Kurz und knapp #6 … Liebe findet uns von J.P. Monninger

Ullstein Verlag
Flexibler Einband
416 Seiten
Erscheinungsdatum:
14.07.2017
Preis: 12,99 €
ISBN: 9783548289557

Heather reist nach der Uni mit ihren Freundinnen durch Europa. Auf ihrem Trip lernt sie Jack kennen, der auf den Spuren seines Großvaters durch Europa reist. Er hat ein Tagebuch gefunden und versucht an Hand der Einträge das Leben seines Großvaters zu recherchieren. Dier Beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander und fortan reisen sie gemeinsam auf den Spuren des Großvaters. Doch irgendwann ist jede Reise einmal zu Ende und Heather muss zurück in die USA weil ihr neuer Job auf sie wartet. Jack will mit ihr zurück fliegen. Doch während des Boarding ist Jack plötzlich verschwunden. Was ist passiert? Wo ist Jack? Heather versteht die Welt nicht mehr und macht sich auf die Suche nach Jack …

Dieses Buch habe ich an einem meiner freien Tage gelesen. Es hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Die Story selbst hat keinen hohen Anspruch, dennoch ist es eine Geschichte in die man sich fallen lassen kann, ohne groß über wieso weshalb warum nachdenken zu müssen. Ich konnte mich einen ganzen Trag treiben lassen und am Ende einfach nur zufrieden seufzen.

Ein Buch für alle Fans von „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes.

Von ewiger Jugend und Schönheit

dtv-Klassiker, ISBN: 9783423142076, Preis: 8,90 €

Rückentext
Dorian Gray ist jung, schön und unverdorben. Beim Anblick seines Porträts äußert er den „wahnsinnigen Wunsch“, das Bildnis möge an seiner Stelle altern, er selbst ewig makellos jung bleiben. Er ahnt nicht, was das für Folgen hat.

∗∗∗∗∗

„Ich bin auf alles eifersüchtig, dessen Schönheit nicht stirbt. Ich bin eifersüchtig auf das Porträt, das du von mir gemalt hast. Warum soll es behalten, was ich verlieren muss? Jeder Augenblick, der vergeht, macht mich ärmer und das Bild reicher. Ach, wenn es doch umgekehrt wäre! Wenn sich das Bild verändern würde und ich könnte so sein, wie ich jetzt bin! Warum hast du es bloß gemalt? Eines Tages wird es mich verspotten – schrecklich verspotten!“ (Seite 42/42)

Die Geschichte ist schnell zusammen gefasst. Der Maler Basil Hallward malt ein wunderschönes und zugleich sein bestes Porträt aller Zeiten. Zu sehen ist der junge Dorian Gray. Beim Anblick seines Porträts hat Dorian nur einen einzigen Wunsch … er möchte zeit seines Lebens immer so wunderschön und jung aussehen wie auf diesem Bild. Im weiteren Verlauf der Geschichte trifft  Dorian auf den Lebemann Lord Henry. Dieser zeigt Dorian ein Leben im Überfluss. Diese Leben prägt Dorian. Er geht sogar letzteendlich über Leichen.

„Das Geheimnis des Jungbleibens besteht darin, nie eine Empfindung zu haben, die einem nicht gut zu Gesicht steht.“ (Seite 120)

Ehrlich gesagt habe ich noch nie etwas von Oscar Wilde gelesen. Doch die Damen aus dem Lesekreis wollten dieses Buch unbedingt lesen. Also musste ich den „sauren Apfel“ beißen. Vier Wochen hatte ich Zeit und es lag auf meinem Nachttisch und lag dort und lag dort … Vier Tage vor dem nächsten Lesekreis Abend habe ich dann angefangen das Buch zu lesen. Alles in mir sträubte sich … doch dann habe ich es fast verschlungen, denn es war gar nicht so „staubig“ und „trocken“ wie ich vermutet hatte. Es war mega spannend, hatte zwar ein paar Längen, doch das Ende hat mich dann echt fasziniert.

„Er spürte, dass die Zeit gekommen war, sich zu entscheiden. Oder war die Entscheidung bereits gefallen? Ja, das Leben hatte für ihn entschieden – das Leben und seine unendliche Neugier auf dieses Leben. Ewige Jugend, unendliche Leidenschaft, geheime subtile Genüsse, wilde Freuden und noch wildere Sünden – all diese Dinge würde er haben. Die Last seiner Schande würde das Bild tragen.“ (Seite 148/ 149)

„Das Bildnis des Dorian Gray“ ist Wildes einziger Roman. Von der ersten Seite an, hat mich die Sprache die Wilde benutzt in ihren Bann gezogen. Der Wunsch nach ewiger Jugend und Schönheit … auch heute noch ein Thema in unserer Gesellschaft. Heute kann man mit Hilfe von Spritzen und Operationen nachhelfen. In der Zeit von Wildes Roman war das noch Wunschdenken. Doch was passiert, wenn der Wunsch Wirklichkeit wird? Was, wenn ein Bild anstatt ich selbst altere? Und was, wenn man ein Leben am Abgrund führt. Ein Leben voller Dekadenz und Gier? Wie passt das zu einem Bildnis, voller Schönheit und Unverdorbenheit?

Diesen „Konflikt“ beschreibt Wilde einfach phantastisch und unterhaltsam, bis hin zu einem Ende, das ich so gar nicht erwartet hätte.

Dann ergriff ihn jäher Hass auf die eigene Schönheit, die ihn ruiniert hatte, seine Schönheit und Jugend, um die er gebeten hatte. Ohne diese beiden Dinge hätte sein Leben unbefleckt bleiben können. Seine Schönheit war nur eine Maske für ihn gewesen, seine Jugend nur blanker Hohn. Was war denn Jugend im besten Falle? Eine grüne und unreife Zeit, eine Zeit der oberflächlichen Launen und blassen Gedanken. Warum hatte er ihre Livree angezogen? Die Jugend hatte ihn verdorben.“ (Seite 304)

 

4 von 5 Sternen

Die Erfahrung des Augenblicks

S. Fischer Fester Einband  272 Seiten Erscheinungsdatum: 21.05.2015  Preis: 21,99 € ISBN: 9783100022639

S. Fischer
Fester Einband
272 Seiten
Erscheinungsdatum: 21.05.2015
Preis: 21,99 €
ISBN: 9783100022639

Rückentext
Wie spät ist es? Es ist der 30. Dezember 2013. Draußen liegt Schnee. Drinnen bereitet der 87-jährige Jacques wie jeden Tag das Mittagessen für sich und seine Frau Friederike vor. Neun Jahre lang lebte er zwischendurch mit Helena zusammen, seiner Jugendliebe; dann kehrte er in seine Ehe zurück. Jacques und Friederike, Hanna und ihr Mann Emil sind untrennbar miteinander verbunden durch den Pakt des Schweigens, den sie Mitter der Sechzigerjahre geschlossen haben. Auch im Leben ihrer Kinder und Enkel gibt es immer wieder Abschiede und Aufbrüche; Katrin und Iris sind längst erwachsen, aber weiterhin geprägt von dem, was sie als Kinder erfahren und wahrgenommen haben.

∗∗∗∗∗

„Die Zeit verwandelt uns nicht. Sie entfaltet uns nur. Indem man es nicht verschweigt, sondern aufschreibt, bekennt man sich zu seinem Denken, das bestenfalls für den Augenblick und den Standort stimmt, da es sich erzeugt. Man rechnet nicht mit der Hoffnung, daß man übermorgen, wenn man das Gegenteil denkt klüger sei. (…) Wir können nur, indem wir den Zickzack unserer jeweiligen Gedanken bezeugen und sichtbar machen, unser Wesen kennenlernen, seine Wirrnis oder seine heimliche Einheit, sein Unentrinnbares, seine Wahrheit, die wir unmittelbar nicht aussagen können, nicht von einem einzelnen Augenblick aus-
Max Frisch, Tagebuch 1946-1949

Jacques und Friederike sind vor kurzem in ein Pflegeheim gezogen. Es war ihnen nicht mehr möglich in ihrem Haus zu leben. Friederike ist dies leichter gefallen, denn es hat den Anschein, dass sie mit dem „Verlust“ besser zurecht kommt, da sie schon so viel verloren hat … ihre Stimme, ihre Freude … Die beiden haben drei Kinder miteinander. Katrin und zwei Jungen. Schon im Alter von vier hat Katrin ihre Mutter oft gefragt, warum der Vater so selten zu Hause sei. Doch die Mutter schwieg. Denn Friederike und Jacques hatten einen Pakt mit Hanna und ihrem Mann Emil. Neun Jahre lang hatten Jacques und Hanna eine Affäre. Sie trafen sich regelmäßig Montags um 18 Uhr. Aus dieser Affäre entstammen zwei weiter Kinder … Miriam und Iris. Aus diesem „Pakt des lebenslangen Schweigens zum Schutze der Kinder“ entspinnt sich ein Geflecht aus Lug und Betrug. Trotz des Paktes erfahren die Kinder im Erwachsenenalter voneinander.

„Es ist nicht möglich, das eigene Leben von seinem Ende her zu denken, solange man mitten drin steht, und es ist nicht möglich, das Leben eines Toten nicht a u c h von seinem Ende her zu denken; sein Tod als Punkt im Koordinatensystem von Raum und Zeit, den die Überlebenden ins Visier nehmen, um auf sein Leben zurückzuschauen, es nachträglich in Besitz zu nehmen, als hätte e ihnen schon immer gehört, von Anfang an.“ (Seite 55)

Ich muss zugeben, die Komplexität der Familienverhältnisse hat mich auf den ersten Seiten ziemlich beansprucht, dass ich kaum den Inhalt verarbeiten konnte. Immer und immer wieder musste ich zurück blättern, um mich zu orientieren, wer wer ist. Doch dann habe ich mir eine Liste gemacht, und fortan konnte ich dem Roman besser folgen. Abgesehen von den vielen Personen, die vorkommen, verstrickt sich die Autorin in viele kleine Erzählungen. Sie fängt mit einer Geschichte an, und kommt dann vom Hölzchen aufs Stöckchen. Manchmal sind es nur Momentaufnahmen eines Augenblicks. Sie wechselt zwischen Raum und Zeit, wie es gerade passt und so ganz nebenbei, so habe ich den Eindruck, flechtet sie Zeitgeschichte mit ein. Zum Beispiel Olympia 1972 oder das Attentat in Utoya 2011. Dass erforder viel Aufmerksamkeit vom Leser. Doch das macht die Geschichte und was dahinter steckt gerade erst einmal spannend. Dieses ganze Geflecht aus Lügen, Intrigen und Geheimnissen machen dieses Buch zu etwas besonderem. Je weiter ich in diese Geschichte eintauche, desto intensiver wird sie.

„Wenn man jederzeit auf unserer Stirne lesen könnte, wo unsere Gedanken sind – kein Mensch möchte mit uns die Gegenwart teilen. (…) Aber bezog sich dieser Satz nicht viel eher auf die Erleichterung darüber, dass Menschen einander eben nicht auf diese Weise ausgeliefert waren? Die totale Transparenz als Schreckensvision, die sich schon beinahe verwirklicht hatte im Zeitalter der Suchmaschinen, die zwar nicht die Gedanken direkt zu lesen vermochten, aber jedes Wort und jeden Mausklick registrierten und auswerteten, die aus den Gedanken der User erwuchsen, während sie sich allein wähnten und unbeobachtet vor dem Bildschirm, der ihnen blitzschnell den Zugang eröffnet zu allem und jedem, der im World Wide Web verfügbar war.““ (Seite 93)

Dieses Buch hat es echt in sich, mit jeder Seite mehr wird es intensiver und lässt nicht mehr los. Mir hat es gefallen, weil es so viele Themen anspricht  … Leidenschaftliche Liebe und Trennung … Krankheit und Tod … Jugend und Aufbruch … die Zeit des Wechsels … Krieg und Gewalt … Vergänglichkeit …

Wer sich also von der Komplexität des Buches und der Familienverhältnisse nicht erschrecken lässt, wird wundervolle Lesestunden haben.

„Was immer du da draußen am Himmel siehst, den Mond oder eine Sternschnuppe, ist in Wirklichkeit schon wieder ein bisschen anders; es ist nicht möglich, die Gegenwart zu sehen; wohin du auch schaust, du siehst immer die Vergangenheit, selbst wenn du auf meinem Schoß sitzt und mir in die Augen schaust; und was du auch hörst – es ist schon vorbei.“ (Seite 114)

 

4 von 5 Sternen

Ich danke dem S. Fischer Verlag für das Leseexemplar.