Geschafft!!!

IMG_2700Puh … das wäre erst einmal geschafft. Endlich habe ich auch einen Blog. Ich möchte mit diesem Blog meine Liebe zu Büchern teilen. Für mich gibt es nichts schöneres als den Menschen von meiner Liebe zu Büchern zu erzählen, sie mit meiner Freude über Literatur anzustecken. 🙂

Erst einmal habe ich ein paar Rezensionen aus dem letzten Jahr online gestellt. Ob noch mehr aus dem letzten Jahr folgen weiß ich noch nicht, da es ja dieses Jahr viele tolle neue Bücher geben wird.

Ich möchte Euch eine kleine „Einführung“ geben.

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In den nächsten Tagen und Wochen werde ich das ein oder andere noch spezifizieren. Über Frage, Anregungen und konstruktive Kritik freue ich mich. Ihr könnt das hier kommentieren oder mir eine Mail schreiben: angelikaabels@gmx.de.

Jetzt wünsche ich Euch mega viel Spaß beim stöbern in meinem Blog.

Eure Angelika ♥

Rückblick & Einblick … Mai und Juni 2020

Hallo Ihr Lieben,

es ist mal wieder Zeit für einen Rückblich & Einblick. Die Zeit rennt wie irre, und ehe ich mich versehe sind schon wieder zwei Monate rum. Durch die vielen Feiertage und den damit verbundenen verlängerten Wochenende, habe ich viel gelesen. Überdurchschnittlich viele gute Bücher. Im Juni war es dann mit sechs Büchern auch noch ein guter Monat. Allerdings waren da ein paar Bücher dabei, die nicht wirklich etwas für mich waren.

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Rückblick

Was habe ich mich auf dieses Buch gefreut. „Kostbare Tage“ von Kent Haruf erschien gerade im Mai. Ich hab es an Pfingsten gelesen. Was für eine wunderbare und einfühlsame Geschichte. Es geht um Dad Lewis, der sterben wird. Sicherlich ein trauriges Thema, aber Haruf schafft es wieder einmal mit einer poetischen, leisen und einfühlsamen Stimme zu erzählen. Vom Leben, Lieben und Abschied nehmen. Mich hat diese Geschichte sehr berührt und am Ende hatte ich Tränen in den Augen. Bisher war „Unsere Seelen bei Nacht“ mein Favorit unter Harufs Büchern, aber „Kostbar Tage“ setzt sich jetz an die Spitze. Unbedingt lesen!!!

Jetzt zu zwei Büchern, die mir beim Lesen echt den Atem geraubt haben. „Scham“ von Inès Bayard und „Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné. Zwei Bücher in denen die Autorinnen ohne Schnörkel und Beschönigungen erzählen. Die Geschichten zu lesen tun weh, machen sprach- und fassungslos. Beide haben einen Sog, der einfach unfassbar ist. Die Rezension zu „Scham“ ist bereits online, die zu „Das wirkliche Leben“ folgt.

Wild Game“ von Adrienne Brodeur ist eine biografische Geschichte zwischen Mutter und Tochter. Malabar, die Mutter der 14 jährigen Adrienne macht ihre Tochter zur Komplizin ihrer Affäre mit dem besten Freund des Ehemanns/ Stiefvaters. Eine Komplizenschaft, die die 14 jährige für ihr Leben prägt. In „Ein Wochenende“ von Charlotte Wood blicken drei Freundinnen, alle um die siebzig, nach dem Tod einer vierten Freundin, auf ihr Leben zurück. Auf ihre Freundschaft, das was sie im Leben erreicht haben, was sie geprägt hat und wie ihr weiteres Leben aussehen soll. Richard Russos „Jenseits der Erwartungen“ erzählt ebenfalls von einer Freundschaft. Hier geht es um drei Männer in zu Collegezeiten in ein und dieselbe Frau verliebt waren. An einem Wochenende im Sommer verschwindet diese auf mysteriöse Weise. Keiner der Männer scheint eine Ahnung zu haben was damals passiert ist. Nach vierzig Jahren treffen sie sich am Ort des Verschwindens wieder und erinnern sich. Und es kommen bisher ungesagte Dinge ans Licht.

„Das Ensemble“ von Aja Gabel -> Vier junge Menschen finden sich zu einem musikalischem Ensemble zusammen und Gabel erzählt wie schwierige es ist, Privates und Berufliches miteinander über zig Jahre zu verbinden, und wie sehr sich Disharmonie auf die Musik eines Ensembles auswirken kann. Ich möchte es gerne lesen, allerdings denke ich, dass es doch ein wenig speziell ist.

„flüchtig“ von Hubert Achleitner -> Älterer Mann und junge Frau heiraten. Er hat eine Affäre. Ihr alles zu eng und sie flieht in ein anderes Leben. Durch Zufall erfährt er wo sie ist und möchte sie zurück gewinnen. Das ist natürlich jetzt sehr einfach zusammen gefasst. Auch dieses Buch habe ich gerne gelesen, doch auch hier weiß ich nicht, wem ich dieses Buch als Buchhändlerin empfehlen soll. Daher auch hier keine ausführliche Besprechung.

Zwei Bücher, die aus zwei verschiedenen Zeiten erzählen sind „Zwei fremde Leben“ von Frank Goldammer und „Schatten der Welt“ von Andreas Izquierdo. In dem ersten geht es um die Zwangsadoptionen und Kindesentzug in der ehemaligen DDR. Ein Thema das bis heute noch viele beschäftig, weil viele Fälle noch gar nicht aufgeklärt sind. Wahnsinnig spannend. Im zweiten Buch geht es um drei Freunde und eine Zeit um 1910-1918. Es geht um Freundschaft, den ersten Weltkrieg, Standesdünkel und Emporkömmlinge. Auch das war sehr spannend.

„Cloris“ von Rye Curtis -> Ein Flugzeug mit drei Personen stürzt über den Wäldern ab. Nur die 78jährige Cloris überlebt. Sie versucht einen Weg in die Zivilisation zu finden. Kurz bevor sie gerettet wird, entscheidet sie sich um und flieht vor ihren Rettern. Eine etwas irre Geschichte, zumal einige der Protagonisten etwas arg schräg drauf sind. Dennoch hat dieses Buch einen gewissen Sog und ich musste es zu Ende lesen.

„Ein Sonntag mit Elena“ von Fabio Geda -> Ein kleines wunderbares Buch über Neuanfänge. Die Sprache ist der Hammer. Jedes Wort, jede Zeile berühren das Herz.

Und nun komme ich zu den Büchern, die ich nicht in meinem Leben brauche und deshalb auch teilweise abgebrochen habe. „Das Seidenraupenzimmer“ von Sayaka Murata habe ich zwar zu Ende gelesen, aber das Buch ist einfach nur Gaga. Ehrlich gesagt habe ich nicht so wirklich verstanden was das Ganze soll. Am Anfang kann ich ja noch einigermaßen folgen, aber dann dreht es irgendwann völlig ab. Nein danke! „Die Topeka Schule“ von Ben Lerner habe ich abgebrochen. Für dieses Buch bin ich zu dumm! Ich mag ja anspruchsvolle Literatur, aber wenn ich ständig Wörter nachschlagen muss, weil ich sie nicht kenne und mir der Autor beim Lesen das Gefühl gibt, dass dieses Buch nur etwas für die ganz Schlaue ist, dann bin ich irgendwann raus. Sorry!

Bei einigen Büchern folgt demnächst noch eine Rezension!

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Einblick

Im Mai ist nicht so viel passiert. Ich habe lediglich den Eindruck, dass seit Ausbruch der Pandemie, die Menschen in unserer Umgebung das Lesen für sich entdeckt haben. In der Buchhandlung ist wirklich viel los, und die Menschen kaufen auch viel hochwertige Bücher. Das freut mich natürlich sehr. es macht immer wieder enorm viel Spaß Büchersüchtige zu beraten.

Leider dürfen wir nach wie vor keine Lesungen oder ähnliches anbieten, da wir Einzelhandel sind und kein Veranstaltungsort. Das heißt, in die Buchhandlung darf nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern (zur Zeit 8). Bei einer Lesung sind wir meistens um die 25-30 Personen. Schade! Was ich allerdings darf, ist „Buchgenuss nach Ladenschluss“. Hier lässt sich eine Gruppe von max. 6 Personen „einschließen“ und verbringt zwei Stunden in der Buchhandlung ohne Buchhändlerin. 🙂

Ganz unerwartet war ich dann Ende Juni noch in zwei Grundschulklassen. Normalerweise kommen am „Welttag des Buches“ (23. April) die Kids zu mir in die Buchhandlung. Das ging ja dieses Jahr auf Grund der Pandemie ja nicht. Da aber seit Mitte Juni in den Grundschulen wieder ein etwas „normaler“ Schulbetrieb herrscht, haben mich zwei Lehrerinnen gefragt, ob ich nicht in die Klassen kommen möchte um die Bücher vom Welttag zu übergeben und etwas erzählen möchte. Ich habe mich sehr darüber gefreut und die Zeit mit den Kids war wieder einmal unbeschreiblich. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie wissbegierig die Kinder sind. Die haben mir echt Löcher in den Bauch gefragt. 🙂 Ich hoffe, dass im nächsten Jahr die Kids wieder zu mir in die Buchhandlung kommen können.

So, dass war es fürs Erste mal wieder von hier. Ich hoffe Ihr seid alle putzmunter und bleibt es auch.

Bis bald …. Eure Angelika ♥

 

 

 

„Scham“ von Inès Bayard

Zsolnay Paul
Fester Einband
224 Seiten
Erscheinungsdatum:
17.02.2020
ISBN: 9783552059764
Preis: 22,00 Euro

Klappentext

Maries Leben ist perfekt. Sie ist jung und erfolgreich, ihr Mann ist Anwalt, jetzt wollen die beiden ein Kind. Da passiert das Unfassbare. Marie wird von ihrem Chef auf dem Heimweg brutal vergewaltigt. Und er setzt sie so unter Druck, dass sie niemandem, nicht einmal ihrem Mann, davon erzählt.

Triggerwarnung: Sexuelle Gewalt/ Vergewaltigung!

 Marie ist jung und genießt das Leben. Ihr macht der Beruf Spaß und auch ihre läuft super. Das Paar beschließt einen Schritt weiter zu gehen, und möchte eine Kind. In dieser Lebensphase wird Marie eines Tages auf dem Weg nach Hause von ihrem Chef brutal vergewaltigt. Mit letzter Kraft schleppt sie sich nach Hause und versucht mit dieser Tat klar zu kommen. Sie verschweigt sie, sagt ihrem Mann nichts davon, zeigt ihren Peiniger nicht an. Dann ist Marie plötzlich schwanger und es stellt sich die Frage von wem ist dieses Kind und wie kann das Leben von Marie mit dieser Scham weiter gehen …

Direkt zu Anfang erfahre ich, wie das Buch enden wird. Daher verrate ich nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass Marie das Kind, ihren Mann und sich tötet. Doch wie kommt es dazu? Das erarbeitet Inès Bayard schrittweise. Angefangen bei der brutalen Vergewaltigung durch den Chef, Maries Scham und dem Nichterzählen. Weder ihrem Mann noch einer Freundin vertraut sie sich an. Auch als sie erfährt das sie schwanger ist, hat sie immer noch die Möglichkeit es dem Frauenarzt zu sagen, doch Marie schweigt. Ihr Umfeld bekommt nicht mit, was ihr passiert ist. Und das ist ein Punkt, den ich einfach nicht glauben und verstehen konnte, obwohl Bayard es sehr plausibel darstellt. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, das ihr Mann nichts bemerkt hat. Ehrlich, mein Partner muss der spüren, dass irgendetwas nicht stimmt. Oder mein Umfeld. So wie Marie sich verhalten hat, hätte jemand etwas merken müssen!

Diese Buch hat mich an so vielen Stellen wütend gemacht, traurig und fassungslos. Mir hat Marie so leid getan, weil sie so sehr in ihrer Scham gefangen war. Schlimm fand ich, als sie dann vom Opfer zur Täterin wurde. Aber sie sah einfach keinen anderen Ausweg, als alle zu töten.

Das ist keine leichte Lektüre, weil sie wirklich teilweise sehr brutal und detailliert ist. Bayard zwingt mich als Leserin, all das zu durchleiden, was Marie erleiden muss . An vielen Stellen musste ich das Buch weg legen, weil ich es nicht mehr aushalten konnte, was Marie passiert, weil ich mit ihr gelitten habe. Und doch muss man hinschauen! Denn sexuelle Gewalt, egal ob Vergewaltigung oder in einer anderen Form, geschieht tagtäglich in dieser Welt. Darum ist es wichtig hinzuschauen, hinzuhören und zu helfen. Auch wenn es erst einmal vielleicht nur eine Vermutung ist, aber vielleicht hilft es dem Gegenüber seine Scham zu überwinden!

 

 

 

 

 

„Wild Game“ von Adrienne Brodeur

Droemer
Fester Einband
272 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.04.2020
ISBN: 9783426278178
Preis: 18,00 Euro

Klappentext

Adrienne hat eine umwerfende, strahlende Mutter, die der Mittelpunkt einer jeden Gesellschaft ist. Malabar ist eine begnadete Köchin und verzaubert jeden mit ihrem Charme – doch sie auch eine große Egozentrikerin. Als sie sich in den besten Freund ihres Mannes verliebt, macht sie ihre vierzehnjährige Tochter zu ihrer engsten Vertrauten und stellt auf diese Weise das Mutter-Tochter-Verhältnis auf den Kopf. Bald schon lebt Adrienne ganz für die aufregende Liebesgeschichte ihrer Mutter, statt ihre eigene Jugend auszukosten. Ihr erscheint es als einzige Chance, vom Malabar endlich wirklich wahr genommen zu werden. Schließlich verstrickt sie sich so sehr in das Spiel ihrer Mutter, dass sie voll und ganz den Boden unter den Füßen zu verlieren droht. Erst als erwachsene Frau ist sie in der Lage, die Muster zu erkennen, die ihr Leben geprägt haben, und es gelingt ihr, sich mit ihrer Mutter auszusöhnen.

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„Eine verborgene Wahrheit, mehr ist eine Lüge nicht.“ (Seite 11)

Es ist ein Sommer Ende der 70ziger Jahre, der Adriennes Leben komplett verändern wird. Die Familie macht wie jedes Jahr Urlaub im Ferienhaus auf Cape Code. Freunde der Familie sind immer sehr willkommen und Malabar, Adriennes Mutter liebt es die Gäste zu verwöhnen. Auch in diesem Sommer sind Gäste auf Cape Code. Ben, der beste Freund von Adriennes Stiefvater, ist mit seiner Frau Lily zu Besuch. Die Familien genießen die Ferienzeit. Adrienne ist gerade 14 und erlebt die ersten zarten Bande des Verliebtseins.

Nach einer feuchtfröhlichen Party wird Adrienne mitten in der Nacht von ihrer Mutter geweckt. Sie erzählt aufgeregt ihrer 14jährigen Tochter das Ben, der Freund des Vaters sie geküsst hat. Malabar ist total aus dem Häuschen und schwärmt Adrienne von Ben und diesem Kuss vor. Malabar forder allerdings von Adrienne absolutes Stillschweigen. Sie darf niemandem etwas davon erzählen.

„Blinzle noch einmal, und dir wird klar, dass die Wahrheit, die du für gut verborgen gehalten hattest, ans Licht gekommen ist, dass sich unter veränderten Bedingungen, irgendein unansehnliches Teil davon offenbart hat. Wir alle wissen, dass eine Lüge oft weitere Lügen nach sich zieht. Täuschung erfordert Einsatz, Wachsamkeit und ein sehr gutes Gedächtnis. Man muss sich anstrengen, wenn man will, dass die Wahrheit verborgen bleibt.“ (Seite 11)

Aus diesem Kuss wird eine Affäre, in der Adrienne immer wieder gezwungen ist zu lügen. Sie muss ihr ganzes Umfeld an- und belügen. Zuerst fällt es ihr sehr schwer, ihren Stiefvater und auch Lily zu belügen. Doch andererseits ist das die Chance endlich der unnahbaren Malabar nahe zu sein. Als Komplizin, als Eingeweihte, als Vertraute … denn das ist etwas, was sich Adrienne immer von ihrer Mutter gewünscht hat. Nähe, Liebe, Vertrauen … all das hat sie jetzt, das Malabar sie in ihr Geheimnis eingeweiht hat.

Adrienne hat mit 14 Jahren noch keine Ahnung, welche Auswirkung dieses Geheimnis auf ihr Leben haben wird. Erst als erwachsene Frau schafft sie es, sich aus dieser „Verbindung“ zu lösen und ein eigenes Leben zu leben ….

„Ich wusste immer, was meiner Mutter gefiel, aber einen moralischen Kompass hatte ich nicht. Es sollte Jahre dauern, bis ich verstand, was sie geprägt hatte und was mich, und welchen Schmerz wir verursachten. Damals wusste ich nur, dass ich mich am meisten geliebt fühlte, wenn ich meine Mutter glücklich machte, und zu diesem Zweck war mir jedes Mittel recht.“ (Seite 55)

Was für ein unglaubliches Buch!!! Es ist der biografische Roman der Autorin Adrienne Brodeur, in dem sie über die toxische und zerstörerische Beziehung zu ihrer Mutter berichtet. An vielen Stellen war ich erschrocken und schockiert, wie Malabar ihrer Tochter für ihren Vorteil benutzt und manipuliert. Wie sie die Abhängigkeit eines Kindes von seiner Mutter für ihre Zwecke missbraucht … einfach unglaublich.

Aber erst einmal von vorne. In der Nacht, in der Malabar Adrienne vom Kuss erzählt, macht sie ihrer Tochter zur Mitwisserin und Komplizin. Adrienne findet es toll, das ihre auch so phantastische Mutter sie endlich beachtet und zur Vertrauten macht. Doch mit dem anvertrauen des Geheimnisse ist es nicht getan. Fortan muss Adrienne ihr Umfeld belügen, um Ben und Malabar zu decken, ihnen Freiräume zu schaffen usw. Das geht über zig Jahre so. Adriennes Welt ist die ihrer Mutter und deren Affäre mit Ben. Adriennes Leben bleibt auf der Strecke.

Als Adrienne irgendwann erkennt, dass ihre Mutter sie all die Jahre nur benutzt hat, zerbricht vieles in ihr … sie wird magersüchtig … depressiv …

„Natürlich war ich noch immer Malabars Tochter. Ich wusste, dass ich sie nie im Stich lassen würde – wenn sie anrief, würde ich drangehen, bis zum Ende – , aber ich wusste auch, dass ich mich aus ihrem Griff befreit hatte. Wir waren nicht, wie ich als Heranwachsende geglaubt hatte, zwei Hälften eines Ganzen. Sie war ein eigener Mensch, genau wie ich. Und jedes Mal, wenn ich es schaffte, nicht so zu sein wie sie, wurde ich mehr ich selbst.“ (Seite 263)

Dieses Buch hat mich sehr lange beschäftigt und jetzt, wo ich diese Rezension schreibe kommt vieles wieder hoch. Der Narzissmus dieser Mutter ist einfach unglaublich. Sie zerstört ja nicht nur ihr Leben, sonder das ihres gesamten Umfelds, insbesondere das ihrer Tochter. Ich glaube Adrienne Brodeur hat dieses Buch gebraucht, um sich ein weiteres Stück aus der toxischen Abhängigkeit zu ihrer Mutter zu lösen. Ich wünsche ihr sehr, dass sie ihren Weg und ihren Platz im Leben findet.

Absolute Leseempfehlung!!!

 

 

 

 

„Der Sommer, in dem Einstein verschwand“ von Marie Hermanson

Insel Verlag
Fester Einband
371 Seiten
Erscheinungsdatum:
08.03.2020
ISBN: 9783458178460
Preis: 22,00 Euro

Klappentext

Göteborg im Sommer 1923:

Die Stadt feiert ihr dreihunderjähriges Gründungsjubiläum mit einer großen Ausstellung, und über der gesamten Stadt hängt eine magische Atmosphäre. Die Journalistin Ellen ergattert ihren ersten Job bei der Zeitung der Ausstellung, sie wird als Reporterin den Trubel und die Aufregung einfangen. Dabei begegnet ihr neben dem liebenswerten Eseljungen Otto auch der Polizist Nils Gunnarsson – den sie um Hilfe bittet, als sie eines Nachts eine alarmierende Entdeckung macht.

Zur gleichen Zeit sitz Albert Einstein in seinem Berliner Arbeitszimmer. Sein Privatleben steht kopf, seine Finanzen sind miserabel und er erhält Morddrohungen aus rechten Kreisen. Und ausgerechnet jetzt muss er nach Göteborg reisen, um seine Nobelpreisrede zu halten. Doch es gibt ungeahnte Kräfte, die diese Rede um jeden Preis verhindern wollen …

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Die Geschichte wird von vier verschiedenen Personen aus ihrer Sicht geschildert. Da ist einmal Otto, ein Junge, der in ärmlichen Verhältnissen lebt, und die Chance erhält mir seinem Esel eine Attraktion auf der großen Jubiläumsfeier zu werden. Ellen ist eine junge Frau, die auf Biegen und Brechen Journalistin werden möchte. Und das aber nicht bei irgendeiner Zeitung, nein, es muss die Zeitung sein, die exklusiv über die Feierlichkeiten und dem Drumherum berichtet. Mit ihrer außergewöhnlichen Berichtserstattung gelingt es ihr, den Job zu bekommen. Nils ist Polizist und trifft in der Geschichte auf Ellen, die seine Hilfe benötigt und später im Buch braucht er ihre Hilfe. Und zu guter Letzt ist da auch noch Einstein, der zu Wort kommt.

Als Leserin erfahre ich viele Dinge und Geschichtliches aus der Zeit 1923 und dem Gründungsjubiläum von Göteborg. Das hat mir sehr gut gefallen, vor allem weil es die Autorin auch schafft, diese ganz besondere Stimmung dieser Jubiläumsfeier in Worten einzufangen. Man spürt so ein bisschen die Magie der Ausstellung, das Gewusel der Menschen und deren Freude daran teilnehmen zu dürfen.

Neben diesem ganzen Jubiläumsgewusel ist dann da noch Einsteins Geschichte und ich muss gestehen, mir waren viele Dinge gar nicht bewusst. Mir ist Einstein natürlich durch seine Relativitätstheorie bekannt und seine Frauengeschichten, aber ich wusste zum Beispiel nicht, dass seine Relativitätstheorie so umstritten war, und er dafür auch gar nicht den Nobelpreis bekam. Und das man ihn verfolgt und ermorden wollte. Dies macht sich die Autorin zu Nutze und spinnt darum eine kleine kriminalistische Story um Einstein und seiner Reise nach Göteborg.

Mir hat die ganze Geschichte um Göteborg und Einstein sehr gut gefallen. Diese Mischung aus Fiktion und Wahrheit machen dieses Buch absolut lesenswert und unterhaltsam!

 

„Die Optimisten“ von Rebecca Makkai

Eisele Verlag
Fester Einband
624 Seiten
Erscheinungsdatum:
30.03.2020
ISBN: 9783961610778
Preis: 24,00 Euro

Klappentext

Chicago, 1985:

Yale ist ein junger Kunstexperte, der mit Feuereifer nach Neuerwerbungen für seine Galerie sucht. Gerade ist er einer Gemäldesammlung auf der Spur, die seiner Karriere den entscheidenden Schub verleihen könnte. Gleichzeitig muss er miterleben, wie ein Virus, das gerade in Chicagos Boystown zu wüten begonnen hat, einen nach dem anderen seiner Freunde in den Abgrund reißt.

Paris, 2015:

Fiona reist ihrer untergetauchten Tochter nach. Die Suche nach ihr gestaltet sich ebenso zu einer Reise in die eigene Vergangenheit, denn in Paris trifft sie auf alte Freunde aus Chicago, die sie an das Gefühlschaos der Achtzigerjahre erinnern und mit einem großen Schmerz von damals konfrontieren, den sie nie verwunden hat.

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„Wir waren die großen Optimisten. Nie war jemand meinem Herzen näher als diejenigen, die den ersten Frühling spürten, als auch ich es tat, und dem Tod ins Gesicht sahen und verschont wurden – und die nun durch den langen stürmischen Sommer ziehen.“ (F. Scott Fitzgerald, My Genration)

Das Buch ist in zwei Erzählzeiten aufgeteilt, die abwechselnd erzählt werden. Der erste Geschichte beginnt 1985 und bewegt sich im Buch auch weiter bis 1989. Eine Zeit in der das Aids-Virus anfängt um sich zu greifen. So fängt auch die Geschichte mit einer Trauerfeier an, auf der ein junger Mann beigesetzt wird. Natürlich sind die Freunde geschockt, dass einer von ihnen an Aids verstorben ist. Und doch leben sie weiterhin ihr unbeschwertes Leben, blenden den Virus aus. So auch Yale und Charlie. Sie sind ein Paar. Während Yale allen Versuchungen widersteht, lässt sich Charlie auf eine kurze Affäre ein, die nicht ohne Folgen für ihn bleibt. Und Yale, ist auch er infiziert?

„Es war nicht der Betrug, der ihm am meisten zusetzte. Das buchstabierte er im Geiste deutlich aus, sagte es in Gedanken in sein Glas hinein, zu den schmelzemden Eiswürfeln. Und es war auch nicht nur die Krankheit, die Ansteckungsgefahr, auch wenn das die wichtigste Rolle spielte. Was sich ihm im Augenblick regelrecht ins Herz schraubte, war die Tatsache, dass er sich von Charlies Forderungen so hatte einschüchtern lassen. Er war für diesen Mann wie auf Eiern gegangen, und währenddessen hatte Charlie hinter seinem Rücken, die Eier einfach an die Wand geschmissen. Mehr als alle andere kam Yale sich bescheuert vor.“ (Seite 268/269)

Die zweite Zeitebene spielt 2015 und bleibt auch dort. Fiona, die bereits im ersten Zeitstreifen als 25jährige auftaucht, sucht in Paris ihre Tochter. Sie hat seit Jahren nichts von ihr gehört und vermutet, dass sie in einer Sekte lebt. In Paris trifft Fiona auf Menschen aus den 80zigern, die das Virus überlebt haben und aus Amerika weg gingen. Während ihres Aufenthalts in Paris passiert ein Anschlag und die Angst um ihre Tochter wächst.

„Das ist der Unterschied zwischen Optimismus und Naivität. Keiner hier im Raum ist naiv. Naive Menschen haben noch keine echte Prüfung hinter sich, deshalb meinen sie, ihnen könnte nichts passieren. Optimisten wie wir haben schon etwas durchgemacht und stehen trotzdem jeden Tag auf, weil wir glauben, wir könnten verhindern, dass es noch einmal passiert. Oder wir tricksen uns einfach aus, um das zu glauben.“ (Seite 511)

Ihr wisst, ich bin kein Fan von dicken Büchern, aber durch dieses Buch bin ich geflogen. Die beiden Erzählstränge haben mich einfach immer am Buch gehalten. Die Geschichte in den 80zigern, um Charlie, Yale und ihre Freunde ist einfach phantastisch geschrieben. Man spürt mit jedem Wort das unbeschwerte Leben, dass diese jungen Leute trotz Aids versucht haben zu leben. Trotz der Ansteckung und dem möglichen Tod, denn vielen von ihnen war zu Anfang nicht bewusst welche drastischen Folgen dieses Virus hat. Und die Beschreibungen Makkais über die Todgeweihten ist wirklich beängstigend. Und irgendwie bangt man bei den Protagonisten mit, dass es sie bitte bloß nicht erwischt.

In der gleichen Zeit ist aber auch eine besondere Kunstszene entstanden. Und hier spielt die Figur von Yale eine weitere besondere Rolle, die mich fasziniert hat. Yale ist dabei eine Galerie zu eröffnen und hat die Möglichkeit an verschollene Bilder zu kommen. Hier erfahre ich, wie aufwendig es ist Expertisen und Gutachten für verschollene Bilder bekannter Künstler erstellen zu lassen.

Im Erzählstrang 2015 spielt Fiona eine große Rolle. Was mir hier sehr gut gefallen hat, ist das Fiona das Bindeglied zu den 80zigern und den 2000nern ist. Fiona trifft einige der Männer aus den 80zigern wieder und erinnert sich gemeinsam mit ihnen an diese verrückte Zeit. Während ihrer Such nach der Tochter, passieren die Novemberattentate in Paris.

„Jeder weiß, wie kurz das Leben ist.(…) Aber niemand spricht je davon, wie lang es ist. Dabei – also, ich weiß es nicht, ob das Sinn ergibt, aber jedes Leben ist zu kurz, selbst ein langes, und trotzdem ist das Leben ,mancher Menschen auch zu lang.“ (Seite 590)

Für mich ist dieses Buch eine Bereicherung. Mir hat die Vielschichtigkeit der Themen gefallen. Es geht um Liebe, Verlust, Verrat … um Hoffnung und Kämpfen … ums Miteinander und Füreinander, und dabei wird es kein bisschen kitschig oder trivial.

Einfach grandios! Unbedingt lesen!!!

„Wenn wir am selben Ort und zur selben Zeit auf der Welt sein könnten wie alle, die wir lieben, wenn wir zusammen geboren werden und sterben könnten, wäre alles so einfach. Und das ist es nun mal nicht.“ (Seite 590)

 

 

 

 

„Dankbarkeiten“ von Delphine de Vigan

DuMont Buchverlag
Fester Einband
176 Seiten
Erscheinungsdatum:
17.04.2020
ISBN: 9783832181123
Preis: 20,00 Euro

Klappentext

Michka, die stets ein unabhängiges Leben geführt hat, muss feststellen, dass sie nicht mehr allein leben kann. Geplagt von Albträumen glaubt sie ständig, wichtige Dinge zu verlieren. Tatsächlich verliert sie nach und nach Wörter, findet die richtigen nicht mehr und ersetzt sie durch ähnlich klingende. Die junge Marie, die Michka früher versorgt hat, bringt sie in einem Seniorenheim unter. Der alten Frau fällt es schwer, sich in der neuen Ordnung einzufinden. In hellen Momenten leidet sie unter dem Verlust ihrer Selbstständigkeit. Die Enge und Monotonie ihres neuen Lebens stehen im kompletten Gegensatz zu ihrem früheren Dasein, das von Offenheit und regem Austausch bestimmt war. Ihr einziger Lichtblick sind Marie und der junge Logopäde Jérôme, der sie regelmäßig aufsucht. Beide kümmern sich liebevoll um sie. Michka wiederum zeigt beiden immer wieder, wie wichtig der Kontakt zu Menschen ist, wie sehr man Zuneigung und tiefes Verständnis braucht, ganz egal wie alt man ist. Doch was sie am meisten beschäftigt, ist die bisher vergebliche Suche nach einem Ehepaar, dem sie ihr Leben zu verdanken hat. Daher gibt Marie eine Suchanzeige auf, und Michka hofft, ihre tiefe Dankbarkeit endlich übermitteln zu können, bevor es zu spät ist.

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„Und statt mir zu sagen, lass mich in Frieden, geh irgendwo was auf mein Wohl trinken und tanz auf den Tischen, antwortet sie sehr entgegenkommend auf jede meiner Fragen. Sie gibt sich Mühe, sucht nach den Wörtern. Wenn ich auflege, ist es meine eigene Hilflosigkeit, die mich überfällt und mir die Sprache raubt.“ (Seite 32)

Michka hat keine Familie und dennoch ist sie nicht allein. Da ist Marie, die kümmert sich um die alte Dame, auch als diese nicht mehr weiterhin allein in ihrer Wohnung verbleiben kann. Michka ist alt und viele Dinge fallen ihr immer schwerer. Vor allem das Behalten von Dingen und Wörtern. Sie zieht in eine Seniorenheim, was Michka so gar nicht gefällt, da sie ihre Unabhängigkeit nicht verlieren möchte. In dem Heim kümmert sich eine weitere Person, Jérôme, um sie. Doch Michka verzweifelt, denn sie macht sich mehr und mehr Gedanken darüber, ob sie den Menschen in ihrem Leben genügend gedankt hat. Vor allem einem Ehepaar möchte sie auf jeden Fall noch einmal in ihrem Leben besonders bedanken.

„Man glaubt immer, man hätte noch genug Zeit, die Dinge zu sagen, und dann ist es plötzlich zu spät. Man glaubt, es würde reichen, wenn man es zeigt, herumgestikuliert, aber das stimmt nicht, man muss es sagen. Sagen, dieses Wort, das Sie so sehr lieben. Wörter sind wichtig, aber Ihnen brauche ich das ja nicht zu sagen.“ (Seite 152)

Dieses Buch von Daphne de Vigan beschäftigt sich mit drei Hauptthemen. Dem Älter werden und dem damit verbundenen Verfall, geistig wie auch körperlich, Dankbarkeit und einer Erkrankung, die sich Aphasie nennt.

Auf den ersten Seiten habe ich gedacht, oh man, ist das Buch schlecht lektoriert. Bis ich mal auf die Idee kam, dass dies so gewollt ist, denn die Protagonistin Michka leidet an Aphasie. Das ist eine Erkrankung bei der man Wörter vergisst und diese durch gleichlautende während eines Gespräches ersetzt. Beim Lesen ergibt dass manches Mal einen ganz schönen Kuddelmuddel. Aber man gewöhnt sich daran, je weiter die Geschichte voran geht. Ich persönlich kann diese Erkrankung nicht und fand es sehr informativ, was ich darüber erfahren habe.

Es geht in der Geschichte um Michka aber auch um das Älter werden und was es für Michka bedeutet immer mehr ihrer Selbständigkeit zu verlieren. De Vigan hat diese Szenen sehr einfühlsam ja fast liebevoll beschrieben.

Und dann geht es natürlich, wie schon der Titel sagt, um Dankbarkeit. Es stellt sich die Frage sind wir eigentlich dankbar genug in unserem Leben? Sagen wir den Menschen die für uns da sind, die wir lieben oft genug DANKE? Aber es ist nicht nur diese Art der Dankbarkeit, die wir schätzen und unserem Gegenüber mitteilen sollten. Es geht auch um das Dankbarsein von Dingen, für den schönen Tag, die Sonne, die Blumen, das schöne und gute Leben … für all das tolle das wir jeden Tag erleben dürfen. Denn was kann uns glücklicher machen, als DANKBAR zu sein für dieses Leben, das wir haben!

DANKE liebe Daphne de Vigan für dieses kleine wundervolle Buch♥♥♥

 

 

 

Rückblick & Einblick … März und April 2020

Hallo Ihr Lieben,

die letzten zwei Monate waren echt chaotisch und anstrengend. Langsam kehrt eine gewisse „Normalität“ wieder ein, aber es wird noch dauern bis alles wieder rund läuft. Viel gelesen habe ich wenig, bzw. viel angefangen und viel auch wieder abgebrochen, weil mein Kopf einfach nicht aufnahmefähig war. Einige Bücher werde zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal lesen.

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Rückblick

Angefangen und abgebrochen habe ich „Elijas Lied“ von Amanda Lasker Berlin  und „PAUL“ von Juliane Baldy, beide aus der Frankfurter Verlagsanstalt. In dem ersten Buch geht es um drei Schwestern, die sich auf einer Wanderung durchs Moor befinden. Dabei erfahre ich einiges aus dem Leben der drei, die sehr unterschiedlich sind. Während dieser Wanderung tun sich Abgründe auf, die keine von der anderen erahnt hätte. Mir war das im März zu anstrengend, deshalb habe ich abgebrochen. In „PAUL“ kam ich mit der Sprache nicht zurecht, denn in diesem Buch geht es um einen Jungen und seine erste große Liebe, Das Buch ist in der Sprache der heutigen Jugend geschrieben, Das war mir too much. Deshalb der Abbruch, Die Thematik hat mir allerdings gefallen. Deshalb werde ich beide Bücher noch einmal lesen.

Ebenfalls abgebrochen, und das hat mir wirklich furchtbar leid getan, da ich die Bücher der Autorin sehr mag, ist „Die Königin von Berlin“ von Charlotte Roth aus dem Droemer Knaur Verlag. Erzählt wird die Geschichte der jungen Schauspielerin Carola Neher, die die Muse von Brecht war und die Ehefrau von Klabund. Was mir gut gefallen hat, war der Aufbau als Theaterstück. Die Gedichte und Zitate zu jedem neuen Akt. Doch leider wurde ich mit der Protagonistin nicht warm und auch die anderen (Brecht, Klabund) blieben farblos. An vielen Stellen war mir das alles zu langatmig. Nach der Hälfte hab ich dann quer gelesen und dann schließlich abgebrochen. SORRY liebe Charlotte. Deine anderen Bücher habe ich sehr geliebt. ♥

„Zwei und Zwei“ von Tessa Headly aus dem Kampa Verlag habe ich zu ende gelesen, doch auch dieses Buch konnte mich nicht wirklich überzeugen. Die Geschichte zweier Familien, die seit der Studentenzeit befreundet sind. Erst waren beide Frauen mit dem Partner der anderen liiert. Doch dann haben sie bemerkt, dass es nicht passt und sie haben die Partner getauscht. Natürlich nicht so wie ich es jetzt schreibe, sondern es lagen ein paar Jahre zwischen diesen Wandlungen. Nun ist der Mann der einen gestorben. Alle trauern, nur die Witwe nicht wirklich. Die hat gemerkt, das sie hätte doch besser den Mann ihrer Freundin heiraten sollen, so wie es in der Studentenzeit war. Der Mann der Freundin lässt sich auf eine  Affäre mit der Witwe ein, die Ehefrau bekommt das raus und schon ist das Drama da. So ungefähr. Das war mir irgendwie auch alles ein bisschen viel und kreuz und quer und überhaupt. Ich habe es zu ende gelesen, weil ich wissen wollte wie es ausgehen mag, mit den dreien. Und  das Ende hat mich dann ein klitzekleinwenig versöhnlich gestimmt.

Die nächsten drei Bücher habe ich wirklich sehr gerne gelesen und auch mit Freude. Das erste ist „Dankbarkeiten“ von Delphine de Vigan aus dem Dumont Verlag. Ein etwas melancholisches Buch, doch ein Buch, aus dem man ganz viel mitnimmt … nämlich Dankbarkeit für das was man hat … erleben durfte und darf.

Die Optimisten“ von Rebecca Makkai aus dem Eisele Verlag haben mich echt umgehauen. Ihr wisst, ich mag nicht wirklich dicke Bücher, aber hier ist jede Seite einfach´ch großartig. Es geht um das Thema Aids in den 80zigern, dem Ausbruch des Virus und was es in der Homosexuellen Szene auslöste, sowie um die Kunst, die in dieser Zeit entstanden ist. Die Kunstszene in den 80zigern war etwas außergewöhnliches. Ich habe dieses Buch über Ostern verschlungen und war echt traurig, als es zu Ende war.

Das letzte gelesene Buch im April war „Der Sommer in dem Einstein verschwand“ von Marie Hermanson aus dem Insel Verlag. Es beschreibt den Sommer 1923 in Göteborg. Zum 300. Gründungsjubiläum findet eine Ausstellung statt, auf der Einstein seine Nobelpreisrede halten soll. Doch er verschwindet. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die biografischen Elemente gepaart mit den fiktiven Elementen. Ich habe einiges über Einstein erfahren, was ich so gar nicht wusste. Und das Verschwinden gibt dem Roman einen kleinen Krimitouch.

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Einblick

Seit dem 16. März 2020 befinden wir uns im sogenannten Lockdown. In den ersten Tagen war noch gar nicht wirklich klar, was darf ich und was nicht. Bis Mittwoch 18.03.2020 habe ich die Buchhandlung noch ganz normal geöffnet, da mir auch das Ordnungsamt nicht sagen konnte wie es weiter geht. Am besagten Mittwoch standen dann die Herren vom Ordnungsamt im Laden und teilten mir mit, dass ich sofort die Buchhandlung schließen müsse. Es durfte sich kein Kunde mehr im Laden aufhalten. Wir haben dann gemeinsam geschaut wie ich weiterhin tätig sein könnte. Wir einigten uns dann darauf, dass ich per Telefon und Mail Bestellungen entgegen nehmen darf, und die bestellte Ware dann soweit es geht kontaktlos an der Seite raus geben darf. An diesem Mittwoch ist für mich erst einmal die Welt zusammen gebrochen. Ich hatte keine Ahnung wie ich das alles managen sollte. Wie mache ich die Kunden darauf Aufmerksam. Was muss ich alles beachten. Ich bin dann an diesem Tag noch bis 18 Uhr in der Buchhandlung geblieben, weil ich wusste, dass einige noch ihre Bücher abholen wollten.

Am nächsten Tag bin ich um 10.00 Uhr wieder in der Buchhandlung gewesen. Hab Kisten ausgepackt und überlegt, wie es weiter gehen kann. Ich war immer noch ein wenig planlos. Nach Rücksprache mit meiner Mitarbeiterin haben wir dann beschlossen am Freitag den 20.03.2020 die Schaufenster zu dekorieren und alle Tische ans Fenster zu stellen und mit Büchern zu bestücken. Zeitgleich haben wir Zettel geschrieben und ins Fenster gestellt wie und wann wir erreichbar sind. Das alles haben wir dann auch auf Instagram und Facebook geteilt. Und dann hieß es abwarten. Werden die Kunden sehen, dass wir immer noch für sie da sind? Werden sie anrufen und bestellen?

Und dann passierte das Unglaubliche … es riefen so viele Menschen an, ich bekam Unmengen von eMails, in denen ich gefragt wurde, wie man mir und dem Büchergarten helfen könne. Ich bekam mutmachende und tröstende Mails, und ich bekam Bestellungen. Täglich war ich von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr im Büchergarten um Bücher raus zu geben. Wenn ich ging stellte ich das Telefon um, um Bestellungen zu Hause anzunehmen und zu bearbeiten. Ich habe teilweise bis Abends um 21.00 Uhr noch Bestellungen bearbeitet und morgen um 7.00 Uhr saß ich schon wieder am Rechner um die eingegangenen Mails zu bearbeiten. Es war eine sehr anstrengende und intensive Zeit, aber die Solidarität in unserem „kleinen“ Ruppichteroth war/ ist einfach unglaublich!

Nun hat der Büchergarten seit dem 20.04.2020 wieder geöffnet und es bleibt weiterhin einfach unglaublich. An den ersten beiden Tagen habe die Menschen Nachmittags Schlange vor dem Büchergarten gestanden. Zwei Kunden dürfen zeitgleich in die Buchhandlung. Mittlerweile hat es sich etwas „normalisiert“, aber was ist in dieser Zeit schon normal. Viele Kunden freuen sich mit mir, dass wir wieder geöffnet haben, dass der Büchergarten noch da ist und hoffentlich auch bleibt. Das wünsche ich mir auch. Sehr!

Wenn alles gut geht, werden wir im September den 5. Geburtstag des Büchergarten feiern. Und glaubt mir, es wird (wenn wir dürfen) eine mega Sause geben.

Bis dahin passt auf Euch auf und bleibt gesund

Eure Angelika ♥

 

Rückblick & Einblick … Februar 2020

 

Hallo Ihr Lieben,

ich bin Euch noch einen Rückblick & Einblick für Februar schuldig. Bisher bin ich nicht dazu gekommen. Mein Kopf ist momentan voll mit 1000 anderen Dingen. Da ich nicht schlafen kann, hab ich mir mal den Laptop ins Bett geholt und möchte Euch zumindest einen kleinen Rückblick & Einblick für Februar 2020 geben.

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Rückblick

Im Februar habe ich erstaunlicherweise auch viele Bücher gelesen, was auch an dem verlängertem Wochenende wegen Karneval lag. Auch im Februar gab es wirklich gute Bücher, aber auch echt mega Flops. Richtig gut gefallen haben mir „Das Haus der Frauen“ von Laetitita Colombani aus dem S. Fischer Verlag, „Hör mir zu, auch wenn ich schweige“ Abbie Greaves ebenfalls S. Fischer Verlag und „Die blaue Stunde“ von William Boyd aus dem Kampa Verlag. (Rezensionen folgen)

Das erste Buch von Colombani „Der Zopf“ habe ich nicht gelesen. Das Thema sprach mich seinerzeit nicht an. Doch bei dem neuen Buch sprach mich der Inhalt sehr an. Da gibt es einmal den realen Teil über eine Frau die 1926 gelebt hat und sich mit all ihrer Kraft für bedürftige Menschen eingesetzt hat, bis sie schließlich dann das erste Frauenhaus, den „Palais de la Femme“ in Frankreich schuf. Mir hat diese Geschichte sehr gefallen, vor allem weil diese Frau, die niemand wirklich kennt etwas großartiges geschaffen hat. Parallel dazu erzählt Colombani Geschichten von Frauen, die in diesem Hause leben. Einzelschicksale die für viele Schicksale stellvertreten stehen. Mich haben sie sehr berührt.

„Hör mir zu, auch wenn ich schweige“ habe ich in einer Nacht gelesen. Wow, die Autorin hat es drauf einen Spannungsbogen aufzubauen, so dass man bis zum Schluss dran bleibt. Erzählt wird die Geschichte eines Paares, welches seit 40 Jahren verheiratet ist. Sie liegt nach einem Selbstmordversuch im Koma und er erzählt ihr am Bett ihre gemeinsame Lebensgeschichte. Doch dies macht er, um ihr etwa zu gestehen … seit sechs Monaten hat er nicht mit ihr gesprochen, sich einfach verweigert, weil er in seinen Augen eine große Schuld auf sich geladen hat. Doch bevor er ihr gestehen kann was es ist, spitzt sich die Lage im Krankenhaus zu und er wird nach Hause geschickt. Dort findet er eine Art Tagebuch und nun erzählt sie aus ihrem gemeinsamen Leben und auch sie denkt, dass sie eine große Schuld auf sich geladen hat und will sich deshalb umbringen. Ich sag euch, das ist so toll geschrieben, und da ich unbedingt wissen wollte was für eine Schuld beide auf sich geladen haben, musste ich immer weiter lesen. Ich will nicht zu viel vorweg nehmen, aber nur so viel … ich denke beide hätten es nicht ändern können.

Boyds „Die blaue Stunde“ ist das zweite Buch, welches ich von diesem Autor gelesen habe. Boyd hat eine tolle Art zu erzählen. Völlig unspektakulär erzählt er von einem Mann der sehr lange im Gefängnis saß, wegen eines Mordes den er nicht begangen hat, und nun seine angebliche Tochter aufsucht. Mit ihr gemeinsam möchte er diesen Mord von damals aufklären. Die vermeintliche Tochter sträubt sich zuerst, willigt aber dann doch ein, wenn er ihr seine Lebensgeschichte erzählt. Und dass macht Boyds Protagonist dann auch. Mir hat an dieser Geschichte die ruhige leise teilweise melancholische Erzählweise gefallen.

Auch durchaus lesenswert war „Nach Mattias“ von Peter Zantingh aus dem Diogenes Verlag. Zantingh erzählt von Menschen, die in irgendeiner Weise Mattias gekannt haben. Flüchtige wie innige Beziehungen oder Bekanntschaften. Doch nun ist Mattias tot und ich als Leserin erfahre wie sich dieser Tod auf diese Menschen auswirkt, wie er ihr weiteres Leben beeinflusst.

Ein wenig enttäuscht hat mich das neue Buch von Sabine Roger. Wie sehr habe ich „Das Labyrinth der Wörter“ geliebt. In „Wenn das Schicksal anklopft, mach auf“ geht es um eine junge Frau die das Touret Syndrom hat, eine alte Frau die Angst vor Menschen und dem Leben hat, und noch ein paar anderen „verrückten“ Gestalten. Eigentlich ein Thema, was mich interessiert. Was aber mega anstrengend war, war das Roger die Ticks mit einbaut. Heißt man liest ständig ein Wuaaaaahhhhhh oder liest ein und dasselbe Wort 3-5 hintereinander. Das hat mich in meinem Lesefluss sehr beinträchtig und ich konnte mich auf die eigentliche Story gar nicht konzentrieren. Ab Mitte des Buches wird es weniger, doch da hatte ich das Interesse bereits verloren und hab nur noch quer gelesen. Tolle Story, aber mich hat die Umsetzung ein wenig genervt. Versucht es und schaut selbst, wie Ihr es empfindet.

So, nun noch zu meinem absoluten Flop. Das ist leider „Power“ von Verena Güntner aus dem Dumont Verlag. Oh man, ich habe keine Ahnung was mir diese Geschichte sagen möchte. Das ist wieder so ein Buch, das spaltet. Entweder man liebt es, oder man findet es ganz schrecklich. Ich gehöre leider zu denen, die es ganz schrecklich finden. Es fängt schon einmal damit an, dass die Protagonistin Kerze heißt. Bitte wer heißt im realen Leben Kerze? Dann geht e schon gleich weiter … ein Hund wird vermisst. Kerze macht es sich zur Aufgabe diesen zu finden. Als ihr das auf Anhieb nicht gelingt, versetzt sie sich in den Hund , kriecht auf allen vieren, schnüffelt rum etc. Nun möchten ihr andere Kinder beim Suchen helfen. Das dürfen sie, müssen allerdings wie Kerze auf allen vieren kriechen, wie Hunde fressen und schnüffeln. Letztendlich leben alle Kinder im Wald, die Eltern kommen nicht mehr an ihre Kinder heran, werden von ihnen gebissen und angebellt. Mal ganz ehrlich … ich hab den Sinn nicht verstanden. Sorry!

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Einblick

Im Februar war ja Karneval und Valentinstag. Aus Karneval mach ich mir nicht wirklich etwas. Das liegt wohl daran, dass ich als Kind auf jede Veranstaltung geschleppt wurde die es gab, da mein Vater als Kölner in vielen Karnevalsvereinen war. Deshalb habe ich wohl so etwas wie ein Karnevaltrauma. 🙂 Für mich ist Karneval immer ein verlängertes Wochenende, da wir Rosenmontag den Büchergarten zu lassen, an dem ich viel lesen kann.

Dann war auch noch Valentinstag. Auch einer dieser Tage, der aus Amerika eingeschleppt wurde. Ich bin dann immer hin und her gerissen. Mache ich einen Bücher- und SchnickschnackTisch oder lass ich es bleiben. Meist mache ich dann doch einen, weil einige KundenInnen doch nach Büchern oder Schnickschnack nachfragen. Persönlich machen wir es uns immer schön an diesem Tag. Kochen etwas zusammen und trinken ein Gläschen Wein … Aber mein Mann hat absolutes Blumenkaufverbot. Ich finde die Preise für Blumen an diesem Tag echt unverschämt.

Ansonsten waren wir im Februar das erste Mal bei Trend & Trade in Holland. Da ist ein riesiges Einkaufszentrum für Widerverkäufer. Dort bekommt man alles mögliche rund um NonBooks. Wir kleinen Inhaber geführte Läden haben leider immer wieder das Problem bei den NonBooks, das entweder die VEs (Verkaufseinheiten) so groß sind, dass man ewig an einem Artikel verkauft oder die Mindestbestellmengen so hoch sind. Hier kann ich von dem Artikel der mir gefällt nur 1 oder 2 oder 3 oder wie auch immer nehmen. Ich fand es spannend und hab auch ein paar schöne Sachen für den Büchergarten erstanden.

Apropo Mindestbestellmengen etc. Gerade vor ein paar Wochen habe ich mich wieder sehr über eine Firma, deren Name ich nicht nennen werde, geärgert. Durch Zufall sah ich, dass dieser Verlag wunderschönes Porzellan auf den Markt gebracht hat. Tassen, Eierbecher, Müslischalen etc. Also hab ich da angerufen und einen Katalog bestellt. Die VEs waren okay, und die Dame am Telefon sagte mir, dass ich auf jeden Fall immer die VEs nehmen muss. Nun denn … ich habe mir dann ein paar Sachen ausgesucht und bestellt. Ein paar Tage später bekomme ich einen Anruf vom Verlag, mit dem Hinweis, das ich von diesem Porzellan von allen Motiven eine VE nehmen muss. Ich hatte mir zum Beispiel von den Tassen nur 3 Motive ausgesucht. Es gibt aber 8. Da war ich echt sauer, denn das war mega viel. Das wäre ein dreifaches fast vierfaches Einkaufsvolumen gewesen von dem was ich bestellen wollte. Das kann ich als kleine Buchhandlung nicht wuppen. Liebe Verlage, liebe NonBook Vertriebler … warum acht ihr das? Warum muss man immer solche Mengen abnehmen, die ich niemals verkauft bekomme? Das führt letztendlich dazu, dass nur große Buchhandlungen diese tollen Sachen führen können und die kleinen Buchhandlungen bleiben mal wieder auf der Strecke. Schade … Schade …

So, das war es erst einmal von mir.

Passt auf Euch auf …. Eure Angelika ♥

 

„Das Haus der Frauen“ von Laetitia Colombani

S. Fischer
Fester Einband
256 Seiten
Erscheinungsdatum:
26.02.2020
ISBN: 9783103900033
Preis: 20,00 Euro

Klappentext

Solène ist Staranwältin in Paris. Als sich ein Mandant nach verlorenem Prozess vor ihren Augen in den Tod stürzt, bricht sie zusammen. Halt findet sie im Haus der Frauen, in dem Frauen in Not Zuflucht finden. Sie wird zur Briefschreiberin. Mit jedem Brief, den sie im Auftrag der Bewohnerinnen schreibt, wächst nicht nur ihr Mitgefühl für die verschiedenen Schicksale, sondern auch ihr Interesse an der heldenhaften Blanche Peyron, die 1926 allen Widerständen zum Trotz den „Palais de la Femme“ in Paris begründete.

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„Solène ist genau das: ein kleiner aus dem Nest gefallener Vogel, der versucht, einen Brand zu löschen. Ihr Handeln ist unbedeutend, nicht der Rede wert-lächerlich, wie man sagen würde. Aber sie leistet ihren Beitrag.“ (Seite 158)

Solène arbeitet seit Jahren erfolgreich als Anwältin. Als sich jedoch ein Mandant nach einem verlorenen Prozess vor ihren Augen selbst tötet, stürzt sie das in eine tiefe Krise. Sie hat keine Perspektive mehr, alles erscheint ihr sinnlos und leer. Ihr Therapeut schlägt ihr vor ehrenamtlich zu arbeiten. Menschen zu helfen. Zuerst verweigert Solène sich dieser Idee, ist es doch sie selbst, die Hilfe braucht. Doch sie geht in den „Palais de la Femme“ und schaut sich die Arbeit an …

„Kindheitsträume zu vergessen ist nicht schwer, man hört einfach auf daran zu denken. Man bedeckt sie mit einem Schleier, so wie man Laken über Möbelstücke wirft, wenn man sein Haus für längere Zeit verlässt.“ (Seite 24)

 1925 … Blanche Roussel arbeitet als junge Frau in der Heilsarmee. Ihr Vision ist es allen Menschen, die in Not geraten sind zu helfen. Sie lernt ihren zukünftigen Mann Albin Peyron in der Armee kennen. Fortan setzen die beiden alles in Bewegung um Bedürftigen zu helfen. 1926 gelingt es den beiden mit Hilfe von Spendengeldern und Eigenleistung das „Palais de la Femme“ zu eröffnen.

„Auf diesem wenige Gramm wiegenden Papier liegt das Gewicht eines Lebens. Die Blätter sind leicht und wiegen doch schwer. Es ist keilen Kleinigkeit, Übermittlerin einer solchen Botschaft zu sein. Solène bedenkt, wie viel Vertrauen Binta ihr entgegengebracht hat, indem sie ihr ihre Geschichte erzählt hat. Dessen muss sie sich als würdig erweisen. Sie weiß noch nicht, wie sie es am besten angeht, aber sie nimmt sich vor, ihrer Pflicht mit all der ihr zur Verfügung stehenden Aufrichtigkeit, Intelligenz und Sensibilität nachzukommen. Sie will die richtigen Worte finden (…)“ (Seite 130/131)

Was für ein wunderbares Buch! Erzählt wir in zwei Zeitebenen. Da ist einmal die Geschichte von Solène, einer erfolgreichen jungen Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. Durch den Freitod eines Mandanten stürzt ihre heile Welt ein. Auf den Rat ihres Therapeuten nimmt sie eine ehrenamtliche Tätigkeit auf. Ihre Arbeit im Frauenhaus hilft ihr aus ihrer Krise. Die Geschichten und Schicksale der Frauen dort haben mich sehr berührt. Es sind Schicksale die auch heute noch zig Millionen Frauen erleben müssen und über die niemand ein Wort verliert.

Parallel dazu wird die Geschichte von Blanche Peyron erzählt. Eine Frau, die wirklich gelebt hat, und die so gut wie niemand kennt. Ich habe ihren Namen auf jeden Fall noch nie gehört oder gelesen. Aber diese Frau hat mit ihrem Mann und vielen anderen Helfern etwas großartiges geschaffen. Sie hat das erste Frauenhaus der Welt gegründet und somit einen Zufluchtsort bedürftige Frauen. Hier hat mich die Lebensgeschichte von Blanche sehr berührt. Sie hat bis zu Erschöpfung für die Verwirklichung ihres Traumes gearbeitet. Ihr großer Wunsch war es den Bedürftigen zu helfen.

Laetitia Colombani hat mit ihrem sehr gefühlvollen Roman Blanche Peyron ein kleines Denkmal gesetzt. Aber wie ihr unten lesen könnt, war Blanche das nicht wichtig. Ihr war es wichtig etwas für die Frauen zu tun und das hat sie nachhaltig geschafft!

Danke Blanche Peyron! Danke Laetitia Colombani!

Unbedingt lesen!

„Ihr Körper hat seine letzte Ruhestätte in Saint-Georges gefunden, doch ihre Seele woanders, Albin weiß es. Sie lebt in jedem Winkel des Palastes fort, auf dessen Fluren, in dessen Gemeinschaftssaal, in der Empfangshalle und in den Zimmern. In jeder Frau, die dort lebt, und in allen, die dort in Zukunft leben werden. Ihr Name wird nicht in die Geschichte eingehen. Die Welt wird vergessen, wer Blanche Peyron war. Aber das ist nicht wichtig, sie hat sich nie viel aus Ruhm und Ehre gemacht. Ihr Palast jedoch wird über sie hinaus Bestand haben. Er wird der Zeit und den Jahren trotzen. Er wird der Nachwelt erhalten bleiben. Um nichts anderes ging es ihr.“ (Seite 241/242)

 

 

„Je tiefer das Wasser“ von Katya Apekina

Suhrkamp Verlag
Fester Einband
396 Seiten
Erscheinungsdatum:
17.02.2020
ISBN: 9783518429075
Preis: 24,00 Euro

Klappentext

Nach dem Selbstmordversuch der Mutter geht alles ganz schnell. Edie und Mae müssen nach New York, zu Dennis Lomack: Er ist ihr unbekannter Vater und die Schriftstellerikone einer ganzen Generation. Für Edie bedeutet die neue Umgebung einen unverzeihlichen Verrat, für Mae die langersehnte Möglichkeit der Befreiung. Schnell kommt es zum Bruch. Während die eine einen verzweifelten Rettungsversuch unternimmt, lässt sich die andere ein auf die Zuneigung des Vaters und die Bitte, ihm beim Schreiben seines neuen Romans über die Mutter zu helfen. Alle sind sie getrieben von einer Obsession: verstehen, was zwischen ihnen, was tief in ihnen vor sich geht.

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„Er fing mit seiner Beziehung zu Marianne an. In der Geschichte gibt es eine lange Tradition von Männern, die jüngere Frauen heiraten: schön und gut. Außerdem war es die Zeit der freien Liebe. Aber wäre Jackson McLean noch am Leben gewesen, wären Marianne und Dennis nie zusammengekommen! Marianne war ein Kind. Dennis protzte, er würde sich um sie kümmern, aber in Wirklichkeit plünderte er sie für sein eigenes Werk aus.“ (Seite 172)

Marianne hat versucht sich umzubringen. Nicht das erste Mal. Nun wird sie in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen. Ihre beiden Töchter Edie (16 Jahre) und Mae (14 Jahre) müssen zu ihrem Vater Dennis nach New York. Er hat die Familie vor 12 Jahren verlassen und den Kontakt vollkommen abgebrochen.

Dennis Lomack war ein erfolgreicher Schriftsteller und Marianne seine Muse. Solang sie an seiner Seite war, schrieb er Romane. Dennis lernte Marianne kennen als sie 9 Jahre alt war. Nach dem Tod von Mariannes Vater heiraten die beiden. Zu diesem Zeitpunkt ist Marianne 16 Jahre alt.

„In jenem Frühling war Dad das Einzige, was für mich zählte. Ich wollte ihm nur gefallen. Ich wollte ständig seine Aufmerksamkeit. Wenn seine Gedanken bei Mom waren – und das waren sie oft – , dann wurde ich eben Marianne.

(…)

Ich hatte ein unglaubliches Talent dafür, Dads Muse zu sein. Und ich brauchte nicht viel Fantasie, um mir vorzumachen, dass seine Gefühle für Mom mir galten, weil ich ihre Zweitbesetzung war.“ (Seite 221/222)

Mae sieht ihrer Mutter zu verwechseln ähnlich und Mae fühlt sich von ihrer Mutter eingeengt. Marianne schleppt ihre Tochter überall mit hin, was Mae Kindheit und Jugend sehr belastet. Deshalb genießt sie das neue Leben bei ihrem Vater, weit weg von ihrer einnehmenden Mutter.

Dennis sieht in seiner Tochter Mae die junge Marianne und findet in ihr die Muse aus früheren Zeiten. Und plötzlich fließen wieder die Worte aufs Papier …

„An diesem Nachmittag spürte ich zum ersten Mal … ich weiß nicht, wie ich es genau beschreiben soll. Als mein Kopf in Dads Schoß lag, ballte sich das ganze Glück, das mir gefehlt hatte, in diesem einen Augenblick zusammen. Ich sah zu ihm hoch und war nicht mehr ich selbst. Ich war Mom, aber nicht, wie ich sie kannte. Sie stülpte mir nicht ihre Dunkelheit wie eine Tüte über den Kopf. Nein, es war anders. Ich wurde die Mom, die sie vor vielen Jahren war. Auch Dad spürte es, das merkte ich. Vielleicht hätte der Moment länger gedauert, wenn Edie nicht ständig geredet und Druck gemacht hätte. Sie wollte mich wieder zu der anderen Mutter zurückbringen. Der in der Nervenklinik, die mich gefesselt und geviertelt als Opfer brauchte.“ (Seite 116)

Edie fühlt sich schuldig. Sie denkt, dass sie die Einweisung der Mutter in die Klinik hätte verhindern können. Edie möchte nicht bei ihrem Vater sein und versucht die Schwester zu überreden mit ihr gemeinsam die Mutter aus der Klinik zu holen. Doch Mae fühlt sich wohl beim Vater. Also macht sich Edie allein auf den Weg nach Hause. Doch Marianne will ihre Tochter nicht sehen, fragt mach Mae. Edies Eifersucht flammt wieder auf. Immer will Marianne nur Mae um sich haben und stößt Edie von sich.

„Was Mariannes Tochter allerdings nicht mitbekam und wahrscheinlich nie erfahren wird, was, dass Marianne nach ihrem Besuch immerzu weinte, leise, damit die Schwester es nicht mitkriegte. In diesem Moment begriff ich Mariannes Verhalten – sie folget einem Urinstinkt und wollte ihre Tochter von sich fernhalten und so für ihre Sicherheit sorgen, auch wenn sie dem Mädchen damit das Herz brach.“ (Seite 241)

WOW … was für ein DEBÜT!!! Ich bin immer noch hin und weg. Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich dieses Buch so sehr gefesselt, dass ich es an einem Tag gelesen habe. Die Geschichte hat einen unglaublichen Sog und das obwohl sich Abgründe auftun. Doch von Anfang an …

In kurzen Kapitel lässt die Autorin verschieden Menschen zu Wort kommen. Das sind neben Edie und Mae, Marianne und Dennis, auch Weggefährten der vier. Edie und Mae sind jedoch die Erzähler, die den größten Raum einnehmen. Apekina bedient sich verschiedener stilistischer Mittel, unter anderem Tagebucheinträge, medizinische Berichte etc., welche die Geschichte noch komplexe machen.

Mich hat die Geschichte sehr berührt, aber auch fassungslos gemacht. Da sind zwei Kinder, die um die Liebe der Eltern buhlen. Edie, um die ihrer Mutter und Mae um die ihres Vaters. Und beide werden nur für die eigenen Zwecke der Eltern benutzt. Das hat mich echt fassungslos und wütend gemacht. Was mich dann aber wirklich erschüttert hat, ist wie weit Kinder gehen würden, um die Liebe der Eltern zu bekommen.

Dies ist keine leichte Geschichte und an vielen Stellen tun sich Abgründe auf. Jeder einzelne Protagonist versucht gegen seine inneren Dämonen anzukämpfen. Gegen Wut, Trauer, seelische Verletzungen und Selbstzweifeln … und keinem gelingt es wirklich aus dieser selbstzerstörerischen Spirale auszubrechen.

„Heute kann ich leicht sagen, das ich wünschte, ich wäre netter zu meiner Schwester gewesen, aber damals war mir das noch nicht möglich. Unser Vater hatte mir gerade das Herz gebrochen, unsere Mutter hatte sich gerade umgebracht , und ich hatte mich gerade verbrennen wollen. Ich konnte es mir nicht leisten, großzügig zu sein.“ (Seite 343)

Ein grandioses Debüt, das noch lange nachwirkt! Unbedingt lesen!!!