Geschafft!!!

IMG_2700Puh … das wäre erst einmal geschafft. Endlich habe ich auch einen Blog. Ich möchte mit diesem Blog meine Liebe zu Büchern teilen. Für mich gibt es nichts schöneres als den Menschen von meiner Liebe zu Büchern zu erzählen, sie mit meiner Freude über Literatur anzustecken. 🙂

Erst einmal habe ich ein paar Rezensionen aus dem letzten Jahr online gestellt. Ob noch mehr aus dem letzten Jahr folgen weiß ich noch nicht, da es ja dieses Jahr viele tolle neue Bücher geben wird.

Ich möchte Euch eine kleine „Einführung“ geben.

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In den nächsten Tagen und Wochen werde ich das ein oder andere noch spezifizieren. Über Frage, Anregungen und konstruktive Kritik freue ich mich. Ihr könnt das hier kommentieren oder mir eine Mail schreiben: angelikaabels@gmx.de.

Jetzt wünsche ich Euch mega viel Spaß beim stöbern in meinem Blog.

Eure Angelika ♥

„Der große Sommer“ von Ewald Arenz

DuMont Buchverlag, Fester Einband, 320 Seiten, Preis: 20,00 Euro, ISBN: 9783832181536, Hier kaufen -> Klick aufs Bild

Klappentext

Als erwachsener Mann läuft Frieder über einen Friedhof. Während er nach einem bestimmten Grab sucht, erinnert er den Sommer, der ihn für immer geprägt hat. Die Aussicht, sich bei seinem unnahbaren Großvater auf die Nachprüfungen vorbereiten zu müssen, findet Frieder niederschmetternd. Doch dann kommt alles anders als erwartet: Er verbringt die Wochen nicht eingesperrt in einer Lernstube. Vielmehr erlebt Frieder mit Beate die erste große Liebe, mit all den aufregenden und verunsichernden Momenten, die dazugehören. Er erfährt von der komplizierten und dennoch beglückenden Liebe seine Großeltern. Er genießt unbeschwerte Tage im Schwimmbad, die tiefe Verbundenheit mit seiner Schwester Alma und seinem besten Freund Johann. Zugleich gerät er in Situationen, in denen er lernt, was es heißt, wahrhaftig ein Freund zu sein – und das nicht zuletzt durch den Großvater. Frieder ahnt, dass es ein Sommer ist, wie es vermutlich keinen zweiten mehr für ihn geben wird.

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Kurz vor den Ferien lernt Frieder Beate kennen. Er findet sie auf Anhieb toll. Doch die Ferien stehen vor der Tür und mit ihr die Gewissheit, dass er seine Ferien bei seinen Großeltern verbringen muss, um dort mit seinem Großvater für die Nachprüfung zu lernen. Frieder ist alles andere als begeistert. Doch dann passiert das Unwahrscheinliche … das Lernen mit dem Großvater ist gar nicht so öde und er hat mehr Freiheiten als gedacht … und so erlebt Frieder einen Sommer, den er nie vergessen wird …

„Es war dieser eine Sommer, wie es ihn wahrscheinlich nur einmal im Leben gibt. Dieser eine Sommer, den hoffentlich jeder hatte; dieser eine Sommer, in dem sich alles verändert. Ja. Vielleicht ist es nicht Trauer allein, sondern vor allem eine Sehnsucht nach diesem Sommer – nach diesem unwiederbringlichen, zitternd schönen Zauber der ersten Male.“ (Seite 11)

Zuerst habe ich gedacht, noch so ein „Coming-out-of-Age Roman, doch schnell wurde mir klar, der hier ist anders. Bei Wells habe ich mich ja beim Lesen zu Tode gelangweilt, vielleicht weil ich nicht die sogenannte Zielgruppe war. Anders bei diesem Buch. Vielleicht liegt es daran, dass sich Frieder als „alter Mann“ an diesen Sommer erinnert und es auch ein paar Einschübe aus seinem jetzigen Leben gibt. Ich habe Frieders Geschichte sozusagen inhaliert, so als wäre ich ein Teil der Geschichte.

Ich bin jetzt noch ganz beseelt von diesem Buch. Was für eine schöne Sprache, was für tolle Sätze. Mit jedem Wort merkt man, das es Ewald Arenz Spaß gemacht hat, dieses Buch zu schreiben. Selten habe ich es erlebt, dass ein Autor seine Figuren „liebt“. Jede einzelne ist bis ins kleinste hervorragend definiert, so real. Dieses Buch/ diese Geschichte lässt mich mit ganz viel Wärme und Liebe zurück.

Danke Ewald Arenz für diesen Lesegenuss ♥

„Heute ist so ein Tag. Ein Tag, an dem ich mich frage, ob aus dem Jungen von damals, dieser Mann werden musste, der zu früh aufwacht und überlegt, ob er sein Leben noch richtig lebt.(…) Da kommen sie alle, so jung, wie wir es damals waren: Alma. Johann. Beate. Und Nana. Immer wieder denke ich an den Sommer, aus dem für mich alles hervorgegangen ist: mein Leben, wie es heute ist.“ (Seite 40)

„Das Glück meiner Mutter“ von Thommie Bayer

Piper Verlag, Fester Einband, 224 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783492057264, Hier kaufen -> Klick aufs Bild

Klappentext

Phillip Dorn hat nach Monaten harter Arbeit Ferien verdient. Allein bricht er auf nach Italien, um in der Ruhe eines Ferienhauses seine Gedanken zu ordnen. Phillip genießt die Pasta und den Rotwein, macht Ausflüge in die toskanische Umgebung und lauscht nachts dem Konzert der Zikaden. Während alldem stellt er sich seinen großen Fragen: warum die Beziehung zu Brigitte zerbrochen ist und welchen Anteil er am Unglück seiner Mutter hat. In seiner willkommenen Einsamkeit wird er eines Nachts jäh gestört, als sich eine junge Frau in seinen Garten stiehlt und ihn mit der selbstverständlichen Art, in einem fremden Pool zu baden, in ihren Bann schlägt. Bis sie auf seiner Terrasse steht und sich als seine Nachbarin Livia vorstellt. Auf einen Wein und eine späte Zigarette kommen die beiden von nun an jede Nacht zusammen, und Phillip beginnt sich der faszinierenden Fremden immer näher zu fühlen. Und auch Livia zieht ihn immer mehr ins Vertrauen über ihr eigenes Leben.

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„Meine Altersgenossen, zumindest die Großstadtbewohner unter ihnen, landen über kurz oder lang beim Alleinsein. Ob wir nun bindungsunfähig oder -unwillig sind, ob wir Familien gegründet und später auseinandergerissen oder gar nicht erst haben zustande kommen lassen, ob wir erträgliches oder eher prekäres Auskommen, wirkliche Freunde oder nur Kollegen haben – die meisten von uns müssen damit zurechtkommen, dass ein Leben ohne Kompromisse auch ein Leben ohne Partner ist.“ (Seite 88)

Phillip Dorn, erfolgreicher Drehbuchautor beschließt sich endlich einen langgehegten Wunsch zu erfüllen … mit seinem Traumauto, ein Cabriolet, eine Reise in die Toskana zu machen. Es ist eine Reise, die er gedanklich mit seiner Mutter macht. Einer Frau, die immer für ihn da war, die sogar dem Son zuliebe,  auf ein glückliches Leben mit einem Mann verzichtet hat. Dorn erinnert sich auf der Fahrt in die Toskana und später auch an seinem Urlaubsziel an seine Mutter, an ihre Warmherzigkeit und Güte. Er reflektiert aber auch sein eigenes Leben. Seine zerbrochene Beziehung, seiner Einsamkeit, gewollt oder ungewollt und stellt sich letztendlich auch die Frage, wie wäre beider Leben verlaufen, wenn die Mutter mit dem Sohn das andere Leben gelebt hätte …

„Das muss das Alter sein, dachte ich, wenn dir auf einmal klar wird, dass das Beste, was dir passieren kann, die Aussicht ist, dass alles so bleibt, wie es ist, dass dich keine Krankheit niederwirft, niemand an dir ein Verbrechen verübt, Siechtum und Tod dich möglichst lange nicht erwischen – wird Zeit, zu begreifen, dass du glücklich bist. (…)Die Abwesenheit von Glück merkt jeder, die Anwesenheit nicht unbedingt.“ (Seite 157/158)

 Dieses kleine, aber feine Buch hat mich berührt. Auf zweierlei Weise … da ist diese Mutter, die für ihren Sohn auf ein „besseres“ Leben verzichtet, und die dennoch so voller Liebe, Güte und Warmherzigkeit ist, und diese ihrem Sohn gibt. Und dann ist da Phillip, der Sohn, der sich fragt, ob seine Mutter ein besseres und glücklicheres Leben gehabt hätte, wenn er ihr nicht im Weg „gestanden“ hätte.

Auf dieser Reise ist Phillip seiner Mutter nahe und wird ihr durch eine besondere Begegnung noch näher kommen …

Behutsam erzählt Thommie Bayer diese Geschichte und lässt mir als Leserin den Platz, mir meine eigenen Gedanken zu diesen Themen zu machen. Wie wirkt sich mein Leben, meine Entscheidungen auf das Leben andere in meinem Umfeld aus?

„Als Kind konsumierst du Liebe und Fürsorge wie Atemluft, sie ist einfach da und wird nicht knapp oder giftig, als Erwachsener fällt es dir unter Umständen nicht ein, ebenso oder wenigstens ähnlich fürsorglich und liebevoll mit deinen Eltern umzugehen, wie sie es damals mit dir taten.“ (Seite 199)

 

 

„Das Geheimnis von Zimmer 622“ von Joël Dicker

Piper Verlag, Fester Einband, 624 Seiten, Preis: 25,00 Euro, ISBN: 9783492070904, Hier kaufen

Klappentext

Im Frühsommer des Jahres 2018 packt der bekannte Schriftsteller Joël Dicker seine Koffer. Er reist von Genf in die Schweizer Alpen, um dort im Palace de Verbier die Ferien zu verbringen. Suite 623 ist beriet für ihn vorbereitet. Gleich am ersten Tag seines Aufenthalts macht er die Bekanntschaft einer charmanten Engländerin. Scarlett Leonas. Angeregt unterhält er sich mit ihr über die Kunst des Schreibens und ahnt nicht, dass er wenig später mit ihr tief in ein ungelöstes Verbrechen hineingezogen werden wird. Denn in Zimmer 622 geschah einige Jahre zuvor ein Mord, der  Täter wurde nie gefasst. Merkwürdigerweise existiert das Zimmer gar nicht – Joël Dicker beginnt zu recherchieren und stößt auf die abgründigen Machenschaften einer alten Genfer Bankiersfamilie …

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Nachdem ich im letzten Jahr meinen ersten Dicker gelesen habe (Das Verschwinden der Stephanie Mailer), war ich auf den neuen Roman mehr als gespannt. Und was soll ich sagen? Der Mann kann schreiben. Ich bin ab sofort ein Dicker Fan Girl ♥

Worum geht es … Dicker muss gerade den Verlust seines Agenten verarbeiten, und beschließt eine kleine Auszeit zu nehmen. Er fährt in die Schweizer Alpen. Sein Zimmer ist die Suite 623. Am Abend lernt er die charmante Scarlett kennen, die ihn als den Autor erkennt. Im Laufe des Abends bringt Scarlett das Gespräch auf das fehlende Zimmer 622 und überredet Dicker gemeinsam mit ihr herauszufinden was es damit auf sich hat. Als sie den Portier dazu befragen wollen, rückt dieser nicht so wirklich mit der Sprache raus. Die Beiden beschließen weiter nachzuforschen und stoßen auf eine unglaubliche Geschichte des Bankhauses Ebezner, welches eine 300jährige Geschichte aufweist. Der Präsidentensitz der Bank wird immer an den Nachfolger vererbt. Doch Abel Ebezner entscheidet sich gegen seinen Sohn und somit nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Mehr möchte ich zu diesem sehr komplexen, aber gut zu lesenden Geschichte nicht verraten.

Das was dann auf 624 Seiten passiert ist einfach unglaublich. Dicker schafft es immer wieder eine neue Spannung aufzubauen, in dem er Wendungen(Geheimnisse, Intrigen, Schicksale) einbaut, mit  denen ich nie und nimmer gerechnet habe. Und das Ende ist dann noch einmal mega gemacht, weil dann alles langsam aufgelöst wird und zwar wieder vollkommen anders als ich geglaubt habe.

Ich sag nur … unbedingt lesen!!!

„Heute beissen die Fische nicht“ von Ina Westman

mareverlag, Fester Einband, 256 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783866486454, Hier kaufen:

Klappentext

Eine Familie verbringt ihren Sommer auf einer abgelegenen Insel im finnischen Schärengarten. Vater, Mutter, Kind – Joel, Emma und Fanni: Die Idylle könnte perfekt sein. Doch Emma, die Fotojournalistin ist und häufig in Krisengebieten unterwegs, wird von heftigen Kopfschmerzattacken und Halluzinationen geplagt: Treibt dort aus dem Nebel wirklich ein verlassenes Boot auf sie zu? Und sitzt da vorne auf dem Stein tatsächlich eine dunkelhäutige Frau und blickt aufs Meer? Oder sind es nur Erinnerungsfetzen an ein vergangenes Geschehen, das Emma bis in ihr Sommerrefugium verfolgt und droht, sie von sich selbst und ihren Liebsten zu entfremden?

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Emma und ihre Familie verbringen den Sommer auf einer finnischen Insel. Emma wurde gerade operiert. Am Kopf. Ein schlimme Verletzung. Woher und wie sie entstanden ist? Emma kann sich nicht erinnern. Nicht wirklich, aber Nacht für Nacht und sogar am Tag steigen Erinnerungsfetzen in ihr hoch. Doch die sind so furchteinflößend, dass Emma denkt sie wird verrückt. Sie verschließt sich immer mehr und redet kaum noch mit ihrer Familie, aus Angst vor dem was sie erlebt hat.

Joel weiß nicht, wie er mit der Krise seiner Frau umgehen soll. Er hat keine Ahnung von dem was sie in ihrem Job erlebt hat. Die beiden sprechen/ sprachen nie darüber. Jetzt wünscht er sich, sie hätten öfter darüber gesprochen, dann hätte er vielleicht jetzt einen Zugang zu ihr.

Fanni versteht nicht, was mit ihrer Mutter passiert, und warum diese sie entweder von sich stößt oder sie umklammert und keine Sekunde aus den Augen lässt. Auch ihr Vater kann es ihr nicht erklären. So wendet sie sich immer wieder an ihren Großvater und führt mit ihm ihre Gespräche.

„Später dachte ich, dass damals wohl mein Schweigen begann. Von da an ließ ich auch andere Dinge unerwähnt, zuerst Erlebnisse von meinen Dienstreisen, Dinge, die in meine Träume vordrangen, die wachsenden Beklemmungen, die Hoffnungslosigkeit, die gegenüber der Hoffnung immer mehr Raum gewann. Den Zweifel an unserer Beziehung, den Zweifel, der von Anfang an da gewesen und eigentlich nie weggegangen war. Den Wunsch, ein Kind zu haben, den Wunsch kein Kind zu haben.“ (Seite 107/ 108)

Dieses Buch ist dunkel, melancholisch zuweilen sehr traurig und an vielen Stellen schrecklich. Dunkel und melancholisch, weil die Stimmung der Protagonisten an keiner Stelle fröhlich ist. Alle sind traurig, suchen nach Erklärung und hängen ihren Gefühlen und Gedanken nach. Traurig und schrecklich sind die Erinnerungsfetzen von Emma … Menschen die fliehen, Boote auf dem Wasser, Tote im Meer, Krieg, Rassismus, Verfolgung … Wirklich an vielen Stellen keine leichte Kost, und doch hat mich dieses Buch sehr berührt, da die Autorin mit diesen Themen sehr behutsam in Emmas Erinnerung umgeht, und mir als Leser wieder einmal mehr bewusst wird, was Journalisten bzw. Menschen in Krisengebieten sehen und erleben. Und dieses Geschehnisse auch ihre Spuren bei jedem Einzelnen hinterlassen. Spuren die keiner sieht oder ahnt, einen Menschen aber verändern …

 

 

„Unter Wasser Nacht“ von Kristina Hauff

hanserblau, Fester Einband, 288 Seiten, Preis: 20,00 Euro, ISBN: 9783446269453, Hier kaufen

Klappentext

Inga und Sophie sind beste Freundinnen. Obwohl sie nicht unterschiedlicher aufgewachsen sein könnten: Sophie in einer schneeweißen Villa in Hamburg-Othmarschen und Inga als Tochter eines Fährmanns in Harlingerwedel. Sie wohnten während des Studiums zusammen, saßen auf den Anti-Atomkraft-Demonstrationen bei Gorleben nebeneinander und träumten von einer gerechten Zukunft.

Jetzt wohnen sie in bürgerlicher Idylle im Wendland. Doch während Inga und ihr Mann Bodo ihre vermeintlich perfekten Kinder zum Fußball und zur Chorprobe fahren, kämpft Sophie um ihre Ehe mit Thies. Seit ihr Sohn Aaron in der Elbe ertrank, vergiftet Misstrauen die Beziehung der beiden. Und als eine Fremde in den Ort kommt und die Wunden wieder aufreißt, müssen Sophie und Inga sich fragen, was aus ihrem Leben, ihrer Freundschaft und aus ihren Träumen geworden ist.

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Inga und Sophie sind beste Freundinnen. Kennen sich seit der Schulzeit, ziehen im Studium in eine Wohnung und auch, als die beiden schon verheiratet sind, verbindet die beiden Frauen viel. Sie leben nebeneinander auf einem Hof im Wendland. Doch die Freundschaft hat einen Riss bekommen. Denn Sophies und Thies Sohn ist vor 13 Monaten  auf tragische Weise ums Leben gekommen. Nun sieht Sophie tagein, tagaus die Familienidylle von Inga.

Inga und Bodo möchten die Freunde in ihrer Trauer auffangen, doch die beiden lassen keinen an sich ran, und so wird es für alle Beteiligten immer schwieriger weiterhin zusammen zu leben. Eines Tages tauch eine Unbekannte auf dem Hof auf und wirbelt alles durcheinander. Thies fühlt sich von der Unbekannten angezogen, flirtet mit ihr und fühlt sich seit Aarons Tod auf einmal wieder lebendig. Aber auch Inga und Sophie fühlen sich auf eine besondere Art und Weise von Mara, der Unbekannten, angezogen. Doch welches Geheimnis führt Mara ins Wendland?

„Sie dachte daran, wie alles begonnen hatte, in den Tagen, als Bodo und Inga ihnen ein Teil des Grundstücks abkauften und ihr Haus darauf bauten. Die besten Nachbarn der Welt: ihre Freunde. So viele Hoffnungen und Träume hatten sie geteilt. Für Inga hatten sie sich alle erfüllt, für Sophia nicht.“ (Seite 13)

Die Geschichte um die Familien wird in einzelnen Kapiteln immer aus der Sicht einer Person erzählt. Mal kommt Inga zu Wort, mal Sophie, Mara oder eines der anderen Familienmitglieder. Und dabei kommt so nach und nach ein Geheimnis, ach dem anderen an die Oberfläche, und die scheinbare Idylle ist gar nicht mehr so idyllisch.

Mich hat dieses Buch sehr bewegt. Jede Person in der Geschichte hat so sein Päckchen zu trage, hat seine Geheimnisse, die er für sich behält. Im Laufe der Geschichte sieht man aber, was diese „Geheimniskrämerei“  für Folgen haben kann. Vieles wäre vielleicht anders gelaufen, hätte einer der Protagonisten mal etwas gesagt bzw. gehandelt. Am meisten hat mich später Aaron  nicht mehr losgelassen. Was ich über ihn erfahren habe, hat mich sprachlos zurück gelassen. An dieser Stelle hätte ich gern mehr über ihn erfahren, um sein Handeln verstehen zu können.

„Sie hatte viel zu lange einfach nur still gehalten, hatte gedacht, dass Schuld und Scham sich irgendwann auflösen mussten, aber das war nicht geschehen. Sie hatte sich geschämt für ihre Gefühllosigkeit gegenüber Aaron. Erst jetzt fühlte sie etwas, wenn sie an ihn dachte. Diese brennende Wut.“ (Seite 132/ 133)

Den Roman von Kristina Hauff habe ich sehr gerne gelesen. Es ist ein Buch über Familie, Trauer, Lügen und Geheimnisse, das einen nachhaltig beschäftigt. Die Geschichte berührt, da man deutlich die Trauer und die Verzweiflung bei Thies und Sophie über den Verlust ihres Sohnes spürt.

 

 

„Hard Land“ von Benedict Wells

Diogenes Verlag, Fester Einband, 352,Seiten, Preis: 24,00 Euro, ISBN: 9783257071481, Hier kaufen

Rückentext

Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt erwachsen zu werden.

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„Überhaupt hatte ich das Gefühl, eine paar neue Augen verpasst bekommen zu haben. Weil, ich musste die Jahre davor ja blind gewesen sein. Natürlich hatte ich gewusst, dass Mütter sterben und Freundschaften zerbrechen, aber ich hatte diese Dinge nie richtig gesehen. Nun sah ich die Selbstzweifel meines Dads, wenn er Stellenanzeigen durchging. Und ich sah die Angst meiner Mum, wenn sie mich mit einem Lächeln trösten wollte. Und keine Ahnung, ob das wirklich besser war.“ (Seite 24)

Sam ist ein schüchterner 16jähriger Junge, mit Teenager Probleme wie sie viele in dem Alter haben … Mädchen, Sex, keine Lust auf Schule und Stress mit den Eltern. Die nerven ihn ständig, dass er doch mal raus gehen soll und Freunde treffen soll. Aber auch das ist eins von Sams „Problemen“. Er hat keine Freunde, gehört eher zu den Außenseitern und bleibt daher für sich alleine.  Doch im Sommer `85 wird alles anders. Er bekommt die Möglichkeit im Kino seines Heimatortes zu jobben. Dort trifft er auf Kirstie, deren Vater das Kino gehört. Er ist von ihr hin und weg. Und nach einigen Anfangsschwierigkeiten ist er sogar Teil einer Clique, die aus Arbeitskollegen des Kinos und Kirstie besteht. Doch dann stirbt seine Mutter an Krebs und nichts ist mehr wie es war …

Die Geschichte ist gut geschrieben, lässt sich locker lesen, doch vom Hocker hat sich mich nicht gehauen. Im Gegenteil, irgendwann hat es mich nur noch gelangweilt. Diese Geschichte ist eine von hundert anderen Coming-out-of-Age Geschichten. Gut erzählt, aber mehr auch nicht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich einfach zu alt für diese Art von Geschichten bin. Vielleicht ist es zu lange her … dieses Gefühl vom ersten Mal … verliebt zu sein … mit einer schweren Krankheit konfrontiert zu werden … der Tod eines geliebten Menschen …

In jedem Leben gibt es den einen Sommer oder den einen Tag, in dem sich das Leben verändert. Nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Man ist plötzlich erwachsen und hat es gar nicht richtig mitbekommen.  Für all die, die sich in dieser Phase befinden, mag es ein wundervolles Buch sein, und die werden auch Freude daran haben. Aber all die anderen werden sich eher langweilen.

Sorry, das ist meine Meinung. Macht Euch bitte Eure eigene Meinung.

„Und dann war sie gar nicht da. Es war, als wäre ich mit Anlauf in einen Pool ohne Wasser gesprungen. (…) War Kirstie nicht im Kino, fehlte den Witzen die Pointe, war der Sommer weniger heiß, das Popcorn weniger knusprig und die Cola nicht so prickelnd wie sonst.“ (Seite 61)

 

 

„Die Harpyie“ von Megan Hunter

C.H. Beck, Fester Einband, 229 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783406766633, Hier kaufen

Klappentext

Lucy und Jake Stevenson leben mit ihren beiden Söhnen am Rande einer wohlhabenden Kleinstadt in England. Während Jake täglich zur Universität pendelt, arbeitet Lucy von zu Hause aus und kümmert sich um die Kinder. Doch eines Nachmittags zerstört ein Anruf die Familienidylle: Jemand möchte Lucy wissen lassen, dass Jake eine Affäre mit einer Arbeitskollegin hat. Das Paar beschließt zusammen zu bleiben, trifft aber eine Vereinbarung als Ausgleich für den Verrat: Lucy wird sich drei Mal an Jake rächen – und er weiß nicht, wann und auf welche Weise. Während die beiden sich auf ein subtiles Spiel um Verbrechen und Strafe einlassen, beginnt sich Lucys Körper und Geist allmählich zu verändern, die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen – eine Verwandlung, die sich nicht mehr aufhalten lässt …

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„Ich ziehe das Rasiermesserheraus, unter dem Silber quillt ein Märchen-Blutstropfen hervor. Nie zuvor habe ich so starke Farben gesehen: rein und comicartig, weiße Haut, meerblaues Hemd, dunkles Rot, rollend, suchend. Von ihm kein Laut. (Seite 11)

Die Zeilen von Seite 11 sind aus dem Epilog, und schon nach diesen ersten Sätzen hatte mich die Autorin. WoW , hab ich gedacht, was für eine Beschreibung. Ich konnte die Situation mir sehr deutlich vorstellen und auch hören. Den angehaltenen Atmen, das ziehen des Rasiermesser auf der Haut, das lese Geräusch als sich die Haut öffnet und das Blut heraus quillt ….

Nach dem Epilog habe ich so sehr gehofft, dass die Autorin es schafft mich mit dieser Magie weiter ans Buch zu fesseln. Und ich muss sagen, sie hat! Dieses Buch ist so krass, so irre, so unfassbar anders.

„Sollte jemand das jemals herausfinden, weiß ich, was sie denken werden: Ich bin ein furchtbarer Mensch. ich bin ein furchtbarer Mensch und sie – die Entdecker – sind gute Menschen. Freundliche, großherzige, angenehme Menschen. Attraktiv, wohlriechend. Dieser Mensch – diese Frau, vielleicht – würde niemals tun, was ich getan habe. Sie würde es nicht einmal versuchen.“ (Seite 17)

Wie bereits im Klappentext zu lesen, geht es um ein Ehepaar, dass schon seit Jahren verheiratet ist, zwei Söhne hat. Lucy ist wegen der Kinder zu Hause geblieben, während Jake seine beruflichen Ziele verfolgt. Als nun eines Tages heraus kommt, dass Jake eine Affäre hat, bricht für Lucy eine Welt zusammen. Doch das Paar beschließt zusammen zu bleiben. Lucy darf jedoch den Verrat rächen und drei  Mal Jake bestrafen. Wie und wann entscheidet sie, und Jake wird keine Ahnung haben was ihn erwartet.

Das allein war schon so super gemacht, weil ich als Leserin immer darauf gewartet habe, wann was passiert.

Aber parallel zu dieser Geschichte erzählt die Autorin etwas über Harpyien. Woher sie kamen, wie man sie in früheren Zeiten wahr nahm und was man ihnen heute nachsagt. Das fand ich auch sehr spannend, vor allem weil sich Lucy scheinbar nach und nach in Harpyie verwandelt.  Irgendwann sind die Übergänge zwischen Realität und Wahnsinn nicht mehr erkennbar.

Wer Romane abseits des Mainstreams mag, sollte diesen hier auf jeden Fall lesen!!!

„Aber das Bild, an das ich mich am besten erinnerte, zeigte die Harpyien: dunkle Schatten, Vögel mit Frauengesichtern, die herabstießen, um das Einhorn zu quälen, es leiden zu lassen.“ (Seite 37)

 „Ursprünglich, las ich, war die Harpyie gar kein Ungeheuer. Sie stand für Stürme, Gewitter. Nur schlechtes Wetter, sonst nichts.“ (Seite 74)

 „Die Harpyie ist Expertin im Stehlen.(…) Sie fährt herab wie eine Sturmbö: nimmt alles fort. (Seite 129)

 

 

 

„Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ von Alena Schröder

DTV Verlag, Fester Einband, 368 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783423282734, Hier kaufen

Rückentext

In Berlin tobt das Leben, nur die 27-jährige Hannah spürt, dass ihres noch nicht angefangen hat. Ihre Großmutter Evelyn hingegen kann nach beinahe hundert Jahren das Ende kaum erwarten. Ein Brief aus Israel verändert alles. Darin wird Evelyn als Erbin eines geraubten und verschollenen Kunstvermögens ausgewiesen. Warum weiß Hannah nichts von der jüdischen Familie? Und weshalb weigert Evelyn sich so beharrlich, über die Vergangenheit und besonders über ihre Mutter zu sprechen? Die Spur der Bilder führt zurück in die 20er Jahre, zu einem eigensinnigen Mädchen namens Senta …

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Eine alte Dame sitzt in ihrer Wohnresidenz und wartet mehr oder weniger auf den Tod. Sie hat ihr Leben gelebt und alles war gut. Jetzt sitzt sie hier tagein, tagaus und das einzig was noch erhellend in ihrer Einsamkeit ist, sind die Besuche ihrer Enkelin. Als Hannah eines Tages sie wieder einmal wie gewohnt besucht, findet diese einen Brief. In diesem Brief geht es um ein Kunstvermögen, auf welches Evelyn wohl Anspruch hat. Doch sie will nichts damit zu tun haben. Neugierig wie Hannah ist, setzt sie sich mit dem Absender in Verbindung und ahnt nicht, was sie erfahren wird … über ihre Großmutter, Mutter und sich selbst …

„Ihre Urgroßmutter Senta Goldmann war verheiratet mit einem Herrn Julius Goldmann. Der Vater von Herrn Goldmann wiederum, also der Schwiegervater ihrer Frau Urgroßmutter, hatte einen Kunsthandel, hier in Berlin, am Lützowerplatz. Der Lützowerplatz war in den Zwanzigerjahren ein wichtiger Ort für die Kunst, dort gab es mehrere Galerien und Kunsthandlungen, sehr spannend das alles, Sie sollten sich ein bisschen einlesen in dieses Thema (…).“ (Seite 85)

Dieses Debüt von Alene Schröder ist zur Zeit in aller Munde. Zu Recht! Diese Geschichte hat einfach alles, um an einem verregnetem Wochenende die Seele baumeln zu lassen.

Durch die zwei Erzählstränge ist die Geschichte um Evelyn in der Vergangenheit und der Jetztzeit sehr spannend aufgebaut. Man möchte immer gerade da weiterlesen, wo man unterbrochen wird.

Im großen Ganzen geht es um zwei Themen … junge Mütter, die zu früh Mutterwurden und es schwer haben ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Und dann geht es um die Beschlagnahmung und Raub von Kunstgegenständen, die Juden gehörten, und um die Rückführung dieser an die heutigen Erben.

„Er hatte es kommen sehen. Menschen, die sein Vater für Freunde hielt, wenigstens für anständige Menschen mit Rückgrat und Manieren, wieselten aus seinem Leben, jetzt, da es nicht mehr opportun schien, mit >Leuten wie ihnen< zu verkehren.“ (Seite 180)

 Ich habe dieses Buch inhaliert, soll heißen an einem Tag am Wochenende weggelesen. Alina Schröder schreibt mit leichter Hand einen fesselnden Roman, den ich nicht eher weg legen konnte, bis ich wusste wie es für alle Protagonisten ausgeht. Dabei sind ihr die einzelnen Charaktere sehr gelungen und es macht einfach Spaß der Geschichte zu folgen.

Also … hopp … hopp, ab in die Buchhandlung und diesen tollen Roman für das nächste verregnete Wochenende auf dem Sofa holen, oder für den nächsten sonnigen Sonntag auf der Terrasse.  

„Der Tod in ihren Händen“ von Ottessa Moshfegh

Hanser Berlin, Fester Einband, 256 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783446269408, Hier kaufen

Klappentext

Bei Sonnenaufgang läuft Vesta mit ihrem Hund eine Runde durch den Wald – die tägliche Routine einer einsamen alten Frau – , als sie auf ihrem Weg einen Zettel findet: >Ihr Name war Magda. Niemand wird je erfahren, wer sie getötet hat. Hier ist ihre Leiche.< Obwohl von der jede Spur fehlt, lässt Vesta der Gedanke an einen Mord nicht mehr los. Wer war Magda? Und wer könnte ihr Mörder sein? Die Aufklärung dieser Fragen wird zu Vestas Mission. Doch je tiefer sie sich in den Fall verstrickt, desto deutlicher treten ihre eigenen Abgründe und Widersprüche hervor. Denn Vesta Guhl ist nicht nur die unscheinbare Witwe, die sie zu sein vorgibt.

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„Ich wollte nicht auffallen. Ich spürte bereits eine gewisse Veränderung in der Atmosphäre. In einem kleinen Ort fällt es auf, wenn jemand seine Gewohnheiten verändert, und sei es auch noch so geringfügig.“ (Seite 97)

Nach dem Tod ihres Mannes zieht Vesta an den Po der Welt. In einem kleinen unscheinbaren Ort, bezieht sie ein baufälliges Haus im tiefsten Wald. Sie lebt dort mit ihrem Hund Charlie, den sie sich nach dem Tod ihres Mannes zugelegt hat. Die beiden verbringen jeden Tag  mehr oder weniger gleich. Lange Spaziergänge im Wald und stundenlanges Radiohören sind die Highlights in ihrem Alltag. Ab und an fährt sie ins Dorf, um einzukaufen. Doch sie meidet die Menschen dort und zieht sich in die Einsamkeit ihrer Welt zurück.

Eines Tages findet sie bei einem ihrer Spaziergänge einen Zettel. >Ihr Name war Magda. Niemand wird je erfahren, wer sie getötet hat. Hier ist ihre Leiche.<  Sofort fragt sich Vesta wie der Zettel dorthin gekommen ist. Sie geht doch jeden Tag den gleichen Weg und gestern lag er noch nicht da. Doch anstatt zur Polizei zu gehen, oder zu schauen ob irgendwo eine Leiche liegt, geht Vesta nach Hause und macht sich Gedanken über Magda. Wer war sie, wer ihr Mörder und wie kam sie um?

„Aufgabe des Detektives war es, die möglichen Realitäten auf eine einzige Wahrheit einzugrenzen. Eine selektive Wahrheit. Das bedeutet nicht, dass es die einzige mögliche Wahrheit war. Die echte Wahrheit gab es nur in der Vergangenheit, davon war ich überzeugt. Schwierig wurden die Dinge erst in der Zukunft.“ (Seite 92)

Was für ein irrer Roman! So etwas habe ich echt noch nicht gelesen. Es ist kein Krimi oder Thriller, doch die Spannung kommt beiden sehr nah. Das Buch habe ich innerhalb kürzester Zeit gelesen, weil ich einfach wissen wollte wie Vesta den „Fall Magda“ löst. Auf den ersten Blick geht Vesta dabei sehr akribisch vor.

Vesta erdenkt sich eine Geschichte rund um Magda, wer sie war, wie sie lebte, welche Feinde sie gehabt haben könnte. Vesta wird zur Ermittlerin, die sich aber immer mehr in ihrer Gedankenwelt verstrickt, welche zu einem einziges Wirrwarr wird, und schon bald frage ich mich als Leserin, was ist noch Realität und was Wahn. Genau damit spielt die Autorin nämlich. Sie lässt mich als Leserin ständig im Ungewissen. Ist das was Magda denkt, macht, fühlt … die Wirklichkeit? Oder ist es eine Wahnvorstellung von Vesta? Wo beginnt das Abdriften von der Realität in den Wahnsinn?

„Walter hatte doch immer gesagt, die Welt sei zum größten Teil theoretisch, oder nicht? Wenn ein Baum umstürzt, tut er das wirklich? Woher weiß man das eigentlich genau? Man durfte seinen Augen nicht trauen. O Walter. War er wirklich tot? Ich hatte seine sterblichen Überreste nicht länger als ein paar Minuten gesehen. War es möglich, dass er alles nur vorgetäuscht hatte, um mich loszuwerden?“ (Seite 190)

Dieser Roman ist wirklich richtig spannend und dieses ganze Konstrukt hat mich sehr gefesselt. Die Autorin zeigt  auf was Einsamkeit mit Menschen anstellen kann und welche Macht auch Einsamkeit hat. Wie schnell sich Realität und Fiktion mischen, man nicht mehr auseinander halten kann, was Wirklichkeit ist und was Wahn … selbst für mich als Leserin war das sehr schwer!

Für all die, die mal etwas anderes lesen möchte, kann ich dieses Buch empfehlen. Ich möchte es sehr, weil es mich als Leserin gefordert hat.

„Die Geschichte eines Lügners“ von John Boyne

Piper Verlag, Fester Einband, 432 Seiten, Preis: 24,00 Euro, ISBN: 9783492059633, Hier kaufen

Klappentext

Maurice Swift ist Schriftsteller. Er hat Stil, kann brillant erzählen, doch ihm fehlen die Geschichten. In Westberlin trifft er auf sein Idol Erich Ackermann, der gerade mit einem großen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Ackermann verfällt dem charmanten jungen Mann, der sich für alles, was er sagt, interessiert. Er nimmt ihn mit auf Lesereise durch Europa und verrät ihm sein Geheimnis. Es ist diese Geschichte, für die Maurice bald darauf als Autor gefeiert  wird. Und die Ackermanns Karriere beendet. Maurice dagegen ist schon auf der Suche nach dem nächsten Stoff …

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Maurice Swift hat zwei große Wünsche … er möchte ein erfolgreicher Schriftsteller werden und Vater sein. Doch zu Beginn des Buches hängt er als Kellner in einer Bar fest. Dort trifft er  auf den alternden, aber erfolgreichen Buchautor Erich Ackermann. Ackermann ist fasziniert von dem charismatischen Swift und lädt diesen ein, ihn auf seine Lesereise durch Europa zu begleiten. Während dieser Reise erzählt Ackermann aus seinem Leben, und Swift macht sich hin und wieder Notizen in sein Büchlein. Irgendwann steckt Swift Ackermann, dass er an einem Bucharbeitet. Ackermann möchte natürlich wissen worum es geht, doch Swift sagt nichts. Doch dann erscheint das Buch und Swift wird gefeiert dafür, und Ackermanns Karriere ist scheint beendet, denn Swift erzählt in seinem Buch von Ackermanns Geheimnis.

Swift genießt seinen Ruhm und ist sich keiner Schuld bewusst. Doch schnell wird klar, die Leser erwarten ein neues Buch von ihm. Swift fällt aber nichts ein, und so sucht er nach Stoff für ein weiteres Buch. Und plötzlich ergibt sich die Möglichkeit für ein neues Buch, und diesmal  geht Swift eindeutig zu weit …

„Jeder hat seine Geheimnisse. Jeder hat eine Leiche im Keller. Schau dich demnächst einmal im Foyer um und frag dich: Was würden diese Leute auf jeden Fall vor mir verheimlichen wollen? Genau da findest du deine Geschichte.“ (Seite 31)

 Die Geschichte um Swift ist in drei große Kapitel unterteilt, und zwei kleineren. In den großen geht es jeweils darum wie Swift an seinen Stoff für seine Romane kommt. Die kleinen Kapitel überbrücken die Zeitsprünge, die entstehen um Swifts weiteren weg zu erzählen.

Mein erstes Buch, welches ich von Boyne gelesen habe war „Cyril Avery„. Dieses Buch habe ich geliebt und liebe  es noch. Die Geschichte um Cyril war einfach unglaublich. Gerade erst gestern habe ich mich mit einer Kundin darüber ausgetauscht. Ihr hatte ich das Buch vor Weihnachten empfohlen. Auch sie war einfach begeistert.

Zurück zu Herrn Swift. Die Geschichte um Swift ist eine ganz andere, doch Boyne versteht es seine Leser*innen/ mich in den Bann zu ziehen. Nach dem ersten Kapitel, als Swift seinen ersten Roman veröffentlicht hatte war ich sprachlos. Was für ein mieser Charakter dieser Swift doch war/ ist. Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt schwer vorstellen, dass es noch schlimmer gehen könnte. Doch es kam noch schlimmer. Swift ist ein höchst manipulativer Mensch. Er weiß um seine Ausstrahlung und setzt diese bewusst ein, um an sein Ziel zu kommen. Und glaubt mir, er bekommt fast immer, was er will. Er lügt und stiehlt.

Ich habe dieses Buch/ diese Geschichte verschlungen, war oft fassungslos über das was sich abspielte. Man kann sagen, dass die Spannung und Wendung in diesem Buch einem Krimi gleich kommt.

 „Alle Liebe und Achtung, die ich für dich empfunden hatte, hatte sich in den letzten Stunden in Luft aufgelöst, und mir blieb nur noch, mich von dir zu trennen und zu gehen. Du sahst mir sofort an, dass etwas nicht stimmte. (…) Kurz warst du wie versteinert und fragtest dich offenbar, welche deiner Lügen aufgeflogen war.“ (Seite 249)

 Mir hat das Buch sehr gefallen, anders als „Cyril Avery“ welches mein Lieblingsbuch bleibt, doch spannend bis zum Anschlag. Neben der Geschichte um Swift bekommt man einen Eindruck des Literaturbetriebs … Neid, Missgunst, Gerangel um Agenten und Literaturpreise. Doch  mehrere Fragen bleiben am Ende für mich offen… wann sind Ideen für ein Buch geklaut … wann spricht man genau von einem Plagiat … darf man Geschichten, die man jemanden erzählt ,für seine Zwecke nutzen … wann ist eine Idee Diebstahl geistigen Eigentums …