Die Kakerlake von Ian McEwan

Diogenes Verlag
Fester Einband
112 Seiten
Erscheinungsdatum:
27.11.2019
ISBN: 9783257071320
Preis: 19,00 Euro

Klappentext
„Als Jim Sams, klug, doch beileibe nicht tiefgründig , an diesem Morgen aus unruhigen Träumen erwacht, fand er sich in eine ungeheuerliche Kreatur verwandelt.“
Eben noch eine Kakerlake, die im Westminster-Palast mit unzähligen Artgenossen hinter der Täfelung gelebt hat, ist Jim nun als Mensch aufgewacht. Und zwar nicht irgendein Mensch: der britische Premierminister.
Auch wenn das Leben mit zwei statt mit sechs Beinen am Anfang seltsam ist, weiß Jim relativ schnell, wie man sich in Downing Street Nr. 10 und in der britischen Politik zurechtfindet. Und er weiß auch, dass er eine Mission hat: Er muss den Willen des Volkes durchsetzen. Koste es, was es wolle.

∗∗∗

„In einer solchen Zeit fragt sich ein Schriftsteller , was er machen kann. Darauf gibt es nur eine Antwort: schreiben.“ Ian McEwan

Seit Jahren beton McEwan immer mal wieder, dass er gegen den Brexit ist. Ausgelöst durch das Chaos um den Brexit in 2019 hat McEwan kurzerhand diese bitterböse Satire geschrieben. Angelehnt an Kafkas „Die Verwandlung“ verwandelt sich bei McEwan eine Kakerlake in einen Menschen. Doch nicht irgendeine, sonder es ist der britische Premierminister. Und zuerst findet die Kakerlake das Leben als Mensch gewöhnungsbedürftig. Doch schnell findet sie sich zurecht und weiß es gibt eine große Aufgabe für die Kakerlake, nämlich den Willen des Volkes durchzusetzen. Minister und eventuelle Gegner werden abgesetzt und ersetzt. Ersetzt durch Genossen der Kakerlake.

Es wird mit keinem Wort der Brexit erwähnt, im Buch ist es der sogenannte Reversalismus (Umkehr des Geldflusses) der durchgesetzt werden soll. Heißt für seinen Job muss man bezahlen, wenn man einkaufen geht bekommt man Geld. Bargeld zu besitzen ist verboten. Und dieses Szenario ist hervorragende erzählt und beschrieben.

Es gibt viele Kritiken zu diesem Buch und viele sind negativ. Doch ganz ehrlich, ich habe mich schon lange nicht mehr so gut unterhalten gefühlt wie mit diesem Buch. McEwans Szenario ist eine herrliche Satire über das was da gerade in Großbritannien geschieht.

Zwischen den Jahren …

 

Ihr Lieben,

hier war es in der letzten Zeit sehr ruhig und ich nutze meine freien Tage zwischen den Jahren, um mich heute einmal bei euch zu melden.

2019 war/ ist ein turbulentes Jahr gewesen. Vor allem das letzte Quartal hatte es in sich. Im ersten Halbjahr 2019 hatten wir im Büchergarten viele tolle Begegnungen mit Lesenden und Schreibenden, alten Bekannten und neuen Gesichtern. Was mir immer wieder viel Freude bereitet ist der Welttag des Buches. Auch in diesem Jahr waren wieder Kids der vierten und fünften Klasse im Büchergarten. Insgesamt 125 Kinder aus 5 Klassen und vier Schulen. Ich sag nur WOW. Das Pendant dazu ist dann immer die Sache mit der Lesetüte, die die Schulanfänger jedes Jahr zur Einschulung bekommen. In diesem Jahr wurden in der Gemeinde Ruppichteroth wieder knapp 100 Kinder eingeschult. Ich finde für unsere „kleine“ Gemeinde (ca. 11.000 Einwohner, Stand 2010) ist das viel. Seit 2016 gibt es diese kleine Tradition in Rupp, dass die Kids zur Einschulung die Lesetüten bekommen, und seit 2016 sind es jedes Jahr fast 100 Kinder. Auch hier kann ich nur WOW und DANKE sagen!

In der ersten Jahreshälfte haben wir eine neue Veranstaltung probeweise eingeführt, die sogenannte „Spätschicht“. Einmal im Monat haben wir den Büchergarten bis 22.00 Uhr aufgelassen. Nicht um zu verkaufen, sondern um sich zu treffen und bei einem Getränk zu quatschen und sich auszutauschen. Über Literatur oder Tagesthemen oder oder … An manchen Abenden war die Hütte voll, an anderen kam kaum jemand oder niemand, so dass wir diese Veranstaltung dann für die zweite Jahreshälfte wieder  raus genommen haben.

Tja, die zweite Jahreshälfte … im August begann mein persönliches „Drama“. Erst bin ich schwer gestürzt, hatte beide Arme stark geprellt und gestaucht. Durch den physischen Stress habe ich dann eine Woche später eine Gürtelrose bekommen. 5 Wochen nach dem Sturz stellte dann ein Radiologe fest, das an beiden Armen die Ellenbogenköpfchen gebrochen sind/ waren. Ein Chirurg hat sich dann die Brüche angeschaut und entschieden, dass nicht mehr operiert wird. Ende September, in unserem ersten Urlaub in diesem Jahr, habe ich dann eine Bronchitis bekommen. Damit bin ich arbeiten gegangen und arbeiten und arbeiten … bis im Oktober es dann keine Bronchitis mehr war, sondern eine schwere Lungenentzündung, mit der ich dann sechs Wochen zu Hause gelegen habe. Glaubt mir, so krank war ich in meinem ganzen Leben noch nicht und so krank möchte ich nie wieder sein. Durch die Erkrankung mussten in der zweiten Jahreshälfte einige Veranstaltungen abgesagt werden.

Und schon sind wir auch bei dem Ausblick für 2020 … leider bin ich immer noch nicht 100% gesund. Das Ganze wird auch noch eine Weile dauern. Ich muss einfach in nächster Zeit etwas kürzer treten und meinem Körper die Möglichkeit der Regeneration geben. Darum haben wir leider bis auf weiteres alle Veranstaltungen für 2020 abgesagt. Es ist ja nicht nur der Veranstaltungstag selbst, sondern auch die Vorbereitungen und Nachbereitungen einer Veranstaltung, die viel Kraft kosten. SORRY, aber es geht nicht anders… aber ein Ereignis wird 2020 groß gefeiert … der 5. Geburtstag des Büchergartens im September. SAVE the DATE 12. September 2020!!!

Bis dahin möchte ich gesund werden und meinen Blog wieder mit mehr Leben füllen, denn den habe ich in diesem Jahr sehr vernachlässigt. Meist habe ich nur einen freien Tag in der Woche und dann musste immer alles an diesem einen Tag passieren. Das hat dazu geführt, dass ich viele Dinge nur noch mit Widerwillen gemacht habe. Für 2020 wünsche ich mir für mich mehr Achtsamkeit mit mir und meinem Körper, schließlich möchte ich 120 Jahre alt werden. 🙂

In diesem Sinne … passt auf Euch auf, hört auf Eure innere Stimme und Euren Körper. Ich wünsche Euch für 2020 alles Liebe, Gesundheit und Glück dieser Welt. ♥

Eure Angelika ♥♥♥

Wenn der Körper streikt, der Kopf aber nicht will …

Hallo Ihr Lieben,

vor fünf Wochen bin ich beim walken schwer gestürzt. Einige haben es auf Instagram und Facebook gelesen. Ich habe mir bei dem Sturz schwere Prellungen und  Verstauchungen beider Unterarme zugezogen. Und als wenn das nicht genug wäre, habe ich eine Woche später auch noch eine heftige Gürtelrose bekommen. Meine Ärztin meint, dass die eine Folgereaktion auf meinen Stress mit dem Unfall ist. Bis heute bin ich nicht 100% einsatzfähig. Ich bin immer noch enorm in der Bewegung der Arme eingeschränkt.

Als die Ärztin die Gürtelrose diagnostizierte wollte sie mich für mindestens 3 bis 5 Wochen krank schreiben. Ich habe sie nur schief angeschaut und gesagt, dass das auf gar keinen Fall geht. Wie bitte soll es im Büchergarten laufen, wenn ich 5 Wochen raus bin? Die Ärztin warnte mich und wies mich darauf hin, das die Gürtelrose nicht zu unterschätzen sei. Müdigkeit und Erschöpfung würden mich tagtäglich begleiten. Ich bin fleißig trotz Einschränkung in die Buchhandlung gegangen. Doch mit jedem weiteren Tag spürte ich die Erschöpfung meines Körpers, ich merkte, so kann das nicht mehr lange weiter gehen. Also plante ich mit meiner super tollen und engagierten Mitarbeiterin eine kleine Auszeit für mich. Ich gehe im Moment nur 3,5 – 4 Tage in der Woche arbeiten. Nur so kann ich wieder zu Kräften kommen.

Aber dann ist da dieser blöde Kopf, der immerzu sagt … du muss dieses noch machen, du musst jenes noch machen … und je mehr mein Kopf mir sagt was ich noch alles machen muss, desto mehr sagt mein Körper  … nö. Und dann habe ich für mich gemerkt, dass der Sturz und die Gürtelrose nur der Höhepunkt waren. Ich bin schon lange müde. Tagein, Tagaus bin ich im MUSSMODUS. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal etwas mit Freude gemacht habe.

In den letzten 4 Jahren haben wir kaum Urlaub gemacht, nur kurze Trips über Wochenende. Wenn ich meinen freien Tag in der Woche habe schrubbe ich die Bude, anstatt mich mit den schönen Dingen zu beschäftigen. Zwischendurch kümmere ich mich noch um die Buchführung von meinem Mann, dem Blog, dem Garten …. Mir bleibt kaum freie Zeit für mich!

Ich weiß, vielen geht es ähnlich und ich will hier auch nicht jammern …  ich liebe meinen Job als Buchhändlerin und ich liebe meinen Büchergarten. ♥ Aber ich merke gerade sehr, dass ich mir und meinem Körper zu viel zumute. Mein Wunsch ist es die Dinge nicht mehr zu müssen, sondern wieder zu wollen. Das ist allerdings ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geschieht. Vorerst werde ich kleine Schritte machen, und mir mehr Auszeiten gönnen.

Bitte passt auf Euch auf!

Eure Angelika ♥♥♥

Neulich in der Buchhandlung … #21

 

Hallo Ihr Lieben

in dieser Woche musste ich sehr lachen. Kinder bemerken und sehen so viel mehr als wir Erwachsene, obwohl manches so offensichtlich zu sehen ist. 🙂

Junge Frau und ein ca. 6-7 jähriges Mädchen betreten die Buchhandlung. Zielstrebig gehen sie in die Kinderbuchecke. Erst einmal lasse ich die beiden stöbern und bekomme mit, dass es sich wohl um Tante und Patenkind handelt. Die Kurze darf sich das erste Mal ein Buch selber aussuchen. Es werden alle möglichen Bücher aus dem Regal gezogen. Bilderbücher, Erstlesebücher … aber irgendwie scheint das alles noch nicht wirklich so das richtige zu sein. Auf einmal tuscheln die Beiden. Neugierig wie ich bin 😉 frage ich was es zu tuscheln gibt. Daraufhin schaut mich die Kurze an und sagt: „Warum gibt es hier so viele Bücher mit Pups.“ Da mussten wir alle ganz furchtbar lachen. Dann habe ich geschaut, und wahrhaftig, da lagen drei Bücher nebeneinander, die allesamt das Wort „Pups“ auf dem Cover stehen hatten. Warum da jetzt drei Bücher mit Pups lagen kann ich auch nicht sagen. Komisch ist das schon. 😀 Für die Kurze war das natürlich mega lustig, da Pups ja ein Wort ist, bzw. eine Sache, über die man gar nicht oder nur leise spricht. Wir haben dann alle drei ganz oft Pups gesagt. Das war wirklich ganz schön pupsig. 🙂

Ich fand das sehr interessant und frage mich, ob das bei den Kinderbuchverlagen gerade so Thema ist. 🙂 Die Kurze hat sich dann für „Prinzessin Zuckerpups“ entschieden. Und da Kids zu ihrem ersten Buch immer ein Lesezeichen geschenkt bekommen, durfte sie sich auch noch ein Lesezeichen aussuchen. Sie hat sich so gefreut.

Soweit von hier, wünsche Euch einen schönen Tag

Eure Angelika ♥

 

All das zu verlieren von Leila Slimani

Luchterhand
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum 13.05.2019
ISBN: 9783630875538
Preis: 22,00 Euro

Klappentext
Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Siearbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen , sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch stellt Adèle dieses Leben nicht zufrieden. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel.

∗∗∗∗∗

„Adèle hat Lucien aus demselben Grund bekommen, aus dem sie geheiratet hat. Um dazuzugehören und wie die anderen zu sein. Indem sie Ehefrau und Mutter wurde, hat sie sich mit einer schützenden Aura der Achtbarkeit umgeben, die ihr keiner mehr nehmen kann. Sie hat sich einen Zufluchtsort für die angsterfüllten Abende geschaffen, einen bequemen Schlupfwinkel für die Tage der Ausschweifung.“ (Seite 34)

Adèle hat eigentlich alles … einen tollen Mann und einen Sohn den sie sich gewünscht hat. Sie lebt in einem schicken Pariser Vorort, ist frei Journalistin und unabhängig. Und doch fehlt ihr der gewisse Kick im Leben. Diesen Kick holt Adèle, in dem sie mit wildfremdem Männern harten Sex hat. Immer und immer wieder. Härter und härter. Aber auch das erfüllt sie nicht wirklich. Sie will mehr …

Als ihr Mann dahinter kommt, bringt er sie aufs Land, weit weg von Paris und ihren Affären. Er sperrt sie in einen goldenen Käfig, will sie ganz allein für sich. Doch eines Tages ergibt sich für Adèle die Möglichkeit nach Paris zu reisen. Kann sie sich dem Sog vergangener Zeiten wirklich entziehen?

„Sie hatte sich eingeredet, dass ein Kind sie heilen würde. Dass die Mutterschaft der einzige Ausweg aus ihrem Überdruss wäre, die einzige Lösung, um ihr die ewige Flucht nach vorne endgültig abzuschneiden. Sie hatte sich in die Schwangerschaft gestürzt, wie ein Patient in eine zwingend erforderliche Behandlung eingewilligt. Sie hatte dieses Kind gemacht oder besser, es wurde ihr gemacht, ohne dass sie Widerstand leistete, in der verrückten Hoffnung, es würde ihr Linderung bringen.“ (Seite 35/36)

Ach je … was für eine arme Gestalt. Adèle hat mir von Anfang an nur leid getan. Beim Lesen konnte ich ihrer innere Zerrissenheit spüren. Auf der einen Seite will sie das bürgerliche und spießige Leben. Will verheiratet sein und Kinder haben. Will auf dem Land leben und für einen Job in die Stadt fahren. Aber warum? Weil das Leben es so „vorschreibt“? Weil das so ist?

Doch in diesem ach so bürgerlichen Leben fehlt ihr der Kick, das gewisse Etwas … Liebe, Begehrt werden, aber auch Kontrolle und Macht. Das holt sie sich bei ihren Abenteuern, dem harten Sex mit den fremden Männern. Und wenn sie dann nach einer solchen Nacht, voller blauen Flecke und Blutergüsse nach Hause zurück kehrt, fühlt sie sich schmutzig und verlogen. Schwört sich selber damit aufzuhören und doch zieht sie am selben Tag wieder los, um die Männer zu treffen.

„Sie hat es immer gemocht Hunger zu haben. Zu spüren, wie man schwächer wird, schwankt, zu fühlen, wie der Magen sich zusammenzieht, und dann zu siegen, kein Verlangen mehr zu haben, darüberzustehen. Sie hatte ihrer Magerkeit kultiviert wie eine Lebenskunst.“ (Seite 72)

Slimanis hat mich schon mit ihrem ersten Roman „Dann schlaf auch du“ ans Buch gefesselt und begeistert. Mit ihrem neuen Roman gelingt dies wieder. Viele Szenen im Buch sind echt grenzwertig, verdeutlichen aber wie sehr Adèle in ihrer Sucht, ja man muss es wirklich Sucht nennen, gefangen ist. Mit jedem Satz mehr tut mir diese Frau einfach nur leid. Ich möchte ihr eine Hand reichen und sagen, es wird alles gut. Doch wird es das? Kann es das?

Was für ein gewaltiges Buch. Slimani erzählt schonungslos und sprachgewaltig. Sie traut sich an Tabuthemen heran und das mit einer wahnsinnigen Intensität. Ein Buch das berührt und bleibt …

Bitte mehr davon.

Chapeau ♥♥♥

Neulich in der Buchhandlung … #20

 

Hallo Ihr Lieben,

es ist schon fast einen Monat her, aber ich möchte Euch dennoch ein paar Eindrücke vom 10. Bröltaler Familiensonntag zeigen. Alle zwei Jahre findet der sogenannte Brötaler Familiensonntag statt. An diesem Tag wird die komplette Brölstraße in Ruppichteroth gesperrt. An diesem Tag steht die Familie im Fokus. Unternehmer aus Ruppichteroth präsentieren ihre Unternehmen und machen tolle kostenfreie Aktionen an ihren Ständen. So auch wieder in diesem Jahr.

Vor zwei Jahren habe ich das erste Mal mitgemacht und da alles noch sehr neu war, hatten wir den ganzen Tag Malaktionen für die Kids und eine Verlosung mit Simack Büchel, einem Kinderbuchautor aus Ruppichteroth. In diesem Jahr hatten wir den Kleinen Drachen Kokosnuss als Walk Act da. Das Kostüm kann man sich beim Verlag leihen, man muss nur jemanden finden, der dann da rein klettert. In unserem Fall war das mein Mann und später auch ich für eine Stunde. Ich kann Euch sagen, das Kostüm ist echt schwer und das Sichtfeld sehr begrenzt. Man kann auf gar keinen Fall alleine gehen.

Der Kleine Drache Kokosnuss ist zuerst auf der gesamten Fläche gelaufen. Dann konnte man sich von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr mit dem Drachen vor der Buchhandlung fotografieren lassen. Ich sag Euch, das war ein Andrang. 🙂 Der Drache ist sehr begehrt gewesen. Wir hatten mega viel Spaß, auch wenn das Kostüm schwer war. Gott sei Dank war es nicht so heiß wie vor zwei Jahren.

Es war mal wieder ein toller Tag! Danke Ihr Lieben aus, in und um Ruppichteroth.

Eure Angelika ♥♥♥

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unwetter von Marijke Schermer

Kampa Verlag
Fester Einband
192 Seiten
Erscheinungsdatum:
11.03.2019
ISBN: 9783311100102
Preis: 20,00 Euro

Rückentext
Emilia ist glücklich – mit ihrem Job, mit ihrem Ehemann und ihren Kindern, mit ihrem Haus im Grünen vor den Toren Amsterdams. Doch plötzlich wird sie von ihren Erinnerungen eingeholt. Zwölf Jahre lang hat sie ein Geheimnis gehütet, kann sie es weiter verbergen? Würde ihr Mann verstehen, dass sie so lange geschwiegen hat? Während Emilias Welt zunehmend aus den Fugen gerät, zieht das Misstrauen ein in ihre Ehe. Und der Himmel über der ländlichen Idylle verfinstert sich …

∗∗∗∗∗

„Was passiert ist, macht mich nicht aus, rechtfertigte sie das sich selbst gegenüber, im Gegenteil: Es würde sich vor mich schieben und ihm die Sicht auf mich nehmen. Es ist ein Akt der Autonomie zu entscheiden, ob ein Vorfall eine Rolle in deinem Leben spielen darf oder nicht. Stimmt das? Kann man das als Standpunkt gelten lassen, oder ist das eine Ausflucht? Kann sie das zurück nehmen? Kann man Jahre, nachdem eine Frage gestellt wurde, noch eine Antwort darauf geben?“ (Seite 24)

Emilia und Bruch leben mit ihren beiden Kinder in einem wunderschönen Haus im Deichvorland bei Amsterdam. Beide sind erfolgreich im Beruf und lieben das Leben in der Abgeschiedenheit. Allerdings erfordert dieses Leben Planung bei der Gestaltung der Freizeit, da man nicht mal eben in die nächstgrößere Stadt fahren kann.

Eines Abends fahren Emilia und Bruch zu einer Theateraufführung, in der es unter anderem um eine Vergewaltigung geht. Die Szenen lösen bei Emilia Erinnerungen aus, die sie eigentlich für immer vergessen wollte. In der Zeit, kurz nachdem sie Bruch kennen lernte wurde sie in ihrer Wohnung überfallen, geschlagen und vergewaltigt. Sie hat Bruch nie davon erzählt, weil sie kein Opfer sein wollte. Doch jetzt erinnert sie sich an jede Einzelheit und die Erinnerung macht ihr das Leben zur Hölle. Vor allem die Angst wie Bruch reagieren könnte, sollte er es je erfahren. Oder sollte sie ihm davon erzählen?

„Natürlich spielte sie mit dem Gedanken, es ihm zu erzählen. Aber danach schlief sie ein. Eine Stunde später wurde sie wach, weil Bruch ihr Tee und Erdbeeren brachte. Über den Vorfall wurde nicht mehr gesprochen. Emilia vergaß, dass er stattgefunden hatte. Wie sie auch vergaß, dass die Vergewaltigung stattgefunden hatte. Vergaß, weil sie glücklich war. Glücklich war, weil sie vergaß. Oder dachte sie nur, dass sie glücklich war?“ (Seite 132)

Als Leserin erfahre ich schon ziemlich zu Anfang was Emilia passiert ist. Ich spüre förmlich, wie dieses Ereignis, welches Emilia verdrängt bzw. verdrängen wollte, immer mehr in den Vordergrund gerät. Es bestimmt plötzlich ihren Alltag. Sie hat Angst vor allem und jenen. Und doch schafft sie es nicht Bruch, ihrem Mann davon zu erzählen. Und so wie das Unwetter im Deichvorland aufzieht, so zieht auch das Unwetter innerhalb der Beziehung von Emilia und Bruch auf.

Schermer schafft mit diesem aufziehenden Unwetter eine Atmosphäre, die spürbar ist. Ich merke beim Lesen die Verzweiflung von Emilia … die seelischen Verletzungen … das nicht vergessen können. Auf der einen Seite möchte sie Bruch davon erzählen. Möchte endlich jemandem erzählen was damals passiert ist. Doch auf der anderen Seite hat sie Angst davor, dass Bruch ihr das lange Schweigen nicht verzeihen könnte.

Schermer spricht hier verschiedene Bereiche an …. Ehrlichkeit und Offenheit, sowie Vertrauen in einer Beziehung/ Ehe …. Physische und Psychische Verletzungen nach einem Traumata …

Ein dünnes Buch mit einer großen Geschichte … unbedingt lesen!

Das Leben ist doch voller Scherben und Schönheitsfehler, voller Kratzer im Lack. Dass Aufrichtigkeit so wichtig sein soll, wichtiger als alles andere, dass man mit seinem Partner verschmelzen soll, dass man seine ganze Geschichte, das ganze Reservoir an Gefühlen teilen soll, dass ein Fehler, eine verpasste Chance oder schlechter Stil ist, seinem Liebsten nicht zu erzählen, was einen irgendwann mal verletzte hat, dass man die eigene Erzählung des Lebens aufgeben soll, um in der gleichen gemeinsamen Geschichte zu enden …“ (Seite 165/166)