Geschwister

mareverlag
Fester Einband
144 Seiten
Erscheinungsdatum:
13.02.2018
ISBN: 9783866482609
Preis: 18,00 Euro

Klappentext
Zeitlebens hat Olof im Schatten seines Selbstbewussten Bruders Carl gestanden. Carl war der Liebling der Mutter, fiel allerdings in Ungnade, als er mit seiner Frau Karla (mit der Olof seine eigene Geschichte hat) und den beiden Söhnen aus Karrieregründen in die USA auswanderte.
Viele Jahre später nun treffen die ungleichen Brüder am Sterbebett der Mutter wieder aufeinander, in ihrem Landhaus in den südfinnischen Schären – und mit ihnen ihre Familien, alte Rivalitäten und Träume, Fehler und Versäumnisse. Es dauert nicht lang, bis der Frieden des Spätsommers, der über der Insel liegt, brüchig wird. Gerade noch rechtzeitig erkennt Olof, dass der Moment gekommen ist, um aus dem Schatten seines Bruders herauszutreten.

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Weiß man eigentlich jemals, was vor sich geht? Es ist wie bei einem Vierhundertmeterlauf: Einige Augenblicke lang befindet man sich im Zentrum der Ereignisse, der Wind saust einem um die Ohren, die Lungen wollen platzen, die Gegner keuchen, das Einzige, was existiert, ist das Zielband irgendwo vor einem.
Aber ist es das, was wirklich passiert?
Nachher erinnert man sich an den Lauf, und das Gedächtnis fängt sofort an, die Fakten zu sortieren; es redigiert, unterteilt, sortiert. Ich hätte die erste Kurve nicht so langsam angehen sollen. Auf der Gegengeraden hätte ich kürzere Schritte machen müssen. Im Endspurt bin ich gestolpert, das war alles entscheidend.
Nachher sieht alles gleich anders aus.“ (Seite 7)

Olof und Karl treffen nach Jahren am Sterbebett der Mutter wieder aufeinander. Sofort entbrennt der alte „Bruderkampf“ wieder. Wieder muss Olof mit ansehen, wie die sterbende Mutter Carl bevorzugt. Alte Konflikte brechen auf und der Ich-Erzähler Olof erinnert sich an seine Kindheit und Jugend, und dem schwierigen Verhältnis zu seinem Bruder und seiner Mutter. Nach und nach erfahre ich als Leserin wie es zu der zunehmenden Feindlichkeit zwischen den Brüder kommt und das es eigentlich keine Chance auf Frieden/ Vergebung geben kann.

„Ich gehe von einem Zimmer ins andere. Es fühlt sich an, als würde ich mich schon in einer vergangenen Zeit bewegen. In einem Jahr wird es all das nicht mehr geben.
Ich werde mich daran erinnern. Ich werde es nicht vermissen. Ich habe es bereits hinter mir gelassen, wie man die Kindheit hinter sich lässt, ein bisschen über ihre Unschuld staunend, aber ohne Trauer, weil man weiß, dass es kein Zurück gibt.“ (Seite 72)

Dieses kleine feine Büchlein hat mich vollkommen verzaubert. Auf den ersten Blick scheint es eine typische Bruder/ Geschwister Geschichte zu sein. Das Buhlen unter Geschwistern um die Gunst und Liebe der Eltern. Doch dieses Büchlein ist viel mehr. Es erzählt auch die Geschichte von Hoffnung und Verlust, von verpassten Chancen und Neuanfängen.

Bargum erzählt schnörkellos, doch mit einem enormen Sog, eine Geschichte die mich inne halten lässt … In vielen Familien gibt es ähnliche Konflikte, so auch in unserer Familie. Die Schwester wurde bevorzugt, war immer die, die alles besser in den Augen der Eltern machte. Und ich, ich war die, die immer und immer wieder um die Liebe der Eltern buhlte, alles macht und dennoch immer die war, die nicht gesehen wurde. Was hat das mit mir gemacht? Ganz viel und ich habe lange gebraucht, um die zu sein, die ich heute bin.

Unsere Eltern leben leider nicht mehr, doch ich habe meinen inneren Frieden gefunden, und meine Schwester … sie hat den Kontakt nach dem Tod unserer Mutter abgebrochen …

Sorry, aber dieses Büchlein hat mich ein wenig aufgewühlt … unbedingt lesen!!!

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… aus „Dinge, die vom Himmel fallen“ von Selja Ahava

Mare Verlag
Fester Einband
208 Seiten
Erscheinungsdatum:
14.02.2017
Preis: 20,00 €
ISBN: 9783866482425

„Ich denke viel über die Zeit nach. Ich habe graue Zellen im Gehirn, wie Hercule Poirot. Mit denen denke ich darüber nach, wie die Zeit vergeht und Wunden heilen. Die Erwachsenen sagen, die Zeit heilt alle Wunden, und damit ist gemeint, dass die Zeit vergeht und sich deswegen alles, was passiert in Gedanken verwandelt und man sich immer schlechter daran erinnern kann. Wenn man sich dann nur noch ganz schlecht erinnert, ist die Wunde verheilt.
(…)
Also sitze ich auf der Rückbank und sage „Nichts“ und denke an die heilende Kraft der Zeit und beschließe, mich sicherheitshalber jeden Tag an meine Mutter zu erinnern, bevor die Zeit zu viel heilt.“ (Seite 10/ 11)

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„Mal kommt der Weltuntergang, mal bricht schlagartig das Paradies aus. Mal stirbt jemand so unbemerkt, dass man es gar nicht kapiert. Vielleicht versucht so eine Person dann, als Gespenst wiederzukehren und seine unfertigen Geschichten weiterzuerzählen. Obwohl sie eigentlich einfach nur fortgehen sollte. Am Straßenrand und das Auto davonfahren lassen. Sich in Schwarz-Weiß verwandeln. Kleiner werden und die Zeitform ändern.“ (Seite 202)

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„Die Welt geht weiter. Nichts ist klar, aber die Zeit heilt alle Wunden, und der Mensch vergisst. (…) Dinge passieren. Gleichzeitig, zur falschen Zeit, zu verschiedenen Zeiten, an den falschen Orten.“ (Seite 203)

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Zur Rezension geht es hier!

Kurz & Knapp … Juli 2018

Unter der Drachenwand von Arno Geiger

Veit Kolbe wurde im Krieg verletzt. Er wird zu Rehabilitation nach Hause geschickt. Er reist jedoch weiter zu seinem Onkel an den Mondsee. Dort versucht Veit seine Zeit an der Front zu verarbeiten. Doch immer wieder ereilen ihn Panikattacken und er hat das Gefühl, dass er nie wieder an einem „normalen Leben“ teilhaben kann. Er trifft auf verschiedene Menschen, die es mehr oder weniger geschafft innerhalb der Kriegsjahre zu leben bzw. zu überleben.

Ich habe dieses Buch im Rahmen unseres Lesekreis im Büchergarten gelesen. Zuvor hatte ich so viel positives über das Buch gehört und war nun sehr gespannt. Doch schon nach den ersten 50 Seiten war ich enttäuscht. Mir war die Geschichte einfach zu langweilig, was wohl daran lag, das die einzelnen Personen der Geschichte, diese ihrerseits mega langweilig erzählt haben. Mir war das alles so monoton. Sie zeigten keinerlei Gefühle oder Emotionen. Ich konnte mit keiner Person wirklich mitfühlen, geschweige sie wirklich verstehen. Auch fand ich manche Passagen sehr verwirren. Vor allem die Briefe. Oft wusste ich nicht wer erzählt, ist es ein Brief oder sind es mehrere. Erst durch die Diskussion im Lesekreis konnten sich ein paar Fragen klären.

Fazit: Auch wenn ich mich jetzt mal wieder unbeliebt mache, weil ich ein „grandioses Werk“ schrecklich finde, so ist es wie immer meine Meinung und ihr solltet euch eure eigene machen. Es gibt bessere Literatur zu diesem Thema.

(Carl Hanser, ISBN: 9783446258129, Preis: 26,00 Euro)

 

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Das weibliche Prinzip von Meg Wolitzer

Greer Kadetsky ist eine schüchterne junge Frau, die intelligent und sehr ehrgeizig ist. Eigentlich sollte sie in Yale studieren, doch durch ein Versäumnis ihrer Hippie Eltern landet sie auf einem zweitklassigen College. Doch sie versucht das beste daraus zu machen. Eines Abends schleppt ihre Freundin sie zu einem Vortrag der Feministin Faith Frank. Greer ist fasziniert von dieser Frau. So möchte sie auch sein. Und schließlich versucht sie ihrem Vorbild nachzueifern, was jedoch nicht so einfach ist, wie es scheint.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es für mich eine „Entwicklungsgeschichte“ der Greer Kadetsky gewesen, denn ich begleite das Leben von Greer. Angefangen bei der schüchternen Studentin bis hin zur reifen und selbstständigen Frau, die weiß was sie im Leben will. Ist eine solche Entwicklung mit Feminismus zu vergleichen? Eher nicht. Natürlich nimmt dieses Thema Raum in diesem Buch ein. Es sind jedoch eher die Aktivitäten rund um Faith Frank, und weniger die der Greer Kadetsky. Und machen zwei Menschen den Feminismus aus? Eher nicht …

Fazit: Tolle Ansätze zu einem wirklich aktuellen Thema, aber dann doch eher „nur“ eine Geschichte über ein junges Mädchen, das sich zur Frau entwickelt.

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198985, Preis: 24,00 Euro)

 

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Als wir unbesiegbar waren von Alice Adams

Es sind die letzten Tage an der Uni. Eva, Sylvie, Benedict und Lucien sind seit dem ersten Tag an der Uni unzertrennliche Freunde. Doch nun werden sich ihre Wege trennen. Eva wird geht in die Finanzwelt, Benedict träumt von einem Job als Physiker am CERN und die Geschwister Sylvie/ Lucien werden erst einmal um die Welt reisen. Eva macht Karriere, Bendict heiratet und auch beruflich läuft es toll, nur bei den Geschwistern läuft es nicht ganz so rund. Beide rutschen in die Drogenszene ab und drohen den Halt zu verlieren. Doch die Freundschaft der vier hat auch nach der Uni bestand, und so helfen sie einander so gut es geht …

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist letztes Jahr bereits als Hardcover erschienen und ich habe es aber jetzt erst für mich entdeckt. Ich mochte alle vier Protagonisten. Auch die Erzählweise hat mir gefallen, denn es kommt pro Kapitel immer einer der vier zu Wort. Und dabei geht es in der Zeit aber immer weiter. So bekomme ich die Entwicklung der einzelnen Protagonisten mit. Vom Verlassen der Uni bis in die heutige Zeit. Alle haben so ihre Probleme, von denen die Freunde nichts ahnen. Und obwohl sie auf der Welt verstreut leben, versuchen sie sich gegenseitig zu helfen und zu motivieren.

Fazit: Eine schöne Geschichte, die zeigt, das Freundschaft auch trotz Distanz bestehen kann!

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198411, Preis: 20,00 Euro)

 

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Am Hügel von Capodimonte von Wanda Marasco

Klappentext

Neapel, Italien: Rosa spricht zu ihrer eben verstorbenen Mutter Vincenzina. Und sie erzählt: Wie Vincenzina, eine Analphabetin vom Land, in die Großstadt flieht und Rafele trifft, den Sprössling einer großbürgerlichen Familie. Mitten in den Kriegstrümmern blüht eine verbotene Liebe auf. Rafeles Mutter bietet ihr Geld an, um sie für den zurückgenommenen Heiratsantrag zu entschädigen – und sie loszuwerden. Doch Vincenzina bleibt an Rafeles Seite, der sie mit seinen Affären zur Verzweiflung treibt. Ist das Liebe? Oder ein Fluch, der über Generationen hinweg bestehen bleibt? Wanda Marascos Familiensaga ist eine literarische Sensation, selten hat man die Seele einer Stadt, in der Schönheit und Hölle nebeneinanderstehen, so zauberhaft erzählt.

Ich habe mich an dieser Stelle ganz bewusst für den Klappentext entschieden, da ich dieses Buch nach 100 Seiten abgebrochen habe. Ich habe dieses Buch einfach nicht verstanden. Es war mir zu viel mystisches, zu viel angedeutetes und unausgesprochenes. Keine Ahnung was mir die Autorin erzählen möchte. Dennoch möchte ich diesem Buch eine Chance geben, deshalb hier der Link zu einer wirklich tollen Besprechung zum Buch von Litblogkoeb https://litblogkoeb.de/am-huegel-von-capodimonte-wanda-marasco/

Fazit: Leider kann ich abschließend nichts zu dem Buch sagen. Vielleicht lese ich es irgendwann noch einmal.

(Paul Zsolnay, ISBN: 9783552059023, Preis: 22,00 Euro)

 

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Dem Tod so nahe

Piper
Fester Einband
256 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.06.2018
ISBN: 9783492058896
Preis: 22,00 Euro

Klappentext
Von Anfang an bestimmt der Tod ihr Leben: als Maggie O’Farrell im Alter von acht Jahren beinah an einer unbekannten Virusinfektion stirbt, als sie mit 15 aus Übermut und Freiheitsdrang einen törichten Fehler begeht; als sie in der Idylle des Lake District eine zutiefst verstörende Begegnung hat. Oder als sie in einer unterbesetzten Klinik mit inkompetenten Personal bei der Geburt ihrer ersten Tochter fast stirbt. An den unterschiedlichsten Orten, zu unterschiedlichsten Zeiten lenkt der Tod das Leben der Schriftstellerin Maggie O’Farrell. Ihre tiefgründige, außergewöhnliche Geschichte stellt existenzielle Fragen: Wie handle ich, wenn ich in tödliche Gefahr gerate? Was steht für mich auf dem Spiel? Und, nicht zuletzt, wer werde ich danach sein?

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In siebzehn kurzen Geschichten, die in der Zeit hin und her springen, aber immer einem Körperteil gewidmet sind, erzählt O’Farrell von ihren Begegnungen mit dem Tod. Manche Geschichten sind sehr intim, wie zum Beispiel die fast Vergewaltigung und der Ermordung durch den Täter. Andere Geschichten wirken eher distanziert. Zu Anfang fand ich die Geschichten so lala. Eine Anreihung von Ereignissen, in denen die Autorin von Situationen schreibt, in denen sie dem Tod knapp entgangen ist. Für mich waren das jedoch zuerst einmal „normale“ Alltagssituationen. Doch mit jeder Seite mehr, verfiel ich dem Sog der Geschichte und plötzlich war da nichts banales mehr. Fast jede sogenannte Begegnung mit dem Tod haben O’Farrell weiteres Leben geprägt. Mal mehr, mal weniger.

„Fast gestorben zu sein ist nichts Einmaliges oder Besonderes. Der Tod begegnet uns ständig; wohl jeder, wage ich zu vermuten, war ihm schon einmal nahe, vielleicht ohne es zu merken. Der Luftzug des Lasters, der zu dicht an einem Fahrrad vorbei fegt, der übermüdete Arzt, der die Dosis in letzter Sekunde noch einmal überprüft (…)Wir gehen, alle miteinander, mehr oder weniger blind durchs Leben, entkommen, ohne es zu ahnen, immer wieder durch die Hintertür, entrinnen unserem Schicksal von einem unserer gezählten Tage auf den anderen und sehen die Axt nicht, die über uns schwebt. (…) Wenn wir diese Momente in unser Bewusstsein einlassen, dann verändern sie uns. Wir können versuchen, sie zu vergessen, sie abzutun, sie auf die leichte Schulter zu nehmen, aber sie sind schon Teil von uns, ob wir wollen oder nicht.“ (Seite 35/36)

Ich habe diese eine Passage aus dem Buch ausgewählt, weil sie alles sagt. Nachdem ich das Buch weggelegt habe, habe ich mein Leben reflektiert, und ja …. auch ich hab die ein oder andere „Todesnahe Erfahrung“ gemacht, und ja … die ein oder andere hat mich geprägt. Ich denke wenn man jung ist, dann ist es so, wie oben beschrieben … es ist nichts Besonderes, wir nehmen es auf die leichte Schulter, bemerken es nicht einmal. Doch ich glaube, je älter man wird, desto mehr realisiert man solche Begebenheiten und lässt sie mehr in sein Bewusstsein ein. Und wenn dann, wie bei O’Farrell ein Kind betroffen ist, dann ist man sensibilisiert und achtet auf solche Vorfälle.

Als ich das erste Mal von einer Wespe gestochen wurde, war ich zwanzig. Ich reagierte mit einem anaphylaktischem Schock (was ich nicht wusste, da ich die Symptome nicht kannte) und ich hatte das große Glück, dass gleich nebenan eine Ärztin wohnte. Sie gab mir mehrere Spritzen und sagte fünf Minuten später und ich wäre tot gewesen. Damals habe ich darüber gelacht, mich schnell erholt und das Ganze vergessen. Im weiteren Verlauf meines Lebens bin ich noch zwei Mal wegen einem anaphylaktischem Schock durch Wespenstiche im Krankenhaus gelandet. Beide Male hatte ich Glück. Und jede Erfahrung hat mich ein Stück nachdenklicher gemacht. Hat mir gezeigt wie schnell ein Leben enden kann.

O’Farrells Geschichte ist eine Geschichte, die mich daran erinnert wie kostbar unser Leben ist, und das wir jeden Tag so leben und genießen sollten, als wäre er der letzte.

Unbedingt lesen!!!

… aus „Und jetzt lass uns tanzen“ von Karine Lambert

Diana
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
06.03.2017
Preis: 17,99 €
ISBN: 9783453291911

 

Der Vormund war ihr entrissen worden, fortan würde sie lernen müssen, ohne ihn auszukommen. Schritt für Schritt. Nur ein Teller auf dem Tisch, ein Löffel, eine Gabel, ein Messer, ein Glas, nur eine Serviette im silbernen Serviettenring und ganz alleine im großen Esszimmer.“ (Seite 26)

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Dabei sehnt sie sich nach Leichtigkeit und ein wenig Verrücktheit, wollte drei Schokoladen-Éclairs hintereinander verputzen, ohne Schirm durch den Regen spazieren. Sie sinniert über all das, was sie nie getan hat. Nun ist sie frei. Aber es ist zu spät.“ (Seite 48)

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„Er weigert sich Schlafmittel zu nehmen. Er möchte nicht betäubt werden. Solange es wehtut, ist sie da. Wenn er im Morgengrauen endlich einschläft, träumt er von ihren Küssen. Beim Aufwachen bricht die unerträgliche Wirklichkeit mit voller Wucht über ihn herein. Sie und er: miteinander verschlungene Fäden eines wertvollen Stoffs, der früher Tag für Tag weitergewoben wurde. Mit einem einzigen Hieb durchtrennt. Nicht mehr zu flicken.“ (Seite 57/58)

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Sie lacht noch mehr, und ihn überrascht dieses Lachen eines kleinen Mädchens im Körper einer alten Dame.“ (Seite 86)
„Das Leben kann bisweilen zauberhaft und zart sein, auch das hatte sie zuvor nicht gewusst.“ (Seite 120)

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„Dieser Mann versetzt sie in Aufruhr. Wird sie seine Erwartungen erfüllen können? Wie lautet die Gebrauchsanweisung für die Liebe, wenn man nicht einmal mehr auf einen Stuhl steigen und eine Glühbirne wechseln kann? Männer werden reifer, Frauen älter.“ (Seite 203)

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Kurz & Knapp … Juni 2018

Miss Gladys und ihr Astronaut von David M. Barnett

Gladys ist um die siebzig und sollte für ihre Enkel, Ellie und James sorgen, da die Mutter verstorben ist und der Vater im Knast sitzt. Doch das Ganze ist nicht so einfach, da Gladys immer öfter erste Anzeichen einer Demenz zeigt. Ellie kümmert sich um alles, und versucht auf biegen und brechen die Stellung zu halten, damit niemand etwas bemerkt da die Kids sonst im Heim landen.

Tom Major hat die Schnauze voll, von allem und jedem. Da trifft es sich gut, dass der Astronaut, der zum Mars fliegen soll, plötzlich umkippt und tot ist. Kurzerhand springt Tom ein und befindet sich plötzlich auf dem Weg zum Mars. Auf dem langen Weg dorthin befällt ihn Langeweile und er versucht seine Exfreundin anzurufen und landet aber bei Gladys. Die beiden unterhalten sich, nichtsahnend, dass Tom bald zum Retter der ganzen Familie wird.

Zuerst einmal muss ich etwas zum Cover loswerden. Das ist das schlimmste Cover ever und schreckt den/ die Leser ab. Ich frage mich was der Verlag sich da gedacht hat. Das Cover entspricht in keinster Weise dem Inhalt des Buches. Es vermittelt den Eindruck von Kitsch und seichtem Inhalt. Das ist es aber nicht.

Es geht in dieser Geschichte um den verzweifelten Kampf einer Familie ums Überleben und den Zusammenhalt. Gladys spürt von Tag zu Tag mehr, dass sie ihr Gedächtnis verliert. Sie muss aber ihre Sinne beieinander halten, damit die Kids nicht ins Heim kommen. Ellie arbeite neben der Schule in verschiedenen Jobs, und das, obwohl sie erst fünfzehn ist. Und James fühlt sich einfach nur verloren ohne Vater und Mutter. Und als plötzlich alles aufzufliegen droht, hilft Major Tom aus dem All.

Fazit: Eine unterhaltsame Geschichte mit unerwarteten Wendungen und am Ende hab ich sogar ein Tranchen im Auge gehabt. Bitte nicht vom Cover und Titel abschrecken lassen!!!

(Ullstein Taschenbuchverlag, ISBN: 9783548289540, Preis: 15,00 Euro)

 

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Lavendelträume von Gabriele Diechler

Nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Mutter findet Julia in einem geheimen Postfach ein sehr kostbares Parfum und einen Liebesbrief. Julia ist im ersten Moment irritiert, da sie die Ehe ihrer Eltern immer als perfekt gesehen hat. Welches Geheimnis hatte ihre Mutter und wer ist Antoine? Ihre Recherche ergibt, dass es sich um einen Parfümeur in Frankreich handelt. Sie nimmt Kontakt auf und reist kurzerhand nach Frankreich. Dort angekommen trifft sie auf Nicolas, dem Sohn von Antoine, und muss von ihm erfahren, dass Antoine verstorben ist. Julia zeigt ihm das Parfum und die Botschaft an ihre Mutter, und sie versuchen gemeinsam hinter das Geheimnis zu kommen.

Was für eine schöne Geschichte. Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Gabriele Diechler schafft es wieder einmal mich mit ihrer Geschichte um Julia und Nicolas in den Bann zu ziehen. Ich konnte den Flair der Provence spüren und den Duft des Lavendels riechen. Ich erfahre einiges über die Herstellung von Parfüm, was ich sehr interessant fand.

Fazit: Ein sehr schöner Sommerroman, der perfekt in die jetzige Lavendelblüte passt. ♥♥♥

(Insel Verlag, ISBN: 9783458363507, Preis: 9,95 Euro)

 

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Wir müssen reden von Sibylle Luithlen

„Wir müssen reden“ ist der Anfang eines Satzes, den kein Paar gerne hört. Doch genau diese Worte spricht Lars zu Feline. Er bittet sie um eine Beziehungspause, da er eine andere Frau kennen gelernt hat. Feline ist schockiert und versucht zunächst wie immer weiter zu machen. Sie bricht ihr Referendariat als Deutschlehrern ab und flüchtet.

In Rückblenden erzählt die Autorin von dem ersten Treffen zwischen Lars und Feline, von ihren Ängsten Gefühle zuzulassen, da beide in ihrer Kindheit erlebt haben, wie es enden kann, wenn man zu viel Gefühle zeigt. Die Geschichte zeigt weiterhin das Beziehungsgeflecht der beiden auf. Feline ist „eifersüchtig“ auf Lars angebliche Unabhängigkeit, da er sich kaum um die Tochter und den Haushalt kümmert. Feline ist dauergestresst, weil sie sich neben ihrem Beruf noch um alles andere kümmern muss. Das allerdings ist Felines Empfinden und sieht in der Wirklichkeit des Buches etwas anders aus.

Fazit: Ich fand das Buch mega anstrengend und Felines Gejammer ging mir echt auf die Nerven. So was von „weinerlich“ und immer sind die anderen schuld … An dieser Stelle wie immer, das ist meine Meinung, macht Euch bitte Eure eigene zu diesem Buch.

(DVA, ISBN: 9783421047953, Preis: 20,00 Euro)

 

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Das Feld von Robert Seethaler

Ein alter Mann sitzt auf einer Bank auf dem Friedhof und lauscht den Geschichten der Menschen in ihren Gräbern. Es sind Geschichten von Menschen, die alle im Ort Paulstadt gelebt haben, und deren Leben sich auf irgendeine Art und Weise mehr oder weniger gekreuzt haben. Mehr möchte ich zum Inhalt nicht sagen, da es ein dünnes Büchlein ist, und sonst zu viel verraten wird.

Dies war mein erster Seethaler und ich hatte mich echt darauf gefreut, da ich immer wieder von anderen gehört und gelesen habe, das Seethaler ein toller Autor sei. Leider wurde ich sehr enttäuscht. Vielleicht liegt es daran, dass ich etwas vollkommen anderes erwartet habe. Ich wusste, es geht um den Tod. Erwartet habe ich eine leicht angehauchte philosophische Geschichte über den Tod und seine Auswirkung auf die Hinterbliebenen. Bekommen habe ich eine „Tratschgeschichte“. Ihr wisst schon, so von wegen der hat dies und jene hat das. Nur hier tratschen nicht die Lebenden sondern die Toten.

Fazit: Sehr schade, aber ich werde es sicherlich noch mit einem anderen Seethaler versuchen. Auch hier gilt, es ist meine Meinung. Bitte macht Euch Eure eigene zu diesem Buch, das es viele gibt, die dieses Buch toll fanden.

(Hanser Berlin, ISBN: 9783446260382, Preis: 22,00 Euro)

 

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Häuser aus Sand von Hala Alyan

Die palästinensisch-amerikanische Autorin erzählt in ihrem Romandebüt die Geschichte einer Familie über vier Generationen während des Nahostkonflikts, beginnend in den Sechzigern bis in die heutige Zeit. Die Geschichte verläuft chronologisch und wird immer aus der Perspektive eines Familienmitglieds erzählt. Ein Stammbaum der Familie zu Beginn des Buches macht es mir als Leserin einfacher, zu sehen wer ist wer.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich ein wenig Probleme mit der Hintergrundgeschichte, dem Nahostkonflikt hatte. Mir ist dieser Krieg und den damit verbundenen Geschehnissen nicht so präsent. Daher war für mich eher die Familiengeschichte im Vordergrund. Die Suche nach Heimat und Wurzeln. Da die Familien immer und immer wieder aus ihren Heimatdörfern vertreiben wurden, war es für dies nicht möglich. Den Titel fand ich daher sehr passend. Die Heimat verrinnt immer und immer wieder wie Sand zwischen den Fingern. Wurzeln zu schlagen ist einfach unmöglich. Trotz der multikulturellen Familie, die sie zum Schluss ist, ist es für die Familie immer noch schwer im Nahen Osten Heimat zu finden.

Fazit: Ein sehr gelungenes Debüt!

(DuMont Buchverlag, ISBN: 9783832198558, Preis: 24,00 Euro)

 

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Über mir die Sonne von Alessio Torino

Tina, ihre Mutter und ihre Schwester Bea verbringen den Urlaub auf einer kleinen Insel. Es ist der erste Urlaub ohne den Vater. Der hat die Familie verlassen und lebt mit seiner Musikschülerin zusammen. Für Tina ist die Trennung nicht so schmerzvoll, wie für den Rest der Familie. Sie hat genug mit sich und ihrem Erwachsenwerden zu tun, den Tina steckt mitten in der Pubertät und erfährt das erste Mal die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts. Neben den dreien gibt es noch andere Urlauber, die mir mehr als suspekt waren. Irgendwie alle ein bisschen kaputt und somit kein guter Umgang für Tina.

Ehrlich gesagt habe ich die Botschaft des Autors nicht wirklich verstanden. Laut Klappentext geht es um den Verlust des Vaters und dem damit verbundenen Ende einer Familie. Ich habe erwartet, das Torino den Verlust und die Trauer aufarbeitet, doch ich erlebe Tina, Bea und die Mutter als vergnügte Urlauber auf einer Insel unter leicht durchgeknallten Leutchen. Vieles wird angedeutet, aber nicht wirklich ausgesprochen und das Ende hat mir nur eine großes Fragezeichen im Kopf hinterlassen.

Fazit: Das war nix! Wie schon heute zwei Mal erwähnt … meine Meinung usw. …

(Hoffmann und Campe, ISBN: 9783455001471, Preis: 18,00 Euro)

 

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Die Exilantin

Blumenbar
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
18.05.2018
ISBN: 9783351050504
Preis: 18,00 Euro

Klappentext
In diesem autobiografischen Debüt erzählt Maryam Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, vom Kampf der Eltern für den Kommunismus und davon, wie sie ihr Spielzeug an die Kinder im Viertel verschenken muss. Heimlich vergrub sie die Lieblingssachen im Garten und steckte sie später in den Koffer für Frankreich. Hier sollte das neue Leben anfangen – ohne Kampf, ohne Gefängnis. Aber die kleine Maryam fühlt sich fremd, weil alles fehlt: die eigene Sprache, echte Freunde, die geliebte Großmutter. In Paris sind die Hände des Vaters plötzlich nutzlos, die Augen der Mutter müde. Als junge Frau fährt Maryam nach Teheran zurück, verliebt sich und bricht mit allem.

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Da dies nur ein kleines Büchlein ist, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter auf den Inhalt eingehen, da sonst zu viel verraten wird.

„Wir sind farbige Sternschnuppen auf einer grauen Leinwand.“ (Seite 207)

Was für ein ungewöhnliches Debüt. Maryam Madjidi beschreibt auf sehr poetische und im Aufbau des Buches sehr ungewöhnliche Art ihr Geschichte. Eine Geschichte von Flucht mit den Eltern ins Exil nach Frankreich. Von ihrer schwierigen Zeit der Eingewöhnung und der Verweigerung die neue Sprache zu lernen. Dann der Umschwung. Sie will mit ihren Wurzeln brechen. Will nicht mehr das persische, nur noch das französische. Doch in beiden ist sie nicht wirklich zu Hause.

Ich konnte Madjidis innere Zerrissenheit spüren, die Suche nach Heimat und Identität, nicht zu wissen wohin man gehört …

Das ungewöhnliche an diesem Buch ist, dass Maryam Madjidi auch verschiedenen Dingen, wie Sprache oder Gegenständen ein Wort gibt. Es ist eine Mischung aus Phantasie und Realität, gepaart mit einer wundervollen poetischen Sprache, die diese Autobiografie zu etwas besonderem machen.

Wenn ich all die schönen Textstellen rausgeschnitten hätte, wäre vom Buch nichts mehr übrig geblieben. Vor allem die Gedichte, ganz besonders „Es war einmal“ auf den letzten beiden Seiten, sind einfach wundervoll.

Unbedingt lesen!!!

„Eine Girlande aus Wörtern in einem Baum bin ich, auf die ein Kind zeigt.“ (Seite 221)