Kurz & Knapp … Mai 2018

Dumplin‘ von Julie Murphy

Willowdean ist 16 und ein wenig Übergewichtig. Doch sie ist mit ihrem Leben und sich selbst im Reinen, wäre da nicht der alljährliche Schönheitswettbewerb. Das ist das jährliche Highlight von Wills Mutter. Sie hat ihn als junges Mädchen gewonnen und seit dieser Zeit wirkt sie jedes Jahr daran mit. Willowdean findet dieses ganze Brimbramborium um Schönheit, Gewicht und Kleider einfach nur furchtbar. Sie verweigert sich jedes Jahr daran teilzunehmen. Doch dann lernt sie den geheimnisvollen Bo kennen. Und plötzlich denkt sie darüber nach, was wäre wenn …

Mir hat dieses Jugendbuch gut gefallen. Am Anfang hatte ich ein wenig Bedenken, dass das jetzt so eine Geschichte wird, in der die „Dicke“ rumjammert. Doch das Gegenteil ist der Fall. Willowdean kommt als sehr starker und selbstbewusster Teenager rüber. Ihr Gefühlschaos ist nachvollziehbar und auch ihre Aktionen und Reaktionen sind sehr real und authentisch.

Fazit: Ein starker Jugendroman über Themen wie Selbstwertgefühl, Freundschaft, Familie und dem Mut die Dinge zu ändern, mit denen man nicht zufrieden ist. Lesenswert! 

(Fischer FJB, ISBN: 9783841422422, Preis: 18,99 Euro)

 

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Mit Hanna nach Havanna von Theresia Graw

Katrin, ist Mitte dreißig und eine erfolgreiche Journalistin. Ihr TV Show ist eine Erfolg, doch sie träumt von größerem. Als ihr Chef sie eines Tages zu einem Gespräch einlädt, denkt sie, dass sie am Ziel ihrer Träume ist. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Ihre Show wird abgesetzt, und sie soll ab sofort ein Seniorenmagazin moderieren. Katrin ist total gefrustet. Dann flattert ein Brief der 78jährigen Johanna in die Redaktion. Sie ist auf der Suche nach ihrer großen Liebe, die sie auf Kuba vermutet. Katrin lässt sich widerwillig überreden mit Johanna nach Havanna zu reisen, um dort Julius zu finden, der einst in den 60zigern nach Kuba auswanderte.

Dies ist der vierte Roman, den ich von Theresia Graw gelesen habe. Ihre Romane sind alle (!!!) immer mega. Sie sind lustig, unterhaltsam, kurzweilig und haben immer eine unerwartete Wendung. So auch hier. Ich habe so oft gelacht und den Kopf geschüttelt über Katrin und Hanna. Katrin ist immer diejenige, bei der alles nach Plan und Struktur laufen muss. Hanna dagegen lässt alles auf sich zu kommen und genießt das Leben. Das ist für Katrin oft purer Nervenstress.

Außerdem lernt man im Buch ein wenig das Land kennen, da Theresia Graw selbst schon dort war und somit sehr authentisch darüber schreiben konnte. Ohne zu viel zu verraten … das wäre kein Land für mich. Da bin ich dann doch zu sehr Katrin. 🙂

Fazit: Sehr unterhaltsamer Roman mit verschiedenen Wendungen und bis zum Schluss mega spannend. Ein perfektes Buch für den Sommer und um Fernweh kurzfristig zu stillen!

(Blanvalet, ISBN: 9783734104404, Preis: 9,99 Euro)

 

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Das Kaff von Jan Böttcher

Der Architekt Michael Schürtz hat als Jugendlicher sein Heimatdorf verlassen um in der Großstadt sein Leben zu leben. Das macht er auch und zwar sehr erfolgreich. Doch jetzt kehrt er in seine Heimat zurück, um dort als Bauleiter eine Bauprojekt zu überwachen. Es ist eine Reise zurück zu seinen Wurzeln und seinem damaligen Leben, denn auch nach 20 Jahren hat sich wenig in dem Kaff verändert.

Das was Böttcher als Kaff bezeichnet, ist fast ein solcher Ort, in dem ich lebe. Und ganz ehrlich … mich nervt es langsam, dass es immer wieder Bücher gibt (Unterleuten von Juli Zeh war auch so eins), die das Leben auf dem Dorf als rückläufig, langweilig, spießig, unattraktiv usw. darstellen.  Wir erleben es im Moment hier bei uns, dass eben viele junge Familien wieder aufs Dorf/ Land ziehen, weil Häuser und das Leben bezahlbarer sind, als in der Stadt, es Gemeinschaft anstatt Anonymität gibt.

Fazit: Ich mag solche Bücher nicht mehr lesen!

(Aufbau Verlag, ISBN: 9783351037161, Preis: 20,00 Euro)

 

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Das Geräusch des Lichts von Katharina Hagena

Fünf sehr unterschiedliche Menschen sitzen im Wartezimmer einer Arztpraxis. Fünf verschiedene Leben. Eine der Wartenden ist die Erzählerin. Sie ist als letztes gekommen und sie erzählt die Geschichte der anderen. Am Anfang scheinen es einzelne Schicksale zu sein. Doch schnell wird klar, das sie alle miteinander verwoben sind und zu den Nordlichtern Kanadas führen.

Eine sehr leise und poetische Geschichte, die viel Aufmerksamkeit braucht und sich nicht schnell runter lesen lässt. Die Geschichte selbst hat keinen großen Handlungsspielraum und ist somit vielleicht eher ein Buch, um sich selbst zu reflektieren.

Fazit: Anders als die Bücher die ich bereits von der Autorin kenne, dennoch lesenswert, wenn man nicht zu viel erwartet.

(Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 9783462049329, Preis: 20,00 Euro)

 

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Die Frau nebenan von Yewande Omotoso

Hortensia ist schwarz. Marion ist weiß. Beide sind Nachbarinnen und leben in Katterjin bei Kapstadt, eine Siedlung für Reiche und Privilegierte. Jede der beiden Frauen ist Witwe und beide haben viel in ihrem Leben erreicht. Doch die beiden können sich nicht leiden, und bekriegen sich wo es nur geht. Dann passiert ein Zwischenfall ´mit Marions Haus, und Hortensia bietet ihr notgedrungen „Unterschlupf“. Die beiden Frauen kommen sich kurzfristig näher.

Auf den ersten Blick scheint es ein netter und komische Roman zu sein. Es ist einfach zu schön, wie sich die beiden Alten gegenseitig zickeln und schikanieren. Doch blickt man hinter die Fassade, erkennt man, dass es hier um mehr geht. Es geht um die Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika. Es geht darum, wann beginnt Rassismus und wie kann der Einzelne etwas im kleinen bewirken. Es geht um Freundschaft und Vertrauen, egal welche Hautfarbe und welchen Background der andere hat.

Fazit: Ein gelungener Roman, für den ich mir aber noch ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht hätte.

(Ullstein Taschenbuchverlag, ISBN: 9783548290539, Preis: 11,00 Euro)

 

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Das Alter ist nur eine Zahl

Blanvalet Flexibler Einband  416 Seiten Erscheinungsdatum: 21.11.2016  Preis: 9,99 Euro ISBN: 9783734102462

Blanvalet
Flexibler Einband
416 Seiten
Erscheinungsdatum:
21.11.2016
Preis: 9,99 Euro
ISBN: 9783734102462

Klappentext
Franziska ist glücklich, verheiratet mit Daniel, Biologieprofessor und Experte für Amöbenforschung, die beiden haben zwei Kinder und wohnen in einem schönen Haus mit Garten in München. Eigentlich gibt es an ihrem Leben nichts auszusetzen. Doch dann landen plötzlich Briefe an eine gewisse Laura Caspari in Franziskas Briefkasten. Niemand der Nachbarn kennt sie, und als Absender steht nur der Name Alex auf dem Umschlägen. Nach langem Zögern öffnet Franzi die Briefe in der Hoffnung, einen Hinweis auf den mysteriösen Absender zu entdecken. Doch stattdessen findet sie die Erinnerungen eines Mannes an seine frühere große Liebe Laura. Mit Alex‘ flammendem Liebesbekenntnis kann ihre eigene, ein wenig langweilig gewordene Ehe es nicht aufnehmen – erst jetzt wird Franzi bewusst, dass zwischen ihr und Daniel schon seit Längerem keine Funken mehr sprühen. Als ihr Mann kurz darauf zu einer Dienstreise aufbricht, beschließt Franzi: Sie wird einmal im Leben etwas Verrücktes tun, sich auf die Suche nach Alex machen und ihm die Briefe zurückgeben. Noch ahnt sie nicht, dass diese Entscheidung bald für mehr Wirbel sorgen wird, als ihr lieb ist …

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Franziska hat eigentlich alles was sich eine Frau wünscht … sie sieht gut aus, hat zwei tolle Kinder (auch wenn diese gerade ihre pubertäre Phase haben), einen gutaussehenden erfolgreichen Ehemann, ein wunderschönes Haus mit Garten in einem angesagten Wohnviertel  in München. Und doch ist sie irgendwie unzufrieden. Ob es an dem kurz bevorstehenden Geburtstag liegen mag? Sie wird fünfzig Jahre alt. Plötzlich stellt sie alles in Frage. Da kommen die geheimnisvollen Briefe an eine Laura gerade Recht. Sie „verliebt“ sich in die romantischen Worte des Briefeschreibers. Sie denkt, dass irgendetwas in ihrem Leben fehlt und macht sich auf die Suche nach dem Briefeschreiber, ohne zu ahnen, was sie alles aufs Spiel setzt.

„>Ich befürchte<, sagte Helen, als ich sie am nächsten Morgen anrief und alles berichtete, >mit Ehen ist das wie mit Telefonen. Früher hatte man eines ein Leben lang – und jetzt ist es ganz normal, dass man sich jedes Jahr ein neues Handy besorgt. (…)<“ (Seite 285)

Eine Frau, in diesem Fall Franziska wird fünfzig. Sie nullt. Und wie bei vielen Millionen anderen Frauen, in Büchern oder der Realität sind manche Geburtslage, zumeist die mit einer Null ein Horror. Plötzlich wird das ganze Leben in Frage gestellt. Alles was man bisher gemacht hat ist plötzlich nichts mehr „wert“. Alles wird in Frage gestellt. Da ist Frau, in diesem Fall wieder Franziska, anfällig für schöne Worte auf Papier, denn wann hat sie das letzte Mal einen solchen Liebesbrief bekommen? Scheinbar vor gefühlten hundert Jahren.

Theresia Graw beschäftigt sich in ihrem neuen Buch mit dem Thema „Alter“ bzw. „älter werden“. Sie erzählt Franziskas Geschichte, eine Frau, die in der Mitte ihres Lebens scheinbar vor Umbrüchen steht.  Als Leserin wird mir schnell klar, dass könnte mit einigen kleinen Abweichungen auch meine eigene sein. Natürlich habe auch ich schon ein paar Nullen hinter mir. Und gerade bei der fünften fragt man sich, war das schon alles? Was hält das Leben noch für mich bereit? Aber hey … das Alter ist nur eine Zahl und das Leben hat mehr zu bieten als eine  Zahl mit einer Null dran.

Die Geschichte rund um Franziska und ihre Nöte ist bezaubernd geschrieben und beschrieben. An einigen Stellen erkennt Frau sich wieder. Es ist das dritte Buch der Autorin und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass ihr Schreibstil sich etwas verändert hat. Die ersten beiden Bücher waren etwas ungezwungener … heiterer … leichter. „Wenn das Leben Loopings dreht“ hat ein wenig die Leichtigkeit verloren. Das heißt nicht, dass es mir nicht gefallen hat. Im Gegenteil … ich denke, dies ist ein Buch, das zeigt, dass auch Autoren*innen wachsen bzw. reifer werden und sich anderen Themen zuwenden.

Ich freue mich, dass ich dieses Buch lesen durfte, und noch mehr freue ich mich, dass Theresia Graw im März mein Gast in „Angelikas Büchergarten“ sein wird, um aus diesem Buch zu lesen.

Danke liebe Theresia … bis März

 

4 von 5 Sternen

Ein kleiner Jahresrückblick …

 

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Hallo Ihr Lieben,

eigentlich bin ich kein Freund von Jahresrückblicken oder gar Vorausblicken. Denn wie heißt es so schön … ett kütt wie ett kütt …

Heute jedoch möchte ich die ruhige Zeit im Laden mal nutzen, um einen kleinen Rückblick zu starten. Mein erstes volles Jahr im Büchergarten neigt sich dem Ende. Es war ein Jahr mit tollen, verrückten, schönen und überraschenden Ereignissen. Dieses Jahr haben wir im Büchergarten das erste Mal mit den Schulen den „Welttag des Buches“ gefeiert. Insgesamt waren 125 Kinder in der Buchhandlung und haben sich von mir etwas zur Entstehung von Büchern erzählen lassen und anschließend bekam jedes Kind sein Buch zum „Welttag des Buches“. Das war so schön und wir werden es 2017 wieder machen und hoffen, dass sich noch mehr Schulen anmelden. Die Anmeldefrist für die Schulen läuft noch bis zum 31. Januar 2017 auf http://www.welttag-des-buches.de/ . Dann gab es noch die Lesetütenaktion … auch diese werden wir in 2017 wiederholen. Und dann waren da noch all die kleinen Geschichten in der Buchhandlung, die ich versuche immer wieder aufzuschreiben um sie Euch zu erzählen. Zwei sind mir in besonderer Erinnerung geblieben. Die Geschichte mit „meinem Frosch“ und die Geschichte mit „meinem jüngsten Kunden“. Übrigens von Fröschlis Besitzerin und Fröschli selber habe ich zu Weihnachten eine wunderschöne selbstgemachte Weihnachtskarte bekommen. ♥♥♥

Besonders schöne und unterhaltsame Stunden habe ich mit den Damen des Lesekreis verbracht. Wir haben dieses Jahr viele tolle Bücher gelesen, waren bei einigen Büchern ganz unterschiedlicher Meinung, doch gerade die Diskussionen darüber waren sehr anregend und interssant.

Dann waren da all die tollen Veranstaltungen/ Lesungen mit wundervollen Autoren*innen. Angefangen mit Christoph Poschenrieder/ Februar, dann Michaela Grünig/ März, Veronika Peters/ April, Christina Beuther/ Juni, Birgit Rabisch/ September, Hans Georgi/ Oktober, Reinhard Wagner/ November und Torsten Woywod/ Dezember. Es waren wundervolle Lesungen und Abende mit Euch. DANKE!!!

Bei all der Euphorie gibt es auch etwas trauriges … mein Blog. Irgendwie schaff ich es nicht, vor allem im November und Dezember, regelmäßig zu bloggen. Ich muss noch stark an meinem Zeitmanagement arbeiten. Liebe Follower habt ein bisschen Nachsicht mit mir. Ich werde versuchen es 2017 besser zu machen.

Nun bleiben nicht mehr viele Stunden und 2016 wird vorbei sein. Die schönen Stunden und Begegnungen in diesem Jahr werden jedoch für immer in meinem Herzen bleiben. An dieser Stelle ein dickes DANKE an alle … meine lieben Kunden*innen in und um Ruppichteroth herum, den Frauen aus dem Lesekreis, den tollen Autoren*innen die hier waren und die noch kommen werden, den Verlage die mich als Buchhändlerin und Bloggerin unterstützen, den Followern und all den lieben Menschen, die im Hintergrund mich immer und immer wieder motivieren und bestätigen in dem was ich mache. DANKE dass es Euch gibt. ♥♥♥

 

Wir sehen uns …

Eure Angelika

… aus „Glück ist nichts für schwache Nerven“ von Theresia Graw

blanvalet  Flexibler Einband 320 Seiten Erscheinungsdatum: 16.02.2015  Preis: 9,99 € ISBN: 9783442383252

blanvalet
Flexibler Einband
320 Seiten
Erscheinungsdatum:
16.02.2015
Preis: 9,99 €
ISBN: 9783442383252

 

„Es sind nicht die Probleme an sich, die uns das Leben schwer machen, sondern unser Festhalten daran – sagt Buddha.“ (Seite 13)

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„Die Ereignisse der letzten vierundzwanzig Stunden wirbeln durch meinen Kopf wie ein Haufen bunter Socken im Wäschetrockner.“ (Seite 81)

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„Konfuzius: >Ist besser, kleines Licht anzumachen, als über Dunkelheit zu schimpfen.<“ (Seite 138)