wo man sich keinen Zwängen mehr unterwirft und seinen Geist auf Wanderschaft schicken kann.“ (Seite 85/ 86)

5 von 5 Sternen

Ich danke dem Insel Verlag für das Leseexemplar.