Ein Ehedrama

DVA
Fester Einband
150 Seiten
Erscheinungsdatum:
12.03.2018
Preis: 18,00 Euro
ISBN: 9783421048073

Klappentext
Vanda und Aldo können auf ein langes gemeinsames Leben zurückblicken, auch wenn sie nicht immer glücklich waren. Wie bei vielen Paaren erstickte auch ihre Beziehung irgendwann in Routinen. Als Aldo dann die jüngere Lidia kennenlernt, scheint die Ehe endgültig zerbrochen. Doch die neue Liebe kann die Bande, die die Kinder geknüpft haben, nicht lösen, und so kehrt Aldo nach Hause zurück. Inzwischen sind seit dem Bruch Jahrzehnte vergangen, und die Wunden der einstigen Verletzungen scheinen geheilt – bis zu jenem Tag, als die alte Narbe plötzlich schmerzhaft aufbricht …

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„Weil es für mich einfach unvorstellbar war, dass dir eine andere gefällt. Habe ich dir einmal gefallen, werde ich dir immer gefallen, davon war ich aufrichtig überzeugt. Ich war der festen Meinung, dass sich wahre Gefühle nicht ändern – erst recht nicht, wenn man verheiratet ist.“ (Seite 12)

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil kommt Vanda zu Wort. Sie schreibt und fragt in Briefen Aldo, warum er sie verlassen hat. Verlassen nach zwölf gemeinsamen Jahren wegen einer jüngeren Frau. Natürlich typisch Frau sucht sie die Fehler bei sich. Denkt und hinterfragt sich und ihr Leben. In ihrer sich steigernden Wut bezichtigt sie Aldo letztendlich als einen Versager, der nie an die Familie dachte sonder nur an sich und sein Vergnügen.

„Vielleicht war das ja mein Fehler, und ich musste mich neu erfinden, mehr sein als nur eine gute Ehefrau und vorbildliche Mutter.“ (Seite 12)

Im zweiten Teil kommt dann Aldo zu Wort. Allerdings sind mittlerweile vierzig Jahre ins Land gezogen und Aldo ist zu Vanda zurück gekehrt. Wenn man es denn so nennen kann. Denn eigentlich ist es so, das Lidia seine junge Geliebte ihn verlassen hat. Aldo hatte Vanda damals verlassen, weil er die Intuition Ehe für altmodisch erachtete. Er fand die freie Liebe á la 68ziger faszinierender und zeitgemäßer. In Rückblicken erfahre ich als Leserin wie sehr Aldo Lidia vermisst und eigentlich mit ihr zusammen sein möchte, und nicht mit der Despotin Vanda.

„Das sich die Intuition der Ehe in einer Krise befand, dass die >Familie< dem Untergang geweiht war und Treue bloß was für Spießer, war ihr egal.“ (Seite 73)

Im dritten und letzten Teil kommen die beiden Kinder zu Wort. Die sind mittlerweile erwachsen und haben das Scheitern der Ehe hautnah mitbekommen. Und sie hassen ihre Eltern dafür was sie sich selbst und den Kindern angetan haben. Es kommt zu einem großen Showdown in der Wohnung der Eltern, die die Kinder komplett verwüsten. Sie lassen ihrer Wut freien Lauf.

„>Sich verlieben< klang damals fast schon lächerlich, nach einem Überbleibsel aus dem neunzehnten Jahrhundert, und stand für die gefährliche Neigung, aneinander zu kleben.“ (Seite 76)

Mich hat dieses kleine Buch sehr berührt und erschüttert. Ich habe oft nicht verstanden, wieso Aldo und auch Vanda versuchen an etwas festzuhalten, was nicht mehr funktioniert. Mal ganz davon abgesehen ob die Intuition Ehe noch zeitgemäß ist oder nicht. Aldo wollte ein „modernes offenes Liebesleben/ Leben“, Vanda ein klassische „Vater-Mutter-Kind“ Konstellation. Aber anstatt sich darüber auszutauschen … zu sprechen, verletzten sie sich in ihrem Handeln, ohne zu bemerken wie sie auch die Kinder verletzten. Letztendlich gibt es keine Familie mehr, sondern nur noch Menschen, die verletzte wurden und mit ihren Verletzung vollkommen allein dastehen. Die Verletzungen der Kinder eskaliert letztendlich in der Zerstörung der elterlichen Wohnung. Und diese Wut der Kinder auf die Eltern hat mich richtig erschüttert.

Ein Buch das nachwirkt und Fragen offen lässt … ist eine „Ehe“ immer schützenswert, nur um der Ehe willen? Wäre es nicht besser sich einvernehmlich zu trennen um der Kinder willen?

Eine kleine Zusatzinfo noch am Ende dieser Rezension zum Autor:
Domenico Starnone ist der Ehemann der Autorin Anita Raja, von der wir wissen, dass sie unter dem Pseudonym Elena Ferrante erfolgreich veröffentlicht hat.

Leben und Leiden der Siebenbürgen

 

Pendo Gebundene Ausgabe 480 Seiten Erscheinungsdatum: 15.09.2014 Preis: 19,99 € ISBN: 9783866123748

Pendo
Fester Einband
480 Seiten
Erscheinungsdatum: 15.09.2014
Preis: 19,99 €
ISBN: 9783866123748

Klappentext
Frieda Telling ist solide verheiratet, Mutter einer erwachsenen Tochter und mit 49 Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als Astronomin. Ihre Leidenschaft gilt der Suche nach einer zweiten Erde. Doch am Tag der Verlobung ihrer Tochter ändert sich alles, denn Aline läuft vor ein Auto und fällt ins Koma. Offenbar hat das Geschenk von Friedas Mutter Aline völlig verstört: ein zerrissenes rotes Halstuch. Kann ein Stück Stoff so viel Macht haben? Gab es eine geheime Liebe im Leben von Friedas Mutter? Friedas Suche nach der anderen Hälfte des Halstuchs und seinem Besitzer führt sie in die Vergangenheit und schließlich nach Siebenbürgen. Doch die Spur verliert sich im Jahr 1948 in einem sowjetischen Gefangenlager. Und der Mann, der Frieda helfen kann, berührt sie vielmehr, als ihr lieb ist.

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Zuerst möchte ich etwas zur Gestaltung des Buches sagen. Leider sieht man heute nur noch sehr wenig schön gestaltete Bücher. Dieses Buch macht eine Ausnahme. Die wunderschönen Mohnblumen, die man auf dem Cover hinten und vorne sehen kann, sind auch im inneren des Buches wiederzufinden. Jeweils auf den ersten beiden Seiten und den letzten beiden Seiten. Das macht das Buch schon zu etwas besonderem. Hinzu kommt, dass zu Beginn jeden Kapitels eine Mohnblume gezeichnet ist. Mir gefällt das ausgesprochen gut, macht das ganze Buch zu etwas besonderem. Und nicht zu vergessen das Lesebändchen. Wenn die Verlage nur wüssten wie glücklich sie Leser machen, wenn ihre Bücher Lesebändchen haben …

Henny lebt in einem Pflegeheim weil sie Dement ist und sie immer mehr in ihre eigene Welt abdriftet. Sie ist aber gerade in letzter Zeit sehr unruhig, hat sie doch bemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Aline bekommt von Henny zur Verlobung eine kleine Kiste mit einem roten Halstuch. Als Aline dies sieht ist sie entsetzt. Doch bevor sie klärende Fragen stellen kann, verunglückt sie und fällt ins Koma. Frieda steht vor einem Rätsel. Was ist mit Henny los und warum war Aline so entsetzt? Sie macht sich auf die Such nach der Lösung und kommt dabei an ihre eigenen Grenzen. Sie als absolute Realistin glaubt nicht an Liebe und Schicksal, muss sich aber doch eines anderen belehren lassen. Je tiefer sie in die Vergangenheit reist, desto mehr muss sie auf sich und ihr Bauchgefühl hören. Und am Ende ist alles ganz anders …

Die Geschichte hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen. Allein der Prolog um Henny (Friedas Mutter und Alines Großmutter) hat mich dermaßen neugierig gemacht, dass ich dieses Buch kaum beiseitelegen konnte. Dieser Roman ist sehr vielschichtig. Es geht um die Liebe zwischen einem Romantiker und einer Realistin, um Vergangenheit und Gegenwart, um Glück und Schicksal … doch der Focus des Romans liegt in der Geschichte der „Siebenbürgen“ … ihr Leben und Leiden in Rumänien und dann später in Deutschland.

4 von 5 Sternen