Muslimus modernus

Kein & Aber, ISBN: 9783036957524, Preis: 25,00 €

Klappentext
Während des Studiums in Oxford trifft Peri, die in Glaubensfragen schon immer zwischen den Stühlen saß, auf die weltoffene Shirin und die Kopftuch tragende Mona. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen drei  sehr unterschiedlichen Frauen mit muslimischem Hintergrund – Shirin, die Sünderin, Mona, die Gläubige und Peri, die Verwirrte.
Jahre später lebt Peri wieder in Istanbul, hat eine eigene Familie und bewegt sich in den besseren Kreisen. Doch eines Tages wird sie unvermittelt von der Vergangenheit eingeholt. Was ist in Oxford geschehen, dass sie sich mit den Freundinnen entzweit hat? Und was hat der charismatische Professor Azur und sein umstrittenes Seminar über „Gott“ damit zu tun?

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„Wachsam und gefügig verfolgte sie die Kämpfe und sah zu, wie sich ihre geliebten Eltern gegenseitig zerfleischten. Sie lernte früh, dass kein Krieg schlimmer war als ein Familienkrieg und kein Familienkrieg schlimmer als der, bei dem es um Gott ging.“ (Seite 37)

Peri wächst in Istanbul auf. Die Familie ist irgendwie zerrissen. Die Mutter eine fanatische Gläubige, der Vater ein trinkender Ungläubiger, der ältere Bruder sitzt im Gefängnis wegen kommunistischer Ambitionen … und dazwischen Peri. Sie weiß nicht an wen sie sich mit ihren Fragen über Gott und die Welt wenden soll.  An die fanatische  Mutter oder den saufenden Vater … Glaube oder Nichtglaube …

Dann hat sie die Möglichkeit nach Oxford zu gehen. Sie hofft dort Antworten zu finden. In Oxford angekommen trifft sie auf Mona und Shirin an. Mona ist eine junge Frau, die Frömmigkeit, Feminismus und Kopftuch vereint. Shirin dagegen setzt sich über alle religiösen Gesetze und Moralvorstellungen hinweg. Und wieder sitz Peri zwischen den Stühlen. Erst ein Seminar über Gott scheint Antworten zu bieten oder doch nicht …

„Weder der Glaube war mir fremd noch der Zweifel. Immer unentschlossen, immer schwankend, nie selbstbewusst. Vielleicht hat mich gerade diese Ungewissheit zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Aber sie wurde auch mein größter Feind.“ (Seite 549)

Die Geschichte beginnt im Jahr 2016. Peri lebt in Istanbuls besseren Kreisen, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Auf dem Weg zu einer Dinnerparty wird sie überfallen. Dabei fällt ein Bild aus ihrer Zeit in Oxford aus der Tasche. Und Peri erinnert sich an die Zeit von damals.

In Rückblicken wird die Geschichte von Peri erzählt. Mir hat dieses Switchen  in den Zeiten sehr gut gefallen. Da sind die junge suchende Peri und die erwachsene, die scheinbar ihren Platz gefunden hat. Doch hat sie das wirklich?

Dies ist das zweite Buch von Elif Shafak, das ich gelesen habe. Schon bei dem ersten „Ehre“ war ich begeistert. Shafak schafft es mich mit ihren Themen und den Einblick in eine „andere Welt“ zu faszinieren und zu fesseln.

Im Buch gibt es z. Beispiel eine Szene die einen Jungfräulichkeitsbeweis fordert. Ich habe nur den Kopf geschüttelt und mich gefragt in welchem Jahrhundert wir leben und ob es so etwa wirklich noch geben kann … Es sieht ganz danach aus.

„>Kann mir mal jemand erklären, warum junge Muslime immer so schnell beleidigt sind?< >Vielleicht weil wir ständig angegriffen werden? Tagtäglich muss ich mich rechtfertigen, obwohl ich nichts Böses getan habe. Ich soll beweisen, dass ich keine potentielle Selbstmordattentäterin bin! Ich fühle mich immerzu kontrolliert. Weißt du, wie verlassen man sich da vorkommt?<“ (Seite 468/ 469)

Glaube und Fanatismus, zwei Wörter die im Moment unseren Alltag mehr denn je begleiten.

Beim Lesen des Buches konnte ich Mona an vielen Stellen so sehr verstehen.  Eine junge Muslima, die ihren Glauben leben möchte, dies mit den Tragen des Kopftuches verdeutlicht aber auch zugleich eine Feministin ist, die sich für die Rechte der Frauen in einem Männer geprägten Land einsetzt. Und dann die ständigen Anfeindungen von außen, dass alle „Kopftuchträgerinnen“ potentielle Attentäter sind.

Auch Peri s Gedanken konnte ich sehr gut nachvollziehen. Da sind die fanatische Mutter und der trinkende ungläubige Vater … beides ist nicht das was Peri sich unter „ihrem“ Gott vorstellt. Doch was ist Gott?

Peri ist ein Symbol für viele von uns … sie ist Suchende, Fragende und Zweifelnde.

Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Vor allem die Aspekte des Glaubens, die Denkanstöße in verschiedene Richtungen und die philosophische Betrachtungsweise  haben dieses Buch lange nachwirken lassen und in unserem Lesekreis zu einer sehr langen Diskussion  über Glaube Religion geführt.

„Ich glaube, dass Gott aus vielen Teilen besteht und ganz bunt ist. Ich kann mir einen friedlichen Gott zusammenbauen, der alle leibt. Oder einen wütenden, der alle bestraft. Oder gar keinen. Gott ist wie Lego.“ (Seite 64)

Unbedingt lesen!!!

 

5 von 5 Sternen

„Dir kann nichts geschehen. Das Meer gehört uns.“

Schwarzkopf & Schwarzkopf Flexibler Einband  280 Seiten  Erscheinungsdatum: 22.05.2013  Preis: 9,95 € ISBN: 9783862652556

Schwarzkopf & Schwarzkopf
Flexibler Einband
280 Seiten
Erscheinungsdatum:
22.05.2013
Preis: 9,95 €
ISBN: 9783862652556

Rückentext
Die Studentin Ronja ist alles andere als eine typische Backpackerin: Eigentlich ist sie viel zu introvertiert, um allein durch ein Land zu reisen, in dem ihr alles fremd ist – die Sprache, das Essen, die Menschen, die Kultur. Dennoch macht sie Urlaub in Mexico, sechs Wochen lang, auf der anderen Seite des Ozeans.
Zunächst lässt sie sich treiben, erwartet nichts. Bis sie Julia trifft, die ebenfalls durch das Land reist. Zusammen fahren die beiden jungen Frauen an die Pazifikküste, wo Ronja zum ersten Mal in ihrem Leben im Meer badet – und spürt, was Freundschaft bedeutet.
Als Julia nach Deutschland zurück muss, strandet Ronja in einem kleinen Dorf fernab der Touristenpfade. Dort lernt sie Ismael kennen, einen mexikanischen Schmuckkünstler, und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Doch hat die Beziehung der beiden überhaupt eine Chance? Immerhin rückt mit jedem Tag, der vergeht, auch Ronjas Abreise näher …

∗∗∗∗∗

WOW was für ein wundervolles Buch über Mexico … die Menschen, die Kultur, das Essen und die Landschaft. Die Autorin versteht es, das alles so zu schildern, das man denkt man ist hautnah dabei. Das liegt sicherlich auch daran, dass Franziska Fischer dieses Land bereits bereist hat. Sie beschreibt die Landschaft so zärtlich und so wundervoll, dass ich das Gefühl habe, die Sonne auf meiner Haut zu spüren, den Sand unter meinen Füßen und den Geruch des Meeres in meiner Nase.

Aber es ist nicht nur ein Buch über Mexico, sondern die Geschichte von Ronja, einer jungen Frau auf der Suche nach dem Sinn und ihrer Aufgabe im Leben. Sie trifft auf ihrer Reise viele Menschen, die ihr Leben nachhaltig verändern.

Am Anfang des Buches steht ein Gedicht:

Manche Menschen sind schon in deinem Leben,
bevor du geboren wirst.
Andere kommen später hinzu, suchen sich einen Platz,
als hätten sie schon immer dorthin gehört.
Die meisten von ihnen verschwinden irgendwann wieder,
mal von heute auf morgen,
mal langsam, ganz leise, sodass man es kaum bemerkt.

Doch am wichtigsten sind diejenigen, die auch bleiben,
wenn sie schon gegangen sind.“

(S.6)

… und genau das ist die Geschichte von Ronja!

5 von 5 Sternen