#reasonstostayalive

dtv Verlagsgesellschaft Fester Einband 304 Seiten Erscheinungsdatum: 18.03.2016 Preis: 18,90 € ISBN: 9783423280716

dtv Verlagsgesellschaft
Fester Einband
304 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.03.2016
Preis: 18,90 €
ISBN: 9783423280716z

Klappentext
Ein Buch, das es eigentlich gar nicht geben dürfte.
Denn als er 24 war, brach Matt Haigs ganze Welt zusammen. Er wusste nicht, was es war, das ihm da widerfuhr – er merkte nur, dass sein Leben ihm plötzlich zur unerträglichen Last geworden war … Dieses Buch ist eine sehr persönliche Abrechnung mit einem Schicksal, das jeden und jede treffen kann. Die Schilderung, wie Matt Haig allmählich seine Depressionen besiegt und ins Leben zurückfindet, ist ebenso unterhaltsam wie berührend – und aus jeder Zeile spricht tiefe Überzeugung, dass das Leben unbedingt lebenswert ist.

„Ich habe dieses Buch geschrieben, weil letztendlich doch etwas dran ist an den uralten Klischees: Die Zeit heilt alle Wunden … und es gibt ein Licht am Ende des Tunnels, auch wenn wir es zunächst nicht sehen können. Und manchmal können Worte einen Menschen tatsächlich befreien.“

∗∗∗∗∗

„Eins der wesentlichen Symptome der Depression ist, keine Hoffnung zu haben. Keine Zukunft zu sehen. Da ist kein Licht am Ende des Tunnels, denn der Tunnel ist an beiden Enden zu, und du bist drin.“ (Seite 7)

Als ich dieses Buch in die Hand genommen habe, habe ich einen Roman über Matt Haigs Depressionen erwartet. Eine Geschichte in etwa wie die („Mr. Chartwell“) über Churchills Depressionen. Doch das Buch, das Matt Haig über sein Leben mit der Depression schreibt ist anders. Es ist auch nicht wirklich einzuordnen, obwohl es als Roman/ Belletristik/ Erzählung gelistet ist. Obwohl … es ist schon eine Art von Erzählung, und zwar eine ziemlich persönliche.

Viele Menschen sind auf der ganzen Welt an Depressionen erkrankt. Für die meisten davon ist es ein Tabuthema. Doch warum? Vielleicht, weil die Nichterkrankten zu wenig aufgeklärt sind? Ich weiß es nicht und könnte an dieser Stelle nur Vermutungen äußern.

Daher ist es umso wichtiger, dass es Menschen wie Matt Haig gibt, die den Mut haben über ihre Erkrankung zu sprechen.

„Von außen sehen die Leute nur deine physische Form, eine zusammenhängende Masse von Atomen und Zellen. Doch innen hast du das Gefühl, als hätte es gerade einen Urknall gegeben. Du fühlst dich verloren, aufgelöst, über das Universum verteilt, mitten im unendlichen schwarzen Raum.“ (Seite 76)

Und genau das ist einer der Punkte. Nichterkrankte sehen unter Umständen einen Menschen vor sich, der wie das blühende Leben aussieht. Doch innerlich ist alles schwarz und dem Tod näher als dem Leben. Man bricht plötzlich ohne Grund in Tränen aus und kann es nicht erklären. Wir Menschen brauchen für alles eine Erklärung oder Anleitung, doch die gibt es für Depressionen nicht.

Das Buch ist in fünf übergeordnete Themen gegliedert. Fallen – Landen – Aufstehen – Leben – Sein. In diesen einzelnen Themengebieten gibt er uns Einblicke in den Anfang seiner Depression, ihrem Verlauf und was er getan hat, um mit ihr zu leben bzw. zu überleben, denn eine Depression verschwindet nie, sie kann immer wieder zum Vorschein kommen.

Die einzelnen Themeneinblicke haben mir gut gefallen. Es ist ein Mix aus persönlichem und recherchiertem Material. Das machte es für mich als Leserin spannend.

Matt Haig hat auch über im Netz über seine Depressionen geschrieben. Er hat User/ Gleichgesinnte gefragt, was ihnen die Kraft gibt weiter zu machen. Die Antworten darauf waren sehr berührend. Hier habe ich mal zwei raus gepickt …

„@ilonacatherine
Nicht jeder hält dich für die Platzverschwendung, für die du dich hältst, wenn du depressiv bist. Glaub mal den anderen #reasontostayalive

@jeebreslin
Weil ein goldenes Du in dir steckt, das dich lebt und das will, dass du siegst und lebst und glücklich bist. #reasonstostayalive“ (Seite 251/ 252)

Im Buch gibt es viele Tipps, was man machen kann um aus dem schwarzen Loch wieder raus zu kommen, bzw. erst gar nicht rein zu fallen. Das sind zum Teil sehr banale Dinge, doch auch ich habe mir ein paar Dinge davon heraus geschrieben und an meine Postkartenwand gehängt. Für den Fall, dass ich mal einen schlechten Tag habe. Denn den hat jeder mal, und da helfen auch die „Anleitung zum Leben“ von Matt Haig. Es sind Dinge, die mir einen liebevolleren Umgang mit mir und meiner Welt zeigen.

Am Ende des Buches ist noch ein kurzes Interview mit Matt Haig. Die letzte Frage lautet:

„Ganz aktuelle in diesem Moment: Ein oder mehrere ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben?

Menschen. Liebe. Die Zukunft. Möglichkeiten. All die unbekannten Momente, die noch erlebt werden wollen. Das Wissen, dass ich, wenn die Depression wiederkommt, sie überstehen werde. Ich bin der Himmel. Die Depression ist nur die Wolke.“ (Seite 310)

In diesem Sinne … lieber Matt Haig … wünsche ich Ihnen wenige Wolken am Himmel.

 

4 von 5 Sternen

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