„Untertags“ von Urs Faes

Suhrkamp Verlag, Fester Einband, 239 Seiten, 22,00 Euro, ISBN: 9783518429488, Hier kaufen

Klappentext

Ein Mann und eine Frau lernen sich in den späten Jahren ihres Lebens kennen und erfahren noch einmal tiefe Zuwendung und Glück, im Alltag und auf Reisen in die Landschaft seiner Jugend – die Rocky Mauntains in Wyoming. Doch neben die Freuden treten bald die Gebrechen des Alters, Jakov neigt zunehmend zu Zerstreutheit. Die ärztliche Untersuchung zeigt: Jakovs Gedächtnis ist nicht nur lückenhaft geworden. Seine Orientierung wird weiter schwinden, seine Sprache versiegen. Herta bemüht sich um Zuversicht, aber je mehr Jakov den Bezug zur Welt verliert und von der Vergangenheit eingeholt wird – einer frühen Liebe, dem Zerwürfnis mit dem Vater – , desto mehr braucht auch sie Unterstützung.

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„Wer die Wörter verliert, gehört nicht mehr dazu, fällt aus dem Rahmen, aus dem Lauf des Tages.“ (Seite 72)

„Was ist einer noch, wenn er die Worte verliert? Ist Sprache nicht der Schlüssel , in der Welt zu sein? Und einer ohne Schlüssel ist ausgeschlossen?“ (Seite 122)

Jakov ist tot. Herta sitzt mit seiner Asche am Küchentisch und beschließt diese nicht komplett an Jakovs Kinder zu übergeben. Denn die Familie in Amerika fordert alles was Jakov hinterlassen hat zurück. Wirklich alles. Auch seine Asche. Aber das lässt Herta nicht zu, denn Jakov hat sich hier wohl gefühlt. Einen Teil der Asche will sie am Wäldchen vergraben, welches Jakov geliebt hat.

Rückblickend erinnert sich Herta an die Zeit mit Jakov …

Herta hat Jakov kennen gelernt, als sie nicht mehr damit gerechnet hat, sich mit 42 Jahren und nach einer gescheiterten Ehe noch einmal zu verlieben. Es war Liebe auf den ersten Blick. Auch für Jakov, der damals am Flughafen Herta sah und sich verliebte. Die beiden leben fortan zusammen. reisen durch die Welt und führen ein gutes Leben. Doch dann vergisst Jakov erst bestimmte Strecken und Wege, später Wörter und noch später sich selbst.

Herta bleibt in all der Zeit besonnen, beide reden nie von Alzheimer oder Demenz, sonder sehen das Ganze eher als eine kurze Phase an. Sie scherzen über die vergessenen Sachen, doch als Jakov immer mehr zum Kind wird, fällt es auch Herta zunehmend schwerer positiv zu bleiben.

„Sie hörte jetzt seine Schritte im Haus. Die Bilder würden bleiben, die Liebe auch, die bewahrte, was gewesen war und ihm Dauer gab, auch in einer Gegenwart, in der das Einfache umständlich, das Gewohnte fremd wurde.“ (Seite 128)

Was für ein wunderbares leises und liebevolle Buch. Mich hat die Geschichte von Herta und Jakov sehr berührt. Wie liebevoll, zart und innig die beiden versuchen mit Jakovs Krankheit klar zu kommen ist einfach unglaublich. Auch in den Zeiten, als längst Verdrängtes aus Jakovs Leben aufploppt und zur Gegenwart wird, bleibt Herta fürsorglich, obwohl vieles sie verletzt. Sie liebt Jakov auf eine ganz besondere Weise.

Sicherlich ist dies nur ein Roman, und ja, die Wirklichkeit im Umgang mit Menschen die Demenz/ Alzheimer haben ist sicherlich nicht so leicht, wie hier dargestellt. Ich glaube darum ging es Urs Faes auch gar nicht. Urs Faes beschreibt mit viel Gefühl und Zartheit, wie ein Paar, das sich liebt, damit umgeht, wenn einer die Sprache verliert.

„Wenn man Sprache, sagte ich zu Dorit, auch als ein Haus begreife, worin der Mensch wohne, dann müsse doch einer, der die Worte verliert, ins Nichts geraten, unbehaust sein. Denn wo, fragte ich Dorit, können wir Wohnung nehmen, wenn nicht im Satz, der Ordnung ist, Rhythmus, Form im Chaos des Daseins?“ (Seite 238)

Ich wünsche diesem Buch viele Leser, auch wenn es sehr melancholisch ist und ein Thema beinhaltet, was nicht wirklich schön ist. Doch wie bereits erwähnt, hat Urs Faes dieses Thema sehr zart und leise beschrieben.

Vielen Dank dafür lieber Urs Faes!

„Je tiefer das Wasser“ von Katya Apekina

Suhrkamp Verlag
Fester Einband
396 Seiten
Erscheinungsdatum:
17.02.2020
ISBN: 9783518429075
Preis: 24,00 Euro

Klappentext

Nach dem Selbstmordversuch der Mutter geht alles ganz schnell. Edie und Mae müssen nach New York, zu Dennis Lomack: Er ist ihr unbekannter Vater und die Schriftstellerikone einer ganzen Generation. Für Edie bedeutet die neue Umgebung einen unverzeihlichen Verrat, für Mae die langersehnte Möglichkeit der Befreiung. Schnell kommt es zum Bruch. Während die eine einen verzweifelten Rettungsversuch unternimmt, lässt sich die andere ein auf die Zuneigung des Vaters und die Bitte, ihm beim Schreiben seines neuen Romans über die Mutter zu helfen. Alle sind sie getrieben von einer Obsession: verstehen, was zwischen ihnen, was tief in ihnen vor sich geht.

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„Er fing mit seiner Beziehung zu Marianne an. In der Geschichte gibt es eine lange Tradition von Männern, die jüngere Frauen heiraten: schön und gut. Außerdem war es die Zeit der freien Liebe. Aber wäre Jackson McLean noch am Leben gewesen, wären Marianne und Dennis nie zusammengekommen! Marianne war ein Kind. Dennis protzte, er würde sich um sie kümmern, aber in Wirklichkeit plünderte er sie für sein eigenes Werk aus.“ (Seite 172)

Marianne hat versucht sich umzubringen. Nicht das erste Mal. Nun wird sie in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen. Ihre beiden Töchter Edie (16 Jahre) und Mae (14 Jahre) müssen zu ihrem Vater Dennis nach New York. Er hat die Familie vor 12 Jahren verlassen und den Kontakt vollkommen abgebrochen.

Dennis Lomack war ein erfolgreicher Schriftsteller und Marianne seine Muse. Solang sie an seiner Seite war, schrieb er Romane. Dennis lernte Marianne kennen als sie 9 Jahre alt war. Nach dem Tod von Mariannes Vater heiraten die beiden. Zu diesem Zeitpunkt ist Marianne 16 Jahre alt.

„In jenem Frühling war Dad das Einzige, was für mich zählte. Ich wollte ihm nur gefallen. Ich wollte ständig seine Aufmerksamkeit. Wenn seine Gedanken bei Mom waren – und das waren sie oft – , dann wurde ich eben Marianne.

(…)

Ich hatte ein unglaubliches Talent dafür, Dads Muse zu sein. Und ich brauchte nicht viel Fantasie, um mir vorzumachen, dass seine Gefühle für Mom mir galten, weil ich ihre Zweitbesetzung war.“ (Seite 221/222)

Mae sieht ihrer Mutter zu verwechseln ähnlich und Mae fühlt sich von ihrer Mutter eingeengt. Marianne schleppt ihre Tochter überall mit hin, was Mae Kindheit und Jugend sehr belastet. Deshalb genießt sie das neue Leben bei ihrem Vater, weit weg von ihrer einnehmenden Mutter.

Dennis sieht in seiner Tochter Mae die junge Marianne und findet in ihr die Muse aus früheren Zeiten. Und plötzlich fließen wieder die Worte aufs Papier …

„An diesem Nachmittag spürte ich zum ersten Mal … ich weiß nicht, wie ich es genau beschreiben soll. Als mein Kopf in Dads Schoß lag, ballte sich das ganze Glück, das mir gefehlt hatte, in diesem einen Augenblick zusammen. Ich sah zu ihm hoch und war nicht mehr ich selbst. Ich war Mom, aber nicht, wie ich sie kannte. Sie stülpte mir nicht ihre Dunkelheit wie eine Tüte über den Kopf. Nein, es war anders. Ich wurde die Mom, die sie vor vielen Jahren war. Auch Dad spürte es, das merkte ich. Vielleicht hätte der Moment länger gedauert, wenn Edie nicht ständig geredet und Druck gemacht hätte. Sie wollte mich wieder zu der anderen Mutter zurückbringen. Der in der Nervenklinik, die mich gefesselt und geviertelt als Opfer brauchte.“ (Seite 116)

Edie fühlt sich schuldig. Sie denkt, dass sie die Einweisung der Mutter in die Klinik hätte verhindern können. Edie möchte nicht bei ihrem Vater sein und versucht die Schwester zu überreden mit ihr gemeinsam die Mutter aus der Klinik zu holen. Doch Mae fühlt sich wohl beim Vater. Also macht sich Edie allein auf den Weg nach Hause. Doch Marianne will ihre Tochter nicht sehen, fragt mach Mae. Edies Eifersucht flammt wieder auf. Immer will Marianne nur Mae um sich haben und stößt Edie von sich.

„Was Mariannes Tochter allerdings nicht mitbekam und wahrscheinlich nie erfahren wird, was, dass Marianne nach ihrem Besuch immerzu weinte, leise, damit die Schwester es nicht mitkriegte. In diesem Moment begriff ich Mariannes Verhalten – sie folget einem Urinstinkt und wollte ihre Tochter von sich fernhalten und so für ihre Sicherheit sorgen, auch wenn sie dem Mädchen damit das Herz brach.“ (Seite 241)

WOW … was für ein DEBÜT!!! Ich bin immer noch hin und weg. Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich dieses Buch so sehr gefesselt, dass ich es an einem Tag gelesen habe. Die Geschichte hat einen unglaublichen Sog und das obwohl sich Abgründe auftun. Doch von Anfang an …

In kurzen Kapitel lässt die Autorin verschieden Menschen zu Wort kommen. Das sind neben Edie und Mae, Marianne und Dennis, auch Weggefährten der vier. Edie und Mae sind jedoch die Erzähler, die den größten Raum einnehmen. Apekina bedient sich verschiedener stilistischer Mittel, unter anderem Tagebucheinträge, medizinische Berichte etc., welche die Geschichte noch komplexe machen.

Mich hat die Geschichte sehr berührt, aber auch fassungslos gemacht. Da sind zwei Kinder, die um die Liebe der Eltern buhlen. Edie, um die ihrer Mutter und Mae um die ihres Vaters. Und beide werden nur für die eigenen Zwecke der Eltern benutzt. Das hat mich echt fassungslos und wütend gemacht. Was mich dann aber wirklich erschüttert hat, ist wie weit Kinder gehen würden, um die Liebe der Eltern zu bekommen.

Dies ist keine leichte Geschichte und an vielen Stellen tun sich Abgründe auf. Jeder einzelne Protagonist versucht gegen seine inneren Dämonen anzukämpfen. Gegen Wut, Trauer, seelische Verletzungen und Selbstzweifeln … und keinem gelingt es wirklich aus dieser selbstzerstörerischen Spirale auszubrechen.

„Heute kann ich leicht sagen, das ich wünschte, ich wäre netter zu meiner Schwester gewesen, aber damals war mir das noch nicht möglich. Unser Vater hatte mir gerade das Herz gebrochen, unsere Mutter hatte sich gerade umgebracht , und ich hatte mich gerade verbrennen wollen. Ich konnte es mir nicht leisten, großzügig zu sein.“ (Seite 343)

Ein grandioses Debüt, das noch lange nachwirkt! Unbedingt lesen!!!

 

 

 

 

Kurz & Knapp … Januar 2019

Lästige Liebe von Elena Ferrante

Delia kehrt nach dem plötzlichen Tod der Mutter in ihre Heimatstadt zurück. Sie möchte herausfinden, was in den letzten Tagen/ Stunden vor dem Tod der Mutter passiert ist, da sie nicht verstehen kann, warum die Mutter so plötzlich verstarb. Hat vielleicht jemand anderes seine Finger im Spiel?

In Rückblicken erzählt Delia aus ihrem Leben und dem Leben der Eltern. Der Vater war gewalttätig und die Mutter hatte eine Affäre mit einem Geschäftspartner des Vaters. In ihrer Rückschau erkennt Delia, dass sie mehr mit ihrer Mutter gemeinsam hat, als ihr lieb ist. Und dann ist da noch dieser mysteriöse Caserte, ein Freund des Vaters …

Dies war mein erster Ferrante und ich hab mir echt viel davon versprochen, da die Saga so hoch gelobt wurde. Doch leider bin ich mit diesem Buch überhaupt nicht zurecht gekommen. Delia, die Protagonistin war mir so fern, ich konnte mit ihr nichts anfangen und somit war auch die Geschichte für mich sehr eckig. Irgendwie fehlte mir ein roter Faden. Delia springt in ihren Erinnerungen hin und her, was mich beim lesen echt ermüdet hat.

Fazit: Auch wenn die Saga von Ferrante allerorts hochgelobt wurde, und dieses Buch vielleicht eine Ausnahme ist, die nicht gefällt, so bleibt es aber mein einziger Ferrante den ich gelesen habe/ lesen werde.

(Suhrkamp Verlag, ISBN: 9783518428283, Preis: 22,00 Euro)

 

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Die Zeit und was sie heilt von Kit de Waal

Mona ist 60 und lebt in einem kleinen Küstenort in England. Mit Anfang Zwanzig zog sie von der Stadt in dieses malerische Dorf. Sie fertigt Puppen an. Doch nicht irgendwelche, sondern Puppen für Frauen, die ihre Kinder verloren haben. Mit diesen Puppen leistet Mona ein Stück Trauerarbeit. Doch sie verarbeitet auch ein Stück ihrer Trauer und ihrer Vergangenheit.

Auch hier erfahre ich in Rückblicken und Geschehnissen in der Gegenwart viel aus Monas Leben. Warum sie die Stadt verließ und was sie bei den Frauen im Dorf bewirkt. Mir hat die Geschichte rund um Mona und ihrem Leben sehr gut gefallen. Es ist kein trauriges Buch, sondern eher ein MutmachBuch.  Vor allem die Sache mit den Puppen und der damit verbundenen Trauerarbeit haben mich fasziniert. Sie nehmen jedoch nur einen geringen Anteil in der Geschichte ein. Ich mochte Mona sehr, und das was sie in ihrem Leben erlebt hat, hat sie geprägt, und das merkt man auch in der Geschichte. Im Laufe der Geschichte reift Mona von einer Jugendlichen zu einer Frau, die weiß was sie im Leben will.

Fazit: Ein sehr schöne Geschichte, kurzweilig und mit der Intension, dass es immer weiter geht im Leben. Das nach jedem Tief auch wieder ein Hoch kommt, und dass alles im Leben seinen Sinn hat.

(Rowohlt Verlag, ISBN: 9783498074050, Preis: 22,00 Euro)

 

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Agathe von Anne Cathrine Bomann

Es ist das Jahr 1948 in Paris. Der 71-jährige Psychiater zählt die Tage bis zu seinem Ruhestand. Er ist es leid sich Tag für Tag die „Leiden“ seiner Patienten anzuhören. Und obwohl er es kaum erwarten kann, endlich seinen Lebensabend zu Hause zu verbringen, so weiß er, dass es ein sehr einsamer Lebensabend werden wird. Denn durch seine Arbeit hat er den sozialen Kontakt zu seinen Mitmenschen verloren. Als seine Sprechstundenhilfe dann trotz Patientenaufnahmestopp eine neue Patientin aufnimmt, verändert dieses Aufeinandertreffen sein Leben.

Dieses kleine Büchlein ist in kurze Kapitel eingeteilt. In erster Linie geht es um den Psychiater. Sein Leben und Arbeiten, und seine eigentlich vorausahnende Zukunft. Doch dann kommt Agathe ins Spiel und sie wirbelt das Leben des Psychiaters durcheinander. Die Geschichte ist sehr philosophisch und manches Mal hatte ich so meine Probleme ihr zu folgen. Es geht um zwei Menschen, die mit Menschen und dem Leben so ihre Probleme haben. Doch sie schaffen es aus ihren Mustern auszubrechen und bauen sich langsam ein neues Leben auf.

Fazit: Wer es philosophisch mag ist hier gut aufgehoben. Mir hat es bedingt gefallen, da mir persönlich die Figuren und ihre Geschichte ein wenig zu oberflächlich bleiben. Ich hätte gerne mehr Tiefe gehabt.

(Hanserblau, ISBN: 9783446261914, Preis: 16,00 Euro)

 

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Dein Leben und meins von Majgull Axelsson

An ihrem siebzigsten Geburtstag kehr Märit in ihrer Heimat zurück. Fünfzig Jahre lang hat sie den Ort ihrer Kindheit nicht betreten. Zu viel war geschehen, was sie vergessen wollte. Hier wurde ihr geistig behinderter Bruder in ein Heim gegeben, indem er zu Tode kam. Hier wurde ihr am Tage ihrer Abiturfeier übel mitgespielt … Doch nun stellt sie sich den Dämonen der Vergangenheit und ihrem Zwillingsbruder, der eigentlich ein Drillingsbruder ist.

Der Titel hört sich so toll an, und auch das Cover ist mega schön. Doch die Geschichte ist irgendwie ein bisschen plem-plem. Märit hört nämlich immer die Stimme ihrer Schwester. Die ist bereits im Bauch der Mutter gestorben. Ihr „Geist“ ist dann irgendwie in Märit gelandet und so redet „die Andere“ ständig dazwischen. Das ist beim lesen des Buches so mega anstrengend, dass ich teilweise überlegt habe abzubrechen. Doch meine Neugier siegte, da ich einfach wissen wollte wie das Buch ausgeht. Märit besucht viele Stationen ihrer Kindheit. Auch die ihres geistig behinderten Bruders, der in einem Heim zu Tode kam. Ich erfahre, dass einige grausame Dinge im Leben Märits passiert sind, an denen sie nicht so ganz unschuldig ist.

Fazit: Spannend geschrieben, allerdings nicht leicht zu lesen, wegen der Anderen. War irgendwie nicht mein Buch.

(List Verlag, ISBN: 9783471351727, Preis: 22,00 Euro)

 

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Schade, schade …

Suhrkamp Fester Einband  170 Seiten Erscheinungsdatum: 08.02.2016  Preis: 19,95 € ISBN: 9783518425275

Suhrkamp
Fester Einband
170 Seiten
Erscheinungsdatum: 08.02.2016
Preis: 19,95 €
ISBN: 9783518425275

Klappentext
Ihre Mutter ist tot, und Blanca fährt nach Cadaqués, auf den Sommerfamiliensitz am Meer. Beide Exmänner sind da, die gemeinsamen Kinder, Freundinnen, der Geliebte, sie alle füllen das Haus mit Leben. Für Blanca beginnt eine entrückte Zeit: Stunden auf dem Boot, Frühstück unterm blauen Himmel, Gespräche bis tief in die Nacht, Alkohol, Sex. Und alles wäre wie immer – würde die verstorbene Mutter ihr nicht auf Schritt und Tritt begegnen und Blanca dazu zwingen, sich zu einer folgenreichen Einsicht durchzuringen.

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„ Als ich dich tot gesehen habe, empfand ich keine Angst, ich hätte ewig dort neben dir sitzen können, mir kam es einfach so vor, dass du nicht mehr da bist, dass das morgendliche Sommerlicht, das durchs Fenster fiel, auf nichts traf, was es daran gehindert hätte, sich im Zimmer und über die Welt zu ergießen, und bloß noch unsere Überreste, dein vom Schmerz gezeichnetes Gesicht, die Stille, die Müdigkeit und eine neue Einsamkeit, eine bodenlose – wie Schichten, die bei der leisesten Berührung, eine nach der anderen, unter meinen Füßen aufreißen-, waren da und hießen mich willkommen. Falls deine Seele oder was auch immer weiterlebte, dann hat sie gemacht, dass sie aus diesem deprimierenden Zimmer wegkommt, ich werfe dir das nicht vor, meine hätte bestimmt dasselbe getan.“ (Seite 40)

Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre … hätte das eine wunderschöne Hommage an die Mutter werden können. Doch leider, leider ist das irgendwie voll danebengegangen.

Blanca erzählt in verschiedenen Kapiteln die Geschichte vom Verlust ihrer Mutter, der Trauer, schwelgt in Erinnerungen und das ist sprachlich wirklich toll gemacht. Aber was mich echt angenervt hat ist ihr ständiges rumgejammer wie arm sie doch dran ist, wie schwer alles ist und so weiter und so weiter. Das Ganze begleitet von ständigem Sex mit ihren Exmännern und dem Geliebten, sowie Saufgelagen und Drogenkonsum. Mal ehrlich, für eine Frau von vierzig, die Kinder hat, finde ich ein solches Verhalten doch etwas überzogen.

Schade, schade … ich verstehe die Intension der Autorin, ein Buch über den Verlust der Mutter zu schreiben, zu zeigen wie wertvoll eine Mutter in unser aller Leben ist und wie schmerzlich es ist diese zu verlieren. Doch mit Blanca hat sie leider eine Protagonistin geschaffen, die es nicht schafft dieses Gefühl zu transportieren.

„Vielleicht haben wir am Ende alle irgendeine Reise nicht gemacht, planen wir Reisen, wenn sie schon nicht mehr möglich sind, im Versuch, uns Zeit zu erkaufen, selbst wenn wir wissen, dass unsere abgelaufen ist und dass uns niemand auch nur eine zusätzliche Minute schenken kann.“ (Seite 82)

Was ich echt nicht verstehe ist, dass dieses Buch angeblich auf der Frankfurter Buchmesse 2014 ein „internationales Phänomen“ gewesen sein soll. Es war auch unter anderem monatelang auf den französischen, holländischen und italienischen Bestsellerlisten. Sogar Platz auf Platz 1 der spanischen und katalanischen Bestsellerlisten.

Nun denn … macht Euch Euer eigenes Bild …

 

2 von 5 Sternen