Die Partitur des Lebens

duotincta Flexibler Einband  250 Seiten Erscheinungsdatum: 13.10.2015  Preis: 14,95 € ISBN: 9783946086048

duotincta
Flexibler Einband
250 Seiten
Erscheinungsdatum: 13.10.2015
Preis: 14,95 €
ISBN: 9783946086048

Rückentext
Was bleibt zu tun, wenn der Tod unmittelbar bevorsteht? Die Wohnung ist ausgeräumt, alle Vorkehrungen sind bereits getroffen.
Lászlò, der in jungen Jahren aus Ungarn in die Schweiz geflohen ist, sitzt in seiner leeren Wohnung und wartet auf einen jungen Mann. Auf einem Tisch stehen ein paar Flaschen Portwein und Brandy, daneben liegt ein Stapel Manuskripte von Dominik: Das Vermächtnis von Lászlòs altem Freund, das er vor der Vernichtung bewahren möchte und deshalb ausgerechnet einem Unbekannten überlassen muss. Aus der Begegnung wird ein Gespräch, das eine Verbundenheit offenbart, die alles in ein anderes Licht taucht:
Vor dem Antritt seiner letzten Fahrt reist Lászlò in die eigene Vergangenheit und beginnt an die letzten Geheimnisse seines Lebens zu rühren, ein Leben, das sich aus Scheitern, Liebe, Schuld und Ideologie formte.

∗∗∗∗∗

Das Leben verlieren ist keine große Sache;
aber zuzuschauen,
wie der Sinn des Lebens aufgelöst wird,
das ist unerträglich.
Albert Camus ( Seite 9)

Lászlò ist am Ende seines Lebens angekommen. Er weiß, dass er an seiner Erkrankung irgendwann sterben wird. Doch das nimmt er so nicht hin und somit hat er beschlossen, seinem Leben ein Ende setzen wird. Für den nächsten Tag ist alles in einer schweizerischen Sterbeklinik vorbereitet. Doch vorher ordnet er noch die letzten Dinge in seinem Leben. Er räumt seine Wohnung leer und bestellt sich einen jungen Mann in die leere Wohnung. Lediglich ein paar Flaschen Portwein und Brandy stehen auf einem vereinsamten Tisch herum. Lászlò möchte diesem ihm unbekannten Mann das Manuskript seines alten Freundes Dominik geben. Nichts ist ihm wichtig, doch dieses Manuskript darf nicht mit ihm sterben. So wird aus einem einfachen Treffen ein Gespräch über das Leben und den Tod.

„Wer sagt der Nacht, das sie enden muss? Wer zeigt den Straßen, wo sie hinführen sollen? Und wer sagt dem Lebendigen, dass er allmählich zu zerfallen hat? Schwächer werden, gebrechlicher, langsamer. Es passiert, ohne das ich es verstehe. (Seite 11)

Eigentlich denkt man bei diesem Plot, das ist eine Geschichte, die schnell erzählt und gelesen ist. Zumal das Buch „nur“ 145 Seiten hat. Doch ehrlich gesagt haben es diese 145 Seiten in sich. Schon direkt zu Anfang habe ich Probleme der Geschichte zu folgen. Ich habe das Gefühl alle Infos springen hin und her … Zeit, Orte, Menschen … Allein die ersten drei Seiten haben nur ein großes Fragezeichen in meinem Kopf hinterlassen. Also habe ich das Buch zugeklappt, und es ein paar Tage auf Seite gelegt.

„Der menschliche Geist existiert in einer seltsamen Welt. Niemand vermag genau zu sagen, wann er beginnt, wo er entspringt. Die ersten Erinnerungen des Kindes sind lediglich die ersten fassbaren Zeichen. Denkt man darüber nach, ist das Denken immer da gewesen. Ein infiniter Regress, denn bevor ich über das Denken nachdenken kann, muss ich bereits gedacht haben. So dreht sich das Bewusstsein in einer Endlosschleife rückwärts in die vergangene Unendlichkeit . Als wäre jemand vor mir da gewesen, der mein Leben gelebt hat, das ich erst nachträglich verstehen kann.“ (Seite 12)

Nach ein paar Tagen habe ich es dann noch einmal zur Hand genommen, habe mich langsam der Geschichte angenähert und dann passierte es … ich tauchte ein in eine Geschichte voller philosophischen Ansätze. Einer Geschichte, die ein Leben Revue passieren lässt. Ein Leben voller Schuldgefühle, Unzulänglichkeiten, Liebe, Freundschaft und der Liebe zum Leben.

„So real kann die Realität sein, befürchte ich. Zum ersten Mal in meinem langen Leben wird mir die Zeit physisch bewusst. Als wäre ich eine Sanddüne, die jeden Windhauch im eigenen Vergehen spürt.“ (Seite 32)

„Letzte Runde“ ist sicherlich kein einfacher Roman. Einmal, weil es um ein Thema geht, dem die meisten Menschen so lange wie möglich ausweichen … dem Tod. Und wenn es dann noch um den eigenen Tod geht, dann blockiert man ganz. Dann ist da noch die Sprache. Manche Stellen musste ich mehrfach lesen, um zu begreifen, was sie zu bedeuten haben, was sie mir sagen wollen. Doch bei all den kleinen Schwierigkeiten haben mich  gerade die poetische Sprache, so wie die philosophischen Ansätze begeistert.

Ich habe mich oft gefragt woher eine so junge Autorin (Stefanie Schleemilch wurde 1986 geboren) diese tiefgründigen Ansätze hernimmt.

Letztendlich denke ich, wenn man ein erfülltes Leben hatte, mit  seinen Höhen und Tiefen, dann kann von dieser großen Bühne gehen … ohne Traurigkeit und Wehmut!

„Ich bin kein Mensch mit Gerechtigkeitssinn, kein Mensch des großen Ganzen, kein Philosoph. Ich versuche nicht, meinen Tod durch Gründe zu rechtfertigen; es geht beim Sterben schlicht und pragmatisch darum, den begrenzten, engen Raum auf dieser Welt für Neues frei zu geben. Es geht nicht darum, dass ich meinen Zweck erfüllt habe, es geht darum, dass ich überflüssig geworden bin.“ (Seite 102)

4 von 5 Sternen

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