Geschafft!!!

IMG_2700Puh … das wäre erst einmal geschafft. Endlich habe ich auch einen Blog. Ich möchte mit diesem Blog meine Liebe zu Büchern teilen. Für mich gibt es nichts schöneres als den Menschen von meiner Liebe zu Büchern zu erzählen, sie mit meiner Freude über Literatur anzustecken. 🙂

Erst einmal habe ich ein paar Rezensionen aus dem letzten Jahr online gestellt. Ob noch mehr aus dem letzten Jahr folgen weiß ich noch nicht, da es ja dieses Jahr viele tolle neue Bücher geben wird.

Ich möchte Euch eine kleine „Einführung“ geben.

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In den nächsten Tagen und Wochen werde ich das ein oder andere noch spezifizieren. Über Frage, Anregungen und konstruktive Kritik freue ich mich. Ihr könnt das hier kommentieren oder mir eine Mail schreiben: angelikaabels@gmx.de.

Jetzt wünsche ich Euch mega viel Spaß beim stöbern in meinem Blog.

Eure Angelika ♥

Das geraubte Leben der Nordkoreaner

Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 11.03.2013
ISBN: 9783518465226
Preis: 10,99 €

Klappentext
Pak Jun Do hat noch nie einen Film gesehen, kaum je ein Werbeplakat, er findet es merkwürdig, dass woanders Leute Tiere im Haus halten, und wundert sich über Maschinen, die Geld auswerfen. Er kennt keine Ironie, keine Kunst, keine Mode und keine Magazine. Aufgewachsen im nordkoreanischen Waisenhaus „Frohe Zukunft“, ist er ein winziges Rädchen im großen Getriebe der absurd-grausamen Herrschaft des „Geliebten Führers“ Kim Jong Il. Nur ein falsches Wort kann jeden sofort ins Lager bringen. Doch mit der Zeit beginnt Jun Do an etwas zu glauben, was stärker ist als Staatstreue: Freundschaft und Liebe. Als er die Schauspielerin Sun Moon trifft, lernt er das bedingungslose Vertrauen in einen anderen Menschen kennen. Und nur dafür lohnt es sich zu überleben.

∗∗∗∗∗

Obwohl diese Geschichte eine „fiktive“ ist, steckt doch mehr Realität und Wahrheit über Nordkorea darin, als man als Leser wahr haben möchte. Dieses Buch ist keine einfache Lektüre, und es braucht eine Zeit, bis man sich darin zurecht findet. Denn das was man hier liest lässt einem den Atem stocken.

Menschen sind hier nicht Menschen. Sie sind Spielbälle des „Geliebten Führers“. Er allein bestimmt und manipuliert wie es ihm gefällt. Männer bekommen ihre Ehefrauen zugewiesen. Stirbt der Mann, wird ein Ersatzmann für die Frau gefunden. Hübsche junge Frauen werden verschleppt und müssen dort als Hostessen arbeiten. Denunzierte werden solange gefoltert bis sie gestehen und landen dann im Arbeitslager. Sterben sie dort, zapft man ihnen das Blut für Blutkonserven ab. Oder aber sie werden durch Elektroschocktherapie ihrer Vergangenheit beraubt. Menschen verschwinden einfach und keiner wagt es danach zu fragen, denn für alles hat der „Geliebte Führer“ eine Geschichte. Seine Geschichte.

Ihr denkt, dass kann und darf im 21. Jahrhundert nicht sein? Leider ist dem so. Ich habe mich schlau gemacht und im Netz gestöbert. Leider ist das der traurige Alltag in Nordkorea. Was die Menschen dort ertragen müssen ist einfach unfassbar, und die „mächtigen“ Staaten und Länder drum herum können nichts machen, um diesen Wahnsinn zu beenden.

Trotz alledem was ich lesen musste über Jun Do und sein Leben in Nordkorea, lässt mich dieses Buch nicht ganz so traurig zurück. Denn trotz aller widrigen Umstände lernt Jun Do Menschen kennen, denen er vertrauen kann, und die ihm zeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen. Vielleicht schaffen andere Menschen in Nordkorea diesen Schritt auch, und vielleicht erhebt sich irgendwann ein ganzes Volk gegen den „Geliebten Führer“ … vielleicht … ich wünsche es mir sehr!!!

„(…) Als Buc weg war sagte er zu Jun Do:“Wo wir herkommen, sind Geschichten Realität. Wenn der Staat einen Bauern zum Musikvirtuosen erklärt, dann tun alle gut daran, ihn von da an Maestro zu nennen. Und er selbst täte gut daran, insgeheim Klavier zu üben. Für uns hat die Geschichte eine größere Bedeutung als die Person. Wenn ein Mann nicht zu seiner Geschichte passt, dann ist es der Mann der sich ändern muss.“ (…) (Seite 191/192)

Ende und Anfang

Atlantik Verlag, ISBN: 9783455600568, Preis: 20,00 €

Klappentext
„Wer auf meiner Beerdigung weint, mit dem rede ich kein Wort mehr“, hat Lou oft gewitzelt. Auf der kleinen bretonischen Insel mochte sie jeder: Lou war eine verständnisvolle Mutter, eine lustige Großmutter, eine verlässliche Freundin und Nachbarin. Sie kochte miserabel, aber voller Liebe, hatte das lauteste Lachen und trank am liebsten Champagner.
Doch nun ist Lou tot – und die Familie droht auseinanderzubrechen. Jo war zwar ein liebevoller Ehemann, doch seine erwachsenen Kinder Sarah und Cyrian kennt er kaum. In ihrem Testament bittet ihn Lou, ihr einen letzten Wunsch zu erfüllen: Er soll das zerrüttete Verhältnis zu Sarah und Cyrian kitten und die beiden glücklich machen. Erst dann darf er ihren letzten Brief lesen – der versiegelt, natürlich in einer Champagnerflasche, auf ihn wartet.
Eine folgenschwere Flaschenpost und eine schwierige Mission. Doch zum Glück steht Jo seine patente Enkeltochter Pomme zur Seite, die Schicksal spielt. Und bald ist in Lous und Jos Familie nichts mehr, wie es war …

∗∗∗∗∗

„Der Notar geht unsere Kinder holen. Das wird ein Gemetzel. Du hast mir gerade die nächsten zwei Monate versaut meine Liebe. was bleibt mir noch, ohne dich? Die zweistellige Zahl unserer gemeinsamen Jahre und die hundertstellige unserer gemeinsamen Lachanfälle?“ (Seite 45)

Lou ist tot und hinterlässt viele traurige Menschen, die Jo auf den richtigen Weg bringen soll.

Sarah die Tochter der  beiden. Sie wurde nach einer schweren Erkrankung von ihrem Freund und zukünftigen Mann verlassen. Seither versucht sie der Liebe aus dem Weg zu gehen.

Cyrian der Sohn von Lou und Jo. Lou wusste Bescheid. Wusste von Dany, seiner Freundin, mit der er seine Frau Albane betrügt. Die beiden haben eine Tochter … Charlotte. Außerdem hat Cyrian noch eine Tochter, Pomme. Doch der Kontakt zu ihr ist sehr sporadisch. Lous Sohn hat kurz vor Pommes Geburt die Insel Groix verlassen und lebt seitdem in Paris.

Albane ist eine strenge Mutter, die Charlotte ständig unter Kontrolle hält.

Pomme liebt ihre Mutter und die Großeltern. Denn obwohl sie kaum Kontakt zu ihrem Vater hat, hat sie einen sehr engen Kontakt zur ihren Großeltern.

Und dann ist da noch Jo. Die Beiden haben sich unendlich geliebt. Seinetwegen ist Lou mit auf die Insel Groix gezogen und hatte dort ein schönes Leben.

„Wir sind eine sonderbare Familie. Du warst der Mörtel, Lou. Ohne dich bröckelt das Gebäude, wankt, um mit großem Getöse einzustürzen.“ (Seite 64)
„Du warst die Schönste. Du hast mir beigebracht, glücklich zu sein und mich überall wohlzufühlen. Ohne dich bin ich ein Trottel.“ (Seite 87)

Auf den ersten Blick sind die vielen Namen und Protagonisten verwirrend. Doch innerhalb der Geschichte haben alle ihren eigenen Platz. Abwechselnd erzählen sie aus ihrem Leben und dem Leben mit Lou. Sie lassen mich an ihrem Schmerz über den Verlust von Lou teilhaben. Dabei erfahre ich viele Details, die zuerst einen Blick in jedes einzelne Leben zulassen und später alle zu einem großen Geflecht innerhalb der Familie werden.

Mir hat das sehr gut gefallen. Diese kleinen Einblicke, die mich an manchen Stellen zuerst einmal verwundert, manchmal auch wütend gemacht haben. Doch dann, im Großen Ganzen konnte ich jeden einzelnen Protagonisten in seinem Handeln und Leben verstehen.

Fouchet gelingt es mit leisen und warmen Worten die Trauer und den Verlust  jedes einzelnen herauszuarbeiten, Ich fühlte mich allen sehr nah, doch Jo und Pomme waren die, die mein Herz am meisten berührt haben. Das mag sicherlich auch daran liegen, dass sie den größten Part in der Geschichte haben.

„Nicht die Kinder oder Enkel machen uns glücklich, sondern die Liebe, die sie hervorrufen, mit der man sie umgibt, die uns durchdringt.“
(…)
„Man kann nicht wissen, woran man einmal sterben wird, aber man kann entscheiden, wie man leben will.“ (Seite 358)

Ein zauberhafter Familienroman mit Charakteren, die von Fouchet liebevoll dargestellt werden, mit all ihren Ecken und Kanten, in einer Kulisse mit französischem Charme.

Unbedingt lesen ♥♥♥

 

4 von 5 Sternen

In eigener Sache …

Hallo Ihr Lieben,

irgendwie bin ich ein wenig Blog müde. Ich lese viele Bücher im Moment, doch ich schaffe es nicht die Rezensionen dazu zu schreiben. Hier liegen 6 Bücher, die darauf warten besprochen zu werden. Mir fehlen einfach die Worte dafür. Ich habe das Gefühl, dass sich jede Rezension gleich liest. Wenn ich andere Blogs anschaue, so finde ich die wesentlich professioneller als meinen. Das fängt beim Layout an bis hin zu den Bildern und Beiträgen.

Heute zum Beispiel wollte ich, weil es fehlt, ein Impressum unten anfügen, doch ich raffe das nicht, weil ich keine Ahnung davon habe. Ich muss mich erst durch zig Anleitungen lesen und verstehe immer noch nichts. Dann kommt noch dazu, dass manche Anleitungen nur in Englisch sind, und das verstehe ich gar nicht. Damit habe ich heute ungelogen 4 Stunden verbracht und nichts ist dabei rausgekommen. Verschwendete Zeit, Zeit die ich zum lesen hätte nutzen können. Das frustet mich total. Ständig habe ich das Gefühl ich muss dies, ich muss das … Vielleicht sind meine persönlichen Ansprüche an mich auch viel zu hoch … ich weiß es nicht.

Den Blog ruhen lassen kann ich nicht, da er ja Teil meines Büchergarten ist. Das möchte ich auch nicht. Irgendwie drehe ich mich im Kreis. Falls jemand von Euch Tipps hat, immer her damit …

Eure Angelika ♥♥♥

 

 

Zehn Tage im Februar … die kein Mensch braucht!

Blumenbar
Fester Einband
208 Seiten
Erscheinungsdatum:
19.01.2017
Preis: 18,00 €
ISBN: 9783351050375

Klappentext
Ein Mann hinterlässt seiner Frau einen Zettel: Er wird sie verlassen. Für zehn Tage. Danach werde man sehen. Die Frau schmeißt den zettel in den Müll, drapiert sich die Haare zum Dutt und zieht eine nachtblaue Robe an, denn es ist der Eröffnungsabend der Berlinale. Der Mann ist weg, aber die Filme kommen und mit ihnen die große Regisseurin Jane Campion, der einzige Mensch, dem sich die die Frau je wirklich verbunden gefühlt hat. Jane soll ihr helfen, sich zu entscheiden. Zwischen der Frau, die sie einmal war, die sich vom Scheich nach Cannes einladen ließ und die sich an nichts und niemanden band – außer an das Kino. Und der Frau, die sie geworden ist, die bittere Tränen in ihrem geschmackvoll eingerichteten Eigenheim vergießt, in deren Leben scheinbar alles an seinem Platz ist, aber rein gar nichts in Ordnung. Nach zehn Tagen kommt der Mann zurück. Die frau aber hat von Jane einen schwierigen Auftrag bekommen.

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Kennt ihr das? Da freut man sich auf ein Buch, weil der Klappentext interessant erscheint, dann liest man es und die Geschichte hinterlässt ein großes Fragezeichen. So erging es mir mit diesem Buch und ich habe lange gezögert und mich gewunden dazu etwas zu schreiben. Nun hier meine Meinung zu diesem Buch, und dem Hinweis bitte macht euch eure eigene Meinung.

Die beiden „Hauptprotagonisten“ bleiben ohne Namen. Das gibt es hin und wieder in Büchern, und doch kann man eine „Beziehung“ aufbauen. Anders hier. Die Frau bleibt für mich eine Person, die ich nicht greifen und auch nicht begreifen kann. Sie hat eigentlich ein tolles Leben. Einen Mann, einen tollen Job, ein Eigenheim usw. Dennoch ist sie unzufrieden. Als ihr Mann sie für zehn Tage (die Zeit der Berlinale) verlässt, hat die Dame nichts Besseres zu tun, als den Zettel (in meinen Augen ein Synonym für den Mann/ die Beziehung) in den Müll zu schmeißen, sich schick zu kleiden und sich ins Abenteuer zu stürzen. Kein Gedanken an den Mann oder die Beziehung. Egal. Fort damit. Es folgt ein Einblick in den Ablauf einer solchen Berlinale mit all seinen vielen Filmen (für Cineasten durchaus interessant). Zwischendurch ständiges Gejammer, das sie ihr altes ungezwungenes und ungebundenes Leben wieder haben möchte. Wobei sich hier die Frage stellt, war es wirklich so ungezwungen und ungebunden? Sie ließ sich von einigen Dame und Herren „aushalten“.  Nun denn … nach zehn Tagen war die Geschichte zu Ende, und ich mit meinen Nerven.

Ich habe immer und immer wieder gehofft, dass mich die Geschichte noch anspricht, doch leider hat es das nicht. Schade … sehr schade um die Lesezeit, die ich vergeudet habe.

 

2 von 5 Sternen

… aus „Der Weg nach Hause“ von Fabio Volo

Diogenes
Flexibler Einband
352 Seiten
Erscheinungsdatum: 25.05.2016
Preis: 16,00 €
ISBN: 9783257300352

„Um sein wahres Ich zu finden, musste er von zu Hause weg, aus diesem Leben aussteigen, das ihn lähmte, erdrückte und einschränkte. In seinem gegenwärtigen Leben hatte sein wahres Selbst keine Chance. Er musste weg von diesen Verhaltensweisen, die ihm fremd waren, von der eigenen Wut, die ihn zu zerstören drohte. In diesem Unbehagen kam eine Seite von ihm zu tragen, die immer weiter hinab wollte, bis auf den Grund, um herauszufinden, wie tief das Gefühl von Leere reichte.“ (Seite 93)

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„Was macht einen Menschen aus? Die Art, wie er geht, wie er sich bewegt, wie er über Pfützen springt. Wie er redet, was er sagt und was er nicht sagt. Wie er zuhört, was er denkt. Die Art, wie er lacht, wie er sich aufregt. Wie er liebt, wie er küsst, wie er umarmt. Wie er schwitzt.
Ein Mensch besteht aus seinem Geruch, seinem Duft, daraus, wie er Auto oder Fahrrad fährt, aus der Miene, die er aufsetzt, wenn er mit einem Blumenstrauß in der Hand unterwegs ist. Daraus, wie er sich im Spiegel betrachtet, wenn er allein im Aufzug steht. Wie er den Kopf zurück wirft, wenn er in Lachen ausbricht, wie er sich weinend nach vorne beugt, wenn ihm der Bauch weh tut. Ein Mensch ist, was er ist, was bleibt und was verschwindet. Und eine Menge anderer Dinge, die seine Welt ausmachen, ihn auf Trab halten und eines Tages mit einem Klick nicht mehr da sind. Und wenn er gut war, hat er irgendetwas, ein winziges Stück von sich selbst an die weitergegeben, die bleiben.“ (Seite 339) 

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Der Tod des Vaters bedeutete auch das Aus für alte, eingefahrene Verhaltensmuster: mit dem Vater verlor er eine zentrale Bezugsperson, vor allem aber die Person, auf die man alle Schuld und alle Verantwortung abwälzen konnte. Den idealen Sündenbock für all seine eigenen Schwächen. Schlagartig offenbarte sich ihm die erschütternde Erkenntnis, dass auch er nun kein Sohn mehr war, sondern einfach nur ein Mensch. Ihn überkam ein Gefühl grenzenloser Leere. Nun musste er sein Leben, seine ganze Existenz neu erfinden. Die alte Schablone passte nicht mehr auf die neue Situation.   “ (Seite 368)

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„Das unablässige Warten auf eine Zukunft voller Verheißungen, eine Zukunft mit den tollsten Abenteuern und den faszinierendsten Frauen, war in Wahrheit nur eine Illusion, eine Lüge, ein ewiger Selbstbetrug, das Resultat eines Mechanismus, der seit je sein Leben bestimmt. Er begriff, dass er alles andere war, als ein freier Mann. Was er für Freiheit gehalten hatte, war gar keine. Es war eine Pseudofreiheit, denn faktisch hatte er gar nichts im Griff: weder seine gegenwärtige Lage noch sein Leben und schon gar nicht seine Entscheidungen. Vielmehr entschieden die Situationen, die Gelegenheiten und Versuchungen für ihn. Er wurde von der Strömung herumgewirbelt, er flog nicht frei wie ein Vogel, der selbst die Route und die Richtung wählte, er war wie ein Stück Papier, das im Wind flatterte. Er hatte im gedacht, er sei ehrlich, weil er immer erklärt hatte, wer er war, doch in Wirklichkeit war das die Treue zu seiner Rolle, die er sich selber ausgesucht hatte, die Treue zu einer Maske.“ (Seite 391)

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Gewaltig, gefühlvoll und zärtlich … ein literarisches Denkmal

Frankfurter Verlagsanstalt
Fester Einband
699 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.03.2014
Preis: 24,90 €
ISBN: 9783627002039

Klappentext
Sie nennen ihn „Diamanten Eddie“, Juwelen und Pelze sind sein Spezialgebiet. Stets elegant gekleidet, charmant und intelligent, ist Edward Kray gern gesehen an den Spieltischen der Stadt und feiert großzügig jeden gelungenen Coup. Er reist quer durch Europa, nach Frankreich, Belgien, Holland und Griechenland, macht keine Pläne, spart nichts-ein Leben im Jetzt.
Doch in seinen Träumen kehren die dunklen Bilder der Vergangenheit zurück: 1939 verliert der fünfzehnjährige Edward beim ersten Fliegerangriff der Deutschen auf das südostpolnische Zamość seine Familie und gerät in die Hände der Gestapo. Als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt, verbringt er sechs Jahre in Arbeits- und Straflagern und bleibt nach Kriegsende dennoch im Land.
Im zerstörten Deutschland lernt er die lebenshungrige Marianne kennen und wird zwischen den Verheißungen des Wirtschaftswunders, dem Chaos und der Neuordnung der Nachkriegszeit zum erfolgreichen Hehler und Dieb.

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Erzählt wird das Leben von Eddie in zwei Erzählsträngen. Abwechseln lernt der Leser den Eddie während der Gefangenschaft kennen und den, der im Jetzt lebt. Es wird sehr ausführlich über die Zeit währen des Krieges berichtet. Eine Zeit, in der Eddie mehr als einmal stirbt. Nachdem der Krieg zu Ende ist, bleibt er in dem Land, dessen Menschen ihn so sehr gefoltert haben. Aber sein Lebenswille und sein Lebenshunger sind so groß, dass er versucht zu vergessen. Das gelingt ein wenig, doch irgendwann holt ihn die Vergangenheit ein und er droht daran zu zerbrechen …

Die Lebensgeschichte des Edward Kray hat mich nicht mehr losgelassen. Einmal eingetaucht in diese Welt war ich erschüttert was Edward und Millionen andere Menschen während des Krieges erdulden und erleiden mussten. An vielen Stellen, vor allem denen der Lagerbeschreibungen hatte ich Tränen in den Augen und mich gefragt, wie muss Sabine Kray empfunden haben, als sie von der Lebens- und Leidensgeschichte ihres Großvater erfahren hat?

Dieser Roman ist ein erschütterndes Stück Zeitgeschichte. Ein literarisches Denkmal der Enkelin an ihren Großvater … gewaltig, gefühlvoll und zärtlich …

Danke liebe Sabine Kray, dass ich daran teilhaben konnte … ♥

 

5 von 5 Sternen

Die erste und die letzte Liebe

Diana
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
06.03.2017
Preis: 17,99 €
ISBN: 9783453291911

Klappentext
Beinahe wären sie einander nie begegnet: Marcel, der den Sternenhimmel liebt, und Marguerite, die nur dem Tag Schönheit abgewinnen kann. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Doch dann verlieren beide ihre langjährigen Partner. An diesem Wendepunkt in ihrem Leben treffen sie aufeinander und stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?

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„Der Vormund war ihr entrissen worden, fortan würde sie lernen müssen, ohne ihn auszukommen. Schritt für Schritt. Nur ein Teller auf dem Tisch, ein Löffel, eine Gabel, ein Messer, ein Glas, nur eine Serviette im silbernen Serviettenring und ganz alleine im großen Esszimmer.“ (Seite 26)

Marguerite ist 78 Jahre alt, als ihr Mann Henri stirbt. Das Paar war 55 Jahre verheiratet. Doch die Ehe war eine sehr distanzierte. Das Paar hat sich nach wie vor gesiezt und körperliche Nähe gab es selten. Dennoch haben sie einen Sohn. Frédéric. Henri ein angesehener Anwalt hat sich immer um alles gekümmert, Marguerite war das schmückende Beiwerk. Nun ist Henri tot und Marguerite was nicht wie sie das Leben ohne ihn meistern soll, da sie sich nie um die alltäglichen Dinge kümmern durfte. Doch dann tritt Marcel in ihr Leben …

Dabei sehnt sie sich nach Leichtigkeit und ein wenig Verrücktheit, wollte drei Schokoladen-Éclairs hintereinander verputzen, ohne Schirm durch den Regen spazieren. Sie sinniert über all das, was sie nie getan hat. Nun ist sie frei. Aber es ist zu spät.“ (Seite 48)

Anders bei Marcel. Er hat seine große Jugendliebe geheiratet. Nora. Beide sind glücklich und genießen ihre  Zweisamkeit. Dann passiert dieser dumme Badeunfall und Nora kommt ums Leben. Für Marcel bricht eine Welt zusammen und er droht an diesem Verlust zu zerbrechen. Doch dann tritt Marguerite in sein Leben …

„Er weigert sich Schlafmittel zu nehmen. Er möchte nicht betäubt werden. Solange es wehtut, ist sie da. Wenn er im Morgengrauen endlich einschläft, träumt er von ihren Küssen. Beim Aufwachen bricht die unerträgliche Wirklichkeit mit voller Wucht über ihn herein. Sie und er: miteinander verschlungene Fäden eines wertvollen Stoffs, der früher Tag für Tag weitergewoben wurde. Mit einem einzigen Hieb durchtrennt. Nicht mehr zu flicken.“ (Seite 57/58)

Marguerite und Marcel treffen in einem Thermalbad aufeinander. Die beiden nähern sich an, was den Kindern der Beiden gar nicht gefällt. Frédéric, Marguerites Sohn und eine Kopie seines Vaters kann nicht verstehen woher diese plötzliche Lebenslust seiner Mutter kommt. Er verlangt von ihr sich so zu benehmen, wie in der gemeinsamen Zeit mit dem Vater. Doch Marguerites Sehnsucht nach Leben und Leidenschaft ist geweckt und so ignoriert sie die Vorschriften und Vorwürfe des Sohnes. Und auch Marcel ignoriert die Bedenken der Familie um mit Marguerite ein neues Leben zu beginnen.

Sie lacht noch mehr, und ihn überrascht dieses Lachen eines kleinen Mädchens im Körper einer alten Dame.“ (Seite 86)
„Das Leben kann bisweilen zauberhaft und zart sein, auch das hatte sie zuvor nicht gewusst.“ (Seite 120)

Ich habe es geliebt, dieses Buch zu lesen. Am Anfang habe ich Marguerite nicht verstanden wie sie einen wie Henri heiraten und lieben konnte. Im Verlauf der Geschichte ist mir klar geworden, dass sie am Anfang geglaubt hat, dass es Liebe sei. Als Henri dann tot war, war es so berührend zu lesen wie Marguerite ihr verkrustetes Leben aufbricht. Wie ein Raupe, die aus ihrem Kokon schlüpft.

Die Autorin hat mit sehr viel Gefühl geschrieben. Das merkt man ganz besonders an der Stelle, als Marcel seien große Liebe Nora verliert. Das ist so intensiv, dass ich Marcels Schmerz spüren konnte.

Überhaupt ist diese ganze Geschichte einfach hervorragend. In einer Zeit in der wir immer älter werden, ist es ein Thema darüber nachzudenken wie man weiter leben möchte wenn der Partner stirbt. Darf man sich mit über 70 noch einmal verlieben? Oder gibt es nur einmal die große Liebe? Und ist es „schicklich“ im hohen Alter noch an Sexualität zu denken und diese auch zu haben? Lambert greift unter anderem dieses Thema auf und setzt es wundervoll um.

Die Geschichte von Marguerite und Marcel ist eine Geschichte die das Herz wärmt … ist wie heiße Milch mit Honig … wie Sonnenstrahlen, die die Haut kitzeln … einfach nur bezaubernd und sollte unbedingt gelesen werden. ♥♥♥

„Dieser Mann versetzt sie in Aufruhr. Wird sie seine Erwartungen erfüllen können? Wie lautet die Gebrauchsanweisung für die Liebe, wenn man nicht einmal mehr auf einen Stuhl steigen und eine Glühbirne wechseln kann? Männer werden reifer, Frauen älter.“ (Seite 203)

 

5 von 5 Sternen