… aus „Alles wird hell“ von Julia Jessen

Antje Kunstmann Fester Einband 304 Seiten Erscheinungsdatum: 11.02.2015  Preis: 19,95 € ISBN: 9783956140242

Antje Kunstmann
Fester Einband
304 Seiten
Erscheinungsdatum:
11.02.2015
Preis: 19,95 €
ISBN: 9783956140242

 

„Ich sehe den ruhigen Flug des Staubs und denke plötzlich: Das würde ich gern tanzen.
Einfach weil ich dieses sanfte Gleiten und Wirbeln spüren kann. Und irgendwie hat das mit mir zu tun. Der Staub. Und wie er wirbelt. Sollten wir eine Seele haben, dann stelle ich sie mir so vor.“ (Seite 28)

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„Das dunkle, kalte Wasser nimmt mir kurz die Luft zum Atmen. Und dann denke ich, wie dünn die Linien sind. Zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte. Und dass man die Vorzeichen alle ändern kann. Die für sich. Die für die anderen.“ (Seite 57)

∗∗∗

„Und ich atme einfach nur ein. Und aus. Und ein. Und aus. Und denke, dass so das Leben ist. Ein und aus. Und das alles, was falsch ist, gleichzeitig richtig ist. Und andersherum. Und dass einen niemand sehen kann. Bis man raushat, wie man sich zeigt.“ (Seite 92)

∗∗∗

„Mein Leben ist ein bunter Teppich, der sich vor mir ausbreitet. Bis jetzt habe ich nur die Rückseite des Teppichs gesehen. Diese vielen bunten Fäden, lauter lose Enden, Knoten und Verknüpfungen, die keinen Sinn ergeben haben. Nichts passte. Aber jetzt breitet sich dieser Teppich vor mir aus. Alle Farben. Sie rauschen durch diese graue Halle wie Flutwellen. Und da ist es. Das Muster. Auf der anderen Seite von all diesen Knoten und Verknüpfungen ergibt sich ein Muster.“ (Seite 99)

∗∗∗

„Es muss die Müdigkeit sein. Meine Gedanken. Sie tragen mich fort. Ich blinzle gegen die Sonne. Es ist nur Müdigkeit. Sein kranker Körper, den ich stützen und halten muss. Baden. Trösten. Lieben. An all den Tagen. Und die Liebe ist wie ein See geworden. Tief. Ruhig. Fast unbeweglich. In vielen Schichten. Warm, kühl. Klar. Immer. Eine Ewigkeit an Wasser. Jahre voller Wasser. Ein See, der fließen kann wie ein Fluss.“ (Seite 243)

∗∗∗

„Meine Liebe ist ein See, in den ich springe. Ich sinke durch alle Schichten. Warme und kalte. Bis zum Grund. Dort unten lege ich mich zur Ruhe.“ (Seite 250)

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