„Die Optimisten“ von Rebecca Makkai

Eisele Verlag
Fester Einband
624 Seiten
Erscheinungsdatum:
30.03.2020
ISBN: 9783961610778
Preis: 24,00 Euro

Klappentext

Chicago, 1985:

Yale ist ein junger Kunstexperte, der mit Feuereifer nach Neuerwerbungen für seine Galerie sucht. Gerade ist er einer Gemäldesammlung auf der Spur, die seiner Karriere den entscheidenden Schub verleihen könnte. Gleichzeitig muss er miterleben, wie ein Virus, das gerade in Chicagos Boystown zu wüten begonnen hat, einen nach dem anderen seiner Freunde in den Abgrund reißt.

Paris, 2015:

Fiona reist ihrer untergetauchten Tochter nach. Die Suche nach ihr gestaltet sich ebenso zu einer Reise in die eigene Vergangenheit, denn in Paris trifft sie auf alte Freunde aus Chicago, die sie an das Gefühlschaos der Achtzigerjahre erinnern und mit einem großen Schmerz von damals konfrontieren, den sie nie verwunden hat.

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„Wir waren die großen Optimisten. Nie war jemand meinem Herzen näher als diejenigen, die den ersten Frühling spürten, als auch ich es tat, und dem Tod ins Gesicht sahen und verschont wurden – und die nun durch den langen stürmischen Sommer ziehen.“ (F. Scott Fitzgerald, My Genration)

Das Buch ist in zwei Erzählzeiten aufgeteilt, die abwechselnd erzählt werden. Der erste Geschichte beginnt 1985 und bewegt sich im Buch auch weiter bis 1989. Eine Zeit in der das Aids-Virus anfängt um sich zu greifen. So fängt auch die Geschichte mit einer Trauerfeier an, auf der ein junger Mann beigesetzt wird. Natürlich sind die Freunde geschockt, dass einer von ihnen an Aids verstorben ist. Und doch leben sie weiterhin ihr unbeschwertes Leben, blenden den Virus aus. So auch Yale und Charlie. Sie sind ein Paar. Während Yale allen Versuchungen widersteht, lässt sich Charlie auf eine kurze Affäre ein, die nicht ohne Folgen für ihn bleibt. Und Yale, ist auch er infiziert?

„Es war nicht der Betrug, der ihm am meisten zusetzte. Das buchstabierte er im Geiste deutlich aus, sagte es in Gedanken in sein Glas hinein, zu den schmelzemden Eiswürfeln. Und es war auch nicht nur die Krankheit, die Ansteckungsgefahr, auch wenn das die wichtigste Rolle spielte. Was sich ihm im Augenblick regelrecht ins Herz schraubte, war die Tatsache, dass er sich von Charlies Forderungen so hatte einschüchtern lassen. Er war für diesen Mann wie auf Eiern gegangen, und währenddessen hatte Charlie hinter seinem Rücken, die Eier einfach an die Wand geschmissen. Mehr als alle andere kam Yale sich bescheuert vor.“ (Seite 268/269)

Die zweite Zeitebene spielt 2015 und bleibt auch dort. Fiona, die bereits im ersten Zeitstreifen als 25jährige auftaucht, sucht in Paris ihre Tochter. Sie hat seit Jahren nichts von ihr gehört und vermutet, dass sie in einer Sekte lebt. In Paris trifft Fiona auf Menschen aus den 80zigern, die das Virus überlebt haben und aus Amerika weg gingen. Während ihres Aufenthalts in Paris passiert ein Anschlag und die Angst um ihre Tochter wächst.

„Das ist der Unterschied zwischen Optimismus und Naivität. Keiner hier im Raum ist naiv. Naive Menschen haben noch keine echte Prüfung hinter sich, deshalb meinen sie, ihnen könnte nichts passieren. Optimisten wie wir haben schon etwas durchgemacht und stehen trotzdem jeden Tag auf, weil wir glauben, wir könnten verhindern, dass es noch einmal passiert. Oder wir tricksen uns einfach aus, um das zu glauben.“ (Seite 511)

Ihr wisst, ich bin kein Fan von dicken Büchern, aber durch dieses Buch bin ich geflogen. Die beiden Erzählstränge haben mich einfach immer am Buch gehalten. Die Geschichte in den 80zigern, um Charlie, Yale und ihre Freunde ist einfach phantastisch geschrieben. Man spürt mit jedem Wort das unbeschwerte Leben, dass diese jungen Leute trotz Aids versucht haben zu leben. Trotz der Ansteckung und dem möglichen Tod, denn vielen von ihnen war zu Anfang nicht bewusst welche drastischen Folgen dieses Virus hat. Und die Beschreibungen Makkais über die Todgeweihten ist wirklich beängstigend. Und irgendwie bangt man bei den Protagonisten mit, dass es sie bitte bloß nicht erwischt.

In der gleichen Zeit ist aber auch eine besondere Kunstszene entstanden. Und hier spielt die Figur von Yale eine weitere besondere Rolle, die mich fasziniert hat. Yale ist dabei eine Galerie zu eröffnen und hat die Möglichkeit an verschollene Bilder zu kommen. Hier erfahre ich, wie aufwendig es ist Expertisen und Gutachten für verschollene Bilder bekannter Künstler erstellen zu lassen.

Im Erzählstrang 2015 spielt Fiona eine große Rolle. Was mir hier sehr gut gefallen hat, ist das Fiona das Bindeglied zu den 80zigern und den 2000nern ist. Fiona trifft einige der Männer aus den 80zigern wieder und erinnert sich gemeinsam mit ihnen an diese verrückte Zeit. Während ihrer Such nach der Tochter, passieren die Novemberattentate in Paris.

„Jeder weiß, wie kurz das Leben ist.(…) Aber niemand spricht je davon, wie lang es ist. Dabei – also, ich weiß es nicht, ob das Sinn ergibt, aber jedes Leben ist zu kurz, selbst ein langes, und trotzdem ist das Leben ,mancher Menschen auch zu lang.“ (Seite 590)

Für mich ist dieses Buch eine Bereicherung. Mir hat die Vielschichtigkeit der Themen gefallen. Es geht um Liebe, Verlust, Verrat … um Hoffnung und Kämpfen … ums Miteinander und Füreinander, und dabei wird es kein bisschen kitschig oder trivial.

Einfach grandios! Unbedingt lesen!!!

„Wenn wir am selben Ort und zur selben Zeit auf der Welt sein könnten wie alle, die wir lieben, wenn wir zusammen geboren werden und sterben könnten, wäre alles so einfach. Und das ist es nun mal nicht.“ (Seite 590)

 

 

 

 

Rückblick & Einblick … März und April 2020

Hallo Ihr Lieben,

die letzten zwei Monate waren echt chaotisch und anstrengend. Langsam kehrt eine gewisse „Normalität“ wieder ein, aber es wird noch dauern bis alles wieder rund läuft. Viel gelesen habe ich wenig, bzw. viel angefangen und viel auch wieder abgebrochen, weil mein Kopf einfach nicht aufnahmefähig war. Einige Bücher werde zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal lesen.

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Rückblick

Angefangen und abgebrochen habe ich „Elijas Lied“ von Amanda Lasker Berlin  und „PAUL“ von Juliane Baldy, beide aus der Frankfurter Verlagsanstalt. In dem ersten Buch geht es um drei Schwestern, die sich auf einer Wanderung durchs Moor befinden. Dabei erfahre ich einiges aus dem Leben der drei, die sehr unterschiedlich sind. Während dieser Wanderung tun sich Abgründe auf, die keine von der anderen erahnt hätte. Mir war das im März zu anstrengend, deshalb habe ich abgebrochen. In „PAUL“ kam ich mit der Sprache nicht zurecht, denn in diesem Buch geht es um einen Jungen und seine erste große Liebe, Das Buch ist in der Sprache der heutigen Jugend geschrieben, Das war mir too much. Deshalb der Abbruch, Die Thematik hat mir allerdings gefallen. Deshalb werde ich beide Bücher noch einmal lesen.

Ebenfalls abgebrochen, und das hat mir wirklich furchtbar leid getan, da ich die Bücher der Autorin sehr mag, ist „Die Königin von Berlin“ von Charlotte Roth aus dem Droemer Knaur Verlag. Erzählt wird die Geschichte der jungen Schauspielerin Carola Neher, die die Muse von Brecht war und die Ehefrau von Klabund. Was mir gut gefallen hat, war der Aufbau als Theaterstück. Die Gedichte und Zitate zu jedem neuen Akt. Doch leider wurde ich mit der Protagonistin nicht warm und auch die anderen (Brecht, Klabund) blieben farblos. An vielen Stellen war mir das alles zu langatmig. Nach der Hälfte hab ich dann quer gelesen und dann schließlich abgebrochen. SORRY liebe Charlotte. Deine anderen Bücher habe ich sehr geliebt. ♥

„Zwei und Zwei“ von Tessa Headly aus dem Kampa Verlag habe ich zu ende gelesen, doch auch dieses Buch konnte mich nicht wirklich überzeugen. Die Geschichte zweier Familien, die seit der Studentenzeit befreundet sind. Erst waren beide Frauen mit dem Partner der anderen liiert. Doch dann haben sie bemerkt, dass es nicht passt und sie haben die Partner getauscht. Natürlich nicht so wie ich es jetzt schreibe, sondern es lagen ein paar Jahre zwischen diesen Wandlungen. Nun ist der Mann der einen gestorben. Alle trauern, nur die Witwe nicht wirklich. Die hat gemerkt, das sie hätte doch besser den Mann ihrer Freundin heiraten sollen, so wie es in der Studentenzeit war. Der Mann der Freundin lässt sich auf eine  Affäre mit der Witwe ein, die Ehefrau bekommt das raus und schon ist das Drama da. So ungefähr. Das war mir irgendwie auch alles ein bisschen viel und kreuz und quer und überhaupt. Ich habe es zu ende gelesen, weil ich wissen wollte wie es ausgehen mag, mit den dreien. Und  das Ende hat mich dann ein klitzekleinwenig versöhnlich gestimmt.

Die nächsten drei Bücher habe ich wirklich sehr gerne gelesen und auch mit Freude. Das erste ist „Dankbarkeiten“ von Delphine de Vigan aus dem Dumont Verlag. Ein etwas melancholisches Buch, doch ein Buch, aus dem man ganz viel mitnimmt … nämlich Dankbarkeit für das was man hat … erleben durfte und darf.

Die Optimisten“ von Rebecca Makkai aus dem Eisele Verlag haben mich echt umgehauen. Ihr wisst, ich mag nicht wirklich dicke Bücher, aber hier ist jede Seite einfach´ch großartig. Es geht um das Thema Aids in den 80zigern, dem Ausbruch des Virus und was es in der Homosexuellen Szene auslöste, sowie um die Kunst, die in dieser Zeit entstanden ist. Die Kunstszene in den 80zigern war etwas außergewöhnliches. Ich habe dieses Buch über Ostern verschlungen und war echt traurig, als es zu Ende war.

Das letzte gelesene Buch im April war „Der Sommer in dem Einstein verschwand“ von Marie Hermanson aus dem Insel Verlag. Es beschreibt den Sommer 1923 in Göteborg. Zum 300. Gründungsjubiläum findet eine Ausstellung statt, auf der Einstein seine Nobelpreisrede halten soll. Doch er verschwindet. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die biografischen Elemente gepaart mit den fiktiven Elementen. Ich habe einiges über Einstein erfahren, was ich so gar nicht wusste. Und das Verschwinden gibt dem Roman einen kleinen Krimitouch.

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Einblick

Seit dem 16. März 2020 befinden wir uns im sogenannten Lockdown. In den ersten Tagen war noch gar nicht wirklich klar, was darf ich und was nicht. Bis Mittwoch 18.03.2020 habe ich die Buchhandlung noch ganz normal geöffnet, da mir auch das Ordnungsamt nicht sagen konnte wie es weiter geht. Am besagten Mittwoch standen dann die Herren vom Ordnungsamt im Laden und teilten mir mit, dass ich sofort die Buchhandlung schließen müsse. Es durfte sich kein Kunde mehr im Laden aufhalten. Wir haben dann gemeinsam geschaut wie ich weiterhin tätig sein könnte. Wir einigten uns dann darauf, dass ich per Telefon und Mail Bestellungen entgegen nehmen darf, und die bestellte Ware dann soweit es geht kontaktlos an der Seite raus geben darf. An diesem Mittwoch ist für mich erst einmal die Welt zusammen gebrochen. Ich hatte keine Ahnung wie ich das alles managen sollte. Wie mache ich die Kunden darauf Aufmerksam. Was muss ich alles beachten. Ich bin dann an diesem Tag noch bis 18 Uhr in der Buchhandlung geblieben, weil ich wusste, dass einige noch ihre Bücher abholen wollten.

Am nächsten Tag bin ich um 10.00 Uhr wieder in der Buchhandlung gewesen. Hab Kisten ausgepackt und überlegt, wie es weiter gehen kann. Ich war immer noch ein wenig planlos. Nach Rücksprache mit meiner Mitarbeiterin haben wir dann beschlossen am Freitag den 20.03.2020 die Schaufenster zu dekorieren und alle Tische ans Fenster zu stellen und mit Büchern zu bestücken. Zeitgleich haben wir Zettel geschrieben und ins Fenster gestellt wie und wann wir erreichbar sind. Das alles haben wir dann auch auf Instagram und Facebook geteilt. Und dann hieß es abwarten. Werden die Kunden sehen, dass wir immer noch für sie da sind? Werden sie anrufen und bestellen?

Und dann passierte das Unglaubliche … es riefen so viele Menschen an, ich bekam Unmengen von eMails, in denen ich gefragt wurde, wie man mir und dem Büchergarten helfen könne. Ich bekam mutmachende und tröstende Mails, und ich bekam Bestellungen. Täglich war ich von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr im Büchergarten um Bücher raus zu geben. Wenn ich ging stellte ich das Telefon um, um Bestellungen zu Hause anzunehmen und zu bearbeiten. Ich habe teilweise bis Abends um 21.00 Uhr noch Bestellungen bearbeitet und morgen um 7.00 Uhr saß ich schon wieder am Rechner um die eingegangenen Mails zu bearbeiten. Es war eine sehr anstrengende und intensive Zeit, aber die Solidarität in unserem „kleinen“ Ruppichteroth war/ ist einfach unglaublich!

Nun hat der Büchergarten seit dem 20.04.2020 wieder geöffnet und es bleibt weiterhin einfach unglaublich. An den ersten beiden Tagen habe die Menschen Nachmittags Schlange vor dem Büchergarten gestanden. Zwei Kunden dürfen zeitgleich in die Buchhandlung. Mittlerweile hat es sich etwas „normalisiert“, aber was ist in dieser Zeit schon normal. Viele Kunden freuen sich mit mir, dass wir wieder geöffnet haben, dass der Büchergarten noch da ist und hoffentlich auch bleibt. Das wünsche ich mir auch. Sehr!

Wenn alles gut geht, werden wir im September den 5. Geburtstag des Büchergarten feiern. Und glaubt mir, es wird (wenn wir dürfen) eine mega Sause geben.

Bis dahin passt auf Euch auf und bleibt gesund

Eure Angelika ♥