Das geraubte Leben der Nordkoreaner

Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 11.03.2013
ISBN: 9783518465226
Preis: 10,99 €

Klappentext
Pak Jun Do hat noch nie einen Film gesehen, kaum je ein Werbeplakat, er findet es merkwürdig, dass woanders Leute Tiere im Haus halten, und wundert sich über Maschinen, die Geld auswerfen. Er kennt keine Ironie, keine Kunst, keine Mode und keine Magazine. Aufgewachsen im nordkoreanischen Waisenhaus „Frohe Zukunft“, ist er ein winziges Rädchen im großen Getriebe der absurd-grausamen Herrschaft des „Geliebten Führers“ Kim Jong Il. Nur ein falsches Wort kann jeden sofort ins Lager bringen. Doch mit der Zeit beginnt Jun Do an etwas zu glauben, was stärker ist als Staatstreue: Freundschaft und Liebe. Als er die Schauspielerin Sun Moon trifft, lernt er das bedingungslose Vertrauen in einen anderen Menschen kennen. Und nur dafür lohnt es sich zu überleben.

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Obwohl diese Geschichte eine „fiktive“ ist, steckt doch mehr Realität und Wahrheit über Nordkorea darin, als man als Leser wahr haben möchte. Dieses Buch ist keine einfache Lektüre, und es braucht eine Zeit, bis man sich darin zurecht findet. Denn das was man hier liest lässt einem den Atem stocken.

Menschen sind hier nicht Menschen. Sie sind Spielbälle des „Geliebten Führers“. Er allein bestimmt und manipuliert wie es ihm gefällt. Männer bekommen ihre Ehefrauen zugewiesen. Stirbt der Mann, wird ein Ersatzmann für die Frau gefunden. Hübsche junge Frauen werden verschleppt und müssen dort als Hostessen arbeiten. Denunzierte werden solange gefoltert bis sie gestehen und landen dann im Arbeitslager. Sterben sie dort, zapft man ihnen das Blut für Blutkonserven ab. Oder aber sie werden durch Elektroschocktherapie ihrer Vergangenheit beraubt. Menschen verschwinden einfach und keiner wagt es danach zu fragen, denn für alles hat der „Geliebte Führer“ eine Geschichte. Seine Geschichte.

Ihr denkt, dass kann und darf im 21. Jahrhundert nicht sein? Leider ist dem so. Ich habe mich schlau gemacht und im Netz gestöbert. Leider ist das der traurige Alltag in Nordkorea. Was die Menschen dort ertragen müssen ist einfach unfassbar, und die „mächtigen“ Staaten und Länder drum herum können nichts machen, um diesen Wahnsinn zu beenden.

Trotz alledem was ich lesen musste über Jun Do und sein Leben in Nordkorea, lässt mich dieses Buch nicht ganz so traurig zurück. Denn trotz aller widrigen Umstände lernt Jun Do Menschen kennen, denen er vertrauen kann, und die ihm zeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen. Vielleicht schaffen andere Menschen in Nordkorea diesen Schritt auch, und vielleicht erhebt sich irgendwann ein ganzes Volk gegen den „Geliebten Führer“ … vielleicht … ich wünsche es mir sehr!!!

„(…) Als Buc weg war sagte er zu Jun Do:“Wo wir herkommen, sind Geschichten Realität. Wenn der Staat einen Bauern zum Musikvirtuosen erklärt, dann tun alle gut daran, ihn von da an Maestro zu nennen. Und er selbst täte gut daran, insgeheim Klavier zu üben. Für uns hat die Geschichte eine größere Bedeutung als die Person. Wenn ein Mann nicht zu seiner Geschichte passt, dann ist es der Mann der sich ändern muss.“ (…) (Seite 191/192)

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