Neulich in der Buchhandlung … #21

 

Hallo Ihr Lieben

in dieser Woche musste ich sehr lachen. Kinder bemerken und sehen so viel mehr als wir Erwachsene, obwohl manches so offensichtlich zu sehen ist. 🙂

Junge Frau und ein ca. 6-7 jähriges Mädchen betreten die Buchhandlung. Zielstrebig gehen sie in die Kinderbuchecke. Erst einmal lasse ich die beiden stöbern und bekomme mit, dass es sich wohl um Tante und Patenkind handelt. Die Kurze darf sich das erste Mal ein Buch selber aussuchen. Es werden alle möglichen Bücher aus dem Regal gezogen. Bilderbücher, Erstlesebücher … aber irgendwie scheint das alles noch nicht wirklich so das richtige zu sein. Auf einmal tuscheln die Beiden. Neugierig wie ich bin 😉 frage ich was es zu tuscheln gibt. Daraufhin schaut mich die Kurze an und sagt: „Warum gibt es hier so viele Bücher mit Pups.“ Da mussten wir alle ganz furchtbar lachen. Dann habe ich geschaut, und wahrhaftig, da lagen drei Bücher nebeneinander, die allesamt das Wort „Pups“ auf dem Cover stehen hatten. Warum da jetzt drei Bücher mit Pups lagen kann ich auch nicht sagen. Komisch ist das schon. 😀 Für die Kurze war das natürlich mega lustig, da Pups ja ein Wort ist, bzw. eine Sache, über die man gar nicht oder nur leise spricht. Wir haben dann alle drei ganz oft Pups gesagt. Das war wirklich ganz schön pupsig. 🙂

Ich fand das sehr interessant und frage mich, ob das bei den Kinderbuchverlagen gerade so Thema ist. 🙂 Die Kurze hat sich dann für „Prinzessin Zuckerpups“ entschieden. Und da Kids zu ihrem ersten Buch immer ein Lesezeichen geschenkt bekommen, durfte sie sich auch noch ein Lesezeichen aussuchen. Sie hat sich so gefreut.

Soweit von hier, wünsche Euch einen schönen Tag

Eure Angelika ♥

 

Werbeanzeigen

All das zu verlieren von Leila Slimani

Luchterhand
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum 13.05.2019
ISBN: 9783630875538
Preis: 22,00 Euro

Klappentext
Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Siearbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen , sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch stellt Adèle dieses Leben nicht zufrieden. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel.

∗∗∗∗∗

„Adèle hat Lucien aus demselben Grund bekommen, aus dem sie geheiratet hat. Um dazuzugehören und wie die anderen zu sein. Indem sie Ehefrau und Mutter wurde, hat sie sich mit einer schützenden Aura der Achtbarkeit umgeben, die ihr keiner mehr nehmen kann. Sie hat sich einen Zufluchtsort für die angsterfüllten Abende geschaffen, einen bequemen Schlupfwinkel für die Tage der Ausschweifung.“ (Seite 34)

Adèle hat eigentlich alles … einen tollen Mann und einen Sohn den sie sich gewünscht hat. Sie lebt in einem schicken Pariser Vorort, ist frei Journalistin und unabhängig. Und doch fehlt ihr der gewisse Kick im Leben. Diesen Kick holt Adèle, in dem sie mit wildfremdem Männern harten Sex hat. Immer und immer wieder. Härter und härter. Aber auch das erfüllt sie nicht wirklich. Sie will mehr …

Als ihr Mann dahinter kommt, bringt er sie aufs Land, weit weg von Paris und ihren Affären. Er sperrt sie in einen goldenen Käfig, will sie ganz allein für sich. Doch eines Tages ergibt sich für Adèle die Möglichkeit nach Paris zu reisen. Kann sie sich dem Sog vergangener Zeiten wirklich entziehen?

„Sie hatte sich eingeredet, dass ein Kind sie heilen würde. Dass die Mutterschaft der einzige Ausweg aus ihrem Überdruss wäre, die einzige Lösung, um ihr die ewige Flucht nach vorne endgültig abzuschneiden. Sie hatte sich in die Schwangerschaft gestürzt, wie ein Patient in eine zwingend erforderliche Behandlung eingewilligt. Sie hatte dieses Kind gemacht oder besser, es wurde ihr gemacht, ohne dass sie Widerstand leistete, in der verrückten Hoffnung, es würde ihr Linderung bringen.“ (Seite 35/36)

Ach je … was für eine arme Gestalt. Adèle hat mir von Anfang an nur leid getan. Beim Lesen konnte ich ihrer innere Zerrissenheit spüren. Auf der einen Seite will sie das bürgerliche und spießige Leben. Will verheiratet sein und Kinder haben. Will auf dem Land leben und für einen Job in die Stadt fahren. Aber warum? Weil das Leben es so „vorschreibt“? Weil das so ist?

Doch in diesem ach so bürgerlichen Leben fehlt ihr der Kick, das gewisse Etwas … Liebe, Begehrt werden, aber auch Kontrolle und Macht. Das holt sie sich bei ihren Abenteuern, dem harten Sex mit den fremden Männern. Und wenn sie dann nach einer solchen Nacht, voller blauen Flecke und Blutergüsse nach Hause zurück kehrt, fühlt sie sich schmutzig und verlogen. Schwört sich selber damit aufzuhören und doch zieht sie am selben Tag wieder los, um die Männer zu treffen.

„Sie hat es immer gemocht Hunger zu haben. Zu spüren, wie man schwächer wird, schwankt, zu fühlen, wie der Magen sich zusammenzieht, und dann zu siegen, kein Verlangen mehr zu haben, darüberzustehen. Sie hatte ihrer Magerkeit kultiviert wie eine Lebenskunst.“ (Seite 72)

Slimanis hat mich schon mit ihrem ersten Roman „Dann schlaf auch du“ ans Buch gefesselt und begeistert. Mit ihrem neuen Roman gelingt dies wieder. Viele Szenen im Buch sind echt grenzwertig, verdeutlichen aber wie sehr Adèle in ihrer Sucht, ja man muss es wirklich Sucht nennen, gefangen ist. Mit jedem Satz mehr tut mir diese Frau einfach nur leid. Ich möchte ihr eine Hand reichen und sagen, es wird alles gut. Doch wird es das? Kann es das?

Was für ein gewaltiges Buch. Slimani erzählt schonungslos und sprachgewaltig. Sie traut sich an Tabuthemen heran und das mit einer wahnsinnigen Intensität. Ein Buch das berührt und bleibt …

Bitte mehr davon.

Chapeau ♥♥♥

Neulich in der Buchhandlung … #20

 

Hallo Ihr Lieben,

es ist schon fast einen Monat her, aber ich möchte Euch dennoch ein paar Eindrücke vom 10. Bröltaler Familiensonntag zeigen. Alle zwei Jahre findet der sogenannte Brötaler Familiensonntag statt. An diesem Tag wird die komplette Brölstraße in Ruppichteroth gesperrt. An diesem Tag steht die Familie im Fokus. Unternehmer aus Ruppichteroth präsentieren ihre Unternehmen und machen tolle kostenfreie Aktionen an ihren Ständen. So auch wieder in diesem Jahr.

Vor zwei Jahren habe ich das erste Mal mitgemacht und da alles noch sehr neu war, hatten wir den ganzen Tag Malaktionen für die Kids und eine Verlosung mit Simack Büchel, einem Kinderbuchautor aus Ruppichteroth. In diesem Jahr hatten wir den Kleinen Drachen Kokosnuss als Walk Act da. Das Kostüm kann man sich beim Verlag leihen, man muss nur jemanden finden, der dann da rein klettert. In unserem Fall war das mein Mann und später auch ich für eine Stunde. Ich kann Euch sagen, das Kostüm ist echt schwer und das Sichtfeld sehr begrenzt. Man kann auf gar keinen Fall alleine gehen.

Der Kleine Drache Kokosnuss ist zuerst auf der gesamten Fläche gelaufen. Dann konnte man sich von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr mit dem Drachen vor der Buchhandlung fotografieren lassen. Ich sag Euch, das war ein Andrang. 🙂 Der Drache ist sehr begehrt gewesen. Wir hatten mega viel Spaß, auch wenn das Kostüm schwer war. Gott sei Dank war es nicht so heiß wie vor zwei Jahren.

Es war mal wieder ein toller Tag! Danke Ihr Lieben aus, in und um Ruppichteroth.

Eure Angelika ♥♥♥

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unwetter von Marijke Schermer

Kampa Verlag
Fester Einband
192 Seiten
Erscheinungsdatum:
11.03.2019
ISBN: 9783311100102
Preis: 20,00 Euro

Rückentext
Emilia ist glücklich – mit ihrem Job, mit ihrem Ehemann und ihren Kindern, mit ihrem Haus im Grünen vor den Toren Amsterdams. Doch plötzlich wird sie von ihren Erinnerungen eingeholt. Zwölf Jahre lang hat sie ein Geheimnis gehütet, kann sie es weiter verbergen? Würde ihr Mann verstehen, dass sie so lange geschwiegen hat? Während Emilias Welt zunehmend aus den Fugen gerät, zieht das Misstrauen ein in ihre Ehe. Und der Himmel über der ländlichen Idylle verfinstert sich …

∗∗∗∗∗

„Was passiert ist, macht mich nicht aus, rechtfertigte sie das sich selbst gegenüber, im Gegenteil: Es würde sich vor mich schieben und ihm die Sicht auf mich nehmen. Es ist ein Akt der Autonomie zu entscheiden, ob ein Vorfall eine Rolle in deinem Leben spielen darf oder nicht. Stimmt das? Kann man das als Standpunkt gelten lassen, oder ist das eine Ausflucht? Kann sie das zurück nehmen? Kann man Jahre, nachdem eine Frage gestellt wurde, noch eine Antwort darauf geben?“ (Seite 24)

Emilia und Bruch leben mit ihren beiden Kinder in einem wunderschönen Haus im Deichvorland bei Amsterdam. Beide sind erfolgreich im Beruf und lieben das Leben in der Abgeschiedenheit. Allerdings erfordert dieses Leben Planung bei der Gestaltung der Freizeit, da man nicht mal eben in die nächstgrößere Stadt fahren kann.

Eines Abends fahren Emilia und Bruch zu einer Theateraufführung, in der es unter anderem um eine Vergewaltigung geht. Die Szenen lösen bei Emilia Erinnerungen aus, die sie eigentlich für immer vergessen wollte. In der Zeit, kurz nachdem sie Bruch kennen lernte wurde sie in ihrer Wohnung überfallen, geschlagen und vergewaltigt. Sie hat Bruch nie davon erzählt, weil sie kein Opfer sein wollte. Doch jetzt erinnert sie sich an jede Einzelheit und die Erinnerung macht ihr das Leben zur Hölle. Vor allem die Angst wie Bruch reagieren könnte, sollte er es je erfahren. Oder sollte sie ihm davon erzählen?

„Natürlich spielte sie mit dem Gedanken, es ihm zu erzählen. Aber danach schlief sie ein. Eine Stunde später wurde sie wach, weil Bruch ihr Tee und Erdbeeren brachte. Über den Vorfall wurde nicht mehr gesprochen. Emilia vergaß, dass er stattgefunden hatte. Wie sie auch vergaß, dass die Vergewaltigung stattgefunden hatte. Vergaß, weil sie glücklich war. Glücklich war, weil sie vergaß. Oder dachte sie nur, dass sie glücklich war?“ (Seite 132)

Als Leserin erfahre ich schon ziemlich zu Anfang was Emilia passiert ist. Ich spüre förmlich, wie dieses Ereignis, welches Emilia verdrängt bzw. verdrängen wollte, immer mehr in den Vordergrund gerät. Es bestimmt plötzlich ihren Alltag. Sie hat Angst vor allem und jenen. Und doch schafft sie es nicht Bruch, ihrem Mann davon zu erzählen. Und so wie das Unwetter im Deichvorland aufzieht, so zieht auch das Unwetter innerhalb der Beziehung von Emilia und Bruch auf.

Schermer schafft mit diesem aufziehenden Unwetter eine Atmosphäre, die spürbar ist. Ich merke beim Lesen die Verzweiflung von Emilia … die seelischen Verletzungen … das nicht vergessen können. Auf der einen Seite möchte sie Bruch davon erzählen. Möchte endlich jemandem erzählen was damals passiert ist. Doch auf der anderen Seite hat sie Angst davor, dass Bruch ihr das lange Schweigen nicht verzeihen könnte.

Schermer spricht hier verschiedene Bereiche an …. Ehrlichkeit und Offenheit, sowie Vertrauen in einer Beziehung/ Ehe …. Physische und Psychische Verletzungen nach einem Traumata …

Ein dünnes Buch mit einer großen Geschichte … unbedingt lesen!

Das Leben ist doch voller Scherben und Schönheitsfehler, voller Kratzer im Lack. Dass Aufrichtigkeit so wichtig sein soll, wichtiger als alles andere, dass man mit seinem Partner verschmelzen soll, dass man seine ganze Geschichte, das ganze Reservoir an Gefühlen teilen soll, dass ein Fehler, eine verpasste Chance oder schlechter Stil ist, seinem Liebsten nicht zu erzählen, was einen irgendwann mal verletzte hat, dass man die eigene Erzählung des Lebens aufgeben soll, um in der gleichen gemeinsamen Geschichte zu enden …“ (Seite 165/166)

Der Klavierspieler vom Gare du Nord von Gabriel Katz

S. Fischer Verlag
Fester Einband
352 Seiten
Erscheinungsdatum:
26.06.2019
ISBN: 9783103974652
Preis: 20,00 Euro

Klappentext
Der Junge aus der Pariser Vorstadt und der Direktor des Konservatoriums wären sich nie begegnet, stünde da nicht ein Klavier am Gare du Nord. Der 20-jährige Mathieu ist auf die schiefe Bahn geraten und hat nichts außer einem großen musikalischen Talent. Pierre dagegen hat alles, steckt aber in einer tiefen Lebenskrise. Das ungleiche Paar schließt einen Pakt: Pierre ermöglicht Mathieu die Teilnahme am renommiertesten Klavierwettbewerb des Landes. Wird Mathieu die Chance seines Lebens ergreifen? Und warum tut Pierre all das für ihn?

∗∗∗∗∗

„Der kleine Junge hat sich ans Klavier gesetzt, es kam ihm so vor, als entdeckte er ein neues Spielzeug. Er ist ein bisschen eingeschüchtert und zugleich ungeduldig. Seine Finger laufen über die Tasten, eine weiße, eine schwarze, noch eine weiße und noch eine, die Musik nimmt unter seinen Händen Gestalt an, es ist magisch. Und einfach. Unglaublich einfach. Es genügt, sich dorthin zu setzen, auf diesen Hocker, der ein bisschen zu hoch ist, zu beobachten, zu verstehen und von vorne zu beginnen. Fehlerfrei. Eine Taste. Dann zwei. Dann vier. Jede Note über der Taste schweben lassen, die sie verkörpert. Sie bleiben dort, schelmisch, hängen in der Luft, in den Wind geschrieben, warten, dass sie von einem Fingerstreich befreit werden. Und wenn man sie eine nach der anderen loslässt, verwandeln sie sich in Musik und fliegen tatsächlich durch das offene Fenster davon, zu den weißen Gebäuden, die den Horizont verdecken. Das Lächeln des kleinen Jungen wird breiter. Auch in ihm ist etwas davongeflogen.“ (Seite 46/47)

Mathieu kommt aus ärmlichen Verhältnissen und lebt mit seiner Mutter und dem jüngeren Bruder in einer kleinen Wohnung. Mit Gelegenheitsjobs und Gaunereien, zu denen seien Freunde ihn immer wieder überreden, hält er sich über Wasser. Doch es gibt etwas in seinem Leben, dass er über alles liebt … die klassische Musik. Und wann immer er kann, spielt er auf dem Klavier im Bahnhof Gare du Nord.

Pierre ist Lehrer an einer Musikschule. Ein Job der ihm Freude bereitet, doch in letzter Zeit gibt es Kollegen, die an seinem Stuhl sägen, um ihn loszuwerden. Als er mal wieder den Nachmittag vertrödelt, hört er den Jungen auf dem Klavier spielen. Er hält inne und lauscht … Bach, Präludium und Fuge Nr.2 in c Moll … er erwartet, dass der Junge Fehler macht, doch dem ist nicht so. Er spielt das schwere Stück ohne jeglichen Fehler. Pierre ist begeistert. Er muss mit diesem Jungen sprechen. Doch ehe er auf Mathieu zugehen kann, verschwindet dieser, da die Polizei auftaucht.

Einige Zeit später treffen die beiden ungewollt aufeinander. Das nutz Pierre und macht Mathieu ein Angebot … er hilft dem Jungen aus der Patsche und im Gegenzug soll Mathieu am „Grand Prix d’Excellence“ teilnehmen. Wird Mathieu diese Chance nutzen? Diese Chance, die sein ganzes Leben verändern könnte …

„Die ersten Noten sind gefallen, entschlossen, sicher, stark. In den ersten Takten der Rhapsodie liegt etwas Tückisches, eine martialische, ja sogar finstere Versuchung, die schnell in eine Karikatur kippen kann. Aber dieser Junge ist lange darüber hinaus. Noten sind Spielzeuge für ihn. Funken, Irrlichter. Mit einer Art feierlichen Leichtigkeit lässt er ihnen ihren Lauf, und ihr schwebendes Echo geht über in eine Woge von Milde. In einem Atemzug ist alles zerstreut – die Angst, die Aufsässigkeit, das Gehabe. Die Musik sickert in seinen Körper, strömt in seine Schultern, rinnt in seinen Venen wie sie in meinen fließt, und wieder einmal spüre ich, wie mir Tränen in die Augen steigen.“ (Seite 113)

OH MEIN GOTT … was für ein Buch! Ich bin immer noch ganz berauscht von dieser Geschichte. In diesem Buch steckt so viel Musik … so etwas habe ich noch nie beim Lesen gespürt.

Aber von vorne. Dieses Buch habe ich von einer ganz lieben Verlagsvertreterin bekommen, mit dem Hinweis … das musst du lesen!. Ehrlich gesagt bin ich bei solchen Tipps immer skeptisch. Aber für diesen Tipp bin ich unendlich dankbar. Schon die ersten Seiten haben mich schnell für die Geschichte begeistert. Was mich jedoch ein bisschen störte, war der immer wiederkehrende Verweis auf Bachs Klavierstück. Da ich mir gar nichts darunter vorstellen konnte, habe ich das Stück im Netz gesucht und mir angehört. Dieses Klavierstück ist mir unter die Haut gegangen. Und jetzt passierte folgendes … als ich im Buch weiterlas, hatte ich die Musik in meinem Kopf. Das hatte zur Folge, dass ich die Geschichte viel intensiver wahrnahm und die Begeisterung von Pierre verstehen konnte. Ich konnte die Magie der Musik spüren, die die Protagonisten umgab.

Katz spielt mit den Worten wie Bach mit den Noten. Einfach unglaublich, was dabei herausgekommen ist. Ich hätte stundenlang weiterlesen können und war wirklich traurig, als das Buch zu Ende war.

Unbedingt lesen und sich das Stück von Bach anhören … Präludium und Fuge Nr.2 in c Moll …

Danke Gabriel Katz für dieses unvergessliche Leseerlebnis ♥♥♥

Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Piper Verlag
Fester Einband
672 Seiten
Erscheinungsdatum:
02.04.2019
ISBN: 9783492059398
Preis: 25,00 Euro

Klappentext
Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea an der amerikanischen Ostküste: An diesem warmen Sommerabend wird der idyllische Badeort durch ein unfassbares Verbrechen erschüttert. In einem Vierfachmord sterben der Bürgermeister mitsamt seiner Familie sowie eine zufällige Passantin. Jesse Rosenberg und Derek Scott, zwei junge Cops der State Police, bekommen die Ermittlungen zu diesem schrecklichen Fall übertragen. Und es gelingt ihnen, einen Schuldigen zu präsentieren.
Sommer 2014: Zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich damals geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau spurlos. Was hat sie herausgefunden? Haben Rosberg und Scott wirklich den Falschen zur Rechenschaft gezogen? Die beiden Cops beschließen, den Fall noch einmal neu aufzurollen. Die örtliche Polizei ist nicht gerade begeistert, dass die alten Geschichten wieder aufgewärmt werden. Doch Jesse und Derek haben eine Verbündete vor Ort: Anna Kanner, Neuling im Polizeirevier von Orphea, die ihre eigenen Motive hat …

∗∗∗∗∗

„Da hielt sie mir ihre Hand vors Gesicht. „Was sehen Sie, Captain?“
„Ihre Hand.“
„Ich habe Ihnen aber meine Finger gezeigt“, korrigiert sie mich.
„Ich sehe aber Ihre Hand“, erwiderte ich, denn ich verstand nicht, worauf sie hinaus wollte.
„Genau das ist das Problem“, sagt sie zu mir.“Sie haben gesehen, was Sie sehen wollten, nicht, was da war. Genau das war auch vor zwanzig Jahren Ihr Fehler.“ Das waren ihre letzten Worte. Sie ging und ließ mich mit ihrem Rätsel, ihrer Visitenkarte und der Kopie des Artikels stehen.“ (Seite 17)

Es ist das Jahr 2014 … Jesse Rosenberg will in seinen wohlverdienten vorzeitigen Ruhestand gehen. Am Tag seiner Verabschiedung taucht die Journalistin Stephanie Mailer auf und behauptet Rosenberg und sein Partner Scott hätten vor 20 Jahren den falschen im Vierfachmord von Orphea verhaftet. Ehe Rosenberg mit ihr sprechen kann ist die Journalistin verschwunden.

Rosenberg sprich mit seinem ehemaligen Partner und seinem Chef über die Behauptung der Journalistin. Rosenberg lässt es keine Ruhe und fährt nach Orphea, um die Journalistin zu suchen und mit ihr zu sprechen. Doch Stephanie Mailer ist wie vom Erdboden verschwunden. Ein paar Tage später findet man sie. Ermordet. Nun ist Rosenbergs Interesse geweckt und er rollt den Fall vom 1994 wieder auf. Die Menschen in Orphea sind davon nicht sehr begeistert. Auch sein Kollege Scott nicht und vor allem die örtliche Polizei findet die neuen Ermittlungen gar nicht willkommen …

„Aber es war schwierig , Tatsachenbericht und Fiktion auseinanderzuhalten. Wenn sie nur wahre Begebenheiten schilderte, wer war dann dieser mysteriöse Auftraggeber, der sie gebeten hatte das Buch zu schreiben? Und warum hatte er das getan? Seinen Namen nannte sie nicht, deutete aber an, dass es ein Mann war, den sie kannte und der offenbar am Abend des Vierfachmordes im Grande Theater gewesen war.“ (Seite 118)

Was für ein rasantes Buch. Ich war sofort in der Geschichte drin. Vor allem die Erzählweise hat mir gefallen. Rosenberg erzählt immer in der Gegenwart und Scott erinnert sich an die Ereignisse und Ermittlungen in 1994. Das macht für mich die Story echt spannend. Auf der einen Seite erfahre ich wie vor 20 Jahren ermittelt wurde, wer Verdächtigt war und warum. Und dann die Ermittlungen in 2014, die ganz anders sind als die vor 20 Jahren. Neue Ansätze und somit auch neue Verdächtige. Und jeder Ansatz ist so plausibel erklärt, dass ich als Leserin denke, ja der/ die muss es gewesen sein. Aber dann kommt wieder ein Teilchen dazu, was die Verdächtigen entlastet. Man ermittelt also als Leserin ein wenig mit. Das hat mir super gut gefallen. Auch die einfache Sprache, die von vielen bemängelt wird hat mir gefallen. Das hat für mich die Menschen authentischer gemacht.

Bis zum Schluss hatte ich keinen Plan, wer der Mörder gewesen sein könnet. Als dann die Auflösung kam, war ich mega überrascht, denn mit dieser Person hätte ich niemals gerechnet.

„Da sagte die Frau leise zu ihm:“Die schwarze Nacht ist das schlimmste, was passieren kann, sie ist das Sinnbild eines großen Unglücks. Sie hat sich schon einmal ereignet, und sie wird sich wieder ereignen.“ (Seite 163)

Dies war mein erster Dicker und bestimmt nicht mein letzter. Dickers Art zu schreiben hat mich ans Buch gefesselt. Das Buch habe ich an einem Sonntag im Garten verschlungen. Ich mochte die Schreibweise, den Spannungsaufbau und auch das Halten der Spannung, und zu keiner Zeit war diese Story langweilig.

Unbedingt lesen ♥♥♥

Kurz & Knapp … Mai 2019

 

Mittagsstunde von Dörte Hansen

Ingwer Feddersen kehrt nach Jahren in sein Heimatdorf zurück. Er hat es in den 70zigern verlassen. Zu eng ist ihm alles geworden, keine Perspektive bot es ihm als junger Mann, die Stadt war einfach reizvoller … spannender. Nun kehrt er nach Hause zurück. Das Dorf hat sich verändert, wie Ingwer auch. Der fühlt sich irgendwie schuldig, dass er seine Familie zurückgelassen hat … in diesem tristen Dorf, das dem Untergang geweiht war. Und jetzt? Was hält Ingwer jetzt in diesem Dorf?

„Altes Land“ habe ich geliebt. War das ein grandioses Buch. Umso mehr habe ich mich auf diesen neuen Roman von Dörte Hansen gefreut. Als die ersten Stimmen zu diesem Buch kamen, habe ich mich noch mehr darauf gefreut, da diese alle voll des Lobes waren. Tja und was soll ich sagen … ich bin so mega enttäuscht von diesem Buch, von dieser Geschichte. Sprachlich ist es wieder ein Genuss, aber Inhaltlich finde ich es furchtbar, dabei hätte es gut werden können.

In dieser Geschichte wird Dorfgeschichte aufgearbeitet. Einige Bewohner des Ortes kommen zu Wort, erzählen aus ihrem Leben im Ort und vom Wandel der Zeit. Das ist sososo dröge und langweilig, dass ich immer wieder daran überlegt habe abzubrechen. Aber ich habe mich dadurch gekämpft, weil es ein gutes Thema ist. Dieser Wandel in den Dörfern passiert, glaub ich, überall auf dieser Welt. Die Jugend geht, weil  das Dorf scheinbar keine Perspektive hat. Manche Dörfer zerfallen dadurch. Aber es gibt auch Dörfer die daran wachsen, sich verändern, die Menschen die dort leben aktiv etwas verändern und dann kehren die Jungen wieder zurück. Meist mit Familie.

Fazit: Ein wirklich interessantes Thema, leider nur entsetzlich langweilig umgesetzt. Schade!

(Penguin, ISBN: 9783328600039, Preis: 22,00 Euro)

 

∗∗∗∗∗

 

Düsternbrook von Axel Milberg

In diesem Buch erzählt Axel Milberg biografische und fiktive Geschichten aus seinem Leben. Die Geschichte beginnt in seiner Kindheit und endet, als er seine Berufung in der Schauspielerei findet.

Sorry Leute, aber noch so ein Buch, dass Sterbens langweilig ist. Milberg reiht eine Anekdote an die andere, und die sind teilweise so banal, dass ich mich frage wen interessiert das? Mich nicht! Auch hier habe ich etwas vollkommen anderes erwartet, Ich mag Milberg sehr, als Schauspieler. Mag seine philosophischen Rollen. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu sehr an seine Rolle als Schauspieler verknüpft. Nun denn … lest selbst!

Fazit: Leider, leider enttäuschend!

(Piper Verlag, ISBN: 9783492059480, Peis: 22,00 Euro)

 

∗∗∗∗∗

 

Die 48 Briefkästen meines Vaters von Lorraine Fouchet

Chiara erfährt an ihrem 25. Geburtstag, dass ihr Vater, der vor ihrer Geburt auf tragische Weise ums Leben kam, gar nicht ihr Vater sein soll. Chiara ist entsetzt. Hat ihre Mutter ihr in all den Jahren etwas vorgemacht? Ihre Mutter, die den Vater abgöttisch liebte, sollte einen One-Night-Stand gehabt haben? Chiara kann das nicht glauben und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Ein ganz netter Roman, in den ich sofort versunken bin. Eine junge Frau auf der Suche nach der Wahrheit. Spannend und kurzweilig geschrieben. Ich habe schon einige Bücher von Fouchet gelesen. Ich mag ihre Schreibe, doch dieses Buch empfinde ich als das schwächste, von denen, die ich gelesen habe.

Fazit: Ein Buch für einen lauen Sommertag. Schnell gelesen ohne bleibenden Eindruck! 

(Atlantik Verlag, ISBN: 9783455005424, Preis: 16,00 Euro)

 

∗∗∗∗∗