Eine Mutter-Tochter Geschichte

Ullstein Verlag
Flexibler Einband
368 Seiten
Erscheinungsdatum: 12.01.2018
Preis: 10,00 €
ISBN: 9783548289236

Klappentext
Einen Tag vor ihrem vierzigsten Geburtstag zieht Mona ein unbefriedigtes Resümee. Nichts wollte sie lieber als eine Familie und eigene Kinder. Stattdessen blickt sie zurück auf eine gescheiterte Ehe, hat wechselnde Partner, einen Job, der sie nicht ausfüllt und ein ziemlich kompliziertes Verhältnis zu Hella, ihrer Mutter. Die wollte immer nur schön sein und keine Kinder, trotzdem hat sie welche bekommen.
Am selben Tag beobachtet Mona in einer Drogerie die zwölfjährige Shirin bei einem Diebstahl. Spontan hilft sie ihr aus der Klemme. Irgendetwas an diesem seltsamen und abweisenden Mädchen rührt sie. Vielleicht kann Shirin eine Lücke in ihrem Leben schließen?

∗∗∗∗∗

„Eins war klar: Irgendwann war irgendetwas in ihrer Familie schiefgelaufen. Und wenn man Hella kannte, dann brauchte es nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, was irgendetwas war. Das Hella so war, wie sie war, war für Mona jedenfalls die einzige Erklärung dafür, warum ihr Vater so war, wie er war. Für ihn war es Rache.“ (Seite 77)

In wechselnden Kapiteln, die sich einmal Mona und einmal Hella widmen bekomme ich als Leserin einen Einblick in Monas aber auch in Hellas Leben. Zwei Leben, die scheinbar von Lieblosigkeit geprägt sind.

Mona wächst in einer wohlhabenden Familie auf. Doch der Vater wollte keine Töchter und nachdem der Sohn geboren wurde hat er gar kein Interesse mehr an Mona. Sie hofft auf die Liebe und Fürsorge der Mutter, doch diese ertränkt ihre eigenen Probleme im Alkohol. Auch Monas Versuche den Partner fürs Leben zu finden enden im Chaos.

Hella wächst ebenfalls in einem lieblosen Zuhause auf. Der Vater im Krieg verschollen, die Mutter heiratet wieder und der Stiefvater schlägt sie. Dann flüchtet sie in die Ehe mit Monas Vater. Doch auch diese Ehe ist von Lieblosigkeit geprägt. Alkohol ist der einzige Freund für Hella.

„Aber wie soll man einem Kind helfen, das keine Regeln befolgt, und wie soll ein Kind Regeln befolgen können, wenn ihm gegenüber schon die erste Regel gebrochen wurde? Das größte Versprechen überhaupt. Das Versprechen einer Mutter: Du bist mein Kind, ich liebe dich, und passe auf dich auf!“ (Seite 133)

Mich hat dieser Roman sehr berührt. Alle, wirklich alle Protagonisten sind in meinen Augen traurige Geschöpfe. Diese Geschichte zeigt, wie bestimmte erlernte und erlebte Muster von Generation zu Generation weitergegeben werden. Wie schwer es ist durchlebtes abzustreifen, einen Cut zu machen und neu zu starten bzw. Erlebtes aufzuarbeiten.

Ich bin/ war erschüttert was in dieser Mutter/ Tochter Beziehung bzw. dieser Familie alles schief gelaufen ist. Wie die Wut und Trauer der eigenen Verletzungen die Menschen um einen herum verletzen und vertreiben kann.

Die Autorin schafft es mit dieser Geschichte einen großen Bogen zu spannen. Denn nicht nur Mona schaut auf ihr Leben, sonder auch Hella. Beide müssen feststellen, dass es kein schönes Leben war/ ist. Aber beide erkennen auch, dass es noch nicht zu spät für einen Neuanfang ist. Die Geschichte zeigt, dass es trotz anerzogener und / oder erlebten Muster es immer einen Weg des Durchbruchs gibt. Man muss es nur wollen.

Dieses Buch ist in meinen Augen überwiegend traurig/ melancholisch, aber trotzdem lesenswert. Ich habe es sehr gerne gelesen und gerade das letzte Drittel hat mich mit der gesamten Geschichte versöhnlich gestimmt, denn Mona und auch Hella sind Protagonistinnen, die nicht wirklich liebenswert sind.

Die Macht der Sprache

Hanser Berlin
Fester Einband
160 Seiten
Erscheinungsdatum:
21.08.2017
Preis: 18,00 €
ISBN: 9783446256828

Klappentext
Sie stand unter dem besonderen Schutz ihrer Großmutter Paula. Wenn nachts die Angst kam, kroch sie zu ihr ins Bett. Doch hätte es diese Angst ohne die Großmutter überhaupt gegeben?
Sandra Hoffmanns Memoir Paula liest sich wie ein Familienroman. Mit Aufrichtigkeit und großer Einfühlung erschließt sie das Leben dieser Frau, die ihr erdrückend nahe war und von der sie so wenig weiß. Einer Frau, die einmal glücklich gewesen sein muss, deren junger Bräutigam im Krieg stirbt. Einer Frau, die irgendwann aus Angst und Scham zu schweigen beginnt, nie preisgibt, von welchem Mann das Kind stammt, das sie alleine großzieht, bis der Schutzraum des Schweigens zum Gefängnis wird, in dem Liebe und Empathie verkümmern.

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„Ein Grab ist ein Ort, an dem die Chronologie sich aufhebt. Was heute ist und was gestern war, als jene noch lebte, die darin liegt, wird egal. Jemand liegt darin und ist nahe wie eh. Aber tot. Aus dem Grab heraus kommen keine Antworten. Das Grab spricht nicht.“ (Seite 151)

Die Großmutter ist tot. Was bleibt ist ein Karton mit Bildern und viele offene Fragen. An Hand der Fotos und der Erinnerung versucht die Enkelin Antworten auf Fragen zu finden. Wer ist sie, wer ist ihr Großvater und welches Leben hat ihre Großmutter geführt.

In vielen Rückblicken versucht Sandra Hoffmann das Leben ihrer Großmutter zu rekonstruieren. Obwohl Sandra Hoffmann viel Zeit mit der Großmutter verbracht hat, weiß sie doch sehr wenig von deren Leben. Irgendetwas ist während des Krieges passiert, dass die einstmals fröhliche Paula hat verstummen lassen. Vieles ist nur eine reine Vermutung weniger Wissen, denn die Großmutter hat immer nur geschwiegen, vielleicht mal eine Andeutung gemacht.

Sandra Hoffmann hat aus vielen Bruchstücken versucht ein Bild vom Leben ihrer Großmutter aufzuzeigen. Ein Leben, das vom Krieg und den Geschehnissen geprägt wurde. Paula wird zu einer Frau, die sich und ihre Familie eigentlich durch ihr Schweigen schützen möchte. Sie hat Angst, dass ihre Verletzungen die Verletzungen der Familie werden könnten. Für sie gibt es nicht die Option, dass Gespräche über das Erlebte helfen könnten zu heilen. Somit wird das Trauma der Großmutter zum Trauma der ganzen Familie.

Sie Autorin versucht mit diesem Buch eben dieses Trauma zu durchbrechen. Sie will darüber sprechen/ schreiben. Über all das was geschehen ist. Sie weiß, dass Sprache die Macht haben kann Ängste zu vertreiben.

Als Leserin hat mich dieses Buch an vielen Stellen sehr berührt. Sandra Hoffmann hat eine wundervolle Art zu schreiben. Ihre Worte sind leise, sensibel und einfühlsam, sie gehen unter die Haut und lassen so viele Gefühle zurück … und die Erkenntnis …sprecht miteinander. Immer und überall, egal wie schlimm die Dinge sind/ waren, denn wenn man seine Ängste, Zweifel … in Worte fasst, sind sie nicht mehr die Dämonen die man fürchtet.

„Aber das verschwiegene Leben von Paula ist verschwiegen geblieben, wie ein Virus hat sich das Schweigen in das Leben unserer Familie geschlichen, wie ein Virus, das sich von Mensch zu Mensch und von Generation zu Generation überträgt.“ (Seite 17)

Gewaltig, gefühlvoll und zärtlich … ein literarisches Denkmal

Frankfurter Verlagsanstalt
Fester Einband
699 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.03.2014
Preis: 24,90 €
ISBN: 9783627002039

Klappentext
Sie nennen ihn „Diamanten Eddie“, Juwelen und Pelze sind sein Spezialgebiet. Stets elegant gekleidet, charmant und intelligent, ist Edward Kray gern gesehen an den Spieltischen der Stadt und feiert großzügig jeden gelungenen Coup. Er reist quer durch Europa, nach Frankreich, Belgien, Holland und Griechenland, macht keine Pläne, spart nichts-ein Leben im Jetzt.
Doch in seinen Träumen kehren die dunklen Bilder der Vergangenheit zurück: 1939 verliert der fünfzehnjährige Edward beim ersten Fliegerangriff der Deutschen auf das südostpolnische Zamość seine Familie und gerät in die Hände der Gestapo. Als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt, verbringt er sechs Jahre in Arbeits- und Straflagern und bleibt nach Kriegsende dennoch im Land.
Im zerstörten Deutschland lernt er die lebenshungrige Marianne kennen und wird zwischen den Verheißungen des Wirtschaftswunders, dem Chaos und der Neuordnung der Nachkriegszeit zum erfolgreichen Hehler und Dieb.

∗∗∗∗∗

Erzählt wird das Leben von Eddie in zwei Erzählsträngen. Abwechseln lernt der Leser den Eddie während der Gefangenschaft kennen und den, der im Jetzt lebt. Es wird sehr ausführlich über die Zeit währen des Krieges berichtet. Eine Zeit, in der Eddie mehr als einmal stirbt. Nachdem der Krieg zu Ende ist, bleibt er in dem Land, dessen Menschen ihn so sehr gefoltert haben. Aber sein Lebenswille und sein Lebenshunger sind so groß, dass er versucht zu vergessen. Das gelingt ein wenig, doch irgendwann holt ihn die Vergangenheit ein und er droht daran zu zerbrechen …

Die Lebensgeschichte des Edward Kray hat mich nicht mehr losgelassen. Einmal eingetaucht in diese Welt war ich erschüttert was Edward und Millionen andere Menschen während des Krieges erdulden und erleiden mussten. An vielen Stellen, vor allem denen der Lagerbeschreibungen hatte ich Tränen in den Augen und mich gefragt, wie muss Sabine Kray empfunden haben, als sie von der Lebens- und Leidensgeschichte ihres Großvater erfahren hat?

Dieser Roman ist ein erschütterndes Stück Zeitgeschichte. Ein literarisches Denkmal der Enkelin an ihren Großvater … gewaltig, gefühlvoll und zärtlich …

Danke liebe Sabine Kray, dass ich daran teilhaben konnte … ♥

 

5 von 5 Sternen

… aus „Fieber am Morgen“ von Péter Gárdos

Hoffmann und Campe Fester Einband  256 Seiten Erscheinungsdatum: 23.09.2015 Preis: 22,00 €  ISBN: 9783455405576

Hoffmann und Campe
Fester Einband
256 Seiten
Erscheinungsdatum:
23.09.2015
Preis: 22,00 €
ISBN: 9783455405576

 

 

Kleines Kerlchen, noch weißt du nicht, was die Stirn
unseres Erdteils hat so tief zerfurcht,
für dich hier im Norden war’s nur ein Gestirn
das Flugzeug am Himmel, für uns war’s Furcht.

Miklós Gárdos
An einen schwedischen Jungen

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„>Was ist Ihr Beruf, Miklós?<
>Ich war Journalist. Und Dichter.<
>Ach ein Seeleningenieur. Wie schön.<“ (Seite 13)

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„Auf eine gefrorene Pfütze trat ich,
es knackte das dünngraue Eis,
kommst du meinem Herzen nah: Vorsicht! Du weißt,
kaum berührst du es, schon zerreißt
der schützende Mantel aus Raureif,
der es umgab, kühl, grau und steif.
(…)
Komm nun zu mir, leicht wie eine Feder,
lächelnd und beherzt,
such die Stelle, wo der Schmerz
schon gefroren ist, zu Eis hart wie Erz,
streich darüber mit warmer Hand,
und mein Herz wird wieder sehen Land.“ (Seite 65)

∗∗∗

Ove non sei la luce manca,
Ove tu sei nasce l’amor!

Wo du nicht bist, gibt es kein Licht,
Die Liebe wird geboren, wo du bist! (Seite 127)

∗∗∗

Die Erfahrung des Augenblicks

S. Fischer Fester Einband  272 Seiten Erscheinungsdatum: 21.05.2015  Preis: 21,99 € ISBN: 9783100022639

S. Fischer
Fester Einband
272 Seiten
Erscheinungsdatum: 21.05.2015
Preis: 21,99 €
ISBN: 9783100022639

Rückentext
Wie spät ist es? Es ist der 30. Dezember 2013. Draußen liegt Schnee. Drinnen bereitet der 87-jährige Jacques wie jeden Tag das Mittagessen für sich und seine Frau Friederike vor. Neun Jahre lang lebte er zwischendurch mit Helena zusammen, seiner Jugendliebe; dann kehrte er in seine Ehe zurück. Jacques und Friederike, Hanna und ihr Mann Emil sind untrennbar miteinander verbunden durch den Pakt des Schweigens, den sie Mitter der Sechzigerjahre geschlossen haben. Auch im Leben ihrer Kinder und Enkel gibt es immer wieder Abschiede und Aufbrüche; Katrin und Iris sind längst erwachsen, aber weiterhin geprägt von dem, was sie als Kinder erfahren und wahrgenommen haben.

∗∗∗∗∗

„Die Zeit verwandelt uns nicht. Sie entfaltet uns nur. Indem man es nicht verschweigt, sondern aufschreibt, bekennt man sich zu seinem Denken, das bestenfalls für den Augenblick und den Standort stimmt, da es sich erzeugt. Man rechnet nicht mit der Hoffnung, daß man übermorgen, wenn man das Gegenteil denkt klüger sei. (…) Wir können nur, indem wir den Zickzack unserer jeweiligen Gedanken bezeugen und sichtbar machen, unser Wesen kennenlernen, seine Wirrnis oder seine heimliche Einheit, sein Unentrinnbares, seine Wahrheit, die wir unmittelbar nicht aussagen können, nicht von einem einzelnen Augenblick aus-
Max Frisch, Tagebuch 1946-1949

Jacques und Friederike sind vor kurzem in ein Pflegeheim gezogen. Es war ihnen nicht mehr möglich in ihrem Haus zu leben. Friederike ist dies leichter gefallen, denn es hat den Anschein, dass sie mit dem „Verlust“ besser zurecht kommt, da sie schon so viel verloren hat … ihre Stimme, ihre Freude … Die beiden haben drei Kinder miteinander. Katrin und zwei Jungen. Schon im Alter von vier hat Katrin ihre Mutter oft gefragt, warum der Vater so selten zu Hause sei. Doch die Mutter schwieg. Denn Friederike und Jacques hatten einen Pakt mit Hanna und ihrem Mann Emil. Neun Jahre lang hatten Jacques und Hanna eine Affäre. Sie trafen sich regelmäßig Montags um 18 Uhr. Aus dieser Affäre entstammen zwei weiter Kinder … Miriam und Iris. Aus diesem „Pakt des lebenslangen Schweigens zum Schutze der Kinder“ entspinnt sich ein Geflecht aus Lug und Betrug. Trotz des Paktes erfahren die Kinder im Erwachsenenalter voneinander.

„Es ist nicht möglich, das eigene Leben von seinem Ende her zu denken, solange man mitten drin steht, und es ist nicht möglich, das Leben eines Toten nicht a u c h von seinem Ende her zu denken; sein Tod als Punkt im Koordinatensystem von Raum und Zeit, den die Überlebenden ins Visier nehmen, um auf sein Leben zurückzuschauen, es nachträglich in Besitz zu nehmen, als hätte e ihnen schon immer gehört, von Anfang an.“ (Seite 55)

Ich muss zugeben, die Komplexität der Familienverhältnisse hat mich auf den ersten Seiten ziemlich beansprucht, dass ich kaum den Inhalt verarbeiten konnte. Immer und immer wieder musste ich zurück blättern, um mich zu orientieren, wer wer ist. Doch dann habe ich mir eine Liste gemacht, und fortan konnte ich dem Roman besser folgen. Abgesehen von den vielen Personen, die vorkommen, verstrickt sich die Autorin in viele kleine Erzählungen. Sie fängt mit einer Geschichte an, und kommt dann vom Hölzchen aufs Stöckchen. Manchmal sind es nur Momentaufnahmen eines Augenblicks. Sie wechselt zwischen Raum und Zeit, wie es gerade passt und so ganz nebenbei, so habe ich den Eindruck, flechtet sie Zeitgeschichte mit ein. Zum Beispiel Olympia 1972 oder das Attentat in Utoya 2011. Dass erforder viel Aufmerksamkeit vom Leser. Doch das macht die Geschichte und was dahinter steckt gerade erst einmal spannend. Dieses ganze Geflecht aus Lügen, Intrigen und Geheimnissen machen dieses Buch zu etwas besonderem. Je weiter ich in diese Geschichte eintauche, desto intensiver wird sie.

„Wenn man jederzeit auf unserer Stirne lesen könnte, wo unsere Gedanken sind – kein Mensch möchte mit uns die Gegenwart teilen. (…) Aber bezog sich dieser Satz nicht viel eher auf die Erleichterung darüber, dass Menschen einander eben nicht auf diese Weise ausgeliefert waren? Die totale Transparenz als Schreckensvision, die sich schon beinahe verwirklicht hatte im Zeitalter der Suchmaschinen, die zwar nicht die Gedanken direkt zu lesen vermochten, aber jedes Wort und jeden Mausklick registrierten und auswerteten, die aus den Gedanken der User erwuchsen, während sie sich allein wähnten und unbeobachtet vor dem Bildschirm, der ihnen blitzschnell den Zugang eröffnet zu allem und jedem, der im World Wide Web verfügbar war.““ (Seite 93)

Dieses Buch hat es echt in sich, mit jeder Seite mehr wird es intensiver und lässt nicht mehr los. Mir hat es gefallen, weil es so viele Themen anspricht  … Leidenschaftliche Liebe und Trennung … Krankheit und Tod … Jugend und Aufbruch … die Zeit des Wechsels … Krieg und Gewalt … Vergänglichkeit …

Wer sich also von der Komplexität des Buches und der Familienverhältnisse nicht erschrecken lässt, wird wundervolle Lesestunden haben.

„Was immer du da draußen am Himmel siehst, den Mond oder eine Sternschnuppe, ist in Wirklichkeit schon wieder ein bisschen anders; es ist nicht möglich, die Gegenwart zu sehen; wohin du auch schaust, du siehst immer die Vergangenheit, selbst wenn du auf meinem Schoß sitzt und mir in die Augen schaust; und was du auch hörst – es ist schon vorbei.“ (Seite 114)

 

4 von 5 Sternen

Ich danke dem S. Fischer Verlag für das Leseexemplar.

Gewaltig, gefühlvoll und zärtlich … ein literarisches Denkmal

Frankfurter Verlagsanstalt Fester Einband 698 Seiten Erscheinungsdatum : 01.03.2014  Preis: 24,90 € ISBN: 9783627002039

Frankfurter Verlagsanstalt
Fester Einband
698 Seiten
Erscheinungsdatum : 01.03.2014
Preis: 24,90 €
ISBN: 9783627002039

Klappentext
Sie nennen ihn „Diamanten Eddie“, Juwelen und Pelze sind sein Spezialgebiet. Stets elegant gekleidet, charmant und intelligent, ist Edward Kray gern gesehen an den Spieltischen der Stadt und feiert großzügig jeden gelungenen Coup. Er reist quer durch Europa, nach Frankreich, Belgien, Holland und Griechenland, macht keine Pläne, spart nichts-ein Leben im Jetzt.
Doch in seinen Träumen kehren die dunklen Bilder der Vergangenheit zurück: 1939 verliert der fünfzehnjährige Edward beim ersten Fliegerangriff der Deutschen auf das südostpolnische Zamość seine Familie und gerät in die Hände der Gestapo. Als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt, verbringt er sechs Jahre in Arbeits- und Straflagern und bleibt nach Kriegsende dennoch im Land.
Im zerstörten Deutschland lernt er die lebenshungrige Marianne kennen und wird zwischen den Verheißungen des Wirtschaftswunders, dem Chaos und der Neuordnung der Nachkriegszeit zum erfolgreichen Hehler und Dieb.

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Erzählt wird das Leben von Eddie in zwei Erzählsträngen. Abwechseln lernt der Leser den Eddie während der Gefangenschaft kennen und den, der im Jetzt lebt. Es wird sehr ausführlich über die Zeit währen des Krieges berichtet. Eine Zeit, in der Eddie mehr als einmal stirbt. Nachdem der Krieg zu Ende ist, bleibt er in dem Land, dessen Menschen ihn so sehr gefoltert haben. Aber sein Lebenswille und sein Lebenshunger sind so groß, dass er versucht zu vergessen. Das gelingt ein wenig, doch irgendwann holt ihn die Vergangenheit ein und er droht daran zu zerbrechen …

Die Lebensgeschichte des Edward Kray hat mich nicht mehr losgelassen. Einmal eingetaucht in diese Welt war ich erschüttert was Edward und Millionen andere Menschen während des Krieges erdulden und erleiden mussten. An vielen Stellen, vor allem denen der Lagerbeschreibungen hatte ich Tränen in den Augen und mich gefragt, wie muss Sabine Kray empfunden haben, als sie von der Lebens- und Leidensgeschichte ihres Großvater erfahren hat?

Dieser Roman ist ein erschütterndes Stück Zeitgeschichte. Ein literarisches Denkmal der Enkelin an ihren Großvater … gewaltig, gefühlvoll und zärtlich …

Danke liebe Sabine Kray, dass ich daran teilhaben konnte … ♥

 

5 von 5 Sternen