Geschafft!!!

IMG_2700Puh … das wäre erst einmal geschafft. Endlich habe ich auch einen Blog. Ich möchte mit diesem Blog meine Liebe zu Büchern teilen. Für mich gibt es nichts schöneres als den Menschen von meiner Liebe zu Büchern zu erzählen, sie mit meiner Freude über Literatur anzustecken. 🙂

Erst einmal habe ich ein paar Rezensionen aus dem letzten Jahr online gestellt. Ob noch mehr aus dem letzten Jahr folgen weiß ich noch nicht, da es ja dieses Jahr viele tolle neue Bücher geben wird.

Ich möchte Euch eine kleine „Einführung“ geben.

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In den nächsten Tagen und Wochen werde ich das ein oder andere noch spezifizieren. Über Frage, Anregungen und konstruktive Kritik freue ich mich. Ihr könnt das hier kommentieren oder mir eine Mail schreiben: angelikaabels@gmx.de.

Jetzt wünsche ich Euch mega viel Spaß beim stöbern in meinem Blog.

Eure Angelika ♥

„Hard Land“ von Benedict Wells

Diogenes Verlag, Fester Einband, 352,Seiten, Preis: 24,00 Euro, ISBN: 9783257071481, Hier kaufen

Rückentext

Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt erwachsen zu werden.

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„Überhaupt hatte ich das Gefühl, eine paar neue Augen verpasst bekommen zu haben. Weil, ich musste die Jahre davor ja blind gewesen sein. Natürlich hatte ich gewusst, dass Mütter sterben und Freundschaften zerbrechen, aber ich hatte diese Dinge nie richtig gesehen. Nun sah ich die Selbstzweifel meines Dads, wenn er Stellenanzeigen durchging. Und ich sah die Angst meiner Mum, wenn sie mich mit einem Lächeln trösten wollte. Und keine Ahnung, ob das wirklich besser war.“ (Seite 24)

Sam ist ein schüchterner 16jähriger Junge, mit Teenager Probleme wie sie viele in dem Alter haben … Mädchen, Sex, keine Lust auf Schule und Stress mit den Eltern. Die nerven ihn ständig, dass er doch mal raus gehen soll und Freunde treffen soll. Aber auch das ist eins von Sams „Problemen“. Er hat keine Freunde, gehört eher zu den Außenseitern und bleibt daher für sich alleine.  Doch im Sommer `85 wird alles anders. Er bekommt die Möglichkeit im Kino seines Heimatortes zu jobben. Dort trifft er auf Kirstie, deren Vater das Kino gehört. Er ist von ihr hin und weg. Und nach einigen Anfangsschwierigkeiten ist er sogar Teil einer Clique, die aus Arbeitskollegen des Kinos und Kirstie besteht. Doch dann stirbt seine Mutter an Krebs und nichts ist mehr wie es war …

Die Geschichte ist gut geschrieben, lässt sich locker lesen, doch vom Hocker hat sich mich nicht gehauen. Im Gegenteil, irgendwann hat es mich nur noch gelangweilt. Diese Geschichte ist eine von hundert anderen Coming-out-of-Age Geschichten. Gut erzählt, aber mehr auch nicht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich einfach zu alt für diese Art von Geschichten bin. Vielleicht ist es zu lange her … dieses Gefühl vom ersten Mal … verliebt zu sein … mit einer schweren Krankheit konfrontiert zu werden … der Tod eines geliebten Menschen …

In jedem Leben gibt es den einen Sommer oder den einen Tag, in dem sich das Leben verändert. Nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Man ist plötzlich erwachsen und hat es gar nicht richtig mitbekommen.  Für all die, die sich in dieser Phase befinden, mag es ein wundervolles Buch sein, und die werden auch Freude daran haben. Aber all die anderen werden sich eher langweilen.

Sorry, das ist meine Meinung. Macht Euch bitte Eure eigene Meinung.

„Und dann war sie gar nicht da. Es war, als wäre ich mit Anlauf in einen Pool ohne Wasser gesprungen. (…) War Kirstie nicht im Kino, fehlte den Witzen die Pointe, war der Sommer weniger heiß, das Popcorn weniger knusprig und die Cola nicht so prickelnd wie sonst.“ (Seite 61)

 

 

„Die Harpyie“ von Megan Hunter

C.H. Beck, Fester Einband, 229 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783406766633, Hier kaufen

Klappentext

Lucy und Jake Stevenson leben mit ihren beiden Söhnen am Rande einer wohlhabenden Kleinstadt in England. Während Jake täglich zur Universität pendelt, arbeitet Lucy von zu Hause aus und kümmert sich um die Kinder. Doch eines Nachmittags zerstört ein Anruf die Familienidylle: Jemand möchte Lucy wissen lassen, dass Jake eine Affäre mit einer Arbeitskollegin hat. Das Paar beschließt zusammen zu bleiben, trifft aber eine Vereinbarung als Ausgleich für den Verrat: Lucy wird sich drei Mal an Jake rächen – und er weiß nicht, wann und auf welche Weise. Während die beiden sich auf ein subtiles Spiel um Verbrechen und Strafe einlassen, beginnt sich Lucys Körper und Geist allmählich zu verändern, die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen – eine Verwandlung, die sich nicht mehr aufhalten lässt …

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„Ich ziehe das Rasiermesserheraus, unter dem Silber quillt ein Märchen-Blutstropfen hervor. Nie zuvor habe ich so starke Farben gesehen: rein und comicartig, weiße Haut, meerblaues Hemd, dunkles Rot, rollend, suchend. Von ihm kein Laut. (Seite 11)

Die Zeilen von Seite 11 sind aus dem Epilog, und schon nach diesen ersten Sätzen hatte mich die Autorin. WoW , hab ich gedacht, was für eine Beschreibung. Ich konnte die Situation mir sehr deutlich vorstellen und auch hören. Den angehaltenen Atmen, das ziehen des Rasiermesser auf der Haut, das lese Geräusch als sich die Haut öffnet und das Blut heraus quillt ….

Nach dem Epilog habe ich so sehr gehofft, dass die Autorin es schafft mich mit dieser Magie weiter ans Buch zu fesseln. Und ich muss sagen, sie hat! Dieses Buch ist so krass, so irre, so unfassbar anders.

„Sollte jemand das jemals herausfinden, weiß ich, was sie denken werden: Ich bin ein furchtbarer Mensch. ich bin ein furchtbarer Mensch und sie – die Entdecker – sind gute Menschen. Freundliche, großherzige, angenehme Menschen. Attraktiv, wohlriechend. Dieser Mensch – diese Frau, vielleicht – würde niemals tun, was ich getan habe. Sie würde es nicht einmal versuchen.“ (Seite 17)

Wie bereits im Klappentext zu lesen, geht es um ein Ehepaar, dass schon seit Jahren verheiratet ist, zwei Söhne hat. Lucy ist wegen der Kinder zu Hause geblieben, während Jake seine beruflichen Ziele verfolgt. Als nun eines Tages heraus kommt, dass Jake eine Affäre hat, bricht für Lucy eine Welt zusammen. Doch das Paar beschließt zusammen zu bleiben. Lucy darf jedoch den Verrat rächen und drei  Mal Jake bestrafen. Wie und wann entscheidet sie, und Jake wird keine Ahnung haben was ihn erwartet.

Das allein war schon so super gemacht, weil ich als Leserin immer darauf gewartet habe, wann was passiert.

Aber parallel zu dieser Geschichte erzählt die Autorin etwas über Harpyien. Woher sie kamen, wie man sie in früheren Zeiten wahr nahm und was man ihnen heute nachsagt. Das fand ich auch sehr spannend, vor allem weil sich Lucy scheinbar nach und nach in Harpyie verwandelt.  Irgendwann sind die Übergänge zwischen Realität und Wahnsinn nicht mehr erkennbar.

Wer Romane abseits des Mainstreams mag, sollte diesen hier auf jeden Fall lesen!!!

„Aber das Bild, an das ich mich am besten erinnerte, zeigte die Harpyien: dunkle Schatten, Vögel mit Frauengesichtern, die herabstießen, um das Einhorn zu quälen, es leiden zu lassen.“ (Seite 37)

 „Ursprünglich, las ich, war die Harpyie gar kein Ungeheuer. Sie stand für Stürme, Gewitter. Nur schlechtes Wetter, sonst nichts.“ (Seite 74)

 „Die Harpyie ist Expertin im Stehlen.(…) Sie fährt herab wie eine Sturmbö: nimmt alles fort. (Seite 129)

 

 

 

„Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ von Alena Schröder

DTV Verlag, Fester Einband, 368 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783423282734, Hier kaufen

Rückentext

In Berlin tobt das Leben, nur die 27-jährige Hannah spürt, dass ihres noch nicht angefangen hat. Ihre Großmutter Evelyn hingegen kann nach beinahe hundert Jahren das Ende kaum erwarten. Ein Brief aus Israel verändert alles. Darin wird Evelyn als Erbin eines geraubten und verschollenen Kunstvermögens ausgewiesen. Warum weiß Hannah nichts von der jüdischen Familie? Und weshalb weigert Evelyn sich so beharrlich, über die Vergangenheit und besonders über ihre Mutter zu sprechen? Die Spur der Bilder führt zurück in die 20er Jahre, zu einem eigensinnigen Mädchen namens Senta …

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Eine alte Dame sitzt in ihrer Wohnresidenz und wartet mehr oder weniger auf den Tod. Sie hat ihr Leben gelebt und alles war gut. Jetzt sitzt sie hier tagein, tagaus und das einzig was noch erhellend in ihrer Einsamkeit ist, sind die Besuche ihrer Enkelin. Als Hannah eines Tages sie wieder einmal wie gewohnt besucht, findet diese einen Brief. In diesem Brief geht es um ein Kunstvermögen, auf welches Evelyn wohl Anspruch hat. Doch sie will nichts damit zu tun haben. Neugierig wie Hannah ist, setzt sie sich mit dem Absender in Verbindung und ahnt nicht, was sie erfahren wird … über ihre Großmutter, Mutter und sich selbst …

„Ihre Urgroßmutter Senta Goldmann war verheiratet mit einem Herrn Julius Goldmann. Der Vater von Herrn Goldmann wiederum, also der Schwiegervater ihrer Frau Urgroßmutter, hatte einen Kunsthandel, hier in Berlin, am Lützowerplatz. Der Lützowerplatz war in den Zwanzigerjahren ein wichtiger Ort für die Kunst, dort gab es mehrere Galerien und Kunsthandlungen, sehr spannend das alles, Sie sollten sich ein bisschen einlesen in dieses Thema (…).“ (Seite 85)

Dieses Debüt von Alene Schröder ist zur Zeit in aller Munde. Zu Recht! Diese Geschichte hat einfach alles, um an einem verregnetem Wochenende die Seele baumeln zu lassen.

Durch die zwei Erzählstränge ist die Geschichte um Evelyn in der Vergangenheit und der Jetztzeit sehr spannend aufgebaut. Man möchte immer gerade da weiterlesen, wo man unterbrochen wird.

Im großen Ganzen geht es um zwei Themen … junge Mütter, die zu früh Mutterwurden und es schwer haben ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Und dann geht es um die Beschlagnahmung und Raub von Kunstgegenständen, die Juden gehörten, und um die Rückführung dieser an die heutigen Erben.

„Er hatte es kommen sehen. Menschen, die sein Vater für Freunde hielt, wenigstens für anständige Menschen mit Rückgrat und Manieren, wieselten aus seinem Leben, jetzt, da es nicht mehr opportun schien, mit >Leuten wie ihnen< zu verkehren.“ (Seite 180)

 Ich habe dieses Buch inhaliert, soll heißen an einem Tag am Wochenende weggelesen. Alina Schröder schreibt mit leichter Hand einen fesselnden Roman, den ich nicht eher weg legen konnte, bis ich wusste wie es für alle Protagonisten ausgeht. Dabei sind ihr die einzelnen Charaktere sehr gelungen und es macht einfach Spaß der Geschichte zu folgen.

Also … hopp … hopp, ab in die Buchhandlung und diesen tollen Roman für das nächste verregnete Wochenende auf dem Sofa holen, oder für den nächsten sonnigen Sonntag auf der Terrasse.  

„Der Tod in ihren Händen“ von Ottessa Moshfegh

Hanser Berlin, Fester Einband, 256 Seiten, Preis: 22,00 Euro, ISBN: 9783446269408, Hier kaufen

Klappentext

Bei Sonnenaufgang läuft Vesta mit ihrem Hund eine Runde durch den Wald – die tägliche Routine einer einsamen alten Frau – , als sie auf ihrem Weg einen Zettel findet: >Ihr Name war Magda. Niemand wird je erfahren, wer sie getötet hat. Hier ist ihre Leiche.< Obwohl von der jede Spur fehlt, lässt Vesta der Gedanke an einen Mord nicht mehr los. Wer war Magda? Und wer könnte ihr Mörder sein? Die Aufklärung dieser Fragen wird zu Vestas Mission. Doch je tiefer sie sich in den Fall verstrickt, desto deutlicher treten ihre eigenen Abgründe und Widersprüche hervor. Denn Vesta Guhl ist nicht nur die unscheinbare Witwe, die sie zu sein vorgibt.

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„Ich wollte nicht auffallen. Ich spürte bereits eine gewisse Veränderung in der Atmosphäre. In einem kleinen Ort fällt es auf, wenn jemand seine Gewohnheiten verändert, und sei es auch noch so geringfügig.“ (Seite 97)

Nach dem Tod ihres Mannes zieht Vesta an den Po der Welt. In einem kleinen unscheinbaren Ort, bezieht sie ein baufälliges Haus im tiefsten Wald. Sie lebt dort mit ihrem Hund Charlie, den sie sich nach dem Tod ihres Mannes zugelegt hat. Die beiden verbringen jeden Tag  mehr oder weniger gleich. Lange Spaziergänge im Wald und stundenlanges Radiohören sind die Highlights in ihrem Alltag. Ab und an fährt sie ins Dorf, um einzukaufen. Doch sie meidet die Menschen dort und zieht sich in die Einsamkeit ihrer Welt zurück.

Eines Tages findet sie bei einem ihrer Spaziergänge einen Zettel. >Ihr Name war Magda. Niemand wird je erfahren, wer sie getötet hat. Hier ist ihre Leiche.<  Sofort fragt sich Vesta wie der Zettel dorthin gekommen ist. Sie geht doch jeden Tag den gleichen Weg und gestern lag er noch nicht da. Doch anstatt zur Polizei zu gehen, oder zu schauen ob irgendwo eine Leiche liegt, geht Vesta nach Hause und macht sich Gedanken über Magda. Wer war sie, wer ihr Mörder und wie kam sie um?

„Aufgabe des Detektives war es, die möglichen Realitäten auf eine einzige Wahrheit einzugrenzen. Eine selektive Wahrheit. Das bedeutet nicht, dass es die einzige mögliche Wahrheit war. Die echte Wahrheit gab es nur in der Vergangenheit, davon war ich überzeugt. Schwierig wurden die Dinge erst in der Zukunft.“ (Seite 92)

Was für ein irrer Roman! So etwas habe ich echt noch nicht gelesen. Es ist kein Krimi oder Thriller, doch die Spannung kommt beiden sehr nah. Das Buch habe ich innerhalb kürzester Zeit gelesen, weil ich einfach wissen wollte wie Vesta den „Fall Magda“ löst. Auf den ersten Blick geht Vesta dabei sehr akribisch vor.

Vesta erdenkt sich eine Geschichte rund um Magda, wer sie war, wie sie lebte, welche Feinde sie gehabt haben könnte. Vesta wird zur Ermittlerin, die sich aber immer mehr in ihrer Gedankenwelt verstrickt, welche zu einem einziges Wirrwarr wird, und schon bald frage ich mich als Leserin, was ist noch Realität und was Wahn. Genau damit spielt die Autorin nämlich. Sie lässt mich als Leserin ständig im Ungewissen. Ist das was Magda denkt, macht, fühlt … die Wirklichkeit? Oder ist es eine Wahnvorstellung von Vesta? Wo beginnt das Abdriften von der Realität in den Wahnsinn?

„Walter hatte doch immer gesagt, die Welt sei zum größten Teil theoretisch, oder nicht? Wenn ein Baum umstürzt, tut er das wirklich? Woher weiß man das eigentlich genau? Man durfte seinen Augen nicht trauen. O Walter. War er wirklich tot? Ich hatte seine sterblichen Überreste nicht länger als ein paar Minuten gesehen. War es möglich, dass er alles nur vorgetäuscht hatte, um mich loszuwerden?“ (Seite 190)

Dieser Roman ist wirklich richtig spannend und dieses ganze Konstrukt hat mich sehr gefesselt. Die Autorin zeigt  auf was Einsamkeit mit Menschen anstellen kann und welche Macht auch Einsamkeit hat. Wie schnell sich Realität und Fiktion mischen, man nicht mehr auseinander halten kann, was Wirklichkeit ist und was Wahn … selbst für mich als Leserin war das sehr schwer!

Für all die, die mal etwas anderes lesen möchte, kann ich dieses Buch empfehlen. Ich möchte es sehr, weil es mich als Leserin gefordert hat.

„Die Geschichte eines Lügners“ von John Boyne

Piper Verlag, Fester Einband, 432 Seiten, Preis: 24,00 Euro, ISBN: 9783492059633, Hier kaufen

Klappentext

Maurice Swift ist Schriftsteller. Er hat Stil, kann brillant erzählen, doch ihm fehlen die Geschichten. In Westberlin trifft er auf sein Idol Erich Ackermann, der gerade mit einem großen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Ackermann verfällt dem charmanten jungen Mann, der sich für alles, was er sagt, interessiert. Er nimmt ihn mit auf Lesereise durch Europa und verrät ihm sein Geheimnis. Es ist diese Geschichte, für die Maurice bald darauf als Autor gefeiert  wird. Und die Ackermanns Karriere beendet. Maurice dagegen ist schon auf der Suche nach dem nächsten Stoff …

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Maurice Swift hat zwei große Wünsche … er möchte ein erfolgreicher Schriftsteller werden und Vater sein. Doch zu Beginn des Buches hängt er als Kellner in einer Bar fest. Dort trifft er  auf den alternden, aber erfolgreichen Buchautor Erich Ackermann. Ackermann ist fasziniert von dem charismatischen Swift und lädt diesen ein, ihn auf seine Lesereise durch Europa zu begleiten. Während dieser Reise erzählt Ackermann aus seinem Leben, und Swift macht sich hin und wieder Notizen in sein Büchlein. Irgendwann steckt Swift Ackermann, dass er an einem Bucharbeitet. Ackermann möchte natürlich wissen worum es geht, doch Swift sagt nichts. Doch dann erscheint das Buch und Swift wird gefeiert dafür, und Ackermanns Karriere ist scheint beendet, denn Swift erzählt in seinem Buch von Ackermanns Geheimnis.

Swift genießt seinen Ruhm und ist sich keiner Schuld bewusst. Doch schnell wird klar, die Leser erwarten ein neues Buch von ihm. Swift fällt aber nichts ein, und so sucht er nach Stoff für ein weiteres Buch. Und plötzlich ergibt sich die Möglichkeit für ein neues Buch, und diesmal  geht Swift eindeutig zu weit …

„Jeder hat seine Geheimnisse. Jeder hat eine Leiche im Keller. Schau dich demnächst einmal im Foyer um und frag dich: Was würden diese Leute auf jeden Fall vor mir verheimlichen wollen? Genau da findest du deine Geschichte.“ (Seite 31)

 Die Geschichte um Swift ist in drei große Kapitel unterteilt, und zwei kleineren. In den großen geht es jeweils darum wie Swift an seinen Stoff für seine Romane kommt. Die kleinen Kapitel überbrücken die Zeitsprünge, die entstehen um Swifts weiteren weg zu erzählen.

Mein erstes Buch, welches ich von Boyne gelesen habe war „Cyril Avery„. Dieses Buch habe ich geliebt und liebe  es noch. Die Geschichte um Cyril war einfach unglaublich. Gerade erst gestern habe ich mich mit einer Kundin darüber ausgetauscht. Ihr hatte ich das Buch vor Weihnachten empfohlen. Auch sie war einfach begeistert.

Zurück zu Herrn Swift. Die Geschichte um Swift ist eine ganz andere, doch Boyne versteht es seine Leser*innen/ mich in den Bann zu ziehen. Nach dem ersten Kapitel, als Swift seinen ersten Roman veröffentlicht hatte war ich sprachlos. Was für ein mieser Charakter dieser Swift doch war/ ist. Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt schwer vorstellen, dass es noch schlimmer gehen könnte. Doch es kam noch schlimmer. Swift ist ein höchst manipulativer Mensch. Er weiß um seine Ausstrahlung und setzt diese bewusst ein, um an sein Ziel zu kommen. Und glaubt mir, er bekommt fast immer, was er will. Er lügt und stiehlt.

Ich habe dieses Buch/ diese Geschichte verschlungen, war oft fassungslos über das was sich abspielte. Man kann sagen, dass die Spannung und Wendung in diesem Buch einem Krimi gleich kommt.

 „Alle Liebe und Achtung, die ich für dich empfunden hatte, hatte sich in den letzten Stunden in Luft aufgelöst, und mir blieb nur noch, mich von dir zu trennen und zu gehen. Du sahst mir sofort an, dass etwas nicht stimmte. (…) Kurz warst du wie versteinert und fragtest dich offenbar, welche deiner Lügen aufgeflogen war.“ (Seite 249)

 Mir hat das Buch sehr gefallen, anders als „Cyril Avery“ welches mein Lieblingsbuch bleibt, doch spannend bis zum Anschlag. Neben der Geschichte um Swift bekommt man einen Eindruck des Literaturbetriebs … Neid, Missgunst, Gerangel um Agenten und Literaturpreise. Doch  mehrere Fragen bleiben am Ende für mich offen… wann sind Ideen für ein Buch geklaut … wann spricht man genau von einem Plagiat … darf man Geschichten, die man jemanden erzählt ,für seine Zwecke nutzen … wann ist eine Idee Diebstahl geistigen Eigentums … 

„Pinguine bringen Glück“ von Lorraine Fouchet

Atlantik Verlag, Flexibler Einband, 256 Seiten, Preis: 16,00 Euro, ISBN: 9783455009866, Hier kaufen

Klappentext

Ein Pariser Wohnhaus, in dem alle Bewohner einer weitverzweigten bretonischen Familie angehören: Hier lebt Dom mit seinem Vater, die Mutter hat sie vor Jahren verlassen. Als sein Vater an einem Herzinfarkt stirbt, wird Dom nicht nur von Trauer überwältigt, sondern auch mit zahlreichen Rätseln konfrontiert. Wer war die blonde Frau, in deren Armen sein Vater laut Aussage des Notarztes gestorben ist? Und warum ist in einem Kondolenzbrief aus Argentinien von der Tochter seiner Eltern die Rede, wo Dom doch Einzelkind ist? Dom muss herausfinden, welche Geheimnisse seine Eltern vor ihm verborgen haben. Zum Glück ist da seine Tante, die ihn bis nach Patagonien begleitet. Dort wird Dom eine unerwartete Begegnung machen – und sich selbst besser kennenlernen als je zuvor.

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Der 15jährige Dom spielt heimlich seine heißgeliebten Computerspiele. Plötzlich  hört er Stimmen im Flur und wundert sich, wer sein Vater zu so später Stunde besucht. Als er nachschauen geht, sieht er Sanitäter und den Notarzt. Sie alle stehen im Flur bzw. im Schlafzimmer seines Vaters. Als er zu seinem Vater gehen möchte, halten ihn die Sanitäter auf und teilen ihm mit, dass sein Vater soeben an einem Herzinfarkt verstorben ist. Dom kann das gar nicht glauben. Fassungslos muss er mit anhören wie die Sanitäter seinem Onkel erzählen, dass eine blonde Frau den Notarzt gerufen hat und diesem auch die Tür geöffnet hat. Blonde Frau? Welche blonde Frau? Doms Vater hatte keine Freundin.

Im Haus lebt Doms gesamte Familie. Onkel und Tanten, Cousins. Schnell ist klar, dass der Onkel die Vormundschaft für Dom übernimmt und sich um alles kümmert. Als Dom dann aber nach dem ominösen Kondolenzbrief nach Patagonien reisen will, um herauszufinden wer seine Schwester sein soll, weigert sich sein Onkel mitzufliegen. Seine Tante, die Schwägerin von Doms Vater, erklärt sich bereit, mit Dom nach Patagonien zu fliegen. Dort angekommen hofft Dom Antworten zu finden. War/ ist seine Mutter hier? Hat er wirklich eine Schwester? Was ist die Wahrheit und wer die unbekannte Blonde?

Ich habe schon einige Bücher von Fouchet gelesen und sie haben mich immer sehr gut unterhalten. Vor allem weil sie immer irgendwie ein  bestimmtes Thema haben. In diesem Buch geht es darum, wie ein Jugendlicher mit seiner Trauer  und Wut umgeht. Trauer um den Vater und zugleich die Wut darüber, dass der Vater in im Stich gelassen hat. Und dann all die Geheimnisse, die der Vater mit ins Grab genommen hat. Geheimnisse, die Doms Leben grundlegen verändern werden.

Fouchet schafft es auf eine ganz besondere Art und Weise den Jugendlichen darzustellen, der seinen Vater verloren hat. Wut, Trauer, Einsamkeit, Verzweiflung, Hoffnung, Wandlung … als das durchlebt die Figur Dom sehr glaubhaft.

Allerdings habe ich auch zwei Kritikpunkte an den Verlag: Zu einem finde ich den Titel total daneben, da hätte man sicherlich etwas besseres finden können. Und dann das Cover … Leute, wie soll man so ein Buch verkaufen? Das ist echt gruselig!

Nun denn, bitte liebe Leser*innen lasst Euch vom Cover und vom Titel nicht beeinflussen, denn in dem Buch steckt eine sehr schöne Geschichte!

„Untertags“ von Urs Faes

Suhrkamp Verlag, Fester Einband, 239 Seiten, 22,00 Euro, ISBN: 9783518429488, Hier kaufen

Klappentext

Ein Mann und eine Frau lernen sich in den späten Jahren ihres Lebens kennen und erfahren noch einmal tiefe Zuwendung und Glück, im Alltag und auf Reisen in die Landschaft seiner Jugend – die Rocky Mauntains in Wyoming. Doch neben die Freuden treten bald die Gebrechen des Alters, Jakov neigt zunehmend zu Zerstreutheit. Die ärztliche Untersuchung zeigt: Jakovs Gedächtnis ist nicht nur lückenhaft geworden. Seine Orientierung wird weiter schwinden, seine Sprache versiegen. Herta bemüht sich um Zuversicht, aber je mehr Jakov den Bezug zur Welt verliert und von der Vergangenheit eingeholt wird – einer frühen Liebe, dem Zerwürfnis mit dem Vater – , desto mehr braucht auch sie Unterstützung.

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„Wer die Wörter verliert, gehört nicht mehr dazu, fällt aus dem Rahmen, aus dem Lauf des Tages.“ (Seite 72)

„Was ist einer noch, wenn er die Worte verliert? Ist Sprache nicht der Schlüssel , in der Welt zu sein? Und einer ohne Schlüssel ist ausgeschlossen?“ (Seite 122)

Jakov ist tot. Herta sitzt mit seiner Asche am Küchentisch und beschließt diese nicht komplett an Jakovs Kinder zu übergeben. Denn die Familie in Amerika fordert alles was Jakov hinterlassen hat zurück. Wirklich alles. Auch seine Asche. Aber das lässt Herta nicht zu, denn Jakov hat sich hier wohl gefühlt. Einen Teil der Asche will sie am Wäldchen vergraben, welches Jakov geliebt hat.

Rückblickend erinnert sich Herta an die Zeit mit Jakov …

Herta hat Jakov kennen gelernt, als sie nicht mehr damit gerechnet hat, sich mit 42 Jahren und nach einer gescheiterten Ehe noch einmal zu verlieben. Es war Liebe auf den ersten Blick. Auch für Jakov, der damals am Flughafen Herta sah und sich verliebte. Die beiden leben fortan zusammen. reisen durch die Welt und führen ein gutes Leben. Doch dann vergisst Jakov erst bestimmte Strecken und Wege, später Wörter und noch später sich selbst.

Herta bleibt in all der Zeit besonnen, beide reden nie von Alzheimer oder Demenz, sonder sehen das Ganze eher als eine kurze Phase an. Sie scherzen über die vergessenen Sachen, doch als Jakov immer mehr zum Kind wird, fällt es auch Herta zunehmend schwerer positiv zu bleiben.

„Sie hörte jetzt seine Schritte im Haus. Die Bilder würden bleiben, die Liebe auch, die bewahrte, was gewesen war und ihm Dauer gab, auch in einer Gegenwart, in der das Einfache umständlich, das Gewohnte fremd wurde.“ (Seite 128)

Was für ein wunderbares leises und liebevolle Buch. Mich hat die Geschichte von Herta und Jakov sehr berührt. Wie liebevoll, zart und innig die beiden versuchen mit Jakovs Krankheit klar zu kommen ist einfach unglaublich. Auch in den Zeiten, als längst Verdrängtes aus Jakovs Leben aufploppt und zur Gegenwart wird, bleibt Herta fürsorglich, obwohl vieles sie verletzt. Sie liebt Jakov auf eine ganz besondere Weise.

Sicherlich ist dies nur ein Roman, und ja, die Wirklichkeit im Umgang mit Menschen die Demenz/ Alzheimer haben ist sicherlich nicht so leicht, wie hier dargestellt. Ich glaube darum ging es Urs Faes auch gar nicht. Urs Faes beschreibt mit viel Gefühl und Zartheit, wie ein Paar, das sich liebt, damit umgeht, wenn einer die Sprache verliert.

„Wenn man Sprache, sagte ich zu Dorit, auch als ein Haus begreife, worin der Mensch wohne, dann müsse doch einer, der die Worte verliert, ins Nichts geraten, unbehaust sein. Denn wo, fragte ich Dorit, können wir Wohnung nehmen, wenn nicht im Satz, der Ordnung ist, Rhythmus, Form im Chaos des Daseins?“ (Seite 238)

Ich wünsche diesem Buch viele Leser, auch wenn es sehr melancholisch ist und ein Thema beinhaltet, was nicht wirklich schön ist. Doch wie bereits erwähnt, hat Urs Faes dieses Thema sehr zart und leise beschrieben.

Vielen Dank dafür lieber Urs Faes!

„Die innersten Geheimnisse der Welt“ von Rose Tremain

Insel Verlag, Fester Einband, 493 Seiten, Preis: 23,00 Euro ISBN: 9783458178798, Hier kaufen

Klappentext

Bath, 1865: Die hochgewachsene und eigensinnige Jane Adeane ist eine begnadete Krankenschwester, ihr Vater ein angesehener Lungenarzt, und so sieht der jüngere Kollege ihres Vaters, Valentine Rose, in ihr die perfekte Ehefrau. Er macht ihr einen Antrag – doch Jane findet die Aussicht, ihr Leben als Ehefrau und Mutter zu verbringen, wenig reizvoll. Umso mehr, als sie bei einem Aufenthalt in Londons freizügiger Bohème die schöne Julietta kennenlernt und in einer leidenschaftlichen Begegnung mit ihr entdeckt, dass sie nicht Männer, sondern Frauen liebt und begehrt …

Während Jane mit ihrem inneren Konflikt ringt, zieht es Valentines Bruder Edmund an weit entfernte Orte: Auf der Suche nach exotischen Pflanzen und Tieren reist der Forscher in den tiefen Dschungel Borneos. Doch er hat die Gefahren der gewaltigen Natur und des erdrückenden Klimas unterschätzt – und so muss auch er sich fragen, was er sich von seinem Schicksal eigentlich erhofft …

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In dem neuen Roman von Rose Tremain geht es neben Jane und Valentine noch um zwei weitere Protagonisten nicht die nicht unwichtig für die Geschichte des Buches sind.

Da ist zum einen Clorinda, eine Irin, die aus sehr ärmlichen Verhältnissen kommt. Sie möchte dem Elend der Slums entfliehen und beschließt eines Tages, die wertvolle Rubinhalskette, ein Erbstück der Familie, zu versetzen und mit diesem Geld nach Bath zu gehen. Dort eröffnet sie einen Teesalon, und kommt schon  bald zu Ansehen und Erfolg in der Gesellschaft. Doch im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass der Verkauf der Kette Unheil nach sich zieht.

Dann gibt es noch einen Radscha, den Edmund auf seiner Reise durch Borneo kennen lernt. Dieser Radscha hat eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Er ist ein Mann, der etwas für sein Land erreichen möchte. Zusammen mit seinem Diener, der zugleich auch sein Liebhaber ist, wollen sie eine Fabrik erbauen, die den Menschen in seinem Land ein gesichertes Einkommen ermöglichen soll. Doch als Edmund dort auftaucht, der Radscha pflegt ihn nach einer Malaria Erkrankung, wird der Diener eifersüchtig und es kommt zu einem Drama.

Valentine, ist der junge Kollege von Janes Vater. Er ist total verliebt in Jane und macht ihr eines Tages einen Heiratsantrag. Diesen lehnt Jane ab. Sie macht sich sogar in der Öffentlichkeit lustig darüber. Das verletzt Valentine so sehr, dass er nach Borneo zu seinem Bruder reisen will. Doch dazu kommt es nicht.

Jane flieht nach dem Antrag von Valentine zu ihrer Tante nach England. Dort lernt sie die verwegene Julietta kennen. Julietta ist verheiratet und hat einen Sohn. Das hält sie aber nicht davon ab, Liebschaften und Beziehungen zu Frauen zu pflegen. Ihr Mann weiß Bescheid und duldet dies. Julietta führt Jane in die Liebe ein, und Jane kann sich fortan kein Leben ohne Juliettas Liebe vorstellen. Doch ihre Tante, und auch Julietta raten ihr nach Bath zurück zu gehen und Valentine zu heiraten. Jane kehrt widerwillig nach Bath zurück und nimmt den zweiten Antrag von Valentine an. Doch sie verzehrt sich nach Juliettas Liebe. Als dann Janes Tante plötzlich verstirbt und Jane nach England reist, kommt es zu einem weiteren Drama …

Am Anfang bin ich nicht wirklich in die Geschichte rein gekommen. Doch mit jeder Seite mehr, hat sie mich fasziniert. Die Erzählungen über Borneo, den Dschungel und die Menschen sind einfach wunderschön beschrieben.

Alle Protagonisten sind irgendwie auf der Suche nach dem eigenen Ich. Sie haben alle noch nicht den einen Platz in ihrem Leben gefunden, der sie erfüllt, der sie glücklich macht. Und auf dieser Suche setzen sie sich über alle Konventionen hinweg . Das hat mir sehr gefallen. Ich denke dieses Geschichte geht noch ein bisschen weiter. Die einzelnen Charaktere sind ihrer Zeit schon ein wenig voraus und kämpfen für die Emanzipation der Frauen und sie versuchen ihre Homosexualität zu leben. Sie leben für die Freiheit und Selbstbestimmung.

Mir hat dieser Roman, wie auch der erste (Und damit fing es an) sehr gut gefallen. Das Buch hat alles … Abenteuer, Erotik, Drama …

 

„Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné

Klappentext

Eine Reihenhaussiedlung, wie es viele gibt. Am Waldrand wohnt eine vierköpfige Familie, im schönsten und hellsten Haus. Ein Stück heile Welt, könnte man meinen. Wären da nicht die Leidenschaften des Vaters: Neben TV und Whisky liebt er den Rausch der Jagd. Da er für eine Großwildsafari aber selten das Geld hat, befriedigt er seine Gier nach Macht meistens in den eignen vier Wänden. In einer solchen Atmosphäre aufzuwachsen ist nicht leicht. Darum tut das Mädchen alles, damit sich ihr kleiner Bruder zumindest sein Lachen bewahrt. Tagsüber geht sie mit ihm zum Autofriedhof spielen und abends zum Eiswagen, der mit Tschaikowskis „Blumenwalzer“ sein Kommen ankündigt. Bis eines Tages vor ihren Augen eine Tragödie passiert …

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„<Zu gewissen Menschen hält man besser Abstand. Das werdet ihr noch lernen>, erklärte sie . <Es gibt Leute, die verdüstern euch den Himmel, stehlen euer Lachen oder setzen sich mit ihrem ganzen Gewicht auf eure Schultern, um euch am fliegen zu hindern.>“ (Seite 19)

 Dieses Buch hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. Erst als es vermehrt in der Buchhandlung nachgefragt wurde und mir Kunden*innen erzählten dass dies ein Wahnsinns Buch sei. Ich hab dann ein paar Exemplare für die Buchhandlung eingekauft und als geliefert wurde mir sofort eins geschnappt und rein gelesen.

Die Protagonisten, hier immer nur das Mädchen genannt, ist sehr beeindruckend. Die Geschichte beginnt als das Mädchen 10 Jahre alt ist. An einem Sommertag geschieht ein Unglück, dass ihrem 6jährigen Bruder das Lachen nimmt. Fortan möchte das Mädchen unbedingt eine Zeitmaschine bauen, um die Zeit vor diesem Unglück zurück zu holen und somit das Lachen ihres Bruders, dass sie so sehr geliebt hat. Da sie schon immer Interesse an Physik hatte informiert sie sich jetzt noch mehr, nimmt sogar zusätzlichen Unterricht bei einem Professor. Doch die Zeit rennt und mit jedem Tag mehr muss sie zusehen wie ihr Bruder sich in seine eigene Welt zurück zieht. In eine Welt in der es um Tierquälerei und Bösartigkeit geht.

Parallel dazu muss sie immer wieder mit ansehen wie der Vater die Mutter schlägt und sogar eines Tages das Leben seiner Kinder aufs Spiel setzt. Doch eines Tages, ein paar Jahre später passiert ein weiteres Unglück …

Dieses Buch macht atemlos. Man fängt an zu lesen und gerät in einen Strudel aus Unglück, Horror, Tierquälerei und körperlicher sowie häuslicher Gewalt. An vielen Stellen konnte ich nicht weiter lesen, weil ich schockiert war, und wollte doch weiter lesen, weil ich wissen musste was mit dem Mädchen und ihrem Bruder geschieht. Dieudonné erzählt mit eine bildhaften Sprachgewalt, die mich als Leserin  ganz nah an das Geschehen heran holt.

Und dann ist da noch dieses Mädchen, ein Kind am Anfang, dass nicht zulassen will, dass ein Ereignis das weitere Leben beherrscht. Ein Mädchen dass alles daran setzt um endlich aus der Opferrolle heraus zu kommen um ein Leben zu leben, in dem sie sich die Dinge bewahren kann die sie sich bewahren möchte.

Absolute Leseempfehlung jedoch mit dem Hinweis, dass es an manchen Stellen echt sehr brutal und blutig sind.

 „Wenn das Gebrüll dazu nicht reichte, nahm mein Vater noch die Hände zu Hilfe. Bis auch das letzte bisschen Wut aus ihm heraus war. Am Ende fand sich meine Mutter immer am Boden wieder, reglos und schlaff wie ein leerer Kissenbezug. Danach wussten wir, hatten wir wieder ein paar Wochen Ruhe.“ (Seite 34/35)


dtv Verlagsgesellschaft * Fester Einband * 240 Seiten * Erscheinungsdatum: 24.04.2020 * ISBN: 9783423282130 * Preis: 18,00 Euro * Hier kaufen *

 

Rückblick & Einblick … Mai und Juni 2020

Hallo Ihr Lieben,

es ist mal wieder Zeit für einen Rückblich & Einblick. Die Zeit rennt wie irre, und ehe ich mich versehe sind schon wieder zwei Monate rum. Durch die vielen Feiertage und den damit verbundenen verlängerten Wochenende, habe ich viel gelesen. Überdurchschnittlich viele gute Bücher. Im Juni war es dann mit sechs Büchern auch noch ein guter Monat. Allerdings waren da ein paar Bücher dabei, die nicht wirklich etwas für mich waren.

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Rückblick

Was habe ich mich auf dieses Buch gefreut. „Kostbare Tage“ von Kent Haruf erschien gerade im Mai. Ich hab es an Pfingsten gelesen. Was für eine wunderbare und einfühlsame Geschichte. Es geht um Dad Lewis, der sterben wird. Sicherlich ein trauriges Thema, aber Haruf schafft es wieder einmal mit einer poetischen, leisen und einfühlsamen Stimme zu erzählen. Vom Leben, Lieben und Abschied nehmen. Mich hat diese Geschichte sehr berührt und am Ende hatte ich Tränen in den Augen. Bisher war „Unsere Seelen bei Nacht“ mein Favorit unter Harufs Büchern, aber „Kostbar Tage“ setzt sich jetz an die Spitze. Unbedingt lesen!!!

Jetzt zu zwei Büchern, die mir beim Lesen echt den Atem geraubt haben. „Scham“ von Inès Bayard und „Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné. Zwei Bücher in denen die Autorinnen ohne Schnörkel und Beschönigungen erzählen. Die Geschichten zu lesen tun weh, machen sprach- und fassungslos. Beide haben einen Sog, der einfach unfassbar ist. Die Rezension zu „Scham“ ist bereits online, die zu „Das wirkliche Leben“ folgt.

Wild Game“ von Adrienne Brodeur ist eine biografische Geschichte zwischen Mutter und Tochter. Malabar, die Mutter der 14 jährigen Adrienne macht ihre Tochter zur Komplizin ihrer Affäre mit dem besten Freund des Ehemanns/ Stiefvaters. Eine Komplizenschaft, die die 14 jährige für ihr Leben prägt. In „Ein Wochenende“ von Charlotte Wood blicken drei Freundinnen, alle um die siebzig, nach dem Tod einer vierten Freundin, auf ihr Leben zurück. Auf ihre Freundschaft, das was sie im Leben erreicht haben, was sie geprägt hat und wie ihr weiteres Leben aussehen soll. Richard Russos „Jenseits der Erwartungen“ erzählt ebenfalls von einer Freundschaft. Hier geht es um drei Männer in zu Collegezeiten in ein und dieselbe Frau verliebt waren. An einem Wochenende im Sommer verschwindet diese auf mysteriöse Weise. Keiner der Männer scheint eine Ahnung zu haben was damals passiert ist. Nach vierzig Jahren treffen sie sich am Ort des Verschwindens wieder und erinnern sich. Und es kommen bisher ungesagte Dinge ans Licht.

„Das Ensemble“ von Aja Gabel -> Vier junge Menschen finden sich zu einem musikalischem Ensemble zusammen und Gabel erzählt wie schwierige es ist, Privates und Berufliches miteinander über zig Jahre zu verbinden, und wie sehr sich Disharmonie auf die Musik eines Ensembles auswirken kann. Ich möchte es gerne lesen, allerdings denke ich, dass es doch ein wenig speziell ist.

„flüchtig“ von Hubert Achleitner -> Älterer Mann und junge Frau heiraten. Er hat eine Affäre. Ihr alles zu eng und sie flieht in ein anderes Leben. Durch Zufall erfährt er wo sie ist und möchte sie zurück gewinnen. Das ist natürlich jetzt sehr einfach zusammen gefasst. Auch dieses Buch habe ich gerne gelesen, doch auch hier weiß ich nicht, wem ich dieses Buch als Buchhändlerin empfehlen soll. Daher auch hier keine ausführliche Besprechung.

Zwei Bücher, die aus zwei verschiedenen Zeiten erzählen sind „Zwei fremde Leben“ von Frank Goldammer und „Schatten der Welt“ von Andreas Izquierdo. In dem ersten geht es um die Zwangsadoptionen und Kindesentzug in der ehemaligen DDR. Ein Thema das bis heute noch viele beschäftig, weil viele Fälle noch gar nicht aufgeklärt sind. Wahnsinnig spannend. Im zweiten Buch geht es um drei Freunde und eine Zeit um 1910-1918. Es geht um Freundschaft, den ersten Weltkrieg, Standesdünkel und Emporkömmlinge. Auch das war sehr spannend.

„Cloris“ von Rye Curtis -> Ein Flugzeug mit drei Personen stürzt über den Wäldern ab. Nur die 78jährige Cloris überlebt. Sie versucht einen Weg in die Zivilisation zu finden. Kurz bevor sie gerettet wird, entscheidet sie sich um und flieht vor ihren Rettern. Eine etwas irre Geschichte, zumal einige der Protagonisten etwas arg schräg drauf sind. Dennoch hat dieses Buch einen gewissen Sog und ich musste es zu Ende lesen.

„Ein Sonntag mit Elena“ von Fabio Geda -> Ein kleines wunderbares Buch über Neuanfänge. Die Sprache ist der Hammer. Jedes Wort, jede Zeile berühren das Herz.

Und nun komme ich zu den Büchern, die ich nicht in meinem Leben brauche und deshalb auch teilweise abgebrochen habe. „Das Seidenraupenzimmer“ von Sayaka Murata habe ich zwar zu Ende gelesen, aber das Buch ist einfach nur Gaga. Ehrlich gesagt habe ich nicht so wirklich verstanden was das Ganze soll. Am Anfang kann ich ja noch einigermaßen folgen, aber dann dreht es irgendwann völlig ab. Nein danke! „Die Topeka Schule“ von Ben Lerner habe ich abgebrochen. Für dieses Buch bin ich zu dumm! Ich mag ja anspruchsvolle Literatur, aber wenn ich ständig Wörter nachschlagen muss, weil ich sie nicht kenne und mir der Autor beim Lesen das Gefühl gibt, dass dieses Buch nur etwas für die ganz Schlaue ist, dann bin ich irgendwann raus. Sorry!

Bei einigen Büchern folgt demnächst noch eine Rezension!

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Einblick

Im Mai ist nicht so viel passiert. Ich habe lediglich den Eindruck, dass seit Ausbruch der Pandemie, die Menschen in unserer Umgebung das Lesen für sich entdeckt haben. In der Buchhandlung ist wirklich viel los, und die Menschen kaufen auch viel hochwertige Bücher. Das freut mich natürlich sehr. es macht immer wieder enorm viel Spaß Büchersüchtige zu beraten.

Leider dürfen wir nach wie vor keine Lesungen oder ähnliches anbieten, da wir Einzelhandel sind und kein Veranstaltungsort. Das heißt, in die Buchhandlung darf nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern (zur Zeit 8). Bei einer Lesung sind wir meistens um die 25-30 Personen. Schade! Was ich allerdings darf, ist „Buchgenuss nach Ladenschluss“. Hier lässt sich eine Gruppe von max. 6 Personen „einschließen“ und verbringt zwei Stunden in der Buchhandlung ohne Buchhändlerin. 🙂

Ganz unerwartet war ich dann Ende Juni noch in zwei Grundschulklassen. Normalerweise kommen am „Welttag des Buches“ (23. April) die Kids zu mir in die Buchhandlung. Das ging ja dieses Jahr auf Grund der Pandemie ja nicht. Da aber seit Mitte Juni in den Grundschulen wieder ein etwas „normaler“ Schulbetrieb herrscht, haben mich zwei Lehrerinnen gefragt, ob ich nicht in die Klassen kommen möchte um die Bücher vom Welttag zu übergeben und etwas erzählen möchte. Ich habe mich sehr darüber gefreut und die Zeit mit den Kids war wieder einmal unbeschreiblich. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie wissbegierig die Kinder sind. Die haben mir echt Löcher in den Bauch gefragt. 🙂 Ich hoffe, dass im nächsten Jahr die Kids wieder zu mir in die Buchhandlung kommen können.

So, dass war es fürs Erste mal wieder von hier. Ich hoffe Ihr seid alle putzmunter und bleibt es auch.

Bis bald …. Eure Angelika ♥