Die Liebe und ihre vielen Facetten

Atlantik Verlag Fester Einband  192 Seiten Erscheinungsdatum: 16.07.2016  Preis: 18,00 € ISBN: 9783455600414

Atlantik Verlag
Fester Einband
192 Seiten
Erscheinungsdatum: 16.07.2016
Preis: 18,00 €
ISBN: 9783455600414

Klappentext
Am Strand in Nordfrankreich: Sonne, Meer, Dünen und Bars. Hier treffen vier Paare ganz unterschiedlichen Alters aufeinander: zwei Teenager im Rausch der ersten Liebe, eine 35-jährige auf der Suche nach einem neuen Glück, eine gelangweilte Hausfrau, die sich ins Abenteuer stürzt, und ein altes Ehepaar, das sich noch genauso liebt wie am ersten Tag. Die Paare begegnen einander, und ihre Schicksale kreuzen sich unter dem Feuerwerk des 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag. Sie alle stehen für die Liebe in all ihren Facetten – denn egal in welchem Alter, die Liebe bleibt ein universelles Gefühl.

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„Die vier Jahreszeiten des Sommers“ erzählt vier Liebes- und Lebensgeschichten, die alle irgendwie miteinander verwoben sind. Da dieses Buch nur ein Büchlein ist, werde ich inhaltlich nicht viel mehr sagen, als was der Klappentext schon beschreibt. Ich möchte an dieser Stelle viel mehr die wunderbare Sprache und die leichte Melancholie des Buches durch ausgewählte Textpassagen in den Vordergrund stellen.

Beginnend im Frühling der Liebe … zwei Teenager, die gerade sich und die Liebe kennen lernen. Ein erstes herantasten, vorsichtig und ängstlich, wie ein Schneeglöckchen, das sich seinen Weg durch den Schnee sucht. Dann blüht diese erste Liebe langsam auf, wie die Natur in Frühling nach dem Winterschlaf …

Ich warte darauf, dass sie größer wird, Mama. Ich warte darauf, dass sie den Kopf an meine Schulter lehnt. Ich warte darauf, dass ihr Mund zittert, wenn ich mich ihr nähere. Ich warte auf die betörenden Düfte, die sagen, du kannst dich jetzt in mich verlieren, in mir verbrennen. Ich warte darauf, ihr Worte zu sagen, die man nicht zurücknehmen kann. Die Worte, die die Weichen stellen für ein Leben zu zweit. Für das Glück. Und manchmal für eine Tragödie.“ (Seite 24)

Dann kommt der Sommer … eine Frau von 35 Jahren sehnt sich nach einem Mann, mit dem sie alt werden kann, mit dem sie ein Familie gründen kann. Doch zwischen Wunsch und Realität klafft oft ein großer Graben. Es gibt Menschen, die einfach kein Glück haben den richtigen Partner zu finden, die im Sommer der Liebe hängen bleiben und vielleicht in der Hitze der Sonne verbrennen …

Einige Jahre später lernte ich einen Ehemann kennen. Lachen Sie nicht. Natürlich war er bezaubernd. Sogar schön. Von der Art Schönheit, die wir Frauen bei einem Mann wahrnehmen, wenn wir hungrig sind. Sein Blick, seine Stimme, seine Worte waren ungeschickt. Nach ein paar Liebesnächten, Fieber, Zärtlichkeit, Gewalt und Versöhnung wurde ich schwanger. Erst stürzt man sich aufeinander, und dann stürzt man ab.“ (Seite 57)

Im Herbst der Liebe angelangt, erzählt die Geschichte von einer Frau, die fünfzig wird und das Gefühl hat von ihrem Mann nicht mehr geliebt zu werden. Ihren Körper, so denkt sie, findet er abstoßend, weil dieser nicht mehr ohne Makel ist. Doch dieser Körper erzählt eine Geschichte … die von einer wunderbaren Liebe, aus der drei Kinder hervorgegangen sind, die natürlich Spuren am Körper der Frau zurück gelassen haben. Nach dem Frühling und dem Sommer dieser Liebe ist nun im Herbst die Zeit gekommen sich neu zu entdecken/ zu finden. Nicht immer leicht, aber durchaus möglich …

„Morgen muss ich auch den perfekten Körpern entgegentreten. Den Körpern mit makellosen Brüsten, die sie der Jugend oder der Chirurgie verdanken. Den wunderbaren, herrlich gebräunten Körpern, die den Frauenmagazinen und den Hochglanzseiten entsprungen zu sein scheinen und denen man jetzt hier am Strand begegnet, sie sind ganz nah neben uns und unseren Männern. Den Körpern mit endlosen Beinen, die auf den Kaffeterrassen unter kurzen Röckchen zur Schau gestellt werden, wie diese „Zirkel, die den Erdball in alle Himmelsrichtungen ausmessen.“ Diese Traumkörper, wie Ohrfeigen, die mich ständig daran erinnern, was man entbehrt, wenn man die fünfzig erreicht hat, was uns das Leben, die Geburten, die niederträchtige Zeit und der heimliche Kummer geraubt haben. Weil mein Mann mich nicht mehr anschaut …“ (Seite96/ 97)

Und letztendlich erzählt dieses wunderbare Buch die Geschichte der Liebe im Winter des Lebens. Zwei Menschen sind miteinander alt geworden. Sie haben Höhen und Tiefen erlebt. Ihre Liebe hat alles überdauert … sie sind eins geworden und  gehen ihren letzten Weg gemeinsam …

“Wir sind wunderbar verliebt – seit fünfunddreißig Jahren. Wir sind der Letzte des anderen, diese Gewissheit macht uns unendlich ruhig, glücklich und frei. Wir sind ewig schön füreinander.“ (Seite 179)

Neben den Einblicken in das Leben und die Liebe der einzelnen Protagonisten hat mich auch die Bedeutung der Blumen sehr fasziniert. Die spielen eine Rolle in diesem wundervollen Buch.

Für mich ist dieses Buch ist ein wahrer Schatz unter den vielen, vielen Neuerscheinungen innerhalb eines Jahres. Grégoire Delacourts Roman ist so wunderschön trotz all der Melancholie. Ich habe mich an einem Sommertag an die Küste Frankreichs locken lassen … und mein Herz dagelassen. Die Sprache und die Geschichte haben mich verzaubert ♥♥♥

Unbedingt lesen!!!

5 von 5 Sternen

Sekunden im Superlativ

Heyne HC Fester Einband  368 Seiten  Erscheinungsdatum: 08.03.2016 Preis: 14,99 €  ISBN: 9783453270121

Heyne HC
Fester Einband
368 Seiten
Erscheinungsdatum:
08.03.2016
Preis: 14,99 €
ISBN: 9783453270121

Rückentext
Tessa hat immer gewartet: auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, sie hätte noch Zeit. Doch die hat sie nicht. Tessa wird sterben und das schon sehr bald. Sie ist fassungslos, wütend und verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der sie und ihre Fassade durchschaut, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr zur Seite steht. Er überrascht Tessa mit einem großartigen Plan und schenkt ihr einen letzten Sommer. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind.

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„Früher habe ich mein Leben totorganisiert. Jetzt organisiere ich eben meinen Tod.“ (Seite 19)
„Das Leben wird nicht definiert von den Momenten, in denen du atmest, sondern von denen, die dir den Atem rauben.“ (Seite 24)

Tessa ist siebzehn und weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt. Sie wird sterben, und das schon ziemlich bald. Sie sitze nur noch in ihrem Zimmer und wartet auf den Tod. Alle Bemühungen seitens der Familie enden nur in Streit.
Tessa ist wütend, auf sich und die Welt. Dachte sie doch immer sie hätte alle Zeit der Welt … für den ersten Freund, den ersten Kuss, die Liebe … Selbst den Führerschein, das Abi und eine Ausbildung wird sie nie machen. Ihre Tage sind gezählt. Doch dann tritt Oskar in ihr Leben …

„Ich muss lachen. Nein, mit Oskar habe ich nicht gerechnet. Mit ihm und diesem Kribbeln. Ich sitze nur da und starre auf meinen Bildschirm, mit diesem Lächeln auf den Lippen und den Tränen, die mir in die Augen steigen und seine Worte zu schwarzen Flecken verschwimmen lassen. Ich wähle die Illusion. Das Leben in der Seifenblase. Und das, obwohl sie vermutlich schon sehr bald platzen wird. Ich will einfach leben – zumindest solange ich das noch kann.“ (Seite 51)

Oskar trifft bei dem Arbeitskollegen von seinem Vater das erste Mal auf Tessa. Er weiß nichts von ihrer Krankheit und ist auf den ersten Blick von ihr fasziniert und sucht ihre Nähe. Er lädt Tessa zu einem Konzert ein. Bei beiden fängt es an zu kribbeln, doch Tessa hat Angst, da sie weiß, dass sie bald sterben wird. Wie wird Oskar reagieren, wenn sie es ihm sagt? Soll sie es ihm überhaupt sagen?

„Dann plötzlich die zarte Berührung seiner Unterlippe. Es ist nicht mehr als der Flügelschlag eines Schmetterlings, und doch hält er meine Welt an. Seine Lippen liegen auf meinen, behutsam, noch zögernd.“ (Seite 82)

Tessa entschließt sich Oskar die Wahrheit zu sagen. Doch der reagiert anders als erwartet und kommt mit einem irren Plan um die Ecke. Er will mit Tessa durch Italien reisen. Tessas Eltern sind schockiert, da sie Angst haben ihre Tochter nicht mehr lebend wieder zu sehen. Doch letztendlich stimmen sie zu und die beiden machen sich auf den Weg nach Italien.

„Ich will nicht sterben. Ich würde am liebsten jeden Tag mit Oskar ein bisschen älter werden, bis wir eines Tages runzelig sind wie Rosinen. Aber das wird nicht passieren. Bald wird es mich nicht mehr geben, aber der Gedanke, glücklich zu sterben, lässt mich dennoch lächeln. Mein Herz mag kaputt sein, aber es  ist voller Liebe.“ (Seite 265)

Als ich dieses Buch in die Hand genommen habe, wusste ich, dass es kein gutes Ende nehmen wird. Mir war von Anfang an klar, dass Tessa sterben wird. Und dennoch wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Und ja, ich bin froh, dass ich es gelesen habe.
Die Geschichte von Tessa und Oskar ist eine Geschichte wie Achterbahnfahren. Es geht rauf und runter … man lacht und weint, manchmal beides gleichzeitig. Und auch jetzt habe ich einen Kloß im Hals. Ich habe selten ein Buch gelesen, das es schafft die Gefühle eines Teenagers zu beschreiben, der weiß, dass er bald sterben wird. Die Wut, die Trauer, aber auch die Freude am Leben … alles ist so spürbar und nachvollziehbar. Zu keinem Zeitpunkt habe ich Tessas Geschichte als kitschig oder übertrieben wahrgenommen. Im Gegenteil, auch ich habe von Tessa noch lernen können: Nämlich den Augenblick des Lebens zu genießen, im Hier und Jetzt zu leben und nicht sein Leben totorganisieren.

„Mein Blick fällt auf Oskar Gesicht, und ich spüre, wie mir Tränen in die Augen steigen. Ich dachte, ich gehe als unbeschriebenes Blatt, aber das werde ich nicht. Oskar hat Spuren hinterlassen. Seine Gefühle in meinem Herzen, seine Stimme in meinem Kopf und seine Hände auf meiner Haut. Ich glaube ich habe verstanden. Liebe ist genug. Und ich wurde geliebt.“ (Seite 350)

Danke liebe Anne Freytag, für diese wunderschöntraurige Geschichte von Tessa und Oskar.
Danke, dass ich an Tessas bestem letzten Sommer teilhaben durfte. ♥♥♥

 

5 von 5 Sternen