Geteilt durch zwei von Barbara Kunrath

Ullstein Verlag
Flexibler Einband
399 Seiten
Erscheinungsdatum:
Januar 2020
ISBN: 9783548060491
Preis: 10,00 Euro

Klappentext

Nadja Kleman ist glücklich. Sie hat einen fürsorglichen Mann und eine erwachsene Tochter. Nie hat es ihr an etwas gemangelt, schon gar nicht an Liebe. Und doch ist da diese Lücke in ihrem Leben, die sich so schwer beschreiben oder gar begreifen lässt. Es ist eine Stimme im Radio, die Nadjas überschaubares Leben von heute auf morgen durcheinanderbringt. Eine Stimme, die klingt wie ihre eigene. Und wie die ihrer Tochter Lena. Nadja recherchiert: Die Frau aus dem Radio heißt Pia Abrecht. Wie sich bald herausstellt, redet sie nicht nur mit gleicher Stimme, sondern sieht Nadja auch noch zum Verwechseln ähnlich. Pia ist Nadjas Zwilling.

Nach der ersten überwältigenden Freude ergeben sich für beide Schwestern viele neue, teils drängende Fragen. Gemeinsam machen sie sich auf die Reise in die Vergangenheit, nach der nichts mehr so sein wird, wie es einmal war …

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Nadja ist einundvierzig, als sie erfährt, dass sie eine Zwillingsschwester hat. Sicherlich hatte sie schon immer das Gefühl, dass etwas fehlt im Leben. Jetzt hat sie die Bestätigung. Die beiden Mädchen wurde in unterschiedliche Familien zur Adoption gegeben. Als Nadja ihr Ziehmutter nach ihrer leiblichen Mutter befragt, stößt sie auf eine Wand des Schweigens. Auch Pia fragt ihr Ziehmutter nach der leiblichen. Von ihrer Tante, die gleichzeitig ihre Ziehmutter und die Schwester ihrer verstorbenen leiblichen Mutter ist, bekommt sie einige wenige Details zum Tod der Mutter und zu ihrer Adoption. Doch als Nadja und Pia tiefer graben und nachhaken, stoßen sie auf Widersprüche. Also machen sich die Beiden auf die Suche nach der Wahrheit und nach dem Vater, der noch lebt …

Dies ist mein zweites Buch, welches ich von Barbara Kunrath lese. Mir hat die Geschichte gut gefallen, obwohl ich sie am Anfang etwas langatmig fand. Doch irgendwann kam die Stelle, an der in Rückblicken die Toten und die Lebenden die Geschichte der Zwillinge … die Geburt, die Adoption, dem Tod der Mutter und das Verbleiben des Vaters … erzählen. Dabei gibt es immer wieder erstaunliche Wendungen, bis zum Schluss.

Kunrath erzählt eine emotionale Geschichte über Adoption, Lügen, Sehnsucht, Schuld, Schicksal und Träume.

Kurz & Knapp … Juni 2018

Miss Gladys und ihr Astronaut von David M. Barnett

Gladys ist um die siebzig und sollte für ihre Enkel, Ellie und James sorgen, da die Mutter verstorben ist und der Vater im Knast sitzt. Doch das Ganze ist nicht so einfach, da Gladys immer öfter erste Anzeichen einer Demenz zeigt. Ellie kümmert sich um alles, und versucht auf biegen und brechen die Stellung zu halten, damit niemand etwas bemerkt da die Kids sonst im Heim landen.

Tom Major hat die Schnauze voll, von allem und jedem. Da trifft es sich gut, dass der Astronaut, der zum Mars fliegen soll, plötzlich umkippt und tot ist. Kurzerhand springt Tom ein und befindet sich plötzlich auf dem Weg zum Mars. Auf dem langen Weg dorthin befällt ihn Langeweile und er versucht seine Exfreundin anzurufen und landet aber bei Gladys. Die beiden unterhalten sich, nichtsahnend, dass Tom bald zum Retter der ganzen Familie wird.

Zuerst einmal muss ich etwas zum Cover loswerden. Das ist das schlimmste Cover ever und schreckt den/ die Leser ab. Ich frage mich was der Verlag sich da gedacht hat. Das Cover entspricht in keinster Weise dem Inhalt des Buches. Es vermittelt den Eindruck von Kitsch und seichtem Inhalt. Das ist es aber nicht.

Es geht in dieser Geschichte um den verzweifelten Kampf einer Familie ums Überleben und den Zusammenhalt. Gladys spürt von Tag zu Tag mehr, dass sie ihr Gedächtnis verliert. Sie muss aber ihre Sinne beieinander halten, damit die Kids nicht ins Heim kommen. Ellie arbeite neben der Schule in verschiedenen Jobs, und das, obwohl sie erst fünfzehn ist. Und James fühlt sich einfach nur verloren ohne Vater und Mutter. Und als plötzlich alles aufzufliegen droht, hilft Major Tom aus dem All.

Fazit: Eine unterhaltsame Geschichte mit unerwarteten Wendungen und am Ende hab ich sogar ein Tranchen im Auge gehabt. Bitte nicht vom Cover und Titel abschrecken lassen!!!

(Ullstein Taschenbuchverlag, ISBN: 9783548289540, Preis: 15,00 Euro)

 

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Lavendelträume von Gabriele Diechler

Nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Mutter findet Julia in einem geheimen Postfach ein sehr kostbares Parfum und einen Liebesbrief. Julia ist im ersten Moment irritiert, da sie die Ehe ihrer Eltern immer als perfekt gesehen hat. Welches Geheimnis hatte ihre Mutter und wer ist Antoine? Ihre Recherche ergibt, dass es sich um einen Parfümeur in Frankreich handelt. Sie nimmt Kontakt auf und reist kurzerhand nach Frankreich. Dort angekommen trifft sie auf Nicolas, dem Sohn von Antoine, und muss von ihm erfahren, dass Antoine verstorben ist. Julia zeigt ihm das Parfum und die Botschaft an ihre Mutter, und sie versuchen gemeinsam hinter das Geheimnis zu kommen.

Was für eine schöne Geschichte. Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Gabriele Diechler schafft es wieder einmal mich mit ihrer Geschichte um Julia und Nicolas in den Bann zu ziehen. Ich konnte den Flair der Provence spüren und den Duft des Lavendels riechen. Ich erfahre einiges über die Herstellung von Parfüm, was ich sehr interessant fand.

Fazit: Ein sehr schöner Sommerroman, der perfekt in die jetzige Lavendelblüte passt. ♥♥♥

(Insel Verlag, ISBN: 9783458363507, Preis: 9,95 Euro)

 

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Wir müssen reden von Sibylle Luithlen

„Wir müssen reden“ ist der Anfang eines Satzes, den kein Paar gerne hört. Doch genau diese Worte spricht Lars zu Feline. Er bittet sie um eine Beziehungspause, da er eine andere Frau kennen gelernt hat. Feline ist schockiert und versucht zunächst wie immer weiter zu machen. Sie bricht ihr Referendariat als Deutschlehrern ab und flüchtet.

In Rückblenden erzählt die Autorin von dem ersten Treffen zwischen Lars und Feline, von ihren Ängsten Gefühle zuzulassen, da beide in ihrer Kindheit erlebt haben, wie es enden kann, wenn man zu viel Gefühle zeigt. Die Geschichte zeigt weiterhin das Beziehungsgeflecht der beiden auf. Feline ist „eifersüchtig“ auf Lars angebliche Unabhängigkeit, da er sich kaum um die Tochter und den Haushalt kümmert. Feline ist dauergestresst, weil sie sich neben ihrem Beruf noch um alles andere kümmern muss. Das allerdings ist Felines Empfinden und sieht in der Wirklichkeit des Buches etwas anders aus.

Fazit: Ich fand das Buch mega anstrengend und Felines Gejammer ging mir echt auf die Nerven. So was von „weinerlich“ und immer sind die anderen schuld … An dieser Stelle wie immer, das ist meine Meinung, macht Euch bitte Eure eigene zu diesem Buch.

(DVA, ISBN: 9783421047953, Preis: 20,00 Euro)

 

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Das Feld von Robert Seethaler

Ein alter Mann sitzt auf einer Bank auf dem Friedhof und lauscht den Geschichten der Menschen in ihren Gräbern. Es sind Geschichten von Menschen, die alle im Ort Paulstadt gelebt haben, und deren Leben sich auf irgendeine Art und Weise mehr oder weniger gekreuzt haben. Mehr möchte ich zum Inhalt nicht sagen, da es ein dünnes Büchlein ist, und sonst zu viel verraten wird.

Dies war mein erster Seethaler und ich hatte mich echt darauf gefreut, da ich immer wieder von anderen gehört und gelesen habe, das Seethaler ein toller Autor sei. Leider wurde ich sehr enttäuscht. Vielleicht liegt es daran, dass ich etwas vollkommen anderes erwartet habe. Ich wusste, es geht um den Tod. Erwartet habe ich eine leicht angehauchte philosophische Geschichte über den Tod und seine Auswirkung auf die Hinterbliebenen. Bekommen habe ich eine „Tratschgeschichte“. Ihr wisst schon, so von wegen der hat dies und jene hat das. Nur hier tratschen nicht die Lebenden sondern die Toten.

Fazit: Sehr schade, aber ich werde es sicherlich noch mit einem anderen Seethaler versuchen. Auch hier gilt, es ist meine Meinung. Bitte macht Euch Eure eigene zu diesem Buch, das es viele gibt, die dieses Buch toll fanden.

(Hanser Berlin, ISBN: 9783446260382, Preis: 22,00 Euro)

 

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Häuser aus Sand von Hala Alyan

Die palästinensisch-amerikanische Autorin erzählt in ihrem Romandebüt die Geschichte einer Familie über vier Generationen während des Nahostkonflikts, beginnend in den Sechzigern bis in die heutige Zeit. Die Geschichte verläuft chronologisch und wird immer aus der Perspektive eines Familienmitglieds erzählt. Ein Stammbaum der Familie zu Beginn des Buches macht es mir als Leserin einfacher, zu sehen wer ist wer.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich ein wenig Probleme mit der Hintergrundgeschichte, dem Nahostkonflikt hatte. Mir ist dieser Krieg und den damit verbundenen Geschehnissen nicht so präsent. Daher war für mich eher die Familiengeschichte im Vordergrund. Die Suche nach Heimat und Wurzeln. Da die Familien immer und immer wieder aus ihren Heimatdörfern vertreiben wurden, war es für dies nicht möglich. Den Titel fand ich daher sehr passend. Die Heimat verrinnt immer und immer wieder wie Sand zwischen den Fingern. Wurzeln zu schlagen ist einfach unmöglich. Trotz der multikulturellen Familie, die sie zum Schluss ist, ist es für die Familie immer noch schwer im Nahen Osten Heimat zu finden.

Fazit: Ein sehr gelungenes Debüt!

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198558, Preis: 24,00 Euro)

 

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Über mir die Sonne von Alessio Torino

Tina, ihre Mutter und ihre Schwester Bea verbringen den Urlaub auf einer kleinen Insel. Es ist der erste Urlaub ohne den Vater. Der hat die Familie verlassen und lebt mit seiner Musikschülerin zusammen. Für Tina ist die Trennung nicht so schmerzvoll, wie für den Rest der Familie. Sie hat genug mit sich und ihrem Erwachsenwerden zu tun, den Tina steckt mitten in der Pubertät und erfährt das erste Mal die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts. Neben den dreien gibt es noch andere Urlauber, die mir mehr als suspekt waren. Irgendwie alle ein bisschen kaputt und somit kein guter Umgang für Tina.

Ehrlich gesagt habe ich die Botschaft des Autors nicht wirklich verstanden. Laut Klappentext geht es um den Verlust des Vaters und dem damit verbundenen Ende einer Familie. Ich habe erwartet, das Torino den Verlust und die Trauer aufarbeitet, doch ich erlebe Tina, Bea und die Mutter als vergnügte Urlauber auf einer Insel unter leicht durchgeknallten Leutchen. Vieles wird angedeutet, aber nicht wirklich ausgesprochen und das Ende hat mir nur eine großes Fragezeichen im Kopf hinterlassen.

Fazit: Das war nix! Wie schon heute zwei Mal erwähnt … meine Meinung usw. …

(Hoffmann und Campe, ISBN: 9783455001471, Preis: 18,00 Euro)

 

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Zehn Tage im Februar … die kein Mensch braucht!

Blumenbar
Fester Einband
208 Seiten
Erscheinungsdatum:
19.01.2017
Preis: 18,00 €
ISBN: 9783351050375

Klappentext
Ein Mann hinterlässt seiner Frau einen Zettel: Er wird sie verlassen. Für zehn Tage. Danach werde man sehen. Die Frau schmeißt den zettel in den Müll, drapiert sich die Haare zum Dutt und zieht eine nachtblaue Robe an, denn es ist der Eröffnungsabend der Berlinale. Der Mann ist weg, aber die Filme kommen und mit ihnen die große Regisseurin Jane Campion, der einzige Mensch, dem sich die die Frau je wirklich verbunden gefühlt hat. Jane soll ihr helfen, sich zu entscheiden. Zwischen der Frau, die sie einmal war, die sich vom Scheich nach Cannes einladen ließ und die sich an nichts und niemanden band – außer an das Kino. Und der Frau, die sie geworden ist, die bittere Tränen in ihrem geschmackvoll eingerichteten Eigenheim vergießt, in deren Leben scheinbar alles an seinem Platz ist, aber rein gar nichts in Ordnung. Nach zehn Tagen kommt der Mann zurück. Die frau aber hat von Jane einen schwierigen Auftrag bekommen.

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Kennt ihr das? Da freut man sich auf ein Buch, weil der Klappentext interessant erscheint, dann liest man es und die Geschichte hinterlässt ein großes Fragezeichen. So erging es mir mit diesem Buch und ich habe lange gezögert und mich gewunden dazu etwas zu schreiben. Nun hier meine Meinung zu diesem Buch, und dem Hinweis bitte macht euch eure eigene Meinung.

Die beiden „Hauptprotagonisten“ bleiben ohne Namen. Das gibt es hin und wieder in Büchern, und doch kann man eine „Beziehung“ aufbauen. Anders hier. Die Frau bleibt für mich eine Person, die ich nicht greifen und auch nicht begreifen kann. Sie hat eigentlich ein tolles Leben. Einen Mann, einen tollen Job, ein Eigenheim usw. Dennoch ist sie unzufrieden. Als ihr Mann sie für zehn Tage (die Zeit der Berlinale) verlässt, hat die Dame nichts Besseres zu tun, als den Zettel (in meinen Augen ein Synonym für den Mann/ die Beziehung) in den Müll zu schmeißen, sich schick zu kleiden und sich ins Abenteuer zu stürzen. Kein Gedanken an den Mann oder die Beziehung. Egal. Fort damit. Es folgt ein Einblick in den Ablauf einer solchen Berlinale mit all seinen vielen Filmen (für Cineasten durchaus interessant). Zwischendurch ständiges Gejammer, das sie ihr altes ungezwungenes und ungebundenes Leben wieder haben möchte. Wobei sich hier die Frage stellt, war es wirklich so ungezwungen und ungebunden? Sie ließ sich von einigen Dame und Herren „aushalten“.  Nun denn … nach zehn Tagen war die Geschichte zu Ende, und ich mit meinen Nerven.

Ich habe immer und immer wieder gehofft, dass mich die Geschichte noch anspricht, doch leider hat es das nicht. Schade … sehr schade um die Lesezeit, die ich vergeudet habe.

 

2 von 5 Sternen

Über die Wirkung von Briefen

C. H. Beck Fester Einband  224 Seiten Erscheinungsdatum: 10.03.2015  Preis: 18,95 € ISBN: 9783406675676

C. H. Beck
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
10.03.2015
Preis: 18,95 €
ISBN: 9783406675676

Klappentext
Eine Frau schreibt Briefe an einen Mann, der sie verlassen hat, aber der Mann, der sie erhält und liest, der von ihnen gepackt und ergriffen wird, so sehr, dass er nicht mehr zur Arbeit geht, ist gar nicht der richtige Adressat. Er selbst lebt in Trennung von seiner Frau und seinem Kind und so wechselt sich seine eigene Geschichte ab mit den Briefen. Die offenbar irrtümlich bei ihm landen und auf die er zu warten beginnt. Welche Wirkung werden diese Briefe über Liebe und Lust, Abhängigkeit und Verrat, über Nähe und Gewalt am Ende haben? Und wer ist ihr wahrer Adressat?

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„Gibt es denn wirklich etwas Wichtiges zu sagen?, wirst du dich fragen. Eine Enthüllung, ein Geheimnis? Ich antworte dir, ja, es gibt Dinge, die du nicht weißt; es gibt immer Dinge, die wir nicht wissen, ganz egal wie durchschaubar der andere auch sein mag. Ganz  egal, wie ergeben er auch ist, es gibt immer etwas Unerwartetes, etwas, das einen vielleicht überrascht, einem ein Lächeln entlockt oder Leid zufügt.“ (Seite 31)

Eine Unbekannte (sie nennt sich A.), schreibt täglich Briefe an ihren Geliebten, der sie verlassen hat. Sie erzählt ihm in diesen Briefen von ihrer Liebe, ihrer Sehnsucht und ihrer Verletzlichkeit. A. erinnert sich an die Zeit mit dem Geliebten … das Kennenlernen, das Lieben, den Sex, die Streitigkeiten und den Hass bis hin zur Trennung … in der Hoffnung, dass ihr Geliebter zu ihr zurück kehrt.

„Ich schreibe dir, damit du mich liest. Ganz einfach. Damit du mich liest und zurückblickst, damit du mich liest und denkst, dass es etwas verblüffendes Schönes in mir gibt, etwas, das du nicht gesehen hast, etwas, das unbemerkt an uns vorbeigegangen ist. Also, um es noch klarer auszudrücken, vorausgesetzt, das ist überhaupt möglich: Ich schreibe dir, damit du mich liest und liebst.“ (Seite 51)

Marco lebt getrennt von seiner Frau und von seiner Tochter. Er findet sein Leben trostlos und hat Affären, doch nichts bedeutet ihm etwas. Dann liegt eines Tages ein blauer Brief in seinem Kasten. Obwohl er ahnt, dass dieser Brief nicht für ihn bestimmt ist, liest er ihn. Marco ist fasziniert von dem Inhalt und fragt sich wer diese Frau ist, die sich so voller Liebe nach ihrem geliebten sehnt, der sie verlassen hat. Als am nächsten Tag wieder ein Brief im Kasten liegt, liest er ihn wieder, da seine Neugier zu groß ist. Skrupel hat er ein klein wenig, doch seine Faszination überwiegt. Mit jedem Tag mehr, an dem ein Brief in seinem Kasten liegt, verfällt Marco der Briefschreiberin. Er verliebt sich in die Frau, ohne dass er sie kennt. Und erst, als sie ihren letzten Brief ankündigt, macht er sich auf den Weg und versucht heraus zu bekommen wer die Schreiberin ist. Doch nichts ist so wie es scheint …

„Gestern habe ich lange darüber nachgedacht, über die Liebe, über diese Beharrlichkeit in der Liebe, als könne die Liebe uns vor allem bewahren oder zumindest vor irgendetwas, als könne die Liebe uns vor Hass bewahren, vor dem Wahnsinn und sogar vor dem Verlangen.“ (Seite 52)

Das Buch fängt mit einem Brief an und wechselt sich dann immer mit der Geschichte des Empfängers ab. Die Briefe sind in einer wundervollen poetischen Sprache geschrieben und haben mich einfach umgehauen. Auch wenn die Briefe immer exzentrischer und gewagter werden. Sie enthüllen eine Liebesbeziehung die von Liebe, Hass und Gewalt geprägt ist. Ich möchte sogar behaupten, dass hier eine gewisse Hörigkeit seitens der Briefeschreiberin vorliegt. Sie kann nicht ohne ihren Geliebten, selbst nach der Trennung bittet und bettelt sie, dass er zurückkommt.

Die Kapitel mit Marco zeigen auf, dass er ein trostloses Leben führt. Nichts scheint ihm zu gelingen und alles ist ihm gleichgültig. Alle stellen in seinen Augen immer nur Forderungen. Vor allem die Frauen. Sie wollen immer nur, dass er sich kümmert, Geld verdient usw. Erst als er die Briefe liest, spürt er was ihm fehlt … eine Frau, die ihn bedingungslos liebt. Eine, der er sich anvertrauen kann, eine die ihn nimmt wie er ist. Marco macht in der Geschichte eine Wandlung durch. Aufgerüttelt von den Briefen, weiß er plötzlich was er im Leben will.

„Ich erinnere mich an alles, vom ersten Blick an. Irgendjemand hat mir mal gesagt, in diesem ersten Blick wäre schon alles enthalten, die Liebe, die erste Begegnung, die Wiederbegegnung, die Trennung, der Genuss, der Schmerz, das Leben und der Hass, alles, was folgt, existiert schon in diesem ersten Blick und wird dann nur noch abgespult.“ (Seite 77)

Wer eine Liebesgeschichte erwartet wird enttäuscht werden. Dieses Buch ist eher ein poetisches Verwirrspiel mit der Frage im Hinterkopf ist es die Wahrheit oder ist es Phantasie. Die verschachtelten Sätze erschweren das Lesen an manchen Stellen, doch die poetische Sprache der Briefe macht das wieder wett. Alles in allem ein lesenswertes Buch, das ungewöhnlich anders ist,  aber mich nicht vom Hocker gerissen hat.

3 von 5 Sternen

Ein Buch, dass die Leser spaltet …

 

Aufbau Verlag  Flexibler Einband 304 Seiten Erscheinungsdatum: 05.12.2014 Preis: 9,99 € ISBN: 9783746630908

Aufbau Verlag
Flexibler Einband
304 Seiten
Erscheinungsdatum: 05.12.2014
Preis: 9,99 €
ISBN: 9783746630908

Klappentext
Marie fliegt mit ihren beiden Kindern übers Wochenende nach Paris. Dort findet eine Feier zu Ehren ihres Vaters statt, der einige Monate zuvor überraschend verstorben ist. Alte Wunden brechen auf, Marie provoziert eine Aussprache mit ihrer Mutter, in der es um Jahrzehnte totgeschwiegene Konflikte und Verletzungen geht. In dieser aufgewühlten Atmosphäre begegnet sie Serge. Es passiert nichts zwischen ihnen, aber es liegt etwas in der Luft. Obwohl sie ihren Mann Johannes liebt und mit ihm und ihren beiden Kindern ein glückliches Leben führt, schleicht sich eine Sehnsucht in ihre Gedanken, die sie nicht mehr loslässt. Auch wenn sie es sich zunächst nicht eingestehen will, eines ist schnell gewiss: Sie muss Serge wiedersehen. Immer tiefer taucht Marie in den Strudel ihrer Gefühle ein und läuft schließlich Gefahr, sich selbst zu verlieren.

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Dies ist das Debüt der Autorin Natascha Rodrigues, und was soll ich sagen … es beinhaltet eine Geschichte, die die Leser spaltet. Es gibt die, die ganz klar sagen, dass sie Marie verstehen, und die anderen, so wie ich, finden sie einfach nur egoistisch und kalt. Aber wie kommt es dazu?

Nun, Marie ist eine junge Frau. Sie hat einen tollen Mann, der sie auf Händen trägt und auch der Sex mit ihm stimmt. Die Kinder sind wohlerzogen und artig. Die Familie lebt in einem tollen Haus, hat Freunde, Marie einen Job, der ihr Spaß macht. Also alles, was sich der Mensch wünscht, um glücklich zu sein. Und dann passiert das, was ich einfach nicht verstehen kann. Sie trifft einen Mann, fühlt sich ihm nahe, weil sie ihn an ihre Kindheit und Jugend erinnert. Etwas Vertrautes ist zwischen ihnen, was aber nicht benannt werden kann. Maries körperliche Sehnsucht zu Serge wird immer größer, bis die beiden endlich im Bett landen. Von dem Zeitpunkt an verletzt Marie alle Menschen um sich herum und denkt nur noch an sich und ihr Leben. Sie versucht zwar ihr Leben mit Johannes wieder in den Griff zu bekommen, doch meiner Meinung nach nicht genug. Ich frage mich nach wie vor, was veranlasst eine Frau, die alles hat, dies aufzugeben und mit Füßen zu treten. Sie weiß doch gar nicht was sie mit Serge erwartet. Nur weil sie sich ihm irgendwie verbundener fühlt? Weil Verletzungen in der Kindheit und Jugend plötzlich aufbrechen? Dafür gibt es Therapien und Therapeuten. Wie auch immer … Marie geht ihren Weg, ob er mir gefällt oder nicht …

Wie ihr seht, ein Buch, das viele Fragen aufwirft. Eines ist jedoch klar … diese Geschichte ist sehr spannend geschrieben, von der ersten bis zur letzten Seite habe ich gespannt geschaut was passiert, auch wenn mir die Protagonisten bis zum Schluss nicht ans Herzen gewachsen ist, ich sie einfach nur egoistisch fand. Aber macht euch euer eigenes Bild.

4 von 5 Sternen