Rückblick & Einblick … März und April 2020

Hallo Ihr Lieben,

die letzten zwei Monate waren echt chaotisch und anstrengend. Langsam kehrt eine gewisse „Normalität“ wieder ein, aber es wird noch dauern bis alles wieder rund läuft. Viel gelesen habe ich wenig, bzw. viel angefangen und viel auch wieder abgebrochen, weil mein Kopf einfach nicht aufnahmefähig war. Einige Bücher werde zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal lesen.

∗∗∗

Rückblick

Angefangen und abgebrochen habe ich „Elijas Lied“ von Amanda Lasker Berlin  und „PAUL“ von Juliane Baldy, beide aus der Frankfurter Verlagsanstalt. In dem ersten Buch geht es um drei Schwestern, die sich auf einer Wanderung durchs Moor befinden. Dabei erfahre ich einiges aus dem Leben der drei, die sehr unterschiedlich sind. Während dieser Wanderung tun sich Abgründe auf, die keine von der anderen erahnt hätte. Mir war das im März zu anstrengend, deshalb habe ich abgebrochen. In „PAUL“ kam ich mit der Sprache nicht zurecht, denn in diesem Buch geht es um einen Jungen und seine erste große Liebe, Das Buch ist in der Sprache der heutigen Jugend geschrieben, Das war mir too much. Deshalb der Abbruch, Die Thematik hat mir allerdings gefallen. Deshalb werde ich beide Bücher noch einmal lesen.

Ebenfalls abgebrochen, und das hat mir wirklich furchtbar leid getan, da ich die Bücher der Autorin sehr mag, ist „Die Königin von Berlin“ von Charlotte Roth aus dem Droemer Knaur Verlag. Erzählt wird die Geschichte der jungen Schauspielerin Carola Neher, die die Muse von Brecht war und die Ehefrau von Klabund. Was mir gut gefallen hat, war der Aufbau als Theaterstück. Die Gedichte und Zitate zu jedem neuen Akt. Doch leider wurde ich mit der Protagonistin nicht warm und auch die anderen (Brecht, Klabund) blieben farblos. An vielen Stellen war mir das alles zu langatmig. Nach der Hälfte hab ich dann quer gelesen und dann schließlich abgebrochen. SORRY liebe Charlotte. Deine anderen Bücher habe ich sehr geliebt. ♥

„Zwei und Zwei“ von Tessa Headly aus dem Kampa Verlag habe ich zu ende gelesen, doch auch dieses Buch konnte mich nicht wirklich überzeugen. Die Geschichte zweier Familien, die seit der Studentenzeit befreundet sind. Erst waren beide Frauen mit dem Partner der anderen liiert. Doch dann haben sie bemerkt, dass es nicht passt und sie haben die Partner getauscht. Natürlich nicht so wie ich es jetzt schreibe, sondern es lagen ein paar Jahre zwischen diesen Wandlungen. Nun ist der Mann der einen gestorben. Alle trauern, nur die Witwe nicht wirklich. Die hat gemerkt, das sie hätte doch besser den Mann ihrer Freundin heiraten sollen, so wie es in der Studentenzeit war. Der Mann der Freundin lässt sich auf eine  Affäre mit der Witwe ein, die Ehefrau bekommt das raus und schon ist das Drama da. So ungefähr. Das war mir irgendwie auch alles ein bisschen viel und kreuz und quer und überhaupt. Ich habe es zu ende gelesen, weil ich wissen wollte wie es ausgehen mag, mit den dreien. Und  das Ende hat mich dann ein klitzekleinwenig versöhnlich gestimmt.

Die nächsten drei Bücher habe ich wirklich sehr gerne gelesen und auch mit Freude. Das erste ist „Dankbarkeiten“ von Delphine de Vigan aus dem Dumont Verlag. Ein etwas melancholisches Buch, doch ein Buch, aus dem man ganz viel mitnimmt … nämlich Dankbarkeit für das was man hat … erleben durfte und darf.

Die Optimisten“ von Rebecca Makkai aus dem Eisele Verlag haben mich echt umgehauen. Ihr wisst, ich mag nicht wirklich dicke Bücher, aber hier ist jede Seite einfach´ch großartig. Es geht um das Thema Aids in den 80zigern, dem Ausbruch des Virus und was es in der Homosexuellen Szene auslöste, sowie um die Kunst, die in dieser Zeit entstanden ist. Die Kunstszene in den 80zigern war etwas außergewöhnliches. Ich habe dieses Buch über Ostern verschlungen und war echt traurig, als es zu Ende war.

Das letzte gelesene Buch im April war „Der Sommer in dem Einstein verschwand“ von Marie Hermanson aus dem Insel Verlag. Es beschreibt den Sommer 1923 in Göteborg. Zum 300. Gründungsjubiläum findet eine Ausstellung statt, auf der Einstein seine Nobelpreisrede halten soll. Doch er verschwindet. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die biografischen Elemente gepaart mit den fiktiven Elementen. Ich habe einiges über Einstein erfahren, was ich so gar nicht wusste. Und das Verschwinden gibt dem Roman einen kleinen Krimitouch.

∗∗∗

Einblick

Seit dem 16. März 2020 befinden wir uns im sogenannten Lockdown. In den ersten Tagen war noch gar nicht wirklich klar, was darf ich und was nicht. Bis Mittwoch 18.03.2020 habe ich die Buchhandlung noch ganz normal geöffnet, da mir auch das Ordnungsamt nicht sagen konnte wie es weiter geht. Am besagten Mittwoch standen dann die Herren vom Ordnungsamt im Laden und teilten mir mit, dass ich sofort die Buchhandlung schließen müsse. Es durfte sich kein Kunde mehr im Laden aufhalten. Wir haben dann gemeinsam geschaut wie ich weiterhin tätig sein könnte. Wir einigten uns dann darauf, dass ich per Telefon und Mail Bestellungen entgegen nehmen darf, und die bestellte Ware dann soweit es geht kontaktlos an der Seite raus geben darf. An diesem Mittwoch ist für mich erst einmal die Welt zusammen gebrochen. Ich hatte keine Ahnung wie ich das alles managen sollte. Wie mache ich die Kunden darauf Aufmerksam. Was muss ich alles beachten. Ich bin dann an diesem Tag noch bis 18 Uhr in der Buchhandlung geblieben, weil ich wusste, dass einige noch ihre Bücher abholen wollten.

Am nächsten Tag bin ich um 10.00 Uhr wieder in der Buchhandlung gewesen. Hab Kisten ausgepackt und überlegt, wie es weiter gehen kann. Ich war immer noch ein wenig planlos. Nach Rücksprache mit meiner Mitarbeiterin haben wir dann beschlossen am Freitag den 20.03.2020 die Schaufenster zu dekorieren und alle Tische ans Fenster zu stellen und mit Büchern zu bestücken. Zeitgleich haben wir Zettel geschrieben und ins Fenster gestellt wie und wann wir erreichbar sind. Das alles haben wir dann auch auf Instagram und Facebook geteilt. Und dann hieß es abwarten. Werden die Kunden sehen, dass wir immer noch für sie da sind? Werden sie anrufen und bestellen?

Und dann passierte das Unglaubliche … es riefen so viele Menschen an, ich bekam Unmengen von eMails, in denen ich gefragt wurde, wie man mir und dem Büchergarten helfen könne. Ich bekam mutmachende und tröstende Mails, und ich bekam Bestellungen. Täglich war ich von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr im Büchergarten um Bücher raus zu geben. Wenn ich ging stellte ich das Telefon um, um Bestellungen zu Hause anzunehmen und zu bearbeiten. Ich habe teilweise bis Abends um 21.00 Uhr noch Bestellungen bearbeitet und morgen um 7.00 Uhr saß ich schon wieder am Rechner um die eingegangenen Mails zu bearbeiten. Es war eine sehr anstrengende und intensive Zeit, aber die Solidarität in unserem „kleinen“ Ruppichteroth war/ ist einfach unglaublich!

Nun hat der Büchergarten seit dem 20.04.2020 wieder geöffnet und es bleibt weiterhin einfach unglaublich. An den ersten beiden Tagen habe die Menschen Nachmittags Schlange vor dem Büchergarten gestanden. Zwei Kunden dürfen zeitgleich in die Buchhandlung. Mittlerweile hat es sich etwas „normalisiert“, aber was ist in dieser Zeit schon normal. Viele Kunden freuen sich mit mir, dass wir wieder geöffnet haben, dass der Büchergarten noch da ist und hoffentlich auch bleibt. Das wünsche ich mir auch. Sehr!

Wenn alles gut geht, werden wir im September den 5. Geburtstag des Büchergarten feiern. Und glaubt mir, es wird (wenn wir dürfen) eine mega Sause geben.

Bis dahin passt auf Euch auf und bleibt gesund

Eure Angelika ♥

 

As soon as possible

Paul Zsolnay Verlag
Fester Einband
144 Seiten
Erscheinungsdatum:
14.05.2018
ISBN: 9783552063631
Preis: 16,00 Euro

Klappentext
Es ist ein ziemlich übler Tag im Leben von Anton, der jahraus, jahrein Schulkinder und andere Passagiere aus den Dörfern in die Stadt und wieder zurück bringt. Vor kurzem hat er sich verliebt: in Doris, seine Nachbarin. Doch letzte Nacht hat er auf ihrem Balkon einen Mann husten gehört. Dann steigt auch noch die krebskranke Carla in den Bus, die ein letztes Mal das Meer sehen möchte, und zwar: jetzt sofort. Es ist heiß, und die Gedanken rasen in Antons Kopf. Mut gehört nicht zu seinen Stärken, aber hatte Doris nicht gesagt, dass sie Männer mag, die sich etwas trauen? Wenig später hören die Fahrgäste im Linienbus eine Durchsage: „Wir fahren ans Meer.“

∗∗∗∗∗

“ (…), hatte Anton gerne alles unter Kontrolle. Beim Versuch, Schlaf zu finden, wirkte sich das allerdings nicht wahnsinnig positiv aus, denn das Wesen des Einschlafens ist Kontrollverlust. Man muss sich „Gehenlassen“ und „müssen“, das passt nicht zusammen.“ (Seite 17)

Busfahrer zu werden war Antons Kindheitstraum. Doch die Realität hat ihn eingeholt und er muss feststellen, dass ihn dieser Job nicht erfüllt. Er ist sich seiner Verantwortung bewusst und so fährt er tagaus und tagein die Menschen vom Dorf in die Stadt. Er kennt seine „Pappenheimer“. Als nun eines Tages Carla, eine „Stammkundin“ die schwer krebskrank ist, ihn bittet sie ein letztes Mal ans Meer zu fahren, kommt Anton in eine Zwickmühle. Er kann doch nicht mit dem Bus von seiner täglichen Route abschweifen. Was wird sein Chef sagen? Und die anderen Fahrgäste? Anton beschließt einmal im Leben etwas Verrücktest zu machen, koste es was es wolle und wenn’s auch der Job ist. Eine abenteuerliche Fahrt ans Meer beginnt …

„“Zeitnah“, über das Wort hatte Anton schon öfter nachgedacht. Ist denn Zeit nicht immer nah? Ist sie nicht sogar so nah, dass sie schon wieder vorbei ist, wenn man gerade bei ihr ankommt?“ (Seite 23)

Ich hab schon einige Bücher von René Freund gelesen. Und auch dieses Buch hat mich wieder begeistert. Freund zeichnet seine Protagonisten mit so viel Wärme und Herzensgüte, dass man ihnen fast alles durchgehen lässt. Beim Lesen konnte ich Antons Zerrissenheit förmlich spüren. Als überrkorrekter Mensch soll er plötzlich „Regeln“ brechen, und dass ihm das nicht leicht fällt ist irgendwie nachvollziehbar. Doch Carla ihren letzten Wunsch zu erfüllen ist ihm letztendlich wichtiger als alles andere.

Mut zu zeigen, sich für andere einzusetzen wenn es nötig ist, auch über die eigenen Bedürfnisse hinaus, seinen Weg zu gehen und sich nicht immer alles gefallen lassen … das sind die Parameter in diesem Buch.

Auch wenn es jetzt auf den ersten Blick so aussieht …. dieses Buch ist keines von den „kitschigen alles ist schön Bücher“. Allein durch die zum Teil philosophischen Ansätze ist es ein MutMachBuch, eine TrostBuch, ein GuteLauneBuch … ein Buch für alle, die einmal etwas in ihrem Leben wagen möchten …

Unbedingt lesen!!!

Eine Hommage an das Leben

Hoffmann und Campe Fester Einband 256 Seiten Erscheinungsdatum: 23.09.2015 Preis: 22,00 € ISBN: 9783455405576

Hoffmann und Campe
Fester Einband
256 Seiten
Erscheinungsdatum:
23.09.2015
Preis: 22,00 €
ISBN: 9783455405576

Rückentext
Sommer 1945. Der junge Ungar Miklós hat das Konzentrationslager überlebt und es nach Schweden geschafft, wo die Ärzte ihm nur sechs Monate zu leben geben. Doch Miklós hat andere Pläne: 117 Briefe schreibt er an junge Frauen aus seiner Heimatstadt. Eine dieser Frauen wird er heiraten, das hat er sich fest vorgenommen. Lili liest seinen Brief und beschließt, ihm zu antworten. Sie ist die Richtige, das weiß er. Jetzt müssen sie nur noch einen Weg finden, wie sie heiraten können – und Miklós darf nicht sterben.

∗∗∗∗∗

Kleines Kerlchen, noch weißt du nicht, was die Stirn
unseres Erdteils hat so tief zerfurcht,
für dich hier im Norden war’s nur ein Gestirn
das Flugzeug am Himmel, für uns war’s Furcht.

Miklós Gárdos
An einen schwedischen Jungen

Miklós hat das KZ überlebt und wurde wie viele hundert andere Ungaren nach Schweden gebracht. Dort sollen sie in einem sogenannten Erholungslager wieder zu Kräften kommen. Doch Miklós ist krank, so krank, dass er nur noch sechs Monate zu leben hat. Doch das erschüttert Miklós in keinster Weise. Er beschließt die eine Frau fürs Leben zu finden und zu heiraten. Also besorgt er sich eine Liste von 117 Frauen aus seiner Heimatstadt und deren Adresse. Jeder einzelnen schriebt er einen Brief, und hofft auf Antwort.

„>Was ist Ihr Beruf, Miklós?<
>Ich war Journalist. Und Dichter.<
>Ach ein Seeleningenieur. Wie schön.<“ (Seite 13)

Auch Lili hat den Krieg und das KZ überlebt. Sie ist ebenfalls in einem Erholungslager in Schweden untergebracht. In einer Zeit, in der es ihr noch sehr schlecht geht, bekommt sie Miklós Brief und als ihr Freundinnen nicht locker lassen, antwortet sie ihm.

Die Beiden schreiben sich ohne Unterlass Briefe. Mit jedem Brief mehr, lernen sie sich kennen und langsam keimen erste zarte Gefühle auf. Miklós versucht sogar Lili zu besuchen, doch sowohl die Ärzte wie auch die Leiter der Erholungsanstalten sprechen sich dagegen aus. Schließlich gelingt den Beiden doch ein Treffen und sie beschließen sich nie mehr zu trennen. Miklós bereitet alles für eine Hochzeit vor. Doch sie haben nicht mit den Intrigen und dem Neid der anderen gerechnet. Wird ihre Liebe eine Zukunft haben?

„Auf eine gefrorene Pfütze trat ich,
es knackte das dünngraue Eis,
kommst du meinem Herzen nah: Vorsicht! Du weißt,
kaum berührst du es, schon zerreißt
der schützende Mantel aus Raureif,
der es umgab, kühl, grau und steif.
(…)
Komm nun zu mir, leicht wie eine Feder,
lächelnd und beherzt,
such die Stelle, wo der Schmerz
schon gefroren ist, zu Eis hart wie Erz,
streich darüber mit warmer Hand,
und mein Herz wird wieder sehen Land.“ (Seite 65)

Was für eine bewegende Geschichte. Da sind Miklós und Lili, stellvertretend für Millionen anderer Juden und Verfolgte, die den Holocaust überlebt haben. Doch wer denkt, dass nach Kriegsende alles besser oder gar gut ist, irrt hier gewaltig. Die schlimmen körperlichen Wunden heilen, doch die seelischen Wunden bleiben. Und weder Miklós noch Lili reden darüber. Einzig einmal spricht Lili darüber, dass sie eine falsche Identität angenommen hat und konvertieren möchte, da sie keine Jüdin mehr sein will, da sie Angst vor einem solchen Leben hat.

Als Leserin bin ich hin und her gerissen … eben noch liest man die Briefe zweier Liebenden und schon im nächsten Abschnitt werden die Gräueltaten des Holocaust beschrieben. Oft bin ich aber auch verwundert über Miklós und bewundere ihn auch ein wenig … er, der so misshandelt, verwundet wurde und jetzt sterbenskrank ist, hat einen unbändigen Lebenswillen, den ich als Leserin in jeder Zeile spüren kann. Immerzu muss ich denken … Miklós muss es schaffen, er darf nicht sterben … er und Lili müssen heiraten … beide müssen nach diesem Horror eine gemeinsame Zukunft haben. Doch ihnen werden immer wieder neue Stolpersteine in den Weg gelegt und als Leserin könnte man verzweifeln, da Miklós Zeit immer weniger wird.

Ove non sei la luce manca,
Ove tu sei nasce l’amor!

Wo du nicht bist, gibt es kein Licht,
Die Liebe wird geboren, wo du bist! (Seite 127)

Ein wundervoller Roman in einer ebenso wundervollen Sprache, über ein Thema das weniger schön ist. Doch Péter Gárdos hat die Geschichte seiner Eltern mit Hilfe deren Briefe wundervoll erzählt. Eine Geschichte wundervoll, einfühlsam und erschütternd erzählt … über das Leben nach dem Holocaust, eine Geschichte voller Mut und Zuversicht und dem Gedanken, dass es sich immer lohnt zu kämpfen … für das Leben und die Liebe …

5 von 5 Sterne

Was ist schon fair im Leben …

Fischer KJB Fester Einband 336 Seiten Erscheinungsdatum: 25.09.2014 Preis: 14,99 €  ISBN: 9783596856619

Fischer KJB
Fester Einband
336 Seiten
Erscheinungsdatum:
25.09.2014
Preis: 14,99 €
ISBN: 9783596856619

Klappentext
Zac steht nach einer Knochenmarktransplantation unter Quarantäne. Mia hat einen Tumor im Fuß und eine riesige Wut im Bauch. Normalerweise hätten sie nichts miteinander zu tun. Aber im Krankenhaus gelten andere Regeln. Man braucht Kraft, um die Zeit dort durchzustehen. Und noch mehr Kraft, um in eine normale Welt zurückzukehren. In einer dieser Welten braucht Zac Mia. Und in der anderen braucht Mia Zac. Oder vielleicht brauchen sie sich gegenseitig. Jetzt und für immer.

∗∗∗∗∗

Dieses Buch hat es echt in sich. Es fordert mir als Leserin einiges ab. Aber ich erfahre auch vieles über Leukämie, dass ich vorher so nicht wusste. Ich musste so oft lachen, obwohl mir nach weinen war. Da ist zum einen Zac. Er liegt schon seit Monaten im Krankenhaus auf der Isolierstation. Er hat Krebs. Leukämie. Diverse Chemotherapie hat er schon hinter sich, leider ohne Erfolg. Jetzt hat er eine Knochenmarktransplantation bekommen. Wie er erfahren hat von einem bayrischen Mädchen. Und ich finde die Gedanken, die er sich dann macht, welche Auswirkungen es auf sein Leben haben könnte, so nach vollziehbar. Ich denke jeder/ jede, der/ die so isoliert liegt, Zeit hat ohne Ende fängt an zu philosophieren, was wäre wenn …

„Ich versuche mich davon abzuhalten, darüber nachzudenken, dass ich jemand anders bin.
Ich weiß, es klingt wie aus einem schlechten Film – Angriff des Knochenmarks! -, aber wenn mir mein eigenes Mark aus den Knochen gezogen und durch fremdes ersetzt wird, liegt der Gedanke doch nahe, dass es verändert, wer ich bin? Bilden sich die Zellen etwa nicht im Knochenmark und bahnen sich von dort ihren Weg durch den Blutkreislauf und in jeden Teil des Körpers? Wenn diese Stammzellen jetzt eigentlich einem anderen Menschen gehören, ändert das nicht alles?
Man hat mir gesagt, dass ich zu 99,9 Prozent jemand anders bin. Man hat mir auch gesagt, dass das etwas Gutes sei, aber wie kann ich da sicher sein? In dem Zimmer gibt es nichts, woran ich es testen könnte. Was ist, wenn ich plötzlich Football spiele, wie eine Bedienung auf dem Oktoberfest? Was ist, wenn ich vergessen habe, wie man einen Pick-up oder ein Quad fährt? Was ist, wenn sich mein Körper nicht mehr daran erinnert, wie man schnell läuft? Was ist, wenn diese Dinge nicht in meinem Kopf und in meinen Muskeln gespeichert sind, sondern tiefer, in meinem Knochenmark? Was ist … was ist, wenn all dies nur Zeitverschwendung ist und die Leukämie trotzdem wieder kommt?“ (Seite 39)

Ja, die Frage stellt sich wohl irgendwann ein. Und wenn man die Statistiken in  diesem Buch liest, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Leukämie geheilt wird, dann kann man auch diese Gedanken Zacs nachvollziehen, so makaber sie auch sind … ich kann ihn ein klitzeklein wenig verstehen.

„Ich verfolge die Fortschritte der Hoffnungsvollen und der Hoffnungslosen, der Gewinner und der Verlierer. Und jedes Mal, wenn ich lese, dass jemand an Leukämie gestorben ist, bin ich makabererweise erleichtert. Ich würde es nie laut sagen – und ich fühle mich dabei auch wie das letzte Schwein -, aber in gewisser Hinsicht gibt mir ihr Tod, wenn man das große Ganze betrachtet, das Gefühl, meine Überlebenschancen wären damit gestiegen. Jemand anders hat seinen Strich auf der Tafel hinzugefügt. Das muss doch eine bessere Prognose für mich bedeuten.
Ich kenne diese Leute nicht und will nicht, dass sie sterben, aber für mich verbessern sie die Statistik. Die Mathematik gibt mir Halt.“ (Seite 81)

Aber dann ist da auch noch Mia. Sie belegt das Nachbarzimmer von Zac. Durch Klopfzeichen kommen sie sich „näher“. Sie hat einen Tumor im Fuß und ist auf alles und jeden wütend. Sie will Party machen, das Leben genießen und nicht so einen doofen Tumor haben, der ihr alles versaut. Sie sperrt sich gegen jegliche Therapie. Erst nach Monaten, Zac ist längst wieder zu Hause, und Mia abgehauen, lernen sich die beiden kennen. Zac gelingt es schließlich Mia davon zu überzeugen sich helfen zu lassen. Als sich Mia wiederum einige Monate später bei Zac dafür bedanken will, muss sie erfahren, dass er einen Rückfall hat. Jetzt ist er es, der sich nicht mehr helfen lassen will. Und nun wird Mia klar, dass sie Zac helfen muss.

„Ich schließe die Augen und umklammere den Ast, als wäre er alles. Ich bekomme einen Krampf in den Händen, und meine Arme zittern, und jetzt geht mir auf, was Mut ist. Mut heißt, stehen zu bleiben, obwohl man weglaufen will. Mut heißt, sich zu stellen und der Sache ins Auge zu sehen, die einem Angst macht, egal, ob es dein Bein oder deine Freundinnen sind oder der Typ, der dir erneut das Herz brechen könnte. Es heißt, die Augen zu öffnen und diese Angst mit festem Blick zu bezwingen.
Ich öffne die Augen. Die Nacht ist nicht mehr so dunkel wie vorher.“ (Seite 321)

Dieses Buch ist ein Auf und Ab der Gefühle. An manchen Stellen musste ich echt schlucken, weil Dinge passieren, mit denen ich so nicht gerechnet habe. Ein wundervoll geschriebenes Buch. Ich habe es verschlungen. Es macht Mut. Mut sich den Dingen, die das Leben für einen bereit hält, zu stellen. Auch wenn nicht immer alles fair im Leben zugeht. Jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde sollte man das Leben in vollen Zügen genießen … Mia und Zac sind ein Beispiel dafür.

„Wenn wir zusammen sind, werden wir nicht fallen – weder ab noch runter, noch aus. Ich weiß, dass es keine Garantie gibt, doch im Moment bekommt Mia von mir zehn von zehn Punkten und ist schöner und überraschter denn je.“ (Seite 329)

Ein traurig-schönes Buch … eigentlich möchte man die ganze Zeit weinen und muss doch immer wieder lachen. I love it ♥♥♥

5 von 5 Sternen

Man spielt nicht mit der Liebe

 

Hanser Literaturverlag Fester Einband 188 Seiten Erscheinungsdatum: 28.07.2014  Preis: 18,90 € ISBN: 9783446245952

Hanser Literaturverlag
Fester Einband
188 Seiten
Erscheinungsdatum: 28.07.2014
Preis: 18,90 €
ISBN: 9783446245952

Klappentext
Sie heißt Billie, weil ihre Mutter für Michael Jacksons „Billie Jean“ schwärmte, er heißt Franck, denn seine Mutter vergötterte Frank Alamo. Sie wuchs in einer Wohnwagensiedlung auf, bei den Asozialen, er lag im ständigen Clinch mit seinem bürgerlich-reaktionären Vater. Nichts scheint diese beiden Außenseiter zu verbinden, bis eine Lehrerin ihnen die Hauptrollen im Schultheater gibt. Die Aufführung mit Billie, der Unterschichtengöre, und Franck, dem kleinen Schwulen, wird ein überraschender Erfolg. Trotzdem spricht alles gegen ein Happy End: Sie bleibt sitzen, er muss ins Internat, es folgen Abstürze und Schicksalsschläge. Aber Billie und Franck haben gelernt, den Mut nicht zu verlieren und sich jedes Mal wieder aufzurichten. In Paris werden sie einander wiederfinden – zusammen ist man weniger allein. Wenn man Billie (wie Billie Holiday) heißt, stellt man sein Leben mit zweiundzwanzig einfach auf Reset.

∗∗∗∗∗
„Meine Worte richteten sich nicht an ihn, sondern an mich. An meine Dummheit. Meine Schmach. Meine mangelnde Vorstellungskraft. Niemals würde er mich im Stich lassen, und wenn er jetzt schwieg, dann allein deshalb, weil er nicht mehr bei Bewusstsein war.“ (S. 13)

Die Geschichte setzt ein, kurz nachdem Billie und Franck in den Bergen verunglückt sind. Während Billie denkt, dass Franck im Koma liegt, lässt sie ihr und Franck Leben Revue passieren. Sie erzählt einem einzelnen Stern, wie sie sich kennen gelernt haben, und wie ihr Leben verlaufen ist. Es ist ein trauriges Leben. Billie wächst in der Unterschicht auf. Ihr Vater hat nach der Flucht der Mutter wieder geheiratet. Die Stiefmutter trinkt und Billie führt ein einsames Leben. Sie bettelt, klaut und später arbeitet sie zum Teil auch als Prostituierte. Aber es gibt Momente in ihrem Leben, in denen sie so etwas wie Glück empfindet. Nämlich die, in denen sie mit Franck zusammen sein kann.

„Wenn ich einmal sterbe, wird keine Spur von mir bleiben. Außer Franck hat ja kein Mensch mein Licht gesehen, und wenn er vor mir stirbt, ist es vorbei. Dann  erlösche ich auch.“ (S. 92)

Aber auch Franck ist ein Außenseiter. Allerdings anders als Billie, gehört er mehr der Oberschicht an. Dennoch lebt er eine Lüge. Schon früh ist ihm klar, dass er Jungen/ Männer liebt. Doch das kann er seinem Vater niemals anvertrauen. Daher lebt er ein Leben, das ihm sein Vater diktiert. Er studiert Jura, obwohl er eigentlich Juwelier werden möchte. Erst als Franck zusammen mit Billie in Paris lebt, schafft er seine Träume zu verwirklichen.

„Wir wussten, dass das zwischen uns nicht Verachtung oder Gleichgültigkeit war, sondern Vorsicht und dass wir, auch wenn wir es einander nicht mehr zeigen konnten, immer noch Freunde waren.“ (S. 81)

Dieser Roman geht unter die Haut und noch viel tiefer, nämlich mitten ins Herz. Obwohl diese Geschichte sehrt traurig, und auch melancholisch ist, macht sie dennoch auch Mut. Sie zeigt, dass es im Leben immer die Möglichkeit sein eigenes Tun und Handeln zu überdenken. Es muss nicht zwangsläufig ein schlechtes Leben werden, nur weil die Voraussetzungen bei der Geburt und in der Kindheit/ Jugend ungünstig waren, denn jeder ist seines eigen Glückes Schmied.

„Irgendwann und ohne dass es seine Absicht gewesen wäre, meinte mein Vater es endlich einmal gut mit mir und starb.“ (S. 107)

Ein wunderschönes Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte ♥♥♥

5 von 5 Sternen