Geschafft!!!

IMG_2700Puh … das wäre erst einmal geschafft. Endlich habe ich auch einen Blog. Ich möchte mit diesem Blog meine Liebe zu Büchern teilen. Für mich gibt es nichts schöneres als den Menschen von meiner Liebe zu Büchern zu erzählen, sie mit meiner Freude über Literatur anzustecken. 🙂

Erst einmal habe ich ein paar Rezensionen aus dem letzten Jahr online gestellt. Ob noch mehr aus dem letzten Jahr folgen weiß ich noch nicht, da es ja dieses Jahr viele tolle neue Bücher geben wird.

Ich möchte Euch eine kleine „Einführung“ geben.

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In den nächsten Tagen und Wochen werde ich das ein oder andere noch spezifizieren. Über Frage, Anregungen und konstruktive Kritik freue ich mich. Ihr könnt das hier kommentieren oder mir eine Mail schreiben: angelikaabels@gmx.de.

Jetzt wünsche ich Euch mega viel Spaß beim stöbern in meinem Blog.

Eure Angelika ♥

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Kurz & Knapp … Oktober 2018

Vox von Christina Dalcher

Von heute auf morgen dürfen Frauen in Amerika nicht mehr als 100 Worte sprechen. Ein Armband am Handgelenk zählt diese und bei überschreiten der 100 werden elektrische Impulse ähnlich einem Elektroschocker freigesetzt. Jean kann dies erst einmal gar nicht fassen. Sie ist Wissenschaftlerin und Mutter. Wie soll sie mit 100 Worten am Tag auskommen? Und ihrer Tochter erst. Sie ist noch ein Kind und entdeckt gerade die Welt und die Sprache … Ziel der neuen Machthaber der USA ist es, dass die Frauen zurück an den Herd sollen und die Männer ihre Macht zurückbekommen …

Wir haben das Buch innerhalb des Lesekreis gelesen. Und wir allen waren ähnlicher Meinung. Spannend bis zur letzten Seite geschrieben, doch leider an vielen Stellen nicht zu Ende gedacht. Die Thematik ist schon sehr spannend. Eine Welt, in der Frauen mur noch 100 Wörter pro Tag nutzen dürfen.  Wie würde eine solche Welt aussehen?

Viele Fragen bleiben offen … ein Ehepaar, das sich liebt hat keine Geheimnisse voreinander. Warum verschweigt Jeans Mann ihr, dass er versucht sie zu retten? Stattdessen hat man als Leserin den Eindruck, dass er sie verrät und alles dafür tut, damit es ihr so richtig schlecht geht. Woher kommt diese Untergrundbewegung? Wer hat sie gegründet und warum? Was will diese Bewegung erreichen? Und noch viele andere Punkte sind bis zum Ende nicht durchgedacht. Leider … und sehr schade …

Fazit: Toll geschrieben, von der ersten bis zur letzten Seite durchaus spannend. Doch leider nicht bis zum Ende durchdacht und somit bleiben für mich viele wichtige Fragen offen. Schade!

(S. Fischer Verlag, ISBN: 9783103974072, Preis: 20,00 Euro)

 

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Das reife Mädchen von Anna Giurickovic Dato

Als Maria noch ein Kind war, und Anna noch mit ihrem Mann zusammenlebte, schien die Welt in Ordnung. Doch sie war es nicht, denn Maria wurde von ihrem Vater missbraucht. Jetzt ist Maria 13 und flirtet wie eine kleine Lolita mit dem neuen Freund der Mutter. Das ist Anna zu viel und sie schmeißt den neuen Freund raus.

Die Geschichte wird in zwei Erzählsträngen erzählt. Einmal die Zeit in der Maria noch das Kind ist, und vom Vater missbraucht wird und dann die Zeit, in der Anna ihren neuen Freund zu Besuch hat und Maria mit diesem sehr eindeutig flirtet. Anna erlebt das Ganze wie in einem Traum. Sie merkt zum ersten Mal, dass es eigentlich ihre Schuld ist, das Maria jetzt so ist, wie sie ist. Doch ist dem wirklich so?

Ein sehr intensives Buch über das Wegsehen und nicht Wahrhabenwollen einer Mutter, dem Missbrauch und die Entwicklung eines Kindes, das sich nicht wehren konnte und auch niemanden hatte, dem es sich anvertrauen konnte. Bis zu dem Tag, an dem es sein Schicksal selbst in die Hand nimmt.

Fazit: Ein in meinen Augen sehr gelungenes Debüt, das aber keine einfache Lektüre ist. Die Autorin schafft es mit sehr viel Gefühl über das Thema Missbrauch zu erzählen.

(Piper, ISBN: 9783492059053, Preis: 20,00 Euro)

 

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Farben der Nacht von Davit Gabunia

Surab, Anfang 30 lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Tiflis. Die Familie führt ein unaufgeregtes Leben. Surab ist gerne Vater. Weniger gerne ist er Hausmann. Doch er hat seinen Job verloren und so bleibt er zu Hause und seine Frau verdient das Geld für die Familie. Schnell kommt nach erledigter Hausarbeit Langeweile auf und Surab beginnt die Menschen in seiner Nachbarschaft zu beobachten. Schnell interssiert ihn aber das Leben des jungen Manns im Nachbarhaus. Dieser scheint homosexuelle zu sein und ein Verhältnis mit einem hohen Beamten vom Staatsschutz zu haben. Surab ist von dem Paar fasziniert und aus der anfänglichen Neugier wird eine Obsession. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse …

Dieses Buch ist sehr spannend geschrieben und ich kam mir beim Lesen selbst wie eine Voyeurin vor. Ich konnte das Buch nicht beiseite legen, weil ich unbedingt wissen musste, wie es weiter geht. Das Ende hat mich dann sehr überrascht, aber auch ein wenig ratlos zurück gelassen.

Fazit: Wer Hitchcocks „Fenster zum Hof“ spannend fand, findet hier ein ähnliches Werk mit modernen Elementen.

(Rowohlt Berlin, ISBN: 9783737100410, Preis: 20,00 Euro)

 

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Der Tag, an dem ich feststellte, dass Fische nicht klettern können von Christian Jaschinski

Max ist Mitte vierzig. Als er am diesjährigen Hochzeitstag nach Hause kommt, teilt ihm seine Frau knapp mit, dass sie ihn verlassen wird. Max fällt aus allen Wolken, dachte er doch seine Ehe wäre Vorbildlich. Auch seine Tochter wendet sich von ihm ab. Einzig sein Freund Bolle ist für ihn da und versucht ihm in dieser schweren Zeit beizustehen. Die beiden fahren für ein Wochenende nach Berlin. Ein Wochenende, dass alles verändert …

Ich habe diesen Roman gelesen, weil wir eine Lesung mit dem Autor in der Buchhandlung gemacht haben. Die Geschichte ist kurzweilig und amüsant. Der Abend mit dem Autor war es ebenfalls.

Fazit: Wer mal schnell etwas Lustiges zwischendurch lesen möchte ist mit diesem Buch gut bedient. Hier ist mal nicht die Frau die Verlassene, sondern der Mann, und zu sehen wie Mann damit umgeht ist ganz nett.

(Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN: 9783862655458, Preis: 9,99 Euro)

 

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Liebe ist die beste Therapie von John Jay

Steve und Charlotte sind schon einige Jahre verheiratet, haben Kinder und ein Eigenheim. Eigentlich könnten sie glücklich sein. Doch sie sind es nicht. Beide betrügen sich gegenseitig mit anderen Partnern, lügen und verheimlichen. Und doch scheint da noch etwas von Liebe zwischen ihnen zu sein. Daher beschließen sie eine Paartherapie zu machen, um zu sehen, ob ihre Ehe noch eine Zukunft hat.

Dieser Roman spielt überwiegend in den Räumen der Therapeutin. Und es geht auch nur um diese drei Menschen und ihr Leben, ihre Gedanken und ihre Gefühle. Steve und Charlotte schildern was ihnen in der Beziehung fehlt, was sie sich wünschen … Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, der Autor hält mir einen Spiegel vor. Wer lange verheiratet oder in einer langen Beziehung lebt, hat mit Sicherheit die ein oder andere Situation aus dem Buch so oder ähnlich erlebt. Wie z.B. das nicht richtige Zuhören des Partners und die damit verbundenen Streitigkeiten. Jays Therapeutin zeigt Wege auf, wie ein Miteinander wieder klappen kann.

Fazit: Ein tolles Buch, und obwohl Roman, hat dieses Buch auch etwas von einem Ratgeber …

(Diogenes, ISBN: 9783257070439, Preis: 22,00 Euro)

 

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Ein Winter in Paris von Jean-Philippe Blondel

Als Außenseiter hat es Victor es am elitären Lycee D. in Paris nicht einfach. Obwohl alle wissen das er die Prüfung nicht schaffen wird, unterwirft er sich dem strengen Schulsystem. Er ist jedoch nicht der einzige. Mathieu ist ebenfalls Außenseiter. Einige Tage vor seinem 19zehnten Geburtstag beschließt Victor, dass er Mathieu zu einem gemeinsamen Essen einladen möchte. Doch ehe es dazu kommen kann, springt Mathieu in den Tod. Schüler wie auch Lehrer sind entsetzt über die Tat. Doch plötzlich steht Victor im Mittelpunkt, da alle denken das er mit Mathieu befreundet war. Auch Mathieus Vater ist sehr an Victor und seiner Beziehung zu seinem Sohn interessiert.

Die Geschichte plätschert irgendwie nur vor sich hin. Ich habe nicht wirklich verstanden, was der Autor mir mit diesem Buch sagen möchte. Alle Protagonisten sind so … so nichtssagend, blass und uninteressant. Sie haben mich gelangweilt. Trotzdem habe ich dieses Buch zu Ende gelesen. Warum? Weil ich vor zig Jahren ein Buch von Blondel gelesen habe, welches mich fasziniert hat. Es hieß „Zweiundzwanzig“ und hatte mich von der ersten Seite an gepackt. Es war eine Hommage ans Leben. Doch die Bücher die ich danach vom Autor las, konnten mich alle nicht mehr berühren. Leider.

Fazit: Ich fand dieses Buch langweilig und für mich wird es wohl das letzte Buch von Blondel gewesen sein, welches ich gelesen habe. Schade!

(Paul Zsolnay, ISBN: 9783552063778, Preis: 19,00 Euro)

 

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Kurz & Knapp … September 2018

Ich komme mit von Angelika Waldis

Vita und Lazy kennen sich eigentlich schon ein Leben lang. Vita zog vor 42 Jahren als junge Mutter in das Haus in der Torstraße 6. Der Sohn ist mittlerweile aus dem Haus und ihr Mann verstorben. Lazy ist 21, Student und nennt Vita wie alle anderen Bewohner, die Alte von oben. Lazy ist jung und frei, leibt seine Freundin und das Leben. Als seiner Freundin ihn verlässt und er zudem noch schwer erkrankt, wird Vita plötzlich zu einer Art von Freundin. Sie kümmert sich und weicht Lazy nicht mehr von der Seite.

Eine Freundschaft zwischen Lazy und Vita bahnt sich an. Ungewöhnlich? Eher nicht. Beide haben niemanden, der sich um sie kümmert oder sich für sie interessiert. Lazy wurde von seiner Freundin verlassen und zum Vater gibt es keinen Kontakt. Vitas Mann lebt nicht mehr und der Sohn lebt im fernen Amerika und kommt nur alle Jubeljahre die Mutter besuchen. Somit ist es dann nicht ungewöhnlich, dass Lazy und Vita zueinander finden.

Fazit: Eine nette Geschichte, die zeigt, dass Familie nicht immer Blutsverwandte sein müssen. Nachhinten raus, wird die Geschichte dann aber doch ein wenig konstruiert.

(Wunderraum, ISBN: 9783336547975, Preis: 20,00 Euro)

 

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Putzfrau bei den Beatles von Birgit Rabisch

Vier Freunde, alle in die Jahre gekommen leben in ihrer persönlichen „Yellow Submarine“. Da wundert es nicht, dass sie sich John, George, Paul und Ringo nennen. Jana, eine junge Frau, ist auf der Suche nach einem Job, um etwas Geld zu verdienen, da sie an ihrem ersten großen Buch schreibt. Sie landet bei den vieren als Putzfrau und erfährt vieles aus deren Leben. Eines Tages taucht ein kleiner Junge auf und behauptet der Enkel von Paul sei. Die Beatles sind schwer geschockt, vor allem Paul, der keine Ahnung von einer Tochter hatte.

Natürlich geht es in diesem Buch nicht um die wirklichen Beatles, sondern um eine Gruppe Männer, die in dieser Zeit aufgewachsen sind. Sie lieben die Musik der Beatles und hatten als Jugendliche auch eine eigne Band. Neben der Musik der Beatles und dem Leben der vier Männer nimmt sich Rabisch vielen aktuellen Themen unserer Zeit an … Generationenkonflikte, Politik in Amerika … um nur zwei von vielen zu nennen. Leider waren mir das dann zu viele, da alles irgendwie nur angedeutet und nicht richtig ausgearbeitet wurde. Sehr schade!

Fazit: Ein weiteres Buch von Birgit Rabisch, dass ich gerne gelesen habe, mich aber nicht wirklich überzeugen konnte. Die anderen beiden Vorgängerbücher fand ich wesentlich stärker!

(duotincta, ISBN: 9783946086307, Preis: 15,00 Euro)

 

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Zehntelbrüder von Ruth Cera

Mich hat ein auf den ersten Blick sehr verworrenes Familienkonstrukt. Da ist erst einmal sein Halbbruder, und dann noch seine beiden Stiefbrüder. Aber da sind auch noch die beiden Töchter seines Vaters und dessen zweiten Ehefrau. Seine Mutter ist irgendwann abgetaucht und keiner weiß wo sie steckt. Da ist Micha elf. Er wächst zunächst bei seinem Stiefvater auf, und dann später bei einer weiteren Exfrau seines Stiefvaters. Und so wird sein Familienkonstrukt immer verworrener.

Cera erzählt hier eine sehr spannende Familienkonstellation. Die zeigt, dass man nicht Blutsverwand sein muss, um Familie zu sein. Am Anfang hatte ich leichte Schwierigkeiten alle Protagonisten auseinander zu halten bzw. einzugliedern wer wohin gehört. Doch irgendwann hatte ich den Dreh raus. Obwohl Micha sehr „verwaist“ aufwächst, meist auf sich allein gestellt ist, ist er scheinbar der einzige in dieser Familienkonstellation, der seinen Weg findet und geht. Micha ist derjenige, der sich immer wieder um seine vielen Geschwister und deren Belange kümmert.

Fazit: Mir hat dieses Buch sehr gefallen. Was mir nicht gefiel war die kleine Schrift und die minimalen Zeilenabstände in der Taschenbuchausgabe. Das hat das Lesevergnügen ein wenig gemildert.

(Frankfurter Verlagsanstalt, ISBN: 9783627002510, Preis: 14,00 Euro)

 

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„Das Weiße Schloss“ von Christian Dittloff

Berlin Verlag
Fester Einband
304 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.08.2018
ISBN: 9783827013859
Preis: 22,00 Euro

Klappentext
Sie sind ein glückliches Paar. Ada und Yves haben sich für ein Kind entschieden, doch fürchten sie die Unvereinbarkeit von Liebe, Karriere und Erziehung. Deshalb nehmen sie am Prestigeprojekt des Weißen Schlosses teil, wo Leihmütter die Kinder zur Welt bringen und großziehen. Elternschaft ist hier Beruf und folgt einem alles bedenkendem Konzept unter den Vorzeichen Bio und Fare Trade. Über neun Monate zeigt der Roman die beiden auf ihrem Weg zum Elternwerden, folgt den Veränderungen ihres Selbstbilds und ihrer Beziehung.

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„Die Großmutter hatte für das Jenseits gelebt. Die Mutter für ein Leben nach der Rente. Und Ada wollte in der Gegenwart leben.“ (Seite 29)

Ada und Yves sind ein Paar. Sie führen eine offene Beziehung, und möchten ein gemeinsames Kind. Sie möchten jedoch nicht auf ein ungezwungenes Leben verzichten. Sie möchten Karriere machen, Partys, zu jeder Zeit spontane Reisen oder dergleichen. Deshalb haben sie sich entscheiden am Prestigeobjekt des Weißen Schlosses teilzunehmen. Ein Projekt, an dem nur die wohlhalbende Bevölkerung dran teilnehmen kann. Eine sogenannte Tragemutter empfängt das Kind, natürlich oder assistiert, trägt es aus und im besten Fall kümmer sie sich in den ersten sechs Lebensjahren um das Kind. Die „Eltern“ kommen nur hin und wieder zu Besuch. Somit haben Ada und Yves Zeit für ihr Leben.

„Die assistierte Empfängnis und die Tatsache, dass das Kind der intendierten Eltern durch die Tragemutter zur Welt gebracht wird, die es sogar im Alltag erzieht, löst traditionelle Familiengrenzen auf. Für mich ist dies eine Chance, die wir vorsichtig ergreifen wollen. Es ist eine Balanceakt zwischen sozialer Fremdheit und biologischer Nähe.“ (Seite 61)

Soweit, so gut oder auch nicht … Im weiteren Verlauf der Geschichte erfahre ich wie Ada und Yves sich kennen gelernt haben. Er war „privilegierter“ Flüchtling und Ada bearbeitete seine Einreise. Sie verliebte sich in diesen Künstler und beide wurden ein Paar in einer offenen Beziehung. Nachdem sie beschlossen haben ein Kind zu bekommen begleite ich als Leserin die beiden zu ihrer Tragemuttter, erlebe die Empfängnis und in Briefen von der Tragemutter an Ada und Yves die Schwangerschaft.

Ada bleibt immer in einer distanzierten Rolle. Yves dagegen setzt sich mit der Schwangerschaft und dem werdenden Leben mehr auseinander, könnte sich sogar eine „nahe“ Vaterolle vorstellen. Doch dann kommt es zu einer Tragödie, die alles in Frage stellt …

„Nach ausführlichen Überlegungen hatten sich Ada und Yves sogar für eine Zusatzoption entschieden: Für die nächste Befruchtungsperiode würde ihre Tragemutter Marie nicht zur Verfügung stehen, damit ihr Kind die ersten sechs Jahre ganz im Mittelpunkt ihrer Zuwendung stehen konnte. Diese Freiheit ließen die Richtlinien des Weißen Schlosses zu. Sie beide würden das Kind monatlich besuchen kommen, nicht öfter. Sie wollten sich schließlich auch selbst leben.“ (Seite 64)

Auf den ersten ca. hundert Seiten habe ich mich über dieses Buch nur aufgeregt. Der „egoistische“ Wunsch Adas und Yves nach einem Kind, ohne sich letztendlich darum kümmer zu müssen fand ich unerträglich. Das ungeborene Kind wurde wie eine Ware dargestellt, die man mal eben so einkaufen kann. Gefühle gleich null. Auch die vielen negativen und abfälligen Passagen über Kinder und über Mütter, die ihrer Kinder wegen zu Hause bleiben, die „in Familie“ machen, fand ich unerträglich und haben mich auf die Palme gebracht.

„Kleinkinder konnte ich schon nicht leiden, als ich selbst noch ein Kind war. Sie sind egozentrisch und manipulativ und unlogisch!“ (Seite 125)

Nachdem ich das Buch beendet hatte, habe ich mich gefragt was Dittloff mit diesem Buch bezwecken wollte bzw., was will er mir, dem Leser damit sagen. Er will provozieren. Das ist mir klar. Doch womit genau?

Ist es unser gesellschaftliches Bild? Unsere Wertevorstellung in einer Gesellschaft voller Konsum? Wird ein Kind zu einem „Konsumgut“, Bio und Fare Trade, frei nach dem Motto „Ich will das aber jetzt haben“?

Ada und Yves leben in einem großen Haus, reisen, sind erfolgreich im Job, machen was immer sie wollen, wann immer sie wollen. Da scheint ein Kind gar keinen Platz zu haben. Und dennoch wollen sie eines. Da frage ich mich als Leserin doch warum? Weil das dazu gehört? Vater-Mutter-Kind.

Dittloff versucht aufzuzeigen wo Elternschaft anfängt und wo sie wohlmöglich aufhört. Dürfen Menschen sich Eltern nennen, die nur einmal im Monat ihr Kind besuchen kommen, oder ist nicht eher die Frau, die das befruchtete Ei über neun Monate ausgetragen hat, die „wahre“ Mutter?

„Waren diese Momente, in denen man allein war und die Hände über den Halbmond aus Fleisch und Blut gleiten ließ, nicht genau die Art von Reflexion, die eine Mutter sich in ihre Rolle fügen ließ? So eine Einkehr hatte er an Ada nicht erlebt in den letzten Monaten und an sich natürlich auch nicht. Über neun Monate hinweg erzählen der wachsende Bauch und dessen Innenwelt von diesem Wunder, das ja im Grunde gar kein Wunder ist, sondern ein einfacher biologischer Vorgang. Aber als schwangere Person erlebt man über zweihundertfünfzig Tage nichts anderes als eine mit jeder Zelle in sich hineinwachsende Liebe zu sich selbst.“ (Seite 242)

Ein Buch, das viel Diskussionsstoff bietet und mich auch jetzt noch nicht zur Ruhe kommen lässt. Zu gerne würde ich mit dem Autor darüber diskutieren.

Ungewöhnlich, provokant und somit absolut lesenswert!

„Das innere Ausland“ von Thommie Bayer

Piper
Fester Einband
176 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.08.2018
ISBN: 9783492057271
Preis: 20,00 Euro

Klappentext
Andreas Vollmann glaubt, endlich in seinem Leben angekommen zu sein. Nach mehr oder weniger allein verbrachten Jahren als Bahnschaffner auf internationalen Zügen lebt er mit seiner Schwester Nina in einem idyllischen Haus im Süden Frankreichs, wo er die Tage in bukolischer Abgeschiedenheit verbringt. Bis Nina sehr plötzlich stirbt – und Andreas sich seiner inneren Einsamkeit bewusste wird. Es ist kein Zufall, dass wenig später eine fremde Frau vor seinem Haus steht – sie heißt Malin und ist Ninas Tochter, von der Andreas noch nie etwas gehört hat. Während die beiden sich einander annähern und Malin ihm von der unbekannten Seite seiner Schwester erzählt, erkennt Andreas, dass das Leben ihm eine zweite Chance bietet. Doch er muss sie auch ergreifen.

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„Nachdem sie ins Bett gegangen war, saß ich noch eine Zeit lang und sah dem Feuer beim Herunterbrennen zu. Ich ertappte mich dabei, dass ich dachte, so soll es bleiben, aber ich erschrak zugleich, weil ich wusste, dass es nie so bleibt und man keine Wahl hat, als die guten Momente zu würdigen und die unausweichlich folgenden schlechten zu überstehen.“ (Seite 94)

Andreas lebt allein in einem Haus in Südfrankreich. Er hat keine Partnerin und keine Kinder. Bis vor kurzem hat er mit seiner Schwester in diesem Haus gemeinsam gelebt. Die beiden haben früh ihrer Eltern verloren und hatten deshalb eine sehr enge und innige Beziehung. Doch nun ist Nina plötzlich verstorben und Andreas vollkommen allein.

Eines Tages, kurz nach Ninas Tod, steht plötzlich eine junge Frau vor der Tür. Es ist Malin und sie ist Ninas Tochter. Eine Überraschung für Andreas, der nichts davon wusste, aber auch eine Überraschung für Nina, die erst vor kurzem erfahren hat, das Nina ihre Mutter ist und sie bisher bei Pflegeeltern aufgewachsen ist.

Die beiden versuchen gegenseitig das Puzzel über Nina und ihr Leben zusammen zu setzen, von dem sie beide nichts wussten. Und dabei nähern sich Andreas und Nina an, spüren, dass sie ihre innere Einsamkeit überwinden müssen, um gemeinsam den weiteren Weg zu gehen …

„Ich habe zum ersten Mal eine Vorstellung davon, wie weh es tun muss, einsam zu sein. Ich kannte das nicht. Ich war nie einsam. Ich war immer verbunden mit der Familie, den Freunden, Markus, den Kollegen, und jetzt sind die alle auf einmal wie aus Glas.“ (Seite 110)

Ich habe mich sehr auf diese neue Buch von Thommie Bayer gefreut und wurde nicht enttäuscht. In seiner bekannten ruhigen und unaufgeregten Art erzählt Bayer melancholisch eine Geschichte, in der es um die selbstgewählte „Einsamkeit“ geht. Um einen Menschen, der sich bewusst vom Trubel der Zeit und den Menschen zurück zieht. Die Gründe scheinen vielfältig, doch ich glaube es liegt am Verlust der Eltern und der damit eingehenden Angst wieder einen geliebten Menschen zu verlieren. Doch dann steht da plötzlich Malin vor der Tür, eine junge Frau, die einen ähnlichen Verlust erlitten hat, nämlich den, dass sie ihre leibliche Mutter, Nina, nie wirkliche kennen lernen durfte. Und diese beiden Menschen haben nun die Möglichkeit sich anzunähern, aus ihrer selbstgewählten Einsamkeit eine Zweisamkeit zu machen. Sicherlich nicht einfach, aber Thommie Bayer schafft eine Basis für beide in dieser Geschichte, die einfach wundervoll geschrieben ist.

Einfach grandios. Danke!
Unbedingt lesen!

Neulich in der Buchhandlung … #14

Hallo Ihr Lieben,

es wird mal wieder Zeit, einen neue Beitrag aus meinem Leben als Buchhändlerin zu schreiben. Ich erlebe täglich so viel schöne wie auch skurrile Dinge, doch leider vergesse ich sie dann zu notieren oder hier zu schildern.

Anfang September war es mal wieder soweit. Zum dritten Mal durfte ich an ca. 100 I-Dötzchen Lesetüten übergeben. Was mich besonders gefreut hat, war die Tatsache, dass ich dieses Jahr auch in der Grundschule Schönenberg und Winterscheid die Tüten persönlich übergeben durfte. Vielen lieben Dank an die beiden Schulleiterinnen Frau Schreiber und Frau Wessels ♥♥♥ Mein Dank gilt natürlich auch Frau Löbach von der GGS Ruppichteroth. Dort übergebe ich seit 2016 die Lesetüten persönlich.

Ich bin jedes Jahr aufs neue darüber erstaunt, wie viele Kinder in unserer verhältnismäßig kleinen Gemeinde eingeschult werden. Jedes Jahr sind es so um die 80 – 100 Kinder. Es macht einfach Spaß zu sehen wie aus diesen I-Dötzchen langsam junge Menschen und dann später kleine Erwachsene werden. Spätestens in 4 Jahren werde ich die in diesem Jahr eingeschulten I-Dötzchen wiedersehen. Dann kommen nämlich die einzelnen Klassen zum Welttag des Buches in den Büchergarten. Bis dahin werde ich sicherlich das ein oder andere Kind auf seinen Abenteuern durch die Bücherwelt begleiten.

Ich freue mich darauf! ♥♥♥

Hier noch ein paar Impressionen von den Übergaben.

Bis bald Eure Angelika ♥

 

Lesetüten Grundschule Winterscheid

 

Grundschule Winterscheid

 

Grundschule Winterscheid

 

Grundschule Winterscheid

 

Grundschule Winterscheid

 

Grundschule Schönenberg

 

Grundschule Schönenberg

 

Grundschule Schönenberg

 

Frau Löbach, Grundschule Ruppichteroth

Kurz & Knapp … August 2018

Sechs Koffer von Maxim Biller

Maxim Biller erzählt in sechs Kapiteln die Geschichte seiner Familie, bzw. versucht er den Verrat an seinem Großvater aufzuklären. Dieser hatte Devisenschmuggel mit dem KGB betrieben.  Sechs Familienmitglieder kommen zu Wort, erzählt aus Billers Sicht. Dabei erfährt man einiges über die jüdische Familie Biller. Nicht alle können miteinander und so verdächtigt jeder jeden, den Großvater verraten zu haben.

Puh … wie soll ich es mal wieder sagen … Billers Buch steht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Aber muss man deswegen sein Buch mögen? Darf man etwas Negatives äußern und nicht mit allen ein Loblied anstimmen? Es gab Passagen, die ganz nett fand. Da kam ab und an ein bisschen dieser feine jüdische Humor zum Vorschein. Doch spätestens im letzten Kapitel war Biller bei mir unten durch.

Im letzten Kapitel kommt seine Schwester Elena Lappin zu Wort. Sie ist ebenfalls Autorin und lebt in England. Sie und ihre Bücher sind in Deutschland nicht so bekannt. Um so mehr hat es mich geärgert, dass Biller sein Buch als Werbeplattform für das Buch seiner Schwester benutzt. Im letzten Kapitel verweist Biller auf das Buch seiner Schwester, wenn man wissen möchte was wirklich mit dem Großvater geschah. Wer allerdings glaubt, dass er dort die Antwort findet, irrt sich. Beide Bücher sind übrigens bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Fazit: Ich mag es nicht, wenn ich als Leserin verdummkauft werde. Die Werbung für das Buch der Schwester hat mich echt geärgert. Marketingmäßig mag das ja schlau gedacht sein, aber für mich ein absolutes NoGo. Und noch etwas … wer das Buch aufmerksam liest, wird eine Lösung zum Verrat des Großvaters finden …

(Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 9783462050868, Preis: 19,00 Euro)

 

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Opoe von Donat Blum

Blum erzählt die Geschichte seiner Großmutter Opoe, die ein sehr bewegtes Leben hatte. Sie war mit einem Schweizer verheiratet, verließ wegen ihm ihre Heimat Holland, bringt eine Tochter zur Welt, die dann ihre ersten Lebensjahre in Holland verbringt. Es entsteht eine Kluft zwischen Mutter und Tochter. Nach Opoes Tod hat der Enkel viele Fragen zu Opoe und ihrem Leben, doch keiner kann ihm da so richtig Auskunft geben. Also versucht er auf eigene Faust Opoes Leben zu rekonstruieren.

Parallel dazu wird die Geschichte des Ich-Erzähler erzählt. Ein junger Mann, auf der Suche … nach was scheint nicht wirklich so klar zu sein. Er ist mit einem Mann leiert, und sie leben eine offene Beziehung. Doch irgendwie fühlt sich der Ich-Erzähler mit diesem Arrangement nicht glücklich. Als sein Partner die Beziehung löst, begibt der Ich-Erzähler sich auf eine Reise.

Dieses dünne Büchlein erzählt wohl die autobiografische Geschichte von Blums Großmutter, wie auch sein eigenes Leben. Dabei vermischt Blum seine eigene mit die der Großmutter, so dass es mir als Leserin schwer fällt zu Unterscheiden, von wessen Leben gerade erzählt wird. Im zweiten Teil wird jedoch mehr über das Leben des Autors berichtet, als über das der Großmutter, was ich wirklich sehr schade fand.

Fazit: Ich hätte gern mehr über das Leben der Großmutter erfahren, denn das scheint ein sehr bewegtes gewesen zu sein.

(Ullstein fünf, ISBN: 9783961010127, Preis: 18,00 Euro)

 

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Nacht über Tanger von Christine Mangan

Es ist die Geschichte zweier Frauen, die sich auf einem College in Vermont kennen lernen. Alice Shipley ist eine sehr schüchterne und etwas psychisch labile junge Frau. Ihre Eltern kamen auf mysteriöse Weise ums Leben und sie wuchs bei ihrer Großmutter auf. Lucy Mason dagegen scheint eine junge sehr selbstbewusste Frau zu sein. Die beiden Frauen freunden sich an, doch dann kommt es zu einem Zwischenfall am College und Alice verlässt dieses. Nach Jahren treffen sich die beiden Frauen in Tanger wieder. Alice ist mittlerweile verheiratet und lebt in Tanger. Lucy überrascht die Freundin mit ihrem Besuch. Und plötzlich wird die Vergangenheit wieder lebendig …

Dieses Buch kommt so harmlos daher. Das Cover ziert eine junge Frau und der Titel kann für alle Arten von Story stehen. Doch schon der Epilog ist sehr geheimnisvoll. Aus wechselnden Perspektiven erzählen Alice und Lucy die Geschichte ihrer Freundschaft und wie es letztendlich zum Bruch kam. Doch während dieser Story tun sich Abgründe auf. Ich war mehr als einmal überrascht, wie sich die Geschichte wendet. Mangan erzählt die Geschichte einer sehr zerstörerischen Freundschaft.

Fazit: Ein Titel der so „harmlos“ daher kommt, aber eine Geschichte die es in sich hat … vor allem Spannung!

(Blessing, ISBN: 9783896676030, Preis: 22,00 Euro)

 

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Drei sind ein Dorf von Dina Nayeri

Im Alter von acht Jahren flieht Nilou mit ihrem Bruder und ihrer Mutter aus dem Iran. Ihr Vater Baba bleibt allein zurück. Heute ist sie eine erfolgreiche Ärztin, die jedoch nur zu Besuchen in der Heimat war. Sie lebt in Holland zu einer Zeit, in der viele Menschen aus ihrer Heimat fliehen. Erst als sie sich einer Gruppe iranischer Exilanten anschießt, merkt sie, wie sehr ihr die Heimat fehlt.

Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die je älter sie wird die innere Zerrissenheit spürt. Auf der einen Seite sucht sie Anschluss in ihrer neuen Heimat. Sie versucht eine von denen zu sein. Doch auf der anderen Seite vermisst sie immer mehr die Heimat und die damit verbundenen familiären Beziehung. Parallel wird die Geschichte Babas, Nilious Vater erzählt. Von ihm erfahre ich, warum er im Iran bleibt, als seine Familie flieht. Seine Heimatverbundenheit ist eine andere als die seiner Tochter und dennoch lieben und vermissen ähnliches.

Fazit: Eine sehr berührende Geschichte zweier Menschen, auf der Suche nach Heimat und zugleich ein aktuelles Thema unserer Zeit.  

(mareverlag, ISBN: 9783866482869, Preis: 24,00 Euro)

 

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„Bleib bei mir“ von Ayòbámi Adébáyò

Piper Verlag
Fester Einband
352 Seiten
Erscheinungsdatum:
01.08.2018
ISBN: 9783492058902
Preis: 22,00 Euro

Klappentext
Yejide und Akin wünschen sich ein Kind. Doch selbst nach ein paar Jahren Ehe wird Yejide nicht schwanger. Sie hat alles versucht: medizinische Behandlungen, Pilgerreisen, Stoßgebete – ohne Erfolg. Da greift ihre Schwiegermutter Martha ein. Sie findet, ihr Sohn hat das Recht auf ein Kind. Und obwohl Akin und Yejide sich bewusst gegen die nigerianische Tradition entschieden haben, setzt Martha sich durch. Eines Tages trifft Yejide in ihrem Wohnzimmer auf Funmi, eine junge und schöne Frau. Yejide ist voller Wut und Trauer. Sie weiß: Der einzige Weg, ihre Ehe zu retten, ist schwanger zu werden. Aber um welchen Preis?

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„Ich war nicht dumm. Ich wusste, es war nur eine Frage der Zeit, bis Moomi auftauchen und dafür sorgen würde, dass Funmi bei uns wohnte. Wenn ich mich mit Funmi anlegte, würde ich alles nur noch schlimmer machen. Moomi könnte mich auffordern zu gehen, obwohl Akin mir auch weiterhin sagte, wie sehr er mich liebe, glaubte ich ihm nicht mehr. Aber ich wollte ihm glauben. Ich hatte keinen Vater, keine Mutter und keine Geschwister. Akin war der einzige Mensch auf der Welt, der tatsächlich merken würde, wenn ich verschwinden sollte.“ (Seite 96/ 97)

Yejide und Akin sind ein modernes Paar in den 1980zigern in Nigeria. Sie leben ihr Leben und lassen sich von den Traditionen der Familien nicht vereinnahmen. Zu ihrem Glück fehlen nur noch Kinder. Doch auch als Yejide nach Jahren immer noch kein Kind bekommen hat, schleppt ihre Schwiegermutter eine Zweitfrau für ihren Sohn an. Denn sie ist der Meinung, dass es dem Ansehen der Familie schadet, wenn der Sohn nicht endlich ein Kind zeugt. Ferner habe ihr Sohn ein Recht auf ein Kind und wenn Yejide das nicht leisten kann, dann muss eben nach nigerianischer Tradition eine Zweitfrau her, die dem Sohn ein Kind schenken kann.

Yejide ist verzweifelt und versucht alles … und schließlich scheint sie schwanger zu sein. Doch es ist nur eine Scheinschwangerschaft. Alle erkennen dies, nur Yejide will dies nicht wahrhaben. Schließlich erkennt sie, dass sie durch ihren großen Wunsch ein Kind zu bekommen, in eine Scheinwelt geflohen ist.

„Die Gründe dafür, dass wir bestimmte Dinge tun, sind nicht immer die Gründe, an die andere sich später erinnern. Manchmal glaube ich, dass wir Kinder bekommen, damit jemand der Welt erklären kann, wer wir waren, wenn wir eines Tages fort sind.“ (Seite 163)

Nach einer Zeit der Aufarbeitung wird Yejide doch endlich schwanger. Beide freuen sich auf ihr erstes Kind. Die Zweitfrau ist kein Thema mehr innerhalb der Familie. Doch kurz nach der Geburt verliert Yejide ihr Kind. Später wird sie wieder schwanger, und auch dieses Kind verliert sie. Nur weiß man jetzt, dass sie beide Kinder auf Grund einer seltenen Krankheit, der Sichelzellenanämie, verloren hat. Als Yejide ein drittes Kind bekommt und dies auch wieder mit dem Tod ringt, verlässt sie die Familie, weil sie einen weiteren Verlust nicht verkraftet.

„Die Wahrheit kann man nicht verbergen. So wie kein Mensch mit bloßen Händen die Sonne verbergen kann, kann man auch die Wahrheit nicht verbergen.“ (Seite 268)

Dieses Buch ist wirklich sehr bewegend, ohne dabei kitschig zu sein. Es zeigt ein modernes Paar in einem sehr traditionellen Nigeria. Doch obwohl im ersten Augenblick eben diese Tradition im Mittelpunkt der Geschichte zu stehen scheint, bietet dieses Buch noch viel mehr.

Es zu einem der starke Kinderwunsch ein Thema. Yejide versucht alles, um schwanger zu werden. Beide lassen sich untersuchen ohne Ergebnis. Sie geht auf Pilgerreisen und lässt sich auf medizinische Experimente ein. Nichts bringt ihnen das ersehnte Kind. Schließlich flüchtet sich Yejide in ihrem Kummer in eine Scheinschwangerschaft, die letztendlich auch nur Kummer bringt. Gerade diesen Aspekt innerhalb der Geschichte fand ich sehr interessant, da ich bisher wenig darüber gelesen oder gehört habe. Ich habe gedacht, dass es dies eher nur bei Tieren gibt.

Und dann ist ein weiterer Themenpunkt die Sichelzellenanämie. Auch das war für mich sehr interessant dargestellt. Ich habe von dieser Krankheit gehört und hatte ein wenig Grundinformation dazu, doch hier bekomme ich noch einmal einen kleinen weiteren Einblick.

„Ich wusste, dass ich genauso in die Lüge verstrickt gewesen war wie er, vielleicht sogar noch mehr – denn wahrscheinlich hatte er zumindest sich selbst die Wahrheit eingestanden. Ich selbst hatte sie mir nicht eingestehen können, bis Donut sie ausgesprochen hatte. Akin war doch die Liebe meines Lebens. Bevor ich Kinder bekommen hatte, war er meine Rettung vor der Einsamkeit in der Welt; er durfte keine Fehler haben. (…) Ich hatte mir gesagt, ich würde meinen Mann respektieren. Hatte mir eingeredet, dass mich mein Schweigen zu einer guten Frau mache. Aber die größten Lügen sind oft die, die wir uns selbst erzählen.“ (Seite 307)

Mich hat dieses Debüt von Ayobami Adebayo sehr berührt. Diese Verzweiflung und Kampf Yejides ein Kind zu bekommen, der Verlust selbiger und der Hoffnung jemals ein gesundes Kind zu bekommen sind einfach unglaublich gut erzählt und nachvollziehbar. Was der Geschichte einen spannenden Touch verliehen hat, waren die Unglaublichen Wendungen, die die Geschichte immer wieder nimmt. Ich habe manches Mal sprachlos dagesessen, weil ich damit nicht gerechnet hatte.

Ich habe dieses Debüt sehr gerne gelesen und freue mich jetzt schon auf weitere Bücher dieser Autorin!