Kurz & Knapp … März 2019

Ich bleibe hier von Cathrine Ryan Hyde

Grace ist neun Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einem sozialen Brennpunkt. Die Mutter ist Drogenabhängig und so sitzt Grace oft vor der Haustür, weil ihre Mutter „schläft“. Eines Tages lernt sie Billy kennen, ein Nachbar, der schon seit Jahren das Haus nicht mehr verlassen hat, weil er an einer Zwangsstörung leidet. Durch ihre offene Art, hat Grace schnell Kontakt zu weiteren Hausbewohnern. Als sich das Jugendamt einschaltet und Grace in Obhut nehmen will, bis die Mutter clean ist, schließt sich die Gruppe zusammen, um Grace vor dem Heim zu bewahren. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt und jeder Bewohner kommt an seine persönlichen Grenze …

Wir haben dieses Buch innerhalb des Lesekreis gelesen. In der Besprechung hinterher haben wir für uns beschlossen, dass man diese Geschichte als modernes Märchen sehen muss, da viele unschöne Dinge und Abläufe einfach zu sehr geschönt wurden. Allein die Tatsache, dass eine Gruppe von Menschen, die alle ihre eigenen sozialen wie auch krankhaften Probleme haben, es schaffen Grace vor dem Heim zu bewahren. Die Story hat ziemlich viele gute Ansätze und Themen, aber in der Umsetzung fehlt es an Substanz.

Fazit: Gut geschrieben, aber inhaltlich hätte man mehr machen können.

(Ullstein, ISBN: 9783548288932, Preis: 9,99 Euro)

 

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Die einzige Geschichte von Julian Barnes

Ein junger Mann, der Ich-Erzähler erzählt die Geschichte seiner ersten großen Liebe zu einer älteren Frau. Aufgeteilt in der Kapitel erzählt das erste die Zeit des Kennenlernen, das zweite die Zeit in der das Paar zusammen in eine andere Stadt zieht und im dritten Kapitel wirft der Ich-Erzähler im reifen Alter ein Rückblick auf sein Leben.

Ehrlich gesagt, kann ich überhaupt nicht verstehen, warum dieses Buch so gehypt wird. Mich hat die Geschichte dermaßen angeödet, dass ich immer wieder kurz davor stand sie abzubrechen. Hey, da erzählt einer die Geschichte seiner ersten großen Liebe, aber leider so emotionslos wie ein Stück Brot. Ich hätte mir so manches Mal mehr Leidenschaft bei der Erzählung gewünscht. Ich hab mir so sehr eine wahnsinnig tolle Liebesgeschichte gewünscht. Nö, gibt es nicht. Leider. Seufz.

Fazit: Von mir gibt es an dieser Stelle keine Empfehlung. Es sei denn, ihr möchtet euch zu Tode langweilen. Ja dann solltet ihr dieses Buch unbedingt lesen.

(Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 9783462051544, Preis: 22,00 Euro)

 

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Lubotschka von Luba Goldberg-Kuznetsova

Eine junge Frau lebt in Russland zur Jahrtausendwende. Sie hat gerade ihr Abitur gemacht und träumt von einem glamourösen Leben. Doch sie lebt in ärmlichen Verhältnissen. Doch auf ihrem Abschlussball möchte sie glänzen … strahlen … denn danach wird sie mit der Mutter nach Deutschland gehen.

Die Geschichte um die Wünsche und Sehnsüchte dieser jungen Frau ziehen sich wie Kaugummi durchs Buch. Mich hat es irgendwann nur noch angenervt. Es geht um die richtige Klamotte für den Abschlussball, um Jungs und was man sich alles kaufen könnte. Materielle Dinge stehen sehr im Fokus der jungen Dame. Ihre Weltanschauung spiegelt das Russland der Nullerjahre.

Fazit: Auch hier leider keine Leseempfehlung von mir. Leider.

(Aufbau Verlag, ISBN: 9783351037635, Preis: 22,00 Euro)

 

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hell/ dunkel von Julia Rothenburg

Zwei Geschwister so unterschiedlich wie Tag und Nacht, wie hell und dunkel, erfahren, dass die Mutter sterben wird. Bald. Die beiden Kinder müssen sich nun um alles kümmern.

Eine tolle Geschichte, die mich beim Lesen fesselt. Da sind Valerie und Robert, zwei Geschwister, die eine gemeinsame Mutter haben aber verschiedene Väter. Ihr Verhältnis zueinander ist nicht innig, genauso wenig wie das zur Mutter. Valerie lebt bei der Mutter, Robert in einer anderen Stadt. Nun ist die Mutter krank, und die Kinder müssen Abschied nehmen, stehen kurz davor einen Verlust zu erleiden. All dies erzählt die Autorin sehr gefühlvoll bis zu einem bestimmten Punkt und an dem war ich dann raus. Die beiden sind in ihrer Trauer, Wut, Hoffnungslosigkeit immer näher gerückt, was dann soweit ging, dass sie Sex miteinander hatten. Und das nicht nur 1x. Nennt mich spießig oder sonst was, aber da bin ich raus. Blutverwandt und Sex geht gar nicht. Vor allem fehlt mir an dieser Stelle eine Triggerwarnung. Während der Erzählung deutete nichts darauf hin, dass dies passieren würde.  Um so überraschter war ich. Im zweiten Teil steht diese Beziehung dann auch etwas mehr im Fokus der Geschichte.

Fazit: Es hätte eine tolle Geschichte werden können, eine Geschichte über den Umgang mit Trauer, Verlust und den daraus entstehenden Ängsten. Aber die sexuelle Komponente zwischen den Geschwistern haben dem Buch einen unangenehmen Beigeschmack gegeben. Schade.

(Frankfurter Verlagsanstalt, ISBN: 9783627002596, Preis: 20,00 Euro)

 

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Kurz & Knapp … Juni 2018

Miss Gladys und ihr Astronaut von David M. Barnett

Gladys ist um die siebzig und sollte für ihre Enkel, Ellie und James sorgen, da die Mutter verstorben ist und der Vater im Knast sitzt. Doch das Ganze ist nicht so einfach, da Gladys immer öfter erste Anzeichen einer Demenz zeigt. Ellie kümmert sich um alles, und versucht auf biegen und brechen die Stellung zu halten, damit niemand etwas bemerkt da die Kids sonst im Heim landen.

Tom Major hat die Schnauze voll, von allem und jedem. Da trifft es sich gut, dass der Astronaut, der zum Mars fliegen soll, plötzlich umkippt und tot ist. Kurzerhand springt Tom ein und befindet sich plötzlich auf dem Weg zum Mars. Auf dem langen Weg dorthin befällt ihn Langeweile und er versucht seine Exfreundin anzurufen und landet aber bei Gladys. Die beiden unterhalten sich, nichtsahnend, dass Tom bald zum Retter der ganzen Familie wird.

Zuerst einmal muss ich etwas zum Cover loswerden. Das ist das schlimmste Cover ever und schreckt den/ die Leser ab. Ich frage mich was der Verlag sich da gedacht hat. Das Cover entspricht in keinster Weise dem Inhalt des Buches. Es vermittelt den Eindruck von Kitsch und seichtem Inhalt. Das ist es aber nicht.

Es geht in dieser Geschichte um den verzweifelten Kampf einer Familie ums Überleben und den Zusammenhalt. Gladys spürt von Tag zu Tag mehr, dass sie ihr Gedächtnis verliert. Sie muss aber ihre Sinne beieinander halten, damit die Kids nicht ins Heim kommen. Ellie arbeite neben der Schule in verschiedenen Jobs, und das, obwohl sie erst fünfzehn ist. Und James fühlt sich einfach nur verloren ohne Vater und Mutter. Und als plötzlich alles aufzufliegen droht, hilft Major Tom aus dem All.

Fazit: Eine unterhaltsame Geschichte mit unerwarteten Wendungen und am Ende hab ich sogar ein Tranchen im Auge gehabt. Bitte nicht vom Cover und Titel abschrecken lassen!!!

(Ullstein Taschenbuchverlag, ISBN: 9783548289540, Preis: 15,00 Euro)

 

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Lavendelträume von Gabriele Diechler

Nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Mutter findet Julia in einem geheimen Postfach ein sehr kostbares Parfum und einen Liebesbrief. Julia ist im ersten Moment irritiert, da sie die Ehe ihrer Eltern immer als perfekt gesehen hat. Welches Geheimnis hatte ihre Mutter und wer ist Antoine? Ihre Recherche ergibt, dass es sich um einen Parfümeur in Frankreich handelt. Sie nimmt Kontakt auf und reist kurzerhand nach Frankreich. Dort angekommen trifft sie auf Nicolas, dem Sohn von Antoine, und muss von ihm erfahren, dass Antoine verstorben ist. Julia zeigt ihm das Parfum und die Botschaft an ihre Mutter, und sie versuchen gemeinsam hinter das Geheimnis zu kommen.

Was für eine schöne Geschichte. Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Gabriele Diechler schafft es wieder einmal mich mit ihrer Geschichte um Julia und Nicolas in den Bann zu ziehen. Ich konnte den Flair der Provence spüren und den Duft des Lavendels riechen. Ich erfahre einiges über die Herstellung von Parfüm, was ich sehr interessant fand.

Fazit: Ein sehr schöner Sommerroman, der perfekt in die jetzige Lavendelblüte passt. ♥♥♥

(Insel Verlag, ISBN: 9783458363507, Preis: 9,95 Euro)

 

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Wir müssen reden von Sibylle Luithlen

„Wir müssen reden“ ist der Anfang eines Satzes, den kein Paar gerne hört. Doch genau diese Worte spricht Lars zu Feline. Er bittet sie um eine Beziehungspause, da er eine andere Frau kennen gelernt hat. Feline ist schockiert und versucht zunächst wie immer weiter zu machen. Sie bricht ihr Referendariat als Deutschlehrern ab und flüchtet.

In Rückblenden erzählt die Autorin von dem ersten Treffen zwischen Lars und Feline, von ihren Ängsten Gefühle zuzulassen, da beide in ihrer Kindheit erlebt haben, wie es enden kann, wenn man zu viel Gefühle zeigt. Die Geschichte zeigt weiterhin das Beziehungsgeflecht der beiden auf. Feline ist „eifersüchtig“ auf Lars angebliche Unabhängigkeit, da er sich kaum um die Tochter und den Haushalt kümmert. Feline ist dauergestresst, weil sie sich neben ihrem Beruf noch um alles andere kümmern muss. Das allerdings ist Felines Empfinden und sieht in der Wirklichkeit des Buches etwas anders aus.

Fazit: Ich fand das Buch mega anstrengend und Felines Gejammer ging mir echt auf die Nerven. So was von „weinerlich“ und immer sind die anderen schuld … An dieser Stelle wie immer, das ist meine Meinung, macht Euch bitte Eure eigene zu diesem Buch.

(DVA, ISBN: 9783421047953, Preis: 20,00 Euro)

 

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Das Feld von Robert Seethaler

Ein alter Mann sitzt auf einer Bank auf dem Friedhof und lauscht den Geschichten der Menschen in ihren Gräbern. Es sind Geschichten von Menschen, die alle im Ort Paulstadt gelebt haben, und deren Leben sich auf irgendeine Art und Weise mehr oder weniger gekreuzt haben. Mehr möchte ich zum Inhalt nicht sagen, da es ein dünnes Büchlein ist, und sonst zu viel verraten wird.

Dies war mein erster Seethaler und ich hatte mich echt darauf gefreut, da ich immer wieder von anderen gehört und gelesen habe, das Seethaler ein toller Autor sei. Leider wurde ich sehr enttäuscht. Vielleicht liegt es daran, dass ich etwas vollkommen anderes erwartet habe. Ich wusste, es geht um den Tod. Erwartet habe ich eine leicht angehauchte philosophische Geschichte über den Tod und seine Auswirkung auf die Hinterbliebenen. Bekommen habe ich eine „Tratschgeschichte“. Ihr wisst schon, so von wegen der hat dies und jene hat das. Nur hier tratschen nicht die Lebenden sondern die Toten.

Fazit: Sehr schade, aber ich werde es sicherlich noch mit einem anderen Seethaler versuchen. Auch hier gilt, es ist meine Meinung. Bitte macht Euch Eure eigene zu diesem Buch, das es viele gibt, die dieses Buch toll fanden.

(Hanser Berlin, ISBN: 9783446260382, Preis: 22,00 Euro)

 

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Häuser aus Sand von Hala Alyan

Die palästinensisch-amerikanische Autorin erzählt in ihrem Romandebüt die Geschichte einer Familie über vier Generationen während des Nahostkonflikts, beginnend in den Sechzigern bis in die heutige Zeit. Die Geschichte verläuft chronologisch und wird immer aus der Perspektive eines Familienmitglieds erzählt. Ein Stammbaum der Familie zu Beginn des Buches macht es mir als Leserin einfacher, zu sehen wer ist wer.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich ein wenig Probleme mit der Hintergrundgeschichte, dem Nahostkonflikt hatte. Mir ist dieser Krieg und den damit verbundenen Geschehnissen nicht so präsent. Daher war für mich eher die Familiengeschichte im Vordergrund. Die Suche nach Heimat und Wurzeln. Da die Familien immer und immer wieder aus ihren Heimatdörfern vertreiben wurden, war es für dies nicht möglich. Den Titel fand ich daher sehr passend. Die Heimat verrinnt immer und immer wieder wie Sand zwischen den Fingern. Wurzeln zu schlagen ist einfach unmöglich. Trotz der multikulturellen Familie, die sie zum Schluss ist, ist es für die Familie immer noch schwer im Nahen Osten Heimat zu finden.

Fazit: Ein sehr gelungenes Debüt!

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198558, Preis: 24,00 Euro)

 

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Über mir die Sonne von Alessio Torino

Tina, ihre Mutter und ihre Schwester Bea verbringen den Urlaub auf einer kleinen Insel. Es ist der erste Urlaub ohne den Vater. Der hat die Familie verlassen und lebt mit seiner Musikschülerin zusammen. Für Tina ist die Trennung nicht so schmerzvoll, wie für den Rest der Familie. Sie hat genug mit sich und ihrem Erwachsenwerden zu tun, den Tina steckt mitten in der Pubertät und erfährt das erste Mal die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts. Neben den dreien gibt es noch andere Urlauber, die mir mehr als suspekt waren. Irgendwie alle ein bisschen kaputt und somit kein guter Umgang für Tina.

Ehrlich gesagt habe ich die Botschaft des Autors nicht wirklich verstanden. Laut Klappentext geht es um den Verlust des Vaters und dem damit verbundenen Ende einer Familie. Ich habe erwartet, das Torino den Verlust und die Trauer aufarbeitet, doch ich erlebe Tina, Bea und die Mutter als vergnügte Urlauber auf einer Insel unter leicht durchgeknallten Leutchen. Vieles wird angedeutet, aber nicht wirklich ausgesprochen und das Ende hat mir nur eine großes Fragezeichen im Kopf hinterlassen.

Fazit: Das war nix! Wie schon heute zwei Mal erwähnt … meine Meinung usw. …

(Hoffmann und Campe, ISBN: 9783455001471, Preis: 18,00 Euro)

 

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Kurz & Knapp … Mai 2018

Dumplin‘ von Julie Murphy

Willowdean ist 16 und ein wenig Übergewichtig. Doch sie ist mit ihrem Leben und sich selbst im Reinen, wäre da nicht der alljährliche Schönheitswettbewerb. Das ist das jährliche Highlight von Wills Mutter. Sie hat ihn als junges Mädchen gewonnen und seit dieser Zeit wirkt sie jedes Jahr daran mit. Willowdean findet dieses ganze Brimbramborium um Schönheit, Gewicht und Kleider einfach nur furchtbar. Sie verweigert sich jedes Jahr daran teilzunehmen. Doch dann lernt sie den geheimnisvollen Bo kennen. Und plötzlich denkt sie darüber nach, was wäre wenn …

Mir hat dieses Jugendbuch gut gefallen. Am Anfang hatte ich ein wenig Bedenken, dass das jetzt so eine Geschichte wird, in der die „Dicke“ rumjammert. Doch das Gegenteil ist der Fall. Willowdean kommt als sehr starker und selbstbewusster Teenager rüber. Ihr Gefühlschaos ist nachvollziehbar und auch ihre Aktionen und Reaktionen sind sehr real und authentisch.

Fazit: Ein starker Jugendroman über Themen wie Selbstwertgefühl, Freundschaft, Familie und dem Mut die Dinge zu ändern, mit denen man nicht zufrieden ist. Lesenswert! 

(Fischer FJB, ISBN: 9783841422422, Preis: 18,99 Euro)

 

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Mit Hanna nach Havanna von Theresia Graw

Katrin, ist Mitte dreißig und eine erfolgreiche Journalistin. Ihr TV Show ist eine Erfolg, doch sie träumt von größerem. Als ihr Chef sie eines Tages zu einem Gespräch einlädt, denkt sie, dass sie am Ziel ihrer Träume ist. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Ihre Show wird abgesetzt, und sie soll ab sofort ein Seniorenmagazin moderieren. Katrin ist total gefrustet. Dann flattert ein Brief der 78jährigen Johanna in die Redaktion. Sie ist auf der Suche nach ihrer großen Liebe, die sie auf Kuba vermutet. Katrin lässt sich widerwillig überreden mit Johanna nach Havanna zu reisen, um dort Julius zu finden, der einst in den 60zigern nach Kuba auswanderte.

Dies ist der vierte Roman, den ich von Theresia Graw gelesen habe. Ihre Romane sind alle (!!!) immer mega. Sie sind lustig, unterhaltsam, kurzweilig und haben immer eine unerwartete Wendung. So auch hier. Ich habe so oft gelacht und den Kopf geschüttelt über Katrin und Hanna. Katrin ist immer diejenige, bei der alles nach Plan und Struktur laufen muss. Hanna dagegen lässt alles auf sich zu kommen und genießt das Leben. Das ist für Katrin oft purer Nervenstress.

Außerdem lernt man im Buch ein wenig das Land kennen, da Theresia Graw selbst schon dort war und somit sehr authentisch darüber schreiben konnte. Ohne zu viel zu verraten … das wäre kein Land für mich. Da bin ich dann doch zu sehr Katrin. 🙂

Fazit: Sehr unterhaltsamer Roman mit verschiedenen Wendungen und bis zum Schluss mega spannend. Ein perfektes Buch für den Sommer und um Fernweh kurzfristig zu stillen!

(Blanvalet, ISBN: 9783734104404, Preis: 9,99 Euro)

 

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Das Kaff von Jan Böttcher

Der Architekt Michael Schürtz hat als Jugendlicher sein Heimatdorf verlassen um in der Großstadt sein Leben zu leben. Das macht er auch und zwar sehr erfolgreich. Doch jetzt kehrt er in seine Heimat zurück, um dort als Bauleiter eine Bauprojekt zu überwachen. Es ist eine Reise zurück zu seinen Wurzeln und seinem damaligen Leben, denn auch nach 20 Jahren hat sich wenig in dem Kaff verändert.

Das was Böttcher als Kaff bezeichnet, ist fast ein solcher Ort, in dem ich lebe. Und ganz ehrlich … mich nervt es langsam, dass es immer wieder Bücher gibt (Unterleuten von Juli Zeh war auch so eins), die das Leben auf dem Dorf als rückläufig, langweilig, spießig, unattraktiv usw. darstellen.  Wir erleben es im Moment hier bei uns, dass eben viele junge Familien wieder aufs Dorf/ Land ziehen, weil Häuser und das Leben bezahlbarer sind, als in der Stadt, es Gemeinschaft anstatt Anonymität gibt.

Fazit: Ich mag solche Bücher nicht mehr lesen!

(Aufbau Verlag, ISBN: 9783351037161, Preis: 20,00 Euro)

 

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Das Geräusch des Lichts von Katharina Hagena

Fünf sehr unterschiedliche Menschen sitzen im Wartezimmer einer Arztpraxis. Fünf verschiedene Leben. Eine der Wartenden ist die Erzählerin. Sie ist als letztes gekommen und sie erzählt die Geschichte der anderen. Am Anfang scheinen es einzelne Schicksale zu sein. Doch schnell wird klar, das sie alle miteinander verwoben sind und zu den Nordlichtern Kanadas führen.

Eine sehr leise und poetische Geschichte, die viel Aufmerksamkeit braucht und sich nicht schnell runter lesen lässt. Die Geschichte selbst hat keinen großen Handlungsspielraum und ist somit vielleicht eher ein Buch, um sich selbst zu reflektieren.

Fazit: Anders als die Bücher die ich bereits von der Autorin kenne, dennoch lesenswert, wenn man nicht zu viel erwartet.

(Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 9783462049329, Preis: 20,00 Euro)

 

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Die Frau nebenan von Yewande Omotoso

Hortensia ist schwarz. Marion ist weiß. Beide sind Nachbarinnen und leben in Katterjin bei Kapstadt, eine Siedlung für Reiche und Privilegierte. Jede der beiden Frauen ist Witwe und beide haben viel in ihrem Leben erreicht. Doch die beiden können sich nicht leiden, und bekriegen sich wo es nur geht. Dann passiert ein Zwischenfall ´mit Marions Haus, und Hortensia bietet ihr notgedrungen „Unterschlupf“. Die beiden Frauen kommen sich kurzfristig näher.

Auf den ersten Blick scheint es ein netter und komische Roman zu sein. Es ist einfach zu schön, wie sich die beiden Alten gegenseitig zickeln und schikanieren. Doch blickt man hinter die Fassade, erkennt man, dass es hier um mehr geht. Es geht um die Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika. Es geht darum, wann beginnt Rassismus und wie kann der Einzelne etwas im kleinen bewirken. Es geht um Freundschaft und Vertrauen, egal welche Hautfarbe und welchen Background der andere hat.

Fazit: Ein gelungener Roman, für den ich mir aber noch ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht hätte.

(Ullstein Taschenbuchverlag, ISBN: 9783548290539, Preis: 11,00 Euro)

 

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Eine Mutter-Tochter Geschichte

Ullstein Verlag
Flexibler Einband
368 Seiten
Erscheinungsdatum: 12.01.2018
Preis: 10,00 €
ISBN: 9783548289236

Klappentext
Einen Tag vor ihrem vierzigsten Geburtstag zieht Mona ein unbefriedigtes Resümee. Nichts wollte sie lieber als eine Familie und eigene Kinder. Stattdessen blickt sie zurück auf eine gescheiterte Ehe, hat wechselnde Partner, einen Job, der sie nicht ausfüllt und ein ziemlich kompliziertes Verhältnis zu Hella, ihrer Mutter. Die wollte immer nur schön sein und keine Kinder, trotzdem hat sie welche bekommen.
Am selben Tag beobachtet Mona in einer Drogerie die zwölfjährige Shirin bei einem Diebstahl. Spontan hilft sie ihr aus der Klemme. Irgendetwas an diesem seltsamen und abweisenden Mädchen rührt sie. Vielleicht kann Shirin eine Lücke in ihrem Leben schließen?

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„Eins war klar: Irgendwann war irgendetwas in ihrer Familie schiefgelaufen. Und wenn man Hella kannte, dann brauchte es nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, was irgendetwas war. Das Hella so war, wie sie war, war für Mona jedenfalls die einzige Erklärung dafür, warum ihr Vater so war, wie er war. Für ihn war es Rache.“ (Seite 77)

In wechselnden Kapiteln, die sich einmal Mona und einmal Hella widmen bekomme ich als Leserin einen Einblick in Monas aber auch in Hellas Leben. Zwei Leben, die scheinbar von Lieblosigkeit geprägt sind.

Mona wächst in einer wohlhabenden Familie auf. Doch der Vater wollte keine Töchter und nachdem der Sohn geboren wurde hat er gar kein Interesse mehr an Mona. Sie hofft auf die Liebe und Fürsorge der Mutter, doch diese ertränkt ihre eigenen Probleme im Alkohol. Auch Monas Versuche den Partner fürs Leben zu finden enden im Chaos.

Hella wächst ebenfalls in einem lieblosen Zuhause auf. Der Vater im Krieg verschollen, die Mutter heiratet wieder und der Stiefvater schlägt sie. Dann flüchtet sie in die Ehe mit Monas Vater. Doch auch diese Ehe ist von Lieblosigkeit geprägt. Alkohol ist der einzige Freund für Hella.

„Aber wie soll man einem Kind helfen, das keine Regeln befolgt, und wie soll ein Kind Regeln befolgen können, wenn ihm gegenüber schon die erste Regel gebrochen wurde? Das größte Versprechen überhaupt. Das Versprechen einer Mutter: Du bist mein Kind, ich liebe dich, und passe auf dich auf!“ (Seite 133)

Mich hat dieser Roman sehr berührt. Alle, wirklich alle Protagonisten sind in meinen Augen traurige Geschöpfe. Diese Geschichte zeigt, wie bestimmte erlernte und erlebte Muster von Generation zu Generation weitergegeben werden. Wie schwer es ist durchlebtes abzustreifen, einen Cut zu machen und neu zu starten bzw. Erlebtes aufzuarbeiten.

Ich bin/ war erschüttert was in dieser Mutter/ Tochter Beziehung bzw. dieser Familie alles schief gelaufen ist. Wie die Wut und Trauer der eigenen Verletzungen die Menschen um einen herum verletzen und vertreiben kann.

Die Autorin schafft es mit dieser Geschichte einen großen Bogen zu spannen. Denn nicht nur Mona schaut auf ihr Leben, sonder auch Hella. Beide müssen feststellen, dass es kein schönes Leben war/ ist. Aber beide erkennen auch, dass es noch nicht zu spät für einen Neuanfang ist. Die Geschichte zeigt, dass es trotz anerzogener und / oder erlebten Muster es immer einen Weg des Durchbruchs gibt. Man muss es nur wollen.

Dieses Buch ist in meinen Augen überwiegend traurig/ melancholisch, aber trotzdem lesenswert. Ich habe es sehr gerne gelesen und gerade das letzte Drittel hat mich mit der gesamten Geschichte versöhnlich gestimmt, denn Mona und auch Hella sind Protagonistinnen, die nicht wirklich liebenswert sind.

♥ Ich bin eine „Rêveuse“ ♥

Ullstein TB Verlag Flexibler Einband 464 Seiten Erscheinungsdatum: 15.03.2012  Preis: 9,99 €  ISBN: 9783548285498

Ullstein TB Verlag
Flexibler Einband
464 Seiten
Erscheinungsdatum:
15.03.2012
Preis: 9,99 €
ISBN: 9783548285498

Klappentext

Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich fantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nie vorhergesehen war: sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von ihren Vätern unlösbar an den Zirkus und ihren tödlichen Wettstreit gebunden, ringen sie verzweifelt um ihre Liebe, ihr Leben und eine traumhafte Welt, die für immer unterzugehen droht.

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Ja, ich bin eine sogenannte Rêveuse. So nennt man im Buch die Menschen, die vom Nachtzirkus begeistert sind, jede Vorstellung besuchen und ihm hinterher reisen um immer wieder diese Magie zu spüren, die ihn umgibt.

Man muss sich auf dieses Buch einlassen können. Einlassen mit all seinen Sinnen, denn nur dann spürt und erlebt man die Magie, die von diesem Buch … dieser Geschichte ausgeht. Die einzelnen Zelte sind so wunderschön und liebevoll beschrieben, das wenn man die Augen schließt sich darin wieder finden kann. Die Luft, die Menschen und ihre Schicksale, all das kann man erleben, wenn man sich darauf einlässt und dieses Buch nicht einfach nur runter liest. Nur dann ist man in die Handlung eingebunden und erlebt diese magische Welt.

Ein wundervolles Buch, in dem Träume noch möglich und erlebbar sind!!!

 

5 von 5 Sternen