„Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ von Alena Schröder

DTV Verlag, Fester Einband, 368 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783423282734, Hier kaufen

Rückentext

In Berlin tobt das Leben, nur die 27-jährige Hannah spürt, dass ihres noch nicht angefangen hat. Ihre Großmutter Evelyn hingegen kann nach beinahe hundert Jahren das Ende kaum erwarten. Ein Brief aus Israel verändert alles. Darin wird Evelyn als Erbin eines geraubten und verschollenen Kunstvermögens ausgewiesen. Warum weiß Hannah nichts von der jüdischen Familie? Und weshalb weigert Evelyn sich so beharrlich, über die Vergangenheit und besonders über ihre Mutter zu sprechen? Die Spur der Bilder führt zurück in die 20er Jahre, zu einem eigensinnigen Mädchen namens Senta …

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Eine alte Dame sitzt in ihrer Wohnresidenz und wartet mehr oder weniger auf den Tod. Sie hat ihr Leben gelebt und alles war gut. Jetzt sitzt sie hier tagein, tagaus und das einzig was noch erhellend in ihrer Einsamkeit ist, sind die Besuche ihrer Enkelin. Als Hannah eines Tages sie wieder einmal wie gewohnt besucht, findet diese einen Brief. In diesem Brief geht es um ein Kunstvermögen, auf welches Evelyn wohl Anspruch hat. Doch sie will nichts damit zu tun haben. Neugierig wie Hannah ist, setzt sie sich mit dem Absender in Verbindung und ahnt nicht, was sie erfahren wird … über ihre Großmutter, Mutter und sich selbst …

„Ihre Urgroßmutter Senta Goldmann war verheiratet mit einem Herrn Julius Goldmann. Der Vater von Herrn Goldmann wiederum, also der Schwiegervater ihrer Frau Urgroßmutter, hatte einen Kunsthandel, hier in Berlin, am Lützowerplatz. Der Lützowerplatz war in den Zwanzigerjahren ein wichtiger Ort für die Kunst, dort gab es mehrere Galerien und Kunsthandlungen, sehr spannend das alles, Sie sollten sich ein bisschen einlesen in dieses Thema (…).“ (Seite 85)

Dieses Debüt von Alene Schröder ist zur Zeit in aller Munde. Zu Recht! Diese Geschichte hat einfach alles, um an einem verregnetem Wochenende die Seele baumeln zu lassen.

Durch die zwei Erzählstränge ist die Geschichte um Evelyn in der Vergangenheit und der Jetztzeit sehr spannend aufgebaut. Man möchte immer gerade da weiterlesen, wo man unterbrochen wird.

Im großen Ganzen geht es um zwei Themen … junge Mütter, die zu früh Mutterwurden und es schwer haben ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Und dann geht es um die Beschlagnahmung und Raub von Kunstgegenständen, die Juden gehörten, und um die Rückführung dieser an die heutigen Erben.

„Er hatte es kommen sehen. Menschen, die sein Vater für Freunde hielt, wenigstens für anständige Menschen mit Rückgrat und Manieren, wieselten aus seinem Leben, jetzt, da es nicht mehr opportun schien, mit >Leuten wie ihnen< zu verkehren.“ (Seite 180)

 Ich habe dieses Buch inhaliert, soll heißen an einem Tag am Wochenende weggelesen. Alina Schröder schreibt mit leichter Hand einen fesselnden Roman, den ich nicht eher weg legen konnte, bis ich wusste wie es für alle Protagonisten ausgeht. Dabei sind ihr die einzelnen Charaktere sehr gelungen und es macht einfach Spaß der Geschichte zu folgen.

Also … hopp … hopp, ab in die Buchhandlung und diesen tollen Roman für das nächste verregnete Wochenende auf dem Sofa holen, oder für den nächsten sonnigen Sonntag auf der Terrasse.  

Ein Hund oder ein Wolf?

Diogenes Fester Einband 288 Seiten Erscheinungsdatum: 01.02.2013  Preis: 21,90 € ISBN: 9783257068504

Diogenes
Fester Einband
288 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.02.2013
Preis: 21,90 €
ISBN: 9783257068504

Klappentext
Lorenz Brauer ist der neue Star der internationalen Kunstszene. Doch kaum einer ahnt, dass hinter seinem kometenhaften Aufstieg nicht nur Talent, sondern der raffinierte Plan zweier einflussreicher Frauen steckt.
Karl Brauer, Lorenz‘ jüngerer Bruder, weiß das natürlich. Und auch, dass die verrätselten Bilder des aufstrebenden Malers ihren Ursprung in der Kindheit haben – in der Zeit, als Lorenz und Karl gerade ihre Mutter verloren hatten und Elsa in ihr Leben trat. Elsa mit den Streichholzarmen, dem rotzfrechen Mundwerk, den extravaganten Kleidern. Das Mädchen, an das einer der Brüder sein Herz verlor und der andere seine Illusion. Das Mädchen, das keiner von beiden vergessen kann.

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Dies ist auch wieder eines der Bücher, das die Leser spaltet. Daher bin ich irgendwie auch nicht verwundert, dass es mir sehr gut gefallen hat. Ein Buch, das die Geschmäcker so trennt ist eben anders als andre. Und so auch dieses Buch.

Allein wie skurril dieses Buch schon anfängt:
„Mit sechzehn hatte Hanna Stimmen gehört. Mit siebzehn durfte sie die Psychiatrie wieder verlassen und mit achtzehn auch die Neuroleptika absetzen. Übrig blieb eine grüne Mütze, die ein Arzt ihr geschenkt hatte. Auch noch zwölf Jahre später thronte sie Sommer wie Winter auf Hannas Haupt. Ein Talisman.
Vor elf Tagen verschwand die grüne Mütze und Hanna Brauer, geborene van Dohl, zog sich eine rosa Unterhose über den Kopf und sprang vom Balkon.“ (Seite 7)

Ein Anfang, der mich ein wenig irritiert hat. Doch schnell wird klar, wie sehr Hanna Brauer durch ihr Handeln im Leben, das Leben ihrer Kinder Lorenz und Karl geprägt hat. Zwei Jungen die eine ganz besondere Form der Geschwisterliebe zusammen schweißt. Erst als die etwas sehr eigenwillige Elsa in ihr Leben tritt, gibt es das erste Mal so etwas wie Rivalität zwischen den Jungen. Elsa spielt die beiden aber auch sehr geschickt gegeneinander aus. Sie ist genau so „verrückt“ und „skurril“ wie Hanna, die Mutter der beiden.

Ich habe dieses Buch verschlungen. Diese Spielchen die alle miteinander und gegeneinander spielen … einfach phantastisch. Astrid Rosenfeld versteht es mit Sprache zu fesseln. Dabei liest man trotz allem Drama auch immer ein bisschen Humor zwischen den Zeilen und bringt der Geschichte etwas Leichtes.
Ein phantastisches Buch über die Liebe zwischen zwei Brüdern, ihre Liebe zur Kunst und zu Elsa. Über den Missbrauch von Macht und Liebe … ♥

5 von 5 Sternen